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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Montag, 17. Juni 2013

Die Verkehrsinsel (11)

Schon letztes Jahr staunten wir ja über die zahlreichen Kirchen, die über den erz­katho­lischen Inselstaat verstreut sein Landschaftsbild nachhaltig prägen. Eines der eindrucksvollsten Exemplare ist die Johannes dem Täufer geweihte Kuppelkirche von Xewkija, die wir hier aus einiger Entfernung alles andere überragen sehen:

Die große Kuppelkirche von Xewkija

Leider eignen sich diese weithin sichtbaren Landmarken nur bedingt zur Orien­tie­rung: Es gibt ihrer so viele, daß man seinen gottgefälligen Weg vor lauter Kirchen kaum sieht, ähnlich wie es sich im Sprichwort mit dem Wald und den Bäumen ver­hält. Wälder freilich gibt es auf Gozo nicht und in Malta nur einen dreiviertelten, insofern ist die enorme Packungsdichte von Gotteshäusern wohl durchaus als Aus­gleichs­maß­nahme zu werten…

Tags drauf haben wir uns dann die Church Of St John The Baptist nicht nur aus der Nähe, sondern auch von innen angesehen. Aus dem heimischen Sandstein gebaut, ist sie natürlich von entsprechender Farbgebung:

Innenansicht der Kirche von Xewkija

Neobarocke Architektur und quietschbunt manieristische Innenausstattung gehen Hand in Hand, was allerdings selten zu sehen ist, sind angemessen dimensionierte Orgeln. Tatsächlich findet man sogar in den größeren Kirchen oft gar keine »richtige« Orgel auf der Empore, sondern nur ambulant aufgeständerte Yamaha-Keyboards mit angeschlossenen Party-Beschallungs-Boxen. Verwunderlich, aber vermutlich auf eine nicht vorhandene heimische Orgelbau-Tradition zurückzuführen. Schade, Resonanz­raum und Volumen für die größten Baßpfeifen wäre vorhanden!

Jetzt aber wieder hinaus aus der weihrauchschwangeren Sakralatmosphäre an die frische (Meeres-)Luft, wo der Geruch des Meeres und der Blick in die Ferne zum Absprung in die Tiefe locken:

Sprungbrett in den Abgrund

Na ja, letztlich entsann ich mich dann doch des Umstandes, keine Flügel zu haben. Aber auch mit solchen hätte ich mich fürchten müssen: Hier am südlichsten Zipfel Gozos kam uns nämlich einer jener Ballermänner kurz ins Blickfeld, von deren (Un-)Taten wir ansonsten den ganzen Tag über ständig was zu hören bekamen:

Jäger mit Jagdhund

Einerseits katholisch sein und sonntags die Schöpfung lobpreisen, anderseits aber Teile derselben nach Kräften auszurotten, derlei Bigotterie ist nach wie vor bizarrer Alltag auf Gozo und Malta. Und dann laufen die Pistoleros resp. Flintoleros auch noch martialisch getarnt im Gelände herum, als ginge es darum, sich im Guerilla-Kampf einer Invasion übermächtiger Feinde zu erwehren. Man sollte die Piff-Paff-Puffis in einem abgegrenzten Gelände (gerne mit Tribünen drumherum) zusammenpferchen und sich gegenseitig abschießen lassen, daß hätte zumindest noch einen gewissen sportlichen Charakter…

Es braucht vermutlich noch Jahrzehnte, bis der kollektive Inselkoller soweit abgeflaut ist, daß Zugvögel auf der Route zwischen Europa und Afrika nicht mehr bei der Zwischenlandung um ihr Leben fürchten müssen. Womöglich liegt die Schießfreude der Gozitaner und Maltesen ja im militärischen Erbe begründet, dessen steinerne Zeugnisse (ähnlich wie die Kirchen) noch überall herumstehen und weithin zu er­spähen sind:

alter Wachturm an der Südküste Gozos

Themenwechsel: Wenn man den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und eine zwei­stellige Anzahl von Kilometern durch die Landschaft getrottet ist, dann freut man sich in den Abendstunden auf einen barrierefreien Spaziergang durch die Dörfer und Städtchen und hofft auf eine zum Naturerlebnis kontrastierende Auswahl an pitto­resken Fotomotiven. Meiner einer ist ja nicht schnell genug (weder von der inneren Einstellung noch von mitgeführten Ausrüstung her) zum Einfangen bewegter Objekte oder Lebewesen, auch neigt der zonebattler in seiner wehmütig-elegischen Grund­disposition ohnehin den melancholischen Motiven zu. Da kommt ein kamera­be­wehrter Tagesausklang im Hauptstädtchen Victoria (alias Rabat) gerade recht:

sommerliche Sonnenschirme, auf schattigem Platze den nächsten Morgen erwartend

Eigentlich müßte man bei sowas eine dicke Spiegelreflex auf das schwere Stativ schrau­ben, die Komposition skrupulös perfektionieren und erst dann genau einmal auf den Auslöser drücken. Meiner einer stellt sich breitbeinig selbst als Stativ vor das Motiv, drückt sich die schwenkdisplaytragende Knipse auf den Gürtel, zieht die Wampe ein und hält die Luft an, bevor er dann ein halbes Dutzend mal abdrückt (und später daheim das am wenigsten verwackelte Foto heraussiebt). Nein, für werbe­plakat­große Abzüge taugt die Vorgehensweise eher nicht, aber ja, ich will im Urlaub möglichst unbeschwert herumkrabbeln und nicht mehr kilogrammweise Fotoapparate mit mir herumschleppen…

So, nachdem wir gerade ein so schönes Rot als Blickfänger benutzt hatten, muß jetzt zur Abwechslung mal was blaues her. Und siehe, nur vier Minuten und wenige Dutzend Schritte später kam mir schon was Schönes vor die Linse:

blauweißes Moped

An diesem – vermutlich gar nicht so alten – Moped läßt sich einmal mehr das prag­ma­ti­sche Verhältnis der Bevölkerung zu Ihren Werkzeugen und Vehikeln illustrieren: Gepflegt wird nix (allenfalls notdürftig repariert, was sonst gar nicht mehr ginge), was abgewirtschaftet ist, wird ersetzt. Die für präventive Instandhaltung nicht investierte Zeit kann anderswie sinnvoll genutzt werden (z.B. zum Schrotschießen).

Aber jetzt will ich nicht länger nölen, ich bin ja schließlich selbst nicht konsequent und lichte einerseits knatternde Stinker ästhetisierend ab, die ich dann andererseits (mitsamt ihren Fahrern) verwünsche, sobald sie bestimmungsgemäßem Gebrauch unterzogen werden. Nochmal acht Minuten und ein paar Meter weiter fand ich zum guten Schluß dieses werbende Paddel eines Reiseveranstalters vor:

Werbepaddel

Von der mittleren Trendsportart hatte ich bis dato noch nie etwas gehört, wiewohl ich im Zivil- wie im Berufsleben schon manche Gelegenheit zum unauffälligen Abseilen ergriffen habe. Da mußte ich mich tatsächlich in der Wikipedia rückversichern, daß es das »Abseiling« tatsächlich als etablierte Bezeichnung gibt. Ein deutsch-englisches Lehnwort-Konstrukt, welches ich natürlich unverzüglich meinem Wortschatz ein­ver­leibt habe. Solch ein schönes Souvenir lobe ich mir: kostet nix, macht nicht dick und fängt keinen Staub.

Aus demselben mache ich mich aber jetzt und vertröste die geneigte Leserschaft auf den nächsten Teil, der etwa im Wochenabstand folgen wird…

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Samstag, 15. Juni 2013

Rosenstolz (2)

Rose im Garten
 
Rose im Garten
 
Rose im Garten
 
Rose im Garten
 
Rose im Garten
 
Rose im Garten
 

Zufälle gibt es, die glaubt einem kein Mensch: Vorhin hatte ich spontan die Idee zu diesem Beitrag, wohl wissend, daß er schon einen Vorgänger hat. Aber daß ich jenen auf den Tag genau heute vor sieben Jahren angefertigt habe, ist mir gerade erst auf­gefallen. Schon merkwürdig, nicht wahr? Noch erschütternder finde ich freilich, wie schnell doch die Zeit dahinzurasen scheint, je älter man wird…

Donnerstag, 13. Juni 2013

Einzigartigkeit

Heute hingegen ist mir was eingefallen, wenngleich nichts, was zum Frohsinn Anlaß gäbe: »‘Abriß verpflichtet’ – Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht« ist mein mir vom Furor direkt in die Finger diktierter Beitrag in der »Fürther Freiheit« über­schrieben.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Eigenartigkeit

Mir fällt heute nichts Besseres ein, als auf diesen Beitrag der Raumfee zu verweisen, vor deren Eigenart ich mich dankbar und bewundernd verneige.

Montag, 10. Juni 2013

Die Verkehrsinsel (10)

Die Insel Gozo wollten wir uns primär per pedes erwandern, da traf es sich gut, daß das Frühstücks-Bufett im Grand Hotel zum Davonlaufen war. Also eigentlich nicht die dargebotenen Speisen, sondern vielmehr die immer gleiche Musikberieselung, die aus einem schwer erträglichen Mittelalter-Medley aus den 1970er Jahren bestand: Neben Abba-Evergreens (»Suuupaaaa Truuupaaa«) erodierten besonders die James-Last-Arrange­ments deutscher (!) Volkslieder unsere Hörnerven. Das britische Pub­li­kum indes nahm diese späte Rache des ehemaligen Kriegsgegners erstaunlich gleich­mütig, ja nachgerade stoisch hin. Womöglich haben die Engländer die easy-listening-Varianten von »Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus« und anderen germa­ni­schen Schenkelklopfern aber auch gar nicht erkannt…

Apropos erodieren: Die Erosion ist bekanntermaßen ein immer wiederkehrendes Motiv auf dem maltesichen Archipel, ich hatte letztes Jahr schon darüber ge­schrie­ben und werde auch diesmal mehrfach darauf rekurrieren. Weil den Maltesern und Gozitanern die Häuser von Wind und Wetter sozusagen unter dem Hintern weg­pulveri­siert werden, herrscht stete Nachfrage nach neuen Sandsteinen, wie sie in zahl­rei­chen Steinbrüchen im Wortsinne aus dem Vollen gesägt [1] werden:

Steinsäge in einem Steinbruch

Trotz sorgfältigen Sägens scheint es gleichwohl jede Menge Bruch zu geben, denn die Straßen, Felder und Äcker sind gesäumt von Steinen, die aus irgendwelchen Gründen nicht verbaut worden sind. Mitunter meint man, ein zorniges Riesenbaby habe seine LEGO-Kiste ausgeschüttet und den Inhalt über die Landschaft verstreut…

Die unversehrten Steine türmt man gerne auch himmelwärts zur Ehre Gottes auf, wie das Exempel der Pfarrkirche von Għajnsielem zeigt:

Die Pfarrkirche von Għajnsielem

Doch auch mit Gottes Segen wird sein Haus nicht so lange halten wie die bis heute erhaltenen Tempelanlagen aus der Jungsteinzeit, denn der Zahn der Zeit nagt schneller an dem weichen Material, als den jeweiligen Besitzern recht sein kann. Mitunter sieht das Zerstörungswerk der Elemente dabei sogar recht dekorativ aus:

stark verwitterte und erodierte Hausfassade

Körbe- bzw. speicherkartenweise könne ich hier Fotos von interessanten Mauern ausbreiten, von neuen und alten und solchen, bei denen die Datierung schwerfällt: Was heute in Remineszenz an den georgianischen Stil erbaut wird und noch gleißend gelb in der Sonne leuchtet, sieht wenige Jahre später oft schon aus wie aus dem 19. Jahrhundert überkommen…

Niemand scheint sich indes an dem eigentlich zu weichen Baumaterial zu stören, es hält ja immerhin auch die Baukonjunktur am Laufen, jedenfalls bis zur Erschöpfung der natürlichen Lagerstätten. Hier noch ein nettes Beispiel für das kreative Spiel mit Sandstein-Bauklötzen:

zugemauerte Türöffnung

Doch vorerst genug erzählt von des Menschen Wirken, jetzt schauen wir uns endlich in der Natur um. Von unserem hafennahen Stand- und Wohnort aus machten wir uns zunächst zu Fuß auf und erkundeten die Küstenlinie in der näheren Umgebung. Aber auch da begegnet man natürlich auf Schritt und Tritt der Erosion:

erodierender Sandstein an der Küste Gozos

Während sich daheim in Deutschland ein rechtes Frühlingswetter partout nicht ein­stell­en wollte, genossen wir in den ersten Tagen unseres Urlaubs auf den malte­sischen Inseln reichlich Sonnenschein, weswegen wir uns an allen exponierten Hautpartien gut mit Sonnenmilch präparierten und die Köpfe mit Tüchern gegen Hitz­schlag schützten. Man holt sich sonst leicht einen schweren Sonnenbrand und be­merkt das erstmal gar nicht, denn in Meeresnähe weht ja fast immer ein kühlen­des Lüftchen…

Wind und Sonne machen sich die Menschen hier übrigens seit jeher zunutze, um dem Meer sein Salz abzutrotzen: Noch heute finden sich überall ganze Netze an künstlich angelegten Bassins, in die das Meerwasser zur Verdunstung geleitet wurde. Auch wenn heute viele Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr betrieben werden, so sind sie immer noch gut erhalten vorhanden und schön anzuschauen. Wir haben ein Kilo feinsten Meersalzes selber händisch schöpfen und später als wohl­schmecken­des Souvenir mit nach Hause nehmen können:

Salzgewinnung in einer stillgelegten Verdunstungsanlage

Der Trick dabei war, nicht nach dem trockenen, bereits auskristallisierten Salz zu schielen (welches man wohl mühsam bergmännisch mit Hammer und Meißel abbauen müßte), sondern die noch feuchte, gesättigte Sole zu bergen, die sich sehr leicht auf­nehmen ließ und die nach dem Abtropfen der noch flüssigen Salzlösung im Hand­umdrehen zu einer Handvoll reinsten Meersalzes wurde. Natürlich kann man sich sowas auch abgepackt kaufen, aber selbstgefangenes Salinensalz schmeckt nochmal so gut!

So, nachdem wir das Salz für die Suppe eingesammelt und in einer dichten Plastikbox sicher verstaut hatten, wandten wir uns irgendwann landeinwärts und erfreuten uns an der üppigen Vegetation des gozitanischen Frühlings:

bunter Frühling auf Gozo

So bunt und blütenreich geht es hier freilich wirklich nur im Frühling zu: Im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig auf die Inseln hernieder und läßt die steinige Land­schaft um einiges karger erscheinen. Wer Malta und Gozo bereisen und sich an der Flora ergötzen will, tut das am besten von April bis Juni, auch wenn die mittel­meeri­schen Wassertemperaturen dann noch nicht wirklich zum Bade laden…

Aber auch ohne den Drang zum Eintauchen in das noch etwas kühle Naß zog es uns immer wieder dorthin, wo die Wellen an die Gestade schlagen, sich allerlei Getier beobachten läßt (und leider auch mancherlei menschengemachter Müll). Sehr in­ter­es­sant sind überdies die zahlreichen wuchtigen Beobachtungstürme, die schon vor Jahr­hun­der­ten – zur Blütezeit des Malteserordens – errichtet worden sind, um etwaige Inva­soren rechtzeitig ausmachen zu können:

Der Dwejra Tower

Der im Bild gezeigte Dwejra Tower in der Nähe des berühmten Azure Window lohnt schon der grandiosen Aussicht halber die Besteigung, vorzugsweise dann, wenn sich gerade keine Schulklasse schnatternder Mädchen durch das Gebäude kichert…

Soviel für heute; Fortsetzung folgt !

 
[1] Recht eigentlich müßte man diese Abbaustätten eher als Steingesägen denn als Steinbrüche bezeichnen, denn die Quader werden ja eben nicht aus dem gelben Gestein gebro­chen, sondern gesägt. Man vergleiche dazu meine überaus stringente Argumentation in Sachen Zug/Schub.

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Sonntag, 9. Juni 2013

Zersetzungserscheinungen

Von ca. 1975 bis März 1983 habe ich mir eine (Klassik-)LP-Sammlung aufgebaut, seit der Einführung der CD dann nur noch silberne Scheiben zugelegt. Neulich holte ich meine Lieblingsaufnahme des Wagner’schen Parsifal aus dem Regal, die ich lange nicht mehr angefaßt hatte, da ich sie vor Jahren schon »gerippt« und unterwegs nur die platzsparende mp3-Fassung gehört habe.

Beim Aufklappen dieser 4-CD-Box der Deutschen Grammophon machte ich eine sehr unangenehme Entdeckung: Die beiden darin enthaltenen Schaumstoff-Quadrate, die zwischen jeweils 2 gegenüberliegenden CDs eingelegt waren, um dieselben gegen gegenseitiges Beschädigen zu schützen, hatten sich teilweise sehr innig mit den Scheiben verbunden. Offenbar gab es da chemische Reaktionen infolge alters­be­ding­ter Weichmacher-Ausdünstung, die teilweise zum bekannten Zerbröseln des Schaum­stoff­materials führten, mitunter aber eben auch dazu, daß sich der Schaumstoff in die Labelseite der CDs regelrecht »einbrannte«. Abspielen lassen sich die derart angegriffenen Discs immerhin (noch)…

Daraufhin habe ich alle meine CD-Boxen und auch die dicken LP-Mehrfachalben auf­gemacht (schon zu LP-Zeiten waren ja -entsprechend große- Schaumstoff-Einlagen Usus, um ein unkontrolliertes »Geklapper« in der Schachtel zu unterbinden). Das Ergebnis: Überall das Gleiche, die überwiegend jahrzehntealten Schaumstoffmatten haben ihre Elastizität verloren, zerbröseln einem unter den Fingern und in einigen Fällen haben sie sich mit den zu schützenden Silberscheiben in kaum zu trennende Beziehungen begeben.

Ich kann allen Leserinnen und Lesern nur raten, ihre Sammlungen durchzusehen und etwa vorhandene »Zeitbomben« dieser Art schnellstmöglich zu entfernen: Der Schutz­effekt geht über die Jahre sowieso flöten und kehrt sich irgendwann heim­tücki­scher­weise ins Gegenteil um!

Samstag, 8. Juni 2013

Kindeskinder

Nachbarskinder beim Spielen
Freitag, 7. Juni 2013

Arbeitserleichterung

Im von mir betreuten »Begleitschreiben« habe ich ein kleines Fußnoten-Plugin installiert, welches dem Autor eines Artikels das Anlegen indizierter Anmerkungen ebenso erleichtert wie der werten Leserschaft das Studieren: Hält man den Maus­zeiger auf eine der hochgestellten Index-Zahlen, so erscheint der dazugehörige Fußnoten-Text in einem dezenten Popup-Fensterchen. Beispiel gefällig? Dann bitte hier entlang

Montag, 3. Juni 2013

Farbe bekennen (2)

Wie meine Fürther Leserinnen und Leser vermutlich allesamt längst wissen, soll in der Innenstadt unter dem abgegriffenen Titel »Neue Mitte« ein Einkaufszentrum enstehen, dem allerlei alte Gebäude, insbesondere aber das markante Park-Hotel und dessen denkmalgeschützter Fest-Saal zum Opfer fallen sollen. Übrigens ohne daß damit ein nennenswert anderes (oder gar besseres) Waren-Angebot in die Stadt käme als schon vorhanden ist: Im wesentlichen werden nämlich die bereits präsenten Filialisten in die neue Immobilie ziehen (und ihre bisherigen Standorte im Fürther Stadtzentrum als verwaiste Leerstände hinterlassen).

Das Hin und Her um die Planungen, die Investorenauswahl und die mitunter merk­würdi­gen Begleitumstände sind an diversen Stellen dokumentiert, beispielsweise auf der Homepage der Bürgerinititative »Eine bessere Mitte für Fürth«, der Website des Vereins »Wir sind Fürth«, aber auch in der Rubrik »Häuserkampf« des von mir herausgegebenen und betriebenen Bürger-Blogs »Fürther Freiheit«. Wer sich dort einliest und kundig macht, wird ein Delta entdecken zwischen der von der Stadt versprochenen Transparenz und Bürgerbeteiligung einerseits und den tatsächlichen Abläufen und Entscheidungen andererseits…

Als überzeugter Wahlbürger der Stadt Fürth, der vor 33 Jahren hier seine Ausbildung begonnen hat und seit fast 14 Jahren hier lebt, bin ich der Meinung, daß man nicht nur den heute allseits bedauerten Abrißsünden der Vergangenheit hinterherweinen darf, sondern auch verhindern muß, daß eine kurzsichtige Politik neue Sünden begeht und weitere restaurationsfähige Altbausubstanz den Investorenwünschen opfert. ich mache daher auf die von Stadtheimatpfleger Dr. Alexander Mayer initiierte Online-Petition »Kein Abbruch des historischen Festsaals in Fürth (Bayern)« auf­merk­sam und rufe bitte, diese zu unterzeichnen. Es geht dabei wohlgemerkt nicht um das Verhindern von längst überfälligen infrastrukturellen Verbesserungen, sondern um das Erhalten und Reparieren von Alleinstellungsmerkmalen, um die man uns ringsherum be­nei­den würde: Ein neues Einkaufszentrum in und um einem im alten Glanz er­strah­len­den Festsaal mit Markthallen-Funktion, das ist das Pfund, mit dem Fürth wuchern könnte. Langweilige 08/15-Kommerzbauten gibt’s nebenan in Erlangen und Nürnberg schon mehr als genug!

Samstag, 1. Juni 2013

Bonjour tristesse (55)

obsolete Leuchtreklame eines Resteverkaufs (Fürth, Moststraße)
 
obsolete Leuchtreklame eines Resteverkaufs (Fürth, Moststraße)
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Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Verkehrsinsel (9)

Im letzten Teil der Reiseberichterstattung von 2012 hatte ich es schon angedeutet, daß es womöglich auch heuer wieder nach Malta gehen könnte. Und so kam es dann tatsächlich: Zur gleichen Jahreszeit wie im Vorjahr bereisten der zonebattler und seine bessere Hälfte von Ende April bis Anfang Mai für knapp drei Wochen den medi­terranen Inselstaat. Um der faktischen Fortsetzung des vorausgegangenen Urlaubs auch virtuell Rechnung zu tragen, setze ich die Serie unter dem gleichen Titel nahtlos fort und werde mir auch diesmal (über einige Wochen gestreckt) insgesamt acht bunt bebilderte Folgen abringen, zur Bewahrung meiner eigenen Erinnerungen und hoffent­lich auch zur Erbauung meiner geschätzten Leserschaft…

Also dann los: Nachdem sich ein durchgängiger Wohnort (Sliema) beim ersten Aufent­halt auf Malta angesichts der zeitraubenden Busfahrerei als suboptimal heraus­kristallisiert hatte, splitteten wir diesmal den Urlaub auf zwei weit aus­ein­an­der­liegende Standorte auf: Erst verbrachten wir zehn Tage auf der be­schau­li­chen Insel Gozo, nach deren ausgiebigen Erforschung wir dann noch für eine Woche auf die quirlige Hauptinsel, namentlich in die Hauptstadt Valletta übersiedelten. Hier zu­nächst die traditionsgemäß angefertigte Überblickskarte mit unseren vom stets mit­ge­führ­ten Vorratsdatenspeicher feinsäuberlich mitprotokollierten Wegen:

Gozo und Malta im Luftbild (Google Earth) mit eingearbeiteten GPS-Tracks

Doch halt, werfen wir noch einen kurzen Blick zurück auf die diesmal recht aben­teuer­liche Anreise: Während wir in 2012 noch recht kommod von Nürnberg aus direkt mit Air Berlin gen Malta schweben konnten, hat sich die von meinem Ex-Chef-Chef-Chef-Chef Hartmut Mehdorn geführte Airline inzwischen aus NUE weitgehend ver­ab­schie­det, so daß wir diesmal von MUC aus mit Air Malta fliegen mußten. Von Nürn­berg nach München zu kommen bedeutet normalerweise, eine recht unspektakuläre gute Stunde im ICE zu sitzen. Diesmal freilich standen wir dichtgedrängt im Zuge, denn aufgrund einer Kupplungsstörung in Köln verkehrte unsere blecherne Weißwurst an unserem Anreisetag nicht als Doppelzug, sondern als singuläre Garnitur. Immerhin, die Stimmung in der proppenvollen Sardinenbüchse war deswegen nicht etwa ge­dämpft, sondern eher recht entspannt bis unverdrossen fröhlich. Waren offenbar über­wiegend Profireisende unterwegs… [1]

Von München Hbf aus ging es dann mit der S-Bahn zum Flughafen, von dort in gerade einmal zweieinhalb Stunden über die Alpen, über Italien, über Sizilien und eine abschließende Handbreit Mittelmeer nach Malta. Dort erwartete uns ein Transfer-Bus, der uns über Land an den Städten vorbei (als einzige!) bis zum Fährhafen von Ċirkewwa brachte. Da ging dann der Urlaub für mich so richtig los… [2]

Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt vom Nordwestzipfel Maltas am kleinen Comino vorbei nach Gozo. Nur wenige hundert Meter oberhalb des Hafens von Mġarr bezogen wir Quartier im dortigen Grand Hotel, von dem aus man das Kommen und Gehen der Fähren wunderbar beobachten kann:

Fährschiffe der Gozo Channel Line im Hafen von Mgarr

Bei dem im Bild deutlich sichtbaren Wachturm handelt es sich übrigens um den St Mary’s Tower auf Comino; rechts hinten im Bild ist dann schon die Hauptinsel des maltesischen Archipels zu sehen.

Mit ihrem kompakten Arrangement von Fährschiffen, Fischerbooten, Kirchen, einer alten Festung und allerlei pittoresken Küstenabschnitten wirkt die Bucht von Mġarr ein wenig wie ein auf Lebensgröße hochskalierter Abschnitt einer fröhlich bunten (wenn auch schienenlosen) Modellbahnlandschaft:

Bunte Boote im Hafen von Mgarr

Unser preiswertes Zimmer mit Landblick erwies sich als unerwartet riesig und lu­xu­ri­ös, wenngleich sich ein paar Unterteilungen im Schrank und/oder eine schubladisierte Kommode als sehr hilfreich erwiesen hätten. Dafür gab es freies WLAN im ganzen Haus und damit drahtlosen Kontakt zu den Weiten der virtuellen Welt wie auch zur heimischen Sphäre, ein Umstand, den wir im Gegensatz zu manch anderen durchaus zu schätzen wissen.

Dem heimatlich dauerhaft trüben Wetter glücklich entflohen, mußten sich die Augen und der Blick erst einmal an die knalligen Farben und den wolkenlos blauen Himmel gewöhnen:

Und noch einmal bunte Boote aus anderer Perspektive...

Dank der (noch) nicht vorhandenen Verbindung der Inseln via Brücke oder Tunnel hat sich das landwirtschaftlich geprägte Gozo bis heute einen eher ruhigen und beschau­lichen Charakter bewahren können. Weil typische Urlauber-Attraktionen eher auf der Hauptinsel zu finden sind, kommen mit den ersten Fähren überwiegend Tages-Touristen nach Gozo geschippert, die am späten Nachmittag dann auch wieder weg­ge­schafft werden. Abends kehrt auf der kleinen Insel sehr schnell Ruhe ein, die allen­falls durch das Knattern eigenartiger motorisierter Gefährte unterbrochen wird…

geringmotorisierter gozitanischer Landmann, die Kurve kratzend

Schon in den frühen Morgenstunden findet die Nachtruhe indes ein jähes Ende, zumal im Frühling, wenn Jagdsaison ist und die gozitanischen Männer aus Mangel an sinnstiftenden Zerstreuungen auf alles ballern, was Flügel hat und flattert. Ich hatte auf diesen barbarischen Blödsinn weiland schon im ersten Teil hingewiesen, diesmal erlebten wir das stete Piff-Paff-Puff leider noch krasser. Überall im Gelände findet man provisorische Unterstände für Schrotflintenträger und drumherum aufgestellte »Präsentierteller« aus Steinplatten, auf denen sich arglose Piepmätze zu ihrer dann mut­maßlich letzten Rast niederlassen sollen. Man kann nur hoffen, daß diese Art von »Brauchtum« irgendwann vermittels einer zunehmend restriktiveren EU-Gesetz­ge­bung weitgehend ausradiert werden wird…

Ungewohnt sind übrigens auch andere Gebräuche der ansonsten durchaus friedlichen und freundlichen Insulaner; insbesondere erfreuen die allerort präsenten Beispiele krea­tiver Leitungsführung das Herz des Fotografen:

künstlerisch wertvolle Abwasserleitungsführung

Spätestens hier läuft der Chronist nun Gefahr, sich zu wiederholen, hat er doch in den ersten acht Teilen dieser Serie schon viel erzählt und gezeigt, was er auch in seinem diesjährigen Urlaub gesehen und fotografisch konserviert hat. Macht aber nix, Beispiele für umstandslose Selbsthilfe und unprätentiöses Improvisationstalent kann man schließlich immer zeigen, ohne sein Publikum zu langweilen:

ein Türschloß der ungewöhnlichen Art

Lassen wir den ersten Tag auf Gozo ausklingen mit einem stimmungsvollen Sonnen­untergang, den ich gerade noch rechtzeitig mit ambulant aufgestützter Kamera ein­fangen konnte:

Kirche im letzten Abendlicht

Im folgenden Teil werde ich dann von unseren ausgedehnten Wanderungen be­rich­ten, die uns vor allem entlang der einsamen Küstenlinie Gozos zahlreiche wunder­schöne Ausblicke – und auch manchen Weltschmerz – beschert haben.

 
[1] Harald Schmidt hat sich zu diesem Thema mal dezidiert geäußert, siehe hier.

[2] Beim Übersetzen nach Gozo gelang mir gleich der erste schöne Schnappschuß

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Sonntag, 26. Mai 2013

Bocksprünge

Eine ganze Woche lang haben der zonebattler und seine bessere Hälfte abends bei urlaubenden Freunden die nicht mitgereisten Familienmitglieder versorgt, namentlich einen trägen Kater, ein anspruchsloses Meerschwein sowie Benno und Ingrid, ihres Zeichens schwarze Zwergschafe. Der abendliche Auslauf mit jenen beiden war nicht immer einfach zu bewerkstelligen, denn während die devote Ingrid stets folgsam der kleinen Truppe hinterherhoppelte, zeigte sich Benno der Bock zuweilen launisch und unterstrich seinen (Un-)Willen gern mit dem Einsatz seiner kühn gewendelten Hörner. Selbst beim scheinbar friedlichen Fressen mußte man immer ein wachsames Auge auf ihn haben, um nicht auf einmal sein knochenhartes Geweih am eigenen Schienbein zu spüren:

Benno (vorn) und Ingrid (hinten) beim Abendmahl

Einmal versuchte ich Zeit zu sparen, indem ich die beiden Zottelviecher alleine auszu­führen trachtete, derweil die bessere Hälfte parallel dazu die Rüben und Äpfel schnippeln und das Heu für die später vom Spaziergang heimkehrende Mini-Herde bereitlegen wollte. Dumm nur, daß Benno ohne Leit­tier vorneweg partout nicht weiter­gehen wollte, mir meine Ungeduld jedoch im Minutenabstand mit zwei ordentlichen Knuffen an die gleiche Stelle meines linken Beines quittierte. Blutend humpelte ich hernach weiter…

Benno (rechts) und Ingrid (links) beim Abmarsch Richtung Heimat

Die folgenden Expeditionen fanden dann nur noch mit mindestens zwei Menschen statt, einer voran, Benno und Leinenhalter(in) hinterher, Ingrid das Schlußlicht bildend. In dieser Reihung waren die Märsche entlang des Farrnbachs dann recht un­pro­blematisch zu absolvieren, wobei sich die Vierbeiner im regennassen Matsch deut­lich bessere Haltungsnoten verdient hätten. Kein Wunder, wenn man beim Trotten durch die patschige Pampa drei von vier Beinen statt nur eins von zweien am Boden haben kann!

Ab morgen kann sich meiner einer dann endlich wieder selber bockig geben…

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