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Kulturbahnhof Fürth?

Die Fürther Nachrichten rapportieren heute allerlei Interessantes zur möglichen Zukunftsperspektive des Fürther Hauptbahnhofes. Als ich vor 26,5 Jahren dort drinnen meine Ausbildung begann, hätte ich sicher nicht im Traum daran gedacht, daß in dem altehrwürdigen Bau dermaleinst Künstler statt Bahner werkeln würden… Vielleicht könnte ich meinen Werdegang elegant abrunden, indem ich nach meiner Pensionierung ein eigenes Atelier in meinem ehemaligen Bahnhofsbüro beziehe!

  1. RJWeb  •  10. Okt. 2006, 12:23 Uhr

    Es wäre ja wirklich schön …

    … wenn altehrwürdige Gebäude (lat. plur. mansiones antiqui) dieser Art einer kulturellen Nutzung zugeführt werden könnten, von der Kulturreferent Karl Scharinger und Oberbürgermeister Thomas Jung hier laut träumen.

    Auf der anderen Seite kann ich mir nicht ganz vorstellen, dass jemand (= die Bahn und evtl. andere) hier einen zweistelligen Millionenbetrag in ein Gebäude investieren sollte, in dem hinterher ein anderer (= die Stadt und evtl. andere) einen Zuschussbetrieb etabliert. Zudem die Nutzung als Kleinkunstbühne aufgrund der Geräuschentwicklung der dann sehr nahen S-Bahn ein immenses Maß an Schalldämmung benötigen würde, um einen angemessenen Genuss der Darbietungen zu ermöglichen.

    Eine derartige Nutzung wurde in den 90-ern auch für das Regensburger Bahnhofsgebäude immer wieder vorgeschlagen und verworfen. Durch die glückliche Einbindung des Gebäudes in den Zugang eines beliebten Einkaufszentrums ist es hier jedoch gelungen, das Erdgeschoss des Gebäudes durchgehend für einen Supermarkt sowie die Anbieter von Zeitschriften und Fingerfood zu nutzen.

    Die Frage ist doch ob es Fürth gelingen kann, den Bahnhof zum Angelpunkt einer zukunftsbewusst Auto-unabhängigen (aber nicht Auto-feindlichen !) wirtschaftsorientierten Infrastruktur zu machen, die die Kaufkraft der Nahverkehrs-Pendler von Nürnberg nach Fürth abzieht. Wenn dabei Geld für kulturelle Zwecke gewonnen werden kann, dann umso besser !

    #1 

  2. zonebattler  •  10. Okt. 2006, 13:22 Uhr

    »Glückliche Einbindung«?

    Die Regensburger Arcaden mögen beliebt sein, sie sind und bleiben ein städtebaulicher Albtraum. Von Architektur kann man da ja gar nicht sprechen! Überhaupt sind Einkaufszentren für Politiker meiner Meinung nach das, was Zinksalbe für alte Militärärzte ist: Ein gern und pauschal verschriebenes Allheilmittel, dessen heilende Wirkung freilich mehr als fraglich bleibt…

    Man lese hurtig (solange das Link noch funktioniert) den Artikel »Die Diktatur der Shoppingmalls« aus der Süddeutschen Zeitung vom Freitag letzter Woche. Schon die Einleitung bringt es auf den Punkt:

    Immer gleich anmutende Einkaufszentren dominieren das Stadtbild und zerstören genau das, was doch erhalten werden soll: die lebendige Stadt.

    Dem ist aus meiner Sicht wenig hinzuzufügen, leider. In der Fürther City gibt’s jedenfalls schon genug offensichtliche und kaum kaschierte Leerstände, da braucht es keinen Kommerztempel im Bahnhof, der die Innenstadt nicht ergänzen oder gar aufwerten, sondern allenfalls weiter austrocknen würde…

    #2 

  3. RJWeb  •  10. Okt. 2006, 19:29 Uhr

    Über die architektonische Ausführung …

    … der Regensburger Arcaden will ich mich in keinster Weise positiv geäußert haben. Es ist ein Glück (oder auch ein Kunstgriff des Architekten, wie man es sehen will), dass der Blick auf das Gebäude des Einkauszentrums selbst von der Stadtseite aus durch das Bahnhofsgebäude kaschiert wird, das ist gar keine Frage.

    Der Artikel der Süddeutschen Zeitung weist darauf hin, dass die Innenstädte auch der Klein- und Mittelstädte längst wieder verstärkt besucht werden, und es den Geschäften in den »1a«-Lagen gut geht.

    Nun gehören aber sowohl Fürth als auch Regensburg zu den Großstädten, und deren »1a«-Lagen sind nunmal nicht mehr automatisch in den Innenstädten selbst, sondern an den verkehrstechnisch gut erreichbaren Stellen zu finden. Dabei spielt neben der Erreichbarkeit per Auto auch in verstärktem Maße die unmittelbare Nähe zu Verkehrsknoten des öffentlichen Pendlerverkehrs eine Rolle, sprich z.B. dem Bahnhof. Dies wird im Artikel der Süddeutschen Zeitung leider überhaupt nicht erwähnt.

    Es gibt durchaus positive Beispiele der integration solcher Einkaufszentren bzw. Konsumtempel in kulturell bedeutende Gebäude, ohne das Ganze städtebaulich zum Albtraum werden zu lassen : So ist z.B. in Montreal ein Einkaufszentrum unter der anglikanischen Kathedrale in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof errichtet worden. Somit profitierte das Einkaufszentrum von der Nähe des öffentlichen Verkehrsknotenpunktes, der aufwändige Erhalt der (für kanadische Verhältnisse) historischen Kirche von den Pachteinnahmen aus dem Einkaufszentrum, und das Stadtbild wurde in keinster Weise beeinträchtigt.

    Just my tapennorth of opinion … ;-)

    #3 

  4. zonebattler  •  10. Okt. 2006, 21:01 Uhr

    Alles gut und schön…

    …aber was zum Henker bedeutet »tapennorth«? Ich spreche und verstehe Englisch nearly as well as my father’s tongue, aber dieses Wort habe ich ja noch nie gelesen, geschweige denn gehört?!

    P.S.: Meine anfänglich ungläubige Verwirrung scheint entschuldbar: Selbst der allmächtige Alleswisser Google fördert gerade mal eine Fundstelle zutage!

    #4 

  5. RJWeb  •  10. Okt. 2006, 22:17 Uhr

    Gut, gut …

    … Du hast ja recht, die Schreibweise mag für heutige Verhältnisse ungewöhnlich sein … »two-pennorth« oder »tapence worth« findet man sehr häufig. Die Form »tapennorth« oder auch »tapenn’orth« ist einem Roman von Charles Dickens entnommen, aber schlag‘ mich nicht wenn ich hier nicht sagen kann, aus welchem … ich hab‘ fast alle gelesen !

    #5 

  6. zonebattler  •  11. Okt. 2006, 6:16 Uhr

    Etzertla (ans Hirn klatsch)!

    Sag‘ doch gleich, daß Du »just my two pence« gemeint hast! ;-)

    #6 

  7. Alexander Mayer  •  13. Okt. 2006, 22:22 Uhr

    Haltepunkt am Abstellgleis?

    Die Bahn ist leider Spezialist darin, alte Gebäude vergammeln zu lassen und dabei wenig elegant die Probleme auf andere abzuwälzen, am liebsten auf die Kommunen, wie sie es jetzt auch mit dem Lokschuppen an der Stadtgrenze – wahrscheinlich erfolgreich – versucht.
    Ich weiß nicht, ob angesichts der hohen Unterhaltskosten tatsächlich eine Künstlerinitiative wie im alten Flußbad oder ein sonstiger Investor zu finden ist. Man sollte es der Bahn nicht zu einfach machen, sich aus der Veranwtwortung herauszumogeln.

    #7 

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