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Grenzen des Wachstums (1)

Wer hätte gedacht, daß es mal zuviel Solar-Energie geben könnte? Ich nicht…

  1. Manu  •  18. Okt. 2010, 18:41 Uhr

    Kann mir das mal jemand erklären:

    Durch Solartechnik wird zu viel Strom produziert und weil zu viel Strom produziert wird, steigt der Strompreis! Hä? Ich (»Lieschen Müller«:-)) dachte immer, Nachfrage und Angebot regeln den Preis. Hab ich da was verschlafen??

    Und warum müssen wir überhaupt die quecksilberbelasteten Energiesparbirnen verwenden, wenn wir zuviel Strom haben?

    Und hieß es nicht bis vor wenigen Monaten, man könne auf die AKW in absehbarer nicht Zeit verzichten, weil die regenerativen Formen noch lange nicht genügend Strom produzieren können?

    Und noch eins kapier ich nicht: Eigentlich steuern wir ja jetzt schon seit Jahren auf den Atomausstieg zu (würden wir ja immer noch, wenn unsere Regierung den Atomausstieg nicht gekippt hätte). Was wurde in diesen Jahren unternommen, um Deutschland auf den Atomausstieg vorzubereiten? Nichts? Warum nicht? Hätte da nicht schon seit Jahren in die Netze investiert werden müssen? Wenn diese absehbar notwendigen Investitionen in Netz- und Speicherkapazitäten getätigt worden wären, könnten wir jetzt sofort ein AKW abschalten?! Ja? Wer hat das dann verpennt und warum? War das Dummheit oder Sabotage durch Nichtstun?

    Fragen über Fragen…

    Bei so viel Fragen tut sich noch eine letzte Frage auf: Was will der Autor mit dem Artikel eigentlich bezwecken? Angst vor der ach so bösen und unzuverlässigen Solartechnik schüren und die verwirrten Schäfchen zurück zur einzig zuverlässigen Atomkraft treiben?

    #1 

  2. zonebattler  •  18. Okt. 2010, 19:06 Uhr

    Die Problematik ist auch ohne Verschwörungstheorien und womöglich zu Recht unterstellte Industrie-Interessen diffizil, einfache Patentlösungen gibt es leider nicht. Strom läßt sich nicht wirklich speichern, Erzeugung links und Verbrauch rechts müssen sich stets die Waage halten. Pumpspeicherwerke etc. sind (wirkungsgrad­schmälernde) Konstrukte, um dennoch einen gewissen Puffer als Ausgleich hinzu­bekommen. Jedenfalls ist schon plausibel, daß es ab einer gewissen Fläche voller Photovoltaik-Zellen bei gleißendem Sonnenschein problematisch wird, den erzeugten Strom auch wieder andernorts zeitgleich an den Verbraucher zu bringen! Jegliche Infrastruktur hat ihre Belastungsgrenze, und die hierzulande stark subventionierte Solar-Technik ist offenbar drauf und dran, bislang unbekannte Spitzen hervorbringen zu können. Das ist mit Hochwassern vergleichbar: Auch gut und vorausschauend konzipierte Dämme können sich irgendwann als zu niedrig und zu schwach erweisen, wenn Petrus mehr Wasser in die Flüsse kippt als je zuvor…

    Aber nochmal zurück zu den auf den ersten Blick wunderbar »sauberen« Energie-Lieferanten: Da Sonnenzellen ähnlich Windrotoren von einem Moment auf den nächsten einen gravierenden Leistungseinbruch zeigen können (Beschattung durch Wolken hier, Flaute da), müssen immer noch »normale« Kraftwerke im Hintergrund mitlaufen, die bei Bedarf rasch hochgefahren werden können (und müssen), um die »unsteten« Energielieferanten zu kompensieren. Unterhalb der Vollast laufende Kohlekraftwerke produzieren aber verhältnismäßig viele Abgase, da sie eben nicht im optimalen Betriebszustand arbeiten (was sie eben jenen assistierenden, »sauberen« Sonnenpaddeln und Windmühlen zu verdanken haben).

    Ich will damit keineswegs abstreiten, daß es sachfremde Interessen, korrupte Entscheidungsträger und auch sonst allerlei diffuse Machenschaften gibt. Dennoch: An manchen technischen und naturwissenschaftlichen Gegebenheiten kommt man nicht per Willenskraft vorbei. Was freilich allemal sinnvoll ist, ist Sparen und bewuß­ter Einsatz von Energie und allen anderen Ressourcen unseres Planeten…

    Vielleicht kann sich ja noch ein kompetenter Energie-Spezialist aus dem Leserkreis erhellend zu der Problematik äußern?

    #2 

  3. suzomi  •  18. Okt. 2010, 21:07 Uhr

    @Manu:
    Den Strompreis regelt eben nicht der Markt, sondern der Staat hat vor Jahren zur Förderung regenerativer Energien die Erzeuger mit höchst lukrativen Einspeisever­gütungen gelockt, die noch ein paar Jahre garantiert sind. Aus ideeller Begeisterung für Solarstrom werden heutzutage die wenigsten Panele installiert, sondern weil es so schön profitabel ist! Und weil die Panele immer billiger geworden und die Zinsen niedrig sind, ist es in den letzten Jahren noch attraktiver geworden, obwohl die Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen stufenweise sinkt.

    Wir haben nicht zuviel Strom, sondern nicht zur rechten Zeit. In dem Artikel war die Erzeugungspitze »Mittags im Hochsommer« der Verbrauchsflaute »Sommerwochen­ende« gegenübergestellt. Nebenbei können die diversen Kraftwerke auch nicht mal eben abgeschaltet werden und laufen mitunter in suboptimal niedriger Leistungs­stufe. Die Situation sieht unter der Woche an einem kalten Wintermorgen oder -spät­nachmittag schon ganz anders aus. Da braucht es dann alle Kraftwerke auf einmal und bei voller Leistung.

    Es wird noch eine Weile dauern, bis die Infrastruktur nachgezogen hat. Was wir brauchen, sind Elektropferdchen, die zur Hochzeit den Strom auffressen und später bei Bedarf wieder ausspucken. Sobald die Investoren das erkannt haben, werden sie solche Goldesel züchten lassen, wir werden sie kaufen und alles wird gut.

    #3 

  4. Grabenkenner  •  18. Okt. 2010, 22:23 Uhr

    Amen !

    #4 

  5. suzomi  •  18. Okt. 2010, 22:40 Uhr

    Bis es soweit ist, gibt es Abfindungen, wenn man die geplante Solaranlage nicht baut…

    #5 

  6. zonebattler  •  18. Okt. 2010, 22:49 Uhr

    @Grabenkenner: Du warst auch schon mal gesprächiger… ;-)

    #6 

  7. Grabenkenner  •  18. Okt. 2010, 23:05 Uhr

    @zonebattler: den profunden Ausführungen des zb ist hier nichts weiter hinzuzufügen.

    @suzomi: die gibts schon längst…

    #7 

  8. Manu  •  19. Okt. 2010, 2:45 Uhr

    @zoneblatter: »…Verschwörungstheorien…« Also bitte: Du darfst meine Fragen gerne polemisch, provokant oder bewusst doof nennen (so waren sie ja auch gemeint :-)), aber in eine Ecke mit Verschwörungstheoretikern, die an die Landung von Aliens glauben, möchte ich mich doch nicht stellen und abqualifizieren lassen. Wenn´s denn sein muss, dann halt etwas gebildeter formuliert: Cui bono? Denn ich bin mir sicher, dass das die wichtigste Frage bei dieser Meldung ist.

    »…einfache Patentlösungen gibt es leider nicht…«: Hab´ ich glaub´ich weder behauptet noch gefordert.

    »…Strom läßt sich nicht wirklich speichern…«: Das stimmt so nicht, es gibt viele verschiedene (indirekte) Möglichkeiten, Strom zu speichern.

    »…Pumpspeicherwerke etc. sind (wirkungsgrad­schmälernde) Konstrukte, um dennoch einen gewissen Puffer als Ausgleich hinzu­bekommen…«: Eben, das ist eine solche indirekte Möglichkeit. Und wie wichtig der Wirkungsgrad bei einer unendlich zur Verfügung stehenden Ressource ist, müsste man etwas länger diskutieren.

    »Jedenfalls ist schon plausibel, daß es ab einer gewissen Fläche voller Photovoltaik-Zellen bei gleißendem Sonnenschein problematisch wird, den erzeugten Strom auch wieder andernorts zeitgleich an den Verbraucher zu bringen! Jegliche Infrastruktur hat ihre Belastungsgrenze, …«: So weit d´accord!

    »…und die hierzulande stark subventionierte Solar-Technik ist offenbar drauf und dran, bislang unbekannte Spitzen hervorbringen zu können. Das ist mit Hochwassern vergleichbar: Auch gut und vorausschauend konzipierte Dämme können sich irgendwann als zu niedrig und zu schwach erweisen, …«: Genau das kritisiere ich ja: Offenbar wurde in den letzten 10 Jahren verschlafen, die Netze gut und vorausschauend zu kozipieren. Und jetzt wundert man sich, dass es nicht nur nieseln, sondern auch regnen kann.

    »…Aber nochmal zurück zu den auf den ersten Blick wunderbar »sauberen« Energie-Lieferanten: Da Sonnenzellen ähnlich Windrotoren von einem Moment auf den nächsten einen gravierenden Leistungseinbruch zeigen können (Beschattung durch Wolken hier, Flaute da), …«: Deshalb ist ein flächenmäßig weit verteilter (am besten grenzüberschreitender) Energiemix notwendig. Da eine europaweite Schattenflaute eher unwahrscheinlich ist, minimiert man so dieses Risiko schon erheblich (Ich weiß, das ist noch Zukunftsmusik…)

    »…An manchen technischen und naturwissenschaftlichen Gegebenheiten kommt man nicht per Willenskraft vorbei….«: Welche naturwissenschaftlichen Gegebenheiten meinst du konkret? Mir sind keine grundsätzlichen naturwissenschaftlichen Hindernisse bekannt. Und um die technischen Gegebenheiten sollen sich unsere Erfinder und Ingenieure kümmern. Wie schnell technische Entwicklungen gehen können, wenn sie entsprechend eingefordert und gefördert werden, sieht man doch gerade an der Solartechnik, deren Strom uns scheinbar geradezu überschwemmt. (Und wenn man in der Geschichte zurückblickt: Bei der Atombombe und der Mondlandung ging es plötzlich auch ganz schnell.)

    Was freilich allemal sinnvoll ist, ist Sparen und bewuß­ter Einsatz von Energie und allen anderen Ressourcen unseres Planeten… Natürlich. Und genau deshalb muss die Menschheit möglichst schnell davon wegkommen, die Ressourcen unseres Planeten zu plündern (denn die sind a l l e endlich – egal ob Kohle oder Öl oder Uran) und auf die unendlichen Ressourcen Sonne, Wind etc. umsteigen.

    »Vielleicht kann sich ja noch ein kompetenter Energie-Spezialist aus dem Leserkreis erhellend zu der Problematik äußern?«: Das bin ich zwar nicht wirklich, aber wie wäre es mal mit folgendem Beitrag: www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1018744/Aus-Strom-mach-Gas—Oekostrom-speichern#/beitrag/video/1018744/Aus-Strom-mach-Gas—Oekostrom-speichern

    #8 

  9. Manu  •  19. Okt. 2010, 3:06 Uhr

    @ suzomi
    »Den Strompreis regelt eben nicht der Markt, sondern der Staat hat vor Jahren zur Förderung regenerativer Energien die Erzeuger mit höchst lukrativen Einspeisever­gütungen gelockt,…«: Schon klar, aber irgendeine Energieform fördert und subventioniert der Staat doch schon immer, das ist ja nichts neues (s. Kohle, Atom,…)

    »…die noch ein paar Jahre garantiert sind… Ja mei, gemessen an den Folgekosten für die Endlagerung sind das wahrscheinlich Peanuts.

    »…Aus ideeller Begeisterung für Solarstrom werden heutzutage die wenigsten Panele installiert, sondern weil es so schön profitabel ist!…« Das ist per se ja noch nicht verwerflich. Die Kohle- und Atomkraftwerke werden von RWE usw. auch nicht aus ideeller Begeisterung betrieben, sondern um Geld damit zu verdienen.

    »…Und weil die Panele immer billiger geworden und die Zinsen niedrig sind, ist es in den letzten Jahren noch attraktiver geworden, obwohl die Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen stufenweise sinkt…« Nun ja, wenn das Ziel der Solarförderung erreicht ist, dann muss die Einspeisevergütung für neue Anlagen noch schneller sinken. Wenn das neue Ziel leistungs- und speicherfähige Netze heißt, dann müssen eben diese ab sofort gefördert werden.

    »…Es wird noch eine Weile dauern, bis die Infrastruktur nachgezogen hat…«: Genau darum geht es. Wie ich im oberen Beitrag schon erwähnt habe, zeigt ein Blick in die Geschichte, dass die Lösung technischer Probleme manchmal ganz schnell gehen kann, wenn es politisch wirklich gewollt ist und entsprechend gefordert und gefördert wird.

    »Was wir brauchen, sind Elektropferdchen, die zur Hochzeit den Strom auffressen und später bei Bedarf wieder ausspucken. Sobald die Investoren das erkannt haben, werden sie solche Goldesel züchten lassen, wir werden sie kaufen und alles wird gut.«: Ja, so könnte man das auch beschreiben :-)

    #9 

  10. zonebattler  •  19. Okt. 2010, 6:45 Uhr

    @Manu:

    Bitte um Vergebung, falls ich mich mißverständlich ausgedrückt haben sollte: Ich wollte Dir weder Verschwörungstheoretikertum unterstellen noch Inkompetenz oder sonstwas! Ich wollte einzig darauf hinweisen, daß das Thema – ganz jenseits Deiner durchaus berechtigten Fragestellungen – ein ziemlich komplexes ist und einfache Lösungen dafür nicht auf der Hand liegen – auch wenn sich heutzutage alle möglichen Leute mit scheinbaren »Patentrezepten« in den Medien zu profilieren trachten. Ich wähne mich selbst trotz aller Technikaffinität und naturwissenschaftlichen Vorbildung als nicht hinreichend beschlagen, um mir eine fundierte Meinung hinsichtlich des am besten einzuschlagenden Weges bilden zu können: Einerseits halte ich die Nutzung von Kernernergie für unverantwortlich, da in den Folgen (radioaktiver Müll) für letztlich nicht beherrschbar, anderseits halte ich das Verfeuern fossiler Brennstoffe für genauso schädlich (Abgase, Ressourcenschwund). Sonnenpaddel und Windmühlen wiederum machen vor allem da Sinn, wo die angezapften »Quellen« konstant und berechenbar verfügbar sind (Sonne in der Sahara, Wind auf dem Meer), was über­staatliche, politisch langfristig verläßliche Lösungen erfordern würde…

    Kurzum: Es bleibt schwierig, und ich selbst weiß auch keinen Rat. Ob es freilich unverantwortlich ist, die Netze nicht nach den im Falle maximalen Sonnenscheins auftretenden Spitzen auszubauen, ist schwer zu sagen: Sowas kostet viel Geld, das erst einmal erwirtschaftet (und damit von den Verbrauchern bezahlt) werden muß! Mit vergleichbarer Argumentation könnte man von der Eisenbahn fordern, rund ums Jahr mit dreimal so langen Zügen durchs Land zu fahren als bisher, damit zu Oktoberfestzeiten alle Reisenden in Richtung München einen Sitzplatz haben. Sowas wäre unbezahlbar und würde die Kosten für den einzelnen Reisenden in inakzeptable Höhen treiben.

    #10 

  11. RJWeb  •  19. Okt. 2010, 7:27 Uhr

    Das mit den Zügen ist ein sehr treffender Vergleich !

    Ganz konkret und sehr ernsthaft gibt es Pläne, die erzeugten Solar-Leistungsspitzen zur Ladung von Batterien für Elektrofahrzeuge zu verwenden, was auch erst ab einer gewissen »Schwungmasse« an Elektrofahrzeugen Sinn macht, und auch nur dann, wenn die Batterien am Tag (also während der Nutzung der Fahrzeuge) geladen werden können und nicht etwa in der Nacht aus der Steckdose.

    D.h. statt nachts Strom zu Hause aus der Steckdose zu tanken sollen an entsprechenden Stationen Batterien gewechselt werden, was einen erheblichen Mehrbedarf an Batterien und damit Investitionskosten in die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge bedeutet … sicher ein lohnendes Gebiet für Subventions-Jäger der nahen Zukunft, aber auch über viele Jahre dieser Zukunft noch nicht wirklich effizient !

    #11 

  12. suzomi  •  19. Okt. 2010, 7:51 Uhr

    Die Sache hat zwei Seiten, die Anbieter und die Verbraucher. Die Anbieter sehen es als Herausforderung und Verdienstquelle, dem Verbraucher rund um die Uhr ausreichend Strom zur Verfügung zu stellen – mit den bekannten Vor- und Nachteilen. Auf Verbraucherseite ist Energieeinsparen nach wie vor richtig. Noch besser ist Energiesparen zur rechten Zeit. Darüber erfahren Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller für meinen Geschmack zuwenig. Nachtstrom z.B. oder etwas Vergleichbares (Wochenendstrom, Sommerstrom) könnte mit entsprechenden Anreizen verstärkt angeboten werden. Bei einigen wenigen helfen schon Vernunft und Einsicht, bei der großen Mehrheit erst die Steuerung über den Geldbeutel zu nachhaltiger Verhaltensänderung.

    Nehmt doch den Schurken von den Energiekonzernen weniger Strom ab und lasst sie darauf schmoren. Vielleicht schalten die dann aus ökonomischer Einsicht die ein oder andere Atombude ab…

    Lösung: Das ganze Jahr über Oktoberfest feiern, dann können die Züge wieder kürzer sein (weil sich der Andrang verteilt).

    #12 

  13. zonebattler  •  19. Okt. 2010, 8:28 Uhr

    @RJWeb:

    Das mit den Elektroautos ist auch so eine Sache, wenn man nicht nur das fertige Fahrzeug betrachtet, sondern dessen Gesamtenergiebilanz und insbesondere den Ressourcen-Einsatz in der Herstellung miteinbezieht: Für die heute üblichen Akkus wird Nickel gebraucht, dessen Gewinnung aber in Kanada ganze Landstriche verheert. Das sagt einem der smarte Hybridmobil-Verkäufer natürlich nicht (wenn er es denn überhaupt weiß)…

     
    Zwei Anmerkungen nebenher:

    Erstens sollte man sich das von Manu verlinkte Video bei Interesse möglichst bald anschauen, denn derlei wird leider irgendwann wieder depubliziert.

    Zweitens frage ich mich, ob ich meine Blogger-Strategie grundsätzlich überdenken muß: Ich habe mir schon mehrfach ellenlange Traktate abgerungen, ohne einen einzigen Kommentar einzuheimsen; diesmal aber habe ich mit einer einzigen Zeile eine wahre Lawine ins Rollen gebracht. Erstaunlich! Immerhin bricht mein WordPress unter der unverhofften Spitzenlast nicht zusammen… ;-)

    #13 

  14. zonebattler  •  19. Okt. 2010, 14:17 Uhr

    Presseschau: »Energieverbrauch der privaten Haushalte weiter rückläufig« (heise online). Man/frau beachte auch die dazugehörigen Kommentare. Das Thema erhitzt allerorten die Gemüter…

    #14 

  15. Manu  •  19. Okt. 2010, 17:02 Uhr

    @ Zonebattler:

    »Bitte um Vergebung, falls ich mich mißverständlich ausgedrückt haben sollte…« Ja, ja schon gut, Friedenspfeife angenommen :-)

    »Ich wähne mich selbst trotz aller Technikaffinität und naturwissenschaftlichen Vorbildung als nicht hinreichend beschlagen, um mir eine fundierte Meinung hinsichtlich des am besten einzuschlagenden Weges bilden zu können: Einerseits halte ich die Nutzung von Kernernergie für unverantwortlich, da in den Folgen (radioaktiver Müll) für letztlich nicht beherrschbar, anderseits halte ich das Verfeuern fossiler Brennstoffe für genauso schädlich (Abgase, Ressourcenschwund).«
    Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen!

    »Ob es freilich unverantwortlich ist, die Netze nicht nach den im Falle maximalen Sonnenscheins auftretenden Spitzen auszubauen, ist schwer zu sagen: Sowas kostet viel Geld, das erst einmal erwirtschaftet (und damit von den Verbrauchern bezahlt) werden muß!«
    Das stimmt zwar, sollte aber dennoch kein Hinderungsgrund sein. Zum Vergleich: Die Atommüllendlagerung kostet noch viel mehr (da zeitlich unbegrenzt) und muss auch von uns erwirtschaftet werden.

    »Mit vergleichbarer Argumentation könnte man von der Eisenbahn fordern, rund ums Jahr mit dreimal so langen Zügen durchs Land zu fahren als bisher, damit zu Oktoberfestzeiten alle Reisenden in Richtung München einen Sitzplatz haben. Sowas wäre unbezahlbar und würde die Kosten für den einzelnen Reisenden in inakzeptable Höhen treiben.«
    Der Vergleich ist zwar durchaus charmant, hinkt aber bei genauerer Betrachtung trotzdem. Ist es nicht vielmehr so, dass das Schienennetz so ausgebaut sein muss, dass auch mal Sonderzüge fahren können?

    »Gesamtenergiebilanz und insbesondere den Ressourcen-Einsatz in der Herstellung miteinbezieht: Für die heute üblichen Akkus wird Nickel gebraucht, dessen Gewinnung aber in Kanada ganze Landstriche verheert.«
    Das ist in der Tat ein großes Problem fast aller Akkus. Und zwar sowohl, was den Ressourcen-VERBRAUCH (weil wieder eine »endliche« Ressource) als den -ABBAU (div. Umweltschäden) angeht.

    »Zweitens frage ich mich, ob ich meine Blogger-Strategie grundsätzlich überdenken muß:«
    Nö, nö, lass mal, das passt schon so (=höchste fränkische Belobigung :-))

    »Ich habe mir schon mehrfach ellenlange Traktate abgerungen, ohne einen einzigen Kommentar einzuheimsen; diesmal aber habe ich mit einer einzigen Zeile eine wahre Lawine ins Rollen gebracht.«
    Ist doch gut, dass man sich nicht über jedes Thema auslassen muss. Da käme man ja aus dem Schreiben ja gar nicht mehr raus. Manchmal macht einfach nur Bilder anschauen o.ä. auch Spaß .. :-)

    #15 

  16. zonebattler  •  19. Okt. 2010, 17:39 Uhr

    @Manu:

    Selbst als militanter Nichtraucher freue ich mich über jede Friedenspfeife! ;-)

    Den Ausbau des Schiennennetzes mit dem Stromnetz zu vergleichen ist durchaus passend (wobei die Bahn übrigens selbst ein eigenes Starkstromnetz unterhält, dessen ausgleichende Disposition in Echtzeit eine Wissenschaft für sich ist). Aber: »auch mal Sonderzüge fahren können« ist eine ganz andere Nummer als republikweit hochschnellende Solarstrom-Produktion bei eitel Sonnenschein. Da sind Dimensionen dazwischen! Und der weitere Ausbau der (subventionierten) Photovoltaik macht die Problematik schlimmer. Dieses Paradoxon der umweltfreundlichen Energiegewinnung ist nicht so leicht aufzulösen, denn wie suzomi und RJWeb schon anmerkten, ist der Zeitversatz zwischen Angebots- und Verbrauchsspitzen der kritische Faktor…

    #16 

  17. Manu  •  19. Okt. 2010, 18:08 Uhr

    PS: Zukunftsmusik:

    Logisch durchdacht muss die Menschheit auf regenerative Energien (Wind, Sonne usw.) umsteigen, weil alle anderen Ressourcen endlich sind (Die Sonne zwar theoretisch auch, aber ich denke, so weit vorausplanen müssen wir dann doch nicht :-)). Die Pflanzen machen es uns längst vor. Solarzellen werden irgendwann nicht mehr nur mit Silicium gebaut, sondern mit Chlorophyll oder anderen Farbstoffen, weil sich da ein höherer Wirkungsgrad erzielen lässt. Ich habe übrigens selbst schon eine »Mini-Solarzelle« mit Hibiskusblütentee gebaut. Hat tatsächlich funktioniert! Also vielleicht werden in ein paar Jahren unsere Dächer nicht mehr silbern, sonder grün oder rot oder violett schimmern…

    Zur Speicherproblematik: Irgendwelche Akkus, Batterien usw. können immer nur punktuelle Lösungen bleiben (zu schwer, zu teuer, umweltschädlich, begrenzte Metallressourcen usw.) Wir werden früher oder später einsehen, dass auch da die Planzen schon längst die beste Lösung gefunden haben: Im Prinzip nehmen sie Wasserstoff als Energiepeicher. Da Pflanzen aber nicht dumm sind, bauen sie aus dem Wasserstoff aus ihrer Photovoltaikzelle und dem Kohlenstoffdioxid aus der Luft den etwas weniger explosiven Energiespeicher Zucker zusammen. Auch wir werden also um das Thema Wasserstoff nicht herumkommen. Die Probleme, die wir mit Wasserstoff (noch) haben, sind nur technischer, aber nicht prinzipieller Art. Es gibt durchaus Forschungsansätze, diese Idee etwas abgewandelt nachzuahmen: z.B. Durch die Reaktion von Wasserstoff mit Kohlenstoffdioxid (davon haben wir ja mehr als genug) zu Methan (=Erdgas).

    Das ist, wie gesagt, alles noch etwas Zukunftsmusik, aber ich hoffe nicht allzu ferner Zukunft.

    Wer sich genauer in die Thematik einlesen will, dem empfehle ich www.leibniz-institut.de/archiv/sterner_09_07_10.pdf

    #17 

  18. Grabenkenner  •  19. Okt. 2010, 22:59 Uhr

    Zu glauben irgendetwas ließe sich »ganz schnell« realisieren wenn die Politik dies so will, ist vorsichtig ausgedrückt, naiv. Sorry, aber auch die Entwicklung der Mondrakete begann genau genommen in Peenemünde und nicht bloß weil Kennedy das Anfang der Sechziger so wollte. Mit dem Stromnetz ist es ähnlich. Ein in über hundert Jahren gewachsenes Konstrukt ist nicht mal eben auf die aktuellen Bedürfnisse umzustellen. Der Bau der zur Zeit immer geforderten 1000km neuen Nord-Süd-Verbindungnen ist im voll ausgebauten Deutschland politisch wie auch privatrechtlich (tausende von privaten Grundeigentümern wären betroffen) nicht durchsetzbar. Deshalb tüftelt man aktuell sogar daran ob man nicht bei bereits bestehenden Fremdnetzen noch was oben draufpacken kann.

    #18 

  19. zonebattler  •  20. Okt. 2010, 6:33 Uhr

    Mit der Mondrakete muß man wohl sogar noch weiter zurückschauen: Wernher von Braun wurde ja stark von den Arbeiten Hermann Oberths aus den 1920er Jahren beeinflußt…

    #19 

  20. RJWeb  •  20. Okt. 2010, 22:02 Uhr

    … und Elektroautos gab es sogar noch deutlich früher

    #20 

  21. Manu  •  21. Okt. 2010, 1:01 Uhr

    … ja und das Rad gibts ja noch viel länger! :-))

    Mal im Ernst: Was wollt ihr damit überhaupt sagen?

    Dass jede neue Technik erst mal 50-100 Jahre Anlaufzeit braucht? Na, dann wird´s ja höchste Zeit für die Brennstoffzelle. Die hat die Anlaufzeit schon hinter sich.
    Dass man technische Entwicklungen nicht forcieren kann? Die Solartechnologie hat ja gerade das Gegenteil bewiesen.
    Dass man nicht von heute auf morgen zigtausend km Leitungen bauen kann? Logisch, aber ist das ein Grund, erst gar nicht damit anzufangen?

    1938 wurde die Kernspaltung entdeckt. Keine 10 Jahre später ging die erste Atombombe hoch. Schade, dass man ausgerechnet an so einem Beispiel aufzeigen muss, wie stark technische Entwicklungen beeinflusst werden können.

    Mit der Speicherung des Stroms in Form von Methan (s. Artikel oben) hätte man einen Langzeitspeicher und könnte bestehende Strukturen verwenden und ausbauen.

    #21 

  22. zonebattler  •  21. Okt. 2010, 6:37 Uhr

    Kriege – Weltkriege zumal – waren seit jeher extreme Beschleuniger des technischen Fortschritts. Daß sich die Menschheit mitten in einem existentiellen Ringen (um den eigenen Fortbestand nämlich) befindet, ist in den reichen Industriestaaten in nominellen Friedenszeiten schwer zu vermitteln: Kaum einer ist zu Abstrichen am persönlichen Komfort zu bewegen, solange es nicht dem unmittelbaren Vorteil dient. Das menschliche Hirn ist evolutionstechnisch doch viel zu jung, um auf mehr als kurzfristigen Erfolg erpicht zu sein. Wie wollte eine auf Wiederwahl angewiesene Regierung da das an sich Richtige tun? Zumal das erstens immense Summen kosten und zweitens dem Einzelnen zumindest teilweisen Konsumverzicht abverlangen würde?

    #22 

  23. zonebattler  •  21. Okt. 2010, 13:20 Uhr

    Pressespiegel: »Sonne schadet« (Zeit)

    #23 

  24. zonebattler  •  22. Okt. 2010, 6:39 Uhr

    »RWE sucht Investoren für Höchstspannungsnetz-Einstieg« (FinanzNachrichten.de)

    #24 

  25. zonebattler  •  22. Okt. 2010, 10:55 Uhr

    Pressespiegel: »Photovoltaik-Boost von unten« (Technology Review)

    #25 

  26. zonebattler  •  2. Nov. 2010, 20:14 Uhr

    Pressespiegel: »Strom aus heimischen Quellen« (FAZ.NET)

    #26 

  27. zonebattler  •  17. Dez. 2010, 13:00 Uhr

    Pressespiegel: »Solarstrom wird limitiert« (Telepolis)

    #27 

  28. zonebattler  •  3. Feb. 2011, 17:33 Uhr

    Pressespiegel:

    »Rettet die deutsche Energiepolitik!«
    »Der Eigenverbrauch – alles Schlechte kommt aus Amerika«

    (Telepolis)

    #28 

  29. zonebattler  •  28. Feb. 2011, 6:52 Uhr

    Pressespiegel: »Der große Stromausfall kommt« (FAZ.NET)

    #29 

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