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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Die Verkehrsinsel (8)

In der achten und – vorerst – letzten Folge meiner Malta-Impressionen komme ich zunächst noch einmal auf das menschliche Streben nach Schutz und Abgrenzung zu sprechen und widme dem Bau von Mauern ein paar Sätze und Bilder. Gerade an den alten Festungs­anlagen sind Erosionserscheinungen evident, und wenn nicht an den kritischsten Stellen immer wieder Ausbesserungsarbeiten stattfinden würden, wäre die Natur mit ihrem gnadenlosen Rückeroberungswerk viel schneller fertig, als die alten Baumeister sich das gedacht haben mögen.

Der drohende Verfall hat freilich auch seine ästhetische Seite. Hier eine Detailauf­nahme einer riesigen alten Festungsmauer aus dem örtlichen Kalksandstein, an der Wind und Wetter schon fleißig geschliffen und geschmirgelt haben:

stark verwitterte Festungsmauer aus Kalksandstein

Frisch zugehauen, wird man den Quadern aus Sedimentgestein ihre innere Schichtung nicht unbedingt angesehen haben. Das permanente Beblasen mit salzhaltiger Luft läßt die innere Struktur plastisch hervortreten, und auch die vom Wind mitgeführten Sandkörner tragen das ihre dazu bei, die weicheren Schichten der Blöcke im Wort­sinne zu pulverisieren (während härtere Sektionen länger Widerstand leisten). Und so schaut irgendwann aus wie ein Schwamm, was einstmals ein massives Gefüge war.

Man erlebt hier also im kleinen Maßstab, was an Orten wie dem Monument Valley und anderswo im Südwesten der USA seit -zig Jahrtausenden im Großen stattfindet. Pragmatisch wie die Malteken nun mal sind, akzeptieren sie den natürlichen Lauf der Dinge und machen sich daher heutzutage nicht mehr mehr Mühe beim Mauerbau als unbedingt nötig:

Nicht schön, aber auch nicht selten: arg provisorische Flickschusterei

»Des dud’s«, wie der Franke sagen würde. Man beachte übrigens die glatten Kanten der gelben Quader mitsamt den halbkreisförmigen Sägespuren: von Hand gebrochen und mühsam auf Maß gehauen werden die Steine natürlich schon längere Zeit nicht mehr…

Maltesische Gewitztheit und Bauernschläue treiben manchmal auch kuriose Blüten. Hier sieht man eine sehr kreative Kombination aus Grenzbefestigung und umstands­loser Müllentsorgung:

Feldmauer mit integriertem Herd

Da hat jemand ganz offenkundig die Bezeichnung »Einbauherd« zu wörtlich genom­men, wie mir scheinen will. Na ja, wenigstens besteht so ein altes Küchengerät im wesentlichen aus Stahl und Eisen und damit aus wenn nicht kompostierbaren, so doch leidlich unschädlich verrottenden Materialien.

Man findet aber leider auch allerlei anderes in der Landschaft herumliegen, was da definitiv nicht hingehört: PET-Flaschen sonder Zahl (Pfand wird darauf derzeit noch nicht erhoben), aber auch alte Kunststoff-Kanister und Blechfässer, deren früherer Inhalt nicht unbedingt für eine wilde Entsorgung in der Natur sprach:

Warn-Aufkleber auf einer wild entsorgten Chemikalien-Tonne

Da fehlen einem mitunter die Worte. Leider mangelt den Bewohnern kleinerer Inseln ja oft am Gefühl für das Frevlerische ihres Tuns, denn was sie an Dreck in die Luft pusten, ins Erdreich verbuddeln oder ins Wasser kippen, beeinträchtigt sie und ihr eigenes Wohlbefinden meist nicht direkt und unmittelbar. Wind und Wasser ver­dünnen das schädliche Zeugs und tragen es fort, aus den Augen, aus der Nase, aus dem Sinn. Da ist es sicherlich nicht eben einfach, dem Nachwuchs in der Schule was von Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder Ressourcenschonung zu erzählen. Der Papst müßte seine Schäfchen (nicht nur die maltesischen) nachdrücklich zum Erhalt der Schöpfung auffordern, damit diese sich die Erde nicht immer nur ohne Rücksicht auf Verluste untertan machen…

Aber ganz hoffnungslos scheint der Fall dann doch nicht zu sein: Auf unseren Streif­zügen kreuz und quer durch Malta begegneten uns hier und da Recycling-Container zum artreinen Sammeln alten Plastiks, Glases, Metalls und Papiers, von denen unsere etwa zehn Jahre alten Reiseführer noch gar nichts wußten. Der in jüngster Zeit zaghaft begonnene Versuch von Mülltrennung und Wiederverwertung wird den Aber­witz des Verbrennens jeglichen Misch-Abfalls hoffentlich irgendwann beenden.

ambulanter Landungssteg

Mit ein paar versöhnlicheren Fotos wie dem vom diesem kleinen Landungssteg im Abendlicht kratzen wir nun die Kurve und streben dem Ende des gut zwei- bzw. knapp dreiwöchigen Aktiv-Urlaubs entgegen, der – das sei hier neben­her erwähnt – mit knapp 500 EUR pro Nase für Hin- und Rückflug, Transfer und Hotel­zimmer mit Frühstück sogar zu den außerordentlich preiswerten zu zählen war.

Beschwören wir ein letztes Mal die Grandezza vergangener Epochen herauf mit dem Abbild einer prächtigen Villa in Attard, in deren Nachbarschaft sich der Regierungs­palast und diverse ausländische Botschaften befinden:

noble Villa in Attard

Passend zum Prunk der Architektur erscheint der üppige Wuchs der Pflanzen drum­herum, das palmenartige Gewächs in der Mitte scheint ja geradewegs zu explodie­ren, wie ein florales Feuerwerk, sozusagen.

Das diese Assoziation nicht von ungefähr kommt, sei mit dem letzten Bild belegt, mit welchem ich nun mit einem großen Knall diesen Artikel und damit die ganze Serie beschließen will. Ende April/Anfang Mai ließen es die Organisatoren des »Malta International Fireworks Festival« nach allen Regeln der Kunst blitzen und krachen:

prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta

Drei Abende hintereinander gab es da im Grand Harbour von Valletta Spektakuläres zu sehen und zu hören: Pyrotechnik-Hersteller aus aller Welt überboten sich mit ihren Darbietungen, und sogar der alte Zündler zonebattler, der in den fünf Dekaden seines irdischen Daseins schon manche Lunte selbst gelegt und angesteckt hat, hatte Vergleichbares bislang noch nicht gesehen…

Mit diesem Feuerregen bedanke ich mich bei meiner geschätzten Leserschaft für das Interesse und klappe mein Urlaubsalbum zu, nicht ohne die Absicht zu bekräftigen, der kleineren und etwas weniger turbulenten Insel Gozo dermaleinst eine eigene Expe­di­tion zu widmen. Vielleicht schon im nächsten Jahr, wer weiß?

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  1. zonebattler  •  9. Jul. 2012, 6:46 Uhr

    Es war übrigens eine gute Idee, sich die bunte Ballerei aus einiger Entfernung, sprich von Sliema aus anzusehen: Erstens sparten wir uns damit die nächtliche Rückfahrt aus Valletta in einem mutmaßlich rappelvollem Bus, zweitens sahen wir dadurch ver­mutlich mehr von der pyrotechnischen Pracht als die unmittelbar darunter Stehenden:

    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta
     
    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta
     
    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta
     
    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta
     
    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta
     
    prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta

    #1 

  2. Gregor Keuschnig  •  11. Jul. 2012, 9:45 Uhr

    »Wehmut« heißt eines Deiner Schlagworte. Und das zeigt sich ein bisschen auch in den heiter-spitzbübisch daherkommenden Kommentaren zu den sehr stimmungsvollen Fotos. Seltsam, dass ich fast das Gefühl habe, dagewesen zu sein (und mir die Reise sozusagen »sparen« kann).

    #2 

  3. zonebattler  •  11. Jul. 2012, 10:17 Uhr

    Ja, »Wehmut« befällt mich des öfteren, das hast Du gut beobachtet. Der Mensch führt sich zuweilen auf, als gäbe es kein gestern und kein morgen und überdies alle Ressourcen in beliebiger Unerschöpflichkeit. Sowas im Großen wie im Kleinen mitzu­kriegen ärgert mich und macht mich traurig, unabhängig davon, ob ich nun im engen Sinne zuständig oder finanziell betroffen bin…

    Ansonsten danke für die Blumen, wobei Dich die Anerkennung meiner Bemühungen keinesfalls davon abhalten sollte, selbst nach Malta zu reisen: Man schleppt ja stets den eigenen Erfahrungshorizont mit sich herum, und Dir würden dort sicherlich noch ganz andere Aspekte auffallen als mir. Mancherlei wehmütig stimmende, gewiß, aber fraglos auch viele gemütsergötzende!

    #3 

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