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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Die Verkehrsinsel (9)

Im letzten Teil der Reiseberichterstattung von 2012 hatte ich es schon angedeutet, daß es womöglich auch heuer wieder nach Malta gehen könnte. Und so kam es dann tatsächlich: Zur gleichen Jahreszeit wie im Vorjahr bereisten der zonebattler und seine bessere Hälfte von Ende April bis Anfang Mai für knapp drei Wochen den medi­terranen Inselstaat. Um der faktischen Fortsetzung des vorausgegangenen Urlaubs auch virtuell Rechnung zu tragen, setze ich die Serie unter dem gleichen Titel nahtlos fort und werde mir auch diesmal (über einige Wochen gestreckt) insgesamt acht bunt bebilderte Folgen abringen, zur Bewahrung meiner eigenen Erinnerungen und hoffent­lich auch zur Erbauung meiner geschätzten Leserschaft…

Also dann los: Nachdem sich ein durchgängiger Wohnort (Sliema) beim ersten Aufent­halt auf Malta angesichts der zeitraubenden Busfahrerei als suboptimal heraus­kristallisiert hatte, splitteten wir diesmal den Urlaub auf zwei weit aus­ein­an­der­liegende Standorte auf: Erst verbrachten wir zehn Tage auf der be­schau­li­chen Insel Gozo, nach deren ausgiebigen Erforschung wir dann noch für eine Woche auf die quirlige Hauptinsel, namentlich in die Hauptstadt Valletta übersiedelten. Hier zu­nächst die traditionsgemäß angefertigte Überblickskarte mit unseren vom stets mit­ge­führ­ten Vorratsdatenspeicher feinsäuberlich mitprotokollierten Wegen:

Übersichtskarte von Gozo und Malta mit den von uns zurückgelegten Wegen
Map data: © OpenStreetMap contributors, powered by OpenRouteService

Doch halt, werfen wir noch einen kurzen Blick zurück auf die diesmal recht aben­teuer­liche Anreise: Während wir in 2012 noch recht kommod von Nürnberg aus direkt mit Air Berlin gen Malta schweben konnten, hat sich die von meinem Ex-Chef-Chef-Chef-Chef Hartmut Mehdorn geführte Airline inzwischen aus NUE weitgehend ver­ab­schie­det, so daß wir diesmal von MUC aus mit Air Malta fliegen mußten. Von Nürn­berg nach München zu kommen bedeutet normalerweise, eine recht unspektakuläre gute Stunde im ICE zu sitzen. Diesmal freilich standen wir dichtgedrängt im Zuge, denn aufgrund einer Kupplungsstörung in Köln verkehrte unsere blecherne Weißwurst an unserem Anreisetag nicht als Doppelzug, sondern als singuläre Garnitur. Immerhin, die Stimmung in der proppenvollen Sardinenbüchse war deswegen nicht etwa ge­dämpft, sondern eher recht entspannt bis unverdrossen fröhlich. Waren offenbar über­wiegend Profireisende unterwegs… [1]

Von München Hbf aus ging es dann mit der S-Bahn zum Flughafen, von dort in gerade einmal zweieinhalb Stunden über die Alpen, über Italien, über Sizilien und eine abschließende Handbreit Mittelmeer nach Malta. Dort erwartete uns ein Transfer-Bus, der uns über Land an den Städten vorbei (als einzige!) bis zum Fährhafen von Ċirkewwa brachte. Da ging dann der Urlaub für mich so richtig los… [2]

Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt vom Nordwestzipfel Maltas am kleinen Comino vorbei nach Gozo. Nur wenige hundert Meter oberhalb des Hafens von Mġarr bezogen wir Quartier im dortigen Grand Hotel, von dem aus man das Kommen und Gehen der Fähren wunderbar beobachten kann:

Fährschiffe der Gozo Channel Line im Hafen von Mgarr

Bei dem im Bild deutlich sichtbaren Wachturm handelt es sich übrigens um den St Mary’s Tower auf Comino; rechts hinten im Bild ist dann schon die Hauptinsel des maltesischen Archipels zu sehen.

Mit ihrem kompakten Arrangement von Fährschiffen, Fischerbooten, Kirchen, einer alten Festung und allerlei pittoresken Küstenabschnitten wirkt die Bucht von Mġarr ein wenig wie ein auf Lebensgröße hochskalierter Abschnitt einer fröhlich bunten (wenn auch schienenlosen) Modellbahnlandschaft:

Bunte Boote im Hafen von Mgarr

Unser preiswertes Zimmer mit Landblick erwies sich als unerwartet riesig und lu­xu­ri­ös, wenngleich sich ein paar Unterteilungen im Schrank und/oder eine schubladisierte Kommode als sehr hilfreich erwiesen hätten. Dafür gab es freies WLAN im ganzen Haus und damit drahtlosen Kontakt zu den Weiten der virtuellen Welt wie auch zur heimischen Sphäre, ein Umstand, den wir im Gegensatz zu manch anderen durchaus zu schätzen wissen.

Dem heimatlich dauerhaft trüben Wetter glücklich entflohen, mußten sich die Augen und der Blick erst einmal an die knalligen Farben und den wolkenlos blauen Himmel gewöhnen:

Und noch einmal bunte Boote aus anderer Perspektive...

Dank der (noch) nicht vorhandenen Verbindung der Inseln via Brücke oder Tunnel hat sich das landwirtschaftlich geprägte Gozo bis heute einen eher ruhigen und beschau­lichen Charakter bewahren können. Weil typische Urlauber-Attraktionen eher auf der Hauptinsel zu finden sind, kommen mit den ersten Fähren überwiegend Tages-Touristen nach Gozo geschippert, die am späten Nachmittag dann auch wieder weg­ge­schafft werden. Abends kehrt auf der kleinen Insel sehr schnell Ruhe ein, die allen­falls durch das Knattern eigenartiger motorisierter Gefährte unterbrochen wird…

geringmotorisierter gozitanischer Landmann, die Kurve kratzend

Schon in den frühen Morgenstunden findet die Nachtruhe indes ein jähes Ende, zumal im Frühling, wenn Jagdsaison ist und die gozitanischen Männer aus Mangel an sinnstiftenden Zerstreuungen auf alles ballern, was Flügel hat und flattert. Ich hatte auf diesen barbarischen Blödsinn weiland schon im ersten Teil hingewiesen, diesmal erlebten wir das stete Piff-Paff-Puff leider noch krasser. Überall im Gelände findet man provisorische Unterstände für Schrotflintenträger und drumherum aufgestellte »Präsentierteller« aus Steinplatten, auf denen sich arglose Piepmätze zu ihrer dann mut­maßlich letzten Rast niederlassen sollen. Man kann nur hoffen, daß diese Art von »Brauchtum« irgendwann vermittels einer zunehmend restriktiveren EU-Gesetz­ge­bung weitgehend ausradiert werden wird…

Ungewohnt sind übrigens auch andere Gebräuche der ansonsten durchaus friedlichen und freundlichen Insulaner; insbesondere erfreuen die allerort präsenten Beispiele krea­tiver Leitungsführung das Herz des Fotografen:

künstlerisch wertvolle Abwasserleitungsführung

Spätestens hier läuft der Chronist nun Gefahr, sich zu wiederholen, hat er doch in den ersten acht Teilen dieser Serie schon viel erzählt und gezeigt, was er auch in seinem diesjährigen Urlaub gesehen und fotografisch konserviert hat. Macht aber nix, Beispiele für umstandslose Selbsthilfe und unprätentiöses Improvisationstalent kann man schließlich immer zeigen, ohne sein Publikum zu langweilen:

ein Türschloß der ungewöhnlichen Art

Lassen wir den ersten Tag auf Gozo ausklingen mit einem stimmungsvollen Sonnen­untergang, den ich gerade noch rechtzeitig mit ambulant aufgestützter Kamera ein­fangen konnte:

Kirche im letzten Abendlicht

Im folgenden Teil werde ich dann von unseren ausgedehnten Wanderungen be­rich­ten, die uns vor allem entlang der einsamen Küstenlinie Gozos zahlreiche wunder­schöne Ausblicke – und auch manchen Weltschmerz – beschert haben.

 
[1] Harald Schmidt hat sich zu diesem Thema mal dezidiert geäußert, siehe hier.

[2] Beim Übersetzen nach Gozo gelang mir gleich der erste schöne Schnappschuß

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