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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Die Lärminsel (3)

Also gut, genug gerastet, laufen wir weiter der Küste entlang in Richtung Westen. Immer wieder erstaunlich finde ich den üppigen Wuchs der Palmen, derer es auf den ka­na­ri­schen Inseln zuhauf gibt. Mitunter wird man ja Zeuge, wie muntere Männer mit Macheten den Höhenwuchs der Bäume befördern, indem sie die jeweils unteren Blät­ter ab­hacken. Manchmal sieht man verwahrloste Exemplare (von Palmen, nicht von Män­nern), deren wegstehende Teile vertrocknet und verschrumpelt sind, zu­wei­len aber trifft man in freier Wildbahn auf prächtige Gewächse, bei denen man sich verblüfft fragt, ob deren regelmäßiger Wuchs wirklich ohne jegliches Dazutun klin­gen­schwin­gen­der Baumbehauer zustande kam:

Zwei himmelwärts strebende Palmen

Vermutlich gibt es verschiedene Spezies mit unterschiedlichem Gebaren, unsereins ist da nicht kompetent und schon froh, wenn er in der heimischen Flora Löwenzahn und Gänseblümchen zuverlässig und reproduzierbar auseinanderhalten kann…

Doch wenden wir im Weitergehen den himmelwärts gerichteten Blick wieder auf den Boden und schauen wir dem Spiel der Wellen resp. der Gischt zu, die hier an at­lan­ti­schen Gestaden doch mit einigem Wuppdich die Küste modelliert:

Spannender als jedes Fernsehprogramm: Die Trennlinie zwischen Meer und Land

Das Geräusch habe ich heute noch in den Ohren, auch seinetwegen habe ich das Eiland als »Lärminsel« tituliert: Die Wellen rollen nicht nur heran, sie rollen auch die längst davon rundgeschliffenen Lava-Steine hin und her und auf und nieder, was mit einiger Geräuschentwicklung einhergeht. Ein durchaus nicht unangenehmes oder gar bedrohlich wirkendes Rumpeln, aber eben eines von erstaunlicher Lautstärke. Einmal mehr wird einem bewußt, daß man hier am »richtigen« Meer steht und nicht an einem größeren See…

Vom Rauschen berauscht (das einem nach ausgiebigem Genuß noch lange weiter in der Birne herum herummäandert, selbst wenn man sich schon wieder ein Stück weit von der Wasserkante entfernt hat), hat der Knipser gleich wieder eine elementare Grenze diagonal ins Bild gesetzt, diesmal nicht die zwischen Wasser und Land, sondern eine zwischen Himmel und Haus:

markant gestrichenes Haus

Ich schrieb ja schon neulich, daß die Spanier einen Hang zu knalligen Farben haben, vermutlich, weil sie dem intensiven Blau des Himmels, dem satten Grün der Ve­ge­ta­tion und der Schwärze der erstarrten Lava Paroli bieten und einen Kontrapunkt entgegensetzen wollen. Egal, mitunter paßt es ja wirklich stimmig oder kom­ple­men­tär­kon­tra­stig zusammen und liefert aufhebenswerte Ansichten.

Der Rest der Wanderung bot weniger Bewahrenswertes, auch deshalb, weil wir mit einem anderen alemannischen Paar ins Gespräch kamen und von ihm einen Gutteil des Rückwegs im (Miet-)Wagen mitgenommen wurden. Schwupps, waren wir wieder daheim und ein im Wortsinne eindrucksvoller Tag im Wesentlichen gelaufen…

Anderntags machten wir uns in die entgegengesetzte Rich­tung auf, also gen Osten in Richtung Santa Ursula. Dafür muß man bereits innerorts etliche Höhenmeter er­klim­men, genießt dafür aber einen wunderbaren Panoramablick auf des Meeres schier un­end­liche Weite. Wenn man nicht gerade ins Wisch-o-fon guckt, dessen eher winzige Glas­scheibe gleichwohl einen Blick in ein noch viel größeres, wenn auch virtuelles Universum er­mög­licht:

Smartphone-Surferin mit Meeresblick

Ja, so ist das heutzutage, das virtuelle Netzwerk lockt immer und überall, und auch der zonebattler ist dagegen nicht völlig immun, wenngleich er sich in der Regel zu beherrschen weiß, namentlich dann, wenn das analoge Umfeld nicht minder span­nend und reich an Sinnesreizen ist.

Ob nun die peripher gelegenen Hotelburgen von Puerto Santa Cruz sonderlich reizvoll sind, sei mal dahingestellt. Hier sollen sie gleichwohl nach stundenlangem Marsch im Rückblick dokumentiert werden, auf die Ferne kann man sie ja doch einigermaßen ertragen, zumal bei schmeichelhafter Beleuchtung:

Blick zurück auf Puerto de la Cruz

Man ahnt beim Anblick der zackigen Gestade, daß man sich beim Herumkraxeln in der scharfkantigen Ergußmasse vorsehen muß: Die erstarrte Lava schlitzt einem ungerührt Hose und Haut auf, wenn man nicht umsichtig (und unablässig) auf Tritt­sicher­heit bedacht ist. Aber genau das ist es ja, was den gemeinen Schreib­tisch­täter im Urlaub herausfordert…

Hin und wieder gibt es zwischen all dem vulkanischen Gerölle und Gewölle dann doch wieder feinsandige Abschnitte, die zum Bade laden. Die aber sind offenkundig nur den Einheimischen bekannt, die den nur zu Fuß errreichbaren, schwarzen Strand da­her nur selten mit Fremdlingen teilen müssen:

Erholungssuchende an einsamen Strande

Die streckenweise doch recht herausfordernde Küstenwanderung nach Osten brachte uns bis zu einer einst sehr luxuriösen, mittlerweile jedoch aufgegebenen Finca unter­halb von La Puntilla, die wir ebenso neugierig wie minimal invasiv inspizierten. Vor­zeig­ba­re Bilder davon gibt es nicht, man muß ja auch nicht alles knipsen, zumal unsereinem die damaligen Eindrücke noch Jahre später wieder aus den hintersten Sy­nap­sen hervorsteigen, wenn man den automatisch mitgetrackerten Wanderweg noch­mals auf dem virtuellen Google-Globus nachvollzieht.

Die Kamera gezückt habe ich erst wieder Stunden später, als wir rückwärts eine etwas andere Route nahmen und unterhalb der großen Hotels wieder in Puerto de la Cruz einliefen:

Hotelfassade mit eingerückten Mini-Balkons

Eine einzige ältere Dame stand recht verloren auf einem der gezeigten Mini-Balkone herum und schaute sinnierend aufs Meer hinaus. Die perfekte Visualisierung der Ein­sam­keit des Individuums inmitten namenloser Massen! Ich zeige hier trotzdem ein anderes Foto ohne menschlichen Besatz vor, ich kann und will ja nicht un­er­laub­ter­weise identifizierbare Personen ins virtuelle Rampenlicht zerren…

Als moralisch wie juristisch unproblematisch erweisen sich ja Rückenfiguren, die ich bei entsprechendem Pegelstand meiner eigenen Hybris zuweilen als Hommage an Caspar David Friedrich zu verkaufen pflege:

Zwei Männer in Betrachtung der Küstenlandschaft

Ja, da gucken sie etwas ratlos über den Zaun, die beiden Herren, derweilen die da­zu­ge­hö­ri­gen Damen mutmaßlich durch die umgebenden Boutiquen mit ver­jün­gen­den Klamottagen und/oder durch die Shops mit schönen Nutzloserabilien streifen, um die Koffer voll und die Urlaubskasse leer zu kriegen. Anderntags stehen andere da und das Spiel perpetuiert sich, bis der tief drunten noch rumorende Vulkan zu rülpsen ge­ruht und das Inselleben resettet. Bis dahin kann es aber noch eine ziemliche Weile dau­ern, mit einiger Wahrscheinlichkeit länger als bis zum Erscheinen der nächsten Folge!

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