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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Zeitgemäße Zeitreise

Am letzten Samstag war der zonebattler als regionaler Blogger zum sogenannten #HohenzollernWalk eingeladen, einer exklusiven Führung für netzaffine Mul­ti­pli­ka­to­ren durch die frisch wieder­er­öff­ne­te Burg Cadolzburg. Die sieht ja nun schon seit einiger Zeit wieder ganz ma­nier­lich aus:

Die Burg Cadolzburg zu Cadolzburg

Nach gemütlicher Anfahrt mit der Regionalbahn (dauert von Fürth Hbf aus keine halbe Stunde) trabte ich vom Cadolzburger Bahnhof aus zur Burg hoch und mischte mich unters überwiegend junge Volk der Netzaktivisten. In zwei Gruppen (Instagramer da, gemeine Blogger und Twitterer hier) aufgeteilt, bekamen die Gäste gut zwei Stunden lang einiges zu sehen, zu hören und zu riechen (wenngleich durchaus nicht alles, dazu war die Zeit zu knapp und das verschachtelte Gemäuer zu weitläufig, von den auf­merk­sam­keits­hei­schen­den Exponaten gar nicht zu reden).

Einführung durch Dr. Karnatz (links)

Sehr interessant waren die Ausführungen von Dr. Sebastian Karnatz (links im Bild) und Dr. Uta Piereth (Mitte) von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gär­ten und Seen. Während die beiden überaus beschlagenen Historiker referierten, memorierten und digitalisierten die agilen Gäste aus der Social-Media-Szene das Ge­hör­te und Gesehene quasi in Echtzeit:

Social-Media-Akteure beim Social-Media-Agieren

Nur der Endesunterfertigte konnte (und wollte) da nicht mithalten, der sperrte erst­mal nur die Ohren auf und machte hier und da ein Foto zur späteren Verwurstung.

moderne Kunst am alten Bau

Vorbei an zwei rostigen Kämpfern (Feder gegen Schwert, also Wort gegen Gewalt) ging es dann zunächst einmal über die (einstige Zug-)Brücke in den Burghof, in dem mo­der­ne Medien-Recken sogleich ihre neuzeitlichen Kanonen in Stellung brach­ten:

Kameramann beim Filmen aus der Froschperspektive

Bemerkenswert fand ich so manche verwegene Theoriebildung bei den jugendlichen Leu­ten, deren Digitalkompetenz das bodenständige Allgemeinwissen teils merklich übertraf: Einige hielten die mittigen Löcher in den Steinquadern für Einschußspuren (sind sie natürlich nicht, die Eingreifpunkte für die im folgenden Foto zu sehende Stein­zange), andere wunderten sich über die mut­maß­li­che Verwendung des (nach­ge­bau­ten) Kranes mit Kraft­er­zeu­gung durch eine Art »Hamsterrad« für Menschen.

Teilansicht eines rekonstruierten Steinkranes

Die Vorstellung, daß man so einen Kran samt Steinzange während der Bauphase braucht, um die dann noch nicht vorhandenen Mauern zu errichten (große Sand­stein­qua­der sind ja doch von anderem Kaliber als handliche Ziegelsteine), war für manch eine(n) wohl zuviel der Abstraktion… Aber das waren Einzelfälle, ansonsten war ich erstaunt über das Tempo, in denen die Jungs und Mädels en passant Texte und Fotos von formidabler Qualität erschufen und virtuell über die Welt verstreuten. Chapeau!

Gewölbesaal mit rekonstruiertem Kamin

Apropos Abstraktion: Bekanntermaßen gingen ja große Teile des historischen Bau­be­stan­des und des Interieurs in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges durch sinnlose Gegenwehr und folgenden Feindbeschuß im Feuer verloren. Man hat glücklicherweise keine Rekonstruktionen vorgenommen, die letzlich nur auf unredliche Weise vor­gau­keln könnten, was im Original unwiederbringlich dahin ist. Hier und da hat man aber durch behutsame und farbneutrale Nachbauten (wie den Kamin im obigen Bild) der Fantasie einen Anhaltspunkt gegeben für das, was hier einstmals vorhanden war.

Im Kriege vernichtet, als Hülle neu errichtet

Leider nur überbelichtet zu sehen sind die Multimedia-Stationen, an denen Ge­schich­te erfahr- und (fast) erlebbar wird. Der Berichterstatter freut sich über den hohen inhaltlichen wie ästhetischen Standard des zeitgemäßen Medieneinsatzes: Man hat da wirklich aufgeschlossen zu den Kollegen aus dem angelsächsischen Raum, die in Sa­chen po­pu­lä­re Wissensvermittlung lange Zeit vorne dran waren…

Sakralkunst

Bei einem kleinen Imbiß (mit allerlei historisch angehauchten Schmankerln) klang der Abend mit angeregten Gesprächen aus. Ich flitzte und spitzte noch hier und da ein wenig herum in den fast menschenleeren Fluchten, bevor ich mich wieder in Richtung Bahnhof auf dem Heimweg machte. Der Wissensdurst ist geweckt, aber noch lange nicht gestillt: Für die ausgiebige Besichtigung der neuen alten Cadolzburg wer­de ich mir demnächst einen Tag freinehmen müssen!

  1. zonebattler  •  3. Jul. 2017, 20:24 Uhr

    Pressespiegel: »#HohenzollernWalk: Instagram-Zeitreise auf der Cadolzburg« (FN)

    #1 

  2. Robert  •  3. Jul. 2017, 21:03 Uhr

    Schön, wird auf jeden Fall auf die Liste anstehender Ausflüge gesetzt.

    Leider findet sich auf der Internetseite der Cadolzburg kein Hinweis auf Öff­nungs­zei­ten (oder er ist entweder so gut versteckt, dass ich ihn nicht finde, bzw. derart offensichtlich, dass ich ihn übersehe).

    #2 

  3. Tanja Praske  •  3. Jul. 2017, 21:06 Uhr

    Lieber Ralph,

    eine wunderbare Nachlese! Habe mächtig geschmunzelt und somit ein toller Ta­ges­aus­klang für mich. Es freut mich sehr, dass wir deinen Appetit auf mehr wecken konnten. So war es auch gedacht. Uns war klar, dass wir nicht alles zeigen konnten in der »kurzen« Zeit. Vielen Dank für das Lob an die Ausstellungsmacher und Kuratoren!

    Ich wünsche dir alles Gute und freue mich auf weiteres Lesen bei dir!

    Herzlich,
    Tanja

    #3 

  4. #HohenzollernWalk auf der Cadolzburg - Fürstenleben einmal anders!  •  3. Jul. 2017, 21:18 Uhr

    […] homezone 2.1: „Zeitgemäße Zeitreise“ […]

    #4 

  5. zonebattler  •  3. Jul. 2017, 21:32 Uhr

    @Robert: Letzteres! Die Seite mit den Öffnungszeiten ist doch ganz leicht zu finden?

    #5 

  6. Jaelle Katz  •  3. Jul. 2017, 22:39 Uhr

    Ja, der Ausflug an diesem Abend war sehr unterhaltsam. :-) Und die leckeren Häpp­chen zum Schluss erst…

    #6 

  7. Von seltenen Salaten und Schlafen im Sitzen – Die Cadolzburg - zwillingswelten - Lifestyle, Reisen, Gagdets, Zwillinge, Familie  •  5. Jul. 2017, 10:12 Uhr

    […] Beitrag bei zonebattler […]

    #7 

  8. zonebattler  •  5. Jul. 2017, 17:05 Uhr

    Pressespiegel: »#HohenzollernWalk: So erlebten Blogger die Cadolzburg« (FN)

    #8 

  9. #HohenzollernWalk auf der Cadolzburg in Franken - Gaumenfreuden im Mittelalter - Brotwein  •  24. Jul. 2017, 13:39 Uhr

    […] zonebattler’s homezone 2.1: Zeitgemäße Zeitreise […]

    #9 

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