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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Endzeitstimmung

Der zonebattler geht gemeinhin sehr sorgfältig mit seinen Habseligkeiten um, und das gilt aus Gründern seiner inneren Haltung zu Ressourcenschonung und Ver­schwen­dungs­ver­mei­dung auch für jene Dinge, die ihm gar nicht selbst gehören. Zum Beispiel für sein dienstliches »Mädchen-Handy« [1], über welches er seit dem 20. März 2007 Kontakt zu seinen Männern im Felde hält. Da diese in der Regel nicht via Festnetz zu er­rei­chen sind, war der Arbeitgeber auf die Idee verfallen, auch den stationär tätigen Verfasser dieser Zeilen mit einem Mobiltelefon auszustatten, auf daß der dienstliche Sprech­ver­kehr über den kostengünstigen Konzern-Mobilfunktarif abgewickelt werden könne und möge. So weit, so gut. Mein kommunikativer Handschmeichler verläßt das Büro in der Regel nicht, sieht daher noch (fast) wie neu aus und der Erst-Akku reicht nach einer Aufladung immer noch für eine gute Woche Rufbereitschaft…

Gestern aber verkündete mir das Gerät einen vergeblichen Anrufversuch am letzten Sonntag. Am Sonntag? Welcher meiner Mannen sollte versucht haben, mich am Wo­chen­en­de zu erreichen? Das roch nach etwas Ungewöhnlichem. Beim Scrollen durch die Anruflisten fiel mir auf einmal auf, daß das Datum zwar stimmte, nicht jedoch der dazugehörige Wochentag: Der lag um einen daneben, der vermeintliche Sonntags-Anruf stammte in Wirklickeit also vom Montag! Ich schlußfolgerte messerscharf, daß das Handy sich, mich und den Rest der Welt im falschen Jahr wähnte. Und wirklich, das dumme Ding glaubte uns als gegenwärtig im Jahr 2016 befindlich:

zonebattler's Diensthandy

Das sich durch Anklicken magisch vergrößernde Foto dokumentiert den Cursor auf der »6«, also der letzten Stelle der Jahreszahl stehend. Wer aber beschreibt mein Er­stau­nen [2], als ich mich trotz mehrfachen energischen Daumendrückens nicht in der Lage sah, aus dem Sechser einen Siebener zu machen? Schier unglaublich, aber dennoch wahr: Der Bordkalender meiner schicken Handgurke reicht nur von Anfang 2000 bis Ende 2016! Offenbar gingen die südkoreanischen Ingenieure davon aus, daß kein Mensch sein Handy länger als zehn Jahre nutzen würde. Tja. So sind sie…

Der Endesunterfertigte tickt aber anders, und weil er sich ungern von seinen Ge­rät­schaf­ten vorschreiben läßt, wann er sie außer Dienst zu stellen hat, hat er sich jetzt gerächt und den Kalender einfach auf das Jahr 2006 zurückgedreht. Damals war der heutige 19. Juli auch ein Mittwoch und weil Mailbox und andere Features ohnehin nix mit der Jahreszahl anzufangen scheinen, wird jetzt erstmal knapp 11 Jahre lang ka­len­da­risch hinterhergehinkt. Dann sehen wir weiter bzw. vermutlich erledigt sich das Problem am 27. Februar 2026 auf eine andere Art und Weise ganz von selbst…

 
[1] Das von mir weiland herausgesuchte, metallic-rote Klapp-Ei mit dem sperrigen Namen Samsung SGH-E570 wurde seinerzeit von der Kollegenschar interessiert be­äugt, aber weit überwiegend als unmännlich abgetan. Soll mir recht sein, mein Ge­schmack liegt ohnehin regelmäßig abseits des sogenannten Mainstreams.

[2] Diese schöne Wendung ist eines der wenigen, bei passender Gelegenheit aber gern hervorgekramten Relikte meines rechtschaffen erworbenen Latinums.

  1. Alter Schwede  •  19. Jul. 2017, 10:34 Uhr

    Ralph, ein Hoch auf Dich und Deine Persistenz! Wie immer köstlich formuliert und wert, auch einer größeren Audienz zur Lektüre empfohlen zu werden. Das rote Teil ist inzwischen vermutlich absolut »kultig«. Teste doch mal die Außenwirkung, wenn Du in einem Nürnberger Café mal einen Call mit dem Teil tätigst.

    #1 

  2. zonebattler  •  19. Jul. 2017, 10:40 Uhr

    Hm, sollte ich vielleicht tatsächlich mal ausprobieren, vielleicht macht mich das Ding ja sogar zum besonders hippen Hipster? Danke für die Idee!

    #2 

  3. zonebattler  •  19. Jul. 2017, 10:49 Uhr

    Übrigens macht es Spaß, sich gegen echte oder vermeintliche Obsoleszenz zur Wehr zu setzen: Gestern Abend habe ich meinem nach gerade einmal 25 Dienstjahren schwächelnden CD-Player (SONY CDP-X222ES) durch eigenhändige Operation am Her­zen (Austausch der Laser-Einheit gegen ein für EUR 13,50 aus der elektrischen Bucht geangeltes Neuteil) wieder zu neuem Leben verhelfen können…

    #3 

  4. Jürgen  •  19. Jul. 2017, 12:20 Uhr

    Moin Ralph.
    Das Teil im Hello-Kitty-Look ist tatsächlich »trendy« obwohl wir in unserer Generation schon mal nach einer Alternative in dezenteren Farben und mit angepasster Aus­stat­tung Ausschau halten dürfen:

    https://www.aldi-nord.de/angebote/angebote-ab-montag-24-07/doro-phoneeasy-613-6-09-cm-2-4-klapphandy-2372.article.html

    ;-) Nix für ungut und beste Grüße aus dem Norden

    #4 

  5. Rainer  •  19. Jul. 2017, 12:25 Uhr

    Ralph,
    so wird das grad gar nix mit dem Wirtschaftswachstum.

    Ob die Vorteile der verhinderten Obsoleszenz die Nachteile von Innovationen er­set­zen, magst du unter Kostengesichtspunkten für dich positiv einschätzen…

    Verm. gehörst du dann auch zu den Wenigen, die es als Herausforderung ansehen, z.B. mit 4?x die 7 Tippen ein »S« auf das TFT-Farbdisplay mit 65k-Farbspektrum zu zau­bern. Und wenn es dann mal einen Film, ein Emoji, ein Gif, eine App usw. gibt, schlicht ein weiteres Gerät benutzen.

    #5 

  6. zonebattler  •  19. Jul. 2017, 13:13 Uhr

    Jürgen, wirst lachen: So ein seniorenfreundliches DoroPhone habe ich schon mal einer im Wortsinne alten Freundin besorgt. in fröhlich-frischem Rot!

    Rainer, mir ist schon klar, daß evolutionärer Fortschritt vom Tempo der Ge­ne­ra­tio­nen­fol­ge abhängt. Das gilt in der Natur (darum mutieren z.B. Fruchtfliegen schneller als Elefanten), aber auch in der Technik, also dem von Menschenhirn und -hand er­schaf­fe­nen Umfeld. Mir erscheint der Preis für den rasanten Fortschritt (Verheerung ganzer Landstriche beim Rohstoffabbau, Verschmutzung es­sen­tiel­ler Ressourcen wie Luft und Wasser, Vermüllung der ganzen Welt) als mittlerweile deutlich zu hoch und vor allem als zu irreversibel, als es die Ergebnisse rechtfertigen könnten. Dies umso mehr, als die »Segnungen« der ganzen Veranstaltung nach wie vor nur einem pro­zen­tu­al recht kleinen Teil der Menschheit zugute kommen…

    P.S. Privat habe ich ja ein Smartphone, aber als Fan adäquater Lösungen reicht mir meine Dienstgurke für die damit zu bewältigenden dienstlichen Aufgaben allemal aus!

    #6 

  7. Be Blum  •  19. Jul. 2017, 14:25 Uhr

    Welch ein Glück, dass es Menschen wie dich (und mich) nicht so oft auf der Welt gibt. Wie gut, dass du (und ich) Auslaufmodelle sind (in Ermangelung von Nachwuchs). Wo kämen wir sonst hin? Kein Wirtschaftswachstum, keine Steigerung des Brutto­so­zial­pro­duk­tes sondern Stagnation, Rezession und ein bissl Nachhaltigkeit.

    #7 

  8. Rainer  •  19. Jul. 2017, 14:41 Uhr

    Die Fragen zum (techn.) Fortschritt sind doch eigentlich immer dieselben:
    Wo bin ich bereit, die Annehmlichkeiten zu nutzen?
    Wo ist es für mich verzichtbar?

    #8 

  9. zonebattler  •  19. Jul. 2017, 14:48 Uhr

    Doof ist halt nur, daß 1 Ignorant mehr für die Zugrunderichtung der Welt bewirken kann (und das oft auch tut) als 1000 Nachdenkliche, die sich aus weiser Einsicht heraus beschränken und beschneiden. Und in der sogenannten »Freien Wirtschaft« des auf schrankenlosen Wachstums geeichten Kapitalismus wird ja allenthalben das propagiert, was dem Einzelnen kurzfristig nützt, aber letztlich unser aller Le­bens­grund­la­gen dauerhaft ruiniert… Leider kann man sich nicht aus der Zwangs­ge­mein­schaft der Schwimmbeckenpinkler ausklinken, das Thema hatten wir ja schon mal.

    #9 

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