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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Operation am offenen Auge

Gut 25 Jahre lang haben mein SONY-Verstärker TA-F550ES und sein CD-abspielender Kumpel CDP-X222ES bestens miteinander harmoniert. Vor einigen Monaten hatte ich mir noch den zum Ensemble passenden Tuner ST-S550ES aus der elektrischen Bucht gefischt und dem CD-Player auf’s blecherne Dach gestellt. Das hat der mir offenbar übelgenommen: Nach einem Vierteljahrhundert fröhlichen Musizierens hat der di­ven­haf­te Scheiben-Spieler den in sein Revier eingedrungenen Tuner nur eine Woche lang huckepack ertragen und dann eingeschnappterweise dauerhaft den Dienst quittiert.

Nach Einlegen einer CD hörte man nur noch das Laufwerk ticken, es wurde aber kein Inhaltsverzeichnis mehr erkannt. Manchmal wurde »-NO DISC-« (bzw. dank meiner Umprogrammierung »-NIX DRIN-«) im Display angezeigt. Mitunter drehte auch der An­trieb hoch auf eher ungesunde Drehzahlen und man konnte dann nur noch den Power-Schalter betätigen, um die irre Raserei zu beenden. Auf wundersame Spon­tan­hei­lung war bei diesem Fehlerbild definitiv nicht zu hoffen… [1]

Der Ausbau des Players aus des zonebattler’s Lundia-Regal war eine mühsame und da­her wochenlang aufgeschobene Angelegenheit. Als ich mich endlich dazu aufraffen konnte und den Player dann geöffnet auf dem OP-Tisch stehen hatte, waren (wie nicht anders erwartet) keine offenkundigen Blessuren zu erkennen:

Viel Luft unter der Haube: der geöffnete SONY CDP-X222ES

Was tun? Einen Player gleichen (oder besseren, in jedem Fall: passenden) Typs in na­he­zu perfektem Erhaltungszustand gebraucht zu erwerben, hätte erstens gutes Geld gekostet und wäre zweitens mit dem Risiko behaftet gewesen, daß das Aus­tausch­ge­rät aufgrund seines vergleichbaren Alters womöglich auch nicht mehr lange gehalten hätte. Zudem war funktionaler Ersatz in Form eines kleineren Grundig CD-Spielers zur Hand, und nur für den mondäneren Auftritt eines visuell stimmigen SONY-Youngtimers wollte ich nicht allzuviel ausgeben. Was blieb als sinnvolle Option übrig? Der Versuch einer eigenhändigen Reparatur durch Komponententausch!

Magisches Auge: die in der Bildmitte sichtbare Lasereinheit

Nach Meinung diverser Foren-Freunde der Old-Fidelity-Fraktion hatte vermutlich die Laser-Abtasteinheit meines Spielers das Zeitliche gesegnet, vielleicht auch dessen An­steu­er­elek­tro­nik drumherum. Da der verbaute Laser vom Typ KSS-240A als preis­wer­tes Ersatzteil bei eBay für schlappe EUR 13,50 (incl. shipping) zu haben war, habe ich mir testhalber einen solchen bestellt: Kaputter als kaputt konnte mein CD-Player ja schließlich durch einen Pickup-Wechsel nicht werden! Wenige Tage später lag das kleine Schächtelchen mit dem neuen Laser-Auge in der Post.

It's a SONY: schwarze Schönheit im Stil der frühen 1990er Jahre

Also flugs das nötige Werkzeug zurecht- und dann losgelegt: Deckel ab, Schub­la­den­blende runter, ein Dutzend Schrauben raus, Gerätefront weggeklappt, Kabel ab, Lauf­werk raus, Schublade ab, alten Laser raus, neuen rein, alles wieder in umgedrehter Rei­hen­fol­ge zusammengebaut und dabei weder eine Schraube vergessen noch ir­gend­wo hin­ge­langt, wo es nicht gut täte. Das vorläufige amtliche Endergebnis: Läuft wie­der. Wie eine Eins, auf Anhieb und ohne jedes Murren. Hurra!

Inzwischen ist auch der im Wortsinne schweißtreibende Teil der Arbeit erledigt: Die Wiedereingliederung des Patienten an seinen Arbeitsplatz. Das ist bei mir immer ein Elend, weil Regalböden temporär angehoben und fixiert werden müs­sen (aber auf­grund von Verstrebungen nicht einfach herausgenommen werden kön­nen), weil die Netzkabel über mehrere Etagen zwischen Wand und Lundia-Regal hinuntergeführt wer­den müssen [2] (zu welchem Zwecke tonnenweise edle Kunstbände umzurangieren sind) und, und, und. Egal, der Schweiß ist inzwischen längst ge­trock­net (und wurde ja auch zeitnah abgewaschen), der Anblick entschädigt mich nunmehr für alle Mühen:

Qualität kennt kein Alter: der wiederbelebte CD-Player inmitten seines Habitats

Jetzt hoffe ich mal, wieder für ein Vierteljahrhundert Ruhe resp. Musik um mich zu haben. Was freilich eher ein naiver Wunschtraum ist als eine realistische Er­war­tungs­hal­tung, denn die Hege und Pflege alter Audio-Geräte ist mit dem Besitzen und Be­trei­ben automobiler Oldtimer durchaus vergleichbar: Zwar rosten einem alte Re­cei­ver, Verstärker oder Tuner nicht unter dem Hintern weg, aber der Zahn der Zeit nagt an allem, nicht nur an mechanischen Komponenten, sondern auch an äußerlich un­be­weg­ten Elektronik-Bauteilen. Irgendwas ist so gut wie immer, und einen be­son­de­ren Geschmack zu haben war und ist auch weiterhin mit etwas mehr Aufwand ver­bun­den. Egal: Hier und heute wird erstmal wieder fröhlich aufgespielt!

 
[1] Mitunter reicht das vorsichtige Reinigen der verstaubten oder beschlagenen Linse, wenn ein CD-Player zickt und mehr und mehr Silberscheiben anzunehmen verweigert. Ein spontaner Totalausfall von jetzt auf gleich ist jedoch ein sicheres Indiz für ein schwerwiegenderes Problem, dem mit einem alkoholgetränkten Wattestäbchen al­lein nicht beizukommen ist…

[2] Ach, was gäbe ich dafür, wenn alle meine geliebten Geräte rückseitig mit steck­ba­ren Netzkabeln versehen wären!

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