Sonntag, 31. Januar 2010
Drama in einem Aufzug
Ein naßkalter Freitagabend Ende Januar. Stunden nach Büroschluß ist der zonebattler mit dem Zug nach Nürnberg gefahren, um sich aus der dienstlichen Teeküche den dortigen Kaffee-Automaten auszuborgen zwecks professioneller Koffeinisierung einer privaten Feierlichkeit. Bis zur planmäßigen Rückfahrt nach Fürth verbleibt nur eine Viertelstunde, darum muß jeder Handgriff sitzen: Wasserbehälter und Abtropfschale entleeren, den schweren Apparat in der mitgebrachten Tragetasche mittig plazieren, zwölf eingestaubte Weingläser zusätzlich abstauben. Nach Art geübter Klein-Ganoven wird der elaborate Coup schweigend, schnell und handlungssicher durchgezogen und die Etagentür bald wieder zugesperrt. Mit unerwartet schwerer Last bepackt steht der zonebattler sodann vor der Tür zum Lift, der zu seinem Erstaunen nicht mehr vor Ort ist, sondern von unten heraufgefahren kommt. Die Schiebetür gleitet auf, vier Augenpaare schauen erwartungsfroh durch den zum Zuge Strebenden hindurch.
zonebattler
(den Fahrstuhl betretend) Guten Abend, die Herren!
1. Blinder
Sind wir hier richtig beim Blindenschach?
zonebattler
Kaum. Sie wollen sicher zum Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund. Der ist im ersten Stock…
2. Blinder
Dann fahren wir dahin!
Der Aufzug setzt sich nach oben in Bewegung.
Frauenstimme
Viertes Obergeschoß.
3. Blinder
Müssen wir da raus?
zonebattler
(nervös) Nein, nein. In dieser Etage ist ebenfalls das Trainingszentrum der Bahn. Sie müssen runter in die erste!
4. Blinder
Wir wollen nämlich zum Blindenschach.
zonebattler
(seufzend) Ich weiß. Mich halten Sie ja bereits in Schach.
Die Abfahrt des angepeilten Zuges rückt unerbittlich näher. Auf dem Tastenfeld des Liftes leuchten indes noch viele Zielknöpfe. Gemächlich geht es abwärts.
2. Blinder
(tastet suchend nach dem Bedienfeld)
zonebattler
Bitte nichts mehr drücken. Wir kommen schon dahin, wo Sie hin müssen.
Frauenstimme
Zweites Obergeschoß.
3. Blinder
(macht Anstalten, den sich öffnenden Aufzug zu verlassen) Ah, da sind wir ja!
zonebattler
(unter der zusehends einschneidenden Last der Tragegurte wimmernd) Aber nein, hier ist nur die Betriebskrankenkasse. Sie müssen noch einen Stock tiefer fahren!
4. Blinder
Wir haben hier heute ein Turnier!
zonebattler
Grmpf.
Frauenstimme
Erstes Obergeschoß: Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund.
zonebattler
(Einen Anfall zur Raserei nur mühsam unterdrückend) Raus hier, hier sind Sie richtig!
Die orientierungslose Truppe trottet gemächlich aus der Kabine.
1. Blinder
Dann noch einen schönen Abend!
zonebattler
Ihr mich auch! Danke, dito!
Rechtsseitig unter dem Gewicht des Kaffee-Automaten wankend und linksseitig das dreckige Dutzend notdürftig eingesackter Weingläser balancierend, schlittert der zonebattler über die Straße und hinein in den Hauptbahnhof. Mit knapper Not erreicht er noch seinen Regionalexpress hinten am Gleis 13. Das Schlimmste ist jetzt überstanden, der bevorstehende Marsch bis zu seiner homezone wird nurmehr zur körperlichen Pein werden und bis zum Rücktransport am Montag ist es noch eine halbe Ewigkeit hin. Er schließt erleichtert die Augen. Wie schön ist es mitunter, wenn man nichts mehr sehen muß…
Mittwoch, 17. Juni 2009
Heute wieder in die Arbeit velozipediert. Dabei zwei unachtsame Fußgänger fast überfahren und von zwei unachtsamen Autofahrern fast überfahren worden. Einer der letztgenannten hupte und schimpfte mir auch noch hinterher, wiewohl er mir die Vorfahrt genommen und den Weg geschnitten hatte: Der Deppen Reflexe laufen immer auf externe Schuldzuweisung hinaus. Dauerhaft erfreulich bleibt dagegen die Erinnerung an jene ältere Dame am U-Bahnhof Muggenhof, die mich und mein Straßen-Tretboot nach Art der großbritannischen Königinnen huldvoll grüßte (was ich ebenso stilvoll erwiderte)…
Samstag, 13. Juni 2009
Mittwoch, 29. April 2009
Dienstag, 3. März 2009
Sonntag, 22. Februar 2009
Wer als kreativer Mensch der eigenen Umwelt oft und gern den eigenen Stempel aufzudrücken trachtet, wird von dieser im Gegenzug nicht selten verständnislos als exzentrischer Sonderling abgestempelt.
Herr L. aus R. (Name der Redaktion bestens bekannt) weiß natürlich um diesen Zusammenhang und wird gleichwohl nicht müde, uns mit seinen außergewöhnlichen Einlassungen immer wieder zu neuen Erkenntnissen zu verhelfen. Dafür gebühren ihm nicht nur Dank und Anerkennung, sondern auch ein Platz in den Annalen der Alltagsgeschichte.
Samstag, 14. Februar 2009
Samstag, 15. November 2008
Nürnberg, Großparkplatz an der Kreuzung Witschelstraße /von-der-Tann-Straße. Der zonebattler befindet sich auf Kollisionskurs zu einer handelsüblichen Kleinfamilie aus der (mutmaßlich) lower middle class: Frau um die 30, Töchterchen 6-8 Jahre, Mann reichlich gesichtsbehaart und deshalb schwer zu taxieren. Die Frau bückt sich zu einer Krimskramskiste mit Plüschtieren und zerrt einen grimmen Gorilla heraus…
Frau
(zur Tochter) Schau’ ner hi, der Aff’ da schaut aus wie dei Vadder!
Tochter
Giggel…
Mann
(düster) -
zonebattler
(grinsend ab)
Samstag, 19. April 2008
Dienstag, 9. Oktober 2007
Im Feierabendzug -ich sitze im ansonsten verwaisten Untergeschoß des hintersten Doppelstockwagens- kommt ein mit englischem Akzent sprechender Herr auf mich zu und fragt nach dem Schaffner. Ich schicke ihn nach droben, doch als er kurz darauf mit immer noch fragendem Gesichtsausdruck wieder nach drunten kommt, sage ich ihm auf Englisch, daß der Kollege wohl im Führerstand des Steuerwagens wäre, um seine Ansage abzuspulen. Mich als seiner (mutmaßlichen) Muttersprache mächtig entpuppt habend, fragt mich der Gentleman nun seinerseits in heimischen Idiom, ob ich zwei Minuten Zeit hätte. Ich antworte flugs, daß ich deren six hätte (was der regulären Fahrzeit von Nürnberg nach Fürth entspricht). Daraufhin werde ich sofort interessiert mit Fragen bombardiert: Was Nürnberg für eine Stadt wäre, ob deren Universität größer wäre als die Erlangens, wie viele Einwohner beide Städte hätten und welcher Konfession jene überwiegend anhingen, wie hoch die Arbeitslosigkeit in der Region wäre und so weiter und so fort. Ich antwortete nach bestem Wissen, Gewissen und Vermögen, spanne den Bogen über die Metropolregion Nürnberg – Fürth – Erlangen bis zur Universitäts- und Bischofsstadt Bamberg und würde mich der hochnotpeinlichen Befragung gerne weiter stellen, wenn mein Zug nicht inzwischen in Fürth einlaufen täte. Ich muß die abschließende Frage, ob ich ein Professor wäre, der Einfach- und im Grunde auch Wahrheit halber leider verneinen und mich sodann flugs verabschieden. Immerhin reicht es noch, dem überaus wissensdurstigen Herrn eine selbstgedruckte Visitenkarte unterzuschieben. Ob er sich wohl darüber wundert, was das wohl für einer sein mag, der sich darauf als »Dienstmann« bezeichnet?
Sonntag, 17. Juni 2007
Fürth, Parkplatz am Hornbach-Baumarkt: Der zonebattler ist ohne seine bessere Hälfte auf Streife, erspechtet gleichwohl einen Stapel netter Damen-Klamottagen…
zonebattler
Sind das Bodies?
Anbieterin
(guckt überrascht) Ja, aber für Damen!
zonebattler
(ein auf den ersten Blick besonders schönes Exemplar prüfend)
Habe ich mir schon gedacht. Welche Größe hat denn das Teil?
Anbieterin
S
zonebattler
(sucht nach dem Wäsche-Etikett)
Etikett
42-44
zonebattler
Alles klar. (ab)
Dienstag, 22. Mai 2007
Herrschaften, morgen muß ich mal wieder dienstlich ausrücken, einmal Fulda und zurück im ICE. Um die Dienstfahrkarte 1. Klasse braucht mich keine(r) wirklich zu beneiden, der wahre Luxus ist es ja, Zeit, Ziel und Anlaß der eigenen Mobilität nach eigenem Gusto wählen zu können. Zudem haben derlei Reisen zu zentral gelegenen Besprechungs-Knotenpunkten keinerlei touristischen Nährwert, man spurtet halt vom Bahnsteig zu einem mehr oder weniger gesichtslosen Konferenzzimmer und Stunden später wieder retour und fragt sich zwischendrin, wieviel dringende Mails man derweilen im Büro hätte erledigen können! Aber wat mut, dat mut, wie wir Lateiner sagen…
Ich will freilich nicht maulen, sondern mir im Gegenteil schon jetzt die Abrundung des Tages vorstellen: Wie wäre es -auch ohne fällige Preisverleihung- zwischendrin mit einem spontanen Pizza-Treff beim Domenico? Wie immer nach dem Krieg um sechse? Wer wäre dabei?
P.S. Das soll definitiv kein doofes Insider-Treff werden, neue GesichterInnen sind herzlich willkommen! Und wer sich nicht outen mag, kommt halt sondierungshalber unauffällig vorbei und mimt erstmal reguläre Laufkundschaft…
Samstag, 19. Mai 2007
Bekannte waren verblüfft ob meiner Unwilligkeit, micht heute in Nürnberg durch die dortige Blaue Nacht treiben zu lassen. Wir wissen freilich aus eigener Erfahrung, daß das eher ein rechtes Geschiebe ist, und Massenauftriebe sind uns sowieso eher ein Greuel denn eine rechte Freude. Also folgten wir des Nachmittags einer alternativen Anregung des geschätzten Herrn Grabenkenner und flanierten durch den Südstadtpark zum Jubiläumsfest der Anlage 4 des Gartenbauvereins 1897 e.V. …
Nun hatten wir ursprünglich nicht wirklich vorgehabt, den halben Tag dort zuzubringen, aber dieses große Fest der kleinen Leute war reich an unerwartet intensiven Begegnungen: Ein ausgeschilderter Rundweg durch die Kolonie führte an zahlreichen offenen Gartentüren entlang, hinter denen die freundlichen PächterInnen mit selbstgemachten Spezialitäten die Neugierigen empfingen und bewirteten.
Russischer Borschtsch mit Teigtaschen, prickelnd-frische Waldmeister-Bowle, Schnapstorte, Zwiebelkuchen zu selbstgekeltertem Rotwein (rumänische Traube auf fränkischer Scholle) und allerlei weitere Leckereien mehr fanden den direkten Weg in des zonebattler’s wachsende Wampe. Am nachhaltigsten aber werden uns aber die langen Gespräche mit den gastfreundlichen Leuten dort in Erinnerung bleiben, deren Weltbild mit dem unseren überaus gut harmoniert: Freude an den einfachen Dingen, naturnah statt naturentfremdet, bescheiden statt maßlos.
Andere berichten stolz davon, wenn sie derlei kathartische Erlebnisse zufällig im Urlaub am anderen Ende der Welt hatten. Unsereins muß nur eine Viertelstunde spazieren gehen, um zu einer Gemeinschaft erdnaher Philosophen zu finden. Gut so. Vielleicht sollte ich dem Herrn Gernstl mal einen Tipp geben…
Montag, 7. Mai 2007
Nachdem sich der glückliche Gewinner meines jüngsten Monatsrätsels bislang leider immer noch nicht zu einer definitiven Terminzusage hat durchringen können, reiße ich jetzt die Initiative an mich und rufe zu einem Stehempfang auf am morgigen Dienstag, den 8. Mai. Da wird nicht kapituliert, sondern sich unter Freunden die Hände geschüttelt und kollektiv Pizza gegessen, und zwar hier und wie schon beim letzten Mal nach’ dem Krieg um sechse. Will sagen, um 18:00 Uhr. Kommen können alle, die mögen. Den zonebattler sein Zeugs zu lesen ist keine Bedingung zum Mitmachen, auch wenn es ihm natürlich schmeicheln täte. Dann also bis morgen?!
P.S.: Wenn mein Herr Preisträger dann nicht da ist, kriegt er seinen schönen Gewinn natürlich trotzdem ausgehändigt, aber halt ein andermal…
Sonntag, 21. Januar 2007
Hockt doch da heute ganz leger ein größerer Greifvogel im Nachbarhof…
…auf einem dort abgestellten Anhänger und läßt sich seine Beute schmecken:
Und das mitten in der Stadt. Nicht schlecht, Herr Specht Bussard: Wohl bekomm’s!
Mittwoch, 26. Juli 2006
Gestern spätabends im Fürther Stadtpark: Zwei türkisch dreinblickende Männer mittleren Alters sowie der zonebattler nebst besserer Hälfte streben in der Dunkelheit dem kühlenden Armbadebecken zu und erreichen dieses gleichzeitig.
Angesichts der entstehenden Konkurrenzsituation besinnt sich der Chronist auf seine rudimentären Sprachkenntnisse und betreibt deeskalierendes Konfliktmanagement:
zonebattler
Merhaba!
1. Türke
Servus.
2. Türke
-
Alle baden stumm ihre Unter- und Oberarme und entschwinden anschließend wieder in die finstere Nacht…
Süßer und scharfer Senf: