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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Donnerstag, 16. Februar 2017

Damenbeine (17)

vor der Bürotür stehende Kollegin
 
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Freitag, 10. Februar 2017

Wut im Bauch

Auf dem Heimweg habe ich vorhin einen Idioten angeschissen, weil er einen Riesen­sack Müll aller Art in den Altkleidercontainer gestopft hat. Beim Auto-Dampfstrahlen stand später ein Assi mit dickem Alt-Auto neben mir und hat 30 Minuten lang beim Autoputzen seinen Motor laufen lassen und dabei hinten schwarze Wolken raus­ge­bla­sen. Kachel, kachel… Dito anschließend beim Tanken & Carwash, da hockte ein junges Pärchen wartend im Auto und wollte offenbar gleichzeitig die Fenster offen haben und trotzdem nicht frieren. Brumm, brumm… Weil meiner einer max. 1x/Jahr die Renngurke wäscht (kurz vor KD und/oder TÜV), ist die hochgerechnete Dun­kel­zif­fer derartigen Verhaltens meinem Gemütszustand nicht zuträglich.

Ich würde gern eine neue Welt besiedeln und von Anfang an sorgsam mit der um­ge­hen. Wer kommt mit?

Sonntag, 29. Januar 2017

Sonntagsarbeit (1)

So, damit hier in meinem privaten Blog auch mal wieder was passiert, präsentiere ich umstandslos die Ergebnisse meiner heutigen ehrenamtlichen Basteleien. Erstens ein Poster zum Aushang in dem von FürthWiki e. V. frisch angemieteten Schaukasten:

Poster für FürthWiki e. V.

Der zonebattler ist leider kein gelernter Grafiker, daher hat er nach einem Werk­zeug gesucht, welches von einem mäßig begabten Feinmotoriker wie ihm intuitiv bedient werden kann. Nach kurzer Suche gefunden und erwartungsfroh benutzt hat er die Online-Layouterei canva.com, und die dort gebotene Auswahl von Layouts, Gra­fi­ken, Schmuckelementen etc. ist doch ei­ni­ger­ma­ßen umfangreich.

Daher war es ihm erstens ein Leichtes und zweitens ein Vergnügen, anschließend für eine weitere Fürther Heldentruppe ein vorzeigbares Plakat zu designen:

Poster für die Fürther Lebensmittelretter

Über unsere wackeren und wetterfesten LebensmittelretterInnen hatte ich ja neulich schon einen eigenen Artikel im FürthWiki verfaßt. Letzten Freitag Abend trafen sich übrigens die Aktiven und eine Handvoll »Kunden« zum gemeinsamen Koch-Event, um die nach der Verteilung immer noch übriggebliebenen Lebensmittel zu verarbeiten und zu vertilgen: Steigenweise Karotten wurden zu Salat, Suppe und Kuchen veredelt, und der gelungene Abend war sättigend für Leib und Seele. Schön, wenn man sich dafür mit etwas Mausschubserei erkenntlich zeigen und nützlich machen kann…

Sonntag, 1. Januar 2017

Gemeinsam ins neue Jahr

Die erste Runde in 2017, gedreht mit Freundinnen um Kirchröttenbach herum
 
Die erste Runde in 2017, gedreht mit Freundinnen um Kirchröttenbach herum
 
Die erste Runde in 2017, gedreht mit Freundinnen um Kirchröttenbach herum
 
Die erste Runde in 2017, gedreht mit Freundinnen um Kirchröttenbach herum
 
Freitag, 28. Oktober 2016

Prächtiges Prag (3)

Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
Impressionen aus Prag
 
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Montag, 17. Oktober 2016

Damenbeine (16)

Reiterin auf Schusters Rappen in Prag
 
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Dienstag, 11. Oktober 2016

Sonderfahrt

Heute Mittag im Rahmen eines nicht-öffentlichen Belastungstestes mit dem na­gel­neu­en ICE 4 von Nürnberg nach München gedüst. Vier (nicht bei der Firma beschäftigte) Freunde durften kostenlos mitgenommen werden. Abfahrt im kalten Nürnberg mit nicht durchgesagten +35 Min., aber bei einer gesponserten Freifahrt wollen wir nicht klein­lich sein. Eine gute Stunde später liefen wir in der Landeshauptstadt ein:

Bildschirm des Fahrgastinformationssystems im ICE 4

Es folgten ein Spaziergang durch die Stadt samt Sightseeing, ambulanter Verpflegung am Viktualienmarkt und anschließendem Besuch des Museum Fünf Kontinente. Dann noch Käffchen, Schwätzchen, Bummelei zum Bahnhof und mit einem regulären ICE (gleichfalls für lau, courtesy of DB Fernverkehr) wieder rauf nach Nürnberg gerutscht. Ein schöner, voller, runder Tag. Fotos? Fehlanzeige! Genuß war heute angesagt, nicht akribische Dokumentation des Erlebten. Man möge es mir verzeihen…

Donnerstag, 22. September 2016

Ein Mann sieht bunt

Ein Rentner besucht jeden Tag das Phantasialand. Weltflucht oder spätes Lebens­glück, wer wollte das entscheiden?

Donnerstag, 18. August 2016

Damenbeine (15)

hochhackige Stiletteuse in Fürth (Bay) Hbf
 
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Montag, 8. August 2016

Tüten-Trauer

Eröffnet mir doch meine Mutter gestern Abend, daß sie im Rahmen einer spontanen Entrümpelungsaktion under anderem die drei Schultüten von mir und meinen beiden Brüdern zum Sozialkaufhaus gefahren hat. 50 Jahre hat mein ritueller Papphohlkegel überlebt, ohne daß ich davon wußte! Und nun ist er auf Nimmerwiedersehen dahin, ohne daß ich eine Chance bekommen hätte, ihn nochmal in die Hand zu nehmen, zu fotografieren und hier vorzustellen. So sehr ich meiner Mama Ordnungsliebe begrüße, das hätte sie mir ersparen können (oder mir zumindest nicht zu erzählen brauchen)…

Samstag, 6. August 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (3)

Nach einigen Tagen des erholsamen Aufenthalts kristallisierten sich für uns ein paar offenbar spezifische Merkmale des Schwedentums heraus. Der Schwede als solcher ist zunächst einmal noch ein richtiger Mann, von dem die paarungswilligen Weibchen zu Recht erwarten, daß er alle anfallenden Arbeiten am und rund ums Haus beherrscht und selbst leisten kann. Für die Errichtung und Instandhaltung der eigenen vier Wände wird externe Hilfe nur dann in Anspruch genommen, wenn’s gar nicht anders geht. Ansonsten greift der Schwede beherzt eigenhändig zu Säge, Axt und Hammer: Große Volvo-Kombis und riesige Baumärkte sind landauf, landab gang und gäbe und belegen des Schweden Hang und Drang zur Autarkie.

Traditionellerweise streicht der Schwede sein hölzernes Heim nach Fertigstellung in rostrot an; diese Tradition hat nicht nur ästhetische, sondern primär konservierende Wirkung gegen die Unbilden von Wind und Wetter, wie wir uns sagen ließen. Was immer in der Farbe an chemischen Keulen (weiland Abfallprodukte des Berg- und Hüt­ten­wesens) versteckt sein mag, vorzeigbar ist das Ergebnis jedenfalls allemal:

typisches Schwedenhaus der größeren Sorte

Vom Herrn des Hauses wird ferner erwartet, daß er den Rasen rundherum kurz und gepflegt hält, weshalb es mit der idyllischen Ruhe auf dem Land eine relative Sache ist: Irgendeiner knattert immer mit (oder gar auf) seinem Benzin-Rasenmäher um seine Datsche herum, was bei den landesüblichen Parzellengrößen schon eine gute Weile dauern kann…

Große Grundstücke, große Abstände zum Nachbarn: Die splendid isolation bringt eine gewisse Zersiedelung der Landschaft mit sich. Damit die Postbotin nicht in bis zum Ende jeder Schotterstraße preschen muß, um ein Brieflein oder eine Gazette zu­zu­stel­len, geht sie mit ihrem rechtsgelenkten gelben Postauto an einer Batterie von Brief­kä­sten lässig längsseits, um dann – ohne ihr Vehikel verlassen zu müssen – vom Lie­bes­brief bis zur amtlichen Vorladung alles in die schlüssellos aufzuklappenden Brief­boxen zu stopfen:

Briefkästen in Reih' und Glied

Ja, postzustelltechnisch herrschen im Schwedenland Usuancen wie in den US of A. Die Briefkästen stehen weit vor der eigenen Haustür irgendwo an der nächsten Straßen­ab­zwei­gung oder -kreuzung. Böse Buben mit sinistren Absichten scheint es auf dem wei­ten Land kaum zu geben. Vermutlich gäb’s eh nix Wertvolles zu stibitzen, Pakete wer­den ja wohl doch bis zum Empfänger gefahren oder beim Nachbarn abgegeben…

Was aber macht der gemeine Schwede, wenn die Post gelesen, der Rasen gemäht und die Frau – sofern vorhanden – unleidlich ist? Genau, er wirft Angel und Köder in den Kofferraum seines (Volvo-)Kombis und macht sich auf zum Wasser, genau gesagt zu jenem Gewässer, an welchem er sein Boot liegen hat. Dieses macht er mit wenigen Handgriffen seeklar und sticht in denselben, um die Seele und die hakenbeschwerte Angelschnur baumeln zu lassen. Der Korrespondent und seine bessere Hälfte waren eines Abends teilnehmende Beobachter einer solchen Veranstaltung:

abendliche Angel-Kreuzfahrt

Des Freundes Nußschale aus GFK bot Platz für uns drei, das angeltechnische Zu­be­hör und natürlich auch für die beiden mitgeschleppten Blei-Akkus im Autobatterien-Format, die dem elektrischen Außenborder die nötige Energie zum lautlosen Gleiten über die abendliche Glitzeroberfläche des still ruhenden Sees lieferten. Glück­li­cher­wei­se »fingen« wir letztlich nur ein paar Felsen und Schlingpflanzen, so daß sich die Frage zum ordnungsgemäßen Umgang mit lebendem Beutegut gar nicht erst stellte.

Wir springen wieder an Land und weiter zum nächsten Thema. Unser Freund und Gast­ge­ber ist nicht nur zum Vergnügen in Schweden ansässig, er ist tatsächlich aus beruflichen Gründen dorthin gezogen.[1] Nachdem er vorher drei Jahre für seinen in Erlangen beheimateten Arbeitgeber in Shanghai und sonstwo auf der anderen Seite der Erdkugel tätig war, hat ihn das darauf folgende Engagement vom brodelnden Hexen­kes­sel der asiatischen Großstadt ins so­zu­sa­gen skandinavische Gegenteil ver­schla­gen. Immerhin unterhält die SIEMENS AG in Finspång das einzige konzerneigene Schloß:

Schloß Finspång

Die vor dem Gemäuer sorgsam in Stellung gebrachten Kanonen sollen die Firma wohl eher nicht vor einer feindlichen Übernahme bewahren, sie müssen als Remineszenz an die Produktpalette der Finspång’schen Eisen-Industrie vergangener Jahrzehnte und Jahr­hun­der­te gelten. Wobei: In diesen turbulenten Zeiten von »Industrie 4.0« kann es nicht schaden, ein paar nicht-virtualisierte, handfeste Argumente mit Knalleffekt in der Hinterhand zu haben…

Herstellen tun sie heutzutage in dem großen, vor ein paar Jahren von ALSTOM über­nom­me­nen SIEMENS-Werk keine Knallbüchsen mehr, sondern Gasturbinen mittleren Kalibers. Selbstredend herrscht im von uns ausgiebigst besichtigten Pro­duk­tions­be­reich strengstes Fotografierverbot, aber immerhin darf ich hier auf eine offizielle Animation verweisen, die sehr schön zeigt, was Sache ist. Statt mit einem Fotos aus der Turbinenbau-Werkstatt kann ich selbst nur mit der (nicht minder repräsentativen) Kehrseite des siemensianischens Schlößleins dienen:

Schloß Finspång von hinten

Das SIEMENS-Werk grenzt unmittelbar an den Schloßpark und ist überhaupt sehr un­auf­fäl­lig in die Landschaft eingebettet. Der zonebattler bekennt freimütig, derlei vorher noch nie gesehen zu haben: Schwerindustrie findet gemeinhin in trister bis desolater Umgebung statt. In Finspång sieht es eher nach Freizeitpark aus als nach dem Sitz eines Weltmarktführers im Anlagenbau. Der uns dort zuteilgewordene Blick hin­ter die Kulissen und das Erleben von cutting edge technology war für uns fraglos einer der Höhepunkte dieser Reise!

Zurück zur Natur: Zu gerne hätte ich ja mal einen mürrisch dreinblickenden Elch mit ausladendem Schaufelgeweih vor meine Linse bekommen, aber derlei Foto­gra­fen­glück ist mir leider nicht zuteil geworden. Wie schon mal erwähnt, sind die offiziell als tagaktive Einzelgänger geltenden Paarhufer in der Praxis eher in der Dämmerung unterwegs, und da lag der zonebattler halt noch (oder schon wieder) im Bett res­pek­ti­ve auf dem Sofa. Dafür gab es allerorten den höchst agilen Nachwuchs von Enten oder Schwä­nen zu sehen und zu knipsen:

Schwanenmama mit Nachwuchs

Ein Dutzend Fotos habe ich allein von dieser Schwanenmama und ihrer sechsköpfigen Kinderschar geschossen, die munter paddelnd gemeinsam im Hafenbecken vor dem Schloß von Vadstena unterwegs waren. Mensch und Tier gehen hier und andernorts geschäftig, aber stets unaufgeregt ihrer Arbeit nach. Man kann sich sehr schnell an den beschaulichen Lebensstil gewöhnen…

Überhaupt scheint ganz Schweden – oder zumindest der Teil der Landes, den wir be­reist haben – eine einzige Idylle zu sein. In der von üppigem Grün geprägten Gegend nehmen sich sogar latente Umwelt-Freveleien lieblich aus, wie der in Folge 1 ge­zeig­te Traktor und dieser vor sich hin sedimentierende PKW demonstrieren:

abgestellter und eingewachsener PKW

Man beachte, daß nicht etwa die abgestellte Karre Gegenstand von und Anlaß zu so­zia­ler Ächtung des Besitzers ist. Nein, verwerflich wäre es, den Rasen nicht or­dent­lich kurz zu halten, weswegen fein säuberlich um den Blechhaufen herum gemäht wird. Dies mutwillig zu unterlassen wäre hierorts wohl die eigentliche Schande…

Wiesen, Wälder, Wasser: Dem natürlich überall erreichbaren World Wide Web steht in Schweden gleichfalls flächendeckend ein wunderbares »WWW« im Realen gegenüber, an dem man sich nicht sattsehen kann. Zum Abschluß der heutigen Episode seien diese drei Elemente in einem Bild vereint gezeigt, sogar noch ergänzt um ein viertes »W« wie »Wolken»:

Bucht am Campingplatz Fiskeboda

Wie gestrandete Delphine liegen sie da, die umgekippten Boote, und wirken an­ge­sichts ihrer elegant-schnittigen Form keineswegs wie Fremdkörper in der ansonsten unberührt erscheinenden Landschaft. Szenen wie diese finden sich an jedem größeren Gewässer, und da die allgegenwärtigen Kajaks und Kähne geduldige Modelle dar­stel­len und durchaus länger als nur 1/125 Sekunde stillhalten, kann man sie auch gut in Ruhe malen statt sie nur en passant abzulichten…[2]

Das war es dann auch schon wieder für heute. Demnächst mehr!

 
[1] Mit dem Betreiben eines Bootes, eines Rasenmähers von Husqvarna, dem Hissen schwedischer Fähnchen am Haus sowie dem zügigen Erlernen der Sprache muß unser fränkischer Freund in Östergötland als mustergültig integrationswillig, ja geradezu als Assimilant gelten. Leider trifft das nur auf eine Minderheit von Expats zu: Die meisten von ihren Firmen ins Ausland entsandten Fachkräfte lassen sich von den Sitten und Gebräuchen ihres Gastlandes nur wenig benetzen und bleiben überwiegend unter sich. Selbst schuld!

[2} Was ich beispielhaft auch getan habe bzw. habe tun lassen, siehe dazu den ersten Kommentar unter diesem Beitrag.

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Sonntag, 24. Juli 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (1)

Der Einladung eines derzeit dort lebenden und arbeitenden Freundes aus heimischen Gefilden folgend, machten sich der zonebattler und seine bessere Hälfte Anfang Juni nach (Süd-)Schweden auf. Knapp drei Wochen lang wollten wir im Hause unseres Gastgebers leben, uns dort nützlich machen und die Abende und Wochenenden zu ge­mein­sa­men Unternehmungen nutzen.

Die U-Bahn brachte uns von Fürth zum Nürnberger Flughafen, mit KLM Cityhopper hupf­ten wir dann von dort erst nach Amsterdam und von da aus nach Linköping. Schon im Landeanflug auf den beschaulichen Linköping City Airport (mit immerhin je zwei plan­mäßigen Starts und Landungen pro Tag) war offensichtlich, daß Wald und Wasser bestimmende Elemente eines naturnahen Urlaubs werden würden:

im Anflug auf Linköping

Unser Freund empfing uns am Gate mit großem Hallo und dem Schlüssel des für uns be­reits angemieteten Leihwagens. Der renngurkengewohnte zonebattler hatte seine liebe Not, sich in dem vergleichsweise luxuriösen Gefährt zurechtzufinden und dessen Motor überhaupt erst einmal anzulassen (nicht per Schlüsseldrehung, sondern per Knopfdruck). Immerhin hatte er dann auf der gut einstündigen Fahrt nach Grytgöl in der östergötländischen Flächengemeinde Finspång genug Gelegenheit, sich mit den Ei­gen­schaf­ten des ungewohnten Vehikels einigermaßen vertraut zu machen. [1]

Schon bald nach der Ankunft in des Freundes herrlichen Häuschen waren die Koffer geleert, die Klamotten verstaut, die Neugier auf Land und Leute groß. Auf ersten Spa­zier­gän­gen und -fahrten erlebten wir quasi die Essenz des schwedischen Land­le­bens. Der mitunter zu plakativen Generalisierungen neigende Autor gewann dabei den Eindruck, daß – von regelbestätigenden Ausnahmen abgesehen – die schwe­di­schen Häuser grundsätzlich rot gestrichen und die Autos sämtlich von Volvo fabriziert sind:

typisches Schwedenhaus mit untypischem Volvo-Pickup

Die von Franken aus gesehen gut 1.500 km weiter nördlichere Lage merkt man unter anderem am Licht: Es wirkt auch im Hochsommer irgendwie herbstlich, da die Sonne flacher über dem Horizont steht und die Schatten daher selbst zur Mittagsstunde deutlich schräger fallen als daheim. Und natürlich ist es länger hell als gewohnt: Erst nach 23 Uhr wird es einigermaßen dunkel, und schon um vier Uhr in der Früh‘ kann man ohne Lampe dem beginnenden Tag ins freundliche Antlitz sehen. Im Winter kehrt sich das Ganze dummerweise um, weshalb man hinter jedem Fenster min­de­stens eine stuben- und stimmungsaufhellende Leuchte stehen sieht…

Die langen Abende boten sich natürlich an zu ausgedehnten Spaziergängen ums Haus herum. Kein Verkehr, kaum Menschen, frische Luft und so gut wie keine zi­vi­li­sa­tions­typischen Geräusche: Da staunt der Städter, der daheim zwar kurze Wege und kul­tu­rel­le Vielfalt genießt, aber eben auch die Schattenseiten des Lebens im Ballungsraum immer vor Augen (sowie in Nase und Ohren) geführt bekommt. Der zonebattler freute sich ferner über die zahllosen Motive am Wegesrand und wußte anfangs kaum, wohin er seine Kameralinse zuerst richten sollte.

verlassenes Gebäude bei Grytgöl

In dieser Gegend des Landes nahm die Industrialisierung Schwedens einst ihren An­fang: Nach Eisenerz gegraben (und Kanonen gegossen) wurde hier schon vor Jahr­hun­der­ten. Alles dazu Nötige (eisenhaltiges Gestein, Holz und Wasserkraft) war ja reich­lich vorhanden. Heute sind zahlreiche Überbleibsel von alten Industrieanlagen in pit­to­res­ker Umgebung zu bewundern, mitunter werden sie in ehrenamtlicher Arbeit er­hal­ten und zumindest tageweise zu neuem Leben erweckt.

Apropos Leben: Nein, Elche haben wir (jedenfalls in freier Wildbahn) keine gesehen, die tappen ja gerne in der Dunkelheit herum und die nutzten wir zum Schlafen. Weniger bedauerlich fanden wir den Umstand, daß wir wenig bis gar nicht von ste­chen­den Insekten heimgesucht wurden. Floraseitig überraschte uns die Entdeckung, daß so gut wie überall an den Straßen- und Waldesrändern (sowie in zahllosen Vor­gär­ten) bunte Lupinen fröhlich vor sich hin blühten:

Lupinen im Wald

Diese Pflanzen gedeihen in Schweden dermaßen reichlich und üppig, daß der Be­richt­er­stat­ter sie hiermit für sich zum inoffiziellen Wappentier erklärt, vergleichbar etwa der Distel Schottlands. Übrigens war es gar nicht so einfach, ein paar prächtige Exemplare irgendwo auszubuddeln und in des Freundes Garten zwecks landestypischer Verzierung desselben wieder einzugraben: Die elend langen Pfahlwurzeln sind der­maßen miteinander verwachsen, daß selbst gute 80 kg Körpergewicht auf dem Spaten nicht ausreichen, das Gekröse umstandslos zu durchstechen…

Verweilen wir noch etwas im 250-Seelen-Dorf Grytgöl (das zweite »g« im Namen wird übrigens wie ein »j« ausgesprochen), dessen Einwohnerschaft sich in großzügiger Verdünnung über etliche Hektar Fläche verteilt. Massenmenschhaltung ist hier un­be­kannt, vielmehr lebt man luftig und uneingeengt, z.B. in alten Fabrikantenvillen:

ehem. Fabrikantenvilla

Man muß natürlich dazusagen, daß Schweden im Vergleich zu Deutschland 90.000 Quadratkilometer mehr Fläche, aber nur 1/8 der Einwohner hat. Während sich also in der Bundesrepublik durchschnittlich etwa 230 Leute einen Quadratkilometer teilen, leben in Schweden nur 22 Menschen auf der gleichen Fläche. Aber auch dort wollen die meisten jungen und agilen Zweibeiner eher in den Städten wohnen, was sich auf die Immobilienpreise weiter draußen im Land merklich auswirkt: Für um­ge­rech­net 100.000 EUR kann man ein schönes Häuschen mit mehr Garten drumherum be­kom­men, als einem womöglich lieb ist, aber dafür muß man halt zum nächsten Su­per­markt unter Umständen mehr als 30 km weit fahren. Von der Pendelei zum Ar­beits­platz nicht zu reden.

Dafür findet man auf der anderen Seite der Medaille Ruhe und Frieden, und das ist natürlich auch was wert. Wald und Wasser sind quasi immer in fußläufiger Nähe, und ein Spaziergang entlang der Trampelpfade hat stets auch etwas Meditatives…

alter Industriebau an künstlich aufgestautem Gewässer

Denkt man an öffentliche Freibäder, hat man als Germane sofort eine kakophonische Geräuschkulisse aus Kindergeschrei, Wasserplatschern, Rufen und Fluchen im Ohr. Nicht so im schwedischen Hinterland: Jedes Kaff verfügt über Gewässer, die sich ohne großes Drumherum zum Baden und Schwimmen eignen (und zum Angeln sowieso).

Eine »Badeanstalt« besteht daher im Wesentlichen aus einem Stück gemähter Wiese, einem Umkleideschuppen, einem Steg, einem Rettungsboot nebst Rettungsring und viel, viel waldumstandenen Wasser. Hören tut man dort meist gar nix, denn mehr als eine Handvoll Dorfnixen ist in der Idylle gemeinhin nicht anzutreffen:

Badesee von Grytgöl

Ach ja… Beim Bebildern dieser höchst subjektiven Reise-Reportage befällt den Be­richt­er­stat­ter ein starkes Verlangen, sogleich wieder gen Schweden aufzubrechen. Er wäre auch jederzeit willkommen im Haushalt seines weiland Forchheimer (und später nach Fürth migrierten) Freundes, allein der Jahresurlaub ist vollständig aufgebraucht und die nächste Gelegenheit zum Flug in die Ferne böte sich damit allenfalls in der Betriebsruhe zwischen Weihnachten und Silvester. Aber dann sind die Tage dort dro­ben im Norden kurz und duster und statt eines Mietwagens bräuchte man min­de­stens einen Schneepflug, wenn nicht gar einen Bergepanzer…

Zum Thema Spezialfahrzeuge sei hier noch erwähnt, daß die Schweden gerne alte Automobile sammeln: Namentlich klassische US-Straßenkreuzer stehen hoch im Kurs, und das, obwohl es hier in der Nachkriegszeit keine Besatzer gab, die mit derlei mon­dän gestalteten Spritschluckern publikumswirksam herumfuhren. Egal, der Benzin-Virus hat auch die Motorfreaks im neutralen Schweden befallen, und so sieht (und hört) man auch im entlegensten Hinterland immer wieder mal einen Amischlitten mit sonor blub­bern­dem V8-Motor vorbeicruisen. Was nicht mehr fährt, wird auf dem ei­ge­nen Grund abgestellt, auch diese (Un-)Sitte scheint man von den Amerikanern über­nom­men zu haben:

abgestellter Traktor

Ob chromblitzendes Schlachtschiff, 90er-Jahre-Kombi oder alte Traktoren wie der oben gezeigte: Was immer ausgedient hat oder unfallbedingt nicht mehr aus eigener Kraft fahren kann, wird nicht etwa verschrottet, sondern an mehr oder weniger prominent sichtbarer Stelle vor oder hinter dem Haus dauerdeponiert. Der Besucher wundert sich darüber bis heute, denn er kann sich schwerlich vorstellen, daß ein ohne weitere Konservierungsmaßnahmen offen unter freiem Himmel endgelagertes Kraft­fahr­zeug jemals wieder erfolgreich instandgesetzt werden könnte: Sonne, Regen, Schnee und krasse Temperaturunterschiede dürften derlei Absichten von Jahr zu Jahr weiter unterminieren. Aber vielleicht ist das »Gras darüber wachsen lassen« in Schwe­den ja die deutlich billigere Alternative zur ordnungsgemäßen Ent­sorgung?

Mit diesem ersten Blick in die rätselhafte Mentalität der Schweden lassen wir es für heute bewenden. In der nächsten Folge machen wir uns in ein paar Tagen auf den Weg in eine größere Stadt und begeben uns anschließend auf eine Landpartie mit allerlei weiteren ungewöhnlichen Ein- und Ausblicken. Hej så länge!

 
[1] Wie so oft hatte ich nach der Heimkehr später das Gefühl, der eigene Wagen wäre durch Standschäden quasi unbenutzbar geworden: Lenkung und Pedale überaus schwer­gängig, die Bremse zwar verzögernd, aber doch deutlich träger. War natürlich wieder einmal nur eine Frage der (Um-)Gewöhnung…

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