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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Dienstag, 26. Mai 2015

Malerisches Intermezzo (1)

Mitten in meiner diesjährigen Reiseberichterstattung (die ich gerade mal zu 2/7 fertiggestellt habe), verliere ich mich im Blättern durch die visuellen Erträge früherer Expeditionen. Noch sind die Eindrücke von Teneriffa frisch, aber irgendwie habe ich gerade Sehnsucht nach Malta! Hier ein paar Impressionen aus dem Jahr 2012:

Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta

Ja, doch, die Bilder sind von mir. Aber nein, der zonebattler kann mit Pinsel und Aquarellfarben nicht wirklich umgehen. Ich habe ein paar einer Urlaubs-Schnapp­schüs­se von einem schon vor Jahren vorgestellten Malermeister verfremden las­sen. Nein, das ist keine Kunst, und ja, es ist Kitsch, aber ein schöner solcher und mir als »Betthupferl« heute gerade recht. Hat was von Bob Ross. Schade, daß das Pro­gramm nicht wie jener beim Malen vor sich hinbrabbelt. Wäre vielleicht ein Feature für die nächste Version?

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Freitag, 22. Mai 2015

Die Lärminsel (2)

Auch wenn Puerto de la Cruz eine »echte« Stadt mit »echten« Bewohnern ist – eine vom Tourismus geprägte Gemeinde ist sie natürlich dennoch. Das merkt man an den unzähligen Bars und Restaurants, das sieht man auch an den (Lebens-)Künstlern aller Art, die an der Uferpromenade ihre mehr oder weniger originellen Dienste und Dinge anbieten.

Wie neulich in Paris fielen dem rapportierenden Beobachter die Heerscharen flie­gen­der Maler und Zeichner auf, die nicht nur Politiker(innen) und dem glamourlosen zonebattler gemeinhin völlig unbekannte »Celebrities« auf pointiert überzeichnete Weise auf’s Blatt bringen, sondern auch die vorbeiflanierende Kundschaft. Letztere gegen Entgelt, wie sich von selbst versteht…

ambulanter Portrait-Maler an der Uferpromenade von Puerto de la Cruz

Der Berichterstatter, der um die Durchschnittlichkeit seiner Erscheinung weiß, macht um Offerten dieser Art regelmäßig einen weiten Bogen. Und was sollte er mit der fer­ti­gen Karikatur seiner selbst dann anfangen? Über sich lachen kann er schließ­lich auch ohne derlei Hilfsmittel!

Schlußendlich fertigt er selber Bilder an, freilich nicht mit Stift oder Pinsel, sondern mit seiner mittlerweile von vielen Urlaubsreisen patinierten Kompakt-Kamera. [1] Meist geht es ihm dabei bekanntermaßen nicht um getreuliche Dokumentation, son­dern eher um graphische Abstraktion:

o.T.

Zugegeben, man muß nicht unbedingt nach Teneriffa fahren, um minimalistische Fo­tos zu machen, aber hier wie fast überall gilt, daß die vom Menschen geformte Welt desto banaler und häßlicher ausschaut, je mehr man von ihr mit auf’s Bild bannt…

Aber da man eine Reise-Reprise ja schwerlich nur mit künstlerisch ambitionierten Detail-Heraus­lösungen bestreiten kann, soll der Blick jetzt erstmal wieder weiter schweifen. Hier freuen sich ein paar Jungs auf strandnaher Sitzgelegenheit ihres Lebens und betrachten dabei die sich ausbreitende Bebauung westlich von Puerto:

Drei Jünglinge

Die gut gebräunten Kerls waren vermutlich Einheimische, jedenfalls keine Briten: Die von der großen Insel sind gemeinhin zweifelsfrei zu bestimmen, da sie typi­scher­weise käseweiß auf die spanischen Eilande kommen und spätestens am dritten Tag ihres Aufenthaltes krebsrot gesonnenbrandet umherlaufen…

Freudige Zerstreuung sucht der Mensch indes nicht nur zu Lande und am (bzw. im) Wasser, sogar der Luftraum ist längst von adrenalinsüchtigen Reisenden auf der Suche nach dem besonderen Kick bevölkert: Oben bei der Hochstraße zum Teide sprin­gen bei schönem Wetter Gleitschirmflieger im Doppelpack ab, wir hatten Ge­le­gen­heit, sowohl einige Starts in ca. 1000 m Höhe als auch mehrere Landungen unten auf Meeres-Niveau zu beobachten:

Gleitschirm-Tandemspringer beim Landeanflug

Der lautlose Segelflug kann bis zur einer halben Stunde dauern, wir haben nach müh­sa­mer Hochkrabbelung auf den Bergrücken den schönen Schirmen bei ihrer lautlosen Reise nach drunten lange nachgeschaut. Merkwürdigerweise haben wir aber nirgends einschlägige Offerten gesehen, obwohl man sonst allerorten auf ausgelegte Flyer von Wander-Veranstaltern und anderen Freizeit-Verbringungs-Helfern stößt. Offenbar ist die Hanggleiterei unter dem Seidendach doch (noch) etwas eher Elitäres…

Springen wir wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Während man im Süden der Insel tatsächlich frachterweise Sahara-Sand über den Strand gekippt hat, um den bewegungsscheuen Faulenzer-Touristen Südsee-Feeling zu bescheren, sind die Strand­ab­schnit­te im Norden Teneriffas noch so, wie sie seit jeher waren und recht ei­gent­lich auch sein müssen, nämlich schwarz. Klar, daß sich der dunkle vulkanische Aus­wurf im prallen Sonnenlicht weit stärker aufheizt als helles Schüttgut aus Afrika, aber wenn man nicht unbedingt barfuß unterwegs sein muß, hält man das gut aus, wie die­ser musikkonservenbeaufschlagte Strandläufer hier souverän demonstriert:

musikalischer Strandläufer

Wohin der Herr mit zeitgeistgemäßer Ideal-Figur so beschwingt eilte, ist nicht über­lie­fert. Wir folgten ihm ein Stück Weges, denn wir wollten an diesem unseren zwei­ten Urlaubstag an der Küste entlang nach Westen wandern bis zum Mirador de San Pedro.

Nur ein paar Minuten nach der Begegnung mit jenem hurtig ausschreitenden Mann am schwarzen Strande kam mir dieser Hotelklotz vor die Linse, der uns bei späteren Ausflügen ins Gebirge als im Wortsinne hervorstechende Landmarke die Iden­ti­fi­zie­rung der auf die Entfernung doch recht ähnlichen aussehenden Ansiedlungen er­leich­ter­te:

Hotel Maritim bei Punta Brava

Zweifelsfrei kriegt man in so einer himmelstürmenden Origami-Faltschachtel aus Be­ton wie diesem »Maritim« mehr Leute unter als in so einem antiquiertem Hotel wie dem »Metropol«, aber für uns persönlich wäre sowas keine ernstzunehmende Be­her­ber­gungs-Alternative. Gerne hätten wir im Rahmen einer ambulanten soziologischen Studie he­raus­gefunden, was für Leute wohl in solchen Bewahranstalten absteigen, allein, wir haben keine gesehen. Offenbar werden die Insassen nur zu bestimmten Zeiten ebenso busladungsweise herangekarrt wie abgefahren, wir sahen im weiten Umkreis um den Klotz jedenfalls kaum eine lebene Seele…

Weiter im Text, weiter auf unserem Weg gen Westen. Was zu gefallen weiß, sind ein­zel­ne Häuser in der nach unserem Maßstäben einigermaßen »zersiedelt« zu nen­nen­den Landschaft, in der offenbar jeder seine Finca dahin stellen kann, wo es ihm gerade paßt. Manchmal geht das sogar mit ästhetischem Feingefühl vonstatten, und das Ergebnis sind großartige Kontraste von blauem Meer (und Himmel), roten Dächern und schneeweißen Wänden:

mein Himmel, mein Haus, meine Mauer...

Man beachte die Oberkanten der hübsch verzierten Ziersteinmauer: Ja, das sind ein­ze­men­tier­te Glassplitter, die weniger der Dekoration als vielmehr der Abwehr un­er­wünsch­ter Übersteiger dienen sollen (und das fraglos auch erfolgreich tun). Nicht einmal Teneriffa scheint ein Paradies der Ehrlichen und Neidlosen zu sein…

Wandern wir noch ein Stück weiter, so erspähen wir bald eine pittoreske Ruine, deren Abbild in keinem Reiseführer fehlt und die wirklich ganz außerordentlich anziehend wirkt, trotz (oder wegen) ihres ziemlich beklagenswerten Zustandes:

Casa Hamilton bei Los Realejos

Bei der »Casa Hamilton« handelt es sich nicht um ein altes Kloster, wie uns manche Hobby-Knipser auf Google Earth weismachen wollen, sondern um eine ehemalige Quellwasser-Pumpstation, mit deren Hilfe die umliegenden Felder und Plantagen bewässert wurden. Die immer noch würdevolle Ruine ist an sich nicht zugänglich, übt aber natürlich auch deshalb einen großen Reiz auf kamerabewehrte urban explorer aus. Hier zeigt ein solcher eindrucksvolle Fotos des gründerzeitlichen Industrie-Re­lik­tes; leider hat der Kollege es sich allerdings nicht verkneifen können, bei der Be­ar­bei­tung seiner HDR-Bilder die Stellschrauben sämtlicher Parameter viel zu weit auf­zu­dre­hen. Die resultierende Künstlichkeit am Rande des Erträglichen hätte nicht sein müssen, die gewählten Ausschnitte und Perspektiven lohnen aber dennoch die nähere Begutachtung.

Und damit genug für heute, wir legen jetzt eine (etwas ausgedehnte) Picknick-Pause ein und wandern in einer Woche frisch gestärkt weiter

 
[1] Leider altern moderne Digital-Dinger aus sprühlackiertem Plastik typischerweise nicht annähernd so würdevoll und auratisch wie alte Apparate aus der Analog-Ära. Da waren bzw. sind meine zehn alten Minoltas doch von ganz anderem Schrot und Korn. Immerhin muß man sich heutzutage mit Leichtbau-Knipsen weniger abschleppen, und das hat ja auch sein Gutes…

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Freitag, 15. Mai 2015

Die Lärminsel (1)

Ein neuer Frühling, eine neue Insel: Nachdem der zonebattler und seine bessere Hälfte in den letzten Jahren schon allerlei Eilande bereist haben (namentlich La Palma, Malta samt Gozo sowie Mallorca), ward heuer wieder einmal eine Kana­ren­insel zum Ziel auserkoren: Teneriffa sollte es sein und damit eine Destination, welche man von der weiland Freien und Reichsstadt Nürnberg aus noch ohne lästiges und zeitraubendes Um­stei­gen erfliegen kann. Man wird ja bequem im Alter…

Der Ferienbomber startete nicht wie geplant und gebucht um 6:00 Uhr in der Früh’, son­dern hob schon des Nachts um 3:40 Uhr in Frankens Metropole ab. Immerhin konn­ten wir dank dieser Terminverschiebung die letzte U-Bahn des Vortages nehmen und mußten für den Transfer zum Flughafen weder auf Nachbarschaftshilfe noch auf ein Taxi zurückgreifen. Von daher hatte die kurze (und weitgehend schlaflose Nacht) auch ihr Gutes.

Nach knapp fünfstündigem Flug (mit kostenpflichtiger Verpflegung, dafür aber mit Gratis-Bazillen-Beaufschlagung durch Hundertschaften hustender Mitreisender) lan­de­ten wir auf dem internationalen Flughafen im heißen Süden Teneriffas. Ein Großteil der einschwärmenden Touristen bleibt dann auch dort in der Gegend, wird für die Dau­er des Ur­lau­bes in zu diesem Zwecke gebauten Großanlagen verstaut, mit Sonne und Mahl­zei­ten all inclusive versorgt und ver­stellt den an Land und Leuten inter­es­sier­ten Reisenden nicht den Ausblick auf das Wesentliche. Wir indes wurden mit einer Handvoll anderer Neuankömmlinge per Klein­bus in den Norden gefahren, zu unserer temporären Heim­statt in Puerto de la Cruz. Bevor wir aber in die Details einsteigen, sei zunächst – wie immer bei des zonebattler’s Reiseberichten – ein Luftbild von Google Earth mit den eingearbeiteten GPS-Tracks der während des Aufenthaltes zurück­ge­leg­ten Wege eingebaut und vorgezeigt (Puerto de la Cruz liegt oberhalb der Beschriftung »La Orotava« direkt an der Küste):

Google Earth-Übersichtskarte von Teneriffa mit den eingearbeiteten GPS-Tracks der zurückgelegten Wege
 
Großfassung 1000 x 865 Pixel

Zugegeben, aus großer Höhe betrachtet schaut das nach nicht sonderlich viel aus für zwei Wochen des Wandelns und Wanderns. Es geht aber erstens recht gebirgig zu auf Vulkaninseln und zweitens sieht man die ganzen kleinräumigen Mäandrierungen der schweißtreibend zurückgelegten (Höhen-)Meter erst beim Hineinzoomen. Drittens mußten wir leider auch ein paar Tage krankheitshalber pausieren. Dazu später mehr.

Nach einer guten Stunde Kleinbusfahrt kamen wir – immer noch recht früh am Tage – in Puerto an und bezogen Quartier im Hotel »Monopol«, über das ich mich hier und heute lobend auslassen möchte. [1] Da das uns zugedachte Zimmer zur vor­mit­täg­li­chen Stunde noch nicht wieder bezugsfertig gemacht worden war, lud uns der am Empfangstresen persönlich präsente Chef umstandslos zum Frühstück ein (»Sie haben doch heute bestimmt noch nichts gegessen?)« und schickte uns nach dem Abstellen des Reise­ge­päcks zur Stärkung hinunter ins hauseigene Restaurant. Aber hallo! Der unverhoffte Service setzte nahtlos fort, worauf uns die blumige Dekoration an der Schwelle des altehrwürdigen Hauses (gebaut im 18. Jahrhundert, seit mehr als 75 Jahren im Fa­mi­li­en­be­sitz des heutigen, deutschstämmigen Betreibers) schon sehr ver­heißungsvoll ein­ge­stimmt hatte…

Blütendekoration am Eingang des Hotel Monopol

Weder als erstklassiger Dienstreisender noch als budgetzimmerbeziehender Privat­mann ist der zonebattler derlei Umsicht und Generosität gewöhnt, es macht halt offenbar doch einen Unterschied, wenn sich in inhabergeführten Etablissements die Besitzer und Betreiber höchstselbst um den Gast bemühen. Chapeau!

Der größte Aktivposten des Hotels aber – und deswegen breite ich mich auch so opulent darüber aus – ist die wunderbare Palmenhalle, ein überdachter Innnenhof, über dessen holzgefaßte Galerien auf drei Etagen die umliegenden Zimmer er­schlos­sen werden. So sieht es aus, wenn man sich unten in der Halle auf einer Sitz­gar­ni­tur niederläßt und den Blick gen Himmel richtet:

Die Palmenhalle des Hotel Monopol

Welch eine Pracht, was ein Raumerlebnis, was für eine »Aufenthaltsqualität«, um einen neumodischen Begriff aus dem Blubberbottich des Investorenvokabulars zu gebrauchen! Jede(r) meiner Fürther Leser(innen) wird nachvollziehen können, daß wir uns da sofort an den Festsaal des ehem. Parkhotels daheim erinnert fühlten, einen noch viel größeren baulichen Schatz, den nach langem Dornröschenschlaf leichthin dem Kommerz geopfert zu haben ich unserem *piep* Oberbürgermeister und seinem *pieeeeeeeeeep* Stadtbaurat bis an mein eigenes Ende nimmermehr verzeihen werde. Ja, hier im fernen Puerto de la Cruz wurde uns unversehens im klei­nen Maßstab vor Augen geführt, was für ein architektonisches Kleinod wir da hatten, verkannt von den Politikern, verleumdet gegenüber der Öffentlichkeit, ver­raten von der Gier der Investoren. Aus, vorbei, auf immer dahin…

Bezaubert vom großzügigen Raumeindruck einerseits, betrübt durch den sich auf­drän­gen­den Vergleich mit fürtherischer Ignoranz andererseits, stellten wir die Koffer in unserer nunmehr freigegebenen Stube ab und schauten uns zunächt einmal die Dach­ter­ras­se an, von der aus man wunderbare Panoramablicke auf das nahe Meer und auf das eindrucksvolle vulkanische Gebirge im Hinterland werfen kann. Da der Autor freilich nur ungern ablichtet, was in jedem Ansichtskartenständer dutzendfach wohl­feil ist, muß sich die geschätzte Leserschaft einmal mehr mit einem nach assoziativ-ästhetischen Kriterien ausgewählten Realitäts-Ausschnitt begnügen:

Plastiksessel auf einer der Dachterrassen des Hotel Monopol

Mit der eigenen Kemenate konnten wir mehr als nur zufrieden sein: Solides Bett, geschmackvolles Mobiliar, ein frisch renoviertes Bad. Das Fehlen eines Balkons – das offenbar einzige »Manko« gegenüber den höherpreisigen Zimmern – wird von uns Frisch­luft-Fanatikern regelmäßig nicht als Nachteil empfunden, wir pflegen ja unseren Ur­laub primär in der Landschaft zu verbringen und nicht in der Herberge. Damit vor­erst genug des Lobes über unser traditionsreiches Hotel; ein paar weitere Be­mer­kens­wer­tig­keiten gedenke ich bei passender Gelegenheit in späteren Folgen meiner Be­richt­er­stat­tung einzustreuen…

Jetzt aber erstmal ein kleines Nickerchen gemacht (im Flieger war man nicht so recht zum Dösen gekommen wegen steten Herumhustens erkälteter Passagiere einerseits und ambulanter Verkaufsveranstaltungen des Bordpersonals andererseits) und dann das Hotel erstmals zur Erkundung der näheren Umgebung verlassen. In Ermangelung feinsandiger Strände gibt es in Puerto keinen überbordenden Badebetrieb zu be­ob­ach­ten, aber wer die Sonne sucht, die Seeluft schätzt und das Rauschen der Wellen liebt, der findet schon ein genußreiches Plätzchen zum Entspannen, beispielsweise auf ei­ner gediegenen Befestigungsmauer unweit des kleinen Hafens:

Sonnenanbeter in mediativer Pose

Unter »Hafen« darf man sich übrigens auf den Kanaren nicht das Gleiche vorstellen wie auf mediterranen Inseln: Hier liegen keine Hundertschaften kleiner Segelboote und Fischerkähne Seite an Seite, hier hat nicht jede(r) ein eigenes Schifflein an der Leine baumeln: Hier ist man im Atlantik und nicht im mare nostrum, der »richtige« Ozean ist kein Tummelplatz für Freizeit-Kapitäne. Der zonebattler durfte am ei­ge­nen Leibe erfahren, daß des Atlantiks Wellen einiges Überraschungspotential bieten und den arglosen Küstenwanderer sehr plötzlich und sozusagen aus dem Stegreif durchnässen können, und das mit einiger Verve: Zosch!

Unter diesen Umständen mag es verständlich erscheinen, daß manche Urlauber dem un­be­rech­en­bar­en Ozean den Rücken kehren und im lieber Schutze der aus schwarzem Tuffstein gebauten Trutzmauern im Trockenen sitzen und landeinwärts sinnieren:

Urlauberpaar am Hafenbecken von Puerto de la Cruz

Worüber die Herrschaften wohl nachgedacht haben mögen? Vielleicht über etwas Ab­wechs­lung in der Tagesgestaltung, die für Fußfaule oder altersbedingt nurmehr ein­ge­schränkt mobile Leute typischerweise aus Essen, Einkaufen, Bummeln, Zeitungs­lesen und Dösen besteht (in leicht varierenden Abfolgen und Szenenbildern). In der Tat vermag die pittoreske Altstadt von Puerto de la Cruz nur für ein paar Tage Neues zu bieten, dann dürfte man – sofern man planlos in den Tag hineinlebt – der Mischung aus Läden, Restaurants und ambulanten Gewerben überdrüssig werden. Wobei zur Eh­ren­ret­tung der Stadt doch betont werden muß, daß sie im Inneren noch authen­tisch und mehr von Einheimischen als von Touristen bevölkert ist. In den riesigen Hotel­burgen drumherum sieht das natürlich anders aus…

Aber die lassen wir zunächst einmal beiseite und schlendern stattdessen in der Alt­stadt herum. Schnell wird deutlich, daß die Spanier es bunt und farbenfroh mögen. Gerne wird die eigene Finca stark kontrastierend von der benachbarten Behausung abgesetzt:

bunte Häuserzeile in der Altstadt von Puerto de la Cruz

Mitunter fallen die flächig-plakativen Farbkontraste dermaßen schrill-schreiend aus, daß man die visuelle Plärrerei kaum auszuhalten vermag. Wer bis hierher geduldig mitgelesen und sich dabei längst gefragt hat, warum ich denn den Miniatur-Kontinent Teneriffa ausgerechnet als »Lärminsel« zu titulieren mir herausnehme, findet in dieser Beobachtung einen ersten Hinweis auf das namensgebend Kreischende, wel­ches sich beileibe nicht nur akustisch äußert, sondern eben auch optisch und ol­fak­to­risch und da nicht weniger nervtötend penetrant. Im weiteren Verlauf meiner auf sieben Teile angelegten Serie wird es dazu noch einiges zu sagen bzw. zu schreiben geben…

Bleiben wir noch etwas in Puerto de la Cruz, schauen wir uns ein wenig am Rande der Altstadt um, wo das wohlproportionierte Erscheinungsbild der erkennbar von städte­pla­ne­ri­scher Weitsicht vergangener Jahrhunderte geprägten Straßen, Gassen und Plät­ze auszufransen beginnt, wo renditeoptimierte Wolkenkratzer in die Höhe sprießen, die einen als Hotel konzipiert, die anderen als Konglomerat von Ei­gen­tums­woh­nun­gen resp. -Apartments wie beispielsweise dieser Klotz hier in der Nähe der (seit Jahren wegen Baufälligkeit geschlossenen und ruinös dahinbröckelnden) Busstation [2]:

gesichtlos-grusige Balkonfront eines überdimensionalen Apartment-Hochbunkers

Nee, sowas wollte sich der Verfasser dieser Zeilen nicht als »Wertanlage« an die Backe binden. Wozu auch für allenfalls drei Wochen im Jahr in eigenen vier Wänden hausen (bei ganzjährig laufenden Kosten), wo es doch so einladende Gast-Stätten wie das »Monopol« gibt?

Soviel für heute, soviel zu unseren ersten Eindrücken von der größten Insel des kanarischen Archipels. In der nächsten Folge gucken wir uns dann nochmals in der näheren Umgebung unseres mit Bedacht gewählten Urlaubs-Hauptquartieres um, bevor wir uns dann zu ersten Wanderungen ins Umland aufmachen…

 
[1] Der Endesunterfertigte legt Wert auf die Feststellung, daß er weder aktiv bestochen worden ist noch seinerseits proaktiv um Vergünstigungen nachgesucht hat mit Hinweis auf die publizistische Heraushebung des spendablen Unternehmers. Wenn unsereiner Empfehlungen abgibt, dann ausschließlich aufgrund positiver Er­leb­nis­se als regulärer Reisender. Zudem wäre es die schiere Hybris, seinem eigenen, letzt­lich banalen Befindlichkeits-Blog irgendeine werbewirksame Relevanz zu­schrei­ben zu wollen!

[2] Das mit der omnipräsenten Ruinen-Romantik ist auch so eine eigenartige Sache: Immer wieder stößt man auf relativ junge Gebäude, Anlagen und Einrichtungen, die nach ihrer (teilweise mit EU-Geldern geförderten) Errichtung und Inbetriebnahme offenkundig nicht weiter instandgehalten und gepflegt werden: Aus kleinen Schäden werden dann schnell große, und irgendwann wird das marode Objekt dann auf­ge­ge­ben, günstigstenfalls abgerissen und durch etwas Neues ersetzt. Die öko­no­misch wie ökologisch hanebüchene Mentalität dahinter wird sich unsereinem nie erschließen…

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Dienstag, 5. Mai 2015

Fröhliches Frühstück

Des zonebattler's besserer Hälfte Frühstücksteller im Urlaubs-Hotel
Montag, 4. Mai 2015

Geschmacksverirrung

Aus dem demnächst noch angemessen zu bebildernden und zu betextenden Jahres­urlaub auf einem weit entfernten Eiland haben sich der zonebattler und seine bes­sere Hälfte einen Sack mit Gofio-Mehl mitgebracht. Ein daraus gebackenes Brot geriet recht dunkel und kompakt, erwies sich aber als sehr wohlschmeckend.

Als der Autor dieser Zeilen nun am Samstag den Frühstückstisch abräumte, sah er neben dem Stuhl seiner Holden ein mutmaßlich heruntergefallenes Stück Brotrinde lie­gen. Er hob es auf und schob es sich zwecks bestimmungsgemäßer Entsorgung in den Mund….

Nach einigen Kaubewegungen beider Kiefer erwies sich der Bissen indes als un­ver­hofft zäh. Die daraufhin vorgenommene Sichtprüfung brachte eine ebenso über­rasch­en­de wie belustigende Erkenntnis: Was täuschend echt nach Brotrinde ausgesehen hat­te, war in Wirklichkeit ein von des Berichterstatters Birkenstock-Attrappen-Schlap­pen abgefallenes Stück Korksohle!

Merke: Was gleich aussieht, muß noch lange nicht gleich schmecken…

Donnerstag, 30. April 2015

Damenbeine (13)

Laufwerke junger Musikerinnen im »Auditorio« von Santa Cruz de Tenerife
 
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Freitag, 24. April 2015

Alles für’n Arsch

Markise eines Ladens in Puerto de La Cruz, Teneriffa
Sonntag, 8. März 2015

Bonjour, Paris!

Letztes Jahr an der Themse, heuer an der Seine: Der zonebattler hat Gefallen daran gefunden, die erste Märzwoche in einer europäischen Metropole außerhalb des ei­ge­nen Landes zu verbringen. Zusammen mit seiner besseren Hälfte und einer lieben Freun­din bereiste er in den letzten Tagen selbdritt die Hauptstadt Frankreichs und hat (außer kiloweise Käse) von der Tour ein paar bunte Bilder mitgebracht:

Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris
 
Impressionen aus Paris

Den ursprünglich angedachten Vergleich zwischen London und Paris verkneife ich mir, zu unterschiedlich sind die Städte und die Mentalitäten ihrer Bewohner, zu wenig ver­gleich­bar waren aber auch unsere jeweiligen Unternehmungen: Während wir vor Jah­res­frist erheblich öfter (und länger) in Kunstmuseen herumlungerten, strolchten wir dies­mal fünf Tage lang überwiegend durch die Straßen, über die Plätze und durch das pralle Leben. Das Hotelzimmer ruhig, das Frühstück üppig, das Wetter früh­lings­haft und keinerlei Verpflichtungen im Nacken: Besser kann man’s doch gar nicht haben!

Samstag, 7. März 2015

Damenbeine (11)

Pariserin in Paris, kurz vor dem Enteilen
 
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Freitag, 21. November 2014

Die Überraschungsinsel (8)

Aus ökologischen Erwägungen heraus machen der zonebattler und seine bessere Hälf­te in fernen Gefilden in der Regel längere Urlaube: Man möchte möglichst wenig Luft­ver­pe­stung durch aviatorischen Strahlturbinen-Einsatz auf die eigenen Kappen nehmen müssen. Außerdem kann man Land und Leute in drei Wochen allemal besser kennenlernen als in drei Tagen! Auch dieser unser erster Mallorca-Urlaub war mit 18 Tagen merklich länger als die zwei Wochen, die der gemeine Deutsche regelmäßig als adäquat empfindet. Der Autor verhehlt jedoch nicht, daß es ein paar Tage weniger auch getan hätten: Gegen Ende waren die Glieder schwer und die Birne voll. Vielleicht hätte uns ein Quartierwechsel mittendrin gut getan, das hatten wir im Vorjahr auf Gozo und Malta ja in weiser Voraussicht eigens so eingetütet…

Aber egal, unter dem Strich war es trotzdem eine durchaus gelungene Ferienreise, die noch dazu in des Berichterstatters diffusem Erinnerungsvermögen bereits ver­klärt wird zu einem orgiastischen Fest des Lichtes und der Farben. Und daher zieht er in dieser letzten Folge seines diesjährigen Reise-Rapports nochmal alle Register seines knipserischen Könnens. Fangen wir an mit einer Fahrt hinauf ans »Nordkap« der Insel, dem Cap Formentor. Auf halber Strecke zwischen Pollença und dem Leucht­turm am äußersten Zipfel der Insel gibt es einen Aussichtspunkt, der wirklich spek­ta­ku­läre Aussichten auf die aus dem Meer ragenden, schroffen Gebirgs­for­ma­tio­nen eröffnet:

Aussichtspunkt auf dem Weg nach Cap Formentor

Trotz der Überlaufenheit derartiger Attraktionen (volle Parkplätze, deppert ran­gie­ren­de Automobilisten, verwegen rasende Radler, quengelnde Kinder, quietschende Tee­nies, verhaltensauffällige Touristen aller Dubiositätsgrade) ist das Verweilen dort ein Genuß für alle Sinne: Man spürt den Wind oben, sieht die Gischt unten, hört die Vögel kreischen und bekommt per Fernblick die eigene Unbedeutsamkeit plastisch vor Augen geführt. Grandios!

Je weiter man sich dem Kap nähert, desto schwieriger wird das Vorankommen: Vorne am Leuchtturm ist ja nicht nur das Land, sondern natürlich auch die Straße zu Ende, und wer – namentlich in der Hochsaison – nicht rechtzeitig die Kurve kriegt und einen Haken schlägt, der steckt in der Blechlawine fest und in der Malaise. Meiner einer brachte seinen rollenden Bürgerkäfig noch recht passabel zwischen freilaufenden Ziegen und anderen Schaulustigen unter und machte sich auf die Suche nach Motiven. Hier kam mir ein Schwarm komischer Vögel vor die Linse, die offenbar ihrerseits auf der Jagd nach seltenem Federvieh waren:

Vogelkundler am Cap Formentor

Ob die Frisuren der beiden in die blaue Ferne starrenden Herren nun profanerweise ihrem Alter geschuldet sind oder aber als pfiffige Nest-Attrappen zur Anlockung brut­wil­li­ger Möwen oder Albatrosse konzipiert waren, habe ich leider nicht in Erfahrung brin­gen können.

Auf der Rückfahrt vom Kap durch die langgestreckte Landzunge in Richtung »Fest­land« machte ich einen kurzen Zwischenstopp, um eine schon auf der Hinfahrt er­späh­te Situation auf Film resp. auf den Chip zu bannen. Und in der Tat erwies sich das Motiv als nachgerade malerisch romantisch (und die landesübliche Kon­struk­tions­weise von hölzernen Leitern als überaus interessant):

mallorquinisches Gartenhäuschen mit landesüblicher Leiter

Was wir vor Ort für eine kleine Gartenlaube auf einem ansonsten unbebauten Land­grund­stück hielten, entpuppte sich beim nachträglichen »Befliegen« der Route via Google Earth als eine Art »Pförtnerhäuschen«. Die dahinterliegende Finca nebst Pool und anderen Insignien des Wohlstandes ist indes von der Straße aus nicht zu sehen (und auf dem virtuellen Globus auch nur dann, wenn man die historischen Luftbilder von 2004 auswählt. Auf den aktuellen Fotos verhindert just an dieser Stelle ein schma­ler Wolkenstreifen die klare Sicht auf den Boden).

Aber der zonebattler ist ja ein Braver, der nichts ans Licht der Öffentlichkeit zerrt, was dort nicht hingehört. Darum erfreut er sich an dem, was von der Straße aus ab­zu­lich­ten und für jedermann erreichbar ist. Wie beispielsweise an diesem (am gleichen Tage, jedoch fünf Stunden später gesehenen) Prospekt des im sanften Abend­lichte ruhenden Tramuntana-Gebirgszuges:

Serra de Tramuntana im schwindenden Tageslicht

Mit nur vier Aufnahmen habe ich nun einen an Eindrücken übervollen Frühlingstag ge­wür­digt, wollen wir doch mal sehen, was sich noch im Fundus findet, um die Re­mi­nes­zenz an die diesjährige Insel-Expedition visuell passend abzurunden.

Der zonebattler – der noch nie die iberische Halbinsel betreten und bis dato nur eine knappe Handvoll spanischer Inseln bewandert hat – hat kein realitätsbezogenes, sondern ein eher nostalgisch-antiquertes sowie literarisch-idealisiertes Bild von Spanien und den Spaniern im Hinterkopf. In seinen jungen Jahren war wohl die Lektüre von Cervantes phantasieprägend, mehr noch die kongeniale Verfilmung des »Don Quijote« mit Josef Meinrad in der Titelrolle. [1] Darum richtet er seine Kamera gerne dorthin, wo Natur und Architektur gemeinsam eine kleine Vision jenes fiktiven Landes aus alter (und vermutlich nie wirklich guter) Zeit entstehen lassen:

palmengesäumte Balustrade in Biniaraix

Die Realität sieht natürlich allerorten prosaischer und ernüchternder aus, auch (oder gerade) in beliebten Urlaubsländern, wenn man nur genau genug hinschaut. Aber dafür hat die Kamera ja einen Sucher, damit man damit das (heraus)suchen kann, was einem in den Kram (und in die Gemütsverfassung) paßt…

Doch bevor der Abschluß meiner Mallorca-Erinnerungen hier noch ins Schwermütige abzudriften droht, reiße ich mich zusammen und einen fröhlichen Schnappschuß vom Strand von Port de Sóller aus dem Köcher, der ein bißchen friedlich-fröhliche Abend­stimmung einfängt und verbreitet:

blümerante Badeschlappen am Strand von Port de Sóller

Ein letztes Mal sind wir damit am Strand des vergleichsweise kleinen Kaffs angelangt, das uns knapp drei Wochen lang temporäre Heimat war. Erstaunlich, wie vertraut einem die fremde Umgebung schon nach ein paar Tagen vorkommt, wie schnell man sich anpassen und fast heimisch fühlen kann an einem so friedlichen Ort. [2]

Schon am ersten Tag unseres Urlaubs hatten wir im Wald an der Steilküste oberhalb von Port de Sóller einen polnisch-stämmigen (Lebens-)Künstler getroffen, der aus ge­fun­de­nen Wurzeln allerlei Kunstwerke fertigte und nach Art der Eremiten den Tag abseits der Ansiedlungen in einer Höhle zubrachte. Der Zufall schickte mir den kauzigen Knaben am letzten Abend unseres Inselaufenthaltes nochmals unter die Au­gen (und vor die Linse). Hier sehen wir den kreativen Zeitgenossen beim Abhalten seiner Exerzitien:

kurioser Künstler, alle Viere von sich streckend

Wenige Minuten später ging die Sonne unter, und auch dem zonebattler stand der Sinn danach, in baldiger Bälde alle Viere von sich zu strecken, wenngleich eher in der warmen Kuhle seines Hotelbettes denn in der feuchten Kühle des Strandsandes. Aber es mußte natürlich noch der stimmungsvollste Augenblick abgewartet und fest­ge­hal­ten werden, um den bunten Bilderbogen angemessen abschließen zu können:

Sonnenuntergang in Port de Sóller

Am späten Vormittag des folgenden Tages wurden wir in einen Charterbus verladen, der uns schnurstracks nach Palma de Mallorca hinunterbrachte, woselbst wir unseren Flieger in Richtung Heimat besteigen sollten. Das wäre dann das Ende der Reise und auch ihrer amateur-literarischen Aufbereitung in diesem meinen virtuellen Theater gewesen, wenn nicht noch ein Nachspiel aus logistischen Gründen angestanden hätte: In Ermangelung eines verfügbaren Direktfluges gen Nuremberg mußten wir nämlich noch einen stippvisitorischen Umsteige-Hoppser zu der gleichfalls zu den Balearen gehörenden Insel Ibiza absolvieren!

Was macht man dann aber auf der als Party-Insel verschriehenen Zwischenstation, wenn man gut drei Stunden zur Verfügung hat, in denen man zu Fuß nicht wirklich weit weg vom Flughafen kommt, die aber zum regungslosen Herumsitzen in des Aero­droms bleierner Atmosphäre viel zu lang sind? Genau, man blickt auf die Uhr, errechnet die Wendemarke für die Umkehr und tappt dann trotzdem los, raus aus dem Terminal, rein ins (auf den ersten Blick gar nicht so pralle) Leben.

Der lange Marsch durch das dem Flughafen benachbarte Industriegebiet war er­war­tungs­gemäß wenig inspirierend, und das wenige, was man sich als möglicher Privat­kunde näher besehen hätte, hatte feiertagshalber (es war der 1. Mai) geschlossen. Immerhin ergab sich eine erstaunliche und bemerkenswerte Begegnung am Zaun eines großen Garten­kitsch-Marktes:

Eidechse auf Ibiza

Nun mag man einwenden, daß Eidechsen nicht wirklich selten seien auf den Balearen, aber uns kamen in der gesamten auf Mallorca zugebrachten Zeit vierbeinige Reptilien tatsächlich nur als T-Shirt-Aufdruck und als mehr oder weniger kunstvoll angefertigte Mitbringsel unter. Keine einzige echte Eidechse, geschweige denn einen leibhaftigen Gecko hatten wir auf der »Überraschungsinsel« zu Gesichte bekommen, die damit ihrem von mir verliehenen Namen in sozusagen andersherummer Weise einmal mehr gerecht wurde.

Abschied von den Balearen und ab nach Hause

Was dann noch kam? Ein weitgehend ereignisloser Marsch zurück zum Flughafen, das Begucken einer kleinen Flugzeugmodell-Ausstellung in der großen Halle, das Staunen über die absurden Preise für die Speisen in den weitgehend verwaisten Schnell­re­stau­rants, endlich die Verblüffung über die vielleicht zwei Dutzend Passa­giere, die sich im Bauch des riesigen Airbusses nach Nürnberg verliefen und ver­teil­ten. Kurz vor Mitter­nacht plumpsten wir in die eigenen Betten (und mußten uns anderntags wieder selbst um’s Frühstück kümmern).

Wer es bis hierher ausgehalten hat, dem/der sei gedankt für das Interesse und die Aufmerksamkeit. Über eigene Senfspritzer in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen, namentlich und insbesonders über gute Tipps für einen irgendwannigen, er­neu­ten Urlaub auf den Balearen!

 
[1] Leider wurde Meinrad in dieser deutsch-französischen Co-Produktion mit einem anderen Sprecher nachsynchronisiert. Wie schön und der Rolle angemessen wäre sei­ne einzigartige Stimme doch in dieser seiner Paraderolle gewesen. Vorbei für im­mer…

[2] Vor allem natürlich in der Vorsaison, wenn die Urlauberzahlen noch überschaubar und die Einheimischen noch nicht übermäßig genervt sind.

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Freitag, 7. November 2014

Die Überraschungsinsel (7)

Wie in der vorherigen Folge angekündigt, gibt es diesmal überwiegend allerlei Zwei- und Vierbeiner von hinten zu sehen. Nicht, daß ich es explizit drauf angelegt hätte, nein, bei der Foto-Auswahl (nach gestalterisch-ästhetischen Gesichtspunkten) hat sich das einfach so ergeben. Fangen wir an mit einem im steinernen Umfeld bestens getarnten Raubtier:

Katze in Valldemossa

Die latent mürrische Mieze saß im alten Stadtzentrum von Valldemossa [1] und zeig­te mir die pelzige Schulter. Angesichts der täglichen Touristen-Schwemme in ihrem Habitat ist sie es vermutlich längst leid, sich von Hinz und Kunz für lau knipsen und krabbeln zu lassen. Kann man ja verstehen…

Als Fotomotiv nicht minder interessant sind Friedhöfe, das mag nur den verwundern, der noch nie ein südliches Gräberfeld besucht hat. Andere Länder, andere Sitten: In spanischen Landen werden die Ahnen gerne auch in der Höhe gestapelt aufbewahrt, und das hat durchaus seinen Reiz und seine Würde…

im Friedhof von Andratx

Das Bild entstand im oberhalb des Ortes gelegenen Friedhof von Andratx, den wir bei der Anfahrt im Wald erspechteten und daraufhin spontan aufsuchten. Das Orangen­bäum­chen ist natürlich echt, die Blumensträuße vor den Stirnplatten der Sargfächer oft weniger. Auf deutschen Friedhöfen ist man bunte Plastik-Blüten nicht gewohnt, aber in der Hitze des Südens erweist sich die artifizielle Pracht fraglos als langlebiger als richtige Schnittblumen…

Machen wir nun einen verwegenen Sprung durch Raum und Zeit von den Beinhäusern zu losen Beinen. Und zwar zu solchen, die vorher grunzenden Vierbeinern gehört ha­ben und jetzt darauf warten, von zweibeinigen Carnivoren verspeist zu werden:

große Schinkenauswahl im Supermarkt

»Der Schinken ist des Spaniers Lust, die Auswahl des Touristen Frust«, könnte man im Supermarkt vor sich hinträllern: Meterlang geht das so vor sich hin, und wer die ganzen Keulen verschmäht und sich den Kühltruhen zuwendet, findet darin fein filetierte Schnittware in nicht minder großem Variantenreichtum. Wie gut, daß der zonebattler kein übermäßiger Fleischfresser ist, daher konnte er sich recht bald wieder von dem ungewohnten Anblick lösen und ohne Pökelware von dannen stapfen…

Wandern wir nach dem kurzen Abstecher in die Konsumwelt wieder durch die liebliche Landschaft im nördlichen Teil der Insel. Hier hecheln wir anderen Leuten hinterher, die sich ebenfalls auf dem steinigen, aber dank zahlreicher Aussichtspunkte auch sehr lohnenden Rundkurs um das Santuari de Lluc befinden:

bergiger Wanderweg beim Santuari de Lluc

Das klosterähnliche Heiligtum wird untertags mit Busladungen von einheimischen (oder jedenfalls spanischen) Tages-Touristen bestückt, die schrille Souvenirs kaufen und sich die Füße innerhalb der Anlage vertreten. Abends werden sie zuverlässig ab­ge­räumt und weggeschafft, womit zur Freude der Übernachtungsgäste wieder Be­schau­lichkeit und Ruhe einkehren. Unser mehrfach auf der Insel angetroffene Ex-Nachbar MietMichel logierte dort mitsamt seiner Entourage und war des Lobes voll über die schön hergerichteten und ausgestatteten Zellen, die heutzutage an ruhe­suchende Reisende vermietet werden. Für den Autor und seine bessere Hälfte wäre ein Aufenthalt im Santuari de Lluc durchaus eine Option für einen irgendwannigen Folge­urlaub!

Aus den Bergen östlich von Lluc öffnet sich der Panoramablick hinunter ins Tal auf spek­ta­ku­läre Weise: [2]

Blick hinab ins Tal von Lluc

Der Himmel strahlend blau, die Hänge satt grün, der Blick in die Unendlichkeit un­ver­stellt, was könnte herrlicher sein in des Frühlings zarten Lüften? Der Wandertag um Lluc herum ist mir jedenfalls als einer der schönsten in Erinnerung geblieben…

Weniger schön sind die schon mal erwähnten Fährnisse, die einem beim Überqueren von Straßen drohen: Surrrrrrr, schon ist ein um die Kurve gesauster Rennradler an einem vorbeigeflitzt, Surrrsurrrsurrrrrrr, folgt ihm die Meute hinterher. Schneidig eingekleidet quälen sich die Velozipeden ab, um ihren inneren Schweinehund zu be­sie­gen und die Muskeln bergan zu stählen:

Rennradler auf bergiger Strecke

Man gönnt den Leuten ja ihren Spaß, bewundert auch ihre Kondition und Ausdauer, wenngleich man sich bei manchem Wampenträger auf minmalistischem Gerät fragt, ob der sich mit dem Lastwagen oder Hubschrauber samt Fahrwerk hat auf den Gipfel hieven lassen, um dann primär mit lässiger Bremsbetätigung runterwärts statt mit stram­mem Strampeln raufwärts die Tagestour zu bewältigen. Wenn man mit dem Kraftwagen unterwegs ist, muß man ebenfalls besonders auf der Hut sein, denn es vergeht kaum eine Minute, wo man nicht unversehens Radler vor dem Kühler hat, deren Tempo einem entweder als zu langsam (wenn in gleicher Richtung unterwegs) oder als deutlich überhöht (wenn entgegenkommend) erscheint!

Im Vergleich zum eben gezeigten Sportsmann schaut des zonebattler’s Gefährtin von hinten kaum weniger schnittig aus dank ihres leuchtfarbigen Rucksackes, der nun auch schon viele Urlaube mitgemacht und manche Insel gesehen hat:

auf der Tour rund um den Puig des Tossals Verds

Dieser wunderbare Ausblick bot sich auf einer vom Wanderführer als schwierig und herausfordernd eingestuften Rundwanderung um den Puig des Tossals Verds oberhalb des Stausees Gorg Blau. In der Tat ging es da recht steil herauf und herunter, strecken­weise waren Ketten am Hang angebracht, an denen man sich festhalten konnte (und sollte) beim Entlanghangeln an der steilen Steinwand. Wir waren auf Einiges gefaßt, fanden die Tour aber letztlich gar nicht so extrem anspruchsvoll wie befürchtet. Schlauchend war sie trotzdem, da ziemlich lang und terrainbedingt stete Aufmerksamkeit erfordernd. Die grandionsen Ausblicke waren der Mühe aber alle­mal wert!

Für das angestrengte Keuchen und Jappsen des schwitzenden Wanderers haben die einheimischen Bergbewohner regelmäßig nur kopfschüttelndes Unverständnis übrig:

Bergziege auf Außenposten

Leider ließ sich der stoisch wiederkäuende, jedoch scheue Paarhufer nicht knuddeln, sehr zum Verdruß des Berichterstatters, der dank seiner bereits zu Kinderzeiten erworbenen Krabbel-Künste schon manchen tierischen Freund für’s Leben gewonnen hat, und das nicht nur in befellten oder gefiederten Kreisen. Da der zonebattler des Spanischen nicht mächtig ist, waren vertrauenserweckende Kommunikationsversuche mit der geländegängigen Ziege leider zum Scheitern verurteilt…

Im achten und letzten Teil meiner mallorquinischen Melange gibt es demnächst noch ein paar ausgesucht kitschige atmosphärisch dichte Impressionen von Mallorca zu bestaunen, bevor wir die Urlaubsreportage mit einem uns zwangsweise ver­ord­ne­ten Inselhopser nach bzw. über Ibiza abschließen.

 
[1] Bei der Vielzahl mitgebrachter Katzen-Fotos kann ich mir natürlich nicht wirklich merken, welches Pelztier ich nun wann und wo fotografiert habe. Weil ich aber – wie schon vor Jahren detailliert beschrieben – die getrackerten GPS-Daten meiner Urlaube mit den Meta-Daten der während der Reisen angefertigten Fotos verheirate, kann ich im Nachhinein jederzeit jedes Urlaubsfoto verorten und mir meinen da­ma­li­gen Knipser-Standpunkt auf dem virtuellen Google-Globus anzeigen lassen.

[2] Und einmal mehr huldigt der zonebattler in seiner Bildkomposition (samt Rücken­figur) dem verehrten Meister Caspar David Friedrich

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Freitag, 24. Oktober 2014

Die Überraschungsinsel (6)

So, mit einem gemieteten Automobil erschließen sich dem Wanderer auch die etwas entlegeneren Gegenden, wenngleich mit dem systembedingten Nachteil, daß man am Schluß der Tagestour wieder zum Standort des Fahrzeuges und damit zum Aus­gangs­punkt zurückkommen muß. Aber gut, ist halt so. Das Herumfahren im eigenen Wa­gen ist im Tramuntana-Gebirge mit einiger Lenkrad-Kurbelei verbunden, die Straßen sind schmal und mäandrieren fröhlich am Hang entlang. Unsere flache Flunder der Marke Opel verfügte im Gegensatz zum eigenen LowTech-Minibus über allerlei ma­schi­nel­le Bedienungshilfen, und so geriet das ständige Drehen des Volants nicht wirklich zur muskulösen Anstrengung. Wohl aber zur mentalen, denn trotz (oder wegen) der beachtlichen Steigungen hier und der Gefälle dort sind die Straßen voller Masochisten, die sich auf Rennrädern oder Mountainbikes die Hügel hochquälen und es runterwärts munter laufen lassen, bis die nächste Kurve ein Abbremsen und ein Verlassen der Ideallinie erzwingt. Da fühlte sich der zonebattler schon recht heraus­gefordert, zumal das Leihauto im Gegensatz zum nasenlosen Glaskasten daheim über eine lange und unübersichtliche Frontpartie verfügte. Dennoch ging der Urlaub letzt­lich – soviel sei hier beruhigend vorweggenommen – völlig kollisionsfrei vonstatten.

Also auf geht’s, die Wanderstiefel in den Kofferraum geworfen und hakenschlagend und serpentinenfahrend durch die grandiose Berglandschaft nach Sa Calobra auf­ge­bro­chen, wo es einen kleinen Strand gibt und die Einmündung des Torrent de Pareis, eines Sturzbaches, in dessen grandiose, natürlich nicht ständig wasserführende Schlucht wir uns einige hundert Meter weit vorgewagt haben:

im Torrent de Pareis

Man beachte die beiden winzigen Wanderer im Hintergrund, an derer Größe resp. Kleine die Dimensionen der steilen Schlucht deutlich wird. Erstaunlich, was einem da so alles entgegenkam, vom bestens ausgerüsteten Trekking-Experten bis hin zum san­da­len­tragenden Schulkind. Ganz wollten wir den Torrent nicht hinaufsteigen, das hätte uns zuviel Zeit gekostet, die uns später an anderer Stelle gefehlt hätte…

Also machten wir irgendwann kehrt und kraxelten wieder zurück bis ans flach aus­laufende Ende der Schlucht, tappten nochmals bis ans Meer und erfreuten uns dort des Anblicks der von des Ortes unermeßlichen Schönheit niedergestreckten Tou­ri­sten:

in der südlichen Sonne Bratende

Ja, so kann man’s natürlich auch machen, wenngleich unsereiner der Meinung ist, daß man im April sogar daheim in der Sonne schmoren kann, mit mutmaßlich ge­rin­ge­rem Sonnenbrand-Risiko, vom Hautkrebs gar nicht zu reden. Aber den kon­ser­vie­ren­den Pökel-Effekt der gischtbeförderten, salzhaltigen Luft hat man natürlich nur am Meeresstrand und nicht im fernen Binnenland…

Wir schlichen an den Liegenden vorbei zu unserer schnittigen Karosse zurück, fanden diese unversehrt und unbestrafzettelt am Eingang zur Bucht vor und machten uns auf den Rückweg, den wir hier und da zwecks Aussichtsgenuß unterbrachen. Hier sehen wir unseren modisch kaffeebraun-metallic eingefärbten OPEL Astra am höchsten Punkt der serpentinenreichen Straße zur Bucht Cala Tuent:

kantige Berge, gerundete Karosse: Pinkelpause mit Ausblick

Angesichts unübersehbarer Horden von Radlern (die einen von links hoch und nach rechts runter, die anderen von rechts hoch kommend und nach links runter wollend) haben wir uns die Cala Tuent geschenkt und sind wieder in Richtung Port de Sollér gefahren, nicht ohne noch einen ausgedehnten Spaziergang rund um den schönen Cúber-Stausee zu unternehmen. An dessen sanft sich im Winde kräuselnden Ge­sta­den sich allerlei farbenfrohes Getier am Grase labt:

grasendes Schaf am Cúber-Stausee

Vermutlich ist die Colorierung seines dichten Pelzes weniger dem Modebewußtsein des Schafes als vielmehr der Gewitztheit seines Besitzers zu verdanken, der seine Herde per Spraydose mit einem weithin zu sehenden Eigentumsmerkmal versehen wollte. Wandelnde Farbkleckse findet man zudem im Gebirge zwischen all den hell­gelben Steinen viel schneller wieder, und freundlicher als ein brutal einge­schmortes Brandzeichen ist buntes »Haarspray« doch auch allemal!

Den Cúber-Stausee per pedes zu umrunden ist ein unbeschwertes Vergnügen, welches man Mallorca-Besuchern nur wärmstens ans Herz legen kann: Der Weg am Ufer verläuft naturgemäß eben und verleiht der Wanderung Spaziergang-Charakter, aber die Aussicht ist grandios und das in alle Richtungen. Der zonebattler hätte vor dieser Reise nicht für möglich ge­halten, daß man auf der Hauptinsel der Balearen Fotos wie dieses hier machen kann:

Das Refugio de Cúber vor dramatischer Kulisse

Wenn man nicht gerade Geologe ist, könnte man das doch glatt für ein alpen­län­di­sches Panorama halten, nicht wahr? Aber nein, mitten im Mittelmeer gibt es steinere Auffältelungen zu bestaunen. Bei dem Gebäude handelt es sich übrigens um eine staat­liche (wenngleich nicht stattliche) Wanderhütte, das Refugio de Cúber. Leider hatte das Refugium wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber nachdem wir dort ohnehin weder essen noch übernachten wollten, machte uns das nichts aus. Auch geöffnete Refugios kann man übrigens nicht einfach so aufsuchen in der Hoffnung auf Kost und Logis: Beides muß lange im Voraus bestellt und reserviert werden, sonst hat man das Nachsehen und muß unter freien Himmel frierend und hungernd den neuen Tag erwarten…

Nach erfolgter See-Umrundung (für die man etwa 1,5 Stunden braucht) machten wir auf dem Heimweg nochmal in Sollér Station (Straßenbahnen gucken und Orangen-Eis goutieren), bevor wir dann wieder zurück in unser Hafenstädtchen fuhren und den Tag rotstichig und kitschgefährdet an der Steilküste oberhalb der Bucht ausklingen ließen:

Sonnenuntergang bei ruhiger See

So gegen 20:30 Uhr plumpst Ende April die Sonne ins mallorquininsche Meer, und der Anblick ist immer wieder sehr erbaulich. Danach kann man noch bei relativ an­ge­neh­men Temperaturen draußen sitzen bleiben oder sich ins Hotelbett fallen lassen, um dort noch ein wenig durch das digitale Fenster in die weite Welt zu schauen, eine verführerische Option, die wir in der Regel präferierten…

Bevor wir für heute das Licht ausknipsen, gehen wir noch der Frage nach, was man denn als Gast auf Mallorca sinnvollerweise kaufen kann. Die erste Antwort liegt auf der Hand: Orangen!

beutelweise Niedrigpreise: Orangen-Angebot in Valldemossa

Das Bildbeispiel stammt aus dem schönen Städtchen Valldemossa und illustriert den augenfälligen Vorteil der überall auf der Insel erhältlichen Südfrüchte: sie sind dort konkurrenzlos (oder vielmehr konkurrenzbedingt) billigst zu haben. Das zweite Allein­stel­lungs­merkmal kann nur aus speichelflußtreibender Erinnerung beschwörend be­kräf­tigt werden: Die mallorquinischen Orangen sind wunderbar wohlschmeckend, saf­tig und aromatisch. Frischer kriegt man sie sowieso nirgends. Wer auf Mallorca die prallen Früchte des Landes links liegen läßt, verpaßt einen der göttlichsten Genüsse, die das Land und das Leben zu bieten haben!

Ansonsten halten sich die Touristen gerne an Klamotten, Kunststück, im Urlaub hat man Zeit und Muße zum Shoppen und das Geld sitzt lockerer als in des heimischen Alltags repetitiven Trott. Davon profitieren nicht nur die schicken Boutiquen und omnipräsenten Filialisten in Palma und den anderen Städten, sondern auch die klei­nen Anbieter in den ruhigeren Winkeln des Eilands. In Valldemossa brauchte ich den Kamerablick nur von den Orangenbeuteln ein wenig zur Seite zu schwenken, um ein paar ambulant angebotene, fesch-feminine Kittel zu erhaschen:

ambulante Auslage an einem Haus in Valldemossa

Noch ein paar Meter weiter fand sich ein Laden voller entsetzlich kitschiger Mit­bring­sel aus überwiegend fernöstlicher Produktion, fabrikneuer Müll, bei dem man sich wirklich fragen muß, wer sich sowas antut und dafür auch noch Geld hinlegt. The horror! Den abartigen Schund abzulichten hätte sich des zonebattler’s motiv­ver­wöhnte Kamera fraglos geweigert. Doch jedem das Seine: Der Autor und seine bes­sere Hälfte neigen dazu, Souvenirs mitzunehmen, die einserseits nichts kosten, andererseits aber unermeßlich wertvoll sind: Wurzeln, Steine, Muschelschalen und andere Leichen­teile, die noch viele Jahre später als Erinnerungsanker taugen…

Fortsetzung folgt: Demnächst gibt’s ein paar Vierbeiner sowie ein paar Zweibeiner von hinten zu sehen. Und auch – nun ja – ein ganzes Regal voller einzelner Beine ohne den Rest ihrer ehemaligen Besitzer. Bleiben Sie dran!

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