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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Samstag, 21. September 2013

Feuchte Fotos

Gestern hatte sich der zonebattler einen spontanen Tag Urlaub gegönnt, um sich mit einer neuen Kamera und alten Objektiven nach Bamberg zu begeben. Wie schon beim letzten Mal sollte die Domstadt mit ihren vielfältigen Motiven die passende Umge­bung zum ausgiebigen Testen des lichtbildnerischen Handwerkszeuges stellen.

ein trüber Regentag in Bamberg

Leider war der freie Freitag arm an Licht und reich an Regen, was ich freilich nicht zum Anlaß zu verschärfter Trübsal nahm, sondern eher als Herausforderung begriff: Immerhin hat Nieselwetter ja den Vorteil, daß dann nicht ganz so viele Touristen wie sonst in der Gegend herumhampeln und einem das Blickfeld verstellen…

ein trüber Regentag in Bamberg

Zu den Details und den Meriten der neuen Kamera werde ich mich in Kürze in einem eigenen Beitrag äußern, aber den bemerkenswerten Unterschied der hier ge­zeig­ten Aufnahmen zu den Bildern aus meinen immer noch hochgeschätzten Kompakt­knipsen sieht sicherlich nicht nur der Fachmann: mit größerem Sensor und weiteren Blenden­öffnungen werden Motiv-Freistellungen und abstrakt-unscharfe Hintergründe mög­lich, die der kleine Immer-dabei-Apparat prinzipiell nicht zustande bringen kann.

ein trüber Regentag in Bamberg

Neben dem zum Lieferumfang des Bodies gehörenden »Kit-Objektiv« mit einem Zoom-Bereich von 18-55 mm hatte ich zwei bewährte alte Festbrennweiten aus se­li­gen Analog-Zeiten eingepackt (50 mm und 135 mm), um deren Tauglichkeit im digitalen Zeitalter zu überprüfen. Was sich im Vergleich zu früher schon mal nicht geändert hat, ist das lästige Herumhantieren mit Gehäuse und Linsen beim Objektiv­wechsel: Ein Octopus vulgaris mit seinen acht Armen würde wohl souveräner agieren als unsereins, der mit zwei Händen drei Gerätschaften in Relation zu bringen sucht…

ein trüber Regentag in Bamberg

Mit Wasser von oben und keinem schützenden Dach in der Nähe gilt es dann noch zu­sätz­lich einen Regenschirm zu balancieren, was den umbauenden Fotografen fraglos selbst zum kuriosen Fotomotiv macht. Aber was tut man nicht alles der Schönheit halber… Einen weiteren Knipser der unfreiwillig komischen Sorte habe ich dann selbst einfangen können, wenn auch nur von hinten:

ein trüber Regentag in Bamberg

Von vorne habe ich den eiligen Kollegen mit dem gehetzten Blick und den mit meh­re­ren Kameras behängten Kugelbauch leider nicht konservieren können. Aber selbst wenn, dann hätte ich ihn der Diskretion wegen hier ohnehin nicht öffentlich zeigen können. Macht aber nichts, es gibt ja genug unbelebte Objekte, die sich als Motiv anbieten, jedenfalls dem, der nicht achtlos vorbeihastet auf der Suche nach den schon millionenfach abgelichteten »Sehenswürdigkeiten«…

ein trüber Regentag in Bamberg

Ganz zufrieden bin ich mit der abends heimgebrachten (Aus)beute nicht, ins­be­son­de­re die Schärfe läßt in etlichen Fotos noch zu wünschen übrig. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, daß das Problem nicht in der Kamera sitzt, sondern hinter dem Sucher stand: Den souveränen Umgang mit Fokus, Zeit und Blende kann man im Umgang mit Kompakten auch verlernen, und ich muß mir die korrekte Fokussierung bei dank offener Blende extrem kleiner Schärfentiefe erst wieder aneignen. Aber dafür warte ich schöneres Wetter und besseres Licht ab!

Dienstag, 13. August 2013

Galerie der Kontraste (41)

Kanal in Venedig
 
Kanal in Venedig
 
[ HDR-Aufnahme ]
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Sonntag, 4. August 2013

La Biennale

Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
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Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen von Venedig und der Kunst-Biennale 2013
 
Dienstag, 16. Juli 2013

Die Verkehrsinsel (16)

Ein drittes und letztes Mal geht es heute in die Upper Barrakka Gardens, um dort Punkt zwölf lautstark demonstriert zu bekommen, was die Stunde geschlagen hat: In einem täglich wiederkehrenden Ritual wird von (mutmaßlich pseudo-)britischen Sol­da­ten mittags Salut geschossen und damit ein weithin hörbares Zeit- (und früher auch Macht-) Zeichen gegeben…

Saluting Battery der Upper Barrakka Gardens über dem Hafen von Valletta

Der Officer links im Bild erklärt per Mikrofon und Lautsprecheranlage das Prozedere, die beiden Haubenträger rechterhand führen die Ballerei durch. Leider wird nur eine einzige Kanone abgeschossen und noch leiderer hat die nur Pulver, aber keine Kugel im Rohr, weshalb es kein spektakuläres Schiffe-Versenken-Spiel im Maßstab 1:1 zu beklatschen gibt, sondern halt nur einen Knall zu hören und eine weiße Rauchwolke zu sehen:

Salut-Kanone unmittelbar nach dem Abschuß

Für drollige Spleens wie derlei militärische Herumhampeleien lieben wir ja die Söhne Albions, wobei ich wie schon eingangs angedeutet den nagenden Anfangsverdacht hege, daß in den Uniformen Ihrer Majestät Artilleristen in Wirklichkeit maltesische Hilfsarbeiter stecken könnten, die für kleines Geld die romantisierten Kolo­nial­zeit­träume der Touristen beflügeln. Aber man muß den harmlosen (Feuer-)Zauber ja nicht unbedingt entzaubern…

Magische Eindrücke hält Valletta auch in den Abendstunden bereit, wenn sich die Tou­ri­sten­mengen verpulverisiert haben und die Einheimischen daheim vor ihren Glotzen sitzen: Dann hat man die pittoreske Altstadt fast für sich allein und kann im schwin­den­den Tageslicht noch manche schöne Szene auf den Film Sensor-Chip bannen. Wie diese dienstfrei habenden Sonnenschirme hier:

dienstfrei gestellte Sonnenschirme im Herzen Vallettas

Manchmal wünscht man sich als Freizeit-Fotograf die analogen Zeiten zurück: Bei um die 50 Pfennigen pro Dia hätte ich derlei Motive unter mühevollen Verrenkungen nach langer Überlegung genau 1x sorgsam anvisiert und abgelichtet. Heutzutage nimmt man ein halbes Dutzend leicht verschiedene Schnappschüsse mit und quält sich später daheim mit der Frage herum, welcher davon nun letztlich der beste ist… Tja.

Auch von diesen gestaffelten Haustüren habe ich im schummerigen Dämmerlicht etliche Aufnahmen gemacht, ja sogar einige freihändige Belichtungsreihen realisiert zum Zwecke der nachträglichen HDR-Bearbeitung:

Tür an Tür: schmale Häuserfronten in der Altstadt von Valletta

Die fraglos surrealste und skurrilste Begegnung in den schläfrigen Gassen Vallettas kündigte sich schon aus einiger Entfernung lautstark akustisch an. Unter blechern-schep­pern­dem Abspielen einer Klimper-Fassung von Lili Marleen machte ein mo­to­ri­sier­ter Eis-Verkäufer die Runde, mal an dieser, mal an jener Ecke haltend und sich mu­si­ka­lisch mit einem Klirrfaktor nahe 100% bei der potentiellen Kundschaft an­kün­di­gend:

mobile Eisdiele im Einsatz in den abendlich dahindämmernden Gassen Vallettas

Nachdem der im Bild gezeigte Knabe mit der Startnummer 18 auf dem Rücken sein tiefgekühltes Betthupferl gekauft hatte, raste der ambulante Eis-Dealer mit quie­tschen­den Reifen heiter weiter, sein Lili-Marleen-Getröte bald hier, bald dort ertönen lassend, vielfältiges Echo inklusive. Mal war sein Wagen einige Querstraßen weiter zu sehen, mal flitzte er an ganz anderer Stelle durchs beschauliche Bild. Ob sich der un­überhörbare Einsatz letztlich wirtschaftlich für ihn gelohnt hat, erscheint mir zumindest zweifelhaft zu sein: Allein der Betrieb der wattstarken Beschallungsanlage wird – im Verein mit der Kühlanlage – einiges an Energie verbrauchen. Ein nennens­wer­ter Kundenansturm war hingegen nicht zu konstatieren. Vermutlich zahlt der Gela­tiero bei jeder verkauften Kugel drauf, aber die Menge macht’s dann wohl wett…

Nachdem wir dann die Stadt bis zum äußersten erreichbaren Ende durchlaufen und an ihrem Rand halb umrundet hatten, näherten wir uns über den zentralen Busbahnhof wieder ihrem Eingang. Inzwischen war es gänzlich dunkel geworden, was mir Gele­gen­heit gab, mich dem ansonsten bus-umtosten Tritonbrunnen gefahrlos zu nähern, um ihn per Langzeitbelichtung einzufangen und zu konservieren:

nächtliches Wasserspiel: der Tritonbrunnen von Valletta

Gemessen am Status – Valletta ist ja immerhin die Hauptstadt eines souveränen EU-Staates – ist das Städtchen eher überschaubar und provinziell anmutend; genau das aber macht ja seinen besonderen Reiz aus. Wie es um das Kulturleben bestellt ist, kann ich nicht wirklich beurteilen – Feuerwerks-Festivals mal ausgenommen. Aber wenn überhaupt, dann wäre Valletta wohl der Ort, an bzw. in dem sich unsereins gerne dauerhaft niederlassen würde. Aber da es bis zum Ruhestand noch einge Jähr­chen hin sind, sind derlei Überlegungen derzeit akademischer Natur.

In Sachen Reisemitbringsel sind der zonebattler und seine bessere Hälfte ja ei­ni­ger­maßen pragmatisch orientiert: raumgreifende Staubfänger sind verpönt, im Zwei­fels­fall genießen natürliche Fundstücke wie Wurzeln, Steine, Schneckengehäuse etc. eine höhere Wertschätzung als von Menschenhand gebastelter oder gar industriell ge­fer­tig­ter Mumpitz. Gerne genommen werden hingegen Lebensmittel in Form ortsüblicher Delikatessen, mit denen sich das Urlaubsgefühl im heimischen Alltag noch eine Weile und im Wortsinne geschmackvoll aufrechterhalten läßt. Hier sehen wir die am Tag vor der Heimreise eingekaufte Auswahl an maltesischen und italienischen Käse­sor­ten, ambulant gekühlt im Wasserbad des hotelzimmereigenen Waschbeckens:

am Abend vor dem Heimflug eingekaufte und behelfsmäßig wassergekühlte Käse-Spezialitäten

Dank einer schon Monate vorher gelegenheitshalber eingekauften, digitalen Gepäck­waage konnten wir diesmal guten Gewissens kiloweise einkaufen, was uns lecker und pro­bie­rens­wert erschien, ohne eine gewichtsmäßige Überschreitung der Frei­ge­päcks­grenze befürchten zu müssen…

So, die Koffer sind gepackt, alle Schubladen, Schränke und Kommoden zum x. Mal auf vergessene Habseligkeiten gecheckt, dann also mit Sack und Pack runter in die Hotel-Lobby, ein schnelles Frühstück im noch schummerig leeren Restaurant-Saal verputzt, good bye gesagt und ab ins private Flughafen-Taxi. So schön der Urlaub auch gewesen war, an seinem Ende freut man sich doch immer auf die eigenen vier Wände. Ein letzter Blick zurück auf Sonne, Meer und landestypische Architektur:

alter Wachturm (St. Mark's Tower) vor leuchtend blauer Natur-Kulisse

Ob wir jemals wieder nach Malta kommen werden? Wer weiß… Aus eigenem Antrieb vielleicht nicht, dazu haben wir jetzt einerseits das Land intensiv genug erforscht und andererseits vom Rest der Welt etliches noch gar nicht gesehen. Aber wenn sich beispielsweise im Freundeskreis ein Plan herauskristallisierte, den maltesischen Archipel in fröhlicher Runde gemeinsam zu bereisen, dann würden wir uns sicherlich nicht lange bitten lassen, eine neue Expedition dorthin zu begleiten…

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Samstag, 13. Juli 2013

Die Verkehrsinsel (15)

Was nun wirklich faszinierend ist auf Malta, sind die steinernen Zeugen der Ge­schich­te, angefangen von den frühsteinzeitlichen Tempelanlagen über die auch ästhetisch bomba­sti­schen Festungsbauten des Johanniterordens bis hin zu den Wohn­sie­dlun­gen aus britischer Kolonialzeit. Auch wenn es hier und da und dort bröselt und Wind und Wetter ihre Nagezähne ohne Unterlaß wetzen, Malta ist ein Freilicht-Museum par excellence!

Hier standen wir in den Buskett Gardens, dem (einzigen!) Wald Maltas und er­späh­ten dort ein prunkvolles Wappen am Verdala Palace, dem offiziellen Sitz des Staats­ober­haup­tes und damit sozusagen das insulare Schloß Bellevue [1]:

Detail am Verdala Palace

Auch wenn wir in diesem unseren zweiten Malta-Urlaub darauf bedacht waren, uns bis dato unbekannte Ecken der Inseln zu erkunden, so zog es uns natürlich dennoch auf’s Neue in jene Orte, die wir schon im Vorjahr begeistert erforscht hatten. Wie z.B. in die alte Hauptstadt Mdina, in deren mittelalterlichen Gassen-Labyrinth man immer wieder gerne auf den Auslöser drückt:

in den Gassen von Mdina

An sonnig-heißen Tagen lernt man die schattigen Zufluchtsorte Mdinas zu schätzen und setzt sich gerne zu Kaffee und Kuchen in eines der Cafés an bzw. in der Stadt­mauer, wo man überdies noch einen grandiosen Fernblick genießen kann…

Doch auch die weniger schattigen Sehenswürdigkeiten haben ihren Reiz, zumal die Temperaturen im späten Frühling und frühen Sommer durchaus noch gut aus­zu­hal­ten sind. Also sind wir natürlich auch heuer mit dem Bus ins Fischerstädtchen Marsaxlokk gefahren, um dort dem bunten Treiben zuzuschauen. Ganz besonders bunt sind dort bekanntermaßen die Fischerboote:

aufgebocktes Fischerboot in Marsaxlokk

Auch an Sonn- und Feiertagen kann man die Fischer beim Arbeiten beobachten, denn zu tun ist natürlich immer etwas: Netze müssen entheddert und geflickt, Motoren repariert und geschmiert, Betriebsstoffe geladen und verstaut werden. Vor allem aber müssen die vom Salzwasser und der Sonne maltraitierten Anstreiche regelmäßig erneuert werden, eine Arbeit, die mit Hingabe und in nachgerade kontemplativer Ver­senkung ausgeführt wird:

Fischer beim Anstreichen seines Kahns

Die Malteser kümmern sich nicht nur sorgsam und leidenschaftlich um ihre Kähne und Kutter (sowie um ihre Schrotflinten), sie haben auch ein Herz für Oldtimer auf Rädern: Immer wieder begegnet man tadellos restaurierten solchen, meist britischer Provenienz. Oftmals sind sie leider schon wieder weg, bevor man die Kamera in An­schlag bringen kann, aber einmal hatte ich Glück und konnte einen langsam da­hin­tuckern­den LKW geradezu mustergülig ablichten:

vortrefflich restaurierter alter Lastwagen

Von Marsaxlokk aus sind wir landeinwärts in Richtung Nordwesten gewandert, und wenn ich heute – zweieinhalb Monate später – diese Zeilen niederschreibe, so habe ich wieder die flirrende Luft vor Augen, das Summen der Insekten im Ohr, die vielfältigen Düfte in der Nase. Und natürlich die Bilder der Landschaft im Kopf, die ich im Interesse der Verdichtung gerne auf das Wesentliche zurechtschneide und von störendem Drumherum befreie:

Phalanx von Plastik-Tonnen auf einem Acker

Was in diesen Tonnen mal drin war, will man vermutlich gar nicht so genau wissen. Über allerlei dubiose Behältnisse am Rande landwirtschaftlicher Nutzflächen hatte ich mich ja schon im letzten Jahr befremdet gezeigt…

Nicht weniger befremdlich und auch etwas bedrohlich erscheinend, letztlich aber be­lu­sti­gend war ein paar Stunden später der lautstarke Empfang, den uns in einer winzig kleinen Siedlung am Rand des Flughafens von Malta ein paar vierbeinige Wächter der Hl. Mutter Gottes bereiteten:

kläffende Köter, einen Marienschrein bewachend

Wenn man gegen den Turbinenlärm startender Passagierjets ankläffen muß, muß man sich schon ordentlich ins Zeug legen. Immerhin konnten auch diese armen Schweine Köter ihren Posten nicht verlassen und uns nicht in die Waden beißen. So konnten wir unverseht zum Flugplatz weitertappen, an seinem Zaun entlang bis zum Terminal-Gebäude marschieren und dort dennächsten Bus Richtung Valletta nehmen…

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen auf dem überschaubaren Inselreich recht nah beieinander, und es ist verblüffend, wie schnell man zu Fuß (!) von einer »Zeit­zone« zur nächsten gelangen kann. Springen wir zum Abschluß und zum Exempel noch schnell in die Zukunft und schauen uns eine unfertige Luxus-Wohnanlage an, die auf einem Hügel nördlich von Naxxar entsteht:

unfertige Luxus-Wohnungen

Wie so oft ließ der Zustand der Baustelle nicht erkennen, ob hier nur im Rahmen einer ausgedehnten Siesta pausiert wurde, oder ob die zu 85% fertiggestellte Wohn­anlage schon wieder dem bauträgerpleitebedingten Verfall preisgegeben ist [2]: Hier und da hörte man zwar eine Bohrmaschine oder eine Säge kreischen, aber ansonsten herrschte – mitten unter der Woche – Ruhe und Leere.

Leer sind nunmehr auch des Chronisten Hirn und Wampe, weshalb er sich jetzt in Rich­tung Küche und Kühlschrank verabschiedet. In der nächsten und letzten Folge seines Reise-Rapports läßt er es aber demnächst noch einmal so richtig krachen!

 
[1] Wenn der zonebattler sich nicht faulheitshalber um die vorbereitende Lektüre von Reiseführer und Wikipedia gedrückt gehabt hätte, dann hätte er vorher gewußt, daß der Präsidentenpalast der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist und er hätte sich von seiner besseren Hälfte nicht bergauf bis zum verschlossenen Zaun treiben lassen müssen. Tja, so ereilte ihn die verdiente Strafe (wobei der Fußmarsch dorthin natür­lich trotzdem ein schöner solcher war)…

[2] Man sieht so vieles auf Malta und Gozo, was sich unseren teutonischen Denk­mustern nicht wirklich erschließt. Ist aber umgekehrt vermutlich genauso.

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Montag, 8. Juli 2013

Die Verkehrsinsel (14)

Fragt man einheimische Malteser oder insulare Gastarbeiter nach gang­baren Fuß­wegen zur Küste oder gar nach Wanderrouten an derselben entlang, so erntet man zunächst Ratlosigkeit, dann aber gut gemeinte Ratschläge hinsichtlich der unbedingt anzuratenden Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zum direkten Ansteuern des Ziel­ortes: Ausschreiten um des Ausschreitens willen scheint dort ein dermaßen abstruses Konzept zu sein, daß sich keiner vorstellen kann, warum man so etwas machen sollte. Unsereins wiederum war befremdet ob der geographischen Uninformiertheit mancher Leute, bei denen terra incognita schon einen Steinwurf abseits der Straße zu be­gin­nen scheint…

Aber egal: Vom (in der Tat per Bus angefahrenen) Städtchen Kalkara aus umquerten wir per pedes die Baustelle der futuristischen SmartCity (wo derzeit noch nix son­der­lich Smartes zu sehen ist), schlugen uns durch allerlei Gestrüpp und quasiöffentliche Feldwege durch nach Xgħajra und marschierten von da aus ein gutes Stück den Nordost-Zipfel Maltas entlang bis hinunter nach Marsaskala. Dabei kamen wir durch melancholisch stimmende Gegenden, die kaum je ein Tourist freiwillig aufsuchen dürfte. Was allerdings vielfach doch hingekommen war, waren EU-Fördermittel:

kilometerlange Strandpromenade ohne Promenierende

Das Bild steht prototypisch für die nicht-nachhaltige Verpulverung von öffentlichen Geldern durch Baumaßnahmen am Bedarf vorbei: breite Promenaden ohne pro­me­nie­ren­des Publikum, Bänke sonder Zahl ohne Sitzende, Infrastruktur aller Art ohne die dazugehörigen Nutzer. Und ohne eine Perspektive, denn nach der Errichtung findet offenbar eine bedarfsweise Instandsetzung nur selten und präventive Instandhaltung gar nicht statt. Was für teuer Geld errichtet wurde, ist also sogleich wieder dem Verfall preisgegeben, der ja in der salzhaltigen Meeresluft nicht lange auf sich warten läßt: Zäune verrosten, Bänke verwittern, Grünanlagen verkommen.

Während sich die zeitgenössische Bauwirtschaft also mit dem realsozialistischen DDR-Motto: »Wir bauen auf und reißen nieder, so haben wir Arbeit, immer wieder« ganz gut charakterisieren läßt, so wurde in den lange zurückliegenden Zeiten des mäch­ti­gen Malteserordens schon aus Gründen des Aufwands (die Zeche zahlten nicht andere und moderne Baumaschinen gab es auch nicht) weit nachhaltiger gedacht und umsichtiger konzipiert. Ein schönes Beispiel sind die zahlreichen aus dieser Zeit über­kom­me­nen Wachtürme, von denen aus man nahende Invasionsflotten frühzeitig ent­decken und schnurstracks weitermelden konnte:

alter Wachturm

Die Restaurierung dieser natürlich auch der Erosion unterliegenden, steinernen Zeit­zeugen mit Hilfe von EU-Fördermitteln geht natürlich in Ordnung, damit wird Ge­schichte plakativ und leicht faßlich erhalten und nicht wie in unserer heimischen »Denkmalstadt« mutwillig plattgemacht (was – soviel sei der Gerechtigkeit halber konzediert – selbstredend auch auf Malta in großem Stil passiert). Immerhin, den ver­schie­de­nen Elementen der maltesischen Befestigungsanlagen wird konservatorische Aufmerksamkeit zuteil, und das auch im kleineren Maßstab, wie dieses Modell im neulich schon erwähnten »Fortress Buil­ders Interpretation Centre« dokumentiert:

Schnittmodell eines Wachturms im Fortress Buil­ders Interpretation Centre

Man beachte die pragmatische Material-Mix-Bauweise: Wie die Bastionen und sonsti­gen großen Befestigungen auch bestehen die Türme zu großen Teilen aus Füll­ma­te­ri­al, welches zwischen die Innen- und Außenmauern verbracht und verdichtet wurde: Das spart nicht nur Bearbeitungsaufwand und Kosten, sondern steckt auch die Ener­gie einschlagender Kanonenkugeln besser (und leichter reparierbar) weg als durch­gän­gi­ge Massivbauweise…

Im 20. Jahrhundert bauten die Briten munter weiter, wenngleich natürlich angesichts der Fortschritte der Militärtechnik unter geänderten Prämissen: Während man mit immer großkalibrigeren Geschützen den auf dem Wasser sich nähernden Feind schon weit vor seiner Sichtbarkeit einen feurigen Empfang zu bereiten trachtete, baute man an möglichen Landungsstellen etliche MG-Bunker aus Stahlbeton, von denen aus eine vergleichsweise kleine Mannschaft eine zahlenmäßig überlegende Truppe unter Feuer nehmen und wirksam niederhalten konnte. Der eigenen Wehrlosigkeit gegen Angriffe mit schwerer Artillerie oder später gar aus der Luft versuchte man mit Tarnanstrichen zur weitgehenden Unsichtbarmachung zu begegnen:

britischer MG- und Beobachtungs-Bunker

Meiner Meinung nach sollte man die alten Bunker dauerhaft wieder mit (gerne von der EU subventionierten) Soldaten besetzen: Wenn die aus den Schießscharten spä­he­nden, jungen maltesischen Schützen die allgegenwärtigen Umweltfrevler (aus den Reihen der eigenen Bevölkerung) unter Be­schuß nähmen, hätten sowohl die fliegende Fauna als auch die Landschaft was davon, von der Schaffung sicherer Arbeitsplätze (mit Pensionsanspruch) ganz zu schweigen. Im Nu wäre Ruhe, herrschten Sauberkeit und Ordnung! Weil dergleichen radikale Ansätze natürlich schon aus wahltaktischen Gründen momentan noch als unrealistisch einzustufen sind, werden bis auf weiteres nach wie vor die Vögel abgeknallt und die Landschaft zugemüllt:

Müll in der Landschaft

Was angesichts der prinzipiell traumhaft schönen Umgebung kaum zu verstehen ist: Die flächendeckende Vermüllung des Lebensraumes geschieht ja nicht durch Fremde, sondern primär und zuvörderst durch die Einheimischen, die alles, was sie loswerden wollen, an Ort und Stelle liegen lassen. Oder sogar extra hinfahren: Wir haben an un­be­wohn­ten Küstenabschnitten wild entsorgte Herde, Kühlschränke und Kraftfahrzeuge gesehen, reich garniert mit unverrottbaren Kunststoffabfällen. Warum nur tut so ein Anblick nur dem Auswärtigen weh und nicht jenem, der sein eigenes Land so unnötig schändet?

Vielleicht hängt das ja mit der Bunker-Mentalität der Insulaner zusammen, die sich auch nach Jahrzehnten des Friedens immer noch gerne wehrhaft einkasteln und ihren Blick aufs Leben auf einen schmalen Tunnelblick verengen:

neues Haus im Rohbau

Nein, dieses Bild zeigt keine alte Wehrmauer, sondern den Rohbau eines neuen Wohn­hauses mit klar erkennbaren Scheuklappen. Wenn man so konsequent alles aus­blen­det, was einen stören könnte, dann kommt man natürlich leichteren Herzens durch Leben…

Genug räsoniert, es hilft ja doch nix. Schauen wir uns nochmal an der unbewohnten Küste um und werfen wir dort einen unauffälligen Blick auf die Feizeitbeschäftigung der älteren Generation: Während Opa auf einem gischtumspülten Felsen hockt und Fische aus dem Meer zu ziehen sucht, sitzt Oma im notdürftig beschatteten Kleinbus und strickt derweilen. Die mitgeführten Vierbeiner teilen den unaufgeregten Lebens­stil, dösen in der Sonne und lassen sich angesichts der fremden Wanderer noch nicht einmal zu einem lässigen »Wuff« herab.

strickendes Frauchen (im Fahrzeug), dösende Hundchen (davor)

So, wir nähern uns langsam dem Endpunkt unseres langen Marsches, der Touristen-Hochburg Marsaskala. Schon räkeln sich die ersten Miezen lasziv im Halbschatten der kunstvoll gestalteten (und selbstverständlich mit EU-Mitteln bezahlten) Bänke:

Katzen beim kollegialen Dösen

Cat content geht immer, wie der medienerfahrene zonebattler weiß. Obwohl er es ja an sich nicht nötig hat, seine Zugriffs-Statistiken durch derlei Tricks zu puschen. Freilich ist es mit dem öffentlichen Abbilden von Lebewesen so eine Sache: Bei zwei­bei­ni­gen Miezen kriegt man schon beim Fotografieren mitunter Unschönes an den Kopf geworfen (real oder verbal), außerdem kann das verletzte Recht am eigenen Bild noch Jahre später zur juristischen Stolperfalle werden. Ergo zeige ich in meinen vir­tu­el­len Wunderkammern nur dann (identifizierbare) Menschen, wenn diese sich mit mei­nem licht­bild­nerischen Ansinnen dezidiert einverstanden erklärt haben. Die be­pelz­ten Vierbeiner pfle­ge ich zu kraulen und ihr Schnurren als konkludente Zu­stim­mung zu werten. So einfach ist das.

Und damit lasse ich es für heute bewenden. Demächst geht es heiter weiter.

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Mittwoch, 3. Juli 2013

Die Verkehrsinsel (13)

Nach zehn im Wortsinne eindrucksvollen Tagen auf Gozo freuten wir uns auf die uns ver­bleibende Urlaubswoche auf der Hauptinsel Maltas. Wir setzten mit der Fähre über und wurden am Terminal bereits von einem persönlichen Chauffeur erwartet [1], der uns schnurstracks nach Valletta brachte und uns dabei aufgrund baubedingter Ein­bahnstraßen-Regelungen eine unfreiwillig-ausgedehnte Stadtrundfahrt durch das arg verwinkelte Labyrinth der engen Straßen und Gassen Vallettas zuteil werden ließ…

Wir boten dem gestreßten Fahrer schließlich an, die letzten paar Meter zu unserer neuen Herberge mit Sack und Pack zu Fuß zurückzulegen, aber eine derartige Ka­pi­tu­la­tion vor den Ver­hältnissen kam für ihn schon aus Gründen der Ehre nicht in Frage. Irgendwann schaffte er es dann schließlich doch, uns direkt vor dem Osborne Hotel abzuliefern.

Unser Zimmer dort war deutlich kleiner als das im Grand Hotel auf Gozo, dafür umso praktischer eingerichtet mit einer Vielzahl an Verstaumöglichkeiten. Es fehlte uns an nichts Relevantem. Also erst mal alles wieder ausgepackt und einsortiert, den kleinen Tagesrucksack geschultert und raus auf die Straße. Wo uns als erstes die Eleganz der Städterinnen auffiel, die sich stylistisch deutlich von der der Touristinnen abhebt:

in den Feierabend enteilende Malteserin

Valletta ist im Grunde wie Fürth: einerseits groß genug, um urbanes Leben zu be­her­ber­gen, andererseits klein genug, um ein überschaubares Kaff zu bleiben. Und überall historische Bausubstanz, womit sie allerdings auf Malta mindestens so sorglos um­zu­ge­hen scheinen wie bei uns in Fürth. Aber die von den Großmeistern des Malteser­ordens zur eindrucksvollen Festung ausgebaute Hauptstadt Maltas bietet noch mehr: italienische Einflüsse sind ebenso zu spüren wie arabische und afrikanische, wobei das mediterrane Flair noch mit einer ordentlichen Prise britischer Kolonial-Ära ge­würzt ist. Diese Mischung ist einigermaßen originell und anderswo nicht anzutreffen.

Finden tut man in so einer Melange Foto-Motive ohne Ende, die meisten Touristen sehen folgerichtigerweise die Stadt nicht primär mit eigenen Augen, sondern als Sucher-Abbild auf dem Display ihres unablässig vor die Augen gehaltenen Smart­phones! Auch der zonebattler hat natürlich oft seine Kamera in Anschlag gebracht, wobei es ihm wie meist weniger um die aus den Reiseführern bekannten »Sehens­würdig­keiten« ging, sondern um Lichtspiele, Details und Strukturen. Wie zum Bei­spiel um die Streife­nmuster von Wellb­läch­dächern, die ihre zufällige Fortsetzung in den vor ihnen gelagerten Ruderbooten fanden:

graue Dächer, blaue Boote

Derlei Motive mag ich gern, wozu sollte ich auch ablichten, was in jedem Bildband schöner zu sehen ist, weil deren Fotografen im Gegensatz zu mir bei Sonnenauf- oder -untergang zur Stelle waren, mithin die spektakuläreren Lichtverhältnisse vorteilhaft zu nutzen wußten? Eben. Unsereiner guckt da lieber untertags in die weniger re­prä­sen­ta­tiven Ecken. Und was sieht man da? Genau, die gleichen Nischenbewohner wie in Fürth:

von ihrer fotografischen Festhaltung befremdete Taube

Weitere Motive verdanken sich dem Umstand, daß man im Frühling, der Vorsaison also, noch nicht soviele Touristen antrifft, die durch ihre schiere Präsenz den Blick auf das strukturell Festhaltenswerte verstellen. So ein Bild wie das folgende wäre an einem hochsaisonalen Sommerabend sicherlich nicht so einfach und ohne längere Wart­ezeit einzufangen:

verwaiste Stühle und Tische in einem Café an den Festungsmauern Vallettas

Natürlich zog es uns bald auch wieder zu jenen schönen Orten, an denen wir schon im Jahr zuvor Gefallen gefunden hatten. Beispielsweise zu den Upper Barrakka Gar­dens, von denen schon im zweiten Teil die Rede war. Der weite Panoramablick über den Hafen lockt Schaulustige in großer Zahl an, auch wenn der eine oder die andere die imponierende Umgebung lieber zum Abschweifen in innere oder imaginäre Welten nutzt:

ins Lesen vertiefte Besucherin der Upper Barrakka Gardens

Richten wir aber die Linse dann doch noch über die Mauern und hinunter ins Wasser, wo sich vom Faltboot bis zur ausgewachsenen Bohrinsel (!) Wasserfahrzeuge aller Ka­te­go­rien und Gewichts­klassen tummeln und sich beobachten lassen:

kleiner Kutter bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Valletta

Ein paar Tage später entdeckte ich dann aber doch eine ganz neue Attraktion, von der ich schon auf dem Hinflug im Kundenmagazin der Air Malta gelesen hatte und die in nur wenigen Gehminuten vom Hotel aus zu erreichen war: Im »The Fortress Buil­ders Interpretation Centre« wird die Geschichte des Festungsbaus auf mul­ti­me­dia­le und didaktisch moderne Art und Weise erzählt und erläutert. Von den Anfängen der Verteidigungsbauten in frühgeschichtlicher Zeit spannt sich der Bogen über die regel­rechte Bauwut des Malteserordens bis hin zu den neuzeitlichen Bunkeranlagen der Briten im zweiten Weltkrieg.

Von den Exponaten verdienen die zahlreichen Modelle, die historischen Fotos und die großflächigen Bildtafeln besondere Erwähnung. Die Bildschirmstationen mit ani­mier­ten Präsentationen sind attraktiv gestaltet und verlocken zu stundenlanger Be­schäf­ti­gung damit: Der menschliche Erfindergeist war und ist in militärischen Belangen ja seit jeher am kreativsten. Auch klassische Architekturmodelle sind nach wie vor interessante Studienobjekte, erkennt man an ihnen doch die größeren Strukturen und Konzepte, die man – als kleiner Wicht vor den riesigen Originalmauern stehend – durch­aus beabsichtigterweise nicht wahrzunehmen imstande ist:

Holzmodell der Befestigungsanlagen Vallettas

In die Errichtung des Zentrums sind – wie bei vielen von uns besichtigten In­fra­struk­tur­maß­nah­men – beachtliche Menge an EU-Fördermitteln geflossen (genauer gesagt: stolze 85%), womit auch unsereins mit seinen Steuergeldern seinen kleinen Anteil am Ergebnis haben dürfte. Die deutsche (Mit-)Aufbauhilfe geht voll in Ordnung an­ge­sichts des Umstandes, daß die teutonische Luftwaffe vor 70 Jahren sehr wirkungsvoll und ungebetenerweise am Gegenteil mitgewirkt hat…

Leider haben zwischenzeitliche Wahlen und ein Regierungswechsel das schicke Zen­trum schon kurz nach seiner Eröffnung in eine prekäre Lage gebracht: Der Direktor hat Mühe, Druckerpatronen und andere Verbrauchsmaterialien zu finanzieren, seine wenigen wissenschaftlichen Mitarbeiter sitzen auf von daheim mitgebrachten Stüh­len. Cafeteria und Museumsshop existieren b.a.w. nur auf dem Papier, und für eine besucherzahlenfördernde Beschilderung im Außenbereich hat es auch nicht gereicht: Wie immer kommen die Mittel für den Bau aus anderen Töpfen als die für die Be­triebs­füh­rung und Instandhaltung, worauf ich später noch einmal zurückkommen wer­de. Für heute wenden wir uns kopfschüttelnd ab und linsen über die Schultern einer auf der obersten Terrasse an der Festungsmauer pausierenden Zentrums-Mit­ar­bei­terin hinüber nach Sliema:

Blick von Valletta nach Sliema

Tja. Hüben Festungswälle, drüben Bettenburgen. Solider ist allemal das alte Ge­mäu­er, schon wegen der Dicke seiner Wände. Dennoch fährt man mit dem Pa­ra­dig­men­wech­sel offenbar nicht schlecht: Während man die Invasoren früher erst mit Boll­wer­ken draußen und später mit Kanonen auf Distanz hielt, läßt man sie heute als zah­lende Gäste ins Land hinein und nimmt ihnen das Geld ab, ohne sich mit ihnen zu hauen. Eine klassische Win-Win-Situation!

Mit diesen philosophischen Betrachtungen verabschiedet sich der Autor für heute. In der nächsten Folge geht es raus aus der Hauptstadt, die Küste entlang. Allerlei merk­würdige Dinge gibt es nämlich auch da…

 
[1] Mit diesem uns kurzfristig angekündigten Service unseres Reiseveranstalters hatten wir gar nicht gerechnet: Aufgrund unserer ungewöhnlichen Reisebuchung mit Orts- und Hotelwechsel mittendrin waren wir davon ausgegangen, den »Zwischen­transfer« auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Ein Hoch auf die örtliche Stadt­halterin von FTI-Touristik, Frau Borg!

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Dienstag, 25. Juni 2013

Die Verkehrsinsel (12)

Mitunter kommt man sich auf Gozo und Malta recht verlassen vor, zumal beim Er­for­schen aufgegebener Gebäude, die es auf beiden Inseln in großer Menge gibt. Hier tappten wir nördlich von Żebbuġ an den Klippen der Qbajjar-Bucht auf ein von wei­tem tadellos in Schuß erscheinendes, an eine kleine Festung erinnerndes Gebäude zu:

aufgegebenes Restaurant an der Qbajjar-Bucht

Was uns da drinnen erwartete, war kein Museum, kein Laden und auch kein Lokal, sondern ein längst aufgelassenes Restaurant mit reichlich Spuren von Verfall und Vandalismus. Ein paar Fotos des traurig heruntergekommenen Zustandes aus dem Inneren des an sich ja prächtigen Gebäudes zeige ich in den Kommentaren zu diesem Beitrag. Hier an der Oberfläche gehen wir lieber rasch weiter, und drehen uns nur nochmal aus einiger Entfernung kurz um, um den an exponierter Lage errichteten Bau nochmal in voller Rest-Schönheit zu bewundern:

aufgegebenes Restaurant an der Qbajjar-Bucht

Die allerorten auffälligen Leerstände und aufgegebenen Häuser haben uns natürlich auf die Hintergründe neugierig gemacht. Die Antworten von befragten Einheimischen und darauf angesprochenen Reiseleitern reichten von schwer begreiflichen Dumm­hei­ten (Bauen auf unsicheren Tonschichten, auf denen die errichteten Bauten dann unter bedrohlicher Rißbildung ins Rutschen kamen und gesperrt werden mußten) bis hin zu den Tücken des lokalen Erbrechtes (Freibeträge nur auf Barvermögen, nicht jedoch auf Immobilienbesitz, so daß viele ungenutzte Häuser aus Steuer­ver­mei­dungs­grün­den lieber dem Staat geschenkt als weitergenutzt werden). Eine Immobilienblase, erbläht aus der Gier renditehungriger Investoren ohne Nachhaltigkeitsstreben, hat hier und da zum Bauen am Bedarf vorbei geführt, wovon wir am Schluß dieser Folge noch ein Exempel sehen werden.

Vorher aber wenden wir uns wieder landeinwärts und schauen uns nach den Menschen und deren besten Freunden um. Hier in dieser Genre-Szene sehen wir eine vor ihrem Haus handarbeitende Oma und ihren vierbeinigen Bewacher:

friedliche Dorfszene zur Mittagszeit

Wobei »Bewacher« eine recht euphemistische Zuschreibung ist: Wenn ich die 25 Aufnahmen, die ich von der alten Frau und Ihrem faltigen Gesellen gemacht habe, nach Art eines virtuellen Daumenkinos an meinem Monitor durchblättere, dann be­wegt sich die wettergegerbte Großmutter da um einiges mehr als ihr träges, quasi zur Salzsäule erstarrtes Hundchen. Vermutlich hätte ich sogar Oma samt Spitzen­klöp­pe­lei unter den Augen des alten Kameraden einsacken und forttragen können, bevor der überhaupt reagiert, geschweige denn »Wuff« gesagt hätte…

Weit weniger gemütlich aufgelegt waren diese beiden Kerle hier, die immerhin keine fliegenden Hunde waren und sich daher auch nicht wirklich von ihrer hohen Haus­mauer herunter trauten:

kläffende Köter

So furchterregend die kläffenden Köter auf den ersten Blick auch waren, im Grunde waren sie arme Schweine. Die Landbevölkerung – und das ist keineswegs nur auf Malta so – pflegt zu den ihnen anvertrauten, nichtmenschlichen Geschöpfen ein eher pragmatisches und nicht unbedingt von Empathie getragenes Verhältnis. Man möchte gar nicht wissen, was da so alles hinter den Mauern, Zäunen und Hecken vorgeht…

Immerhin scheint sich ein übergeordneter Gestaltungswille (mutmaßlich der EU-Büro­kratie) langsam auch der Beziehung von Mensch und Tier annehmen zu wollen, wie dieses Schild im Gemeindegebiet von Quala beweist:

Aufforderung zum Aufräumen hündischer Hinterlassenschaften

Angesichts der Lässigkeit, mit der die Insulaner ihre nicht verrottenden Kunststoff-Flaschen und anderen Zivilisationsmüll in die Landschaft werfen, muten Auf­for­de­run­gen zum Einsammeln hündischer Hinterlassenschaften nachgerade rührend an. Aber immerhin, schaden kann es nix, und wenn sich langfristig ein Gefühl für umsichtiges Handeln auf allen Ebenen breitmacht, kann man das ja nur begrüßen…

Begrüßt habe ich auch etwas ganz anderes, nämlich das von mir heißgeliebte, kalte »Mint Cornetto«-Eis, welches ich vor vielen Jahrzehnten in einem früheren Leben im Vereinigten Königreich Ihrer Majestät Elisatbeth II, damals noch unter dem insularen Markennamen »Wall’s« kennengelernt habe. In diesen globalisierten Zeiten weist das aus heimischen Gefilden wohlbekannte Langnese-Logo auf die Zugehörigkeit zum Unilever-Konzern hin, der immerhin den althergebrachten Geschmackspräferenzen Rechnung trägt und die britische Vorliebe zum Pfefferminz-Geschmack auch in den ehemaligen Kolonien hochhält:

grün ist der Pfefferminz, groß des zonebattler's Freude

Das in entlegener Küstenlage erstandene Eis erfreute nicht nur durch sein typisches Minze-Aroma, sondern auch durch seine sehr kusperige Waffeltüte, der offenbar ununterbrochenen Kühlkette sein Dank! Des zonebattler’s bessere Hälfte kann der Minzophilie des Berichterstattenden indes nur wenig abgewinnen und guckte daher lieber aufs Meer hinaus, welches an jenem windigen Tag recht munter an die Gestade schwappte uind die Klippen hinauf zoschte

sich gut behütet an den Naturgewalten erfreuen

Wie schon mehrfach hervorgehoben, wuselt das Heer der ein­hei­mi­schen wie ein­ge­rei­sten Menschen vornehmlich in den Städten herum, die insofern Ameisenhäufen ähneln. Außerhalb der Orte trifft man Zweibeiner regelmäßig nur in gut verträglicher Dosierung an, denn die Touristen sind überwiegend zu faul zum Wandern und die Insel-Bewohner anderweitig beschäftigt. Wer die Natur und die Einsamkeit liebt, kommt also auf Gozo und Malta auf seine Kosten, aller Sticheleien von mir gegen die eine oder andere Unsitte zum Trotze…

Was mich an an eine solche erinnert, die ich ja nochmals aufgreifen wollte, die des augenscheinlich sinnlosen Verschwendens von Geld und Grund zum Zwecke des Errichtens unnötiger und überflüssiger Bauten. Zum Exempel gibt es oberhalb des Hafenstädtchens Mġarr eine ausgedehnte alte Festung, das Fort Chambray. Inner­halb der meterdicken Außenmauern wurde in den letzten Jahren eine luxuriöse Apartment-Anlage mit mondänen Gemeinschafts-Pools errichtet, die auf den arg­lo­sen Besucher eingermaßen gespenstisch wirkt, da so gut wie unbewohnt und von allen guten Geistern verlassen:

gespenstisch leere Apartment-Anlage im Fort Chambray

Wir kamen uns dort vor in einem postapokalyptischen Endzeit-Film: Alle Häuser und Anlagen vom Feinsten, doch allenfalls in jeder zwanzigsten Einheit schien sich Leben zu regen, der Rest stand still und stumm herum, war offenkundig noch nie bezogen und zeigte schon erste Spuren von Verwitterung und Verfall. Sehr eigenartig! Angeblich leisten sich reiche Malteser hier (mit angesichts der Euro-Einführung rasch unterzubringendem Schwarzgeld) ein nobles Ferien-Domizil, welches sie nur wenige Wochen im Jahr bewohnen. Der Haken ist nur: Wer im Geld schwimmt und solchen Luxus haben zu müssen meint, der will auch Schickeria-Leben um und unter sich haben und kein verschlafenes Fischerdorf, an dem der Fährhafen das einzig nennens­werte Stück belebter Infrastruktur ist…

Egal, ein Rätsel mehr, welches einen Inselurlaub wie den unseren ja auch würzt. Damit genug von und mit Gozo, in der nächsten Folge geht es auf die Hauptinsel Maltas hinüber und in der Hauptstadt Valletta weiter!

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Montag, 17. Juni 2013

Die Verkehrsinsel (11)

Schon letztes Jahr staunten wir ja über die zahlreichen Kirchen, die über den erz­katho­lischen Inselstaat verstreut sein Landschaftsbild nachhaltig prägen. Eines der eindrucksvollsten Exemplare ist die Johannes dem Täufer geweihte Kuppelkirche von Xewkija, die wir hier aus einiger Entfernung alles andere überragen sehen:

Die große Kuppelkirche von Xewkija

Leider eignen sich diese weithin sichtbaren Landmarken nur bedingt zur Orien­tie­rung: Es gibt ihrer so viele, daß man seinen gottgefälligen Weg vor lauter Kirchen kaum sieht, ähnlich wie es sich im Sprichwort mit dem Wald und den Bäumen ver­hält. Wälder freilich gibt es auf Gozo nicht und in Malta nur einen dreiviertelten, insofern ist die enorme Packungsdichte von Gotteshäusern wohl durchaus als Aus­gleichs­maß­nahme zu werten…

Tags drauf haben wir uns dann die Church Of St John The Baptist nicht nur aus der Nähe, sondern auch von innen angesehen. Aus dem heimischen Sandstein gebaut, ist sie natürlich von entsprechender Farbgebung:

Innenansicht der Kirche von Xewkija

Neobarocke Architektur und quietschbunt manieristische Innenausstattung gehen Hand in Hand, was allerdings selten zu sehen ist, sind angemessen dimensionierte Orgeln. Tatsächlich findet man sogar in den größeren Kirchen oft gar keine »richtige« Orgel auf der Empore, sondern nur ambulant aufgeständerte Yamaha-Keyboards mit angeschlossenen Party-Beschallungs-Boxen. Verwunderlich, aber vermutlich auf eine nicht vorhandene heimische Orgelbau-Tradition zurückzuführen. Schade, Resonanz­raum und Volumen für die größten Baßpfeifen wäre vorhanden!

Jetzt aber wieder hinaus aus der weihrauchschwangeren Sakralatmosphäre an die frische (Meeres-)Luft, wo der Geruch des Meeres und der Blick in die Ferne zum Absprung in die Tiefe locken:

Sprungbrett in den Abgrund

Na ja, letztlich entsann ich mich dann doch des Umstandes, keine Flügel zu haben. Aber auch mit solchen hätte ich mich fürchten müssen: Hier am südlichsten Zipfel Gozos kam uns nämlich einer jener Ballermänner kurz ins Blickfeld, von deren (Un-)Taten wir ansonsten den ganzen Tag über ständig was zu hören bekamen:

Jäger mit Jagdhund

Einerseits katholisch sein und sonntags die Schöpfung lobpreisen, anderseits aber Teile derselben nach Kräften auszurotten, derlei Bigotterie ist nach wie vor bizarrer Alltag auf Gozo und Malta. Und dann laufen die Pistoleros resp. Flintoleros auch noch martialisch getarnt im Gelände herum, als ginge es darum, sich im Guerilla-Kampf einer Invasion übermächtiger Feinde zu erwehren. Man sollte die Piff-Paff-Puffis in einem abgegrenzten Gelände (gerne mit Tribünen drumherum) zusammenpferchen und sich gegenseitig abschießen lassen, daß hätte zumindest noch einen gewissen sportlichen Charakter…

Es braucht vermutlich noch Jahrzehnte, bis der kollektive Inselkoller soweit abgeflaut ist, daß Zugvögel auf der Route zwischen Europa und Afrika nicht mehr bei der Zwischenlandung um ihr Leben fürchten müssen. Womöglich liegt die Schießfreude der Gozitaner und Maltesen ja im militärischen Erbe begründet, dessen steinerne Zeugnisse (ähnlich wie die Kirchen) noch überall herumstehen und weithin zu er­spähen sind:

alter Wachturm an der Südküste Gozos

Themenwechsel: Wenn man den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und eine zwei­stellige Anzahl von Kilometern durch die Landschaft getrottet ist, dann freut man sich in den Abendstunden auf einen barrierefreien Spaziergang durch die Dörfer und Städtchen und hofft auf eine zum Naturerlebnis kontrastierende Auswahl an pitto­resken Fotomotiven. Meiner einer ist ja nicht schnell genug (weder von der inneren Einstellung noch von mitgeführten Ausrüstung her) zum Einfangen bewegter Objekte oder Lebewesen, auch neigt der zonebattler in seiner wehmütig-elegischen Grund­disposition ohnehin den melancholischen Motiven zu. Da kommt ein kamera­be­wehrter Tagesausklang im Hauptstädtchen Victoria (alias Rabat) gerade recht:

sommerliche Sonnenschirme, auf schattigem Platze den nächsten Morgen erwartend

Eigentlich müßte man bei sowas eine dicke Spiegelreflex auf das schwere Stativ schrau­ben, die Komposition skrupulös perfektionieren und erst dann genau einmal auf den Auslöser drücken. Meiner einer stellt sich breitbeinig selbst als Stativ vor das Motiv, drückt sich die schwenkdisplaytragende Knipse auf den Gürtel, zieht die Wampe ein und hält die Luft an, bevor er dann ein halbes Dutzend mal abdrückt (und später daheim das am wenigsten verwackelte Foto heraussiebt). Nein, für werbe­plakat­große Abzüge taugt die Vorgehensweise eher nicht, aber ja, ich will im Urlaub möglichst unbeschwert herumkrabbeln und nicht mehr kilogrammweise Fotoapparate mit mir herumschleppen…

So, nachdem wir gerade ein so schönes Rot als Blickfänger benutzt hatten, muß jetzt zur Abwechslung mal was blaues her. Und siehe, nur vier Minuten und wenige Dutzend Schritte später kam mir schon was Schönes vor die Linse:

blauweißes Moped

An diesem – vermutlich gar nicht so alten – Moped läßt sich einmal mehr das prag­ma­ti­sche Verhältnis der Bevölkerung zu Ihren Werkzeugen und Vehikeln illustrieren: Gepflegt wird nix (allenfalls notdürftig repariert, was sonst gar nicht mehr ginge), was abgewirtschaftet ist, wird ersetzt. Die für präventive Instandhaltung nicht investierte Zeit kann anderswie sinnvoll genutzt werden (z.B. zum Schrotschießen).

Aber jetzt will ich nicht länger nölen, ich bin ja schließlich selbst nicht konsequent und lichte einerseits knatternde Stinker ästhetisierend ab, die ich dann andererseits (mitsamt ihren Fahrern) verwünsche, sobald sie bestimmungsgemäßem Gebrauch unterzogen werden. Nochmal acht Minuten und ein paar Meter weiter fand ich zum guten Schluß dieses werbende Paddel eines Reiseveranstalters vor:

Werbepaddel

Von der mittleren Trendsportart hatte ich bis dato noch nie etwas gehört, wiewohl ich im Zivil- wie im Berufsleben schon manche Gelegenheit zum unauffälligen Abseilen ergriffen habe. Da mußte ich mich tatsächlich in der Wikipedia rückversichern, daß es das »Abseiling« tatsächlich als etablierte Bezeichnung gibt. Ein deutsch-englisches Lehnwort-Konstrukt, welches ich natürlich unverzüglich meinem Wortschatz ein­ver­leibt habe. Solch ein schönes Souvenir lobe ich mir: kostet nix, macht nicht dick und fängt keinen Staub.

Aus demselben mache ich mich aber jetzt und vertröste die geneigte Leserschaft auf den nächsten Teil, der etwa im Wochenabstand folgen wird…

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Montag, 10. Juni 2013

Die Verkehrsinsel (10)

Die Insel Gozo wollten wir uns primär per pedes erwandern, da traf es sich gut, daß das Frühstücks-Bufett im Grand Hotel zum Davonlaufen war. Also eigentlich nicht die dargebotenen Speisen, sondern vielmehr die immer gleiche Musikberieselung, die aus einem schwer erträglichen Mittelalter-Medley aus den 1970er Jahren bestand: Neben Abba-Evergreens (»Suuupaaaa Truuupaaa«) erodierten besonders die James-Last-Arrange­ments deutscher (!) Volkslieder unsere Hörnerven. Das britische Pub­li­kum indes nahm diese späte Rache des ehemaligen Kriegsgegners erstaunlich gleich­mütig, ja nachgerade stoisch hin. Womöglich haben die Engländer die easy-listening-Varianten von »Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus« und anderen germa­ni­schen Schenkelklopfern aber auch gar nicht erkannt…

Apropos erodieren: Die Erosion ist bekanntermaßen ein immer wiederkehrendes Motiv auf dem maltesichen Archipel, ich hatte letztes Jahr schon darüber ge­schrie­ben und werde auch diesmal mehrfach darauf rekurrieren. Weil den Maltesern und Gozitanern die Häuser von Wind und Wetter sozusagen unter dem Hintern weg­pulveri­siert werden, herrscht stete Nachfrage nach neuen Sandsteinen, wie sie in zahl­rei­chen Steinbrüchen im Wortsinne aus dem Vollen gesägt [1] werden:

Steinsäge in einem Steinbruch

Trotz sorgfältigen Sägens scheint es gleichwohl jede Menge Bruch zu geben, denn die Straßen, Felder und Äcker sind gesäumt von Steinen, die aus irgendwelchen Gründen nicht verbaut worden sind. Mitunter meint man, ein zorniges Riesenbaby habe seine LEGO-Kiste ausgeschüttet und den Inhalt über die Landschaft verstreut…

Die unversehrten Steine türmt man gerne auch himmelwärts zur Ehre Gottes auf, wie das Exempel der Pfarrkirche von Għajnsielem zeigt:

Die Pfarrkirche von Għajnsielem

Doch auch mit Gottes Segen wird sein Haus nicht so lange halten wie die bis heute erhaltenen Tempelanlagen aus der Jungsteinzeit, denn der Zahn der Zeit nagt schneller an dem weichen Material, als den jeweiligen Besitzern recht sein kann. Mitunter sieht das Zerstörungswerk der Elemente dabei sogar recht dekorativ aus:

stark verwitterte und erodierte Hausfassade

Körbe- bzw. speicherkartenweise könne ich hier Fotos von interessanten Mauern ausbreiten, von neuen und alten und solchen, bei denen die Datierung schwerfällt: Was heute in Remineszenz an den georgianischen Stil erbaut wird und noch gleißend gelb in der Sonne leuchtet, sieht wenige Jahre später oft schon aus wie aus dem 19. Jahrhundert überkommen…

Niemand scheint sich indes an dem eigentlich zu weichen Baumaterial zu stören, es hält ja immerhin auch die Baukonjunktur am Laufen, jedenfalls bis zur Erschöpfung der natürlichen Lagerstätten. Hier noch ein nettes Beispiel für das kreative Spiel mit Sandstein-Bauklötzen:

zugemauerte Türöffnung

Doch vorerst genug erzählt von des Menschen Wirken, jetzt schauen wir uns endlich in der Natur um. Von unserem hafennahen Stand- und Wohnort aus machten wir uns zunächst zu Fuß auf und erkundeten die Küstenlinie in der näheren Umgebung. Aber auch da begegnet man natürlich auf Schritt und Tritt der Erosion:

erodierender Sandstein an der Küste Gozos

Während sich daheim in Deutschland ein rechtes Frühlingswetter partout nicht ein­stell­en wollte, genossen wir in den ersten Tagen unseres Urlaubs auf den malte­sischen Inseln reichlich Sonnenschein, weswegen wir uns an allen exponierten Hautpartien gut mit Sonnenmilch präparierten und die Köpfe mit Tüchern gegen Hitz­schlag schützten. Man holt sich sonst leicht einen schweren Sonnenbrand und be­merkt das erstmal gar nicht, denn in Meeresnähe weht ja fast immer ein kühlen­des Lüftchen…

Wind und Sonne machen sich die Menschen hier übrigens seit jeher zunutze, um dem Meer sein Salz abzutrotzen: Noch heute finden sich überall ganze Netze an künstlich angelegten Bassins, in die das Meerwasser zur Verdunstung geleitet wurde. Auch wenn heute viele Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr betrieben werden, so sind sie immer noch gut erhalten vorhanden und schön anzuschauen. Wir haben ein Kilo feinsten Meersalzes selber händisch schöpfen und später als wohl­schmecken­des Souvenir mit nach Hause nehmen können:

Salzgewinnung in einer stillgelegten Verdunstungsanlage

Der Trick dabei war, nicht nach dem trockenen, bereits auskristallisierten Salz zu schielen (welches man wohl mühsam bergmännisch mit Hammer und Meißel abbauen müßte), sondern die noch feuchte, gesättigte Sole zu bergen, die sich sehr leicht auf­nehmen ließ und die nach dem Abtropfen der noch flüssigen Salzlösung im Hand­umdrehen zu einer Handvoll reinsten Meersalzes wurde. Natürlich kann man sich sowas auch abgepackt kaufen, aber selbstgefangenes Salinensalz schmeckt nochmal so gut!

So, nachdem wir das Salz für die Suppe eingesammelt und in einer dichten Plastikbox sicher verstaut hatten, wandten wir uns irgendwann landeinwärts und erfreuten uns an der üppigen Vegetation des gozitanischen Frühlings:

bunter Frühling auf Gozo

So bunt und blütenreich geht es hier freilich wirklich nur im Frühling zu: Im Sommer brennt die Sonne unbarmherzig auf die Inseln hernieder und läßt die steinige Land­schaft um einiges karger erscheinen. Wer Malta und Gozo bereisen und sich an der Flora ergötzen will, tut das am besten von April bis Juni, auch wenn die mittel­meeri­schen Wassertemperaturen dann noch nicht wirklich zum Bade laden…

Aber auch ohne den Drang zum Eintauchen in das noch etwas kühle Naß zog es uns immer wieder dorthin, wo die Wellen an die Gestade schlagen, sich allerlei Getier beobachten läßt (und leider auch mancherlei menschengemachter Müll). Sehr in­ter­es­sant sind überdies die zahlreichen wuchtigen Beobachtungstürme, die schon vor Jahr­hun­der­ten – zur Blütezeit des Malteserordens – errichtet worden sind, um etwaige Inva­soren rechtzeitig ausmachen zu können:

Der Dwejra Tower

Der im Bild gezeigte Dwejra Tower in der Nähe des berühmten Azure Window lohnt schon der grandiosen Aussicht halber die Besteigung, vorzugsweise dann, wenn sich gerade keine Schulklasse schnatternder Mädchen durch das Gebäude kichert…

Soviel für heute; Fortsetzung folgt !

 
[1] Recht eigentlich müßte man diese Abbaustätten eher als Steingesägen denn als Steinbrüche bezeichnen, denn die Quader werden ja eben nicht aus dem gelben Gestein gebro­chen, sondern gesägt. Man vergleiche dazu meine überaus stringente Argumentation in Sachen Zug/Schub.

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Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Verkehrsinsel (9)

Im letzten Teil der Reiseberichterstattung von 2012 hatte ich es schon angedeutet, daß es womöglich auch heuer wieder nach Malta gehen könnte. Und so kam es dann tatsächlich: Zur gleichen Jahreszeit wie im Vorjahr bereisten der zonebattler und seine bessere Hälfte von Ende April bis Anfang Mai für knapp drei Wochen den medi­terranen Inselstaat. Um der faktischen Fortsetzung des vorausgegangenen Urlaubs auch virtuell Rechnung zu tragen, setze ich die Serie unter dem gleichen Titel nahtlos fort und werde mir auch diesmal (über einige Wochen gestreckt) insgesamt acht bunt bebilderte Folgen abringen, zur Bewahrung meiner eigenen Erinnerungen und hoffent­lich auch zur Erbauung meiner geschätzten Leserschaft…

Also dann los: Nachdem sich ein durchgängiger Wohnort (Sliema) beim ersten Aufent­halt auf Malta angesichts der zeitraubenden Busfahrerei als suboptimal heraus­kristallisiert hatte, splitteten wir diesmal den Urlaub auf zwei weit aus­ein­an­der­liegende Standorte auf: Erst verbrachten wir zehn Tage auf der be­schau­li­chen Insel Gozo, nach deren ausgiebigen Erforschung wir dann noch für eine Woche auf die quirlige Hauptinsel, namentlich in die Hauptstadt Valletta übersiedelten. Hier zu­nächst die traditionsgemäß angefertigte Überblickskarte mit unseren vom stets mit­ge­führ­ten Vorratsdatenspeicher feinsäuberlich mitprotokollierten Wegen:

Gozo und Malta im Luftbild (Google Earth) mit eingearbeiteten GPS-Tracks

Doch halt, werfen wir noch einen kurzen Blick zurück auf die diesmal recht aben­teuer­liche Anreise: Während wir in 2012 noch recht kommod von Nürnberg aus direkt mit Air Berlin gen Malta schweben konnten, hat sich die von meinem Ex-Chef-Chef-Chef-Chef Hartmut Mehdorn geführte Airline inzwischen aus NUE weitgehend ver­ab­schie­det, so daß wir diesmal von MUC aus mit Air Malta fliegen mußten. Von Nürn­berg nach München zu kommen bedeutet normalerweise, eine recht unspektakuläre gute Stunde im ICE zu sitzen. Diesmal freilich standen wir dichtgedrängt im Zuge, denn aufgrund einer Kupplungsstörung in Köln verkehrte unsere blecherne Weißwurst an unserem Anreisetag nicht als Doppelzug, sondern als singuläre Garnitur. Immerhin, die Stimmung in der proppenvollen Sardinenbüchse war deswegen nicht etwa ge­dämpft, sondern eher recht entspannt bis unverdrossen fröhlich. Waren offenbar über­wiegend Profireisende unterwegs… [1]

Von München Hbf aus ging es dann mit der S-Bahn zum Flughafen, von dort in gerade einmal zweieinhalb Stunden über die Alpen, über Italien, über Sizilien und eine abschließende Handbreit Mittelmeer nach Malta. Dort erwartete uns ein Transfer-Bus, der uns über Land an den Städten vorbei (als einzige!) bis zum Fährhafen von Ċirkewwa brachte. Da ging dann der Urlaub für mich so richtig los… [2]

Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt vom Nordwestzipfel Maltas am kleinen Comino vorbei nach Gozo. Nur wenige hundert Meter oberhalb des Hafens von Mġarr bezogen wir Quartier im dortigen Grand Hotel, von dem aus man das Kommen und Gehen der Fähren wunderbar beobachten kann:

Fährschiffe der Gozo Channel Line im Hafen von Mgarr

Bei dem im Bild deutlich sichtbaren Wachturm handelt es sich übrigens um den St Mary’s Tower auf Comino; rechts hinten im Bild ist dann schon die Hauptinsel des maltesischen Archipels zu sehen.

Mit ihrem kompakten Arrangement von Fährschiffen, Fischerbooten, Kirchen, einer alten Festung und allerlei pittoresken Küstenabschnitten wirkt die Bucht von Mġarr ein wenig wie ein auf Lebensgröße hochskalierter Abschnitt einer fröhlich bunten (wenn auch schienenlosen) Modellbahnlandschaft:

Bunte Boote im Hafen von Mgarr

Unser preiswertes Zimmer mit Landblick erwies sich als unerwartet riesig und lu­xu­ri­ös, wenngleich sich ein paar Unterteilungen im Schrank und/oder eine schubladisierte Kommode als sehr hilfreich erwiesen hätten. Dafür gab es freies WLAN im ganzen Haus und damit drahtlosen Kontakt zu den Weiten der virtuellen Welt wie auch zur heimischen Sphäre, ein Umstand, den wir im Gegensatz zu manch anderen durchaus zu schätzen wissen.

Dem heimatlich dauerhaft trüben Wetter glücklich entflohen, mußten sich die Augen und der Blick erst einmal an die knalligen Farben und den wolkenlos blauen Himmel gewöhnen:

Und noch einmal bunte Boote aus anderer Perspektive...

Dank der (noch) nicht vorhandenen Verbindung der Inseln via Brücke oder Tunnel hat sich das landwirtschaftlich geprägte Gozo bis heute einen eher ruhigen und beschau­lichen Charakter bewahren können. Weil typische Urlauber-Attraktionen eher auf der Hauptinsel zu finden sind, kommen mit den ersten Fähren überwiegend Tages-Touristen nach Gozo geschippert, die am späten Nachmittag dann auch wieder weg­ge­schafft werden. Abends kehrt auf der kleinen Insel sehr schnell Ruhe ein, die allen­falls durch das Knattern eigenartiger motorisierter Gefährte unterbrochen wird…

geringmotorisierter gozitanischer Landmann, die Kurve kratzend

Schon in den frühen Morgenstunden findet die Nachtruhe indes ein jähes Ende, zumal im Frühling, wenn Jagdsaison ist und die gozitanischen Männer aus Mangel an sinnstiftenden Zerstreuungen auf alles ballern, was Flügel hat und flattert. Ich hatte auf diesen barbarischen Blödsinn weiland schon im ersten Teil hingewiesen, diesmal erlebten wir das stete Piff-Paff-Puff leider noch krasser. Überall im Gelände findet man provisorische Unterstände für Schrotflintenträger und drumherum aufgestellte »Präsentierteller« aus Steinplatten, auf denen sich arglose Piepmätze zu ihrer dann mut­maßlich letzten Rast niederlassen sollen. Man kann nur hoffen, daß diese Art von »Brauchtum« irgendwann vermittels einer zunehmend restriktiveren EU-Gesetz­ge­bung weitgehend ausradiert werden wird…

Ungewohnt sind übrigens auch andere Gebräuche der ansonsten durchaus friedlichen und freundlichen Insulaner; insbesondere erfreuen die allerort präsenten Beispiele krea­tiver Leitungsführung das Herz des Fotografen:

künstlerisch wertvolle Abwasserleitungsführung

Spätestens hier läuft der Chronist nun Gefahr, sich zu wiederholen, hat er doch in den ersten acht Teilen dieser Serie schon viel erzählt und gezeigt, was er auch in seinem diesjährigen Urlaub gesehen und fotografisch konserviert hat. Macht aber nix, Beispiele für umstandslose Selbsthilfe und unprätentiöses Improvisationstalent kann man schließlich immer zeigen, ohne sein Publikum zu langweilen:

ein Türschloß der ungewöhnlichen Art

Lassen wir den ersten Tag auf Gozo ausklingen mit einem stimmungsvollen Sonnen­untergang, den ich gerade noch rechtzeitig mit ambulant aufgestützter Kamera ein­fangen konnte:

Kirche im letzten Abendlicht

Im folgenden Teil werde ich dann von unseren ausgedehnten Wanderungen be­rich­ten, die uns vor allem entlang der einsamen Küstenlinie Gozos zahlreiche wunder­schöne Ausblicke – und auch manchen Weltschmerz – beschert haben.

 
[1] Harald Schmidt hat sich zu diesem Thema mal dezidiert geäußert, siehe hier.

[2] Beim Übersetzen nach Gozo gelang mir gleich der erste schöne Schnappschuß

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Sonntag, 19. Mai 2013

Damenbeine (9)

von böigen Winden dezent freigelegte Damenbeine auf einem Fährschiff
 
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