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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Donnerstag, 4. August 2016

Kopflosigkeit

Auf Käufer wartende Schaufensterpuppen-Torsi
Sonntag, 31. Juli 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (2)

Schon am zweiten Tage unseres Aufenthaltes machten wir uns selbdritt auf zu einer kleinen Städtetour in das knapp 50 km südöstlich gelegene Norrköping.[1] Bis in die 1960er Jahre hinein war die Stadt ein Zentrum der Textilindustrie, danach ging es wirt­schaft­lich steil bergab aufgrund sich wandelnder Konsumgewohnheiten und vor allem wegen der starken Konkurrenz aus fernöstlichen Billiglohnländern. Das Ende der Geschichte kennen wir aus eigener Anschauung, die Baumwollindustrie Erlangen-Bamberg Aktiengesellschaft (ERBA) läßt grüßen…

Immerhin haben sich in Norrköping trotz auch dort vorgekommener Abrißorgien et­li­che ansehnliche Industriebauten erhalten, die heutzutage verschiedenste Nachnutzung durch Behörden, Startups, Institute und kukturelle Einrichtungen erfahren:

saniertes Industriegebäude in Norrköping

Um dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie etwas entgegenzusetzen, wur­den Anfang der 1970er Jahre einige staatliche Behörden aus der Hauptstadt Stock­holm nach Norrköping verlagert. Der Vergleich mit Fürth, Grundig, Quelle und dem Bayerischen Landesamt für Statistik drängt sich da geradezu auf: Ähnliche Probleme werden halt allerorts mit ähnlichen Methoden bekämpft…

Wo der Abrißbagger in Norrköping Altes vernichtet hat, um Neuem Platz zu schaffen, ist oftmals architektonisch durchaus Vorzeigbares entstanden. Der Kontrast hat seine ästhetischen Reize, wenngleich sich fraglos nur eine dünne Schicht Gutverdiener das Leben im üppig verglasten Stadtloft leisten kann:

Neubau im Herzen Norrköpings, am Motala ström

Wir schlenderten noch ein Weilchen am Motala ström entlang und durch die sonn­täg­lich ruhige Innenstadt und befanden schlußendlich: Ja, hier ließe es sich wohl leben. Insbesondere dann, wenn einem das platte Land als zu einsam vorkommt und die Me­tro­pole Stockholm als zu groß…

Aber mit der Inspizierung Norrköpings war der Tag ja noch nicht annähernd gefüllt: Heiter weiter ging es daher in Richtung Ostseeküste, also erneut nach Südosten. Da­bei kamen wir durch einen Ort mit dem denkbar kürzesten Namen, der es allein deshalb schon verdient, hier festgehalten zu werden (Kuriositäten sind ja ein gern gerittenes Steckenpferd des Berichterstatters):

Ortschild von Å

Ja, der Ort heißt wirklich »Å«…[2] Ziel und Wendepunkt unseres Tagesausflugs war indes Tyrislöt, von wo aus man – am Ufer der Schärenmeeres stehend – diverse Schären sehen kann. Hunderte, nein Tausende Inseln säumen die Küsten, bis zum offenen Meer wäre man stundenlang unterwegs. Interessant ist die Erkenntnis, daß sich die nach Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher im Wortsinne »erleichterten« Landmassen auch heute noch – wenn auch langsam – heben (Stichwort: postglaziale Landhebung), was dazu führt, daß neue Inselchen enstehen, bereits vorhandene größer werden und frühere Häfen verlanden.

Leider war weder Zeit noch Gelegenheit, mit einem Postboot durch das steinerne Labyrinth zu schippern, aber das Gesehene war schon eindrucksvoll genug. So machten wir uns also auf den Rückweg und steuerten dabei noch das pittoreske Städtchen Söderköping an. An dessen Nordrand liegt der Göta-Kanal, und in dem wiederum fahren nostalgisch-schöne Passagierschiffe wie die hier exemplarisch fest­ge­hal­tene »Lindön« herum:

Dampfer »Lindön« im Göta-Kanal bei Söderköping

Söderköping gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Schwedens. Meiner einer hätte die vielen Holzhäuser aufgrund ihres makellosen Er­hal­tungs­zu­stan­des nicht unbedingt bis zurück ins Mittelalter datiert, aber ja, das Städtchen hat Charme!

Überhaupt kam sich der Chronist ständig wie in einer der aus Kindertagen er­in­ner­li­chen Fernsehserie schwedischer Provenienz vor. Alles sozusagen ziemlich putzig-pippi­lang­strumpfig in diesem in multipler Hinsicht mustergültigem Land…[3]

Holzhäuser in Söderköping

Als wir nach ausgiebiger Besichtigung Söderköpings den Ort verließen und die Heim­fahrt antraten, war es schon halb sieben Uhr abends. Ziemlich genau um 19 Uhr machten wir dann noch bei Finspång in einem Supermarkt Station, um uns für die folgenden Tage zu verproviantieren und des Freundes Speisekammer zu füllen.

Das sonntägliche (!) Einkaufserlebnis verdient eine ausführliche Würdigung. Zu­nächst einmal ist bemerkens- und festhaltenswert, daß auch an Sonntagen und bis in den späten Abend geöffnete Läden in Schweden nichts Besonderes sind, sondern gelebte Normalität. Kein Mensch käme hier auf die Idee, im angeblichen Interesse der Be­schäf­tig­ten eine allgemeine Sonntagsruhe einzufordern. Uns war es recht, wir schau­en uns in fremden Landen immer gerne Supermärkte von innen an, schon wegen der ungewohnten Produktvielfalt und -verpackungen. Die erste Überraschung erwartete uns aber bereits im Eingangsbereich des Einkaufzentrums:

Batterie von Scannerpistolen

Tja, was sind das wohl für eigenartige Gerätschaften, die da ihrer Entnahme durch den Kunden harren? Genau, Scannerpistolen! Mit diesen Dingern kann der Kunde während seines Einkaufsbummels selbst die gewählten Produkte registrieren und ihre Preise aufaddieren lassen, bei automatischer Berücksichtigung aller aktuellen Ak­tions­prei­se und Rabatte, versteht sich. Aber hallo!

Unser Freund delektierte sich an unserer Verblüffung, zückte lässig seine Kun­den­kar­te, checkte damit am Automaten-Terminal ein und bekam eine dieser Scanner-Pistolen zugewiesen. Für die griffbereite Aufwahrung der persönlichen Re­gi­strier­kas­se verfügt jeder Einkaufswagen über ein entsprechendes Drahtkörbchen:

Scannerpistole in ihrer Halterung

Mit dieser Laserkanone bewaffnet, macht sich der Kunde nolens volens zum Kom­pli­zen der Betriebswirte, die ihm einen Teil der personalintensiven Arbeit zur Ei­gen­er­le­di­gung übertragen. Die dafür gewährten Preisnachlässe und sonstigen Vorteile ma­chen sicherlich nur einen Bruchteil der Personalkosten aus, die man mit der flä­chen­decken­den Einführung solcher Gerätschaften einsparen kann. Von den Möglichkeiten der Aus- und Verwertung der von den Kunden freiwillig, nebenbei und massenhaft gelieferten Daten zum individuellen Konsumverhalten gar nicht zu reden!

Diskussionen über das Pro und Contra sind indes müßig, was wir in Schweden pro­to­ty­pisch beobachten konnten, wird bei uns auch so kommen, und zwar eher über kurz als über lang. Funktioniert hat das Einlesen der Produktdaten selbstverständlich pro­blem­los, und auch das Stornieren bereits registrierter Produkte bei spontaner Um­ent­schei­dung war kein Thema. Ein weiteres Faszinosum schwedischer Supermärkte und Dis­coun­ter (deutschstämmiger inklusive) sind übrigens die ausladenden Angebotswände für süße und salzige Schüttgüter:

Lakritz undd Gummibären galore!

Im Nachhinein war es womöglich ein Fehler, diverse lakritzoide Leckerlis zwar in großer Vielfalt probierhalber einzukaufen, aber überwiegend erst nach der Heimkehr nach Deutschland zu verkosten: Da waren dermaßen süchtig machende Exemplare dabei, die wir bei rechtzeitigem Ausprobieren vor Ort kiloweise gebunkert und bis zur Grenze des zulässigen Gepäckgewichtes in die Koffer gestopft hätten.[4]

Mit vollem Einkaufswagen gelangten wir schließlich im Kassenbereich an, den wir ohne zwischenmenschlichen Kontakt verließen, denn selbstedend braucht es weder für (bargeldlose) Zahlung, Pistolenabgabe und Kassenbon-Kontrolle das Zutun ir­gend­wel­cher Mitarbeiter(innen). Übrigens auch nicht zur Alterskontrolle, denn Spirituosen mit mehr als 3,5 % Alkoholgehalt bekommt man ohnehin nur in staatlichen Läden (zu deutlich restriktiveren Öffnungszeiten) zu kaufen. Im schwedischen Supermarkt gibt’s weder richtiges Bier noch Wein noch Eierlikör (letzteres zum argen Verdruß des Endesunterfertigten). So, aber nun Kofferaumklappe zu und genug für heute. Bis bald!

 
[1] Die Endsilbe -köping findet man bei schwedischen Ortsnamen relativ oft. Die Aussprache »-schöpping« deutet schon darauf hin, was damit bezeichnet wird, näm­lich eine Marktgemeinde. Sowas gib’s ja bei uns auch, siehe Neumarkt.

[2] …und ist damit sozusagen das Gegenteil der walisischen Zungenbrecher-Gemeinde Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.

[3] Am Rande sei vermerkt, daß ich ausgerechnet die Kinderserie »Pippi Lang­strumpf« als grauenvoll und zum Fremdschämen peinlich in Erinnerung behalten habe. Meine nunmehr durchaus vorhandene Affiniät zu Schweden existiert also nicht wegen, sondern trotz dieser medialen Kindheits-Remineszenzen…

[4] Schon das allein ist ein hinreichender Grund, spätestens im nächsten Jahr wieder Schweden anzusteuern. Die in den dort erhältlichen Lakritz-Delikatessen er­laub­ter­wei­se vorhandenen Konzentrationen von Süßholz und Ammoniumchlorid (aka Salmiak) gibt’s bei uns in Deutschland allenfalls in als »Erwachsenen-Lakritz« de­kla­rier­ter Importware.

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Freitag, 19. Juni 2015

Die Lärminsel (6)

Schon im ersten Teil meines Erinnerungs-Protokolles hatte ich ja über das Hotel Mono­pol geschwärmt und über die Aufmerksamkeit, die dort dem Gast ent­ge­gen­ge­bracht wird. Ein weiteres nettes Detail war die schriftliche Einladung zum mon­täg­li­chen Sangria-Umtrunk in der Palmenhalle, der den Rahmen bildete für eine kleine Rede des Hoteliers, in der dieser kurz die Historie des Hauses skizzierte und an­schlie­ßend »altgediente« Gäste mit Blumensträußen oder einer Flasche Wein für Ihre Treue ehrte. Den Rekord hielt ein älterer Herr aus dem großen Britannien, der tatsächlich schon zum 15. Male (!) im Monopol logierte.

Diesen Herrn sprach ich anderntags am Frühstücksbuffet an, gratulierte ihn mei­ner­seits zum unangefochtenen Stammgasttum und ließ mir von ihm meine Vermutung bestätigen, daß er nicht etwa seit 15 Jahren ununterbrochen in Puerto de la Cruz urlaubt, sondern zwei Mal im Jahr (frühlings wie herbstens) nach Teneriffa reist. Wir kamen rasch ins Plaudern, und der gebildete, aus Wales stammende Gentleman (ein pen­sio­nier­ter Geologe) erwies sich als überaus interessanter Gesprächspartner. Un­ser gemeinsames Faible für die Insel Malta sorgte für ein besonders witziges Er­leb­nis: Er zeigte mir auf seinem Tablet-Computer einen Schnappschuß vom dortigen Selmun Palace, ich zückte mein Smartphone und legte es fünf Sekunden später mit dem glei­chen Motiv auf dem Display (siehe hier, unterstes Foto) neben sein Gerät: zwei­mal die identische Perspektive, nur mit unterschiedlicher Lichtsituation (bedeckter Him­mel bei ihm, strahlende Bläue bei mir)…

Na jedenfalls hatten wir genug gemeinsame Themen für ausgedehnte Frühstücke. An meinem nun zweiten Tag mit individueller Motorisierung besprachen wir unsere je­wei­li­gen Tagespläne, und weil unser Gesprächspartner Teneriffa bestens kennt (was bei 15 Aufenthalten auf der Insel ja nun nicht weiter verwunderlich ist), haben wir ihm spontan angeboten, ihn kurzerhand mitzunehmen in Richtung Teide, wo man mit dem Bus nicht wirklich kommod hinkommt (es fährt nur einer am Tag dort hinauf, der nach stundenlanger Pause am Endpunkt der Route dann auch als einziger in der Gegenrichtung abends wieder herunterbrummelt). Selbdritt starteten wir also mit dem VW Polo in den Tag, schlängelten uns die TF-24 wieder hinauf und machten einen ersten Stopp bei der berühmten Lavarosette Piedra de la Rosa:

Piedra de la Rosa

Ist es nicht faszinierend, wie sich hier die Lava beim Abkühlen radial ausrichtet? Man könnte meinen, einen versteinerten Bohrwurm gigantischen Ausmaßes vor sich zu ha­ben…

Zurück ins Auto, zurück auf die Straße. Unser walisischer Tourenbegleiter schlug als nächstes Etappenziel das Besucherzentrum El Portillo vor, in welchem die vul­ka­ni­sche Geologie Teneriffas sehr anschaulich aufbereitet ist und multimedial präsentiert wird. Die modern gestaltete und aufwendig ausgestattete Anlage lohnt eine Visite, zumal sie selten übervölkert ist (unser kundiger Kumpan wußte zu berichten, daß die Ausflugsbusse hier mangels kommerzieller Angebote – Tinnef hier, Kaffee dort – nicht hal­ten, weil niemand da ist, der dem Reiseleiter und dem Fahrer Bakschisch zu­stecken könnte für eine abgesetzte Busladung konsumfreudiger Touristen).

Drumherum gibt es einen kleinen botanischen Garten, in dem sich zwischen den Pflan­zen auch allerlei Getier tummelt. Hier macht gerade ein ledrig-schuppiger Ka­me­rad blau:

schön gezeichnete Eidechse beim Besucherzentrum El Portillo

Wie sein von mir weiland auf La Palma abgelichteter Vetter wird der Kollege wohl der Art der Kanareneidechsen zugehörig sein. Dennoch bestehen Unterschiede, und die Bewohner La Palmas (Gallotia galloti palmae) erschienen mit in der Erinnerung als schneidiger und pfiffiger als die nahen Verwandten auf Teneriffa (Gallotia galloti galloti). [1]

Ja, hin und wieder möchte unsereiner auch ein behäbiges Reptil sein und den Tag weitgehend regungslos verdösen. War aber nicht drin, als wißbegierige Reisende weilten wir ja schließlich nicht zum Vergnügen hier! Also weiter im Text und in der Dramaturgie: Wir überspringen ein paar weitere Foto-Stopps und setzen ein mit bzw. an zu einer Wanderung rund um den Volcán de la Botija, einem kleineren Lava-Spucker westlich vom großen Teide (um den wir uns letztlich herumgedrückt haben, da wir uns weder für teuer Geld mit anderen Touristen in die Seilbahn-Gondel pfer­chen lassen wollten noch konditionsmäßig zum eigenfüßigen Aufstieg in der Lage sahen). Schon am Ausgangspunkt hatten wir einen wunderbaren Blick nach Westen auf das unter uns wabernde Wolkenmeer:

grandiose Aussicht von Montaña Samara aus

So, dann aber den Blick gen Osten gerichtet und losmarschiert. Des zonebattler’s bes­sere Hälfte und der links außerhalb des nächsten Bildes hinterherhinkende Wan­der­freund aus Wales bedienten sich dazu zweier zusätzlicher Extremitäten aus Metall, derweilen meiner einer in gebührendem Abstand hinterhertappte, um nicht allzuviel vom auf­ge­wir­bel­ten Feinstaub seiner beiden Vorgänger auf Leib und Linse gepudert zu be­kom­men:

Rundweg um den Vulkankrater

Sehen die Bäume nicht putzig und modellbahnmäßig aus? Da werden Erinnerungen an die Märklin-Bahn aus Kindertagen wach, auf der die Faller-Tannen-Bäumchen in ähn­li­chem Arrangement herumstanden und in vergleichbar künstlicher Anmutung! Ist aber dennoch alles echt hier in den Höhenlagen Teneriffas, selbst wenn der schwar­ze Aschen-Untergrund aus Vulkankotze einen ungewohnt außerirdischen Ein­druck hin­ter­läßt und die Einfassung der Pfade mit Lavabrocken genauso ausschaut wie die wei­land mit Ponal auf die Grasmatte geklebten Kalksteinsplitter…

Wenn man von hier aus auf die westliche Flanke des Teide blickt, kann man sogar in der zweiten Aprilhälfte noch ein paar kleinere Schneebretter erspähen:

Blick auf den Teide

Wie überlebt man hier in dieser wunderschönen, jedoch nachts empfindlich kalten und mittags mitunter recht heißen Wüstenei? Man spezialisiert sich: Eher un­be­weg­li­che Kreaturen wie die kanarische Kiefer »melken« die Wolken, indem sie mit ihren langen Nadeln die Feuchtigkeit aus dem Nebel auskämmen und sich damit sozusagen oberirdisch aus der Luft holen, was es unterirdisch nicht immer in ausreichender Men­ge gibt. Bewegliche Geschöpfe wie die Eidechsen sind das auch geistig und gucken gerne mal keck nach, ob die vorbeiwandernden Touristen einen Happen für sie übrig haben. Auf diese Art kam ein schuppiger Vierbeiner am Scheitelpunkt un­se­rer kleinen Vulkan-Rundwanderung zu einem Stück Reiswaffel, das ihm au­gen­schein­lich gut ge­mun­det hat. Frechheit siegt!

Nach erfolgreich absolvierter Rundwanderung waren wir allesamt einigermaßen er­schöpft und fuhren in weit ausholender Route über den Nordwesten der Insel wieder öst­lich rüber nach Puerto de la Cruz. Viel Auswahl hat man bei der an Höhenmetern reichen Topographie und den wenigen sie durchmessenden Straßen ohnehin nicht. Aber auch keine Langeweile, denn es gibt ja immer was Interessantes zu sehen.

So auch am dritten und letzten Tag mit dem Volkswagen, an welchem wir – nunmehr wieder nur zu zweit – gen Westen aufbrachen, um den gebirgigen Norwestzipfel Tene­rif­fas zu erkunden. Mit der genauen Schilderung der Route will ich die geneigte Leserschaft nicht langweilen, zumal es von der extremen Serpentinen-Kurbelei durch die Masca-Schlucht keine Fotos gibt: Erstens braucht man beide Hände (und die volle Konzentration) zum Fahren, zweitens können auch der beste Fotograf und die tollste Kamera nicht einfangen, was man dort mit allen Sinnen erlebt. Ich beschränke mich daher auf das Zeigen einiger graphisch und gestalterisch leidlich gelungener Auf­nah­men, die später an jenem Tag entstanden sind:

Detailansicht der Kirche von Santiago del Teide

Nein, das ist keine griechische Kapelle, das ist ein Detail der Kirche von Santiago del Teide, die in dem verlinkten Wikipedia-Artikel zur Gänze bewundert werden kann. Als wir nachmittags um vier dort angekommen waren, hatten wir schon etliche Auto- und einige Wander-Kilometer absolviert.

Später in Richtung Heimat weiterzuckelnd, machten wir nochmals Halt und Pause im beschaulichen Städtchen Icod de los Vinos, um der dortigen Berühmtheit, einem an die 400 Jahre alten Drachenbaum, unseren Besuch abzustatten. Ja, er ist imposant, aber nein, so wahnsinnig anders als die andernorts wachsenden Exemplare ist er nun auch wieder nicht. Mir gefielen eher die Durch- und Fernblicke, die sich beim Pas­sie­ren mancher Gassen unverhofft auftaten:

Eine Gasse in Icod

Zugegeben, die ambulante Verkabelung ist nicht unbedingt der ästhetischen Weisheit letzter Schluß, der elektrischen auch nicht, aber irgendwie gehört derlei letztlich doch zum südländischen Lokalkolorit mit dazu.

Vielleicht tendiert der Mensch als solcher ja schon faul­heits­hal­ber zur gestalterischen (Nach-)Lässigkeit, wenn die umgebende Natur in eigener Regie umso üppiger um op­ti­sche Opulenz bem­üht ist:

üppiger Mauerbewuchs

Welche Farbenpracht, was für Kontraste! So ging auch unser dritter Tag mit dem ausgeborgten Vehikel gut gelaunt zu Ende. Das Fahrzeug ward ohne große For­ma­li­tä­ten wieder abgegeben, man ist verblüfft ob der hemdsärmeligen Art, mit dem derlei dort erledigt wird: Ein argwöhnischer Teutonen-Dienstleister hätte zumindest den Tankfüllstand kontrolliert und die Karre auf offensichtlich Beschädigungen unter­sucht; in Spanien sieht man das entspannter und scheint trotzdem nicht schlecht damit zu fahren. [2]

Wir waren nunmehr also wieder unbereift und tappten ausrüstungsbehängt zurück zum Hotel. Der Urlaub näherte sich seinem Ende. In der siebten und letzten Folge lasse ich es in einer Woche aber noch einmal so richtig krachen auf der »Lärminsel«!

 
[1] An dieser Stelle muß ich bestürzt einräumen, was lange schon als unbequemer Verdacht in mir herumgeisterte: Meine Urlaubsfotos der letzten Jahre sind sich oftmals zum Verwechseln ähnlich! Zumindest könnte ich problemlos ein Memory-Spiel damit bebildern: Hier ein Paar blauhalsiger Eidechsen (La Palma dort, Teneriffa da), ein Paar Palmen, zwei Kärtchen mit Fischerbooten aus Malta und Mallorca, und, und, und. Ich sollte wirklich zwischen den Insel-Urlauben mal eine gänzlich anders ge­ar­te­te Destination ansteuern, um wieder auf andere Gedanken (und zu neuen Motiven) zu kommen…

[2] Wer wie wir gerne wandert, dem sei unsere praxisbewährte Vorgehensweise zur Nachahmung empfohlen: Man buche im Vorfeld nur Flug, Hotel und Transfer. Die Start- und Zielpunkte vieler Wanderungen sind mit dem Bus schnell und preiswert zu erreichen, man braucht dafür kein eigenes Fahreug. Für ausgedehnte Insel-Touren oder zum Erreichen entlegener Orte kann man sich für ein paar Tage problemlos kurzfristig vor Ort einen Mietwagen nehmen und sich dabei auch nach dem Wetter richten. Würde man schon von daheim aus ein Auto bestellen, ist man terminlich schon festgelegt und kommt vermutlich kaum günstiger weg!

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Samstag, 6. Dezember 2014

Neubettung

Nach exakt 10078 Nächten (gleich 27 Jahren, 7 Monaten und 2 Tagen) schickt der zonebattler heute seine geliebte Dunlopillo-Latex-Matratze Modell »Prestige« in den verdienten Ruhestand und bettet seine irdische Hülle ab sofort auf eine dicke Feder­kern­matratze vom Typ »Miami« mit sage und schreibe 1000 Federn drinnen:

frisch gekaufte und verladende Matratzen

Lob und Preis sei hiermit dem unbekannten Fachberater gezollt und die Gerz Ma­trat­zen GmbH aus dem nahen Langenzenn nachdrücklich weiterempfohlen, in deren (in einem dröge-tristen Industriegebiet gelegenen) Fabrikverkaufsräumen wir heute in aller Ruhe und ohne jeden Streß probeliegen konnten. Zwei Daumen hoch!

 
P.S.: Die Firma beliefert überwiegend Geschäftskundschaft, also Hotels, Kliniken, Einzel­händler usw. Der Verkauf an Endverbraucher ist quasi ein »Mitläufergeschäft« und ist nicht begleitet von schrillen Sonderaktionen und wirrer (Des-)Information. Das freut den Autor, der solide Beratung gerne mit einem öffentlichen Fingerzeig ohne Wissen des Empfohlenen und ohne dadurch erlangte Preisvorteile honoriert.

P.P.S.: Gleich am Anfang des nämlichen Industriegebiets hat auch die uns freund­schaft­lich verbundene weber und hermann metallgestaltung GbR ihren Sitz. Wer einen künstlerisch gestalteten Zaun, eine individuelle Grabdekoration oder ein ex­klu­si­ves Bettgestell sucht, ist bei den Schmiedemeistern (und Meisterschmieden) Uwe Weber und Roland Hermann und ihren wackeren Mannen an der richtigen Adresse und in den besten Händen!

P.P.P.S: Lesen hier schon wieder Berliner Reklame-Fuzzies mit? Hier entlang, bitte!

Sonntag, 2. November 2014

Bonjour tristesse (57)

aufgelassener Lotto-Laden (Nürnberg, Allersberger Straße)
 
aufgelassener Lotto-Laden (Nürnberg, Allersberger Straße)
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Mittwoch, 29. Oktober 2014

Altglasverwertung

Als neulich jemand im von mir fast täglich bespielten Old-Fidelity-Forum in der An- und Verkauf-Rubrik ein olles iPad der ersten Generation in neuwertigem Er­hal­tungs­zu­stand anbot, schlug ich ohne langes Überlegen zu und erstand das originäre und damit technik-historisch bedeutsame Tatsch-Tablett für einen schlanken Hunderter. Im Laufe der Abwicklung stellte sich heraus, daß der Verkäufer nicht nur ein Vor­na­mens­vetter von mir ist, sondern auch noch am gleichen Tag Geburtstag hat, was den doppelsteinböckischen Deal schon mal unter einem guten Sternbild ablaufen ließ.

Das neue alte iPad 1 auf dem Wohnzimmertisch

Wenige Tage später kam per Post ein wohlriechender Schuhkarton an, der ur­sprüng­lich lederne Damenstiefel beherbergt hatte von der gleichen Größe, wie sie auch des zonebattler’s besserer Hälfte passen würden. Was mich aber nicht zum Spinnen von abstrusen Verschwörungs-Theorien veranlaßte: Das dem Karton entnommene iPad entpuppte sich in der Tag als makellos und im Vollbesitze seines ursprünglich mit­ge­lie­fer­ten Original-Zubehörs. Für kleines Geld (sprich mit Porto immer noch für einen einstelligen Betrag) ließ ich mir noch aus England eine hauteng geschnittene Hülle aus einem silikonartigen Weichmaterial kommen, welche die Rückseite des Pads und dessen Kanten vor Beschädigungen schützt und den ganzen Apparillo überdies grif­fi­ger in der Hand liegen läßt. Perfekte Paßform, perfekter Start!

Der Auslöser für den Spontankauf war die vage Idee, das bescheiden bestückte Brett­chen (WLAN-Version, 16 GB Massenpeicher) als drahtlos angekoppeltes Inter­net­radio zur Musikbeschallung über die große HiFi-Anlage einzusetzen. Später kam die Über­legung hinzu, das iPad auch für jene Aufgaben heranzuziehen, die der Autor dieser Zeilen gemeinhin auf dem vom Arbeitgeber gesponsorten iPad neuerer Bauart seiner Lebensgefährtin ausführt, wenn diese abends noch am Hauptcomputer im großen Salon zugange ist und weder das gemeinsame Sofa noch ihr eigenes iPad in Beschlag nimmt. Verführerisch nahm also der Gedanke Konturen an, das neue/alte Pad zur Emanzipation vom gerne gegriffenen Tablett der Freundin zu benutzen und sich dann in den letzten Stunden des ausklingenden Tages nur noch um den besten Platz auf der Couch balgen zu müssen…

App-Icons im Detail

Das Ertüchtigen eines alten Gerätes für aktuelle Zwecke aber ist in der Tat nicht ganz so einfach, denn die Hardware der 1. iPad-Generation ist nach heutigen Maßstäben uralt bis prähistorisch, auch wenn die Markteinführung gerade mal vier Jahre her ist. Folgendes muß man wissen (und damit leben können), wenn man es mir nachtun und ein billig erschnapptes iPad mit Gewinn und Spaß betreiben will:

  • Das Ur-iPad hat keine Kameras eingebaut, Knipsen, Skypen und dergleichen fällt also schon mal flach. Braucht aber längst nicht jede(r), und auch aktuelle Pads saugen weder Staub noch waschen sie das Geschirr ab.

  • Die Auflösung des Bildschirms ist mit 1024 x 768 Pixeln sichtbar gröber als die heutigen »Retina«-Displays mit der vierfachen Pixelzahl (2048 × 1536) auf gleicher Fläche. Dazu sage ich gleich noch was…

  • Der nicht erweiterbare Arbeitsspeicher zur Programm-Ausführung (RAM, nicht zu verwechseln mit dem Massenspeicher zur Datei-Ablage) ist mit 256 MB grenzwertig knapp bemessen, was man sehr bald bemerkt, wenn man mit dem Safari-Webbrowser komplexe Seiten ansurft, die den Browser dann urplötzlich abstürzen lassen. Ganz klar ein Fall von failure by design!

  • Im gegenwärtig tobenden Wettbewerb zu kleinerer, leichterer, schickerer, tol­le­rer Bauform kann man mit dem bauchigen Boliden keinen Blumentopf mehr gewinnen. Andererseits: Ein paar Zentimeter am eigenen Bauchumfang ab­ge­speckt (und ein paar Kilo Gewicht gleich mit abgeworfen) sowie im Gegenzug die Armmuskulatur gestärkt wäre das erstrebenswertere und die eigene Be­find­lich­keit deutlich mehr befördernde Ziel…

Also gut, ich hatte also ein schwachbrüstiges Ur-iPad in Händen und schickte mich an, es im Rahmen des Möglichen zu optimeren. Als sehr erfreulich erwies sich schon mal die immer noch sehr respektable Akku-Laufzeit, bei täglicher Benutzung für 1-2 Stunden muß das Pad allenfalls zweimal pro Woche an die elektronenspeisende Na­bel­schnur gehängt werden. Gemessen hab ich’s nicht, aber die Durchhaltezeit ist wirk­lich noch beeindruckend und mehr als nur OK. Wollen wir hoffen, daß das so bleibt.

Das schmucklose Auftreten der »radio.de«-App

Die Sache mit der Auflösung des Displays ist auch weit weniger dramatisch als an­fangs befürchtet: Natürlich sieht schon das unbewaffnete Auge – das kritisch-ge­schul­te des zonebattler’s zumal – den Unterschied zur vierfachen Pixelzahl und ent­spre­chend höheren -dichte sofort, wenn altes und neues Pad nebeneinanderliegen und zum Vergleich das gleiche Bild anzeigen. Nur: Wenn die Schrift so winzig wird, daß man sie auch mit Brille kaum noch lesen kann, dann zoomt man sie halt mit einer Zwei­finger-Geste auf, und dann ist sie auf dem alten Display so gut zu lesen wie auf dem neueren. Bei Fotos und Videos bemerkt man sowieso kaum einen Unterschied, das liegt in der (physikalischen) Natur der Sache.

Als schwieriger erwies sich der Umgang mit der Software, sprich das Bestücken mit An­wen­dun­gen (neudeutsch »Apps« geheißen): Da das iPad 1 als letzte be­triebs­system­seitige Ausbaustufe unter iOS 5.11 läuft (die derzeit aktuelle Version für jüngere Gerä­te ist iOS 8.1), kann man sich nur solche Apps herunterladen und installieren, die auch unter dieser alten Betriebssystemvariante lauffähig sind. Das sind bei weitem nicht alle, im Gegenteil: Viele Apps erfordern heutzutage mindestens iOS 6 oder gar iOS 7, um sich überhaupt auswählen und ausprobieren zu lassen…

Diashow mit Fotos von einer der diesjährigen Wanderungen

Aber da sich ja unsereins ausweislich des eigenen Impressums als Tüftler sieht und betrachtet, war das eher eine Herausforderung als ein Ärgernis. Nach einigen Stun­den erwartungsfrohen Experimentierens kann ich in der Tat sagen, daß man mit einem alten iPad immer noch einigermaßen vorne mitspielen kann, wenn man her­vor­ra­gen­de Verarbeitung und solide Handhabungs-Qualitäten ebenso schätzt wie intuitiv be­dien­ba­re Software. Nachfolgend empfehle ich ein paar ressourcensparende Werk­zeu­ge für die mir persönlich wichtigen Einsatz-Szenarien:

  • Internettiges Radiohören funktioniert hervorragend mit der App radio.de. In der nach Genre sortierbaren Senderliste findet jede(r) die eigenen Lieb­lings­sen­der! Meiner einer läßt sich gerne von barocken Trompetenkonzerten, ge­le­gent­lich aber auch von loungigem Smoothgejazze hintergrundbeschallen: Was draht­los per WLAN vom Router rein­kommt, wird vom iPad via Bluetooth eben­so schnurlos an ein an die große HiFi-Anlage angestöpseltes Empfängerlein wei­ter­ge­reicht. Kommode Bedienung und eine mehr als nur befriedigende Klang­qualität: Das war’s, was ich suchte und wollte. Allein dafür hat sich die An­schaf­fung (aus meiner höchst subjektiven Sicht) schon rentiert!

  • Videos gucken will man auch hin und wieder, sei es, um sich an tolpatschigen Katzenbabies zu ergötzen, sei es, um sich mit anderen infantilen Bewegt­bil­dern den Feierabend zu versüßen: Dafür taugt die mitgelieferte YouTube-App allemal! [1]

  • Um von Kanapee oder Fauteuil aus mal eben elektrische Post zu empfangen und zu versenden ist die gleichfalls zur Grundausstattung gehörende Mail-App bestens geeignet.

  • Zum Surfen in den Weiten und Tiefen erweist sich der Grazing Web Browser als zuverlässiger Partner, der aufgrund seines cleveren Speicher-Managements deutlich seltener abstürzt als der reguläre Standard-Browser Safari. Klasse!

  • Zum Bilder herumzeigen hat man mit der Standard-App Fotos schon das nötige Tool an Bord. Wie aber die vorzuführenden Schnappschüsse auf das Pad brin­gen, ohne sich und seinen Rechner mit dem unsäglichen iTunes-Programm kon­ta­mi­nie­ren zu müssen? Dafür gibt es allerlei Transfer-Apps, die alle ähnlich funktionieren: Man startet die App auf dem Pad, ruft auf dem PC (der dabei im gleichen Netzwerk angemeldet sein muß) eine bestimmte Adresse im Web­brow­ser auf und kann dann über ein Webinterface die zu übertragenden Bild­da­teien auswählen und einem Album zuordnen. Aus der Fülle ähnlicher Apps habe ich mit WiFi Album Free eine noch unter iOS 5.11 ihren Dienst tuende Variante gefunden. Deren Bedienoberfläche schaut zwar nicht so schick aus wie die an­de­rer Produkte, funzt dafür aber tadellos, und das ist ja schließ­lich das einzig relevante Kriterium…

  • Für den seltenen Fall, daß dem zonebattler zum Ferngucken zumute ist (etwa 1x alle 14 Tage), ist es schön zu wissen, was gerade läuft, denn der zeit­rau­ben­den Zapperei will unsereiner nicht mehr erliegen. Daher lautet meine Em­pfeh­lung für ein visuell schick aufbereitetes TV-Programm: Klack für Tablet. Mit wenigen Hand- bzw. Fingergriffen wählt man seine Sender aus und sortiert sie in die gewohnte Reihenfolge, und schon kann man in einer Zeitschiene mit allen Sendern untereinander sehen, was gerade wo ausgestrahlt wird.

  • Benötigt man zwecks Vor- oder Nachbereitung einer Wanderung oder Radtour geographische Orientierung, so ist das vorinstallierte Google Earth die ebenso naheliegende wie optimale Wahl.

  • Last but not least will man sich vielleicht mal Notizen machen, wenn einen der Geistesblitz trifft und Papier und Bleistift gerade nicht in Griffweite sind. In diesem Fall kriegt man UPAD Lite umstandslos was später noch Lesbares auf’s Glas gekrakelt…

Mehr brauche ich nicht, mehr nutze ich nicht, nach mehr verlangt es mich nicht, und das gilt im Großen und Ganzen auch für das neuere und softwaremäßig auf dem aktuellen Stand der Technik befindliche Pad der besseren Hälfte. [2] Insofern hat sich der Apfel-Kauf für mich gelohnt, wobei ich aber auch weiterhin Birnen und andere Früchte zu goutieren gedenke.

Die in Google Earth visualisierte Route der Steigerwald-Wanderung vom letzten Sonntag

zonebattler’s Fazit: Ein aktuelles iPad ist schön und teuer, ein älteres erheblich bil­li­ger, aber immer noch fesch und nicht nur als Briefbeschwerer nützlich!

 
[1] Bei der Gelegenheit sei erwähnt, daß mir die App-Icons des alten iOS 5.11 in ihrem nach offizieller Apple-Doktrin inzwischen geächteten Skeuomorphismus erheb­lich besser gefallen als die neuen Symbolbildchen. Namentlich ist mir beispielsweise das frühere YouTube-Icon – ein knuffig-stilisertes Abbild eines Röhrenfernsehers aus den 1940er Jahren – erheblich sympathischer als das rote »Play«-Dreieck auf weißer Tastenfläche im roten Kästchen beim aktuellen iOS. Apple fiele kein Zacken aus der Krone, wenn sie dem Benutzer die Wahl ließen zwischem einem »modernen« und einem »klassischen« Symbolsatz…

[2] Über die Tauglichkeit der hauseigenen Orga-Anwendungen (Erinnerungen, Ka­len­der, Kontakte, Nachrichten, Notizen) kann ich nicht urteilen, da mir sowohl die Apple-Cloud als auch andere wolkige und nebulöse Dienste zutiefst suspekt bis zuwider sind: Ich mag meine vertraulichen bis geheimen Daten nicht plapper­taschi­gen Apps anvertrauen, sondern speichere sie seit vielen Jahren in meinem ollen Palm-Organizer ab, den ich an und mit allen von mir benutzten PCs offline via Kabel oder Infrarot-Auge synchronisiere. Man mag mich dafür belächeln, aber es funk­tio­niert bestens: Ich habe noch nie irgendwelche für mich relevanten Daten verloren, nicht bei Bedarf zur Hand gehabt oder fahrlässig wildfremden Leuten zugänglich gemacht. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Sonntag, 28. September 2014

Klimawandel

Bananenstaude in einer Plantage auf La Palma (Kanaren)
 
Abb. 1: Bananenstaude in einer Plantage auf La Palma (Kanaren)
Bananenstaude im Stadtpark von Fürth (Bayern)
 
Abb. 2: Bananenstaude im Stadtpark von Fürth (Bayern)
Als ich vor gut 15 Jahren nach Fürth gezogen bin, war ich sehr angetan vom Under­state­ment einer kleinen Großstadt, die – eingeklemmt zwischen den un­ein­hol­bar reichen Stief­schwestern Erlangen und Nürnberg – ihren eigenen, ehr­li­chen und bodenständigen Weg zu suchen schien.
 
Heute blicke ich enttäuscht und ernüchtert auf eine provinzielle Kommune, die ihr »Tafelsilber« – namentlich ihr architektonisches Erbe – verschleudert, und in der längst nicht mehr die gewählten Politiker, sondern Bauträger, In­ve­sto­ren und andere Vertreter von Partikularinteressen die Marschrichtung zu be­stim­men scheinen.
 
Kein Wunder, daß in solchen Verhältnissen längst auch die Bananen gedeihen…
Freitag, 20. Juni 2014

Ja? Nein!

Die Entwöhnung von der Muttermilch seinerzeit als narzißtische Kränkung erlebt habend und dies nachhaltig zu kompensieren suchend, ist der zonebattler vor mehr als einem halben Jahrhundert passionierter (Kuh-)Milchtrinker geworden und bis auf den heutigen Tag geblieben. Und während er ihm verkostungshalber vorgesetzte Weine jeglicher Provenienz und Güteklasse auch im reifen Alter allesfalls in »sauer« und »weniger sauer« zu kategorisieren vermag, so verfügt er in Sachen Milch über einen sehr ausgeprägten Geschmackssinn und nimmt feinste Nuancen war, die an­de­ren Lebensteilnehmern verborgen bleiben. Einzig »Frischmilch« kommt ihm ge­mein­hin über die Zunge und auf die Geschmacksknospen, verpöhnt ist insbesondere die sogenannte »H-Milch«, deren Geschmack indiskutabel ist und die allenfalls in kleiner Dosis im Kaffee geduldet wird, wenn andernorts gerade nichts Besseres zur Hand ist.

Seit einigen Jahren nun versucht der Handel, Milchtrinker mit »länger haltbarer« ESL-Milch zur sorgloseren Vorratshaltung zu animieren. Das Kürzel »ESL« steht für »extended shelf life« und bezeichnet de facto ein Zwischending zwischen Frischmilch und H-Milch, wobei sich das »zwischen« nach Meinung des Autors dieser Zeilen sowohl auf die Haltbarkeitszeit als auch den Geschmack bezieht. Echte Frischmilch gab es in den letzten Jahren (die teuren Ultra-Öko-Flaschenabfüllungen im Bioladen lassen wir jetzt mal außen vor) im Wesentlichen nur noch bei REWE, weshalb der zonebattler seinen Wochenbedarf von sechs Litern (je drei Liter mit 3,5% und 1,5% Fettanteil) regelmäßig in der freitäglichen Mittagspause in Nürnberg einkaufte, um ihn zum vorwochenendlichen Feierabend dann nach Fürth zu schleppen. Ja, das ist un­patriotisch, aber nein, ich mag daheim nicht nochmals ausrücken müssen für Be­sor­gungs­gänge, die ich in der berufshalber frequentierten Ostvorstadt en passant er­le­di­gen kann…

Zurück zum Thema. Seit letzter Woche gibt es bei REWE verdrießlicherweise auch nur noch gefälschte Milch im »ja!«-gelabelten Tetrapack zu kaufen:

REWE »ja!«-Milch alt (links) und neu (rechts)

Man beachte die dezenten Unterschiede zwischen der »traditionell hergestellten« Frischmilch-Packung (links) und der für die nur unter größtem Widerwillen »genieß­baren« ESL-Milch. Mit der Bezeichnung »länger haltbar« suggeriert einem der Handel einen Vorteil, der – zumindest aus Kundensicht – keiner ist: Länger haltbar ist auf meiner Zunge primär der eklige Nachgeschmack der ihrer natürlichen Eigenschaften weitgehend beraubten Milch. Es ist zum Mäusemelken! OK, bei längerem Nachdenken über diese Option dann eher doch nicht…

Interessant sind übrigens auch Details wie das offenbar neu angefertigte Foto, er­kenn­bar am anderen Glas und der gänzlich unterschiedlichen Luftblasenbildung an der Oberfläche der darin enthaltenen Milch (oder was immer da im Studio für das An­fer­ti­gen des Produktbildes ins Glas gekippt wurde). Auch vom kursiven Schriftschnitt ist man aus unerklärlichem Grunde abgekommen: Vermutlich lautete die Vorgabe an den Grafiker: »Mach‘ alles anders, aber es soll so aussehen wie vorher, damit der Kunde nicht verwirrt ist.«

REWE »ja!«-Milch alt (links) und neu (rechts)

Was also tun? Na ja, manche REWE-Filialen bieten immerhin noch »traditionell her­ge­stellte« Alternativen unter anderem Markennamen und zu deutlich höheren Preisen an. Welche zu akzeptieren ich durchaus bereit wäre, wenn das Geld denn auch mehr­heitlich beim Erzeuger ankäme. Freilich zeigten gelegentlich angestellte Ex­peri­men­te, daß manch‘ andere, für’s doppelte Geld eingekaufte Milch schon vor dem Er­rei­chen ihres Mindesthaltbarkeitsdatums bitter, flockig oder gar sauer geworden ist, etwas, was mir mit der früheren »ja!«-Milch so gut wie nie passiert ist. Ja, ich weiß um die Bedeutung der ununterbrochenen Kühlkette, und nein, ich biege mir die Welt nicht zurecht: Die alte »ja!«-Milch war – bei Würdigung der konsumierten Mengen und der gegebenen Begleitumstände – für mich die beste erhältliche Labsal! Die neue aber… Nein!

Glasflaschen beim Bio-Supermarkt zu holen ist mir übrigens zuviel der Schlepperei, zumal ich der Öko-Bilanz von Mehrwegflaschen im Vergleich zum Tetra-Pack eher skeptisch gegenüberstehe. Ich bin also momentan ratlos, wie ich mich mit meinen 54 Lenzen milchtechnisch über die nächsten 46 Jahre retten soll. Bleiben Sie dran, ich werde in den Kommentaren über Fortschritte (und ggf. Rückschläge) in dieser für mich lebenswichtigen Frage berichten…

Montag, 24. März 2014

Strahlemann

Ich bewundere meinen Kumpel Jörg alias »Zappo« unter anderem wegen seiner krea­tiven Geschäftsideen, vor allem aber für deren stets ruckzuckige Umsetzung: Wäh­rend meiner einer noch das Für und Wider eines Geistesblitzes erwägt und mit dem Kopf bedenkenschwer hin und her wackelt, verdient der umtriebige Freund schon gutes Geld mit seiner Eingebung…

Sein neuester Geniestreich ist ein sensationell simpler Bausatz zur Reichweiten­steigerung von Fritz!Box-WLAN-Routern: Jeder Laie kann damit sein drahtloses Heimnetz im Handumdrehen »aufblasen«, so daß auch auf Terrasse bzw. Balkon oder auch im entlegenem Kinderzimmer der Datenfunk zuverlässig ermöglicht wird.

Der Trick besteht im Stillegen der stylishen Stummelantennen und deren Ersatz durch normalgroße Strahler. Das Ergebnis ist so überzeugend, daß man sich fragen muß, warum der Hersteller seine Geräte nicht gleich serienmäßig mit »anständigen« An­ten­nen ausliefert. Wäre man zynisch, würde man mutmaßen, daß die hauseigenen Be­triebs­wirte vermittels absichtlich reichweitenbeschränkter Drahtlos-Router den Um­satz der parallel angebotenen WLAN-Repeater ankurbeln wollen…

So weit, so spekulativ. Nicht spekulativ, sondern nachgerade spektakulär ist die mecha­ni­sche Ausführung des Umbausatzes: Die Fritz!Box-Modifikation ist komplett reversibel und hinterläßt nicht die geringsten Spuren am Gerät. Sollte also jemals eine Garantie-Reparatur fällig werden (womit freilich angesichts der wertigen Ver­ar­bei­tung der AVM-Geräte nicht wirklich gerechnet werden muß), so ist der Original­zustand mit wenigen Handgriffen wiederherstellbar. Das ist der eigentliche Clou an der ganzen Sache!

Frustrierend an der Sache ist für den Schreiber dieser Zeilen der Umstand, daß seine eigene Fritz!box älteren Semesters zwar eine »richtige« Antenne hat, aber leider nur eine einzige, weshalb der Freisitz auf dem entfernten Küchenbalkon letztlich doch für sie unerreichbar bleibt. Aber ein Repeater kommt deswegen trotzdem nicht ins Haus, dann gibt’s halt draußen weiterhin Donauwellen statt Funkwellen zum Kaffee…

Samstag, 7. Dezember 2013

Schock am Samstag

Der zonebattler tappt zum Briefkasten runter, öffnet ihn, und … eine Flut an Briefen fällt ihm entgegen und auf den kalten Boden des Hausflurs. 24 Stück an der Zahl, ein kaum zu überbietender Rekord!

20 Stück davon kommen erstaunlicherweise vom gleichen Absender, einer der von uns vor Jahren bespielten Direktbanken:

20 Biefe, 1 Absender: unverhoffter Papier-Segen

Wegen Nicht-Anschauung der in der elektrischen Post-Box abgelegten Mitteilungen und Kontoauszüge sieht sich die Bank verpflichtet, uns alle verschmähten Dokumente nunmehr in Papierform zuzustellen. Was uns theoretisch je 10 x 0,58 EUR = 5,80 EUR Faulheits-Porto kosten würde. Praktisch stehen nach wie vor nur je 0,01 EUR auf den längst verwaisten Tagesgeld-Konten, so daß da nix zu holen ist.

Ob wir deshalb irgendwann mit dem Besuch des Gerichtsvollziehers zu rechnen haben? Ich hoffe nicht! Jedenfalls werde ich mich demnächst zwischen den Feiertagen mal in alle Bank-Accounts einloggen, um die Kenntnisnahme aller eingegangenen Benachrichtigungen per Mausklick zu quittieren. Eine abendfüllende Beschäftigung!

P.S. Da jeder Brief zusätzlich zum eigentlichen Dokument je ein Anschriften- und ein Erläuterungsblatt enthielt, konnte ich mir aus diesen 20 x 2 überzähligen DIN A4-Bögen soeben insgesamt 40 x 4 = 160 Notizzettel im Format DIN A6 zurecht­schnip­peln. Ist ja auch was Schönes…

Freitag, 22. November 2013

Mogelpackung

Auf dem morgendlichen Weg zum Fürther Hauptbahnhof hat der zonebattler heute am Wegesrand eine herrenlose Einkaufstüte erspechtet und diese samt Inhalt aus Gründen der Erhaltung der Stadtbildästhetik selbstverständlich sofort sichergestellt. Der im Büro inspizierte Bodenfund erwies sich zunächst als erfreuliche Überraschung, denn die neutralweiße Plastiktüte enthielt eine originalversiegelte Pralinenschachtel kosovarischer Provenienz:

geborgene Pralinenschachtel, geschlossen

Mnjammnjam, dachte sich da der frohe Finder, und errechnete überschlägig einen Schnabulier-Vorrat von vier Reihen zu je sechs Schokogranaten, mithin 24 Exempla­ren in toto. Wer aber beschreibt sein langes Gesicht, nachdem er erwartungsfroh den siegelnden Tesafilm durchtrennt und den Deckel abgehoben hatte? Diese Ansicht hier präsentierte sich dem darob verdutzten wie befremdeten Schokoladenfreund:

geborgene Pralinenschachtel, geöffnet

Statt zwei Dutzend Leckerli enthält die Schachtel gerade mal 14 Stück! Die geschickte Gestaltung des Schachteldeckels suggeriert Fülle, wo tatsächlich überwiegend Leere herrscht: Nur unter dem transparenten Folieneinsatz des Pappdeckels ist das Be­hält­nis mit Ware bestückt, der Rest ist Luft und Plastik. Beschiß hoch drei! Na wenig­stens hat das Sonderangebot vom Universum nix gekostet…

Montag, 3. Juni 2013

Farbe bekennen (2)

Wie meine Fürther Leserinnen und Leser vermutlich allesamt längst wissen, soll in der Innenstadt unter dem abgegriffenen Titel »Neue Mitte« ein Einkaufszentrum enstehen, dem allerlei alte Gebäude, insbesondere aber das markante Park-Hotel und dessen denkmalgeschützter Fest-Saal zum Opfer fallen sollen. Übrigens ohne daß damit ein nennenswert anderes (oder gar besseres) Waren-Angebot in die Stadt käme als schon vorhanden ist: Im wesentlichen werden nämlich die bereits präsenten Filialisten in die neue Immobilie ziehen (und ihre bisherigen Standorte im Fürther Stadtzentrum als verwaiste Leerstände hinterlassen).

Das Hin und Her um die Planungen, die Investorenauswahl und die mitunter merk­würdi­gen Begleitumstände sind an diversen Stellen dokumentiert, beispielsweise auf der Homepage der Bürgerinititative »Eine bessere Mitte für Fürth«, der Website des Vereins »Wir sind Fürth«, aber auch in der Rubrik »Häuserkampf« des von mir herausgegebenen und betriebenen Bürger-Blogs »Fürther Freiheit«. Wer sich dort einliest und kundig macht, wird ein Delta entdecken zwischen der von der Stadt versprochenen Transparenz und Bürgerbeteiligung einerseits und den tatsächlichen Abläufen und Entscheidungen andererseits…

Als überzeugter Wahlbürger der Stadt Fürth, der vor 33 Jahren hier seine Ausbildung begonnen hat und seit fast 14 Jahren hier lebt, bin ich der Meinung, daß man nicht nur den heute allseits bedauerten Abrißsünden der Vergangenheit hinterherweinen darf, sondern auch verhindern muß, daß eine kurzsichtige Politik neue Sünden begeht und weitere restaurationsfähige Altbausubstanz den Investorenwünschen opfert. ich mache daher auf die von Stadtheimatpfleger Dr. Alexander Mayer initiierte Online-Petition »Kein Abbruch des historischen Festsaals in Fürth (Bayern)« auf­merk­sam und rufe bitte, diese zu unterzeichnen. Es geht dabei wohlgemerkt nicht um das Verhindern von längst überfälligen infrastrukturellen Verbesserungen, sondern um das Erhalten und Reparieren von Alleinstellungsmerkmalen, um die man uns ringsherum be­nei­den würde: Ein neues Einkaufszentrum in und um einem im alten Glanz er­strah­len­den Festsaal mit Markthallen-Funktion, das ist das Pfund, mit dem Fürth wuchern könnte. Langweilige 08/15-Kommerzbauten gibt’s nebenan in Erlangen und Nürnberg schon mehr als genug!

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