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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Sonntag, 7. Mai 2017

Auf neu­en WE­Gen

Frü­her ha­be in mei­ner Blog-Ru­brik »Kul­tu­rel­les« des Öf­te­ren über Ver­nis­sa­gen und Aus­stel­lun­gen be­rich­tet, ir­gend­wann hat mich aber an­ge­sichts des Zeit­auf­wan­des und des la­ten­ten Pro­blems mit Bild­rech­ten die Lust dar­an ver­las­sen. Vor­ge­stern Abend kam mir je­doch et­was un­ter die Au­gen, was mich der­ma­ßen in­ten­siv be­ein­druckt und nach­hal­tig be­gei­stert hat, daß ich nicht um­hin kom­me, mei­ner ge­schätz­ten Le­ser­schaft heu­te da­von zu be­rich­ten.

Arbeit aus dem Zyklus »WEGen« (Foto: Ralf Dieter Bischoff)

Schon die­ses mit der Ein­la­dung ver­schick­te Bild ei­ner sche­men­haf­ten Tra­ban­ten­stadt (er­ste As­so­zia­ti­on: Lang­was­ser?) weck­te mei­ne Neu­gier: Ist das wirk­lich ein Fo­to und kein Ge­mäl­de oder ei­ne ko­lo­rier­te Zeich­nung? Was hat es mit den Dop­pel­kon­tu­ren auf sich? Wie mö­gen die pa­stel­li­gen Far­ben ab­seits des leuch­ten­den Mo­ni­tor­bil­des wir­ken? Ich war an­ge­fixt, ob­wohl ich den sub­kul­tu­rell an­ge­hauch­ten Ver­an­stal­tungs­ort an sich in eher un­an­ge­neh­mer Er­in­ne­rung hat­te... [1]

Nun aber end­lich zur Aus­stel­lung mit dem kryp­ti­schen Ti­tel »WE­Gen« und den groß­for­ma­ti­gen Fo­to­gra­fien von Ralf Die­ter Bi­schoff. Als Ar­chi­tek­tur-Fo­to­graf hat Bi­schoff ja ge­mein­hin die Auf­ga­be, das greif­bar ge­wor­de­ne Er­geb­nis des Ge­stal­tungs­dran­ges an­de­rer Leu­te im ge­ge­be­nen räum­li­chen Kon­text ab­zu­lich­ten. Das ist frag­los nicht ein­fach und er­for­dert ei­ni­ges an Krea­ti­vi­tät und Kön­nen, bleibt aber letzt­lich pro­fes­sio­nell aus­ge­üb­tes Hand­werk im Rah­men ei­nes klar um­ris­se­nen Auf­tra­ges. In sei­nen frei­en Ar­bei­ten kann der Fo­to­graf aber die­se Ein­engung hin­ter sich las­sen, und das Re­sul­tat ist nach mei­nem Da­für­hal­ten sen­sa­tio­nell, ja nach­ge­ra­de um­wer­fend:

Arbeit aus dem Zyklus »WEGen« (Foto: Ralf Dieter Bischoff)

Was den Blick des Be­trach­ters hier in streng sym­me­tri­scher Flucht­punkt-Per­spek­ti­ve ge­ra­de­zu an­saugt, ist die fo­to­gra­fi­sche Ab­bil­dung ei­ner Hoch- oder Schwe­be­bahn, wie wir sie hier­zu­lan­de aus Wup­per­tal ken­nen. Wo­bei uns Bi­schoff frei­lich be­wußt nicht ver­rät, wo er sei­ne Mo­ti­ve ge­fun­den hat. Auch über den ge­nau­en Ent­ste­hungs­pro­zeß sei­ner Bil­der läßt sich der Künst­ler nicht aus: Zum ei­nen si­cher­lich aus dem nach­voll­zieh­ba­ren Grun­de, po­ten­ti­el­len Nach­ah­mern nicht die Quint­essenz sei­nes La­bo­rie­rens als fer­ti­ges Re­zept an die Hand ge­ben zu wol­len, zum an­de­ren viel­leicht aber auch aus dem Wis­sen her­aus, daß die Ma­gie sei­ner bild­ne­ri­schen Schöp­fun­gen nicht re­du­ziert wer­den kann auf ein stu­pi­des se­ri­el­les Ab­ar­bei­ten de­fi­nier­ter tech­ni­scher Pro­zeß­schrit­te. Im­mer­hin ist zu er­fah­ren, daß die spä­ter über­la­ger­ten Teil­bil­der je­weils sämt­lich am glei­chen Ort ent­stan­den sind, wenn auch zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten und mit ab­wei­chen­den Blick­win­keln bzw. Aus­schnit­ten.

Viel in­ter­es­san­ter sind oh­ne­hin die kon­zep­tu­el­len Über­le­gun­gen hin­ter den Wer­ken, wel­che man viel­leicht als »sub­li­mier­te Quint­essenz von Träu­men« be­schrei­ben kann. Der Mei­ster selbst führt da­zu aus: »Wenn wir ei­nen Ort be­su­chen, er­in­nern wir uns da­nach an die­sen durch die Sum­me der Mo­men­te un­se­res Er­le­bens. In mei­ner Ar­beit will ich die fo­to­gra­fi­sche Ab­bil­dung des ei­nen so­li­tä­ren Mo­ments auf­bre­chen, da die­ser nie­mals oh­ne ein Vor­her und Nach­her exi­stie­ren kann. So wer­den meh­re­re Bil­der nicht-sta­ti­schen Er­le­bens in nur ei­nem Bild vi­sua­li­siert. Die Ver­knüp­fung meh­re­rer Fo­to­gra­fien in ei­nem Bild lie­fert so ein ein­zel­nes, nicht ganz fass­ba­res Bild, das die von Stim­mun­gen und Ge­füh­len be­ein­fluss­te Er­in­ne­rung ein­zu­fan­gen ver­sucht. Ein­zel­ne Sze­nen die im Kopf blei­ben, zeich­nen so oft kein kla­res Bild, son­dern eher ei­ne ver­misch­te Ah­nung der Rea­li­tät von ge­stern.«

Wir al­le ken­nen ja die ver­misch­ten, ver­wisch­ten (und oft ge­nug auch ver­klär­ten) Er­in­ne­run­gen an Or­te, die letzt­lich nichts mehr mit der (als be­glückend, be­droh­lich oder wie auch im­mer emp­fun­de­nen) sub­jek­ti­ven Rea­li­tät zu tun ha­ben, son­dern nur noch als ei­ne Art »spuk­haf­te Er­schei­nung« in un­se­rem Ge­dächt­nis her­um­gei­stern. Ralf Die­ter Bi­schoff bringt das er­staun­li­che Kunst­stück zu­stan­de, die­se sei­ne per­sön­li­chen »Er­in­ne­rungs­fet­zen« mit fo­to­gra­fi­schen Mit­teln ein­zu­fan­gen und zu ma­te­ria­li­sie­ren:

Arbeit aus dem Zyklus »WEGen« (Foto: Ralf Dieter Bischoff)

Für mich (und in mir) brach­ten die Bil­der noch ganz an­de­re Sai­ten zum Schwin­gen: Die Far­ben er­in­ner­ten mich an Ge­mäl­de von Wil­liam Tur­ner, ein­zel­ne Mo­ti­ve und Bild­kom­po­si­tio­nen an ab­stra­hier­te Hom­ma­gen an die al­ten Hol­län­der (Brueg­hel!), die fran­zö­si­schen Im­pres­sio­ni­sten, Spitz­weg gar! Ob das nun zu­viel des lai­en­haf­ten Hin­ein­in­ter­pre­tie­rens ist, sei da­hin­ge­stellt, für mich wa­ren die­se An­klän­ge durch­aus evi­dent und mei­ne Be­gei­ste­rung wei­ter an­fa­chend.

Die hier ge­zeig­ten Ab­bil­dun­gen ver­mö­gen üb­ri­gens die Viel­schich­tig­keit der Wer­ke nicht an­nä­hernd an­zu­deu­ten: Je nä­her man an ei­ne der Fo­to­gra­fien tritt, de­sto mehr (er­staun­lich scharf aus­zu­ma­chen­de) De­tails wer­den sicht­bar und ver­lei­ten zu de­tek­ti­vi­schen Ein­ord­nungs- und Iden­ti­fi­ze­rungs­ver­su­chen. Ent­fernt man sich da­ge­gen, wird der Ein­druck im Wort­sin­ne ne­bu­lös und ge­heim­nis­voll bis hin zur Ab­strak­ti­on. Sel­ten so ge­staunt!

Mit ei­nem Preis von EUR 2.200 pro Bild sind die groß­for­ma­ti­gen Ar­bei­ten [2] nicht eben bil­lig, aber durch­aus als preis­wert zu be­zeich­nen [3], er­hält man da­für doch nicht nur ein au­ßer­or­dent­li­ches Kunst­werk, son­dern auch die pas­sen­de Prä­sen­ta­ti­on in ei­nem per­fekt ge­ar­bei­te­ten Schat­ten­fu­gen­rah­men, des­sen le­ben­dig ge­ma­ser­tes Holz ei­nen un­an­ge­mes­se­nen Ein­druck von zu kli­ni­scher Sach­lich­keit gar nicht erst auf­kom­men läßt. Kunst und Kön­nen in per­fek­ter Syn­the­se, da­von sä­he ich ger­ne und häu­fi­ger mehr!

Die Aus­stel­lung »WE­Gen« ist noch bis zum 3. Ju­ni 2017 in der Knau­er­stra­ße 3 in Nürn­berg zu se­hen (Do. und Fr. 14–18 Uhr; Sa. 12–16 Uhr und nach Ver­ein­ba­rung). Ge­le­gen­heit zum per­sön­li­chen Kon­takt mit dem Künst­ler be­steht am 25. und 26. Mai von 14–18 Uhr.

 
[1] Lau­ren­tiu Fel­ler und sei­ne mitt­ler­wei­le als »raum für zeit­ge­nös­si­sche kunst.« fir­mie­ren­de Ga­le­rie in Go­sten­hof sei­en hier­mit re­ha­bi­li­tiert: In­zwi­schen raucht auch dort längst nie­mand mehr in­häu­sig und der Kunst­ge­nuß wird nicht län­ger durch ver­gif­te­te Atem­luft tan­giert und ver­dor­ben!

[2] 130x90 bzw. 90x130 cm net­to, al­so je­weils zu­züg­lich Rah­men.

[3] Ich weiß na­tür­lich auch, daß sich die Fo­to­gra­fie ge­ne­rell schwer­tut, als Kunst­gat­tung an­er­kannt zu wer­den: Die tech­ni­sche Re­pro­du­zier­bar­keit der Ar­bei­ten ist die Achil­les­fer­se, die dem fo­to­gra­fi­schen Werk den Nim­bus des Uni­ka­tes nimmt. Wenn ein(e) Kunstmaler(in) für das Re­sul­tat ei­nes Nach­mit­tags ei­nen vier­stel­li­gen Preis an­setzt, so geht das je­der­zeit in Ord­nung. Wenn aber ein Fo­to­künst­ler für das Er­geb­nis wo­chen­lan­ger Fein­ar­beit das glei­che ha­ben mag, rümpft ein Teil des Pu­bli­kums die Na­se. Da­ge­gen hel­fen auch streng li­mi­tier­te Auf­ga­ben we­nig, denn »knip­sen kann ja je­der«. Nun ja, ma­len so ge­se­hen aber auch...

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Präch­ti­ges Prag (1)

Impressionen aus Prag
 
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Dienstag, 28. Juni 2016

Som­mer­li­ches Stock­holm

Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
Impressionen aus Stockholm
 
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Impressionen aus Stockholm
 
Sonntag, 17. April 2016

Rei­sen ins Licht (3)

Heu­te eil­ten zonebatt­ler, bes­se­re Hälf­te & friends in die Lan­des­haupt­stadt, um sich in der Kunst­hal­le Mün­chen ei­ne in den Feuil­le­tons viel­ge­prie­se­ne Aus­stel­lung an­zu­se­hen: »Joa­quín Sorol­la / Spa­ni­ens Mei­ster des Lichts«

In der Ausstellung 'Joaquín Sorolla / Spaniens Meister des Lichts'

Bis vor ei­ner Wo­che konn­te ich mit dem Na­men des spa­ni­schen Im­pres­sio­ni­sten nichts an­fan­gen, jetzt wer­de ich ihn zeit­le­bens nicht mehr ver­ges­sen. Was die­ser Mann vor gut 100 Jah­ren auf die Lein­wand ge­bracht hat, strahlt bis heu­te glei­ßend hell und er­wärmt das Herz des über­wäl­tig­ten Be­trach­ters. Mei­ner ei­ner war den Trä­nen schon lan­ge nicht mehr so na­he wie heu­te in die­ser ful­mi­nan­ten Werk­schau.

In der Ausstellung 'Joaquín Sorolla / Spaniens Meister des Lichts'

Wer da sagt, das Ta­fel­bild ha­be sich über­lebt in der Kunst, der mö­ge sich in Mün­chen ei­nes Bes­se­ren be­leh­ren las­sen. Der Be­richt­erstat­ter emp­fiehlt aus­drück­lich die Aus­lei­he und aus­gie­bi­ge Be­nut­zung des an­ge­bo­te­nen Au­dio Gui­des: Das Ge­hör­te schärft den Blick un­ge­mein.

Die Aus­stel­lung läuft noch bis zum 3. Ju­li. Bes­ser kann man 12 EUR gar nicht an­le­gen.

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Freitag, 17. Juli 2015

La Bi­en­na­le (2)

Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2015
 
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Freitag, 19. Juni 2015

Die Lärm­in­sel (6)

Schon im er­sten Teil mei­nes Er­in­ne­rungs-Pro­to­kol­les hat­te ich ja über das Ho­tel Mo­no­pol ge­schwärmt und über die Auf­merk­sam­keit, die dort dem Gast ent­ge­gen­ge­bracht wird. Ein wei­te­res net­tes De­tail war die schrift­li­che Ein­la­dung zum mon­täg­li­chen San­gria-Um­trunk in der Pal­men­hal­le, der den Rah­men bil­de­te für ei­ne klei­ne Re­de des Ho­te­liers, in der die­ser kurz die Hi­sto­rie des Hau­ses skiz­zier­te und an­schlie­ßend »alt­ge­dien­te« Gä­ste mit Blu­men­sträu­ßen oder ei­ner Fla­sche Wein für Ih­re Treue ehr­te. Den Re­kord hielt ein äl­te­rer Herr aus dem gro­ßen Bri­tan­ni­en, der tat­säch­lich schon zum 15. Ma­le (!) im Mo­no­pol lo­gier­te.

Die­sen Herrn sprach ich an­dern­tags am Früh­stücks­buf­fet an, gra­tu­lier­te ihn mei­ner­seits zum un­an­ge­foch­te­nen Stamm­gast­tum und ließ mir von ihm mei­ne Ver­mu­tung be­stä­ti­gen, daß er nicht et­wa seit 15 Jah­ren un­un­ter­bro­chen in Pu­er­to de la Cruz ur­laubt, son­dern zwei Mal im Jahr (früh­lings wie herb­stens) nach Te­ne­rif­fa reist. Wir ka­men rasch ins Plau­dern, und der ge­bil­de­te, aus Wales stam­men­de Gen­tle­man (ein pen­sio­nier­ter Geo­lo­ge) er­wies sich als über­aus in­ter­es­san­ter Ge­sprächs­part­ner. Un­ser ge­mein­sa­mes Fai­ble für die In­sel Mal­ta sorg­te für ein be­son­ders wit­zi­ges Er­leb­nis: Er zeig­te mir auf sei­nem Ta­blet-Com­pu­ter ei­nen Schnapp­schuß vom dor­ti­gen Sel­mun Pa­lace, ich zück­te mein Smart­pho­ne und leg­te es fünf Se­kun­den spä­ter mit dem glei­chen Mo­tiv auf dem Dis­play (sie­he hier, un­ter­stes Fo­to) ne­ben sein Ge­rät: zwei­mal die iden­ti­sche Per­spek­ti­ve, nur mit un­ter­schied­li­cher Licht­si­tua­ti­on (be­deck­ter Him­mel bei ihm, strah­len­de Bläue bei mir)...

Na je­den­falls hat­ten wir ge­nug ge­mein­sa­me The­men für aus­ge­dehn­te Früh­stücke. An mei­nem nun zwei­ten Tag mit in­di­vi­du­el­ler Mo­to­ri­sie­rung be­spra­chen wir un­se­re je­wei­li­gen Ta­ges­plä­ne, und weil un­ser Ge­sprächs­part­ner Te­ne­rif­fa be­stens kennt (was bei 15 Auf­ent­hal­ten auf der In­sel ja nun nicht wei­ter ver­wun­der­lich ist), ha­ben wir ihm spon­tan an­ge­bo­ten, ihn kur­zer­hand mit­zu­neh­men in Rich­tung Tei­de, wo man mit dem Bus nicht wirk­lich kom­mod hin­kommt (es fährt nur ei­ner am Tag dort hin­auf, der nach stun­den­lan­ger Pau­se am End­punkt der Rou­te dann auch als ein­zi­ger in der Ge­gen­rich­tung abends wie­der her­un­ter­brum­melt). Selb­dritt star­te­ten wir al­so mit dem VW Po­lo in den Tag, schlän­gel­ten uns die TF-24 wie­der hin­auf und mach­ten ei­nen er­sten Stopp bei der be­rühm­ten La­va­ro­set­te Pie­dra de la Ro­sa:

Piedra de la Rosa

Ist es nicht fas­zi­nie­rend, wie sich hier die La­va beim Ab­küh­len ra­di­al aus­rich­tet? Man könn­te mei­nen, ei­nen ver­stei­ner­ten Bohr­wurm gi­gan­ti­schen Aus­ma­ßes vor sich zu ha­ben...

Zu­rück ins Au­to, zu­rück auf die Stra­ße. Un­ser wa­li­si­scher Tou­ren­be­glei­ter schlug als näch­stes Etap­pen­ziel das Be­su­cher­zen­trum El Por­til­lo vor, in wel­chem die vul­ka­ni­sche Geo­lo­gie Te­ne­rif­fas sehr an­schau­lich auf­be­rei­tet ist und mul­ti­me­di­al prä­sen­tiert wird. Die mo­dern ge­stal­te­te und auf­wen­dig aus­ge­stat­te­te An­la­ge lohnt ei­ne Vi­si­te, zu­mal sie sel­ten über­völ­kert ist (un­ser kun­di­ger Kum­pan wuß­te zu be­rich­ten, daß die Aus­flugs­bus­se hier man­gels kom­mer­zi­el­ler An­ge­bo­te – Tin­nef hier, Kaf­fee dort – nicht hal­ten, weil nie­mand da ist, der dem Rei­se­lei­ter und dem Fah­rer Bak­schisch zu­stecken könn­te für ei­ne ab­ge­setz­te Bus­la­dung kon­sum­freu­di­ger Tou­ri­sten).

Drum­her­um gibt es ei­nen klei­nen bo­ta­ni­schen Gar­ten, in dem sich zwi­schen den Pflan­zen auch al­ler­lei Ge­tier tum­melt. Hier macht ge­ra­de ein led­rig-schup­pi­ger Ka­me­rad blau:

schön gezeichnete Eidechse beim Besucherzentrum El Portillo

Wie sein von mir wei­land auf La Pal­ma ab­ge­lich­te­ter Vet­ter wird der Kol­le­ge wohl der Art der Ka­na­renei­dech­sen zu­ge­hö­rig sein. Den­noch be­stehen Un­ter­schie­de, und die Be­woh­ner La Pal­mas (Gal­lo­tia gal­lo­ti palmae) er­schie­nen mit in der Er­in­ne­rung als schnei­di­ger und pfif­fi­ger als die na­hen Ver­wand­ten auf Te­ne­rif­fa (Gal­lo­tia gal­lo­ti gal­lo­ti). [1]

Ja, hin und wie­der möch­te un­ser­ei­ner auch ein be­hä­bi­ges Rep­til sein und den Tag weit­ge­hend re­gungs­los ver­dö­sen. War aber nicht drin, als wiß­be­gie­ri­ge Rei­sen­de weil­ten wir ja schließ­lich nicht zum Ver­gnü­gen hier! Al­so wei­ter im Text und in der Dra­ma­tur­gie: Wir über­sprin­gen ein paar wei­te­re Fo­to-Stopps und set­zen ein mit bzw. an zu ei­ner Wan­de­rung rund um den Volcán de la Bo­ti­ja, ei­nem klei­ne­ren La­va-Spucker west­lich vom gro­ßen Tei­de (um den wir uns letzt­lich her­um­ge­drückt ha­ben, da wir uns we­der für teu­er Geld mit an­de­ren Tou­ri­sten in die Seil­bahn-Gon­del pfer­chen las­sen woll­ten noch kon­di­ti­ons­mä­ßig zum ei­gen­fü­ßi­gen Auf­stieg in der La­ge sa­hen). Schon am Aus­gangs­punkt hat­ten wir ei­nen wun­der­ba­ren Blick nach We­sten auf das un­ter uns wa­bern­de Wol­ken­meer:

grandiose Aussicht von Montaña Samara aus

So, dann aber den Blick gen Osten ge­rich­tet und los­mar­schiert. Des zonebattler’s bes­se­re Hälf­te und der links au­ßer­halb des näch­sten Bil­des hin­ter­her­hin­ken­de Wan­der­freund aus Wales be­dien­ten sich da­zu zwei­er zu­sätz­li­cher Ex­tre­mi­tä­ten aus Me­tall, der­wei­len mei­ner ei­ner in ge­büh­ren­dem Ab­stand hin­ter­her­tapp­te, um nicht all­zu­viel vom auf­ge­wir­bel­ten Fein­staub sei­ner bei­den Vor­gän­ger auf Leib und Lin­se ge­pu­dert zu be­kom­men:

Rundweg um den Vulkankrater

Se­hen die Bäu­me nicht put­zig und mo­dell­bahn­mä­ßig aus? Da wer­den Er­in­ne­run­gen an die Märk­lin-Bahn aus Kin­der­ta­gen wach, auf der die Fal­ler-Tan­nen-Bäum­chen in ähn­li­chem Ar­ran­ge­ment her­um­stan­den und in ver­gleich­bar künst­li­cher An­mu­tung! Ist aber den­noch al­les echt hier in den Hö­hen­la­gen Te­ne­rif­fas, selbst wenn der schwar­ze Aschen-Un­ter­grund aus Vul­kan­kot­ze ei­nen un­ge­wohnt au­ßer­ir­di­schen Ein­druck hin­ter­läßt und die Ein­fas­sung der Pfa­de mit La­va­brocken ge­nau­so aus­schaut wie die wei­land mit Po­nal auf die Gras­mat­te ge­kleb­ten Kalk­stein­split­ter...

Wenn man von hier aus auf die west­li­che Flan­ke des Tei­de blickt, kann man so­gar in der zwei­ten April­hälf­te noch ein paar klei­ne­re Schnee­bret­ter er­spä­hen:

Blick auf den Teide

Wie über­lebt man hier in die­ser wun­der­schö­nen, je­doch nachts emp­find­lich kal­ten und mit­tags mit­un­ter recht hei­ßen Wü­ste­nei? Man spe­zia­li­siert sich: Eher un­be­weg­li­che Krea­tu­ren wie die ka­na­ri­sche Kie­fer »mel­ken« die Wol­ken, in­dem sie mit ih­ren lan­gen Na­deln die Feuch­tig­keit aus dem Ne­bel aus­käm­men und sich da­mit so­zu­sa­gen ober­ir­disch aus der Luft ho­len, was es un­ter­ir­disch nicht im­mer in aus­rei­chen­der Men­ge gibt. Be­weg­li­che Ge­schöp­fe wie die Ei­dech­sen sind das auch gei­stig und gucken ger­ne mal keck nach, ob die vor­bei­wan­dern­den Tou­ri­sten ei­nen Hap­pen für sie üb­rig ha­ben. Auf die­se Art kam ein schup­pi­ger Vier­bei­ner am Schei­tel­punkt un­se­rer klei­nen Vul­kan-Rund­wan­de­rung zu ei­nem Stück Reis­waf­fel, das ihm au­gen­schein­lich gut ge­mun­det hat. Frech­heit siegt!

Nach er­folg­reich ab­sol­vier­ter Rund­wan­de­rung wa­ren wir al­le­samt ei­ni­ger­ma­ßen er­schöpft und fuh­ren in weit aus­ho­len­der Rou­te über den Nord­we­sten der In­sel wie­der öst­lich rü­ber nach Pu­er­to de la Cruz. Viel Aus­wahl hat man bei der an Hö­hen­me­tern rei­chen To­po­gra­phie und den we­ni­gen sie durch­mes­sen­den Stra­ßen oh­ne­hin nicht. Aber auch kei­ne Lan­ge­wei­le, denn es gibt ja im­mer was In­ter­es­san­tes zu se­hen.

So auch am drit­ten und letz­ten Tag mit dem Volks­wa­gen, an wel­chem wir – nun­mehr wie­der nur zu zweit – gen We­sten auf­bra­chen, um den ge­bir­gi­gen Nor­west­zip­fel Te­ne­rif­fas zu er­kun­den. Mit der ge­nau­en Schil­de­rung der Rou­te will ich die ge­neig­te Le­ser­schaft nicht lang­wei­len, zu­mal es von der ex­tre­men Ser­pen­ti­nen-Kur­be­lei durch die Mas­ca-Schlucht kei­ne Fo­tos gibt: Er­stens braucht man bei­de Hän­de (und die vol­le Kon­zen­tra­ti­on) zum Fah­ren, zwei­tens kön­nen auch der be­ste Fo­to­graf und die toll­ste Ka­me­ra nicht ein­fan­gen, was man dort mit al­len Sin­nen er­lebt. Ich be­schrän­ke mich da­her auf das Zei­gen ei­ni­ger gra­phisch und ge­stal­te­risch leid­lich ge­lun­ge­ner Auf­nah­men, die spä­ter an je­nem Tag ent­stan­den sind:

Detailansicht der Kirche von Santiago del Teide

Nein, das ist kei­ne grie­chi­sche Ka­pel­le, das ist ein De­tail der Kir­che von Sant­ia­go del Tei­de, die in dem ver­link­ten Wi­ki­pe­dia-Ar­ti­kel zur Gän­ze be­wun­dert wer­den kann. Als wir nach­mit­tags um vier dort an­ge­kom­men wa­ren, hat­ten wir schon et­li­che Au­to- und ei­ni­ge Wan­der-Ki­lo­me­ter ab­sol­viert.

Spä­ter in Rich­tung Hei­mat wei­ter­zuckelnd, mach­ten wir noch­mals Halt und Pau­se im be­schau­li­chen Städt­chen Icod de los Vi­nos, um der dor­ti­gen Be­rühmt­heit, ei­nem an die 400 Jah­re al­ten Dra­chen­baum, un­se­ren Be­such ab­zu­stat­ten. Ja, er ist im­po­sant, aber nein, so wahn­sin­nig an­ders als die an­dern­orts wach­sen­den Ex­em­pla­re ist er nun auch wie­der nicht. Mir ge­fie­len eher die Durch- und Fern­blicke, die sich beim Pas­sie­ren man­cher Gas­sen un­ver­hofft auf­ta­ten:

Eine Gasse in Icod

Zu­ge­ge­ben, die am­bu­lan­te Ver­ka­be­lung ist nicht un­be­dingt der äs­the­ti­schen Weis­heit letz­ter Schluß, der elek­tri­schen auch nicht, aber ir­gend­wie ge­hört der­lei letzt­lich doch zum süd­län­di­schen Lo­kal­ko­lo­rit mit da­zu.

Viel­leicht ten­diert der Mensch als sol­cher ja schon faul­heits­hal­ber zur ge­stal­te­ri­schen (Nach-)Lässigkeit, wenn die um­ge­ben­de Na­tur in ei­ge­ner Re­gie um­so üp­pi­ger um op­ti­sche Opu­lenz be­müht ist:

üppiger Mauerbewuchs

Wel­che Far­ben­pracht, was für Kon­tra­ste! So ging auch un­ser drit­ter Tag mit dem aus­ge­borg­ten Ve­hi­kel gut ge­launt zu En­de. Das Fahr­zeug ward oh­ne gro­ße For­ma­li­tä­ten wie­der ab­ge­ge­ben, man ist ver­blüfft ob der hemds­är­me­li­gen Art, mit dem der­lei dort er­le­digt wird: Ein arg­wöh­ni­scher Teu­to­nen-Dienst­lei­ster hät­te zu­min­dest den Tank­füll­stand kon­trol­liert und die Kar­re auf of­fen­sicht­lich Be­schä­di­gun­gen un­ter­sucht; in Spa­ni­en sieht man das ent­spann­ter und scheint trotz­dem nicht schlecht da­mit zu fah­ren. [2]

Wir wa­ren nun­mehr al­so wie­der un­be­reift und tapp­ten aus­rü­stungs­be­hängt zu­rück zum Ho­tel. Der Ur­laub nä­her­te sich sei­nem En­de. In der sieb­ten und letz­ten Fol­ge las­se ich es in ei­ner Wo­che aber noch ein­mal so rich­tig kra­chen auf der »Lärm­in­sel«!

 
[1] An die­ser Stel­le muß ich be­stürzt ein­räu­men, was lan­ge schon als un­be­que­mer Ver­dacht in mir her­um­gei­ster­te: Mei­ne Ur­laubs­fo­tos der letz­ten Jah­re sind sich oft­mals zum Ver­wech­seln ähn­lich! Zu­min­dest könn­te ich pro­blem­los ein Me­mo­ry-Spiel da­mit be­bil­dern: Hier ein Paar blau­hal­si­ger Ei­dech­sen (La Pal­ma dort, Te­ne­rif­fa da), ein Paar Pal­men, zwei Kärt­chen mit Fi­scher­boo­ten aus Mal­ta und Mal­lor­ca, und, und, und. Ich soll­te wirk­lich zwi­schen den In­sel-Ur­lau­ben mal ei­ne gänz­lich an­ders ge­ar­te­te De­sti­na­ti­on an­steu­ern, um wie­der auf an­de­re Ge­dan­ken (und zu neu­en Mo­ti­ven) zu kom­men...

[2] Wer wie wir ger­ne wan­dert, dem sei un­se­re pra­xis­be­währ­te Vor­ge­hens­wei­se zur Nach­ah­mung emp­foh­len: Man bu­che im Vor­feld nur Flug, Ho­tel und Trans­fer. Die Start- und Ziel­punk­te vie­ler Wan­de­run­gen sind mit dem Bus schnell und preis­wert zu er­rei­chen, man braucht da­für kein ei­ge­nes Fah­reug. Für aus­ge­dehn­te In­sel-Tou­ren oder zum Er­rei­chen ent­le­ge­ner Or­te kann man sich für ein paar Ta­ge pro­blem­los kurz­fri­stig vor Ort ei­nen Miet­wa­gen neh­men und sich da­bei auch nach dem Wet­ter rich­ten. Wür­de man schon von da­heim aus ein Au­to be­stel­len, ist man ter­min­lich schon fest­ge­legt und kommt ver­mut­lich kaum gün­sti­ger weg!

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Sonntag, 12. Oktober 2014

Ei­gen­le­ben

Tausendfüßler aus Gießkannen von Frank Dimitri Etienne

Tau­send­füß­ler aus Gieß­kan­nen von Frank Di­mitri Eti­en­ne, ge­se­hen in der ak­tu­el­len Aus­stel­lung »ur­ban mi­ning« des BBK Nürn­berg. Hin­ge­hen, an­schau­en, stau­nen!

Samstag, 15. März 2014

Mind the gap!

Mit die­ser in der Lon­do­ner U‑Bahn im­mer wie­der und al­ler­or­ten zu hö­ren­den Durch­sa­ge soll die Auf­merk­sam­keit der Rei­sen­den auf den la­tent le­bens­ge­fähr­li­chen Spalt zwi­schen Zug und Bahn­steig ge­lenkt wer­den. Die Ge­dan­ken des zonebattler’s in­des wur­den da­mit noch auf ei­ne klaf­fen­de Lücke zeit­li­cher Art ge­rich­tet: Vor et­wa 25 Jah­ren war er zum letz­ten Mal in der Haupt­stadt des Bri­ti­schen Em­pi­res, und wäh­rend die Er­in­ne­rung an da­mals nur noch bruch­stück­haft in sei­nen Syn­ap­sen flackert, hat er dies­mal mit wa­chen Sin­nen ge­nos­sen, in sein Hirn ge­brannt und auf sei­nen Spei­cher­chip ab­ge­lich­tet, was die Stadt, das Wet­ter und die zahl­lo­sen Kul­tur­tem­pel her­ga­ben:

Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London
 
Impressionen aus London

Das Wet­ter präch­tig, die Mu­se­en mäch­tig: Was woll­te man mehr? Für den trun­ke­nen zonebatt­ler steht fest: Bis zum näch­sten Lon­don-Trip läßt er kein Vier­tel­jahr­hun­dert mehr ver­strei­chen!

Sonntag, 29. September 2013

Bil­dungs­bür­gers Schla­raf­fen­land

Ge­stern ha­ben wir die Nürn­ber­ger Stadt­bi­blio­thek am Ge­wer­be­mu­se­ums­platz für uns ent­deckt. Nach ei­nem hoch­sai­so­nal be­ding­ten, arg ar­beits­rei­chen Vor­mit­tag in sei­nem Bü­ro am Bahn­hofs­platz tapp­te der bie­de­re Bahn-Be­am­te zonebatt­ler in Be­glei­tung sei­ner bes­se­ren Hälf­te die paar hun­dert Me­ter rü­ber in den vor nicht all­zu­lan­ger Zeit neu er­öff­ne­ten Bil­dungs­tem­pel ne­ben dem »Cin­e­ci­tta« und war vom Fleck weg be­gei­stert von der dort ge­bo­te­nen Hül­le und Fül­le, von der Opu­lenz der Aus­stat­tung und der ar­chi­tek­to­ni­schen Üp­pig­keit ganz zu schwei­gen. Je­der Ver­gleich mit Für­ther Ver­hält­nis­sen ver­bie­tet sich da schon aus Pie­täts­grün­den...

Stun­den spä­ter tor­kel­ten wir freu­de­trun­ken aus der me­dia­len Schatz­kam­mer, und der zonebatt­ler hat sich fest vor­ge­nom­men, ab so­fort ein­mal die Wo­che nach Fei­er­abend zwei wei­te­re Stun­den guckend, le­send und hö­rend in der No­ris zu ver­brin­gen, be­vor er heim ins Klee­blatt-Reich fährt. So sehr ich Fürth lie­be, beim Bil­dungs­hun­ger hört die Freund­schaft auf!

Samstag, 14. September 2013

Ein ech­ter, zwei künst­li­che, drei ge­mal­te

Begegnung beim jährlichen Kunst-Event »Auf AEG« in Nürnberg

Für die hier vorgesehene(n) Abbildung(en) konn­ten nicht al­le even­tu­ell tan­gier­ten Li­zenz- und/oder Ur­he­ber­rechts­fra­gen mit letz­ter Ge­wiß­heit ge­klärt wer­den, wes­halb auf ei­ne kennt­li­che Dar­stel­lung lei­der ver­zich­tet wer­den muß.

Be­geg­nung beim jähr­li­chen Kunst-Event »Of­fen Auf AEG« in Nürn­berg

Sonntag, 4. August 2013

La Bi­en­na­le (1)

Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
Impressionen aus Venedig und von der Kunst-Biennale 2013
 
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Mittwoch, 3. Juli 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (13)

Nach zehn im Wort­sin­ne ein­drucks­vol­len Ta­gen auf Go­zo freu­ten wir uns auf die uns ver­blei­ben­de Ur­laubs­wo­che auf der Haupt­in­sel Mal­tas. Wir setz­ten mit der Fäh­re über und wur­den am Ter­mi­nal be­reits von ei­nem per­sön­li­chen Chauf­feur er­war­tet [1], der uns schnur­stracks nach Val­let­ta brach­te und uns da­bei auf­grund bau­be­ding­ter Ein­bahn­stra­ßen-Re­ge­lun­gen ei­ne un­frei­wil­lig-aus­ge­dehn­te Stadt­rund­fahrt durch das arg ver­win­kel­te La­by­rinth der en­gen Stra­ßen und Gas­sen Val­let­tas zu­teil wer­den ließ...

Wir bo­ten dem ge­streß­ten Fah­rer schließ­lich an, die letz­ten paar Me­ter zu un­se­rer neu­en Her­ber­ge mit Sack und Pack zu Fuß zu­rück­zu­le­gen, aber ei­ne der­ar­ti­ge Ka­pi­tu­la­ti­on vor den Ver­hält­nis­sen kam für ihn schon aus Grün­den der Eh­re nicht in Fra­ge. Ir­gend­wann schaff­te er es dann schließ­lich doch, uns di­rekt vor dem Os­bor­ne Ho­tel ab­zu­lie­fern.

Un­ser Zim­mer dort war deut­lich klei­ner als das im Grand Ho­tel auf Go­zo, da­für um­so prak­ti­scher ein­ge­rich­tet mit ei­ner Viel­zahl an Ver­stau­mög­lich­kei­ten. Es fehl­te uns an nichts Re­le­van­tem. Al­so erst mal al­les wie­der aus­ge­packt und ein­sor­tiert, den klei­nen Ta­ges­ruck­sack ge­schul­tert und raus auf die Stra­ße. Wo uns als er­stes die Ele­ganz der Städ­te­rin­nen auf­fiel, die sich sty­li­stisch deut­lich von der der Tou­ri­stin­nen ab­hebt:

in den Feierabend enteilende Malteserin

Val­let­ta ist im Grun­de wie Fürth: ei­ner­seits groß ge­nug, um ur­ba­nes Le­ben zu be­her­ber­gen, an­de­rer­seits klein ge­nug, um ein über­schau­ba­res Kaff zu blei­ben. Und über­all hi­sto­ri­sche Bau­sub­stanz, wo­mit sie al­ler­dings auf Mal­ta min­de­stens so sorg­los um­zu­ge­hen schei­nen wie bei uns in Fürth. Aber die von den Groß­mei­stern des Mal­te­ser­or­dens zur ein­drucks­vol­len Fe­stung aus­ge­bau­te Haupt­stadt Mal­tas bie­tet noch mehr: ita­lie­ni­sche Ein­flüs­se sind eben­so zu spü­ren wie ara­bi­sche und afri­ka­ni­sche, wo­bei das me­di­ter­ra­ne Flair noch mit ei­ner or­dent­li­chen Pri­se bri­ti­scher Ko­lo­ni­al-Ära ge­würzt ist. Die­se Mi­schung ist ei­ni­ger­ma­ßen ori­gi­nell und an­ders­wo nicht an­zu­tref­fen.

Fin­den tut man in so ei­ner Me­lan­ge Fo­to-Mo­ti­ve oh­ne En­de, die mei­sten Tou­ri­sten se­hen fol­ge­rich­ti­ger­wei­se die Stadt nicht pri­mär mit ei­ge­nen Au­gen, son­dern als Su­cher-Ab­bild auf dem Dis­play ih­res un­ab­läs­sig vor die Au­gen ge­hal­te­nen Smart­pho­nes! Auch der zonebatt­ler hat na­tür­lich oft sei­ne Ka­me­ra in An­schlag ge­bracht, wo­bei es ihm wie meist we­ni­ger um die aus den Rei­se­füh­rern be­kann­ten »Se­hens­wür­dig­kei­ten« ging, son­dern um Licht­spie­le, De­tails und Struk­tu­ren. Wie zum Bei­spiel um die Strei­fen­mu­ster von Well­bläch­dä­chern, die ih­re zu­fäl­li­ge Fort­set­zung in den vor ih­nen ge­la­ger­ten Ru­der­boo­ten fan­den:

graue Dächer, blaue Boote

Der­lei Mo­ti­ve mag ich gern, wo­zu soll­te ich auch ab­lich­ten, was in je­dem Bild­band schö­ner zu se­hen ist, weil de­ren Fo­to­gra­fen im Ge­gen­satz zu mir bei Son­nen­auf- oder ‑un­ter­gang zur Stel­le wa­ren, mit­hin die spek­ta­ku­lä­re­ren Licht­ver­hält­nis­se vor­teil­haft zu nut­zen wuß­ten? Eben. Un­ser­ei­ner guckt da lie­ber un­ter­tags in die we­ni­ger re­prä­sen­ta­ti­ven Ecken. Und was sieht man da? Ge­nau, die glei­chen Ni­schen­be­woh­ner wie in Fürth:

von ihrer fotografischen Festhaltung befremdete Taube

Wei­te­re Mo­ti­ve ver­dan­ken sich dem Um­stand, daß man im Früh­ling, der Vor­sai­son al­so, noch nicht so­vie­le Tou­ri­sten an­trifft, die durch ih­re schie­re Prä­senz den Blick auf das struk­tu­rell Fest­hal­tens­wer­te ver­stel­len. So ein Bild wie das fol­gen­de wä­re an ei­nem hoch­sai­so­na­len Som­mer­abend si­cher­lich nicht so ein­fach und oh­ne län­ge­re War­te­zeit ein­zu­fan­gen:

verwaiste Stühle und Tische in einem Café an den Festungsmauern Vallettas

Na­tür­lich zog es uns bald auch wie­der zu je­nen schö­nen Or­ten, an de­nen wir schon im Jahr zu­vor Ge­fal­len ge­fun­den hat­ten. Bei­spiels­wei­se zu den Up­per Barrak­ka Gar­dens, von de­nen schon im zwei­ten Teil die Re­de war. Der wei­te Pan­ora­ma­blick über den Ha­fen lockt Schau­lu­sti­ge in gro­ßer Zahl an, auch wenn der ei­ne oder die an­de­re die im­po­nie­ren­de Um­ge­bung lie­ber zum Ab­schwei­fen in in­ne­re oder ima­gi­nä­re Wel­ten nutzt:

ins Lesen vertiefte Besucherin der Upper Barrakka Gardens

Rich­ten wir aber die Lin­se dann doch noch über die Mau­ern und hin­un­ter ins Was­ser, wo sich vom Falt­boot bis zur aus­ge­wach­se­nen Bohr­in­sel (!) Was­ser­fahr­zeu­ge al­ler Ka­te­go­rien und Ge­wichts­klas­sen tum­meln und sich be­ob­ach­ten las­sen:

kleiner Kutter bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Valletta

Ein paar Ta­ge spä­ter ent­deck­te ich dann aber doch ei­ne ganz neue At­trak­ti­on, von der ich schon auf dem Hin­flug im Kun­den­ma­ga­zin der Air Mal­ta ge­le­sen hat­te und die in nur we­ni­gen Geh­mi­nu­ten vom Ho­tel aus zu er­rei­chen war: Im »The Fort­ress Buil­ders In­ter­pre­ta­ti­on Cent­re« wird die Ge­schich­te des Fe­stungs­baus auf mul­ti­me­dia­le und di­dak­tisch mo­der­ne Art und Wei­se er­zählt und er­läu­tert. Von den An­fän­gen der Ver­tei­di­gungs­bau­ten in früh­ge­schicht­li­cher Zeit spannt sich der Bo­gen über die re­gel­rech­te Bau­wut des Mal­te­ser­or­dens bis hin zu den neu­zeit­li­chen Bun­ker­an­la­gen der Bri­ten im zwei­ten Welt­krieg.

Von den Ex­po­na­ten ver­die­nen die zahl­rei­chen Mo­del­le, die hi­sto­ri­schen Fo­tos und die groß­flä­chi­gen Bild­ta­feln be­son­de­re Er­wäh­nung. Die Bild­schirm­sta­tio­nen mit ani­mier­ten Prä­sen­ta­tio­nen sind at­trak­tiv ge­stal­tet und ver­locken zu stun­den­lan­ger Be­schäf­ti­gung da­mit: Der mensch­li­che Er­fin­der­geist war und ist in mi­li­tä­ri­schen Be­lan­gen ja seit je­her am krea­tiv­sten. Auch klas­si­sche Ar­chi­tek­tur­mo­del­le sind nach wie vor in­ter­es­san­te Stu­di­en­ob­jek­te, er­kennt man an ih­nen doch die grö­ße­ren Struk­tu­ren und Kon­zep­te, die man – als klei­ner Wicht vor den rie­si­gen Ori­gi­nal­mau­ern ste­hend – durch­aus be­ab­sich­tig­ter­wei­se nicht wahr­zu­neh­men im­stan­de ist:

Holzmodell der Befestigungsanlagen Vallettas

In die Er­rich­tung des Zen­trums sind – wie bei vie­len von uns be­sich­tig­ten In­fra­struk­tur­maß­nah­men – be­acht­li­che Men­ge an EU-För­der­mit­teln ge­flos­sen (ge­nau­er ge­sagt: stol­ze 85%), wo­mit auch un­ser­eins mit sei­nen Steu­er­gel­dern sei­nen klei­nen An­teil am Er­geb­nis ha­ben dürf­te. Die deut­sche (Mit-)Aufbauhilfe geht voll in Ord­nung an­ge­sichts des Um­stan­des, daß die teu­to­ni­sche Luft­waf­fe vor 70 Jah­ren sehr wir­kungs­voll und un­ge­be­ten­er­wei­se am Ge­gen­teil mit­ge­wirkt hat...

Lei­der ha­ben zwi­schen­zeit­li­che Wah­len und ein Re­gie­rungs­wech­sel das schicke Zen­trum schon kurz nach sei­ner Er­öff­nung in ei­ne pre­kä­re La­ge ge­bracht: Der Di­rek­tor hat Mü­he, Drucker­pa­tro­nen und an­de­re Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en zu fi­nan­zie­ren, sei­ne we­ni­gen wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter sit­zen auf von da­heim mit­ge­brach­ten Stüh­len. Ca­fe­te­ria und Mu­se­ums­shop exi­stie­ren b.a.w. nur auf dem Pa­pier, und für ei­ne be­su­cher­zah­len­för­dern­de Be­schil­de­rung im Au­ßen­be­reich hat es auch nicht ge­reicht: Wie im­mer kom­men die Mit­tel für den Bau aus an­de­ren Töp­fen als die für die Be­triebs­füh­rung und In­stand­hal­tung, wor­auf ich spä­ter noch ein­mal zu­rück­kom­men wer­de. Für heu­te wen­den wir uns kopf­schüt­telnd ab und lin­sen über die Schul­tern ei­ner auf der ober­sten Ter­ras­se an der Fe­stungs­mau­er pau­sie­ren­den Zen­trums-Mit­ar­bei­te­rin hin­über nach Slie­ma:

Blick von Valletta nach Sliema

Tja. Hü­ben Fe­stungs­wäl­le, drü­ben Bet­ten­bur­gen. So­li­der ist al­le­mal das al­te Ge­mäu­er, schon we­gen der Dicke sei­ner Wän­de. Den­noch fährt man mit dem Pa­ra­dig­men­wech­sel of­fen­bar nicht schlecht: Wäh­rend man die In­va­so­ren frü­her erst mit Boll­wer­ken drau­ßen und spä­ter mit Ka­no­nen auf Di­stanz hielt, läßt man sie heu­te als zah­len­de Gä­ste ins Land hin­ein und nimmt ih­nen das Geld ab, oh­ne sich mit ih­nen zu hau­en. Ei­ne klas­si­sche Win-Win-Si­tua­ti­on!

Mit die­sen phi­lo­so­phi­schen Be­trach­tun­gen ver­ab­schie­det sich der Au­tor für heu­te. In der näch­sten Fol­ge geht es raus aus der Haupt­stadt, die Kü­ste ent­lang. Al­ler­lei merk­wür­di­ge Din­ge gibt es näm­lich auch da...

 
[1] Mit die­sem uns kurz­fri­stig an­ge­kün­dig­ten Ser­vice un­se­res Rei­se­ver­an­stal­ters hat­ten wir gar nicht ge­rech­net: Auf­grund un­se­rer un­ge­wöhn­li­chen Rei­se­bu­chung mit Orts- und Ho­tel­wech­sel mit­ten­drin wa­ren wir da­von aus­ge­gan­gen, den »Zwi­schen­trans­fer« auf ei­ge­ne Faust un­ter­neh­men zu müs­sen. Ein Hoch auf die ört­li­che Stadt­hal­te­rin von FTI-Tou­ri­stik, Frau Borg!

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