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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Samstag, 6. Dezember 2014

Neu­bet­tung

Nach ex­akt 10078 Näch­ten (gleich 27 Jah­ren, 7 Mo­na­ten und 2 Ta­gen) schickt der zonebatt­ler heu­te sei­ne ge­lieb­te Dun­lo­pil­lo-La­tex-Ma­trat­ze Mo­dell »Pre­sti­ge« in den ver­dien­ten Ru­he­stand und bet­tet sei­ne ir­di­sche Hül­le ab so­fort auf ei­ne dicke Fe­der­kern­ma­trat­ze vom Typ »Mi­ami« mit sa­ge und schrei­be 1000 Fe­dern drin­nen:

frisch gekaufte und verladende Matratzen

Lob und Preis sei hier­mit dem un­be­kann­ten Fach­be­ra­ter ge­zollt und die Gerz Ma­trat­zen GmbH aus dem na­hen Lan­gen­zenn nach­drück­lich wei­ter­emp­foh­len, in de­ren (in ei­nem drö­ge-tri­sten In­du­strie­ge­biet ge­le­ge­nen) Fa­brik­ver­kaufs­räu­men wir heu­te in al­ler Ru­he und oh­ne je­den Streß pro­be­lie­gen konn­ten. Zwei Dau­men hoch!

 
P.S.: Die Fir­ma be­lie­fert über­wie­gend Ge­schäfts­kund­schaft, al­so Ho­tels, Kli­ni­ken, Ein­zel­händ­ler usw. Der Ver­kauf an End­ver­brau­cher ist qua­si ein »Mit­läu­fer­ge­schäft« und ist nicht be­glei­tet von schril­len Son­der­ak­tio­nen und wir­rer (Des-)Information. Das freut den Au­tor, der so­li­de Be­ra­tung ger­ne mit ei­nem öf­fent­li­chen Fin­ger­zeig oh­ne Wis­sen des Emp­foh­le­nen und oh­ne da­durch er­lang­te Preis­vor­tei­le ho­no­riert.

P.P.S.: Gleich am An­fang des näm­li­chen In­du­strie­ge­biets hat auch die uns freund­schaft­lich ver­bun­de­ne we­ber und her­mann me­tall­ge­stal­tung GbR ih­ren Sitz. Wer ei­nen künst­le­risch ge­stal­te­ten Zaun, ei­ne in­di­vi­du­el­le Grab­de­ko­ra­ti­on oder ein ex­klu­si­ves Bett­ge­stell sucht, ist bei den Schmie­de­mei­stern (und Mei­ster­schmie­den) Uwe We­ber und Ro­land Her­mann und ih­ren wacke­ren Man­nen an der rich­ti­gen Adres­se und in den be­sten Hän­den!

P.P.P.S: Le­sen hier schon wie­der Ber­li­ner Re­kla­me-Fuz­zi­es mit? Hier ent­lang, bit­te!

Freitag, 24. Oktober 2014

Die Über­ra­schungs­in­sel (6)

So, mit ei­nem ge­mie­te­ten Au­to­mo­bil er­schlie­ßen sich dem Wan­de­rer auch die et­was ent­le­ge­ne­ren Ge­gen­den, wenn­gleich mit dem sy­stem­be­ding­ten Nach­teil, daß man am Schluß der Ta­ges­tour wie­der zum Stand­ort des Fahr­zeu­ges und da­mit zum Aus­gangs­punkt zu­rück­kom­men muß. Aber gut, ist halt so. Das Her­um­fah­ren im ei­ge­nen Wa­gen ist im Tra­m­un­ta­na-Ge­bir­ge mit ei­ni­ger Lenk­rad-Kur­be­lei ver­bun­den, die Stra­ßen sind schmal und mä­an­drie­ren fröh­lich am Hang ent­lang. Un­se­re fla­che Flun­der der Mar­ke Opel ver­füg­te im Ge­gen­satz zum ei­ge­nen Low­Tech-Mi­ni­bus über al­ler­lei ma­schi­nel­le Be­die­nungs­hil­fen, und so ge­riet das stän­di­ge Dre­hen des Vo­lants nicht wirk­lich zur mus­ku­lö­sen An­stren­gung. Wohl aber zur men­ta­len, denn trotz (oder we­gen) der be­acht­li­chen Stei­gun­gen hier und der Ge­fäl­le dort sind die Stra­ßen vol­ler Ma­so­chi­sten, die sich auf Renn­rä­dern oder Moun­tain­bikes die Hü­gel hoch­quä­len und es run­ter­wärts mun­ter lau­fen las­sen, bis die näch­ste Kur­ve ein Ab­brem­sen und ein Ver­las­sen der Ide­al­li­nie er­zwingt. Da fühl­te sich der zonebatt­ler schon recht her­aus­ge­for­dert, zu­mal das Leih­au­to im Ge­gen­satz zum na­sen­lo­sen Glas­ka­sten da­heim über ei­ne lan­ge und un­über­sicht­li­che Front­par­tie ver­füg­te. Den­noch ging der Ur­laub letzt­lich – so­viel sei hier be­ru­hi­gend vor­weg­ge­nom­men – völ­lig kol­li­si­ons­frei von­stat­ten.

Al­so auf geht’s, die Wan­der­stie­fel in den Kof­fer­raum ge­wor­fen und ha­ken­schla­gend und ser­pen­ti­nen­fah­rend durch die gran­dio­se Berg­land­schaft nach Sa Calo­bra auf­ge­bro­chen, wo es ei­nen klei­nen Strand gibt und die Ein­mün­dung des Tor­rent de Pa­reis, ei­nes Sturz­ba­ches, in des­sen gran­dio­se, na­tür­lich nicht stän­dig was­ser­füh­ren­de Schlucht wir uns ei­ni­ge hun­dert Me­ter weit vor­ge­wagt ha­ben:

im Torrent de Pareis

Man be­ach­te die bei­den win­zi­gen Wan­de­rer im Hin­ter­grund, an de­rer Grö­ße resp. Klei­ne die Di­men­sio­nen der stei­len Schlucht deut­lich wird. Er­staun­lich, was ei­nem da so al­les ent­ge­gen­kam, vom be­stens aus­ge­rü­ste­ten Trek­king-Ex­per­ten bis hin zum san­da­len­tra­gen­den Schul­kind. Ganz woll­ten wir den Tor­rent nicht hin­auf­stei­gen, das hät­te uns zu­viel Zeit ge­ko­stet, die uns spä­ter an an­de­rer Stel­le ge­fehlt hät­te...

Al­so mach­ten wir ir­gend­wann kehrt und kra­xel­ten wie­der zu­rück bis ans flach aus­lau­fen­de En­de der Schlucht, tapp­ten noch­mals bis ans Meer und er­freu­ten uns dort des An­blicks der von des Or­tes un­er­meß­li­chen Schön­heit nie­der­ge­streck­ten Tou­ri­sten:

in der südlichen Sonne Bratende

Ja, so kann man’s na­tür­lich auch ma­chen, wenn­gleich un­ser­ei­ner der Mei­nung ist, daß man im April so­gar da­heim in der Son­ne schmo­ren kann, mit mut­maß­lich ge­rin­ge­rem Son­nen­brand-Ri­si­ko, vom Haut­krebs gar nicht zu re­den. Aber den kon­ser­vie­ren­den Pö­kel-Ef­fekt der gischt­be­för­der­ten, salz­hal­ti­gen Luft hat man na­tür­lich nur am Mee­res­strand und nicht im fer­nen Bin­nen­land...

Wir schli­chen an den Lie­gen­den vor­bei zu un­se­rer schnit­ti­gen Ka­ros­se zu­rück, fan­den die­se un­ver­sehrt und un­be­straf­zet­telt am Ein­gang zur Bucht vor und mach­ten uns auf den Rück­weg, den wir hier und da zwecks Aus­sichts­ge­nuß un­ter­bra­chen. Hier se­hen wir un­se­ren mo­disch kaf­fee­braun-me­tal­lic ein­ge­färb­ten OPEL Astra am höch­sten Punkt der ser­pen­ti­nen­rei­chen Stra­ße zur Bucht Ca­la Tu­ent:

kantige Berge, gerundete Karosse: Pinkelpause mit Ausblick

An­ge­sichts un­über­seh­ba­rer Hor­den von Rad­lern (die ei­nen von links hoch und nach rechts run­ter, die an­de­ren von rechts hoch kom­mend und nach links run­ter wol­lend) ha­ben wir uns die Ca­la Tu­ent ge­schenkt und sind wie­der in Rich­tung Port de Sol­lér ge­fah­ren, nicht oh­ne noch ei­nen aus­ge­dehn­ten Spa­zier­gang rund um den schö­nen Cú­ber-Stau­see zu un­ter­neh­men. An des­sen sanft sich im Win­de kräu­seln­den Ge­sta­den sich al­ler­lei far­ben­fro­hes Ge­tier am Gra­se labt:

grasendes Schaf am Cúber-Stausee

Ver­mut­lich ist die Co­lo­rie­rung sei­nes dich­ten Pel­zes we­ni­ger dem Mo­de­be­wußt­sein des Scha­fes als viel­mehr der Ge­witzt­heit sei­nes Be­sit­zers zu ver­dan­ken, der sei­ne Her­de per Spray­do­se mit ei­nem weit­hin zu se­hen­den Ei­gen­tums­merk­mal ver­se­hen woll­te. Wan­deln­de Farb­kleck­se fin­det man zu­dem im Ge­bir­ge zwi­schen all den hell­gel­ben Stei­nen viel schnel­ler wie­der, und freund­li­cher als ein bru­tal ein­ge­schmor­tes Brand­zei­chen ist bun­tes »Haar­spray« doch auch al­le­mal!

Den Cú­ber-Stau­see per pe­des zu um­run­den ist ein un­be­schwer­tes Ver­gnü­gen, wel­ches man Mal­lor­ca-Be­su­chern nur wärm­stens ans Herz le­gen kann: Der Weg am Ufer ver­läuft na­tur­ge­mäß eben und ver­leiht der Wan­de­rung Spa­zier­gang-Cha­rak­ter, aber die Aus­sicht ist gran­di­os und das in al­le Rich­tun­gen. Der zonebatt­ler hät­te vor die­ser Rei­se nicht für mög­lich ge­hal­ten, daß man auf der Haupt­in­sel der Ba­lea­ren Fo­tos wie die­ses hier ma­chen kann:

Das Refugio de Cúber vor dramatischer Kulisse

Wenn man nicht ge­ra­de Geo­lo­ge ist, könn­te man das doch glatt für ein al­pen­län­di­sches Pan­ora­ma hal­ten, nicht wahr? Aber nein, mit­ten im Mit­tel­meer gibt es stei­ne­re Auf­fäl­te­lun­gen zu be­stau­nen. Bei dem Ge­bäu­de han­delt es sich üb­ri­gens um ei­ne staat­li­che (wenn­gleich nicht statt­li­che) Wan­der­hüt­te, das Re­fu­gio de Cú­ber. Lei­der hat­te das Re­fu­gi­um we­gen Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten ge­schlos­sen, aber nach­dem wir dort oh­ne­hin we­der es­sen noch über­nach­ten woll­ten, mach­te uns das nichts aus. Auch ge­öff­ne­te Re­fu­gi­os kann man üb­ri­gens nicht ein­fach so auf­su­chen in der Hoff­nung auf Kost und Lo­gis: Bei­des muß lan­ge im Vor­aus be­stellt und re­ser­viert wer­den, sonst hat man das Nach­se­hen und muß un­ter frei­en Him­mel frie­rend und hun­gernd den neu­en Tag er­war­ten...

Nach er­folg­ter See-Um­run­dung (für die man et­wa 1,5 Stun­den braucht) mach­ten wir auf dem Heim­weg noch­mal in Sol­lér Sta­ti­on (Stra­ßen­bah­nen gucken und Oran­gen-Eis gou­tie­ren), be­vor wir dann wie­der zu­rück in un­ser Ha­fen­städt­chen fuh­ren und den Tag rot­sti­chig und kitsch­ge­fähr­det an der Steil­kü­ste ober­halb der Bucht aus­klin­gen lie­ßen:

Sonnenuntergang bei ruhiger See

So ge­gen 20:30 Uhr plumpst En­de April die Son­ne ins mal­lor­quin­in­sche Meer, und der An­blick ist im­mer wie­der sehr er­bau­lich. Da­nach kann man noch bei re­la­tiv an­ge­neh­men Tem­pe­ra­tu­ren drau­ßen sit­zen blei­ben oder sich ins Ho­tel­bett fal­len las­sen, um dort noch ein we­nig durch das di­gi­ta­le Fen­ster in die wei­te Welt zu schau­en, ei­ne ver­füh­re­ri­sche Op­ti­on, die wir in der Re­gel prä­fe­rier­ten...

Be­vor wir für heu­te das Licht aus­knip­sen, ge­hen wir noch der Fra­ge nach, was man denn als Gast auf Mal­lor­ca sinn­vol­ler­wei­se kau­fen kann. Die er­ste Ant­wort liegt auf der Hand: Oran­gen!

beutelweise Niedrigpreise: Orangen-Angebot in Valldemossa

Das Bild­bei­spiel stammt aus dem schö­nen Städt­chen Vall­de­mos­sa und il­lu­striert den au­gen­fäl­li­gen Vor­teil der über­all auf der In­sel er­hält­li­chen Süd­früch­te: sie sind dort kon­kur­renz­los (oder viel­mehr kon­kur­renz­be­dingt) bil­ligst zu ha­ben. Das zwei­te Al­lein­stel­lungs­merk­mal kann nur aus spei­chel­fluß­trei­ben­der Er­in­ne­rung be­schwö­rend be­kräf­tigt wer­den: Die mal­lor­qui­ni­schen Oran­gen sind wun­der­bar wohl­schmeckend, saf­tig und aro­ma­tisch. Fri­scher kriegt man sie so­wie­so nir­gends. Wer auf Mal­lor­ca die pral­len Früch­te des Lan­des links lie­gen läßt, ver­paßt ei­nen der gött­lich­sten Ge­nüs­se, die das Land und das Le­ben zu bie­ten ha­ben!

An­son­sten hal­ten sich die Tou­ri­sten ger­ne an Kla­mot­ten, Kunst­stück, im Ur­laub hat man Zeit und Mu­ße zum Shop­pen und das Geld sitzt locke­rer als in des hei­mi­schen All­tags re­pe­ti­ti­ven Trott. Da­von pro­fi­tie­ren nicht nur die schicken Bou­ti­quen und om­ni­prä­sen­ten Fi­lia­li­sten in Pal­ma und den an­de­ren Städ­ten, son­dern auch die klei­nen An­bie­ter in den ru­hi­ge­ren Win­keln des Ei­lands. In Vall­de­mos­sa brauch­te ich den Ka­me­ra­blick nur von den Oran­gen­beu­teln ein we­nig zur Sei­te zu schwen­ken, um ein paar am­bu­lant an­ge­bo­te­ne, fesch-fe­mi­ni­ne Kit­tel zu er­ha­schen:

ambulante Auslage an einem Haus in Valldemossa

Noch ein paar Me­ter wei­ter fand sich ein La­den vol­ler ent­setz­lich kit­schi­ger Mit­bring­sel aus über­wie­gend fern­öst­li­cher Pro­duk­ti­on, fa­brik­neu­er Müll, bei dem man sich wirk­lich fra­gen muß, wer sich so­was an­tut und da­für auch noch Geld hin­legt. The hor­ror! Den ab­ar­ti­gen Schund ab­zu­lich­ten hät­te sich des zonebattler’s mo­tiv­ver­wöhn­te Ka­me­ra frag­los ge­wei­gert. Doch je­dem das Sei­ne: Der Au­tor und sei­ne bes­se­re Hälf­te nei­gen da­zu, Sou­ve­nirs mit­zu­neh­men, die ein­ser­seits nichts ko­sten, an­de­rer­seits aber un­er­meß­lich wert­voll sind: Wur­zeln, Stei­ne, Mu­schel­scha­len und an­de­re Lei­chen­tei­le, die noch vie­le Jah­re spä­ter als Er­in­ne­rungs­an­ker tau­gen...

Fort­set­zung folgt: Dem­nächst gibt’s ein paar Vier­bei­ner so­wie ein paar Zwei­bei­ner von hin­ten zu se­hen. Und auch – nun ja – ein gan­zes Re­gal vol­ler ein­zel­ner Bei­ne oh­ne den Rest ih­rer ehe­ma­li­gen Be­sit­zer. Blei­ben Sie dran!

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Freitag, 10. Oktober 2014

Die Über­ra­schungs­in­sel (5)

Die letz­te Fol­ge mit ei­nem span­nungs­stei­gern­den Aus­blick auf ein schein­bar schö­nes Schiff be­en­det ha­bend, wen­den wir uns heu­te zum Ein­stieg eben je­nem »Seg­ler« nä­her zu und be­trach­ten ihn von ei­ner nä­her ge­le­ge­nen Klip­pe am nord­west­li­chen Zip­fel von Port de Sól­ler aus. Und was se­hen wir da Merk­wür­di­ges? Ge­nau, am Heck ei­nen dicken, mut­maß­lich An­ten­nen be­her­ber­gen­den Rie­sen-Bo­vi­sten und am zwei­ten Mast von vorn ei­nen senk­rech­ten Stahl-Stum­mel mit rie­si­gen Aus­puff­roh­ren dran, der den Wind­jam­mer letzt­lich als schnö­des, wenn­gleich na­tür­lich hy­per­mo­der­nes Mo­tor­fahr­zeug ent­larvt:

»Wind Spirit« oder »Wind Star« im Einsatz vor Port de Sóller

Abends konn­te ich her­aus­goo­geln, daß es sich bei die­sem of­fen­kun­di­gen Lu­xus-Ve­hi­kel ent­we­der um die »Wind Spi­rit« oder um de­ren Schwe­ster­schiff »Wind Star« han­deln muß­te. Die Ree­de­rei Wind­star Crui­ses kann ih­re bei­den Re­tro-Pöt­te of­fen­bar selbst nicht wirk­lich un­ter­schei­den, die bei­den ver­link­ten Schiffs-Sei­ten und die dort ge­zeig­ten Fo­tos sind je­den­falls bis auf den je­wei­li­gen Na­men iden­tisch!

Klar ist, daß der­lei No­bel-Ge­fähr­te ein­satz­mä­ßig rund ums Jahr ver­plant sein müs­sen, um ih­re ex­or­bi­tan­ten Ko­sten wie­der ein­zu­spie­len. Da kann man sich nicht auf die Zu­fäl­lig­kei­ten des Wet­ters und der Win­de ver­las­sen, im Zwei­fels- bzw. Flau­ten­fall muß ei­ne star­ke Mo­tor­an­la­ge da­für sor­gen, daß der Kahn pünkt­lich an der näch­sten fahr­plan­mä­ßig vor­ge­se­he­nen Mo­le zu lie­gen kommt.

Na ja, wer’s mag. Mei­ner ei­ner wür­de kei­nen um Zeh­ner­po­ten­zen kost­spie­li­ge­ren Ur­laub an­tre­ten, auf dem es mehr Meer als Land zu se­hen gibt und in des­sen Ver­lauf die von den Wel­len ge­schwenk­ten und ge­schüt­tel­ten In­ne­rei­en wo­mög­lich zu re­bel­lie­ren be­gin­nen. Und so ma­chen wir uns da­her mit dem (zu­ge­ge­ben strecken­wei­se auch recht schau­keln­den) Om­ni­bus auf in die gar nicht so fer­ne Haupt­stadt Pal­ma de Mal­lor­ca, um uns für die letz­te Ur­laubs­wo­che mit ei­nem Miet­wa­gen zu ver­sor­gen und zu mo­bi­li­sie­ren. Den frisch über­nom­me­nen Flit­zer las­sen wir aber erst­mal vor dem Eu­rop­car-Bü­ro ste­hen und be­ge­ben uns zu Fuß auf ei­ne klei­ne Stadt­be­sich­ti­gung...

Palacio Real de La Almudaina

Den in­ner­städ­ti­schen Rum­mel mit Tou­ri­sten­strö­men, Gauk­lern und Ta­schen­spie­lern, Bou­ti­quen und Nip­pes­lä­den spa­re ich hier be­wußt aus, und auch das in ei­ner teu­ren Pseu­do­kunst-Ga­le­rie live mit­er­leb­te Ver­kaufs­ge­spräch, in dem ei­ne auf­ge­bre­zel­te Blub­ber­phra­sen­dre­scherin oh­ne je­de Sach­kun­de ei­nem nicht min­der ah­nungs­lo­sen (aber im­mer­hin wohl­ha­ben­den) Kun­den­paar teu­ren Edel­kitsch auf­zu­schwat­zen trach­te­te, ist glück­li­cher­wei­se schon so tief im Sumpf des zonebattler’schen Syn­ap­sen­rau­schens ver­sun­ken, daß er die De­tails gar nim­mer her­aus­zie­hen kann und mag. Viel lie­ber lenkt er den Blick und die Auf­merk­sam­keit sei­nes ver­ehr­ten Pu­bli­kums auf wür­de­vol­le al­te Ar­chi­tek­tur-De­tails, wie bei­spiels­wei­se die über die­sem Ab­satz ab­ge­bil­de­ten Zin­nen des al­ten Kö­nigs­pa­la­stes »Pa­la­cio Re­al de La Al­mu­da­i­na«.

Ge­mein­hin ist ja die Mit­tags­zeit nicht eben ide­al zum Knip­sen, da grell die De­tails über­strah­lend und un­gün­sti­ge Schat­ten­wür­fe be­din­gend. Den wuch­ti­gen Pa­last­mau­ern ge­reich­te der Höchst­stand des be­leuch­ten­den Ge­stirns in­des eher zum Vor­teil. Nicht ganz so kon­trast­reich ge­riet mir die Auf­nah­me ei­ner al­ten Wind­müh­le in Ha­fen­nä­he, die – im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren ge­se­hen Ex­em­pla­ren – nicht weit­ge­hend ver­fal­len, son­dern recht an­sehn­lich re­stau­riert wor­den war:

traditionelle Windmühle in Palma de Mallorca

Heut­zu­ta­ge wird na­tür­lich al­lent­hal­ben mit Strom ge­mah­len statt mit un­zu­ver­läs­si­ger Wind­ener­gie, aber wer weiß, viel­leicht er­lebt die Wind­kraft­nut­zung auch auf den Ba­lea­ren ei­ne Re­nais­sance. Die Son­ne scheint auch häu­fi­ger als bei uns da­heim im Nor­den, da könn­ten die In­seln doch glatt auch in Sa­chen So­lar­ener­gie­nut­zung ei­ne Vor­rei­ter­rol­le spie­len...

Doch zu­rück zu bo­den­stän­di­gen Be­trach­tun­gen. Pal­men gibt es ja reich­lich in und um Pal­ma, no­men es omen. Aber wel­che Bäu­me wach­sen in Ufer­nä­he in dich­ten Wäl­dern und ha­ben ei­nen wei­ßen Stamm? Nein, kei­ne Bir­ken. Es sind viel­mehr die Ma­sten der Se­gel­boo­te, die dort son­der Zahl vor sich hin­düm­peln und über­wie­gend der Wie­der­kehr ih­rer ab­sen­ten Herr­schaft har­ren:

Boote, Boote, Boote im Hafen von Palma de Mallorca

Wir guck­ten uns die an­ge­ket­te­ten Nuß­scha­len und auch die grö­ße­ren Boo­te ger­ne an, so­was sieht man im hei­mi­schen Bin­nen­land ja nicht al­le Ta­ge. Im­mer wie­der er­staun­lich, was Leu­te in ein schnit­ti­ges Schiff­chen zu in­ve­stie­ren be­reit sind, des­sen All­tags­nut­zen ver­mut­lich deut­lich un­ter dem re­prä­sen­ta­ti­ven Nut­zen ran­giert. Aber das gilt ja für mon­strös auf­ge­la­de­ne Au­tos an Land ge­nau­so. Wir wen­den uns jetzt vom Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis des Geld­adels ab und dem frü­he­rer Kir­chen­für­sten zu, de­ren Drang zu Hö­he­rem, Grö­ße­ren, Wei­te­ren zu­min­dest vor­geb­lich der Eh­re Got­tes dien­te. Hier se­hen wir die go­t­hi­sche Ka­the­dra­le der Hei­li­gen Ma­ria (»La Seu«) aus un­ge­wohn­ter Per­spek­ti­ve:

Kathedrale La Seu im Süden der Altstadt von Palma

Das Fo­to schoß ich tat­säch­lich aus ei­ni­gen hun­dert Me­tern Ent­fer­nung vom Dach des »Es Ba­luard« aus, ei­nem wun­der­ba­ren Mu­se­um für mo­der­ne und zeit­ge­nös­si­sche Kunst, des­sen ge­lun­ge­ne Ar­chi­tek­tur sich her­vor­ra­gend in ei­ne Eck­ba­sti­on der al­ten Re­nais­sance-Stadt­mau­er ein­fügt. Ei­nen Be­such in die­sem Mu­sen­tem­pel kann man kul­tu­rell in­ter­es­sier­ten Pal­ma-Be­su­chern nur wärm­stens ans Herz le­gen, Bau und In­halt ha­ben in­ter­na­tio­na­les For­mat! Wir ha­ben meh­re­re Stun­den stau­nend drin­nen ver­bracht, her­nach auf dem Vor­platz er­neut un­ver­hofft den Miet­Mi­chel ge­trof­fen (wir er­in­nern uns an die Fol­ge 3) und uns dann ei­nen Be­such in der Kir­che ge­schenkt, da uns der als in je­der Hin­sicht zu kost­spie­lig er­schien (vom Ein­tritts­geld her be­trach­tet eben­so wie be­treffs der an- bzw. ab­zu­ste­hen­den War­te­zeit).

Aber man muß ja auch nicht al­les und je­des se­hen, zu­mal die un­be­kann­te­ren Ecken oft mehr Über­ra­schun­gen be­reit­hal­ten als die of­fi­zi­el­len »Se­hens­wür­dig­kei­ten«. Hier hält sich zum Ex­em­pel ei­ne pit­to­res­ke Tou­ri­sten­grup­pe di­rekt un­ter­halb der Ka­the­dra­le ein­an­der fest die Treue (und sich ge­gen­sei­tig beim Wickel resp. am Kit­tel):

Touristen beim gegenseitigen Haltsuchen

Ob die mir un­be­kann­ten Herr- und Da­men­schaf­ten nun halt­su­chend von der Pracht der Ka­the­dra­le über ih­nen über­wäl­tigt oder nach kol­lek­ti­vem Ge­nuß von al­ko­ho­li­scher Ei­mer­wa­re ins Wan­ken ge­kom­men wa­ren oder schlicht ver­such­ten, zwecks Er­stel­lung ei­nes ge­mein­sa­men Sel­fies kom­pakt zu­sam­men­zu­rücken – wer weiß? In je­dem Fall ga­ben sie ein schö­nes Mo­tiv für den Be­richt­erstat­ter ab, der sich ein­mal mehr dar­über freu­te, auf­grund der spä­te­ren Unin­den­ti­fi­zier­bar­keit der Ge­zeig­ten nie­man­den um Pu­bli­ka­ti­ons­ge­neh­mi­gung fra­gend an­ge­hen zu müs­sen...

Nur we­ni­ge Me­ter wei­ter er­gab sich die näch­ste Ge­le­gen­heit zur licht­bild­ne­ri­schen Be­tä­ti­gung. Im Schat­ten des gro­ßen Got­tes­hau­ses – viel­leicht schon zum Parc de La Mar ge­hö­rig – gibt es ei­ne Art Frei­licht-Thea­ter, wel­ches mit ei­nem Dach aus rau­ten­för­mi­gen Ele­men­ten über­spannt ist. Die Schat­ten­spie­le die­ses ein biß­chen an das Baye­ri­sche Staats­wap­pen er­in­nern­den Waf­fel­mu­sters sind wahr­lich spek­ta­ku­lär an­zu­schau­en:

Schattenspiele unter einem Sonnendach aus rautenförmigen Segmenten

Es gibt al­so auch ab­seits des quir­li­gen Le­bens im Stadt­zen­trum ei­ni­ges zu se­hen in Pal­ma de Mal­lor­ca, und wer Ru­he sucht, der fin­det sie auch. Klar, ein Gang durch die La­den­stra­ßen ge­hört eben­so da­zu wie die Ein­kehr in ei­nem der zahl­lo­sen klei­nen Lo­ka­le, aber der zonebatt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te fin­den Stein­mas­sen ge­mein­hin at­trak­ti­ver (und we­ni­ger schwatz­haft) als Men­schen­mas­sen...

So, zum Ab­schluß ge­hen wir ein paar hun­dert Me­ter wei­ter nord­öst­lich vor dem Hei­li­gen Fran­zis­kus auf die Knie, um die hin­ter ihm im Abend­licht gül­den strah­len­de Ba­si­li­ca de San Fran­ces­co noch an­ge­mes­sen ein­zu­fan­gen:

Basilica de San Francesco im Palma de Mallorca

Es ist Abend ge­wor­den, schnell krie­chen die Schat­ten hö­her an des Hei­li­gen Kut­te und dar­über hin­aus. Wir ma­chen uns da­her auf und schlän­geln uns ziel­stre­big wie­der süd­west­wärts durch das La­by­rint der Alt­stadt, um an der Ufer­pro­me­na­de zu­rück zum Stell­platz un­se­res bis da­hin noch kei­nen Me­ter be­weg­ten Wa­gens zu ge­lan­gen.

Die­sen in Be­trieb zu neh­men war gar nicht so ein­fach: Statt des ge­buch­ten und er­be­te­nen Klein­wa­gens wa­ren wir man­gels Ver­füg­bar­keit ei­nes sol­chen zur nächst­hö­he­ren Klas­se up­ge­gra­det wor­den, und der zonebatt­ler muß­te zu­nächst ein­mal kon­sta­tie­ren, daß so ein mo­der­ner Mit­tel­klas­se­wa­gen mehr He­bel, Knöp­fe und Lämp­chen hat als sei­ne spar­ta­ni­sche Renn­gur­ke Mo­le­kü­le. Schließ­lich ge­lang es ihm aber doch, den Wa­gen zu star­ten, den rech­ten Gang zu fin­den und den Flit­zer un­fall­frei durch die Stadt zu ma­nö­vrie­ren so­wie nach Port de Sól­ler zu über­füh­ren. In der näch­sten Fol­ge star­ten wir mit der schnit­ti­gen Kar­re dann von dort aus zu er­sten Aus­flü­gen in die wei­te­re Um­ge­bung un­se­res Do­mi­zils...

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Donnerstag, 27. Februar 2014

Steh­zeug-Sta­ti­stik

Ge­stern hat mei­ne bra­ve Renn­gur­ke ih­ren 16. Ge­burts­tag ge­fei­ert. Die re­kord­ver­däch­ti­ge Lauf­lei­stung im letz­ten Le­bens­jahr: 1.481 km. Nein, da fehlt vor­ne kei­ne wei­te­re Zif­fer. Ja, ich bin gleich­wohl Mit­glied der mo­bi­len Ge­sell­schaft. Aber mir steht ein be­stens ge­pfleg­ter Fuhr­park aus Dienst­wa­gen mit 11.000 PS zur Ver­fü­gung und mei­nen täg­li­chen Be­darf ein­kau­fen kann ich per pe­des in den Lä­den um die Ecke.

In­ter­es­sant ist die Ent­wick­lung der jähr­li­chen Ki­lo­me­ter-Fres­se­rei seit dem Kauf mei­nes wei­land fa­brik­neu­en Mi­ni­bus­ses En­de Fe­bru­ar 1998:

jährliche Laufleistungen des zonebattler'schen Subaru Libero

Wenn das so wei­ter geht, kriegt mein knud­de­li­ges Ve­hi­kel in 14 Jah­ren noch ein H‑Kennzeichen ver­paßt und wird in den Old­ti­mer-Eh­ren­stand er­ho­ben. Falls mir die dep­per­ten Parkremp­ler bis da­hin nicht mei­nen ar­men Li­be­ro un­ten vor der Haus­tü­re zu­schan­den ge­fah­ren ha­ben...

Montag, 21. Mai 2012

Die Ver­kehrs­in­sel (1)

Zwei Jah­re nach sei­nem Ur­laub auf der »Schatz­in­sel« zog es den zonebatt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te heu­er er­neut auf ein sa­gen­um­wo­be­nes Ei­land: Mal­ta war dies­mal un­ser mee­res­um­spül­tes Ex­pe­di­ti­ons­ziel. Zwei­ein­halb Wo­chen lang er­forsch­ten wir den me­di­ter­ra­nen In­sel­staat zwi­schen Si­zi­li­en und Afri­ka, und wie die über­ein­an­der­ge­leg­ten GPS-Tracker-Da­ten zei­gen, mach­ten wir da­bei auch ei­nen klei­nen Ab­ste­cher nach Go­zo, der zwei­ten, deut­lich klei­ne­ren (und ru­hi­ge­ren) Haupt­in­sel des Ar­chi­pels. War­um ich die mehr­tei­li­ge Be­richt­erstat­tung mit »Die Ver­kehrs­in­sel« über­schrei­be, wird spä­ter deut­lich wer­den, wenn ich un­se­re schier un­glaub­li­chen Er­fah­run­gen mit dem öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr dort in epi­scher Brei­te aus­wal­ze...

Übersichtskarte von Gozo und Malta mit den von uns zurückgelegten Wegen
Map da­ta: © Open­Street­Map con­tri­bu­tors, powe­red by Open­Rou­te­Ser­vice

Nach knapp drei Wo­chen Ur­laub da drun­ten gibt es ziem­lich viel zu er­zäh­len und auch man­ches im Bil­de vor­zu­zei­gen, al­lein wie Struk­tur hin­ein­brin­gen und am be­sten an­fan­gen? Star­ten wir doch ein­fach mal mit ein paar Spe­zia­li­tä­ten und Wun­der­lich­kei­ten, die uns mehr­fach und im­mer wie­der, ja nach­ge­ra­de stän­dig un­ter die Au­gen und vor die Fü­ße ge­kom­men sind. Zu­vör­derst ist das das bau­li­che Er­be der über 150-jäh­ri­gen bri­ti­schen Ko­lo­ni­al­herr­schaft: Die mal­te­si­che Stadt­ar­chi­tek­tur im geor­gia­ni­schen Stil ist trotz al­ler neu­zeit­li­chen Kahl­schlä­ge zu­gun­sten du­bio­ser Ap­par­te­ment-Häu­ser oder ge­sichts­lo­ser Ho­tel-Tür­me im­mer noch flä­chig prä­sent, und mit ihr die aus Eng­land be­kann­te Viel­falt an bun­ten Tü­ren mit (mehr oder we­ni­ger) no­blen Knäu­fen und Klop­fern dran:

Türknäufe und -klopfer in allen Formen und Farben

Nicht im­mer hal­ten üb­ri­gens die um den po­lier­ten Tür­knauf her­um ge­bau­ten Häu­ser, was die ge­pfleg­ten Be­schlä­ge ver­spre­chen: So man­ches der nicht im­mer in Wür­de ge­al­ter­ten Ge­bäu­de wä­re mit dem eng­li­schen Eu­phe­mis­mus »has se­en bet­ter days« nur un­zu­rei­chend be­schrie­ben. Drum eben nicht die gan­ze Hüt­te ge­zeigt, son­dern voll fett auf die Mit­te der Haus­tür ge­zoomt, und schon ist die Welt – zu­min­dest bild­lich ge­spro­chen – wie­der in Ord­nung...

Oh­ne­hin un­sicht­bar ist da­ge­gen die mo­der­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons-In­fra­struk­tur in Form ko­sten­lo­ser und frei zu­gäng­li­cher WLAN-Hot­spots, im eng­li­schen Sprach­raum Wi-Fi ge­hei­ßen. In den tou­ri­stisch ge­präg­ten Ge­gen­den Mal­tas fin­det man al­le paar Me­ter ein Lo­kal, ei­ne Bar oder ei­nen der glo­bal om­ni­prä­sen­ten Bu­let­ten-Bra­t­er, bei dem man sich zur gleich­zei­ti­gen Stil­lung von Ka­lo­rien- und Nach­rich­ten­hun­ger tem­po­rär nie­der­las­sen kann. Die hier­zu­lan­de ge­fürch­te­te und stets als Da­mo­kles­schwert über dem leicht­sin­ni­gen Rou­ter­be­sit­zer schwe­ben­de Be­trei­ber­haf­tung ist im EU-Mit­glieds­staat Mal­ta of­fen­bar (noch?) kein The­ma:

Praktisch und hilfreich: freies WLAN für alle

Wir mach­ten von dem vir­tu­el­len Kom­fort reich­lich Ge­brauch, in­dem wir mit dem Smart­pho­ne fast täg­lich die ein­ge­gan­ge­nen Mails check­ten, vor al­lem aber, um uns für den Le­se­abend im Ho­tel­bett mit ak­tu­el­lem Ma­te­ri­al zu ver­sor­gen: Da­heim in der Hei­mat warf Freund Le­xi­ka­li­ker täg­lich »ca­libre« an, um uns die ak­tu­el­len News­feeds von FAZ.NET, Süddeutsche.de, ZEIT ONLINE und noch ein paar an­de­ren gern auf­ge­saug­ten Quel­len fein for­ma­tiert über den Äther auf mein stets mit­ge­führ­tes Le­se­brett­chen zu bea­men. Tags­über auf den Bei­nen und in der Frem­de Neu­es zu ent­decken, abends ak­tu­el­len In­put aus der Hei­mat zu stu­die­ren, die­se Mi­schung aus Fuß- und Kopf­ar­beit lern­ten wir zu schät­zen...

Schät­zen tut der zonebatt­ler be­kannt­lich auch sei­ne mo­to­ri­sier­te Renn­gur­ke, und so war er hoch­er­freut, vier­räd­ri­ge Cou­sins sei­nes ei­ge­nen Ve­hi­kels (au­ßer­halb des deut­schen Mark­tes »Sub­a­ru Sam­bar« ge­nannt) an al­len Ecken und En­den der In­sel her­um­flit­zen (oder her­um­ste­hen) zu se­hen:

Praktisch und beliebt: Subaru-Renngurken in allen Varianten

Über­haupt fin­den sich auf Mal­ta vie­le ja­pa­ni­sche Au­tos, die aus­weis­lich di­ver­ser Auf­kle­ber mit fern­öst­li­chen Schrift­zei­chen of­fen­kun­dig als Ge­braucht­fahr­zeu­ge nach Eu­ro­pa im­por­tiert wor­den sind. Da ei­ne hei­mi­sche Nach­fra­ge nach be­reits be­nutz­ten Fahr­zeu­gen in Ja­pan aus kul­tu­rel­len Grün­den kaum exi­stiert, flo­riert der Ver­kauf nach Über­see in Re­gio­nen mit Links­ver­kehr und Rechts­len­kung (wo­zu aus Grün­den des bri­ti­schen Er­bes eben auch Mal­ta ge­hört). Der Libero/Sambar ist je­den­falls der idea­le Klein­trans­por­ter für die zu­wei­len en­gen Gas­sen und hol­pe­ri­gen Stra­ßen Mal­tas!

We­ni­ger nach­voll­zieh­bar als die Lie­be zu knuf­fi­gen Töff-Töffs ist der Hang mal­te­si­scher Bal­ler-Män­ner zum Schie­ßen auf al­les, was Flü­gel hat und flat­tert. Jen­seits der mensch­li­chen Sied­lun­gen ste­hen in der idyl­li­schen Land­schaft al­le paar Me­ter pro­vi­so­ri­sche und ziem­lich schä­bi­ge Un­ter­stän­de her­um, und auch au­ßer­halb der of­fi­zi­el­len Jagd­sai­son kann man dort die Spu­ren des für Vö­gel je­der Art und Grö­ße töd­li­chen Ge­tu­es schwer­lich über­se­hen:

leere Schrotpatronen künden vom jähen Vogeltod

Für den ge­mei­nen Mal­te­ken scheint das Pul­ve­ri­sie­ren von be­weg­li­chen Luft­zie­len nicht min­der er­re­gend zu sein als für die Spa­ni­er der Stier­kampf. Gan­ze Po­pu­la­tio­nen zwit­schern­der Luf­ti­kus­se wer­den da weit­ge­hend aus­ge­rot­tet, für Zug­vö­gel ist das Ei­land mit­ten im Mit­tel­meer ja ein kaum zu ver­mei­den­der Zwi­schen­stopp. Ver­we­ge­ne Tief­flie­ger könn­ten mit schnei­di­gem Kur­ven in Bo­den­nä­he si­cher­lich da­zu bei­tra­gen, daß sich die wil­de Jä­ger­schar durch friend­ly fire selbst de­zi­miert, so vie­le von de­nen sind da zu­gan­ge mit dem Fin­ger am Ab­zug ih­rer Flin­te...

So wie der Ang­ler sei­ne Lieb­lings­ge­wäs­ser hat (und dort sei­ner Lei­den­schaft zu­min­dest laut­los, wenn­gleich für sei­ne Op­fer nicht min­der töd­lich nach­geht), so scheint auch der Schrot­schüt­ze sei­ne be­vor­zug­ten Re­vie­re zu ha­ben. Die Rei­se­füh­rer be­haup­ten je­den­falls froh­ge­mut, daß die in der frei­en Wild­bahn al­ler­or­ten an­zu­tref­fen­den Warn- und Ver­bots­schil­der nicht auf den arg­lo­sen Wan­de­rer ge­münzt sei­en, son­dern eher auf die (mehr oder we­ni­ger waid­män­nisch agie­ren­de) Kon­kur­renz mit Schieß­ge­wehr:

Wanderer, bleib' auf Deinem Wege...

Wir ha­ben das frei­lich nicht ve­ri­fi­ziert und blie­ben stets dies­seits der ty­po­gra­phisch kru­den Droh­ge­bär­den, es gab ja schließ­lich auch so ge­nü­gend un­ge­fähr­li­che Mög­lich­kei­ten, das Land per pe­des zu be­strei­fen.

Nun gut, nach die­sen et­was be­fremd­lich an­mu­ten­den Aspek­ten lo­ka­ler Sit­ten, Ri­ten und Ge­bräu­che wol­len wir uns dann aber doch end­lich und in­ten­siv den Schön­hei­ten der In­sel­grup­pe zu­wen­den, und de­rer gibt es wirk­lich vie­le: Die Land­schaft ist gran­di­os, die kul­tu­rel­len Zeug­nis­se ver­gan­ge­ner Epo­chen sind es nicht min­der, die Ein­hei­mi­schen freund­lich, nah­bar und um­gäng­lich (je­den­falls die oh­ne Feu­er­büch­se im An­schlag). In der näch­sten Fol­ge spu­len wir in Kür­ze noch ein­mal zu­rück und set­zen mit der Air Ber­lin zum Lan­de­an­flug an auf den Staat mit der no­mi­nell größ­ten Be­völ­ke­rungs­dich­te un­se­res Pla­ne­ten!

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Sonntag, 17. Oktober 2010

Rei­se ins Re­vier (3)

Nach dem Auf­wa­chen auf dem – wie es ein smar­ter Mak­ler sehr tref­fend aus­drücken wür­de – äu­ßerst ver­kehrs­gün­stig ge­le­ge­nen Wohn­mo­bil-Stell­platz be­sich­tig­ten wir (nur ei­ne ob­li­ga­to­ri­sche Kat­zen­wä­sche und ein wie üb­lich am­bu­lant ein­ge­nom­me­nes Früh­stück spä­ter) den Ober­hau­se­ner Ga­so­me­ter. Als in der Tat sehr ein­drucks­voll er­wies sich das In­ne­re des gi­gan­ti­schen Hohl­kör­pers, ins­be­son­de­re aber auch die ak­tu­el­le Aus­stel­lung »Stern­stun­den – Wun­der des Son­nen­sy­stems«, die noch bis zum En­de des lau­fen­den Jah­res be­wun­dert wer­den kann. Die über­gro­ßen Fo­tos, die aus­la­den­den Pla­ne­ten­mo­del­le und ins­be­son­de­re das nach­ge­ra­de rie­si­ge Mond­mo­dell loh­nen ei­nen Ab­ste­cher in die dicke Röh­re al­le­mal!

Aus den Tie­fen des Alls resp. des ehe­ma­li­gen Gas­be­häl­ters wie­der ans Ta­ges­licht zu­rück­ge­kehrt, mach­ten wir in­ter­es­se­hal­ber ei­nen Rund­gang durch das na­he­ge­le­ge­ne Cen­trO, dem laut Ei­gen­wer­bung »größ­ten Shop­ping- und Frei­zeit­zen­trum Eu­ro­pas«. Na ja, es gibt dort wie hier und über­all sonst im We­sent­li­chen die glei­chen Ket­ten­lä­den, ei­ne Freß­rotun­de ei­nen Food Court und die heut­zu­ta­ge üb­li­che Shop­ping-Cen­ter-Ar­chi­tek­tur. Der zonebatt­ler ließ sich letzt­lich von der all­ge­mei­nen Kon­sum-Stim­mung um ihn her­um an­stecken und zück­te ver­zückt sei­ne Geld­bör­se... [1]

Über dem Kauf­rausch war es Nach­mit­tag ge­wor­den, dar­um galt es, hur­tig auf die Au­to­bahn zu flit­zen und sich vom sanft säu­seln­den Han­dy in die quir­li­ge In­nen­stadt Düs­sel­dorfs lot­sen zu las­sen. In der dor­ti­gen Kunst­samm­lung NRW (K20 am Grab­beplatz) tra­fen wir uns zu­nächst mit ei­nem uns bis da­to nur vir­tu­ell be­kann­ten Blog­ger-Kol­le­gen zu ei­nem höchst an­re­gen­den Plausch. Dann mee­te­ten & gree­te­ten wir noch ei­ne lie­be (Fast-)Nachbarin aus Fürth, welch­sel­be in wacke­rer, ge­dul­dig er­tra­ge­ner Pend­ler-Exi­stenz in je­nem be­rühm­ten Kunst-Tem­pel ihr werk­täg­li­ches Ein- und Aus­kom­men fin­det...

In­des wa­ren wir ja nicht nur zum Schä­kern und sich Be­schnup­pern nach Düs­sel­dorf ge­kom­men, nein, es war­te­te am Abend ein re­spek­ta­bler Kunst­ma­ra­thon auf uns in Form der vie­len zeit­gleich statt­fin­den­den Ver­nis­sa­gen zur Qua­dri­en­na­le 2010! Wir guck­ten und scho­ben uns bis spät in die mil­de Nacht durch die frisch er­öff­ne­ten Aus­stel­lun­gen »Jo­seph Beuys. Par­al­lel­pro­zes­se« (K20), »Nam Ju­ne Pa­ik« (mu­se­um kunst pa­last) und »Der Ro­te Bul­li. Ste­phen Shore und die Neue Düs­sel­dor­fer Fo­to­gra­fie« (NRW-Fo­rum), bis wir dann end­lich er­mat­tet quer durch die Stadt (er­neut vom Han­dy si­cher ge­lei­tet) in Rich­tung Aus­stel­lung Nr. 4 (K21 Stän­de­haus) tapp­ten, wo­selbst die eben­so ab­seits wie ko­sten­frei ge­park­te Renn­gur­ke un­se­rer harr­te. Schön war die Kunst, schön war die Nacht, schön zeig­te sich auch die bunt il­lu­mi­nier­te Sky­line des Dor­fes an der Düs­sel:

Düsseldorf bei Nacht

Erst nach Mit­ter­nacht lie­fen wir wie­der in Ober­hau­sen ein, wo wir di­rekt am Fu­ße des Ga­so­me­ters ei­ne Wa­gen­burg bil­de­ten und uns zur (dies­mal ge­büh­ren­frei­en) Ru­he nie­der­leg­ten...

Am Tag Nr. 8 un­se­rer Ex­pe­di­ti­on wa­ren wir schon lan­ge vor der er­neu­ten Öff­nung des dicken Wahr­zei­chens von Ober­hau­sen wie­der wach und rei­se­be­reit. Wir tucker­ten los in Rich­tung Es­sen, wo­selbst wir schon wie­der ei­ne Ver­ab­re­dung hat­ten: Am Ran­de der welt­be­rühm­ten Ze­che Zoll­ver­ein woll­ten wir uns mit ei­nem mei­ner flei­ßi­gen Home­page-Zu­trä­ger tref­fen, der uns – als Ein­hei­mi­scher be­stens orts- und kul­tur­kun­dig – die um­fang­rei­chen Ein­rich­tun­gen der rie­si­gen still­ge­leg­ten An­la­ge zei­gen und er­läu­tern woll­te. Es wur­de ein lan­ger, lehr­rei­cher und bun­ter Tag...

Förderturm der Zeche Zollverein
 
Detail der Kokerei
 
abgesperrtes Werksgebäude

In sei­nem Hang zum Skur­ri­len und Bi­zar­ren fiel dem zonebatt­ler so man­ches De­tail auf. Un­ter an­de­rem kam ihm die­ser höchst ei­gen­ar­ti­ge Mast­schmuck vor die Lin­se:

mustergültiges Exempel von Strickgraffiti

Zu­nächst konn­ten wir uns kei­nen Reim auf je­nes eben­so ge­lun­ge­ne wie selt­sa­me Woll-Ob­jekt ma­chen. Ein Blick auf den an­ge­knüpf­ten Bei­pack­zet­tel klär­te uns je­doch schnell auf: »Strick­graf­fi­ti soll den öf­fent­li­chen Raum et­was bun­ter ma­chen und be­schä­digt nichts.« Wenn das kein Bei­spiel für vor­bild­haft bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment ist!

Nach­dem wir uns am spä­ten Nach­mit­tag von un­se­rem mul­ti­ta­len­tier­ten Füh­rer-Freund ver­ab­schie­det hat­ten, fuh­ren wir wei­ter in Rich­tung Sü­den, nah­men un­ter­wegs Be­triebs­stof­fe für Mensch und Ma­schi­ne auf und be­gan­nen mit der Su­che nach ei­nem Plätz­chen für die Nacht. Dies ge­stal­te­te sich dies­mal als un­er­war­tet schwie­rig, es woll­te sich par­tout kein ge­eig­ne­ter Ort er­spä­hen las­sen. Nach lan­ger Odys­see – es war in­zwi­schen schon dun­kel ge­wor­den – be­zo­gen wir end­lich pro­vi­so­risch Po­sten auf ei­nem Be­su­cher-Park­platz am Nord­ost-Ufer des Bal­de­ney­sees.

Was sich letzt­lich als gu­te Wahl ent­pupp­te: Im Grun­de soll­te man sich in Bal­lungs­räu­men oh­ne­hin von der Idee ver­ab­schie­den, ei­nen Schlaf­platz »im Grü­nen« aus­fin­dig ma­chen zu kön­nen. Mit­ten drin im ur­ba­nen Ge­tüm­mel fin­den sich noch am ehe­sten leid­lich ab­ge­le­ge­ne Ecken an Fried­hö­fen, Su­per­märk­ten oder Fa­bri­ken, wo sich des Nachts kaum ein Mensch hin­ver­irrt. Und wenn doch mal ei­ner sei­nen Vier­bei­ner Gas­si führt, dann gucken bei­de meist dis­kret zu Sei­te. So je­den­falls un­se­re Er­fah­rung; die ech­ten Schur­ken schla­gen am helll­lich­ten Ta­ge zu...

Der neun­te Tag un­se­rer Rei­se war er­stens ein Sonn­tag und mach­te zwei­tens sei­nem Na­men we­nig Eh­re: Es reg­ne­te mehr oder we­ni­ger fast den gan­zen Tag über. Das scher­te (schor?) uns frei­lich we­nig, denn wir hat­ten oh­ne­hin ein eher in­häu­si­ges Be­sich­ti­gungs­pro­gramm zu ab­sol­vie­ren. Die er­ste Sta­ti­on (die uns schon fast ei­nen hal­ben Tag ko­ste­te) war die ober­halb des Bal­de­ney­sees thro­nen­de Vil­la Hü­gel, die bis 1945 das re­prä­sen­ta­ti­ve Re­fu­gi­um der In­du­stri­el­len-Fa­mi­lie Krupp ge­we­sen war:

fauchender Löwe aus Stein, die Villa Hügel bewachend

Die in der Vil­la ge­zeig­te Dau­er­aus­stel­lung zur Ge­schich­te von Fa­mi­lie und Fa­brik wür­digt ei­ner­seits die gro­ßen tech­ni­schen Lei­stun­gen des von der klei­nen Klit­sche zum Welt­kon­zern ge­wach­se­nen Un­ter­neh­mens, do­ku­men­tiert aber auch die schick­sal­haf­te Ver­strickung mit dem NS-Re­gime, das oh­ne den »Krupp­stahl« schwer­lich hät­te Krieg füh­ren kön­nen...

Nach Ver­ab­fol­gung die­ser üp­pi­gen Do­sis Zeit­ge­schich­te mach­ten wir uns wie­der auf in Rich­tung In­nen­stadt, um die zwei­te Ta­ges­hälf­te im Mu­se­um Folk­wang zu ver­brin­gen. Da­nach wa­ren wir platt bzw. voll, aber es reich­te doch noch für ei­ne schnel­le Um­run­dung des Aal­to-Thea­ters zu Fuß, um nach der be­reits im April er­folg­ten Be­sich­ti­gung des Wolfs­bur­ger Kul­tur­hau­ses je­nem Bau ein zwei­tes Werk des fin­ni­schen Ar­chi­tek­ten ver­gleichs­hal­ber hin­zu­zu­ge­sel­len. Und weil sich der Marsch an der fri­schen Luft als be­le­bend er­wies, ha­ben wir dann auch noch ‑zu­min­dest von au­ßen – die präch­ti­ge Al­te Syn­ago­ge in­spi­ziert.

Nach so viel Es­sen für die Au­gen war die Zeit zum Es­sen für den Ma­gen ge­kom­men, welch­sel­bi­ges wir wie­der an den Ge­sta­den des Bal­de­ney­sees ein­nah­men, an sei­nem nord­west­li­chen Zip­fel un­ter­halb der Vil­la Hü­gel. Mit ei­nem nächt­li­chen Spa­zier­gang (es reg­ne­te mitt­ler­wei­le nicht mehr) zum in der Fer­ne er­ahn­ten Stau­wehr run­de­te sich der Tag: Drei Vier­tel der Rei­se ins Un­be­kann­te konn­ten nun­mehr als er­folg­reich ab­sol­viert gel­ten. Zum letz­ten Vier­tel bre­chen wir in der näch­sten Fol­ge auf!

 
[1] Aus­ga­ben­rech­nung: EUR 2,40 (Piz­za­stück) + EUR 0,40 (Klo­frau) = EUR 2,80 To­tal

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Sonntag, 3. Oktober 2010

Rei­se ins Re­vier (2)

Der vier­te Tag un­se­rer Rei­se be­gann mit Nie­sel­re­gen, was uns je­doch we­nig aus­mach­te, hat­ten wir doch als er­sten Pro­gramm­punkt oh­ne­hin den Be­such des Deut­schen Berg­bau­mu­se­ums in Bo­chum vor­ge­se­hen. Das weit­läu­fi­ge Mu­se­um gilt als ei­nes der be­deu­tend­sten sei­ner Art und ist in ei­nem hal­ben Tag nicht an­nä­hernd ge­wür­digt. Den­noch konn­ten wir recht viel ler­nen über Ge­schich­te und Tech­nik des Berg­baus, über des­sen Ei­gen­ar­ten wir na­tür­lich prin­zi­pi­ell schon vor­her ei­ni­ger­ma­ßen Be­scheid wuß­ten, des­sen fas­zi­nie­ren­de De­tails uns aber noch nicht so ge­läu­fig wa­ren. Schier un­glaub­lich er­schien es uns, was beim Un­ter­ta­ge­ab­bau so al­les an Ge­rät und Ma­te­ri­al in die Gru­be ver­bracht wer­den muß, be­vor man dem Erd­in­ne­ren über­haupt et­was abgtrot­zen kann. Nicht we­ni­ger ver­blüf­fend ist frei­lich, was nach Aus­beu­tung der Koh­le­flö­ze al­les un­ten bleibt, wenn die Gru­be end­gül­tig ge­schlos­sen wird...

Nach die­sem Aus­flug in die In­du­strie­ge­schich­te tucker­ten wir wei­ter an den Stadt­rand zur Ruhr-Uni­ver­si­tät, um de­ren be­rühm­te Kunst­samm­lun­gen zu in­spi­zie­ren. Der be­ton­la­sti­ge Cam­pus er­in­ner­te den zonebatt­ler stark an die Tech­ni­sche Fa­kul­tät der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät zu Er­lan­gen, wo­selbst er vor drei De­ka­den eher halb­her­zig ein In­ge­nieur­stu­di­um an­ge­fan­gen (und sehr bald wie­der be­en­det) hat­te:

auf dem Campus der Ruhr-Universität in Bochum

Mar­mor, Stein und Be­ton bricht, aber das hat ja letzt­lich auch sei­ne ei­ge­ne Äs­the­tik und vi­su­el­len Charme...

Ein Bum­mel durch die In­nen­stadt (nebst Ge­nuß je ei­nes Ei­ses) run­de­te den Tag. Wir fuh­ren am Abend in süd­öst­li­cher Rich­tung wei­ter und fan­den schließ­lich am hin­te­ren Zip­fel des Park­plat­zes ei­nes Sport­ge­län­des bei Wit­ten ei­nen an­nehm­ba­ren Platz für das am­bu­lan­te Nacht­quar­tier.

Am Mor­gen des fünf­ten Ta­ges roll­ten wir ziel­stre­big zu­rück nach Bo­chum: Des zonebattler’s bes­se­re Hälf­te woll­te un­be­dingt die Me­di­zin­hi­sto­ri­sche Samm­lung der Uni­ver­si­tät be­sich­ti­gen, wel­che in ei­nem pit­to­res­ken al­ten Ma­la­kof­f­turm sehr stil­voll un­ter­ge­bracht ist. Wir ver­brach­ten meh­re­re un­ge­stör­te Stun­den lang in der recht in­for­ma­ti­ven Aus­stel­lung. Lei­der wa­ren ei­ni­ge in­ter­ak­ti­ve Ex­po­na­te de­fekt und nicht zu be­nut­zen, wie so oft hat das Geld einst nur für die Ein­rich­tung, nicht aber für die lau­fen­de Un­ter­hal­tung und Pfle­ge ge­reicht... Als un­ver­hoff­ter Hö­he­punkt der Vi­si­te er­wies sich die ei­gent­lich schon rum­me, aber noch nicht ab­ge­bau­te Son­der­aus­stel­lung »Ge­lenk­te Blicke« über Ras­sen­hy­gie­ni­sche Pro­pa­gan­da und Po­li­tik im Kon­text des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Ei­ne vor­treff­li­che Do­ku­men­ta­ti­on und Ana­ly­se der per­fi­den NS-Pro­pa­gan­da mit ih­rem kru­den Mix aus ech­ten bio­lo­gi­schen Er­kennt­nis­sen und pseu­do­wis­sen­schaft­li­chem Ras­sen­wahn-Ge­schwur­bel...

Ein rei­ni­gen­der Be­such im Bo­chu­mer Stadt­bad mach­te uns an­schlie­ßend wie­der auf­nah­me­fä­hig für die künst­le­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen, die wir in dem spek­ta­ku­lä­ren Ge­bäu­de­en­sem­ble Si­tua­ti­on Kunst (für Max Im­dahl) such­ten und fan­den. Wir ris­sen mit un­se­rem zag­haf­ten Ge­klin­gel ei­ne an­ge­hen­de Kunst­ge­schicht­le­rin aus ih­ren Stu­di­en und wur­den von ihr ein­ge­las­sen in ei­ne En­kla­ve der Kon­tem­pla­ti­on:

Das Hauptgebäude von 'Situation Kunst (für Max Imdahl)' in Bochum

Teils un­ter fach­kun­di­ger Füh­rung der dienst­tu­en­den Stu­den­tin hat­ten wir nun Ge­le­gen­heit, die aus­ge­stell­ten Wer­ke und den si­tua­ti­ven Kon­text auf uns wir­ken zu las­sen. Sehr eli­tär, da wir auch hier wie­der ein­mal die ein­zi­gen Be­su­cher wa­ren! Wer im­mer sich für zeit­ge­nös­si­sche Kunst in­ter­es­siert und in der Nä­he ist, soll­te die Ge­le­gen­heit zu ei­nem Be­such dort nicht ver­säu­men!

Im be­nach­bar­ten Park fü­gen sich al­ler­lei Skulp­tu­ren in die Um­ge­bung ein und spie­len mit der Wahr­neh­mung duch den Be­trach­ter, wie bei­spiels­wei­se die­ser necki­sche Knick in der Op­tik hier:

Skulptur in der Natur

Wie­der zu­rück in der In­nen­stadt gönn­ten wir uns noch ei­nen aus­gie­bi­gen Rund­gang durch das Mu­se­um Bo­chum, gleich­falls mit Schwer­punkt auf mo­der­ner Kunst. Wie er­staunt wa­ren wir doch, der­glei­chen in die­ser Men­ge und Gü­te mit­ten im ehe­ma­li­gen Koh­len­pott zu fin­den! Was wir hin­ge­gen lei­der nicht fan­den, war ein ver­trau­ens­er­wecken­des Plätz­chen für die Nacht. Über­dies wur­de es rasch dun­kel, al­so fuh­ren wir kur­zer­hand Rich­tung Wit­ten, um ei­ne wei­te­re Nacht ne­ben dem uns schon be­kann­ten Sport­platz zu ver­brin­gen...

Dort­selbst bra­chen wir am sech­sten Tag un­se­rer Rei­se am frü­hen Mor­gen auf und hiel­ten ein­mal mehr auf Bo­chum zu. Nach­dem wir dort die Jahr­hun­dert­hal­le um­lau­fen und aus­gie­big in­spi­ziert hat­ten, zog es uns wei­ter in Rich­tung Bot­trop, wo un­se­re näch­ste De­sti­na­ti­on auf uns war­te­te, das Mu­se­um Qua­drat. Wäh­rend in ei­nem der räum­lich ver­bun­de­nen Ge­bäu­de­tei­le die Wer­ke des Bot­tro­per Künst­lers Jo­sef Al­bers ge­zeigt wer­den, gibt es auf der an­de­ren Sei­te Hei­mat­kund­li­ches zu se­hen, flan­kiert von ei­ner ei­ge­nen Samm­lung der Ur- und Früh­ge­schich­te. Rechts ab­strak­te Kunst, links sehr kon­kre­te Mam­mut­ske­let­te. Ei­ne ei­gen­ar­ti­ge, wenn­gleich durch­aus reiz­vol­le Mi­schung. Wo­hin­ge­gen sich gi­gan­ti­sche Am­mo­ni­ten und an­de­re Fos­si­li­en über vie­le Mil­lio­nen Jah­re er­hal­ten ha­ben, ist der eher zeit­ge­nös­si­sche Mu­se­ums­bau lei­der schon nach we­ni­gen Jahr­zehn­ten ma­ro­de ge­wor­den: Der pflicht­be­wuß­te zonebatt­ler mel­de­te dem Wach­per­so­nal ein ste­tes Trop­fen von der Decke, di­rekt zu Fü­ßen ei­nes dar­ob un­ge­rührt schei­nen­den Mam­muts. Tja, Flach­dä­cher halt, ein Irr­weg der bau­tech­ni­schen Evo­lu­ti­on...

Mehr ha­ben wir von Bot­trop dies­mal nicht ge­se­hen, schon ging es wei­ter ins na­he Ober­hau­sen. Dort er­war­ben wir Kom­bi­tickets für die ak­tu­el­le Aus­stel­lung im weit­hin sicht­ba­ren Ga­so­me­ter so­wie für die Lud­wig­ga­le­rie Schloss Ober­hau­sen. Die Zeit reich­te in­des nur noch für die Be­sich­ti­gung der Ga­le­rie mit der sehr ori­gi­nel­len Aus­stel­lung »Zu[m] Tisch!«. [1]

Da wir dann ganz zu­fäl­lig gleich ne­ben­an ei­nen gut aus­ge­schil­der­ten, gleich­wohl kaum be­leg­ten Wohn­mo­bil-Park­platz fan­den, war die Su­che nach ei­nem Platz für die Nacht dies­mal schon be­en­det, kaum daß sie recht be­gon­nen hat­te. Es blieb al­so noch Zeit für ei­nen Ab­ste­cher zur na­hen Sied­lung Ei­sen­heim, ei­ne der äl­te­sten kom­plett er­hal­te­nen Ar­bei­ter­sied­lun­gen Deutsch­lands. Er­staun­lich, wie schon vor über hun­dert Jah­ren qua­li­täts­voll ge­baut wer­den konn­te: Vier völ­lig ge­trenn­te Woh­nun­gen in ei­nem Haus (se­pa­ra­te Ein­gän­ge in­klu­si­ve) sorg­ten für mi­ni­mier­te Bau­ko­sten und für den so­zia­len Frie­den gleich mit! Heut­zu­ta­ge wer­den al­ler­or­ten für teu­er Geld rei­hen­wei­se mi­ni­mier­te Bür­ger­kä­fi­ge mit ma­xi­mier­ter Rei­bungs­flä­che zum Nach­barn er­rich­tet, aber ich will das heu­te nicht schon wie­der the­ma­ti­sie­ren...

Die Ge­schich­te der Sied­lung Ei­sen­heim ist auf vie­len in­for­ma­ti­ven Text­ta­feln vor Ort nach­zu­le­sen. Kaum zu glau­ben, daß ei­ne un­hei­li­ge Al­li­anz aus Ei­gen­tü­mer, Po­li­tik und Ge­werk­schaf­ten seit den 1960ern den To­tal­ab­riß des (in bau­li­cher wie von der So­zi­al­struk­tur her) völ­lig in­tak­ten Vier­tels ge­gen den er­klär­ten Wil­len der Be­woh­ner durch­set­zen woll­te. Wir la­sen wei­ter und wei­ter, von den da­ma­li­gen Bür­ger­i­ni­ta­ti­ven und de­ren teils pro­mi­nen­ten Ak­ti­vi­sten hat­ten wir bis­lang nie ge­hört. Na gut, wir wa­ren da­mals noch zu jung und zu we­nig po­li­tisch im Den­ken. Im­mer­hin, die Sa­che ging gut aus: Was da­mals zu Auf­ruhr im Re­vier führ­te wie heu­te der Streit um Stutt­gart 21, liegt heu­te ru­hig und be­schau­lich vor den Au­gen des Be­trach­ters:

kleinbürgerlicher Blumenschmuck in der Siedlung Eisenheim

Ob sich die heu­ti­gen Be­woh­ner über die hi­sto­ri­sche Be­deu­tung ih­res Vier­tels im Kla­ren sind, ob sie sich über­haupt dar­um sche­ren? Man weiß es nicht, aber es wä­re we­nig ver­wun­der­lich, wenn die jun­ge (Multikulti-)Generation für die Vor­ge­schich­te ih­rer en­ge­ren Hei­mat al­len­falls ein Ach­sel­zucken üb­rig hät­te...

So, es wur­de du­ster, es ging auf La­den­schluß zu, drum noch schnell im näch­sten La­den Milch und Kä­se ge­holt und sich auf den durch ho­he Hecken in­ti­mi­sier­ten Wohn­mo­bil-Stell­platz in ei­ne Ecke ver­zo­gen. Daß der Platz un­weit der Bahn lag, war uns zwar be­reits auf­ge­fal­len, daß der Gü­ter­ver­kehr dort na­he am theo­re­ti­schen Aus­la­stungs­li­mit lie­gen muß­te, be­merk­ten wir erst im Lau­fe der Nacht. Na ja, ir­gend­was ist im­mer, und so­lan­ge die Rä­der so rol­len wie dort, muß sich der zonebatt­ler ver­mut­lich kei­ne Sor­gen um die Si­cher­heit sei­nes Ar­beits­plat­zes ma­chen.

Fort­set­zung folgt!

 
[1] Wer Fo­tos aus den ge­nann­ten Mu­se­en ver­mißt, fin­det die­se sämt­lich hier!

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Dienstag, 28. September 2010

Rei­se ins Re­vier (1)

Nach­dem der zonebatt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te im Früh­jahr reich­lich Ge­le­gen­heit zur Kör­per­er­tüch­ti­gung ge­habt hat­ten, soll­te die all­fäl­li­ge Spät­som­mer-Ex­kur­si­on der Ab­wechs­lung hal­ber doch eher dem Trai­ning von Geist und Hirn­schmalz die­nen. Au­ßer­dem war längst wie­der ei­ne Cam­pingrei­se mit der Renn­gur­ke fäl­lig, um sich ei­ne Wei­le in De­mut und Be­schei­den­heit und nach Art der U‑­Boot-Fah­rer in ei­nem nach­ge­ra­de as­ke­ti­schen Le­bens­stil zu üben. Al­so ward be­schlos­sen (wenn auch nicht groß ver­kün­det), die wei­te Fahrt ins Ruhr­ge­biet an­zu­tre­ten: Deutsch­lands größ­ter Bal­lungs­raum war­tet mit reich­lich in­du­strie­ge­schicht­li­chen Se­hens­wür­dig­kei­ten und be­deu­ten­den Kunst­mu­se­en auf, die den Ti­tel der Kul­tur­haupt­stadt Eu­ro­pas 2010 als al­le­mal ge­recht­fer­tigt er­schei­nen las­sen. Wie üb­lich war der klei­ne GPS-Tracker mit von der Par­tie, was mir nun die nach­träg­li­che Vi­sua­li­sie­rung der zu­rück­ge­leg­ten Rou­te auf der Land­kar­te er­mög­licht:

Reiseroute auf der Landkarte
© Powe­red by MapSurfer.NET; Map da­ta: © Open­Street­Map con­tri­bu­tors
 
Groß­fas­sung 1070 x 680 Pi­xel

Wir star­te­ten in Fürth am Mor­gen des er­sten Sep­tem­ber-Sams­tags und tra­fen nach et­wa fünf Stun­den weit­ge­hend er­eig­nis­lo­ser Marsch­fahrt [1] im schö­nen Soest ein, wo­selbst wir Freun­de mit Haus, Gar­ten und Hund be­such­ten und uns übers Wo­chen­en­de bei ih­nen ein­ni­ste­ten. Am Mon­tag Mor­gen ging es dann früh­zei­tig wei­ter und das ei­gent­li­che Aben­teu­er los... [2]

Er­ste Hal­te­sta­ti­on war das nord­öst­li­che Ufer des Heng­stey­sees, von wo aus wir zur na­hen, aber hoch­ge­le­ge­nen Sy­burg wan­der­ten. Gleich ne­ben­an guckt Wil­helm I. über das wei­te Land und hat sich über die Jah­re grün ge­är­gert über sei­ne ihn mitt­ler­wei­le weit­ge­hend igno­rie­ren­den Un­ter­ta­nen:

Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Syberg

Viel­leicht ist er aber auch im­mer noch ver­stimmt über den plum­pen Ge­schmack der brau­nen Kul­tur­ver­we­ser, die sei­nen wei­land grün­der­zeit­li­chen Schnör­kel­gar­ten in den 1930ern zu ei­nem kalt-ab­wei­sen­den Mo­nu­men­tal­kon­strukt ver­hunz­ten...

Wie­der un­ten an­ge­langt, fand sich nach dem am­bu­lan­ten Mit­tags­mahl zwi­schen den nah­ge­le­ge­nen Sied­lun­gen Heng­stey und Ba­they end­lich das lan­ge­such­te und ‑er­sehn­te Spät­som­mer­mo­tiv für ein jah­res­zeit­lich pas­sen­des Desk­top-Hin­ter­grund­bild:

Essenz des Spätsommers

We­ni­ge Mi­nu­ten und Strecken­ki­lo­me­ter spä­ter ge­lang­ten wir in die In­nen­stadt von Ha­gen, wel­che wir per pe­des und sehr aus­führ­lich in­spi­zier­ten. Hier wie spä­ter an­dern­orts in den Städ­ten des Ruh­r­e­ge­biets fiel uns auf, daß dort rich­ti­ge Ita­lie­ner mit Be­rufs­eh­re im Lei­be her­vor­ra­gen­des Spei­se­eis zu­be­rei­ten und zu fai­ren Prei­sen feil­bei­ten: 80 Cent pro üp­pig be­mes­se­ner Ku­gel in ei­ner knusp­ri­gen Waf­fel und da­zu noch oh­ne künst­li­che Aro­men, das ist in Nürn­berg und Um­ge­bung bei­lei­be kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit mehr! Wo­mög­lich han­delt es sich da­bei um ei­ne ku­li­na­ri­sche Spät­fol­ge der Gast­ar­bei­ter-Schwem­me in den In­du­strie­zen­tren zu Zei­ten des Wirt­schafts­wun­ders?

Wei­ter ging der Weg über das er­staun­lich be­schau­li­che Land bis nach Hat­tin­gen, des­sen viel­ge­rühm­te Alt­stadt aus Fach­werk­häu­sern uns eben­falls ei­ne aus­gie­bi­ge Er­kun­dung zu Fuß wert war. In der Tat hät­ten wir nicht er­war­tet, dort oben in Deutsch­lands wei­land stark in­du­stria­li­sier­tem We­sten so viel pit­to­res­kes Fach­werk an­zu­tref­fen. Die­ses zeigt sich zwar eher streng und we­ni­ger ver­spielt als die frän­ki­sche Bau­wei­se, weiß aber trotz­dem sehr zu ge­fal­len. Nicht we­ni­ger ori­gi­nell sind üb­ri­gens die ört­li­chen Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te, in de­nen man ne­ben al­ler­lei Tin­nef bei­spiels­wei­se mo­di­sche Tarn­an­zü­ge für sei­ne Vier­bei­ner er­wer­ben kann:

ein fesches Regencape für Waldi

Auch sonst gibt es al­ler­lei Ei­gen­wil­li­ges zu se­hen in der wirk­lich put­zi­gen Hat­tin­ger Alt­stadt. Das fin­den frei­lich nicht al­le lu­stig, manch ei­ner wen­det sich so­gar pein­lich be­rührt und mit Grau­sen ab:

lebensgroße Kinderfiguren beim neckischen Spiel

Ei­ne Se­kun­de lang ha­be ich die bei­den Gno­me tat­säch­lich für echt ge­hal­ten...

Der Abend nah­te. Wir ver­sorg­ten uns noch mit ein paar Le­bens­mit­teln (ins­be­son­de­re kühl­be­dürf­ti­gen sol­chen wie Milch und Kä­se, die die Nacht über ne­ben dem Au­to aus­har­ren und aus­hal­ten müs­sen) und be­gan­nen im Um­land mit der Su­che nach ei­nem Stell­platz für die Nacht. Nach ei­ni­gen Irr­we­gen [3] be­zo­gen wir schließ­lich auf ei­nem gro­ßen Platz hin­ter ei­ner Groß­gärt­ne­rei und vor der Ein­fahrt zu ei­ner gro­ßen Bio­gas-An­la­ge Po­sten. Sehr an­ge­nehm, da ru­hig und mit asphal­tier­tem Un­ter­grund, ein ra­res Kom­fort­merk­mal auf un­se­ren mo­to­ri­sier­ten Ex­kur­sio­nen. Mit rou­ti­ner­ten Hand­grif­fen wur­den als­bald die Kla­mot­ten­ta­schen, die Kü­chen- und die Wasch­ki­ste nach vor­ne in das Cock­pit ver­frach­tet und der hin­te­re Teil des treu­en Mi­ni­bus­ses da­mit zum Wohn- und Schlaf­zim­mer um­ge­wid­met. [4] Der ein­set­zen­de Re­gen mach­te das Hau­sen in der be­schüt­zen­den Ei­er­scha­le aus Glas und Blech so rich­tig ge­müt­lich...

So­viel zu den er­sten drei Ta­gen der Rei­se, von de­nen ja recht ei­gent­lich nur ei­ner ei­ne Ex­pe­di­ti­on ins Un­be­kann­te war. In der näch­sten Fol­ge wird es dann schon mehr zu be­rich­ten ge­ben!

 
[1] von der ob­li­ga­to­ri­schen Ent­wäs­se­rungs­pau­se mal ab­ge­se­hen...

[2] Be­waff­net wa­ren wir üb­ri­gens mit dem dicken und fast schon zu um­fang­rei­chen »Ruhr­Kom­pakt« Rei­se- bzw. »Er­leb­nis­füh­rer«. Die te­le­fon­buch­dicke Schwar­te ist zu schwer zur Mit­nah­me auf Wan­de­run­gen und Spa­zier­gän­ge, aber sie ist auch über­aus in­for­ma­tiv, the­ma­tisch sehr um­fas­send und noch da­zu bil­li­ger als die mei­sten Kon­kur­renz­pro­duk­te.

[3] Man braucht bei un­se­rer Art des im­pro­vi­sier­ten Her­um­zi­geu­nerns re­gel­mä­ßig ein paar Ta­ge Übung, bis man wie­der ein Ge­spür und ei­nen Blick für gut ge­eig­ne­te Über­nach­tungs­plät­ze in der frei­en Wild­bahn be­kommt...

[4] Wie im­mer hat­ten wir un­ten Iso­mat­ten und Woll­decken auf die bei­den um­ge­klapp­ten Rück­bän­ke ge­legt und an­son­sten die re­gu­lä­ren Fe­der­bet­ten von da­heim mit­ge­nom­men. Im ei­ge­nen Bett schläft es sich ja be­kannt­lich al­le­mal am be­sten!

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Samstag, 10. April 2010

Vom Fo­to zum Bild (1)

Nach­dem ich erst vor Wo­chen­frist im Bei­trag »Rich­tig­stel­lung« test­hal­ber de­mon­striert hat­te, wie man Fo­tos mit we­nig Auf­wand et­was auf­pep­pen kann, ist mir heu­te die Idee ge­kom­men, daß man aus der­lei Trick­se­rei­en viel­leicht ei­ne klei­ne Se­rie zum Plai­sir der Le­ser­schaft ba­steln könn­te...
 
Ver­su­chen wir es doch zum Ex­em­pel mit ei­nem ku­rio­sen Fo­to vom gest­ri­gen Abend, ein­ge­stellt in die­sen Kom­men­tar zu ei­nem ur­alten Ar­ti­kel. So al­so kam das Mo­tiv aus der zum Auf­nah­me­zeit­punkt sehr bo­den­nah ge­hal­te­nen Ka­me­ra:
 
beladene Renngurke, via Kamera-Klappdisplay von unten anvisiert
 
Abb. 1: be­la­de­ne Renn­gur­ke, via Ka­me­ra-Klapp­dis­play von un­ten an­vi­siert
Das mit mei­ner Ca­non Kom­pakt-Knip­se ge­schos­se­ne Fo­to ha­be ich in Fix­Fo­to ge­la­den und mir als er­stes die un­schö­nen stür­zen­den Li­ni­en vor­ge­nom­men, schließ­lich steht das Alu-ver­klei­de­te Bü­ro­ge­bäu­de nach al­tem Ar­chi­tek­ten-Brau­che ziem­lich lot­recht auf sei­nem Fun­da­ment:
 
per Perspektivkorrektur geradegerückte Fassade
 
Abb. 2: per Per­spek­tiv­kor­rek­tur ge­ra­de­ge­rück­te Fas­sa­de
Im drit­ten Schritt ha­be ich das zum Tra­pez ge­zo­ge­ne Bild »nach Ge­fühl« pas­send be­schnit­ten und das re­sul­tie­ren­de Recht­eck be­hut­sam nach­ge­schärft:
 
einmal waschen, schneiden und legen
 
Abb. 3: ein­mal wa­schen, schnei­den und le­gen
Der vier­te und letz­te Ar­beits­gang be­stand in der 1‑Klick-Op­ti­mie­rung per I2E-Al­go­rith­mus, dem kon­trast­op­ti­mie­ren­den Grau­schlei­er-Ent­fer­ner für lern­fau­le Maus­schub­ser wie mich:
 
mit I2E servierfertig nachgewürzt
 
Abb. 4: mit I2E ser­vier­fer­tig nach­ge­würzt
Ob das nun je­der­mann und je­der­frau ge­fällt, ist wie so oft Ge­schmacks­sa­che. In sei­nem kind­li­chen Na­tu­rell neigt der zonebatt­ler zu schnel­len Lö­sun­gen und pa­sto­sem Auf­tra­gen, ist al­so nicht un­be­dingt der be­hut­sam­ste Bild­be­ar­bei­ter, ge­schwei­ge denn ein be­lie­big sat­tel­fe­ster. Gut mög­lich al­so, daß die im Lau­fe der Zeit hier in die­ser Rei­he de­mon­strier­ten Bild­ver­ba­ste­lun­gen von Mal zu Mal bes­ser aus­fal­len, zu­mal dann, wenn ich mich end­lich an­ge­mes­sen in­ten­siv mit mei­nen Werk­zeu­gen be­schäf­ti­ge und mich in de­ren Fi­nes­sen ein­ar­bei­te...
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Sonntag, 6. Dezember 2009

Ni­ko­lau­sens ro­te Ru­te

Der grell­ro­te Blitz durch­zuck­te mein ge­sam­tes Blick­feld und er­schruk mich der­ma­ßen, daß ich fast das Steu­er ver­ris­sen hät­te: 49,97 Jah­re alt ha­be ich wer­den müs­sen, um heu­te erst­mals im Le­ben von mei­nen ge­setz­li­chen Freun­den und Hel­fern un­ver­hofft ge­blitzt zu wer­den! Der Blick in die Höl­le pul­sier­te noch mi­nu­ten­lang auf der Netz­haut nach...

Und das al­les nur, weil der zonebatt­ler zwecks Ver­ge­sell­schaf­tung mit mut­maß­lich dort an­zu­tref­fen­den Be­kann­ten den sonn­täg­li­chen Weih­nachts­markt im Schloß Al­mos­hof be­su­chen woll­te, zu die­sem Be­hu­fe mit sei­ner Renn­gur­ke in der Däm­me­rung quer durch das Knob­lauchs­land dü­ste tucker­te und hin­ter Schnieg­ling auf dem ewig lan­gen und schnur­ge­ra­den Ab­schnitt der Raiff­ei­sen­stra­ße die drei klei­nen Zy­lin­der­chen art­ge­recht lau­fen ließ, oh­ne sie frei­lich be­son­ders an­zu­trei­ben.

Ob ich auf der auf 60 km/h be­schränk­ten Strecke nun 70 fuhr oder schon 75, ich weiß es nicht. Man wird es mir zwei­fel­los mit­tei­len. Auf kei­nen Fall kam ich mir im Nie­mands­land zwi­schen den Äckern als un­an­ge­mes­sen schnell da­hin­brau­send vor. Ist aber egal, so­fern ich des Re­gel­ver­sto­ßes schul­dig und über­führt bin, ha­be ich oh­ne wenn und aber da­für ein­zu­ste­hen. Wenn ich al­ler­dings für mei­nen fäl­li­gen Obu­lus an die Staats­kas­se ei­nen Wunsch frei hät­te, dann den, daß sich die Fän­ger statt im Rog­gen auch mal in den Stra­ßen der Für­ther Süd­stadt auf die Lau­er le­gen möch­ten: Wer hier statt mit den er­laub­ten 30 km/h mit 50 und mehr über den Asphalt und in die näch­ste Kreu­zung bret­tert, ge­fähr­det weit eher Men­schen­le­ben als ei­ner in der men­schen­lee­ren Pam­pa.

Samstag, 12. September 2009

Die Tücken der Ob­jek­te

An­drea Die­ner be­schreibt in ih­rem un­über­treff­lich la­ko­ni­schem Sprach­duk­tus ei­ne »Ver­zö­ge­rung durch Schnip­pel­man­gel« und de­mon­striert da­mit ein­mal mehr, daß man den Wid­rig­kei­ten des Le­bens durch li­te­ra­ri­sche Ver­ar­bei­tung oft po­si­ti­ve Sei­ten ab­ge­win­nen kann. Der zonebatt­ler hat sich dar­ob so­eben schier scheckig ge­lacht und ist heil­froh, coo­les Ca­brio-Fee­ling in sei­ner ra­cing-gree­nen Renn­gur­ke ver­mit­tels ei­nes elek­tri­schen Glas­da­ches her­stel­len zu kön­nen und nicht an ei­nem Ver­deck aus Stoff und Klar­sicht­fo­lie her­um­ne­steln zu müs­sen. Frei­lich hat auch er sei­ne spe­zi­el­len Bau­stel­len, an de­nen er zum stirn­run­zeln­den Be­frem­den Drit­ter fast be­lie­big lan­ge, ver­bis­sen und de­tail­ver­liebt her­um­dok­tern kann...

Sonntag, 23. August 2009

Drei Län­der, zwölf Ta­ge und 1400 Ki­lo­me­ter (4)

Über Bo­den­mais ge­lang­ten wir in die nie­der­baye­ri­sche »Glas­stadt« Zwie­sel, die im We­sent­li­chen von un­ste­ten Tou­ri­sten auf der Su­che nach preis­wer­ten Nutz­lo­se­ra­bi­li­en be­völ­kert ist. Ver­mit­tels ei­ner als Se­hens­wür­dig­keit aus­ge­wie­se­nen Py­ra­mi­de aus ge­sta­pel­ten Glä­sern lockt man die Frem­den bus­la­dungs­wei­se in Tem­pel des Kon­sums, neu­deutsch so ge­nann­te Fac­to­ry Out­lets, um sie dort von ih­rem Gel­de zu tren­nen im Tausch ge­gen Tand, den sie nicht wirk­lich brau­chen...

Kontrast von Kommerz gegen Kirche in Zwiesel

Zur Er­klä­rung des Phä­no­mens sei mir ein phi­lo­spo­hi­scher Ex­kurs er­laubt: Der Mensch ist mei­ner Mei­nung nach zu­frie­den, wenn er ei­ne Auf­ga­be hat, die ihm we­sens­ge­mäß ist und ihm Freu­de bringt. Ge­lingt es ihm gar, sei­ne Be­ru­fung zu er­ken­nen und die­se zum Be­ruf zu ma­chen, so ist er nicht we­ni­ger als glück­lich zu nen­nen. Gro­ße Tei­le der Be­völ­ke­rung frei­lich se­hen das Ar­beits­le­ben als Fron und den heiß er­sehn­ten Ur­laub als Ge­gen­ge­wicht, in wel­chem sie dann das Un­ter­las­sen jeg­li­chen ziel­ge­rich­te­ten Tuns als es­sen­ti­ell und sinn­stif­tend be­trach­ten: Das wo­chen­lan­ge Fau­len­zen soll es rich­ten und ih­nen Er­ho­lung und Zu­frie­den­heit brin­gen!

Aber das funk­tio­niert na­tür­lich so nicht, da mö­gen die Aus­sicht noch so schön, die wei­chen Pen­si­ons-Bet­ten noch so be­quem und das Buf­fet noch so aus- und ein­la­dend sein. Sehr bald be­ginnt der ge­lang­weil­te Mensch, sich eben doch nach ei­ner Auf­ga­be um­zu­se­hen und hek­ti­schen Ak­tio­nis­mus zu ent­fal­ten. Und wor­in be­steht der wohl? Für ei­ne Min­der­heit viel­leicht in gei­sti­gen und kör­per­li­chen Ex­er­zi­ti­en, für das Gros der Som­mer­frisch­ler in­des aber of­fen­bar im Lau­fen, Kau­fen, Sau­fen: Zeit ist reich­lich vor­han­den, Geld of­fen­bar auch, die pas­sen­de In­fra­struk­tur so­wie­so. Al­so wer­den flei­ßig mund­ge­bla­se­ne Luft­ver­drän­ger er­wor­ben und pral­le Dirndl, al­les von be­ster Qua­li­tät und zwei Jah­re spä­ter in den Se­cond-Hand-Lä­den der Re­pu­blik in ta­del­lo­sem Zu­stand für ein Zehn­tel des Ein­stands­prei­ses er­neut in Ver­kehr ge­bracht... [1]

Ganz so so üp­pig wie ehe­dem scheint der Ru­bel frei­lich doch nicht mehr rol­len zu wol­len, denn mit­ten in der Sai­son blei­ben reich­lich Park­plät­ze und Frem­den­zim­mer un­be­legt: Die Ge­nera­tio­nen un­ter­halb des Ren­ten­al­ters schei­nen wohl mitt­ler­wei­le Com­pu­ter und Spiel­kon­so­len den hand­ge­schlif­fe­nen Kel­chen und kri­stall­glä­ser­nen El­chen vor­zu­zie­hen. Egal: Hier kann un­se­res Blei­bens nicht län­ger sein, dar­um ab durch die Mit­te und wie­der hin­ein in den Wald, wo­selbst lieb­lich-saf­ti­ge Wie­sen zum Dö­sen und ge­pfleg­ten Bauch­krat­zen ein­la­den!

am Waldesrand bei Klingenbrunn

Die in Rei­se­füh­rern gern er­wähn­ten Or­te Frau­en­au, Spie­gel­au und Gra­fen­au wa­ren uns nur bei­läu­fi­ge Blicke wert, da­mit wir am glei­chen Ta­ge noch Zeit fan­den, da­für Frey­ung et­was in­ten­si­ver zu in­spi­zie­ren. Dort­selbst faß­ten wir auch Pro­vi­ant und schlu­gen schließ­lich un­weit vom Ort im fin­ste­ren Wal­de un­ser Nacht­la­ger auf, in­dem wir an stra­te­gisch gün­sti­ger Stel­le ei­ne Wa­gen­burg bil­de­ten:

Die gut getarnte Renngurke im Unterholz

An die­ser Stel­le sei ein­mal mehr klar­stel­lend dar­auf hin­ge­wie­sen, daß un­ser­eins auf Rei­sen im Ge­gen­satz zu man­chem Zi­vi­li­sa­ti­ons-Ama­teur kei­ner­lei Hin­ter­las­sen­schaft in der Bo­ta­nik de­po­niert, die nicht ge­schwind or­ga­nisch ab­bau­bar wä­re! Tat­säch­lich neh­men wir oft an­de­rer Leu­te Müll auf und mit zur fach­ge­rech­ten Ent­sor­gung, um uns beim Uni­ver­sum für die ko­sten­frei ge­währ­te Nacht­ru­he er­kennt­lich zu zei­gen...

Nach leid­lich mücken­frei ver­brach­ter Nacht ging es an­dern­tags wei­ter über Pas­sau [2] ins öster­rei­chi­sche Schär­ding am dort gar breit und trä­ge da­hin­strö­men­den Inn:

Der Inn in Schärding

Auch dort war bei wei­tem nicht so­viel los, wie die schmucke Alt­stadt und das viel­fäl­ti­ge An­ge­bot für Au­ge, Ohr und Gau­men na­he­ge­legt hät­te: Of­fen­bar hockt der Mit­tel­eu­ro­pä­er heut­zu­ta­ge eher vor der Glot­ze oder auf fer­nen In­seln, als sich in der Fe­ri­en­zeit in der nä­he­ren Um­ge­bung sei­ner Hei­mat um­zu­schau­en. Uns war es recht, ver­hal­ten wir uns doch so­wie­so ger­ne an­ti­zy­klisch. Und der zonebatt­ler kann oh­ne­hin weit bes­ser un­be­leb­te Stilleben fo­to­gra­fie­ren als blin­zeln­de Men­schen zu de­ren Zu­frie­den­heit por­trai­tie­ren... [3]

verwaiste Bühnen-Bestuhlung in einem kleinen Park an der Stadtmauer Schärdings

Aber ganz kann er es na­tür­lich doch nicht ganz las­sen: Nach ei­ner auf deut­scher Sei­te zwi­schen Bad Fü­ssing und Ering ver­brach­ten Nacht kam ihm tags drauf in Brau­nau am Inn ein paar fe­scher Da­men­bei­ne vor die Lin­se, wel­ches hier­mit stolz der Le­ser­schaft prä­sen­tiert sei. Wei­ße Schleif­chen­san­da­let­ten mit Straß­stei­nen und Chrom­ab­sät­zen stak­sen heut­zu­ta­ge über das Pfla­ster je­ner Stadt, in der einst­mals ein spä­ter braun­be­hem­de­ter Stie­fel- und Schnauz­bart­trä­ger das Licht der Welt er­blick­te: Das muß man al­le­mal als fried­li­chen Fort­schritt wer­ten!

ein Satz Damenbeine, des karusselfahrenden Filiusses harrend

Und da­mit soll es für heu­te ge­nug sein. Die näch­ste Etap­pe wird uns in Kür­ze über das schö­ne und rei­che Burg­hau­sen die Salz­ach ent­lang bis ins rei­che und schö­ne Salz­burg füh­ren!

 
[1] Das al­les wä­re ja als ge­nia­le Ar­beits­be­schaf­fungs­maß­nah­me und mehr­stu­fi­ger Wirt­schafts­mo­tor zu prei­sen, wenn es nicht letzt­lich auf Ko­sten der Res­sour­cen und der Um­welt und er­go zu La­sten der Le­bens­grund­la­gen un­se­rer Nach­kom­men gin­ge...

[2] Der Drei­flüs­se­stadt hat­te ich ja erst neu­lich ei­nen Be­such ab­ge­stat­tet, dar­um sei sie hier oh­ne wei­te­re Ein­las­sun­gen flugs pas­siert und keck über­sprun­gen.

[3] Bit­te das nicht tie­fen­psy­cho­lo­gisch (miß)deuten zu wol­len. Jede(r) hat sei­ne (ih­re) Vor­lie­ben und sei­ne (ih­re) hand­werk­li­che Schwä­chen...

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