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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Sonntag, 11. November 2018

Sommer in Siebenbürgen (2)

Man sollte ja meinen, daß einem während eines naturnah verbrachten Urlaubs auf dem Lande primär querformatige Motive vor die Linse kommen. Tatsächlich muß der zone­batt­ler aber verblüfft konstatieren, daß er selten so viele Hochformat-Auf­nah­men mit nach Hause gebracht hat wie aus der Som­mer­fri­sche in Rumänien! Das liegt natürlich zuförderst an den mehrfach erwähnten, je­doch bis dato in dieser Reise-Reprise nicht gezeigten Kirchenburgen und sonstigen Hoc­hbau­ten der fotogenen Sor­te. Ein weithin berühmtes Motiv ist der Stundturm von Sighișoara alias Schäßburg, und der schaut nun wirklich so aus, wie sich der gemeine Vampir-Fan die perfekte Kulisse für nächt­lich-gruseliges Treiben vorstellt:

Stundturm mit vorgelagerter Torburg in Sighișoara (Schäßburg)

Sighișoara ist ein markantes Beispiel für ei­nen an sich sehr schönen Ort (das hi­sto­ri­sche Zentrum gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe), welcher jedoch durch tou­ri­sti­sche Heimsuchung – angeblich bis mög­li­cher­wei­se wurde Vlad Țepeș (Vlad III. Drăcu­lea, der Pfähler) hier vor rund 600 Jahren geboren – einiges von seinem na­tür­li­chen Charme eingebüßt hat. Die heimische Wirt­schaft und auch Teile der Ga­stro­no­mie ma­chen sich den Dracula-Hokuspokus zu­nut­ze, um mit mildem Grusel Publikum und Gäste anzulocken. Wirklich gruselig sind indes die allerorten feilgebotenen Souvenirs aus fern­öst­li­cher Produktion: Bei deren An­blick würde sich der originale Graf Dracula (so es ihn denn gäbe) wohl selbst schau­dernd abwenden…

Wir wenden uns nicht ab, sondern weiterhin zu, und zwar weiterhin den auf­rech­ten Zeu­gen der landesspezifischen Architektur! Hier sehen wir die mustergültig in­stand­ge­hal­te­ne, evan­ge­li­sche Kirche zu Mălâncrav (Malm­krog):

Evangelische romanische Kirche von Mălâncrav (Malmkrog)

Wir waren dort zwecks Besuchs eines kleinen transsilvanischen Klassik-Musik­fe­sti­vals, des­sen Ausführende samt Troß zur Zeit unserer Visite in der Gegend unseres Weilens he­rum­tin­gel­ten. Gleich neben der ro­ma­ni­schen Kirche gibt es in Mălâncrav ein un­ga­ri­sches Adelsschloß, in welchem die jungen Musiker ihr Können de­mon­strier­ten. Davon gibt es hier leider keine Bilder zu sehen, aus Dis­kre­tions­grün­den ebenso wie aus mei­ner al­ters­be­dingt zunehmenden Neigung, kulturelle Höhepunkte im Mo­ment ihres Entstehens sinnlich zu genießen statt sie mit letztlich untauglichen Mitteln ir­gend­wie konservieren zu wollen. Eine Kirche läuft einem nicht weg (allenfalls tut es mit­tel­fri­stig das passende Licht), daher konnte der eindrucksvolle Sa­kral­bau dann stell­ver­tre­tend für das Ge­samt­er­leb­nis seinen Weg durch das Objektiv und letztlich hier hinein in des Berichterstatters Blog finden…

Ein kleiner Sprung durch Zeit und Raum bringt uns nach Copșa Mare oder auch Groß-Kopisch, einem recht idyllischen Ort östlich von Biertan (Birthälm), den wir von dort aus erwandert haben. Vorbei an Brunnen, klei­nen Katen, kichernden Kindern und kläf­fen­den Kötern überwanden wir zu siebt (vier Erwachsene, zwei Kinder, ein braver Hund) einen Höhenzug, um schließlich nach dem Konsum von Eis und kalten Ge­trän­ken aus dem winzigen Dorfladen vor dem natürlich auch hier vorhandenen Turm einer Kir­chen­burg zu stehen:

Turm der Pfeilerbasilika in Copșa Mare (Groß-Kopisch)

Der rumänische Burgwächter (dessen Frau wohl mit der Einsamkeit und der zäh da­hin­flie­ßen­den Zeit in der siebenbürgischen Pro­vinz weniger zufrieden war als der ihr recht­mä­ßig zugemutete Schlüsselbewahrer) hatte uns die Kirche aufgesperrt und sie uns dann zur eigenen Erforschung überlassen (viel zu erklären hätte er wohl ohnehin nicht ver­mocht, die Geschichte der Siebenbürger Sachsen ist ja nicht die seine). Also er­klom­men wir (abgesehen von Frieda, der lässigen Labradorin) den Turm der Kirche. Über höl­zer­ne »Hühnerleitern« hinauf und über haufenweise Tau­ben­kot hin­weg bis zu den großen Glocken. Alles völlig un­be­auf­sich­tigt und unter Be­gleit­um­stän­den, die es daheim in Deutschland definitiv so nirgends mehr gibt. Da wäre so ein Turm wegen Bau­fäl­lig­keit verrammelt und verriegelt. [1] [2]

Mitten in fremden Landen Glocken mit deut­scher Inschrift zu sehen fühlt sich anfangs schon ein wenig merkwürdig an, zumal auch die anderen Beschriftungen in der Kirche, verstaubte Gesangbücher und sonstigen gedruckten Hinterlassenschaften sämt­lich auf Deutsch verfaßt sind. Schnell werden da Assoziationen an apokalyptische Endzeit-Geschichten geweckt, mitunter kommt man sich in den entlegeneren Kirchen tatsächlich wie der letzte Mensch auf Erden vor. Man gewöhnt sich natürlich da­ran, aber es ist schon eigenartig, sich das jahrhundertelange Nebeneinander von Ru­mä­nen, Siebenbürger Sachsen und anderen Volksgruppen vor­zu­stel­len, die alle ziemlich kon­se­quent unter Ihresgleichen blieben, statt sich langfristig zu einem Volk zu ver­men­gen…

Die Kirchenburg von Copșa Mare aus der Distanz

Der Blick zurück auf Copșa Mare und seine Kirchenburg zeigt eine vermeintliche Idyl­le, die typisch ist für Siebenbürgen, jenem Land­strich in der Mitte Rumäniens, in der die Ver­gan­gen­heit noch überall offen zu Tage liegt. Diese zu Fuß zu erwandern und zu erkunden ist ungleich befriedigender als das Hin­ge­fah­ren­wer­den im Reisebus mit je­weils 20 Mi­nu­ten Knips- und Pinkelpause vor der Wei­ter­fahrt zur nächsten Se­hens­wür­dig­keit! Der zonebattler und seine bessere Hälfte waren sich jedenfalls einig: Lieber eine Handvoll intensiv inspizierter Kirchenburgen in der Erinnerung behalten als zwei Dutzend nur en pas­sant fo­to­gra­fier­te hinterher kaum noch zuordnen zu können.

Wenn wir nach unseren täglichen Ex­kur­sio­nen wieder »daheim« in Richiș angekommen waren, gaben wir uns fast jeden Abend der Süße des Müßigganges hin, machten erst ein kleines Nickerchen, nickten anschließend den immergleichen Statisten vor der Dorf­bar zu und ließen uns über­ra­schen von dem, was uns so vor die Augen kam. Eine erstaunliche Entdeckung waren akribisch geführte, prä-excelitische Tabellen aus den 1920er Jahren, in denen in schönster Handschrift fest­ge­hal­ten war, wer in welchem Haus des Dorfes wohnte und wieviel Stück Vieh und »Zünder« besaß:

Historische Dokumente, von Unwissender zum Verkauf feilgeboten

Der amtliche Charakter der Dokumente war offenkundig, der aus ihnen wabernde Geist des deutschen Berufsbeamtentums ebenso. Indes war die ehedem germanische Grund­ord­nung der Erosion preisgegeben: Eine im ehemaligen Pfarrhaus eingemietete Zi­geu­ne­rin [2] hatte die Archivalien am Dachboden gefunden und kurzerhand zu le­gi­ti­mer Mar­ke­ten­der­wa­re erklärt in der Hoffnung, die ihrem Verständnis ver­schlos­sen blei­ben­den Schriftstücke an Touristen wie uns verhökern zu können. Der Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf, und bei weg­ge­fun­de­nen An­ti­qui­tä­ten mit Einstandspreis Null wäre auch der bescheidenste Erlös als Gewinn zu ver­bu­chen. Daß damit historische Er­kennt­nis­se und Kontexte un­wie­der­bring­lich dahin sind, hat schon altägyptische Grab­räu­ber nicht gestört, was wollte man da von einer simpel gestrickten und mut­maß­lich kaum bis wenig gebildeten Landfrau er­war­ten? Wir haben jedenfalls nichts gekauft von ihrer pa­pie­re­nen Beute, um derlei Tun nicht auch noch zu ermutigen…

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer: Statt die gut vier Straßenkilometer nach Biertan mit der Nachbarn Fahrräder zu erstrampeln, zogen wir zu Fuß los, um nach Über­que­rung des nächsten größeren Geländebuckels in einem parallel verlaufenden Tal zum Nach­bar­ort zu marschieren. Auf stark aus­ge­spül­ten Wirtschaftswegen ging es zunächst forsch bergan, und immer wieder gab es einen Grund anzuhalten, um sich Fauna und Flora näher zu besehen. Meine Güte, dachte sich der schwitzende Chronist bei ei­ner die­ser Gelegenheiten, wie lange hast Du schon keinen Schwalbenschwanz mehr ge­se­hen? Und dieser prächtige Flat­ter­mann hier po­siert geradezu keck vor Deiner Kamera und will partout im Bilde festgehalten werden! Na gut, man ist ja betörenden Schön­hei­ten jederzeit gerne und eilfertig zu Diensten:

Sich sonnender Schwalbenschwanz

Auch weniger augenfällig herausgeputzte Sechsbeiner haben wir in großer Zahl und Vielfalt angetroffen. Tatsächlich wird einem durch das allgegenwärtige Gewimmel und Gesumme in Siebenbürgens Wald und Flur erst so recht vor Augen und Ohren ge­führt, daß das vielzitierte Insektensterben in Deutschland und Zentraleuropa keine hohle Panikmache, sondern längst bedrohliche Realität ist. Da kann man nur hoffen, daß Monokulturen und Che­mie­kon­zer­ne nicht auch noch Osteuropas Ökosysteme auf Dau­er verarmen lassen…

Im drübigen Tal begann dann er­staun­li­cher­weise eine wunderbar aus­ge­bau­te und prä­zi­se asphaltierte Straße im faktischen Nichts: Kein Ort, kein Haus, kein sonstiger er­sicht­licher Grund, warum eine Straße dieser Güte just hier beginnen oder enden soll­te! Es ging einfach los und aus dem staubig-sandigen Wirtschaftsweg in the middle of nowhere wur­de von einem Schritt zum nächsten eine per­fekt markierte Fahrbahn:

Mit EU-Mitteln erbaute Asphaltstraße im Nirgendwo

Kilometerlang ging es so voran, selbstredend mit glänzenden neuen Stoppschildern an al­len einmündenden Wegen, denen man ge­trost eine durchschnittliche Ver­kehrs­dich­te von 1,5 Fuhrwerken/Woche unterstellen darf. Als erfahrene Inselreisende ahnten wir die Hintergründe natürlich schon lange, bevor wir am Ortseingang von Biertan unser Wäh­nen auf einer großen Informationstafel be­stä­tigt sahen: Im Rahmen eines vom Land mit 0 EUR, aber von der Europäischen Union mit knapp 1.000.000 EUR ge­för­der­ten In­fra­struk­tur­pro­jekts wurde hier ein Stück Fort­schritts auf (nicht etwa in) den Sand gesetzt, auf den die Beteiligten mächtig stolz sind. Man mag sich fragen, ob man mit dem Geld nicht besser die immer noch un­be­fe­stig­ten Staubstraßen innerhalb des nicht ganz un­be­deu­ten­den Städtchens Biertan hätte as­phal­tie­ren können. Man mag sich ferner darüber echauffieren, daß der eu­ro­pä­isch-föderale Geldregen immer nur Neues kurz­fri­stig er­blü­hen läßt, zu dessen laufender Un­ter­hal­tung danach aber keine Mittel mehr da sind, weshalb die Natur sich unverzüglich an­schickt, sich alles wieder langsam zu­rück­zu­er­o­bern. Hilft aber alles nix: Wenn die ei­nen schlau genug sind, formgerechte För­der­an­trä­ge zu stellen, und die anderen sich nicht mit dem Pa­pier­krieg befassen wollen, dann fließt das Geld halt zu den Gewiefteren, auch ganz ohne Kor­rup­tion. Die es dem Ver­neh­men nach in Rumänien aber auch noch in reicher Aus­wahl geben soll…

Kurz vor Biertan und in Sichtweite besagter Infotafel geht der Asphalt wieder in Sand und Staub über, was für ein ortsübliches Vehikel mit zwei PS ja auch den allemal stim­mige­ren Unter- und Hintergrund abgibt:

Pferdefuhrwerk am Ortsrand von Biertan (Bierthälm)

Die Topographie der von uns bereisten und inspizierten Dörfer folgt meist dem glei­chen Schema: Innen die soliden Höfe und Häuser der Siebenbürger Sachsen, drum­he­rum die einfacheren und kleineren Häuschen der Ru­mä­nen, draußen an der Peripherie die schä­bi­gen Hütten bis unwürdigen Verschläge der Roma und anderer un­ter­pri­vi­le­gier­ter Volks­grup­pen. Mit dem Exodus der deutsch­stäm­mi­gen Bevölkerung, also nach der Aus­wan­de­rung der meisten Sie­ben­bür­ger Sachsen, hat sich das »Vakuum« bald durch Nachzug von außen gefüllt. Darüber gäbe es vieles zu lesen und auch zu schreiben, hier sei nur festgehalten, daß natürlich auch heute noch (oder wieder) die besser Ge­stell­ten die ge­die­ge­ne­ren Häuser im Ortskern bewohnen und die Armen draußen in den Beinahe-Slums hausen…

So, dann wollen wir mal nach diesen Be­trach­tun­gen mit wenigen weiteren Schritten end­lich das Ziel unserer Wanderung erreichen und sozusagen »von hinten rein­kom­mend« die grandiose Kirchenburg von Birthälm erspähen:

Die Kirchenburg von Biertan (Birthälm)

Im 16. Jahrhundert erbaut und von einer dreifachen Ringmauer umgeben, ist dieser trut­zi­ge Gotteshauskomplex geradezu der Inbegriff einer Siebenbürgischen Kir­chen­burg und hätte beste Aussichten auf einen der vordersten Plätze in einem hier­mit ima­gi­nier­ten Ranking der Prächtigsten ihrer Art! Über die Baugeschichte und die rei­che In­nen­aus­stat­tung möge sich die interessierte Leserschaft im oben verlinkten Wi­ki­pe­dia-Artikel in­for­mie­ren. Der Endesunterfertigte beläßt es für heute beim Hinweis auf ein wun­der­ba­res Foto der Kirchenburg zu Birthälm, in dessen Hintergrund etwas zu sehen ist, was unbedarfte Beobachter viel­leicht gar nicht auf Anhieb erkennen und rich­tig einordnen können: Die Rede ist von den Terrassierungen, die heute sinnlos er­schei­nen mögen, aber auf die frühere Nut­zung des Hanges als Weinberg hin­wei­sen. Davon wird in der letzten Folge dieses Reise-Rapports noch die Rede sein, für heute sei es nunmehr genug.

 
[1] Wobei sich der Berichterstatter dunkel daran erinnert, in Thüringen kurz nach der Wende im Rahmen eines In­spek­tions­be­su­ches auch schon mal einen baufälligen Kirch­turm unter vergleichbar verwegenen Rah­men­be­din­gun­gen er­klom­men zu haben. Was in der Ex-DDR mit dem Mauerfall zu Ende ging, ist im Rumänien der Jetztzeit hier und da noch gegenwärtig – im Guten wie im Schlechten.

[2] Leider hat der lange Zeit unkontrollierte Zugang zu den verlassenen Kir­chen­bur­gen diesen oft schwer zugesetzt durch Plün­de­rung und Vandalismus. Die einst nicht un­be­dingt außerordentlich prächtige, sicherlich jedoch ordentliche Orgel der Kirche von Copșa Mare ist gegenwärtig in desolatem Zustand: Viele ihrer Pfeifen wurden von Metalldieben grob he­raus­ge­ris­sen und abtransportiert, womit das nun nicht einmal mehr aus dem »letzten Loch« pfeifende Instrument jenseits aller realistischen Hoff­nun­gen auf Reparierbarkeit zum traurigen Sperrmüllhaufen degradiert worden ist…

[3] Mit dieser ortsüblichen Typisierung ist durchaus keine Diskriminierung be­ab­sich­tigt, die Roma in Rumänien bezeichnen sich mit­un­ter ja selbst als țigani. Der allzeit auf Kom­ple­xi­täts­re­duk­tion bedachte zonebattler dif­fe­ren­ziert ungeachtet ethnischer Her­kunft, Geschlecht, Hautfarbe und Nasenlänge stets nur nach ihm sympathischen und ihm un­sym­pa­thi­schen Menschen. Das hat sich je­der­zeit und jedenfalls bewährt und reicht zum Bestreiten des Alltagslebens auch al­le­mal aus.

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Montag, 22. Oktober 2018

Hängepartie (2)

Kleines Maskottchen am großen Mast in Fürth (Bay) Hbf

Dienstag, 25. September 2018

Mini-Komponenten, Maxi-Boxen, Midi-Preise…

Der zonebattler möchte seinen Hausrat weiter verkleinern und macht mit diesem An­sin­nen jetzt auch da weiter, wo es schon aus lokalpatriotischen Gründen weh tut: Seine große GRUNDIG-Aktiv-Anlage steht nunmehr zum Verkauf!

Sie besteht aus den folgenden Komponenten:

2x Aktiv-Lautsprecher Grundig HiFi Aktiv-Box 40
mit originalen Netz- und NF-Kabeln

Vorverstärker Grundig MXV 100
Tuner Grundig MT 200

CD-Spieler Philips CD 100
CD-Spieler Grundig CD 360

Die Verstärkermodule der Aktiv-Boxen waren bei einem anerkannten Grundig-Spe­zia­li­sten zur Kur, er hat sie gründlich generalüberholt (u.a. alle Elkos getauscht, Fein­si­che­run­gen für die Chassis eingebaut, Kontakte gereinigt etc.). Infolgedessen zeigen die Lautsprecher keinerlei Ausfallerscheinungen, sie spielen wie neu und das heißt mit ordentlich Wumms (wenn es denn sein muß). Um die Sicken der Tieftöner braucht man sich keine Sorgen zu machen, die sind grundig-typisch aus Gummi… Im Lie­fer­um­fang der me­tal­lic­braun folierten Lautsprecher sind ihre laaaaaaaaaaaaangen Netz- und Sig­nal­ka­bel enthalten. Die abnehmbaren Fronten haben keine Macken und tragen überdies noch die originalen Logo-Schildchen. Einziger nen­nens­wer­ter Mangel ist eine kleine Eck­be­sto­ßung an einer Box hinten oben links.

Auch den Vorverstärker Grundig MXV 100 hat der Spezialist in der Mache gehabt (El­ko­tausch und Kontaktpflege), der sollte bei gu­ter Behandlung ebenfalls noch eine zwei­stel­lige Zahl von Betriebsjahren ohne zu mucken durchhalten… Der Tuner Grun­dig MT 200 tut und tuned noch einwandfrei, dem ersparte ich den ko­sten­pflich­ti­gen Aufenthalt auf des Fach­manns Werkbank. Die beiden Mini-Komponenten sind von der selteneren Farbstellung Champagner/gold-metallic, deshalb sind ihre Seiten in braun-metallic gehalten (pas­send zu der Boxenfarbe). Ihr äußerer Zustand ist de facto wie frisch aus dem Laden, Macken müßten auch kritischere Gemüter mit der Lupe suchen. Die ganzen Papiere (Anleitungen, Schaltpläne, Ga­ran­tie­kar­ten) gibt es ebenso mit da­zu wie die originalen DIN-Verbindungskabel.

CD-Spieler gab es zur Bauzeit dieser Ge­rät­schaf­ten noch nicht, darum steht auf der anderen Box als optisch am besten dazu passender Zuspieler ein Philips CD 100. Der hat trotz zweimaliger Kur (bei einer weiteren Old-Fidelity-Foren-Koryphäe) wieder mal seine divenhaften Anfälle (Prasseln und Aussetzer bis zum völligen Verstummen) bekommen, der Welt erster CD-Spieler steht daher momentan nur noch als (optisch hervorragend erhaltenes) Technik-Denkmal in der Anlage. Seinen funktionalen Part übernahm klaglos der unter ihm stehende Grundig CD 360, dem es zwar an edler Haptik mangelt, aber dafür ist er unkaputtbar und luxuriös ausgestattet. Vor allem aber paßt er mit seinen Abmessungen millimetergenau auf die Box!

So, jetzt aber erstmal Bilder:

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

Die verlangten Preise sollen einerseits na­tür­lich fair bleiben, andererseits meinen Tren­nungs­schmerz kompensieren. Ich rufe daher auf:

1. Grundig HiFi-Aktivboxen 40: 2 x 200 €

2. Grundig Minis (MXV 100 + MT 200): 200 €

3. Philips CD 100 (defekt, aber schön): 200 €

Diese drei Posten können grundsätzlich separat abgegeben werden, aber so lange die Boxen kein gutes neues Herrchen gefunden haben, bliebt der Rest auch hier, schon damit ich damit noch selbst Musike hören kann. Die Lautsprecher können an­ge­sichts ihres Gewichtes (2 x 24 kg) nicht verschickt werden, für die Tröten kommt also nur Selbstabholung in Frage. Die anderen Komponenten lassen sich da­ge­gen durchaus versandsicher verpacken und mit DHL ei­ni­ger­ma­ßen risikoarm expedieren.

Die Anlage kann (und sollte) bei mir in Fürth probegehört werden, ich lasse sie so lange aufgebaut, bis einer kommt und die Boxen gegen Barzahlung mitnimmt. Wer die Laut­spre­cher samt Vorverstärker und Tuner wegtragen mag, bekommt den CD 360 als Zugabe obendrauf.

Donnerstag, 13. September 2018

Ausgedient

Stillgelegtes Stellwerk in Troisdorf

Montag, 10. September 2018

Sommer in Siebenbürgen (1)

Ich hatte ja schon unlängst unter dem reißerischen Titel »Schaurige Schönheiten« ein paar schwarzgeweißte Fotos aus dem heurigen Urlaub als Appetitanreger gezeigt. Heute nun soll endlich etwas Farbe in die Erinnerungen an eine wunderbare Reise gebracht werden. Gleich vorneweg: Auch wenn in Transsilvanien alias Siebenbürgen mancherorts mit abstrusen Dracula-Le­gen­den versucht wird, den Tourismus zu be­feu­ern [1], die Realität ist eher bunt als düster und Blutsauger gibt’s dort wie hier wohl primär im Finanzgewerbe. Dennoch muß erneut zugegeben werden, daß wir Ru­mä­nien ohne die Anregung durch unsere be­freun­de­te und bilinguale Nachbarin Almut S. wohl niemals ernsthaft als Reiseziel er­wo­gen hätten: Ein paar unverifizierte Vor­ur­tei­le hat man halt doch irgendwie im Hin­ter­kopf gehabt…

Besagte Nachbarin war nun schon eine gute Woche vor uns im Auto mit Mann, zwei Töchtern, einem Hund und allerlei Hausrat losgefahren, der zonebattler und seine bessere Hälfte flogen später mit nur einem einzigen Koffer beladen hinterher. [2] Am Flughafen von Sibiu (Hermannstadt) [3] vereinigte sich die Fürther Nachbarschaft und steuerte das etwa 80 km entfernte Richiș (Reichesdorf) an:

Richiș (Reichesdorf) im Kreis Sibiu (Hermannstadt) / Gemeinde Biertan (Birthälm)

Unsere Nachbarn waren dort nicht zum ersten Mal (wir jetzt vermutlich auch nicht letzt­mals) und führten uns in die örtlichen Gegebenheiten ein. Wobei sich das Dorf­le­ben sehr übersichtlich darstellte und der Aufenthalt dort entsprechend entspannend und entschleunigend. Zur Geschichte Sie­ben­bür­gens ist zusammenfassend zu sagen, daß dort mehr als 850 Jahre lang Rumänen, Un­garn, Zigeuner, Juden und deutsche Ein­wan­de­rer friedlich ne­ben­ein­an­der her lebten – zwar in weitgehend geschlossenen Pa­ral­lel­ge­sell­schaf­ten, aber eben mit Respekt vor den jeweils anderen und sich nicht ge­gen­sei­tig an die Gurgel gehend. Insofern kann die Gegend als leuchtendes Beispiel für die prinzipielle Möglichkeit einer weitgehend friedlichen Koexistenz ver­schie­dener Volks­grup­pen, Ethnien und Religionen dienen. [4]

Heute sind die Spuren der deutschen Be­sied­lung der Gegend noch unübersehbar, die Siebenbürger Sachsen selbst allerdings nur noch in homöopathischer Dosierung an­säs­sig: In zwei großen Auswanderungswellen in den 1970ern und nach 1990 sind die von großem Zusammengehörigkeitsgefühl ge­präg­ten Rumäniendeutschen aus Sie­ben­bür­gen nach Deutschland geschwappt und kommen heute überwiegend nur als »Som­mer­sach­sen« im Urlaub wieder für ein paar Wochen zurück ins Land ihrer Väter und der eigenen Vergangenheit. Natürlich auch nach Richiș, wo wir erstaunlich viele Autos mit deutschen Kennzeichen aus unserer Region sahen (FÜ, N, ER, SC, AN, …). So sieht es in diesem typischen Straßendorf aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

An der wechselnden Fassadenfarbe erkennt man sofort den immer wiederkehrenden Rhythmus aus Hofeinfahrt und Wohnhaus, der das straßenseitige Erscheinungsbild der Siebenbürgisch-Sächsischen Anwesen bestimmt. [5] Nach hinten gehen die Grund­stücke sehr in die Tiefe und oft noch den Hang hinauf, so daß bei relativ schmaler Straßenfront viel Platz für Scheunen, Wirt­schafts­ge­bäu­de, Ställe und Nutzgärten war. Inteessierte LeserInnen mögen sich das mal vermittels Google Earth aus der Luft an­schau­en, die hand­tuch­schmal erscheinenden Grundstücke fallen auf den ersten Blick ins Auge.

Was man leider auch sehr schnell registriert, sind die Spuren der Vernachlässigung, ja auch des Verfalls, dem die alten Häuser und Einrichtungen seit dem Auszug ihrer letzten deutschstämmigen Besitzer ausgesetzt sind: Auch wenn sich zwischendrin einige schöne Beispiele von behutsamer Instandsetzung und Renovierung finden (na­ment­lich in Richiș haben sich großstadtmüde Menschen aus den Niederlanden, Bel­gi­en, Frankreich, Eng­land, Deutschland und sonstwoher recht preiswert ein­ge­kauft), so sind doch leider vielerorts etliche Anwesen leerstehend und in be­kla­gens­wer­tem Zu­stand. [6] Immerhin, in Richiș sieht es auf der Hauptstraße auch in der anderen Rich­tung noch (oder wieder) ganz gediegen aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

Daß auf den beiden vorangegangenen Fotos nur ein Auto und ein Motorroller zu sehen sind, hat nichts mit beschaulichem Wo­chen­en­de oder verkehrsarmen Ta­ges­rand­zei­ten zu tun: Der motorisierte Individualverkehr ist auf dem Lande noch sehr überschaubar, hölzerne Fuhrwerke mit einer einzigen Pfer­de­stär­ke vorne dran sieht man dort öfter als bereifte Bür­ger­kä­fi­ge aus Blech. Auch das ein Grund, warum uns die Som­mer­fri­sche in Siebenbürgen sehr gefallen hat.

Ein weiterer Grund waren die Begegnungen mit entspannten Menschen, seien es alte Sachsen, seien es junge Rumänen. Während wir mit den erstgenannten gut auf Deutsch über die früheren Zeiten plaudern konnten, konnten wir uns bei den zweit­ge­nann­ten mit Englisch behelfen. Allerdings kann die völ­ker­ver­stän­di­gen­de Eisbrecher-Rolle unserer »Dolmetscherin« Almut nicht stark genug betont werden, ohne deren Sprach­kennt­nis­se uns manche Tür verschlossen und man­ches Erlebnis verwehrt ge­blie­ben wäre. Weitgehend wortloses Einvernehmen zum beiderseitigen Plaisir bestand (wie allerorts) zwischen dem zonebattler und seinen vier­bei­ni­gen Freunden. Hier sehen wir Ent­span­nungs­übun­gen von Herrn Paulchen, der uns während unseres Auf­ent­hal­tes ans Herz gewachsen ist und den wir nur unter Seufzen zurückgelassen (und einer ungewissen Zu­kunft überantwortet) haben:

Paulchen freut sich seines Lebens

Das kleine Paulchen wußte sich sehr an­stän­dig zu benehmen und sich damit den tem­po­rä­ren Gästen im Ort nachdrücklich zu em­pfeh­len. Sein charmantes Wesen brachte ihm viele Sympathien und sicherlich auch den einen oder anderen Lecker­bis­sen ein. Anderen Hunden im Ort ging es weniger gut, denn man muß leider kon­sta­tie­ren, daß die Be­hand­lung und Verwendung von Haus- und Nutztieren in Rumänien (wie fraglos auch in vielen anderen Ländern an Europas Pe­ri­phe­rie) eher nicht den uns vertrauten Ge­pflo­gen­hei­ten entspricht…

Hunde, Katzen, Hühner, Pferde, Kühe: In Siebenbürgens Dörfern läuft eine Menge Ge­tier frei herum und weckte in unsereinem Erinnerungen an eine ferne Kindheit, als solche – aus Kindersicht paradiesischen – Verhältnisse auch in deutschen Landen All­tag waren. Überhaupt wurden in des Be­richt­er­stat­ters Gedächtnis allerlei ver­schüt­te­te Erinnerungen aufgequirlt, als ihm typische Gerüche aus unbeschwerten Ju­gend­ta­gen in die Nase stiegen, sei es das süßliche Aroma vergorener Trauben in ei­nem be­helfs­mä­ßi­gen Weinkeller, sei es der üppige Geruchs­cock­tail einer frisch ge­mäh­ten Wiese mit großem Artenreichtum an Pflanzen. Un­ver­mu­te­te Flashbacks wie diese rührten den ollen zonebattler tatsächlich zu Tränen: Erstaunlich, was so alles ir­gend­wo im Hin­ter­kopf schlummern und nach einem halben Jahrhundert durch ein paar ol­fak­to­ri­sche Schlüs­sel­rei­ze wieder aktiviert werden kann!

Abendstimmung in Richiș

Richiș alias Reichesdorf war also unser zeit­wei­li­ges Zuhause, von dort aus un­ter­nahmen wir Wanderungen und kleine Expeditionen, per pedes, per Rad, per Pfer­de­fuhr­werk oder per PKW. [7] Wobei es schon im Ort selbst und in dessen un­mit­tel­ba­rer Nachbarschaft viel zu entdecken gab für jemanden, der naturnahen Urlaub liebt und dem Trubel des städtischen Lebens zeitweise gerne entflieht.

Was einem sogleich auffällt außer dem typischen Erscheinungsbild der Häuser ist die Liebe der Rumänen (und wohl auch der im Lande verbliebenen Deutschen) zu Blu­men. Allerorten leuchten bunte Blüten, nicht nur draußen am Wegesrand und in den Wie­sen, auch innerorts an den Straßen, in den Höfen, vor den Häusern und nicht zu­letzt auch an deren Fenstern:

Üppiger Blumenschmuck ist allerorten anzutreffen

Auch damit hatten wir nicht gerechnet: Unsere Reisen in südlichere Gefilde hatten wir immer im Frühling unternommen, um auf La Palma, Malta, Mallorca oder Teneriffa in den Genuß bunter Blütenpracht zu kom­men. Im Spätsommer noch ir­gend­wo üp­pi­ges Grün und farbenfrohe Blumen flä­chen­deckend vorzufinden hätten wir nicht zu hoffen gewagt, zumal nicht nach diesem Dürre-Sommer in Deutschland. Ein weiterer Pluspunkt für unser neu entdecktes Rei­se­land Rumänien!

Nicht weniger üppig, wenn auch deutlich weniger schön wuchern überall die vom Men­schen gelegten Adern des technischen Fortschritts: Strom-, Telefon- und Internet-Kabel liegen nicht im Boden, sondern hängen in der Luft zwischen groben Be­ton­ma­sten im weiland kommunistischen Brutalo-Design. Auch im Detail herrscht offenbar die Maxime »function first«, weshalb die Verstrickungen der Verstrippungen so aus­se­hen, wie sie halt nun mal ausschauen:

Kabelverhau vor historischem Bau

Schön ist natürlich was anderes, aber ein gewisser Pragmatismus ist dem Landvolk ja über­all auf der Welt zu eigen, ebenso wie eine souveräne Laxheit in ästhetischen Fra­gen. Nicht einmal der postmoderne Franke könnte sich hier guten Gewissens über­le­gen fühlen, kommt ihm doch allzuoft selbst ein schnodderiges »des dudd’s« über die Lippen…

Mit so einer Haltung kann man nicht nur ertragen, was feinsinnigen Geistern und kon­troll­be­dürf­ti­gen Charakteren ein Greuel ist, nein, man kann sogar mit dem un­ge­plan­ten Wer­den und Vergehen um einen herum seinen Frieden machen. Und vielleicht sogar zu der Erkenntnis gelangen, daß die Natur nicht des Menschen Werk in zer­stö­re­ri­scher Absicht zu überwuchern angetreten ist, sondern ihm vielmehr ein Stück Schön­heit zurückbringt in seine von ihm selbst ent-schönte kleine Welt:

In jeder Ritze regt sich Leben

Der westliche Wahn des Ausrottens allen Wildwuchses hat auf den (mä­ßig) wilden Osten glücklicherweise noch nicht über­ge­grif­fen, und unter anderem das macht den Charme Siebenbürgens aus. Der Exodus der Siebenbürger Sachsen (korrekterweise müßte man sie als rumänische Staatsbürger deutscher Nationalität titulieren) hat zwar vieles dem Niedergang überantwortet (von den Häusern über die berühmten Kir­chen­bur­gen bis hin zu den Weinbergen), indes wirkt der schleichende Fall auf den Besucher eher pittoresk und charmant sowie in der Regel nicht de­pri­mie­rend. Wer Venedig kennt und dessen morbide Aura liebt, mag das nachvollziehen können. Übrigens sieht man von der real existierenden Armut in Ru­mä­ni­en selbst in den Städten deutlich weniger als in den urbanen Zentren im »reichen« We­sten…

Als wahrlich reich anzusehen sind indes die Menschen, die zwar in bescheidenen, aber doch wür­di­gen Verhältnissen zufrieden le­ben. Wie zum Beispiel jene Siebenbürger Sachsen, die wei­land dem Herdentrieb wi­der­stan­den haben und in der an­ge­stamm­ten Heimat zurück­ge­blie­ben sind. Wir dur­ften solche kennenlernen. Aus Gründen der Dis­kre­tion zeige ich zur Illustration nur einen äußerlich Eindruck vom kleinen Pa­ra­dies der bo­den­stän­di­gen Leute:

Nicht ganz klein, und immer noch fein: Der Hausgarten von Frau und Herrn Schaas

So, das war es dann für heute. Seitenlang über Siebenbürgen geplappert und nicht eine einzige Kirchenburg gezeigt! Macht aber nix, denn erstens bin ich ja schon in Vor­lei­stung gegangen und zweitens macht(e) der Robert von nebenan ohnehin die besseren Bilder. Dafür ist der zonebattler zweifelsfrei die größere Plappertasche, so ergänzen wir beide uns prächtig. Im zweiten Teil geht es hier demnächst weiter mit bunten Ansichten und weiteren Schach­tel­sät­zen aus dem Zen­trum Rumäniens!

 
[1] Eine Strategie, die offenbar einigen Erfolg zeitigt. Immerhin hat das Anlocken un­be­darf­ter Pauschal-Touristen mit depperten Dra­cu­lan­tien den Vorteil, daß diese dann zumeist in den ohnehin überlaufenen und tou­ri­sti­fi­zier­ten Städten verbleiben und sich eher selten ins noch weitgehend ur­sprüng­li­che Umland verirren…

[2] Von Nürnberg nach Sibiu (Hermannstadt) braucht ein Airbus der ungarischen Wizz Air noch nicht einmal zwei Stunden.

[3] In dieser Reiseberichterstattung werden Ortsnamen in offizieller rumänischer Schreib­wei­se notiert, bei erstmaliger Nen­nung gefolgt vom deutschen Namen in Klam­mern.

[4] Diese vereinfachende Darstellung ist natürlich im Detail durchaus kritisch zu se­hen. Beispielsweise hat sich in Deutschlands tausendjährigem Jahrzwölft der kol­lek­ti­ve Rassenwahn auch unter den fernab des braunen Reiches lebenden Sie­ben­bür­ger Sachsen breitgemacht. Dies näher aus­zu­füh­ren ist aber nicht das Thema dieser Ur­laubs-Reprise.

[5] Was uns übrigens vor dem Urlaub nicht bekannt war: Die ursprünglichen »Sie­ben­bür­ger Sachsen« kamen als willkommene Siedler aus dem Luxemburgischen, dem Rhein­land und von der Mosel. Zu »Sachsen« machte sie der Weg über Mit­tel­deutsch­land, mit den »richtigen« Sachsen hatten und haben sie nichts zu tun. Ähnlich verhält es sich übri­gens mit den »Banater Schwaben«, denen dieses mißweisende Etikett aufgeklebt wur­de, weil die Auswanderer ihre Schiffs­reise auf der Donau weiland in Ulm be­gan­nen…

[6] Landflucht ist natürlich auch in Rumänien ein Thema: Junge Leute zieht es in die Städte, wo es mehr Abwechslung und auch at­trak­ti­ve­re Arbeit gibt (sprich besser be­zahl­te, zeit­lich weniger ausufernde und nicht so kör­per­lich anstrengende wie in der Land­wirt­schaft draußen)…

[7] Unsere Nachbarsfamilie aus Fürth hatte ja alles dabei (bis auf das Pfer­de­fuhr­werk).

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Mittwoch, 22. August 2018

Schaurige Schönheiten

Einen ihrer best Urlaube ever verbrachten der zonebattler und seine bessere Hälfte soeben in Siebenbürgen. Ohne die befreundete Nachbarin Almut S., die aufgrund Ihrer Herkunft doppelte Muttersprachlerin ist, hätte unsereins Rumänien vermutlich nie als mögliches Reiseziel ins Auge gefaßt. So aber hatten wir das Glück, eine mit der Gegend, den Menschen und ihrer Sprache vertraute Türöffnerin an unserer Seite zu wissen, was unsere Sommerfrische zu einem ganz be­son­de­ren (und nachhaltig wir­ken­den) Erlebnis werden ließ. Dazu wird später mehr zu er­zäh­len sein, wenn die rei­che Bild-Ausbeute der Reise gesichtet und gewichtet ist. Einst­wei­len mache ich mei­ner Le­ser­In­nen­schaft Mund und Augen wässrig mit einer kleinen, künstlich ent­färb­ten und leicht verdüsterten Vorschau…

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Für den zur Me­lan­cho­lie und Wehmut nei­gen­den Endesunterfertigten geriet die Ex­pe­di­tion unverhoffter- und ungeplanterweise auch zum Flashback in die eigene Kind­heit, was ihn durchaus kalt erwischte. Auch da­rü­ber demnächst mehr in diesem vir­tu­el­len Mini-Theater!

Mittwoch, 23. Mai 2018

Zeitsprünge

Weanerisch, wehmütig, wunderschön: »Tempelhüpfen«. Unbedingt lesenwert, wie so vieles im Begleitschreiben!

Freitag, 4. Mai 2018

Kurzens Klotz

Fürther Hommage an den Atlantikwall: Das »Ludwig Erhard Zentrum«

Fürther Hommage an den Atlantikwall: Das »Ludwig Erhard Zentrum«

Samstag, 28. April 2018

Geschichtsvergessenheit

Gleich gegenüber des zonebattler’s Schrebergarten, auf der anderen Seite des Gleis­fel­des, hat dieser Tage das hurtig hingeworfene Hotel »niu Saddle« seine Pfor­ten geöffnet. Der depperte Name ist Programm, wie auf der Website erläutert wird: »Saddle steht für die im Mittelalter präsenten Ledersättel und ist eine Anekdote an die Reiterarmee von Karl der Große in Fürth.« Das ist grammatikalisch gleich mul­ti­pel falsch und auch inhaltlicher Dumm­fug. Einen Absatz weiter lesen wir, was Fürth zu bie­ten hat, nämlich eine »idyl­li­sche, fränkische Altstadt voller historischer Bau­denk­mäler aus dem Mittelalter«. Mit­tel­al­ter, aha. Der/die Texterin ist vermutlich ein(e) junge(r) Hipster(in) mit Klippschul-Abschluß, der/die das eigene Mittelalter noch weit vor sich hat…

Wie ich überhaupt dazu komme, mich dorthin virtuell zu verirren? Weil ich von einer Marketing-Tante eine »Einladung für Euch Blogger, Instagrammer und Mei­nungs­ma­cher in Franken« erhalten habe. Laut Agenda des »außergewöhnlichen Abends« will man »… das inspirierende Design er­le­ben, das Haus erkunden, in der Living Lobby Cock­tails und Speisen genießen und uns in­ten­siv austauschen«. So so.

Ich halte mich nicht für einen Mei­nungs­macher, aber meine Meinung dazu steht schon fest: Angesichts des zu Er­war­ten­den proste ich doch lieber 100 Meter weiter südlich befreundeten Nach­barn mittleren Al­ters zu und tausche mich mit denen in­ten­siv über die Frage aus, wo jenes sa­gen­haf­te Fürth wohl liegen mag, welches da beschrieben steht!

Samstag, 21. April 2018

50 Jahre später …

Ein halbes Jahrhundert nach seinen frü­he­sten noch vorhandenen Er­in­ne­run­gen aus Kin­der­ta­gen stellte der zonebattler an einem sonnigen Urlaubstage fest, daß es in und um Oberndorf (bei Möhrendorf, sprich nördlich von Erlangen und links der Reg­nitz) immer noch weitgehend so aus­sieht wie anno dunnemals:

Impressionen aus Oberndorf

Impressionen aus Oberndorf

Impressionen aus Oberndorf

Impressionen aus Oberndorf

Impressionen aus Oberndorf

Impressionen aus Oberndorf

Die Plaketten des »Rin­der­zucht­ver­ban­des Mit­tel­fran­ken« haben sich über die Jahre vermehrt, dafür ist die eine und die an­de­re Sand­stein­scheu­ne verschwunden und im Becken des Pump­häus­chens leben schon lange keine Lurchis mehr. Aber an­son­sten…

Sonntag, 15. April 2018

Selbstbedienung

Gefüllter Sperrmüll in der Lessingstraße

Mittwoch, 14. Februar 2018

Ab die Post

Abriß der Nürnberger Hauptpost

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