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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« 1000 Grün­de, Fürth zu lie­ben (76) Die Ver­kehrs­in­sel (15) »

Die Ver­kehrs­in­sel (14)

Fragt man ein­hei­mi­sche Mal­te­ser oder in­su­la­re Gast­ar­bei­ter nach gang­ba­ren Fuß­we­gen zur Kü­ste oder gar nach Wan­der­rou­ten an der­sel­ben ent­lang, so ern­tet man zu­nächst Rat­lo­sig­keit, dann aber gut ge­mein­te Rat­schlä­ge hin­sicht­lich der un­be­dingt an­zu­ra­ten­den Be­nut­zung öf­fent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel zum di­rek­ten An­steu­ern des Ziel­or­tes: Aus­schrei­ten um des Aus­schrei­tens wil­len scheint dort ein der­ma­ßen ab­stru­ses Kon­zept zu sein, daß sich kei­ner vor­stel­len kann, war­um man so et­was ma­chen soll­te. Un­ser­eins wie­der­um war be­frem­det ob der geo­gra­phi­schen Un­in­for­miert­heit man­cher Leu­te, bei de­nen ter­ra in­co­gni­ta schon ei­nen Stein­wurf ab­seits der Stra­ße zu be­gin­nen scheint...

Aber egal: Vom (in der Tat per Bus an­ge­fah­re­nen) Städt­chen Kal­k­a­ra aus um­quer­ten wir per pe­des die Bau­stel­le der fu­tu­ri­sti­schen Smart­Ci­ty (wo der­zeit noch nix son­der­lich Smar­tes zu se­hen ist), schlu­gen uns durch al­ler­lei Ge­strüpp und qua­si­öf­fent­li­che Feld­we­ge durch nach Xgħa­j­ra und mar­schier­ten von da aus ein gu­tes Stück den Nord­ost-Zip­fel Mal­tas ent­lang bis hin­un­ter nach Mar­saska­la. Da­bei ka­men wir durch me­lan­cho­lisch stim­men­de Ge­gen­den, die kaum je ein Tou­rist frei­wil­lig auf­su­chen dürf­te. Was al­ler­dings viel­fach doch hin­ge­kom­men war, wa­ren EU-För­der­mit­tel:

kilometerlange Strandpromenade ohne Promenierende

Das Bild steht pro­to­ty­pisch für die nicht-nach­hal­ti­ge Ver­pul­ver­ung von öf­fent­li­chen Gel­dern durch Bau­maß­nah­men am Be­darf vor­bei: brei­te Pro­me­na­den oh­ne pro­me­nie­ren­des Pu­bli­kum, Bän­ke son­der Zahl oh­ne Sit­zen­de, In­fra­struk­tur al­ler Art oh­ne die da­zu­ge­hö­ri­gen Nut­zer. Und oh­ne ei­ne Per­spek­ti­ve, denn nach der Er­rich­tung fin­det of­fen­bar ei­ne be­darfs­wei­se In­stand­set­zung nur sel­ten und prä­ven­ti­ve In­stand­hal­tung gar nicht statt. Was für teu­er Geld er­rich­tet wur­de, ist al­so so­gleich wie­der dem Ver­fall preis­ge­ge­ben, der ja in der salz­hal­ti­gen Mee­res­luft nicht lan­ge auf sich war­ten läßt: Zäu­ne ver­ro­sten, Bän­ke ver­wit­tern, Grün­an­la­gen ver­kom­men.

Wäh­rend sich die zeit­ge­nös­si­sche Bau­wirt­schaft al­so mit dem re­al­so­zia­li­sti­schen DDR-Mot­to: »Wir bau­en auf und rei­ßen nie­der, so ha­ben wir Ar­beit, im­mer wie­der« ganz gut cha­rak­te­ri­sie­ren läßt, so wur­de in den lan­ge zu­rück­lie­gen­den Zei­ten des mäch­ti­gen Mal­te­ser­or­dens schon aus Grün­den des Auf­wands (die Ze­che zahl­ten nicht an­de­re und mo­der­ne Bau­ma­schi­nen gab es auch nicht) weit nach­hal­ti­ger ge­dacht und um­sich­ti­ger kon­zi­piert. Ein schö­nes Bei­spiel sind die zahl­rei­chen aus die­ser Zeit über­kom­me­nen Wach­tür­me, von de­nen aus man na­hen­de In­va­si­ons­flot­ten früh­zei­tig ent­decken und schnur­stracks wei­ter­mel­den konn­te:

alter Wachturm

Die Re­stau­rie­rung die­ser na­tür­lich auch der Ero­si­on un­ter­lie­gen­den, stei­ner­nen Zeit­zeu­gen mit Hil­fe von EU-För­der­mit­teln geht na­tür­lich in Ord­nung, da­mit wird Ge­schich­te pla­ka­tiv und leicht faß­lich er­hal­ten und nicht wie in un­se­rer hei­mi­schen »Denk­mal­stadt« mut­wil­lig platt­ge­macht (was – so­viel sei der Ge­rech­tig­keit hal­ber kon­ze­diert – selbst­re­dend auch auf Mal­ta in gro­ßem Stil pas­siert). Im­mer­hin, den ver­schie­de­nen Ele­men­ten der mal­te­si­schen Be­fe­sti­gungs­an­la­gen wird kon­ser­va­to­ri­sche Auf­merk­sam­keit zu­teil, und das auch im klei­ne­ren Maß­stab, wie die­ses Mo­dell im neu­lich schon er­wähn­ten »Fort­ress Buil­ders In­ter­pre­ta­ti­on Cent­re« do­ku­men­tiert:

Schnittmodell eines Wachturms im Fortress Buil­ders Interpretation Centre

Man be­ach­te die prag­ma­ti­sche Ma­te­ri­al-Mix-Bau­wei­se: Wie die Ba­stio­nen und son­sti­gen gro­ßen Be­fe­sti­gun­gen auch be­stehen die Tür­me zu gro­ßen Tei­len aus Füll­ma­te­ri­al, wel­ches zwi­schen die In­nen- und Au­ßen­mau­ern ver­bracht und ver­dich­tet wur­de: Das spart nicht nur Be­ar­bei­tungs­auf­wand und Ko­sten, son­dern steckt auch die En­er­gie ein­schla­gen­der Ka­no­nen­ku­geln bes­ser (und leich­ter re­pa­rier­bar) weg als durch­gän­gi­ge Mas­siv­bau­wei­se...

Im 20. Jahr­hun­dert bau­ten die Bri­ten mun­ter wei­ter, wenn­gleich na­tür­lich an­ge­sichts der Fort­schrit­te der Mi­li­tär­tech­nik un­ter ge­än­der­ten Prä­mis­sen: Wäh­rend man mit im­mer groß­ka­li­bri­ge­ren Ge­schüt­zen den auf dem Was­ser sich nä­hern­den Feind schon weit vor sei­ner Sicht­bar­keit ei­nen feu­ri­gen Emp­fang zu be­rei­ten trach­te­te, bau­te man an mög­li­chen Lan­dungs­stel­len et­li­che MG-Bun­ker aus Stahl­be­ton, von de­nen aus ei­ne ver­gleichs­wei­se klei­ne Mann­schaft ei­ne zah­len­mä­ßig über­le­gen­de Trup­pe un­ter Feu­er neh­men und wirk­sam nie­der­hal­ten konn­te. Der ei­ge­nen Wehr­lo­sig­keit ge­gen An­grif­fe mit schwe­rer Ar­til­le­rie oder spä­ter gar aus der Luft ver­such­te man mit Tarn­an­stri­chen zur weit­ge­hen­den Un­sicht­bar­ma­chung zu be­geg­nen:

britischer MG- und Beobachtungs-Bunker

Mei­ner Mei­nung nach soll­te man die al­ten Bun­ker dau­er­haft wie­der mit (ger­ne von der EU sub­ven­tio­nier­ten) Sol­da­ten be­set­zen: Wenn die aus den Schieß­schar­ten spä­hen­den, jun­gen mal­te­si­schen Schüt­zen die all­ge­gen­wär­ti­gen Um­welt­frev­ler (aus den Rei­hen der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung) un­ter Be­schuß näh­men, hät­ten so­wohl die flie­gen­de Fau­na als auch die Land­schaft was da­von, von der Schaf­fung si­che­rer Ar­beits­plät­ze (mit Pen­si­ons­an­spruch) ganz zu schwei­gen. Im Nu wä­re Ru­he, herrsch­ten Sau­ber­keit und Ord­nung! Weil der­glei­chen ra­di­ka­le An­sät­ze na­tür­lich schon aus wahl­tak­ti­schen Grün­den mo­men­tan noch als un­rea­li­stisch ein­zu­stu­fen sind, wer­den bis auf wei­te­res nach wie vor die Vö­gel ab­ge­knallt und die Land­schaft zu­ge­müllt:

Müll in der Landschaft

Was an­ge­sichts der prin­zi­pi­ell traum­haft schö­nen Um­ge­bung kaum zu ver­ste­hen ist: Die flä­chen­decken­de Ver­mül­lung des Le­bens­rau­mes ge­schieht ja nicht durch Frem­de, son­dern pri­mär und zu­vör­derst durch die Ein­hei­mi­schen, die al­les, was sie los­wer­den wol­len, an Ort und Stel­le lie­gen las­sen. Oder so­gar ex­tra hin­fah­ren: Wir ha­ben an un­be­wohn­ten Kü­sten­ab­schnit­ten wild ent­sorg­te Her­de, Kühl­schrän­ke und Kraft­fahr­zeu­ge ge­se­hen, reich gar­niert mit un­ver­rott­ba­ren Kunst­stoff­ab­fäl­len. War­um nur tut so ein An­blick nur dem Aus­wär­ti­gen weh und nicht je­nem, der sein ei­ge­nes Land so un­nö­tig schän­det?

Viel­leicht hängt das ja mit der Bun­ker-Men­ta­li­tät der In­su­la­ner zu­sam­men, die sich auch nach Jahr­zehn­ten des Frie­dens im­mer noch ger­ne wehr­haft ein­ka­steln und ih­ren Blick aufs Le­ben auf ei­nen schma­len Tun­nel­blick ver­en­gen:

neues Haus im Rohbau

Nein, die­ses Bild zeigt kei­ne al­te Wehr­mau­er, son­dern den Roh­bau ei­nes neu­en Wohn­hau­ses mit klar er­kenn­ba­ren Scheu­klap­pen. Wenn man so kon­se­quent al­les aus­blen­det, was ei­nen stö­ren könn­te, dann kommt man na­tür­lich leich­te­ren Her­zens durch Le­ben...

Ge­nug rä­so­niert, es hilft ja doch nix. Schau­en wir uns noch­mal an der un­be­wohn­ten Kü­ste um und wer­fen wir dort ei­nen un­auf­fäl­li­gen Blick auf die Fei­zeit­be­schäf­ti­gung der äl­te­ren Ge­nera­ti­on: Wäh­rend Opa auf ei­nem gisch­tum­spül­ten Fel­sen hockt und Fi­sche aus dem Meer zu zie­hen sucht, sitzt Oma im not­dürf­tig be­schat­te­ten Klein­bus und strickt der­wei­len. Die mit­ge­führ­ten Vier­bei­ner tei­len den un­auf­ge­reg­ten Le­bens­stil, dö­sen in der Son­ne und las­sen sich an­ge­sichts der frem­den Wan­de­rer noch nicht ein­mal zu ei­nem läs­si­gen »Wuff« her­ab.

strickendes Frauchen (im Fahrzeug), dösende Hundchen (davor)

So, wir nä­hern uns lang­sam dem End­punkt un­se­res lan­gen Mar­sches, der Tou­ri­sten-Hoch­burg Mar­saska­la. Schon rä­keln sich die er­sten Mie­zen las­ziv im Halb­schat­ten der kunst­voll ge­stal­te­ten (und selbst­ver­ständ­lich mit EU-Mit­teln be­zahl­ten) Bän­ke:

Katzen beim kollegialen Dösen

Cat con­tent geht im­mer, wie der me­di­en­er­fah­re­ne zo­ne­batt­ler weiß. Ob­wohl er es ja an sich nicht nö­tig hat, sei­ne Zu­griffs-Sta­ti­sti­ken durch der­lei Tricks zu pu­schen. Frei­lich ist es mit dem öf­fent­li­chen Ab­bil­den von Le­be­we­sen so ei­ne Sa­che: Bei zwei­bei­ni­gen Mie­zen kriegt man schon beim Fo­to­gra­fie­ren mit­un­ter Un­schö­nes an den Kopf ge­wor­fen (re­al oder ver­bal), au­ßer­dem kann das ver­letz­te Recht am ei­ge­nen Bild noch Jah­re spä­ter zur ju­ri­sti­schen Stol­per­fal­le wer­den. Er­go zei­ge ich in mei­nen vir­tu­el­len Wun­der­kam­mern nur dann (iden­ti­fi­zier­ba­re) Men­schen, wenn die­se sich mit mei­nem licht­bild­ne­ri­schen An­sin­nen de­zi­diert ein­ver­stan­den er­klärt ha­ben. Die be­pelz­ten Vier­bei­ner pfle­ge ich zu krau­len und ihr Schnur­ren als kon­klu­den­te Zu­stim­mung zu wer­ten. So ein­fach ist das.

Und da­mit las­se ich es für heu­te be­wen­den. De­mächst geht es hei­ter wei­ter.

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