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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Sonntag, 14. Oktober 2018

Ausbrecherin

Blätter, zur Sonne, zur Freiheit!

Freitag, 12. Oktober 2018

Morgensonne

Tordetail in der Karlstraße

Sonntag, 7. Oktober 2018

Kärwa korrekt

Den heutigen Erntedankfestzug am »Bau­ern­sonn­tag« habe ich am Fürther Rat­haus in absoluter Konformität zur Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO) bildlich fest­ge­hal­ten, in­dem ich peinlich genau darauf ge­ach­tet ha­be, daß in der Menge kein In­di­vi­du­um ein­deu­tig erkennbar ist:

Massenstart von Luftballons beim Eintreffen des Kärwa-Umzuges am Rathaus

Da sage noch einer, Street Photography sei heutzutage nicht mehr legal möglich. Alles weh­lei­di­ges Gewäsch: Kre­a­ti­ve Lösungen sind gefragt!

Sonntag, 30. September 2018

Herbstlich(t)

Künstliche Blüten im natürlichen Licht

Samstag, 29. September 2018

Partnerlook

Gendergerecht gekennzeichnete Fahrräder

Mittwoch, 26. September 2018

Neue Kollegen gesucht!

Der zonebattler ist im Zivilberuf einer von knapp 1000 Mitarbeitern von DB Training, Learning & Consulting, dem Bildungsanbieter im Deutsche Bahn-Konzern. Wir sind »Voll­sor­ti­men­ter« und machen alles von Outdoor-Pädagogik für Azubis über Soft Skills für Führungskräfte bis hin zu »harten« Technik-Themen für Blaumänner. Ich selbst sitze in unserem Trainingszentrum Nürnberg und plane dort als Mitarbeiter der Bil­dungs­dis­po­si­tion (Bereich Fahrzeugtechnik) die In­stand­hal­ter­trai­nings für die ICE-Flotte der DB. Dazu orchestriere ich personelle und ding­li­che Ressourcen in Raum und Zeit und sorge u.a. dafür, daß Trainer, Teilnehmer, Un­ter­la­gen, Tablets etc. zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort zusammenfinden.

Falls jemand in meiner Leserschaft eine Ausbildung und/oder Berufserfahrung im technischen Bereich hat (vorzugsweise als Elektrotechniker oder -ingenieur) und eine neue He­raus­for­de­rung als Vermittler kom­ple­xer technischer Zu­sam­men­hän­ge sucht, könnte ich even­tu­ell wei­ter­hel­fen: Wir haben ständig Bedarf an Fach­trai­nern, die ei­ner­seits tech­nisch versiert sind, andererseits eine Neigung zur pä­da­go­gi­schen Seite des Jobs haben. Aktuell haben wir mehr al­ters­be­ding­te Abgänge (Ru­he­stand) als an neuen Ge­sich­tern nach­kommt, was zusehends zum Pro­blem wird, weil sich die Auf­trags­lage ge­gen­läu­fig entwickelt und schier durch die Decke schießt.

Technisch (Stichwort Digitalisierung) sind wir ziemlich vorne mit dabei, ich verweise hier beispielhaft auf unseren »virtuellen Dach­gar­ten« des ICE 4, siehe

Die Vermittlung hochspezialisierten Wissens und Könnens im Schienenfahrzeug-Sektor ist fraglos interessant, fordernd und ab­wechs­lungs­reich, man ist zudem weitgehend sein eigener Herr, aber man muß halt auch mit der anderen Seite der Medaille zu­recht­kom­men können, die da heißt Reisetätigkeit. Die Trainings finden wegen des Pra­xis­be­zuges an den Standorten der betriebsnahen oder schweren In­stand­hal­tung statt, und die sind – je nach Betreiber der Fahrzeuge und je nach Fakultät – über das Land verteilt und nicht unbedingt in der Nähe des eigenen Wohnortes. Bedeutet in meinem Metier (ICE) konkret München, Frankfurt, Berlin, Ham­burg, Köln, ge­le­gent­lich auch Krefeld, Dort­mund, Leipzig oder Nürnberg. Zwi­schen­drin gibt’s immer wieder mal Zeiträume für Pro­dukt­pfle­ge (Handbücher aktualisieren, Lern­kon­zep­te anpassen), die man auch da­heim zubringen bzw. frei ge­stal­ten kann.

In spezifischen Bereichen (z.B. Kältetechnik, Zugsicherungs- und Leittechnik) haben wir ehemalige Rundfunk- und Fernsehtechniker oder Elektriker an Bord, die sich auf ihre Nischenthemen spezialisiert haben. Arbeit gibt’s genug, und als Hand­lungs­rei­sen­der in Sachen Bildung hat man Freiheitsgrade, die ein stationärer Mitarbeiter mit Chef im Rücken eher nicht hat.

»Gesetztes Alter« ist übrigens kein Problem: Wir haben einige Ingenieure und andere Fachleute im Team, die erst mit deutlich jenseits der 50 zu uns gefunden haben (und mit ihrem Job zufrieden bis glücklich sind). Pi mal Daumen kann man sagen, daß es beid­sei­tig lohnend ist, wenn einer nach der Ein­ar­bei­tung (ca. ein Jahr) noch etwa zehn Jahre vor sich hat bis zum Erreichen der Al­ters­gren­ze.

Eine offizielle Stellenausschreibung findet sich im Karriere-Portal der DB. Die dort geforderte mehrjährige Erfahrung in der Instandhaltung von Triebfahrzeugen ist kein K.O.-Kriterium!

Achtung: Wer sich bewerben mag, möge mich bitte VORHER kontaktieren, dann kann ich im Rahmen der Aktion »Mit­ar­bei­ter werben Mitarbeiter« u. U. eine »Kopf-Prämie« in Höhe von 1.500 EUR kassieren, die ich im Erfolgsfalle selbst­ver­ständ­lich mit dem neuen Kollegen brüderlich teilen würde… Hinterher ist zu spät!

P.S.: Hier noch ein paar keine Einblicke in die Welt des mobilen Geraffels und dessen In­stand­hal­tung:

Die dort bei der Arbeit gezeigten Blaumänner zu schulen ist die Aufgabe unserer »Lern­be­glei­ter« von DB Training. Interessenten mel­den sich bitte bei mir.

P.S.: Auch wenn ich immer nur männliche Bezeichnungen verwendet habe: Neue Kol­le­gIN­NEN wären uns selbstverständlich eben­so willkommen!

Dienstag, 25. September 2018

Mini-Komponenten, Maxi-Boxen, Midi-Preise…

Der zonebattler möchte seinen Hausrat weiter verkleinern und macht mit diesem An­sin­nen jetzt auch da weiter, wo es schon aus lokalpatriotischen Gründen weh tut: Seine große GRUNDIG-Aktiv-Anlage steht nunmehr zum Verkauf!

Sie besteht aus den folgenden Komponenten:

2x Aktiv-Lautsprecher Grundig HiFi Aktiv-Box 40
mit originalen Netz- und NF-Kabeln

Vorverstärker Grundig MXV 100
Tuner Grundig MT 200

CD-Spieler Philips CD 100
CD-Spieler Grundig CD 360

Die Verstärkermodule der Aktiv-Boxen waren bei einem anerkannten Grundig-Spe­zia­li­sten zur Kur, er hat sie gründlich generalüberholt (u.a. alle Elkos getauscht, Fein­si­che­run­gen für die Chassis eingebaut, Kontakte gereinigt etc.). Infolgedessen zeigen die Lautsprecher keinerlei Ausfallerscheinungen, sie spielen wie neu und das heißt mit ordentlich Wumms (wenn es denn sein muß). Um die Sicken der Tieftöner braucht man sich keine Sorgen zu machen, die sind grundig-typisch aus Gummi… Im Lie­fer­um­fang der me­tal­lic­braun folierten Lautsprecher sind ihre laaaaaaaaaaaaangen Netz- und Sig­nal­ka­bel enthalten. Die abnehmbaren Fronten haben keine Macken und tragen überdies noch die originalen Logo-Schildchen. Einziger nen­nens­wer­ter Mangel ist eine kleine Eck­be­sto­ßung an einer Box hinten oben links.

Auch den Vorverstärker Grundig MXV 100 hat der Spezialist in der Mache gehabt (El­ko­tausch und Kontaktpflege), der sollte bei gu­ter Behandlung ebenfalls noch eine zwei­stel­lige Zahl von Betriebsjahren ohne zu mucken durchhalten… Der Tuner Grun­dig MT 200 tut und tuned noch einwandfrei, dem ersparte ich den ko­sten­pflich­ti­gen Aufenthalt auf des Fach­manns Werkbank. Die beiden Mini-Komponenten sind von der selteneren Farbstellung Champagner/gold-metallic, deshalb sind ihre Seiten in braun-metallic gehalten (pas­send zu der Boxenfarbe). Ihr äußerer Zustand ist de facto wie frisch aus dem Laden, Macken müßten auch kritischere Gemüter mit der Lupe suchen. Die ganzen Papiere (Anleitungen, Schaltpläne, Ga­ran­tie­kar­ten) gibt es ebenso mit da­zu wie die originalen DIN-Verbindungskabel.

CD-Spieler gab es zur Bauzeit dieser Ge­rät­schaf­ten noch nicht, darum steht auf der anderen Box als optisch am besten dazu passender Zuspieler ein Philips CD 100. Der hat trotz zweimaliger Kur (bei einer weiteren Old-Fidelity-Foren-Koryphäe) wieder mal seine divenhaften Anfälle (Prasseln und Aussetzer bis zum völligen Verstummen) bekommen, der Welt erster CD-Spieler steht daher momentan nur noch als (optisch hervorragend erhaltenes) Technik-Denkmal in der Anlage. Seinen funktionalen Part übernahm klaglos der unter ihm stehende Grundig CD 360, dem es zwar an edler Haptik mangelt, aber dafür ist er unkaputtbar und luxuriös ausgestattet. Vor allem aber paßt er mit seinen Abmessungen millimetergenau auf die Box!

So, jetzt aber erstmal Bilder:

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

GRUNDIG Aktiv-Anlage

Die verlangten Preise sollen einerseits na­tür­lich fair bleiben, andererseits meinen Tren­nungs­schmerz kompensieren. Ich rufe daher auf:

1. Grundig HiFi-Aktivboxen 40: 2 x 200 €

2. Grundig Minis (MXV 100 + MT 200): 200 €

3. Philips CD 100 (defekt, aber schön): 200 €

Diese drei Posten können grundsätzlich separat abgegeben werden, aber so lange die Boxen kein gutes neues Herrchen gefunden haben, bliebt der Rest auch hier, schon damit ich damit noch selbst Musike hören kann. Die Lautsprecher können an­ge­sichts ihres Gewichtes (2 x 24 kg) nicht verschickt werden, für die Tröten kommt also nur Selbstabholung in Frage. Die anderen Komponenten lassen sich da­ge­gen durchaus versandsicher verpacken und mit DHL ei­ni­ger­ma­ßen risikoarm expedieren.

Die Anlage kann (und sollte) bei mir in Fürth probegehört werden, ich lasse sie so lange aufgebaut, bis einer kommt und die Boxen gegen Barzahlung mitnimmt. Wer die Laut­spre­cher samt Vorverstärker und Tuner wegtragen mag, bekommt den CD 360 als Zugabe obendrauf.

Montag, 17. September 2018

Die gute Tat (2)

Da der Parkplatz hinter des zonebattler’s Bürogebäude stets mit Einsatzwagen gut gefüllt ist, hat sich unser Vermieter, die Firma DIEHL, dazu ent­schlos­sen, sich heute kur­zer­hand einen eigenen Stellplatz dazumalen zu lassen. Den zu markieren schickte sich so­eben ein Meister seines Fachs wie folgt an:

Maler mit Rechtschreibschwäche bei Vorbereitungsarbeiten

Bei diesem Stand der Dinge sah nun meiner sein Gewissen arg auf die Probe gestellt: Sollte ich den pinselschwingenden Le­ga­sthen­i­ker sein wirres Werk zur Freude der (mei­sten) späteren Betrachter vollenden lassen oder doch rechtzeitig intervenieren, um dem malenden Murkser einen späteren Anschiß zu ersparen? Die Überschrift des Beitrages gibt Auskunft über den Ausgang des inneren Konfliktes…

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Donnerstag, 13. September 2018

Ausgedient

Stillgelegtes Stellwerk in Troisdorf

Dienstag, 11. September 2018

Bildungsburg

Trainingszentrum Troisdorf, Haus 7

Montag, 10. September 2018

Sommer in Siebenbürgen (1)

Ich hatte ja schon unlängst unter dem reißerischen Titel »Schaurige Schönheiten« ein paar schwarzgeweißte Fotos aus dem heurigen Urlaub als Appetitanreger gezeigt. Heute nun soll endlich etwas Farbe in die Erinnerungen an eine wunderbare Reise gebracht werden. Gleich vorneweg: Auch wenn in Transsilvanien alias Siebenbürgen mancherorts mit abstrusen Dracula-Le­gen­den versucht wird, den Tourismus zu be­feu­ern [1], die Realität ist eher bunt als düster und Blutsauger gibt’s dort wie hier wohl primär im Finanzgewerbe. Dennoch muß erneut zugegeben werden, daß wir Ru­mä­nien ohne die Anregung durch unsere be­freun­de­te und bilinguale Nachbarin Almut S. wohl niemals ernsthaft als Reiseziel er­wo­gen hätten: Ein paar unverifizierte Vor­ur­tei­le hat man halt doch irgendwie im Hin­ter­kopf gehabt…

Besagte Nachbarin war nun schon eine gute Woche vor uns im Auto mit Mann, zwei Töchtern, einem Hund und allerlei Hausrat losgefahren, der zonebattler und seine bessere Hälfte flogen später mit nur einem einzigen Koffer beladen hinterher. [2] Am Flughafen von Sibiu (Hermannstadt) [3] vereinigte sich die Fürther Nachbarschaft und steuerte das etwa 80 km entfernte Richiș (Reichesdorf) an:

Richiș (Reichesdorf) im Kreis Sibiu (Hermannstadt) / Gemeinde Biertan (Birthälm)

Unsere Nachbarn waren dort nicht zum ersten Mal (wir jetzt vermutlich auch nicht letzt­mals) und führten uns in die örtlichen Gegebenheiten ein. Wobei sich das Dorf­le­ben sehr übersichtlich darstellte und der Aufenthalt dort entsprechend entspannend und entschleunigend. Zur Geschichte Sie­ben­bür­gens ist zusammenfassend zu sagen, daß dort mehr als 850 Jahre lang Rumänen, Un­garn, Zigeuner, Juden und deutsche Ein­wan­de­rer friedlich ne­ben­ein­an­der her lebten – zwar in weitgehend geschlossenen Pa­ral­lel­ge­sell­schaf­ten, aber eben mit Respekt vor den jeweils anderen und sich nicht ge­gen­sei­tig an die Gurgel gehend. Insofern kann die Gegend als leuchtendes Beispiel für die prinzipielle Möglichkeit einer weitgehend friedlichen Koexistenz ver­schie­dener Volks­grup­pen, Ethnien und Religionen dienen. [4]

Heute sind die Spuren der deutschen Be­sied­lung der Gegend noch unübersehbar, die Siebenbürger Sachsen selbst allerdings nur noch in homöopathischer Dosierung an­säs­sig: In zwei großen Auswanderungswellen in den 1970ern und nach 1990 sind die von großem Zusammengehörigkeitsgefühl ge­präg­ten Rumäniendeutschen aus Sie­ben­bür­gen nach Deutschland geschwappt und kommen heute überwiegend nur als »Som­mer­sach­sen« im Urlaub wieder für ein paar Wochen zurück ins Land ihrer Väter und der eigenen Vergangenheit. Natürlich auch nach Richiș, wo wir erstaunlich viele Autos mit deutschen Kennzeichen aus unserer Region sahen (FÜ, N, ER, SC, AN, …). So sieht es in diesem typischen Straßendorf aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

An der wechselnden Fassadenfarbe erkennt man sofort den immer wiederkehrenden Rhythmus aus Hofeinfahrt und Wohnhaus, der das straßenseitige Erscheinungsbild der Siebenbürgisch-Sächsischen Anwesen bestimmt. [5] Nach hinten gehen die Grund­stücke sehr in die Tiefe und oft noch den Hang hinauf, so daß bei relativ schmaler Straßenfront viel Platz für Scheunen, Wirt­schafts­ge­bäu­de, Ställe und Nutzgärten war. Inteessierte LeserInnen mögen sich das mal vermittels Google Earth aus der Luft an­schau­en, die hand­tuch­schmal erscheinenden Grundstücke fallen auf den ersten Blick ins Auge.

Was man leider auch sehr schnell registriert, sind die Spuren der Vernachlässigung, ja auch des Verfalls, dem die alten Häuser und Einrichtungen seit dem Auszug ihrer letzten deutschstämmigen Besitzer ausgesetzt sind: Auch wenn sich zwischendrin einige schöne Beispiele von behutsamer Instandsetzung und Renovierung finden (na­ment­lich in Richiș haben sich großstadtmüde Menschen aus den Niederlanden, Bel­gi­en, Frankreich, Eng­land, Deutschland und sonstwoher recht preiswert ein­ge­kauft), so sind doch leider vielerorts etliche Anwesen leerstehend und in be­kla­gens­wer­tem Zu­stand. [6] Immerhin, in Richiș sieht es auf der Hauptstraße auch in der anderen Rich­tung noch (oder wieder) ganz gediegen aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

Daß auf den beiden vorangegangenen Fotos nur ein Auto und ein Motorroller zu sehen sind, hat nichts mit beschaulichem Wo­chen­en­de oder verkehrsarmen Ta­ges­rand­zei­ten zu tun: Der motorisierte Individualverkehr ist auf dem Lande noch sehr überschaubar, hölzerne Fuhrwerke mit einer einzigen Pfer­de­stär­ke vorne dran sieht man dort öfter als bereifte Bür­ger­kä­fi­ge aus Blech. Auch das ein Grund, warum uns die Som­mer­fri­sche in Siebenbürgen sehr gefallen hat.

Ein weiterer Grund waren die Begegnungen mit entspannten Menschen, seien es alte Sachsen, seien es junge Rumänen. Während wir mit den erstgenannten gut auf Deutsch über die früheren Zeiten plaudern konnten, konnten wir uns bei den zweit­ge­nann­ten mit Englisch behelfen. Allerdings kann die völ­ker­ver­stän­di­gen­de Eisbrecher-Rolle unserer »Dolmetscherin« Almut nicht stark genug betont werden, ohne deren Sprach­kennt­nis­se uns manche Tür verschlossen und man­ches Erlebnis verwehrt ge­blie­ben wäre. Weitgehend wortloses Einvernehmen zum beiderseitigen Plaisir bestand (wie allerorts) zwischen dem zonebattler und seinen vier­bei­ni­gen Freunden. Hier sehen wir Ent­span­nungs­übun­gen von Herrn Paulchen, der uns während unseres Auf­ent­hal­tes ans Herz gewachsen ist und den wir nur unter Seufzen zurückgelassen (und einer ungewissen Zu­kunft überantwortet) haben:

Paulchen freut sich seines Lebens

Das kleine Paulchen wußte sich sehr an­stän­dig zu benehmen und sich damit den tem­po­rä­ren Gästen im Ort nachdrücklich zu em­pfeh­len. Sein charmantes Wesen brachte ihm viele Sympathien und sicherlich auch den einen oder anderen Lecker­bis­sen ein. Anderen Hunden im Ort ging es weniger gut, denn man muß leider kon­sta­tie­ren, daß die Be­hand­lung und Verwendung von Haus- und Nutztieren in Rumänien (wie fraglos auch in vielen anderen Ländern an Europas Pe­ri­phe­rie) eher nicht den uns vertrauten Ge­pflo­gen­hei­ten entspricht…

Hunde, Katzen, Hühner, Pferde, Kühe: In Siebenbürgens Dörfern läuft eine Menge Ge­tier frei herum und weckte in unsereinem Erinnerungen an eine ferne Kindheit, als solche – aus Kindersicht paradiesischen – Verhältnisse auch in deutschen Landen All­tag waren. Überhaupt wurden in des Be­richt­er­stat­ters Gedächtnis allerlei ver­schüt­te­te Erinnerungen aufgequirlt, als ihm typische Gerüche aus unbeschwerten Ju­gend­ta­gen in die Nase stiegen, sei es das süßliche Aroma vergorener Trauben in ei­nem be­helfs­mä­ßi­gen Weinkeller, sei es der üppige Geruchs­cock­tail einer frisch ge­mäh­ten Wiese mit großem Artenreichtum an Pflanzen. Un­ver­mu­te­te Flashbacks wie diese rührten den ollen zonebattler tatsächlich zu Tränen: Erstaunlich, was so alles ir­gend­wo im Hin­ter­kopf schlummern und nach einem halben Jahrhundert durch ein paar ol­fak­to­ri­sche Schlüs­sel­rei­ze wieder aktiviert werden kann!

Abendstimmung in Richiș

Richiș alias Reichesdorf war also unser zeit­wei­li­ges Zuhause, von dort aus un­ter­nahmen wir Wanderungen und kleine Expeditionen, per pedes, per Rad, per Pfer­de­fuhr­werk oder per PKW. [7] Wobei es schon im Ort selbst und in dessen un­mit­tel­ba­rer Nachbarschaft viel zu entdecken gab für jemanden, der naturnahen Urlaub liebt und dem Trubel des städtischen Lebens zeitweise gerne entflieht.

Was einem sogleich auffällt außer dem typischen Erscheinungsbild der Häuser ist die Liebe der Rumänen (und wohl auch der im Lande verbliebenen Deutschen) zu Blu­men. Allerorten leuchten bunte Blüten, nicht nur draußen am Wegesrand und in den Wie­sen, auch innerorts an den Straßen, in den Höfen, vor den Häusern und nicht zu­letzt auch an deren Fenstern:

Üppiger Blumenschmuck ist allerorten anzutreffen

Auch damit hatten wir nicht gerechnet: Unsere Reisen in südlichere Gefilde hatten wir immer im Frühling unternommen, um auf La Palma, Malta, Mallorca oder Teneriffa in den Genuß bunter Blütenpracht zu kom­men. Im Spätsommer noch ir­gend­wo üp­pi­ges Grün und farbenfrohe Blumen flä­chen­deckend vorzufinden hätten wir nicht zu hoffen gewagt, zumal nicht nach diesem Dürre-Sommer in Deutschland. Ein weiterer Pluspunkt für unser neu entdecktes Rei­se­land Rumänien!

Nicht weniger üppig, wenn auch deutlich weniger schön wuchern überall die vom Men­schen gelegten Adern des technischen Fortschritts: Strom-, Telefon- und Internet-Kabel liegen nicht im Boden, sondern hängen in der Luft zwischen groben Be­ton­ma­sten im weiland kommunistischen Brutalo-Design. Auch im Detail herrscht offenbar die Maxime »function first«, weshalb die Verstrickungen der Verstrippungen so aus­se­hen, wie sie halt nun mal ausschauen:

Kabelverhau vor historischem Bau

Schön ist natürlich was anderes, aber ein gewisser Pragmatismus ist dem Landvolk ja über­all auf der Welt zu eigen, ebenso wie eine souveräne Laxheit in ästhetischen Fra­gen. Nicht einmal der postmoderne Franke könnte sich hier guten Gewissens über­le­gen fühlen, kommt ihm doch allzuoft selbst ein schnodderiges »des dudd’s« über die Lippen…

Mit so einer Haltung kann man nicht nur ertragen, was feinsinnigen Geistern und kon­troll­be­dürf­ti­gen Charakteren ein Greuel ist, nein, man kann sogar mit dem un­ge­plan­ten Wer­den und Vergehen um einen herum seinen Frieden machen. Und vielleicht sogar zu der Erkenntnis gelangen, daß die Natur nicht des Menschen Werk in zer­stö­re­ri­scher Absicht zu überwuchern angetreten ist, sondern ihm vielmehr ein Stück Schön­heit zurückbringt in seine von ihm selbst ent-schönte kleine Welt:

In jeder Ritze regt sich Leben

Der westliche Wahn des Ausrottens allen Wildwuchses hat auf den (mä­ßig) wilden Osten glücklicherweise noch nicht über­ge­grif­fen, und unter anderem das macht den Charme Siebenbürgens aus. Der Exodus der Siebenbürger Sachsen (korrekterweise müßte man sie als rumänische Staatsbürger deutscher Nationalität titulieren) hat zwar vieles dem Niedergang überantwortet (von den Häusern über die berühmten Kir­chen­bur­gen bis hin zu den Weinbergen), indes wirkt der schleichende Fall auf den Besucher eher pittoresk und charmant sowie in der Regel nicht de­pri­mie­rend. Wer Venedig kennt und dessen morbide Aura liebt, mag das nachvollziehen können. Übrigens sieht man von der real existierenden Armut in Ru­mä­ni­en selbst in den Städten deutlich weniger als in den urbanen Zentren im »reichen« We­sten…

Als wahrlich reich anzusehen sind indes die Menschen, die zwar in bescheidenen, aber doch wür­di­gen Verhältnissen zufrieden le­ben. Wie zum Beispiel jene Siebenbürger Sachsen, die wei­land dem Herdentrieb wi­der­stan­den haben und in der an­ge­stamm­ten Heimat zurück­ge­blie­ben sind. Wir dur­ften solche kennenlernen. Aus Gründen der Dis­kre­tion zeige ich zur Illustration nur einen äußerlich Eindruck vom kleinen Pa­ra­dies der bo­den­stän­di­gen Leute:

Nicht ganz klein, und immer noch fein: Der Hausgarten von Frau und Herrn Schaas

So, das war es dann für heute. Seitenlang über Siebenbürgen geplappert und nicht eine einzige Kirchenburg gezeigt! Macht aber nix, denn erstens bin ich ja schon in Vor­lei­stung gegangen und zweitens macht(e) der Robert von nebenan ohnehin die besseren Bilder. Dafür ist der zonebattler zweifelsfrei die größere Plappertasche, so ergänzen wir beide uns prächtig. Im zweiten Teil geht es hier demnächst weiter mit bunten Ansichten und weiteren Schach­tel­sät­zen aus dem Zen­trum Rumäniens!

 
[1] Eine Strategie, die offenbar einigen Erfolg zeitigt. Immerhin hat das Anlocken un­be­darf­ter Pauschal-Touristen mit depperten Dra­cu­lan­tien den Vorteil, daß diese dann zumeist in den ohnehin überlaufenen und tou­ri­sti­fi­zier­ten Städten verbleiben und sich eher selten ins noch weitgehend ur­sprüng­li­che Umland verirren…

[2] Von Nürnberg nach Sibiu (Hermannstadt) braucht ein Airbus der ungarischen Wizz Air noch nicht einmal zwei Stunden.

[3] In dieser Reiseberichterstattung werden Ortsnamen in offizieller rumänischer Schreib­wei­se notiert, bei erstmaliger Nen­nung gefolgt vom deutschen Namen in Klam­mern.

[4] Diese vereinfachende Darstellung ist natürlich im Detail durchaus kritisch zu se­hen. Beispielsweise hat sich in Deutschlands tausendjährigem Jahrzwölft der kol­lek­ti­ve Rassenwahn auch unter den fernab des braunen Reiches lebenden Sie­ben­bür­ger Sachsen breitgemacht. Dies näher aus­zu­füh­ren ist aber nicht das Thema dieser Ur­laubs-Reprise.

[5] Was uns übrigens vor dem Urlaub nicht bekannt war: Die ursprünglichen »Sie­ben­bür­ger Sachsen« kamen als willkommene Siedler aus dem Luxemburgischen, dem Rhein­land und von der Mosel. Zu »Sachsen« machte sie der Weg über Mit­tel­deutsch­land, mit den »richtigen« Sachsen hatten und haben sie nichts zu tun. Ähnlich verhält es sich übri­gens mit den »Banater Schwaben«, denen dieses mißweisende Etikett aufgeklebt wur­de, weil die Auswanderer ihre Schiffs­reise auf der Donau weiland in Ulm be­gan­nen…

[6] Landflucht ist natürlich auch in Rumänien ein Thema: Junge Leute zieht es in die Städte, wo es mehr Abwechslung und auch at­trak­ti­ve­re Arbeit gibt (sprich besser be­zahl­te, zeit­lich weniger ausufernde und nicht so kör­per­lich anstrengende wie in der Land­wirt­schaft draußen)…

[7] Unsere Nachbarsfamilie aus Fürth hatte ja alles dabei (bis auf das Pfer­de­fuhr­werk).

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Samstag, 25. August 2018

Sicherheit geht vor

Warnschild an der fahrerseitigen Kopfstütze von des zonebattler's Renngurke

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