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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Dienstag, 16. Juli 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (16)

Ein drit­tes und letz­tes Mal geht es heu­te in die Up­per Barrak­ka Gar­dens, um dort Punkt zwölf laut­stark de­mon­striert zu be­kom­men, was die Stun­de ge­schla­gen hat: In ei­nem täg­lich wie­der­keh­ren­den Ri­tu­al wird von (mut­maß­lich pseudo-)britischen Sol­da­ten mit­tags Sa­lut ge­schos­sen und da­mit ein weit­hin hör­ba­res Zeit- (und frü­her auch Macht-) Zei­chen ge­ge­ben...

Saluting Battery der Upper Barrakka Gardens über dem Hafen von Valletta

Der Of­fi­cer links im Bild er­klärt per Mi­kro­fon und Laut­spre­cher­an­la­ge das Pro­ze­de­re, die bei­den Hau­ben­trä­ger rechterhand füh­ren die Bal­le­rei durch. Lei­der wird nur ei­ne ein­zi­ge Ka­no­ne ab­ge­schos­sen und noch lei­de­rer hat die nur Pul­ver, aber kei­ne Ku­gel im Rohr, wes­halb es kein spek­ta­ku­lä­res Schif­fe-Ver­sen­ken-Spiel im Maß­stab 1:1 zu be­klat­schen gibt, son­dern halt nur ei­nen Knall zu hö­ren und ei­ne wei­ße Rauch­wol­ke zu se­hen:

Salut-Kanone unmittelbar nach dem Abschuß

Für drol­li­ge Spleens wie der­lei mi­li­tä­ri­sche Her­um­ham­pe­lei­en lie­ben wir ja die Söh­ne Al­bi­ons, wo­bei ich wie schon ein­gangs an­ge­deu­tet den na­gen­den An­fangs­ver­dacht he­ge, daß in den Uni­for­men Ih­rer Ma­je­stät Ar­til­le­ri­sten in Wirk­lich­keit mal­te­si­sche Hilfs­ar­bei­ter stecken könn­ten, die für klei­nes Geld die ro­man­ti­sier­ten Ko­lo­ni­al­zeit­träu­me der Tou­ri­sten be­flü­geln. Aber man muß den harm­lo­sen (Feuer-)Zauber ja nicht un­be­dingt ent­zau­bern...

Ma­gi­sche Ein­drücke hält Val­let­ta auch in den Abend­stun­den be­reit, wenn sich die Tou­ri­sten­men­gen ver­pul­ve­ri­siert ha­ben und die Ein­hei­mi­schen da­heim vor ih­ren Glot­zen sit­zen: Dann hat man die pit­to­res­ke Alt­stadt fast für sich al­lein und kann im schwin­den­den Ta­ges­licht noch man­che schö­ne Sze­ne auf den Film Sen­sor-Chip ban­nen. Wie die­se dienst­frei ha­ben­den Son­nen­schir­me hier:

dienstfrei gestellte Sonnenschirme im Herzen Vallettas

Manch­mal wünscht man sich als Frei­zeit-Fo­to­graf die ana­lo­gen Zei­ten zu­rück: Bei um die 50 Pfen­ni­gen pro Dia hät­te ich der­lei Mo­ti­ve un­ter mü­he­vol­len Ver­ren­kun­gen nach lan­ger Über­le­gung ge­nau 1x sorg­sam an­vi­siert und ab­ge­lich­tet. Heut­zu­ta­ge nimmt man ein hal­bes Dut­zend leicht ver­schie­de­ne Schnapp­schüs­se mit und quält sich spä­ter da­heim mit der Fra­ge her­um, wel­cher da­von nun letzt­lich der be­ste ist... Tja.

Auch von die­sen ge­staf­fel­ten Haus­tü­ren ha­be ich im schum­me­ri­gen Däm­mer­licht et­li­che Auf­nah­men ge­macht, ja so­gar ei­ni­ge frei­hän­di­ge Be­lich­tungs­rei­hen rea­li­siert zum Zwecke der nach­träg­li­chen HDR-Be­ar­bei­tung:

Tür an Tür: schmale Häuserfronten in der Altstadt von Valletta

Die frag­los sur­re­al­ste und skur­ril­ste Be­geg­nung in den schläf­ri­gen Gas­sen Val­let­tas kün­dig­te sich schon aus ei­ni­ger Ent­fer­nung laut­stark aku­stisch an. Un­ter ble­chern-schep­pern­dem Ab­spie­len ei­ner Klim­per-Fas­sung von Li­li Mar­le­en mach­te ein mo­to­ri­sier­ter Eis-Ver­käu­fer die Run­de, mal an die­ser, mal an je­ner Ecke hal­tend und sich mu­si­ka­lisch mit ei­nem Klirr­fak­tor na­he 100% bei der po­ten­ti­el­len Kund­schaft an­kün­di­gend:

mobile Eisdiele im Einsatz in den abendlich dahindämmernden Gassen Vallettas

Nach­dem der im Bild ge­zeig­te Kna­be mit der Start­num­mer 18 auf dem Rücken sein tief­ge­kühl­tes Bett­hup­ferl ge­kauft hat­te, ra­ste der am­bu­lan­te Eis-Dea­ler mit quiet­schen­den Rei­fen hei­ter wei­ter, sein Li­li-Mar­le­en-Ge­trö­te bald hier, bald dort er­tö­nen las­send, viel­fäl­ti­ges Echo in­klu­si­ve. Mal war sein Wa­gen ei­ni­ge Quer­stra­ßen wei­ter zu se­hen, mal flitz­te er an ganz an­de­rer Stel­le durchs be­schau­li­che Bild. Ob sich der un­über­hör­ba­re Ein­satz letzt­lich wirt­schaft­lich für ihn ge­lohnt hat, er­scheint mir zu­min­dest zwei­fel­haft zu sein: Al­lein der Be­trieb der watt­star­ken Be­schal­lungs­an­la­ge wird – im Ver­ein mit der Kühl­an­la­ge – ei­ni­ges an En­er­gie ver­brau­chen. Ein nen­nens­wer­ter Kun­den­an­sturm war hin­ge­gen nicht zu kon­sta­tie­ren. Ver­mut­lich zahlt der Ge­la­tie­ro bei je­der ver­kauf­ten Ku­gel drauf, aber die Men­ge macht’s dann wohl wett...

Nach­dem wir dann die Stadt bis zum äu­ßer­sten er­reich­ba­ren En­de durch­lau­fen und an ih­rem Rand halb um­run­det hat­ten, nä­her­ten wir uns über den zen­tra­len Bus­bahn­hof wie­der ih­rem Ein­gang. In­zwi­schen war es gänz­lich dun­kel ge­wor­den, was mir Ge­le­gen­heit gab, mich dem an­son­sten bus-um­to­sten Tri­ton­brun­nen ge­fahr­los zu nä­hern, um ihn per Lang­zeit­be­lich­tung ein­zu­fan­gen und zu kon­ser­vie­ren:

nächtliches Wasserspiel: der Tritonbrunnen von Valletta

Ge­mes­sen am Sta­tus – Val­let­ta ist ja im­mer­hin die Haupt­stadt ei­nes sou­ve­rä­nen EU-Staa­tes – ist das Städt­chen eher über­schau­bar und pro­vin­zi­ell an­mu­tend; ge­nau das aber macht ja sei­nen be­son­de­ren Reiz aus. Wie es um das Kul­tur­le­ben be­stellt ist, kann ich nicht wirk­lich be­ur­tei­len – Feu­er­werks-Fe­sti­vals mal aus­ge­nom­men. Aber wenn über­haupt, dann wä­re Val­let­ta wohl der Ort, an bzw. in dem sich un­ser­eins ger­ne dau­er­haft nie­der­las­sen wür­de. Aber da es bis zum Ru­he­stand noch ein­ge Jähr­chen hin sind, sind der­lei Über­le­gun­gen der­zeit aka­de­mi­scher Na­tur.

In Sa­chen Rei­se­mit­bring­sel sind der zo­ne­batt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te ja ei­ni­ger­ma­ßen prag­ma­tisch ori­en­tiert: raum­grei­fen­de Staub­fän­ger sind ver­pönt, im Zwei­fels­fall ge­nie­ßen na­tür­li­che Fund­stücke wie Wur­zeln, Stei­ne, Schnecken­ge­häu­se etc. ei­ne hö­he­re Wert­schät­zung als von Men­schen­hand ge­ba­stel­ter oder gar in­du­stri­ell ge­fer­tig­ter Mum­pitz. Ger­ne ge­nom­men wer­den hin­ge­gen Le­bens­mit­tel in Form orts­üb­li­cher De­li­ka­tes­sen, mit de­nen sich das Ur­laubs­ge­fühl im hei­mi­schen All­tag noch ei­ne Wei­le und im Wort­sin­ne ge­schmack­voll auf­recht­erhal­ten läßt. Hier se­hen wir die am Tag vor der Heim­rei­se ein­ge­kauf­te Aus­wahl an mal­te­si­schen und ita­lie­ni­schen Kä­se­sor­ten, am­bu­lant ge­kühlt im Was­ser­bad des ho­tel­zim­mer­ei­ge­nen Wasch­beckens:

am Abend vor dem Heimflug eingekaufte und behelfsmäßig wassergekühlte Käse-Spezialitäten

Dank ei­ner schon Mo­na­te vor­her ge­le­gen­heits­hal­ber ein­ge­kauf­ten, di­gi­ta­len Ge­päck­waa­ge konn­ten wir dies­mal gu­ten Ge­wis­sens ki­lo­wei­se ein­kau­fen, was uns lecker und pro­bie­rens­wert er­schien, oh­ne ei­ne ge­wichts­mä­ßi­ge Über­schrei­tung der Frei­ge­päcks­gren­ze be­fürch­ten zu müs­sen...

So, die Kof­fer sind ge­packt, al­le Schub­la­den, Schrän­ke und Kom­mo­den zum x. Mal auf ver­ges­se­ne Hab­se­lig­kei­ten ge­checkt, dann al­so mit Sack und Pack run­ter in die Ho­tel-Lob­by, ein schnel­les Früh­stück im noch schum­me­rig lee­ren Re­stau­rant-Saal ver­putzt, good bye ge­sagt und ab ins pri­va­te Flug­ha­fen-Ta­xi. So schön der Ur­laub auch ge­we­sen war, an sei­nem En­de freut man sich doch im­mer auf die ei­ge­nen vier Wän­de. Ein letz­ter Blick zu­rück auf Son­ne, Meer und lan­des­ty­pi­sche Ar­chi­tek­tur:

alter Wachturm (St. Mark's Tower) vor leuchtend blauer Natur-Kulisse

Ob wir je­mals wie­der nach Mal­ta kom­men wer­den? Wer weiß... Aus ei­ge­nem An­trieb viel­leicht nicht, da­zu ha­ben wir jetzt ei­ner­seits das Land in­ten­siv ge­nug er­forscht und an­de­rer­seits vom Rest der Welt et­li­ches noch gar nicht ge­se­hen. Aber wenn sich bei­spiels­wei­se im Freun­des­kreis ein Plan her­aus­kri­stal­li­sier­te, den mal­te­si­schen Ar­chi­pel in fröh­li­cher Run­de ge­mein­sam zu be­rei­sen, dann wür­den wir uns si­cher­lich nicht lan­ge bit­ten las­sen, ei­ne neue Ex­pe­di­ti­on dort­hin zu be­glei­ten...

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Samstag, 13. Juli 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (15)

Was nun wirk­lich fas­zi­nie­rend ist auf Mal­ta, sind die stei­ner­nen Zeu­gen der Ge­schich­te, an­ge­fan­gen von den früh­stein­zeit­li­chen Tem­pel­an­la­gen über die auch äs­the­tisch bom­ba­sti­schen Fe­stungs­bau­ten des Jo­han­ni­ter­or­dens bis hin zu den Wohn­sied­lun­gen aus bri­ti­scher Ko­lo­ni­al­zeit. Auch wenn es hier und da und dort brö­selt und Wind und Wet­ter ih­re Na­ge­zäh­ne oh­ne Un­ter­laß wet­zen, Mal­ta ist ein Frei­licht-Mu­se­um par ex­cel­lence!

Hier stan­den wir in den Bus­kett Gar­dens, dem (ein­zi­gen!) Wald Mal­tas und er­späh­ten dort ein prunk­vol­les Wap­pen am Ver­da­la Pa­lace, dem of­fi­zi­el­len Sitz des Staats­ober­haup­tes und da­mit so­zu­sa­gen das in­su­la­re Schloß Bel­le­vue [1]:

Detail am Verdala Palace

Auch wenn wir in die­sem un­se­ren zwei­ten Mal­ta-Ur­laub dar­auf be­dacht wa­ren, uns bis da­to un­be­kann­te Ecken der In­seln zu er­kun­den, so zog es uns na­tür­lich den­noch auf’s Neue in je­ne Or­te, die wir schon im Vor­jahr be­gei­stert er­forscht hat­ten. Wie z.B. in die al­te Haupt­stadt Mdi­na, in de­ren mit­tel­al­ter­li­chen Gas­sen-La­by­rinth man im­mer wie­der ger­ne auf den Aus­lö­ser drückt:

in den Gassen von Mdina

An son­nig-hei­ßen Ta­gen lernt man die schat­ti­gen Zu­fluchts­or­te Mdi­nas zu schät­zen und setzt sich ger­ne zu Kaf­fee und Ku­chen in ei­nes der Ca­fés an bzw. in der Stadt­mau­er, wo man über­dies noch ei­nen gran­dio­sen Fern­blick ge­nie­ßen kann...

Doch auch die we­ni­ger schat­ti­gen Se­hens­wür­dig­kei­ten ha­ben ih­ren Reiz, zu­mal die Tem­pe­ra­tu­ren im spä­ten Früh­ling und frü­hen Som­mer durch­aus noch gut aus­zu­hal­ten sind. Al­so sind wir na­tür­lich auch heu­er mit dem Bus ins Fi­scher­städt­chen Mar­saxl­okk ge­fah­ren, um dort dem bun­ten Trei­ben zu­zu­schau­en. Ganz be­son­ders bunt sind dort be­kann­ter­ma­ßen die Fi­scher­boo­te:

aufgebocktes Fischerboot in Marsaxlokk

Auch an Sonn- und Fei­er­ta­gen kann man die Fi­scher beim Ar­bei­ten be­ob­ach­ten, denn zu tun ist na­tür­lich im­mer et­was: Net­ze müs­sen en­t­hed­dert und ge­flickt, Mo­to­ren re­pa­riert und ge­schmiert, Be­triebs­stof­fe ge­la­den und ver­staut wer­den. Vor al­lem aber müs­sen die vom Salz­was­ser und der Son­ne mal­trai­tier­ten An­strei­che re­gel­mä­ßig er­neu­ert wer­den, ei­ne Ar­beit, die mit Hin­ga­be und in nach­ge­ra­de kon­tem­pla­ti­ver Ver­sen­kung aus­ge­führt wird:

Fischer beim Anstreichen seines Kahns

Die Mal­te­ser küm­mern sich nicht nur sorg­sam und lei­den­schaft­lich um ih­re Käh­ne und Kut­ter (so­wie um ih­re Schrot­flin­ten), sie ha­ben auch ein Herz für Old­ti­mer auf Rä­dern: Im­mer wie­der be­geg­net man ta­del­los re­stau­rier­ten sol­chen, meist bri­ti­scher Pro­ve­ni­enz. Oft­mals sind sie lei­der schon wie­der weg, be­vor man die Ka­me­ra in An­schlag brin­gen kann, aber ein­mal hat­te ich Glück und konn­te ei­nen lang­sam da­hin­tuckern­den LKW ge­ra­de­zu mu­ster­gü­lig ab­lich­ten:

vortrefflich restaurierter alter Lastwagen

Von Mar­saxl­okk aus sind wir land­ein­wärts in Rich­tung Nord­we­sten ge­wan­dert, und wenn ich heu­te – zwei­ein­halb Mo­na­te spä­ter – die­se Zei­len nie­der­schrei­be, so ha­be ich wie­der die flir­ren­de Luft vor Au­gen, das Sum­men der In­sek­ten im Ohr, die viel­fäl­ti­gen Düf­te in der Na­se. Und na­tür­lich die Bil­der der Land­schaft im Kopf, die ich im In­ter­es­se der Ver­dich­tung ger­ne auf das We­sent­li­che zu­recht­schnei­de und von stö­ren­dem Drum­her­um be­freie:

Phalanx von Plastik-Tonnen auf einem Acker

Was in die­sen Ton­nen mal drin war, will man ver­mut­lich gar nicht so ge­nau wis­sen. Über al­ler­lei du­bio­se Be­hält­nis­se am Ran­de land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­chen hat­te ich mich ja schon im letz­ten Jahr be­frem­det ge­zeigt...

Nicht we­ni­ger be­fremd­lich und auch et­was be­droh­lich er­schei­nend, letzt­lich aber be­lu­sti­gend war ein paar Stun­den spä­ter der laut­star­ke Emp­fang, den uns in ei­ner win­zig klei­nen Sied­lung am Rand des Flug­ha­fens von Mal­ta ein paar vier­bei­ni­ge Wäch­ter der Hl. Mut­ter Got­tes be­rei­te­ten:

kläffende Köter, einen Marienschrein bewachend

Wenn man ge­gen den Tur­bi­nen­lärm star­ten­der Pas­sa­gier­jets an­kläf­fen muß, muß man sich schon or­dent­lich ins Zeug le­gen. Im­mer­hin konn­ten auch die­se ar­men Schwei­ne Kö­ter ih­ren Po­sten nicht ver­las­sen und uns nicht in die Wa­den bei­ßen. So konn­ten wir un­ver­seht zum Flug­platz wei­ter­tap­pen, an sei­nem Zaun ent­lang bis zum Ter­mi­nal-Ge­bäu­de mar­schie­ren und dort den­näch­sten Bus Rich­tung Val­let­ta neh­men...

Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft lie­gen auf dem über­schau­ba­ren In­sel­reich recht nah bei­ein­an­der, und es ist ver­blüf­fend, wie schnell man zu Fuß (!) von ei­ner »Zeit­zo­ne« zur näch­sten ge­lan­gen kann. Sprin­gen wir zum Ab­schluß und zum Ex­em­pel noch schnell in die Zu­kunft und schau­en uns ei­ne un­fer­ti­ge Lu­xus-Wohn­an­la­ge an, die auf ei­nem Hü­gel nörd­lich von Na­xxar ent­steht:

unfertige Luxus-Wohnungen

Wie so oft ließ der Zu­stand der Bau­stel­le nicht er­ken­nen, ob hier nur im Rah­men ei­ner aus­ge­dehn­ten Sie­sta pau­siert wur­de, oder ob die zu 85% fer­tig­ge­stell­te Wohn­an­la­ge schon wie­der dem bau­trä­ger­plei­te­be­ding­ten Ver­fall preis­ge­ge­ben ist [2]: Hier und da hör­te man zwar ei­ne Bohr­ma­schi­ne oder ei­ne Sä­ge krei­schen, aber an­son­sten herrsch­te – mit­ten un­ter der Wo­che – Ru­he und Lee­re.

Leer sind nun­mehr auch des Chro­ni­sten Hirn und Wam­pe, wes­halb er sich jetzt in Rich­tung Kü­che und Kühl­schrank ver­ab­schie­det. In der näch­sten und letz­ten Fol­ge sei­nes Rei­se-Rap­ports läßt er es aber dem­nächst noch ein­mal so rich­tig kra­chen!

 
[1] Wenn der zo­ne­batt­ler sich nicht faul­heits­hal­ber um die vor­be­rei­ten­de Lek­tü­re von Rei­se­füh­rer und Wi­ki­pe­dia ge­drückt ge­habt hät­te, dann hät­te er vor­her ge­wußt, daß der Prä­si­den­ten­pa­last der Öf­fent­lich­keit nicht zu­gäng­lich ist und er hät­te sich von sei­ner bes­se­ren Hälf­te nicht berg­auf bis zum ver­schlos­se­nen Zaun trei­ben las­sen müs­sen. Tja, so er­eil­te ihn die ver­dien­te Stra­fe (wo­bei der Fuß­marsch dort­hin na­tür­lich trotz­dem ein schö­ner sol­cher war)...

[2] Man sieht so vie­les auf Mal­ta und Go­zo, was sich un­se­ren teu­to­ni­schen Denk­mu­stern nicht wirk­lich er­schließt. Ist aber um­ge­kehrt ver­mut­lich ge­nau­so.

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Montag, 8. Juli 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (14)

Fragt man ein­hei­mi­sche Mal­te­ser oder in­su­la­re Gast­ar­bei­ter nach gang­ba­ren Fuß­we­gen zur Kü­ste oder gar nach Wan­der­rou­ten an der­sel­ben ent­lang, so ern­tet man zu­nächst Rat­lo­sig­keit, dann aber gut ge­mein­te Rat­schlä­ge hin­sicht­lich der un­be­dingt an­zu­ra­ten­den Be­nut­zung öf­fent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel zum di­rek­ten An­steu­ern des Ziel­or­tes: Aus­schrei­ten um des Aus­schrei­tens wil­len scheint dort ein der­ma­ßen ab­stru­ses Kon­zept zu sein, daß sich kei­ner vor­stel­len kann, war­um man so et­was ma­chen soll­te. Un­ser­eins wie­der­um war be­frem­det ob der geo­gra­phi­schen Un­in­for­miert­heit man­cher Leu­te, bei de­nen ter­ra in­co­gni­ta schon ei­nen Stein­wurf ab­seits der Stra­ße zu be­gin­nen scheint...

Aber egal: Vom (in der Tat per Bus an­ge­fah­re­nen) Städt­chen Kal­k­a­ra aus um­quer­ten wir per pe­des die Bau­stel­le der fu­tu­ri­sti­schen Smart­Ci­ty (wo der­zeit noch nix son­der­lich Smar­tes zu se­hen ist), schlu­gen uns durch al­ler­lei Ge­strüpp und qua­si­öf­fent­li­che Feld­we­ge durch nach Xgħa­j­ra und mar­schier­ten von da aus ein gu­tes Stück den Nord­ost-Zip­fel Mal­tas ent­lang bis hin­un­ter nach Mar­saska­la. Da­bei ka­men wir durch me­lan­cho­lisch stim­men­de Ge­gen­den, die kaum je ein Tou­rist frei­wil­lig auf­su­chen dürf­te. Was al­ler­dings viel­fach doch hin­ge­kom­men war, wa­ren EU-För­der­mit­tel:

kilometerlange Strandpromenade ohne Promenierende

Das Bild steht pro­to­ty­pisch für die nicht-nach­hal­ti­ge Ver­pul­ver­ung von öf­fent­li­chen Gel­dern durch Bau­maß­nah­men am Be­darf vor­bei: brei­te Pro­me­na­den oh­ne pro­me­nie­ren­des Pu­bli­kum, Bän­ke son­der Zahl oh­ne Sit­zen­de, In­fra­struk­tur al­ler Art oh­ne die da­zu­ge­hö­ri­gen Nut­zer. Und oh­ne ei­ne Per­spek­ti­ve, denn nach der Er­rich­tung fin­det of­fen­bar ei­ne be­darfs­wei­se In­stand­set­zung nur sel­ten und prä­ven­ti­ve In­stand­hal­tung gar nicht statt. Was für teu­er Geld er­rich­tet wur­de, ist al­so so­gleich wie­der dem Ver­fall preis­ge­ge­ben, der ja in der salz­hal­ti­gen Mee­res­luft nicht lan­ge auf sich war­ten läßt: Zäu­ne ver­ro­sten, Bän­ke ver­wit­tern, Grün­an­la­gen ver­kom­men.

Wäh­rend sich die zeit­ge­nös­si­sche Bau­wirt­schaft al­so mit dem re­al­so­zia­li­sti­schen DDR-Mot­to: »Wir bau­en auf und rei­ßen nie­der, so ha­ben wir Ar­beit, im­mer wie­der« ganz gut cha­rak­te­ri­sie­ren läßt, so wur­de in den lan­ge zu­rück­lie­gen­den Zei­ten des mäch­ti­gen Mal­te­ser­or­dens schon aus Grün­den des Auf­wands (die Ze­che zahl­ten nicht an­de­re und mo­der­ne Bau­ma­schi­nen gab es auch nicht) weit nach­hal­ti­ger ge­dacht und um­sich­ti­ger kon­zi­piert. Ein schö­nes Bei­spiel sind die zahl­rei­chen aus die­ser Zeit über­kom­me­nen Wach­tür­me, von de­nen aus man na­hen­de In­va­si­ons­flot­ten früh­zei­tig ent­decken und schnur­stracks wei­ter­mel­den konn­te:

alter Wachturm

Die Re­stau­rie­rung die­ser na­tür­lich auch der Ero­si­on un­ter­lie­gen­den, stei­ner­nen Zeit­zeu­gen mit Hil­fe von EU-För­der­mit­teln geht na­tür­lich in Ord­nung, da­mit wird Ge­schich­te pla­ka­tiv und leicht faß­lich er­hal­ten und nicht wie in un­se­rer hei­mi­schen »Denk­mal­stadt« mut­wil­lig platt­ge­macht (was – so­viel sei der Ge­rech­tig­keit hal­ber kon­ze­diert – selbst­re­dend auch auf Mal­ta in gro­ßem Stil pas­siert). Im­mer­hin, den ver­schie­de­nen Ele­men­ten der mal­te­si­schen Be­fe­sti­gungs­an­la­gen wird kon­ser­va­to­ri­sche Auf­merk­sam­keit zu­teil, und das auch im klei­ne­ren Maß­stab, wie die­ses Mo­dell im neu­lich schon er­wähn­ten »Fort­ress Buil­ders In­ter­pre­ta­ti­on Cent­re« do­ku­men­tiert:

Schnittmodell eines Wachturms im Fortress Buil­ders Interpretation Centre

Man be­ach­te die prag­ma­ti­sche Ma­te­ri­al-Mix-Bau­wei­se: Wie die Ba­stio­nen und son­sti­gen gro­ßen Be­fe­sti­gun­gen auch be­stehen die Tür­me zu gro­ßen Tei­len aus Füll­ma­te­ri­al, wel­ches zwi­schen die In­nen- und Au­ßen­mau­ern ver­bracht und ver­dich­tet wur­de: Das spart nicht nur Be­ar­bei­tungs­auf­wand und Ko­sten, son­dern steckt auch die En­er­gie ein­schla­gen­der Ka­no­nen­ku­geln bes­ser (und leich­ter re­pa­rier­bar) weg als durch­gän­gi­ge Mas­siv­bau­wei­se...

Im 20. Jahr­hun­dert bau­ten die Bri­ten mun­ter wei­ter, wenn­gleich na­tür­lich an­ge­sichts der Fort­schrit­te der Mi­li­tär­tech­nik un­ter ge­än­der­ten Prä­mis­sen: Wäh­rend man mit im­mer groß­ka­li­bri­ge­ren Ge­schüt­zen den auf dem Was­ser sich nä­hern­den Feind schon weit vor sei­ner Sicht­bar­keit ei­nen feu­ri­gen Emp­fang zu be­rei­ten trach­te­te, bau­te man an mög­li­chen Lan­dungs­stel­len et­li­che MG-Bun­ker aus Stahl­be­ton, von de­nen aus ei­ne ver­gleichs­wei­se klei­ne Mann­schaft ei­ne zah­len­mä­ßig über­le­gen­de Trup­pe un­ter Feu­er neh­men und wirk­sam nie­der­hal­ten konn­te. Der ei­ge­nen Wehr­lo­sig­keit ge­gen An­grif­fe mit schwe­rer Ar­til­le­rie oder spä­ter gar aus der Luft ver­such­te man mit Tarn­an­stri­chen zur weit­ge­hen­den Un­sicht­bar­ma­chung zu be­geg­nen:

britischer MG- und Beobachtungs-Bunker

Mei­ner Mei­nung nach soll­te man die al­ten Bun­ker dau­er­haft wie­der mit (ger­ne von der EU sub­ven­tio­nier­ten) Sol­da­ten be­set­zen: Wenn die aus den Schieß­schar­ten spä­hen­den, jun­gen mal­te­si­schen Schüt­zen die all­ge­gen­wär­ti­gen Um­welt­frev­ler (aus den Rei­hen der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung) un­ter Be­schuß näh­men, hät­ten so­wohl die flie­gen­de Fau­na als auch die Land­schaft was da­von, von der Schaf­fung si­che­rer Ar­beits­plät­ze (mit Pen­si­ons­an­spruch) ganz zu schwei­gen. Im Nu wä­re Ru­he, herrsch­ten Sau­ber­keit und Ord­nung! Weil der­glei­chen ra­di­ka­le An­sät­ze na­tür­lich schon aus wahl­tak­ti­schen Grün­den mo­men­tan noch als un­rea­li­stisch ein­zu­stu­fen sind, wer­den bis auf wei­te­res nach wie vor die Vö­gel ab­ge­knallt und die Land­schaft zu­ge­müllt:

Müll in der Landschaft

Was an­ge­sichts der prin­zi­pi­ell traum­haft schö­nen Um­ge­bung kaum zu ver­ste­hen ist: Die flä­chen­decken­de Ver­mül­lung des Le­bens­rau­mes ge­schieht ja nicht durch Frem­de, son­dern pri­mär und zu­vör­derst durch die Ein­hei­mi­schen, die al­les, was sie los­wer­den wol­len, an Ort und Stel­le lie­gen las­sen. Oder so­gar ex­tra hin­fah­ren: Wir ha­ben an un­be­wohn­ten Kü­sten­ab­schnit­ten wild ent­sorg­te Her­de, Kühl­schrän­ke und Kraft­fahr­zeu­ge ge­se­hen, reich gar­niert mit un­ver­rott­ba­ren Kunst­stoff­ab­fäl­len. War­um nur tut so ein An­blick nur dem Aus­wär­ti­gen weh und nicht je­nem, der sein ei­ge­nes Land so un­nö­tig schän­det?

Viel­leicht hängt das ja mit der Bun­ker-Men­ta­li­tät der In­su­la­ner zu­sam­men, die sich auch nach Jahr­zehn­ten des Frie­dens im­mer noch ger­ne wehr­haft ein­ka­steln und ih­ren Blick aufs Le­ben auf ei­nen schma­len Tun­nel­blick ver­en­gen:

neues Haus im Rohbau

Nein, die­ses Bild zeigt kei­ne al­te Wehr­mau­er, son­dern den Roh­bau ei­nes neu­en Wohn­hau­ses mit klar er­kenn­ba­ren Scheu­klap­pen. Wenn man so kon­se­quent al­les aus­blen­det, was ei­nen stö­ren könn­te, dann kommt man na­tür­lich leich­te­ren Her­zens durch Le­ben...

Ge­nug rä­so­niert, es hilft ja doch nix. Schau­en wir uns noch­mal an der un­be­wohn­ten Kü­ste um und wer­fen wir dort ei­nen un­auf­fäl­li­gen Blick auf die Fei­zeit­be­schäf­ti­gung der äl­te­ren Ge­nera­ti­on: Wäh­rend Opa auf ei­nem gisch­tum­spül­ten Fel­sen hockt und Fi­sche aus dem Meer zu zie­hen sucht, sitzt Oma im not­dürf­tig be­schat­te­ten Klein­bus und strickt der­wei­len. Die mit­ge­führ­ten Vier­bei­ner tei­len den un­auf­ge­reg­ten Le­bens­stil, dö­sen in der Son­ne und las­sen sich an­ge­sichts der frem­den Wan­de­rer noch nicht ein­mal zu ei­nem läs­si­gen »Wuff« her­ab.

strickendes Frauchen (im Fahrzeug), dösende Hundchen (davor)

So, wir nä­hern uns lang­sam dem End­punkt un­se­res lan­gen Mar­sches, der Tou­ri­sten-Hoch­burg Mar­saska­la. Schon rä­keln sich die er­sten Mie­zen las­ziv im Halb­schat­ten der kunst­voll ge­stal­te­ten (und selbst­ver­ständ­lich mit EU-Mit­teln be­zahl­ten) Bän­ke:

Katzen beim kollegialen Dösen

Cat con­tent geht im­mer, wie der me­di­en­er­fah­re­ne zo­ne­batt­ler weiß. Ob­wohl er es ja an sich nicht nö­tig hat, sei­ne Zu­griffs-Sta­ti­sti­ken durch der­lei Tricks zu pu­schen. Frei­lich ist es mit dem öf­fent­li­chen Ab­bil­den von Le­be­we­sen so ei­ne Sa­che: Bei zwei­bei­ni­gen Mie­zen kriegt man schon beim Fo­to­gra­fie­ren mit­un­ter Un­schö­nes an den Kopf ge­wor­fen (re­al oder ver­bal), au­ßer­dem kann das ver­letz­te Recht am ei­ge­nen Bild noch Jah­re spä­ter zur ju­ri­sti­schen Stol­per­fal­le wer­den. Er­go zei­ge ich in mei­nen vir­tu­el­len Wun­der­kam­mern nur dann (iden­ti­fi­zier­ba­re) Men­schen, wenn die­se sich mit mei­nem licht­bild­ne­ri­schen An­sin­nen de­zi­diert ein­ver­stan­den er­klärt ha­ben. Die be­pelz­ten Vier­bei­ner pfle­ge ich zu krau­len und ihr Schnur­ren als kon­klu­den­te Zu­stim­mung zu wer­ten. So ein­fach ist das.

Und da­mit las­se ich es für heu­te be­wen­den. De­mächst geht es hei­ter wei­ter.

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Mittwoch, 3. Juli 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (13)

Nach zehn im Wort­sin­ne ein­drucks­vol­len Ta­gen auf Go­zo freu­ten wir uns auf die uns ver­blei­ben­de Ur­laubs­wo­che auf der Haupt­in­sel Mal­tas. Wir setz­ten mit der Fäh­re über und wur­den am Ter­mi­nal be­reits von ei­nem per­sön­li­chen Chauf­feur er­war­tet [1], der uns schnur­stracks nach Val­let­ta brach­te und uns da­bei auf­grund bau­be­ding­ter Ein­bahn­stra­ßen-Re­ge­lun­gen ei­ne un­frei­wil­lig-aus­ge­dehn­te Stadt­rund­fahrt durch das arg ver­win­kel­te La­by­rinth der en­gen Stra­ßen und Gas­sen Val­let­tas zu­teil wer­den ließ...

Wir bo­ten dem ge­streß­ten Fah­rer schließ­lich an, die letz­ten paar Me­ter zu un­se­rer neu­en Her­ber­ge mit Sack und Pack zu Fuß zu­rück­zu­le­gen, aber ei­ne der­ar­ti­ge Ka­pi­tu­la­ti­on vor den Ver­hält­nis­sen kam für ihn schon aus Grün­den der Eh­re nicht in Fra­ge. Ir­gend­wann schaff­te er es dann schließ­lich doch, uns di­rekt vor dem Os­bor­ne Ho­tel ab­zu­lie­fern.

Un­ser Zim­mer dort war deut­lich klei­ner als das im Grand Ho­tel auf Go­zo, da­für um­so prak­ti­scher ein­ge­rich­tet mit ei­ner Viel­zahl an Ver­s­tau­mög­lich­kei­ten. Es fehl­te uns an nichts Re­le­van­tem. Al­so erst mal al­les wie­der aus­ge­packt und ein­sor­tiert, den klei­nen Ta­ges­ruck­sack ge­schul­tert und raus auf die Stra­ße. Wo uns als er­stes die Ele­ganz der Städ­te­rin­nen auf­fiel, die sich sty­li­stisch deut­lich von der der Tou­ri­stin­nen ab­hebt:

in den Feierabend enteilende Malteserin

Val­let­ta ist im Grun­de wie Fürth: ei­ner­seits groß ge­nug, um ur­ba­nes Le­ben zu be­her­ber­gen, an­de­rer­seits klein ge­nug, um ein über­schau­ba­res Kaff zu blei­ben. Und über­all hi­sto­ri­sche Bau­sub­stanz, wo­mit sie al­ler­dings auf Mal­ta min­de­stens so sorg­los um­zu­ge­hen schei­nen wie bei uns in Fürth. Aber die von den Groß­mei­stern des Mal­te­ser­or­dens zur ein­drucks­vol­len Fe­stung aus­ge­bau­te Haupt­stadt Mal­tas bie­tet noch mehr: ita­lie­ni­sche Ein­flüs­se sind eben­so zu spü­ren wie ara­bi­sche und afri­ka­ni­sche, wo­bei das me­di­ter­ra­ne Flair noch mit ei­ner or­dent­li­chen Pri­se bri­ti­scher Ko­lo­ni­al-Ära ge­würzt ist. Die­se Mi­schung ist ei­ni­ger­ma­ßen ori­gi­nell und an­ders­wo nicht an­zu­tref­fen.

Fin­den tut man in so ei­ner Me­lan­ge Fo­to-Mo­ti­ve oh­ne En­de, die mei­sten Tou­ri­sten se­hen fol­ge­rich­ti­ger­wei­se die Stadt nicht pri­mär mit ei­ge­nen Au­gen, son­dern als Su­cher-Ab­bild auf dem Dis­play ih­res un­ab­läs­sig vor die Au­gen ge­hal­te­nen Smart­pho­nes! Auch der zo­ne­batt­ler hat na­tür­lich oft sei­ne Ka­me­ra in An­schlag ge­bracht, wo­bei es ihm wie meist we­ni­ger um die aus den Rei­se­füh­rern be­kann­ten »Se­hens­wür­dig­kei­ten« ging, son­dern um Licht­spie­le, De­tails und Struk­tu­ren. Wie zum Bei­spiel um die Strei­fen­mu­ster von Well­bläch­dä­chern, die ih­re zu­fäl­li­ge Fort­set­zung in den vor ih­nen ge­la­ger­ten Ru­der­boo­ten fan­den:

graue Dächer, blaue Boote

Der­lei Mo­ti­ve mag ich gern, wo­zu soll­te ich auch ab­lich­ten, was in je­dem Bild­band schö­ner zu se­hen ist, weil de­ren Fo­to­gra­fen im Ge­gen­satz zu mir bei Son­nen­auf- oder -un­ter­gang zur Stel­le wa­ren, mit­hin die spek­ta­ku­lä­re­ren Licht­ver­hält­nis­se vor­teil­haft zu nut­zen wuß­ten? Eben. Un­ser­ei­ner guckt da lie­ber un­ter­tags in die we­ni­ger re­prä­sen­ta­ti­ven Ecken. Und was sieht man da? Ge­nau, die glei­chen Ni­schen­be­woh­ner wie in Fürth:

von ihrer fotografischen Festhaltung befremdete Taube

Wei­te­re Mo­ti­ve ver­dan­ken sich dem Um­stand, daß man im Früh­ling, der Vor­sai­son al­so, noch nicht so­vie­le Tou­ri­sten an­trifft, die durch ih­re schie­re Prä­senz den Blick auf das struk­tu­rell Fest­hal­tens­wer­te ver­stel­len. So ein Bild wie das fol­gen­de wä­re an ei­nem hoch­sai­so­na­len Som­mer­abend si­cher­lich nicht so ein­fach und oh­ne län­ge­re War­te­zeit ein­zu­fan­gen:

verwaiste Stühle und Tische in einem Café an den Festungsmauern Vallettas

Na­tür­lich zog es uns bald auch wie­der zu je­nen schö­nen Or­ten, an de­nen wir schon im Jahr zu­vor Ge­fal­len ge­fun­den hat­ten. Bei­spiels­wei­se zu den Up­per Barrak­ka Gar­dens, von de­nen schon im zwei­ten Teil die Re­de war. Der wei­te Pan­ora­ma­blick über den Ha­fen lockt Schau­lu­sti­ge in gro­ßer Zahl an, auch wenn der ei­ne oder die an­de­re die im­po­nie­ren­de Um­ge­bung lie­ber zum Ab­schwei­fen in in­ne­re oder ima­gi­nä­re Wel­ten nutzt:

ins Lesen vertiefte Besucherin der Upper Barrakka Gardens

Rich­ten wir aber die Lin­se dann doch noch über die Mau­ern und hin­un­ter ins Was­ser, wo sich vom Falt­boot bis zur aus­ge­wach­se­nen Bohr­in­sel (!) Was­ser­fahr­zeu­ge al­ler Ka­te­go­ri­en und Ge­wichts­klas­sen tum­meln und sich be­ob­ach­ten las­sen:

kleiner Kutter bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Valletta

Ein paar Ta­ge spä­ter ent­deck­te ich dann aber doch ei­ne ganz neue At­trak­ti­on, von der ich schon auf dem Hin­flug im Kun­den­ma­ga­zin der Air Mal­ta ge­le­sen hat­te und die in nur we­ni­gen Geh­mi­nu­ten vom Ho­tel aus zu er­rei­chen war: Im »The Fort­ress Buil­ders In­ter­pre­ta­ti­on Cent­re« wird die Ge­schich­te des Fe­stungs­baus auf mul­ti­me­dia­le und di­dak­tisch mo­der­ne Art und Wei­se er­zählt und er­läu­tert. Von den An­fän­gen der Ver­tei­di­gungs­bau­ten in früh­ge­schicht­li­cher Zeit spannt sich der Bo­gen über die re­gel­rech­te Bau­wut des Mal­te­ser­or­dens bis hin zu den neu­zeit­li­chen Bun­ker­an­la­gen der Bri­ten im zwei­ten Welt­krieg.

Von den Ex­po­na­ten ver­die­nen die zahl­rei­chen Mo­del­le, die hi­sto­ri­schen Fo­tos und die groß­flä­chi­gen Bild­ta­feln be­son­de­re Er­wäh­nung. Die Bild­schirm­sta­tio­nen mit ani­mier­ten Prä­sen­ta­tio­nen sind at­trak­tiv ge­stal­tet und ver­locken zu stun­den­lan­ger Be­schäf­ti­gung da­mit: Der mensch­li­che Er­fin­der­geist war und ist in mi­li­tä­ri­schen Be­lan­gen ja seit je­her am krea­tiv­sten. Auch klas­si­sche Ar­chi­tek­tur­mo­del­le sind nach wie vor in­ter­es­san­te Stu­di­en­ob­jek­te, er­kennt man an ih­nen doch die grö­ße­ren Struk­tu­ren und Kon­zep­te, die man – als klei­ner Wicht vor den rie­si­gen Ori­gi­nal­mau­ern ste­hend – durch­aus be­ab­sich­tig­ter­wei­se nicht wahr­zu­neh­men im­stan­de ist:

Holzmodell der Befestigungsanlagen Vallettas

In die Er­rich­tung des Zen­trums sind – wie bei vie­len von uns be­sich­tig­ten In­fra­struk­tur­maß­nah­men – be­acht­li­che Men­ge an EU-För­der­mit­teln ge­flos­sen (ge­nau­er ge­sagt: stol­ze 85%), wo­mit auch un­ser­eins mit sei­nen Steu­er­gel­dern sei­nen klei­nen An­teil am Er­geb­nis ha­ben dürf­te. Die deut­sche (Mit-)Aufbauhilfe geht voll in Ord­nung an­ge­sichts des Um­stan­des, daß die teu­to­ni­sche Luft­waf­fe vor 70 Jah­ren sehr wir­kungs­voll und un­ge­be­ten­er­wei­se am Ge­gen­teil mit­ge­wirkt hat...

Lei­der ha­ben zwi­schen­zeit­li­che Wah­len und ein Re­gie­rungs­wech­sel das schicke Zen­trum schon kurz nach sei­ner Er­öff­nung in ei­ne pre­kä­re La­ge ge­bracht: Der Di­rek­tor hat Mü­he, Drucker­pa­tro­nen und an­de­re Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en zu fi­nan­zie­ren, sei­ne we­ni­gen wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter sit­zen auf von da­heim mit­ge­brach­ten Stüh­len. Ca­fe­te­ria und Mu­se­ums­shop exi­stie­ren b.a.w. nur auf dem Pa­pier, und für ei­ne be­su­cher­zah­len­för­dern­de Be­schil­de­rung im Au­ßen­be­reich hat es auch nicht ge­reicht: Wie im­mer kom­men die Mit­tel für den Bau aus an­de­ren Töp­fen als die für die Be­triebs­füh­rung und In­stand­hal­tung, wor­auf ich spä­ter noch ein­mal zu­rück­kom­men wer­de. Für heu­te wen­den wir uns kopf­schüt­telnd ab und lin­sen über die Schul­tern ei­ner auf der ober­sten Ter­ras­se an der Fe­stungs­mau­er pau­sie­ren­den Zen­trums-Mit­ar­bei­te­rin hin­über nach Slie­ma:

Blick von Valletta nach Sliema

Tja. Hü­ben Fe­stungs­wäl­le, drü­ben Bet­ten­bur­gen. So­li­der ist al­le­mal das al­te Ge­mäu­er, schon we­gen der Dicke sei­ner Wän­de. Den­noch fährt man mit dem Pa­ra­dig­men­wech­sel of­fen­bar nicht schlecht: Wäh­rend man die In­va­so­ren frü­her erst mit Boll­wer­ken drau­ßen und spä­ter mit Ka­no­nen auf Di­stanz hielt, läßt man sie heu­te als zah­len­de Gä­ste ins Land hin­ein und nimmt ih­nen das Geld ab, oh­ne sich mit ih­nen zu hau­en. Ei­ne klas­si­sche Win-Win-Si­tua­ti­on!

Mit die­sen phi­lo­so­phi­schen Be­trach­tun­gen ver­ab­schie­det sich der Au­tor für heu­te. In der näch­sten Fol­ge geht es raus aus der Haupt­stadt, die Kü­ste ent­lang. Al­ler­lei merk­wür­di­ge Din­ge gibt es näm­lich auch da...

 
[1] Mit die­sem uns kurz­fri­stig an­ge­kün­dig­ten Ser­vice un­se­res Rei­se­ver­an­stal­ters hat­ten wir gar nicht ge­rech­net: Auf­grund un­se­rer un­ge­wöhn­li­chen Rei­se­bu­chung mit Orts- und Ho­tel­wech­sel mit­ten­drin wa­ren wir da­von aus­ge­gan­gen, den »Zwi­schen­trans­fer« auf ei­ge­ne Faust un­ter­neh­men zu müs­sen. Ein Hoch auf die ört­li­che Stadt­hal­te­rin von FTI-Tou­ri­stik, Frau Borg!

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Dienstag, 25. Juni 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (12)

Mit­un­ter kommt man sich auf Go­zo und Mal­ta recht ver­las­sen vor, zu­mal beim Er­for­schen auf­ge­ge­be­ner Ge­bäu­de, die es auf bei­den In­seln in gro­ßer Men­ge gibt. Hier tapp­ten wir nörd­lich von Żeb­buġ an den Klip­pen der Qba­jjar-Bucht auf ein von wei­tem ta­del­los in Schuß er­schei­nen­des, an ei­ne klei­ne Fe­stung er­in­nern­des Ge­bäu­de zu:

aufgegebenes Restaurant an der Qbajjar-Bucht

Was uns da drin­nen er­war­te­te, war kein Mu­se­um, kein La­den und auch kein Lo­kal, son­dern ein längst auf­ge­las­se­nes Re­stau­rant mit reich­lich Spu­ren von Ver­fall und Van­da­lis­mus. Ein paar Fo­tos des trau­rig her­un­ter­ge­kom­me­nen Zu­stan­des aus dem In­ne­ren des an sich ja präch­ti­gen Ge­bäu­des zei­ge ich in den Kom­men­ta­ren zu die­sem Bei­trag. Hier an der Ober­flä­che ge­hen wir lie­ber rasch wei­ter, und dre­hen uns nur noch­mal aus ei­ni­ger Ent­fer­nung kurz um, um den an ex­po­nier­ter La­ge er­rich­te­ten Bau noch­mal in vol­ler Rest-Schön­heit zu be­wun­dern:

aufgegebenes Restaurant an der Qbajjar-Bucht

Die al­ler­or­ten auf­fäl­li­gen Leer­stän­de und auf­ge­ge­be­nen Häu­ser ha­ben uns na­tür­lich auf die Hin­ter­grün­de neu­gie­rig ge­macht. Die Ant­wor­ten von be­frag­ten Ein­hei­mi­schen und dar­auf an­ge­spro­che­nen Rei­se­lei­tern reich­ten von schwer be­greif­li­chen Dumm­hei­ten (Bau­en auf un­si­che­ren Ton­schich­ten, auf de­nen die er­rich­te­ten Bau­ten dann un­ter be­droh­li­cher Riß­bil­dung ins Rut­schen ka­men und ge­sperrt wer­den muß­ten) bis hin zu den Tücken des lo­ka­len Erb­rech­tes (Frei­be­trä­ge nur auf Bar­ver­mö­gen, nicht je­doch auf Im­mo­bi­li­en­be­sitz, so daß vie­le un­ge­nutz­te Häu­ser aus Steu­er­ver­mei­dungs­grün­den lie­ber dem Staat ge­schenkt als wei­ter­ge­nutzt wer­den). Ei­ne Im­mo­bi­li­en­bla­se, er­bläht aus der Gier ren­di­te­hung­ri­ger In­ve­sto­ren oh­ne Nach­hal­tig­keits­stre­ben, hat hier und da zum Bau­en am Be­darf vor­bei ge­führt, wo­von wir am Schluß die­ser Fol­ge noch ein Ex­em­pel se­hen wer­den.

Vor­her aber wen­den wir uns wie­der land­ein­wärts und schau­en uns nach den Men­schen und de­ren be­sten Freun­den um. Hier in die­ser Gen­re-Sze­ne se­hen wir ei­ne vor ih­rem Haus hand­ar­bei­ten­de Oma und ih­ren vier­bei­ni­gen Be­wa­cher:

friedliche Dorfszene zur Mittagszeit

Wo­bei »Be­wa­cher« ei­ne recht eu­phe­mi­sti­sche Zu­schrei­bung ist: Wenn ich die 25 Auf­nah­men, die ich von der al­ten Frau und Ih­rem fal­ti­gen Ge­sel­len ge­macht ha­be, nach Art ei­nes vir­tu­el­len Dau­men­ki­nos an mei­nem Mo­ni­tor durch­blät­te­re, dann be­wegt sich die wet­ter­ge­gerb­te Groß­mutter da um ei­ni­ges mehr als ihr trä­ges, qua­si zur Salz­säu­le er­starr­tes Hund­chen. Ver­mut­lich hät­te ich so­gar Oma samt Spit­zen­klöp­pe­lei un­ter den Au­gen des al­ten Ka­me­ra­den ein­sacken und fort­tra­gen kön­nen, be­vor der über­haupt re­agiert, ge­schwei­ge denn »Wuff« ge­sagt hät­te...

Weit we­ni­ger ge­müt­lich auf­ge­legt wa­ren die­se bei­den Ker­le hier, die im­mer­hin kei­ne flie­gen­den Hun­de wa­ren und sich da­her auch nicht wirk­lich von ih­rer ho­hen Haus­mau­er her­un­ter trau­ten:

kläffende Köter

So furcht­erre­gend die kläf­fen­den Kö­ter auf den er­sten Blick auch wa­ren, im Grun­de wa­ren sie ar­me Schwei­ne. Die Land­be­völ­ke­rung – und das ist kei­nes­wegs nur auf Mal­ta so – pflegt zu den ih­nen an­ver­trau­ten, nicht­mensch­li­chen Ge­schöp­fen ein eher prag­ma­ti­sches und nicht un­be­dingt von Em­pa­thie ge­tra­ge­nes Ver­hält­nis. Man möch­te gar nicht wis­sen, was da so al­les hin­ter den Mau­ern, Zäu­nen und Hecken vor­geht...

Im­mer­hin scheint sich ein über­ge­ord­ne­ter Ge­stal­tungs­wil­le (mut­maß­lich der EU-Bü­ro­kra­tie) lang­sam auch der Be­zie­hung von Mensch und Tier an­neh­men zu wol­len, wie die­ses Schild im Ge­mein­de­ge­biet von Qua­la be­weist:

Aufforderung zum Aufräumen hündischer Hinterlassenschaften

An­ge­sichts der Läs­sig­keit, mit der die In­su­la­ner ih­re nicht ver­rot­ten­den Kunst­stoff-Fla­schen und an­de­ren Zi­vi­li­sa­ti­ons­müll in die Land­schaft wer­fen, mu­ten Auf­for­de­run­gen zum Ein­sam­meln hün­di­scher Hin­ter­las­sen­schaf­ten nach­ge­ra­de rüh­rend an. Aber im­mer­hin, scha­den kann es nix, und wenn sich lang­fri­stig ein Ge­fühl für um­sich­ti­ges Han­deln auf al­len Ebe­nen breit­macht, kann man das ja nur be­grü­ßen...

Be­grüßt ha­be ich auch et­was ganz an­de­res, näm­lich das von mir heiß­ge­lieb­te, kal­te »Mint Cornetto«-Eis, wel­ches ich vor vie­len Jahr­zehn­ten in ei­nem frü­he­ren Le­ben im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich Ih­rer Ma­je­stät Eli­sat­beth II, da­mals noch un­ter dem in­su­la­ren Mar­ken­na­men »Wall’s« ken­nen­ge­lernt ha­be. In die­sen glo­ba­li­sier­ten Zei­ten weist das aus hei­mi­schen Ge­fil­den wohl­be­kann­te Lang­ne­se-Lo­go auf die Zu­ge­hö­rig­keit zum Uni­le­ver-Kon­zern hin, der im­mer­hin den alt­her­ge­brach­ten Ge­schmacks­prä­fe­ren­zen Rech­nung trägt und die bri­ti­sche Vor­lie­be zum Pfef­fer­minz-Ge­schmack auch in den ehe­ma­li­gen Ko­lo­ni­en hoch­hält:

grün ist der Pfefferminz, groß des zonebattler's Freude

Das in ent­le­ge­ner Kü­sten­la­ge er­stan­de­ne Eis er­freu­te nicht nur durch sein ty­pi­sches Min­ze-Aro­ma, son­dern auch durch sei­ne sehr kuspe­ri­ge Waf­fel­tü­te, der of­fen­bar un­un­ter­bro­che­nen Kühl­ket­te sein Dank! Des zonebattler’s bes­se­re Hälf­te kann der Minzo­phi­lie des Be­richt­erstat­ten­den in­des nur we­nig ab­ge­win­nen und guck­te da­her lie­ber aufs Meer hin­aus, wel­ches an je­nem win­di­gen Tag recht mun­ter an die Ge­sta­de schwapp­te uind die Klip­pen hin­auf zosch­te...

sich gut behütet an den Naturgewalten erfreuen

Wie schon mehr­fach her­vor­ge­ho­ben, wu­selt das Heer der ein­hei­mi­schen wie ein­ge­rei­sten Men­schen vor­nehm­lich in den Städ­ten her­um, die in­so­fern Amei­sen­häu­fen äh­neln. Au­ßer­halb der Or­te trifft man Zwei­bei­ner re­gel­mä­ßig nur in gut ver­träg­li­cher Do­sie­rung an, denn die Tou­ri­sten sind über­wie­gend zu faul zum Wan­dern und die In­sel-Be­woh­ner an­der­wei­tig be­schäf­tigt. Wer die Na­tur und die Ein­sam­keit liebt, kommt al­so auf Go­zo und Mal­ta auf sei­ne Ko­sten, al­ler Sti­che­lei­en von mir ge­gen die ei­ne oder an­de­re Un­sit­te zum Trot­ze...

Was mich an an ei­ne sol­che er­in­nert, die ich ja noch­mals auf­grei­fen woll­te, die des au­gen­schein­lich sinn­lo­sen Ver­schwen­dens von Geld und Grund zum Zwecke des Er­rich­tens un­nö­ti­ger und über­flüs­si­ger Bau­ten. Zum Ex­em­pel gibt es ober­halb des Ha­fen­städt­chens Mġarr ei­ne aus­ge­dehn­te al­te Fe­stung, das Fort Cham­bray. In­ner­halb der me­ter­dicken Au­ßen­mau­ern wur­de in den letz­ten Jah­ren ei­ne lu­xu­riö­se Apart­ment-An­la­ge mit mon­dä­nen Ge­mein­schafts-Pools er­rich­tet, die auf den arg­lo­sen Be­su­cher ein­ger­ma­ßen ge­spen­stisch wirkt, da so gut wie un­be­wohnt und von al­len gu­ten Gei­stern ver­las­sen:

gespenstisch leere Apartment-Anlage im Fort Chambray

Wir ka­men uns dort vor in ei­nem post­apo­ka­lyp­ti­schen End­zeit-Film: Al­le Häu­ser und An­la­gen vom Fein­sten, doch al­len­falls in je­der zwan­zig­sten Ein­heit schien sich Le­ben zu re­gen, der Rest stand still und stumm her­um, war of­fen­kun­dig noch nie be­zo­gen und zeig­te schon er­ste Spu­ren von Ver­wit­te­rung und Ver­fall. Sehr ei­gen­ar­tig! An­geb­lich lei­sten sich rei­che Mal­te­ser hier (mit an­ge­sichts der Eu­ro-Ein­füh­rung rasch un­ter­zu­brin­gen­dem Schwarz­geld) ein no­bles Fe­ri­en-Do­mi­zil, wel­ches sie nur we­ni­ge Wo­chen im Jahr be­woh­nen. Der Ha­ken ist nur: Wer im Geld schwimmt und sol­chen Lu­xus ha­ben zu müs­sen meint, der will auch Schicke­ria-Le­ben um und un­ter sich ha­ben und kein ver­schla­fe­nes Fi­scher­dorf, an dem der Fähr­ha­fen das ein­zig nen­nens­wer­te Stück be­leb­ter In­fra­struk­tur ist...

Egal, ein Rät­sel mehr, wel­ches ei­nen In­sel­ur­laub wie den un­se­ren ja auch würzt. Da­mit ge­nug von und mit Go­zo, in der näch­sten Fol­ge geht es auf die Haupt­in­sel Mal­tas hin­über und in der Haupt­stadt Val­let­ta wei­ter!

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Montag, 17. Juni 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (11)

Schon letz­tes Jahr staun­ten wir ja über die zahl­rei­chen Kir­chen, die über den erz­ka­tho­li­schen In­sel­staat ver­streut sein Land­schafts­bild nach­hal­tig prä­gen. Ei­nes der ein­drucks­voll­sten Ex­em­pla­re ist die Jo­han­nes dem Täu­fer ge­weih­te Kup­pel­kir­che von Xe­w­ki­ja, die wir hier aus ei­ni­ger Ent­fer­nung al­les an­de­re über­ra­gen se­hen:

Die große Kuppelkirche von Xewkija

Lei­der eig­nen sich die­se weit­hin sicht­ba­ren Land­mar­ken nur be­dingt zur Ori­en­tie­rung: Es gibt ih­rer so vie­le, daß man sei­nen gott­ge­fäl­li­gen Weg vor lau­ter Kir­chen kaum sieht, ähn­lich wie es sich im Sprich­wort mit dem Wald und den Bäu­men ver­hält. Wäl­der frei­lich gibt es auf Go­zo nicht und in Mal­ta nur ei­nen drei­vier­tel­ten, in­so­fern ist die enor­me Packungs­dich­te von Got­tes­häu­sern wohl durch­aus als Aus­gleichs­maß­nah­me zu wer­ten...

Tags drauf ha­ben wir uns dann die Church Of St John The Bap­tist nicht nur aus der Nä­he, son­dern auch von in­nen an­ge­se­hen. Aus dem hei­mi­schen Sand­stein ge­baut, ist sie na­tür­lich von ent­spre­chen­der Farb­ge­bung:

Innenansicht der Kirche von Xewkija

Neo­ba­rocke Ar­chi­tek­tur und quietsch­bunt ma­nie­ri­sti­sche In­nen­aus­stat­tung ge­hen Hand in Hand, was al­ler­dings sel­ten zu se­hen ist, sind an­ge­mes­sen di­men­sio­nier­te Or­geln. Tat­säch­lich fin­det man so­gar in den grö­ße­ren Kir­chen oft gar kei­ne »rich­ti­ge« Or­gel auf der Em­po­re, son­dern nur am­bu­lant auf­ge­stän­der­te Ya­ma­ha-Key­boards mit an­ge­schlos­se­nen Par­ty-Be­schal­lungs-Bo­xen. Ver­wun­der­lich, aber ver­mut­lich auf ei­ne nicht vor­han­de­ne hei­mi­sche Or­gel­bau-Tra­di­ti­on zu­rück­zu­füh­ren. Scha­de, Re­so­nanz­raum und Vo­lu­men für die größ­ten Baß­pfei­fen wä­re vor­han­den!

Jetzt aber wie­der hin­aus aus der weih­rauch­schwan­ge­ren Sa­kralat­mo­sphä­re an die fri­sche (Meeres-)Luft, wo der Ge­ruch des Mee­res und der Blick in die Fer­ne zum Ab­sprung in die Tie­fe locken:

Sprungbrett in den Abgrund

Na ja, letzt­lich ent­sann ich mich dann doch des Um­stan­des, kei­ne Flü­gel zu ha­ben. Aber auch mit sol­chen hät­te ich mich fürch­ten müs­sen: Hier am süd­lich­sten Zip­fel Go­zos kam uns näm­lich ei­ner je­ner Baller­män­ner kurz ins Blick­feld, von de­ren (Un-)Taten wir an­son­sten den gan­zen Tag über stän­dig was zu hö­ren be­ka­men:

Jäger mit Jagdhund

Ei­ner­seits ka­tho­lisch sein und sonn­tags die Schöp­fung lob­prei­sen, an­der­seits aber Tei­le der­sel­ben nach Kräf­ten aus­zu­rot­ten, der­lei Bi­got­te­rie ist nach wie vor bi­zar­rer All­tag auf Go­zo und Mal­ta. Und dann lau­fen die Pi­sto­le­ros resp. Flin­to­le­ros auch noch mar­tia­lisch ge­tarnt im Ge­län­de her­um, als gin­ge es dar­um, sich im Gue­ril­la-Kampf ei­ner In­va­si­on über­mäch­ti­ger Fein­de zu er­weh­ren. Man soll­te die Piff-Paff-Puf­fis in ei­nem ab­ge­grenz­ten Ge­län­de (ger­ne mit Tri­bü­nen drum­her­um) zu­sam­men­pfer­chen und sich ge­gen­sei­tig ab­schie­ßen las­sen, daß hät­te zu­min­dest noch ei­nen ge­wis­sen sport­li­chen Cha­rak­ter...

Es braucht ver­mut­lich noch Jahr­zehn­te, bis der kol­lek­ti­ve In­sel­kol­ler so­weit ab­ge­flaut ist, daß Zug­vö­gel auf der Rou­te zwi­schen Eu­ro­pa und Afri­ka nicht mehr bei der Zwi­schen­lan­dung um ihr Le­ben fürch­ten müs­sen. Wo­mög­lich liegt die Schieß­freu­de der Go­zi­ta­ner und Mal­tesen ja im mi­li­tä­ri­schen Er­be be­grün­det, des­sen stei­ner­ne Zeug­nis­se (ähn­lich wie die Kir­chen) noch über­all her­um­ste­hen und weit­hin zu er­spä­hen sind:

alter Wachturm an der Südküste Gozos

The­men­wech­sel: Wenn man den gan­zen Tag auf den Bei­nen ge­we­sen und ei­ne zwei­stel­li­ge An­zahl von Ki­lo­me­tern durch die Land­schaft ge­trot­tet ist, dann freut man sich in den Abend­stun­den auf ei­nen bar­rie­re­frei­en Spa­zier­gang durch die Dör­fer und Städt­chen und hofft auf ei­ne zum Na­tur­er­leb­nis kon­tra­stie­ren­de Aus­wahl an pit­to­res­ken Fo­to­mo­ti­ven. Mei­ner ei­ner ist ja nicht schnell ge­nug (we­der von der in­ne­ren Ein­stel­lung noch von mit­ge­führ­ten Aus­rü­stung her) zum Ein­fan­gen be­weg­ter Ob­jek­te oder Le­be­we­sen, auch neigt der zo­ne­batt­ler in sei­ner weh­mü­tig-ele­gi­schen Grund­dis­po­si­ti­on oh­ne­hin den me­lan­cho­li­schen Mo­ti­ven zu. Da kommt ein ka­me­ra­be­wehr­ter Ta­ges­aus­klang im Haupt­städt­chen Vic­to­ria (ali­as Ra­bat) ge­ra­de recht:

sommerliche Sonnenschirme, auf schattigem Platze den nächsten Morgen erwartend

Ei­gent­lich müß­te man bei so­was ei­ne dicke Spie­gel­re­flex auf das schwe­re Sta­tiv schrau­ben, die Kom­po­si­ti­on skru­pu­lös per­fek­tio­nie­ren und erst dann ge­nau ein­mal auf den Aus­lö­ser drücken. Mei­ner ei­ner stellt sich breit­bei­nig selbst als Sta­tiv vor das Mo­tiv, drückt sich die schwenk­dis­playtra­gen­de Knip­se auf den Gür­tel, zieht die Wam­pe ein und hält die Luft an, be­vor er dann ein hal­bes Dut­zend mal ab­drückt (und spä­ter da­heim das am we­nig­sten ver­wackel­te Fo­to her­aus­siebt). Nein, für wer­be­pla­kat­gro­ße Ab­zü­ge taugt die Vor­ge­hens­wei­se eher nicht, aber ja, ich will im Ur­laub mög­lichst un­be­schwert her­um­krab­beln und nicht mehr ki­lo­gramm­wei­se Fo­to­ap­pa­ra­te mit mir her­um­schlep­pen...

So, nach­dem wir ge­ra­de ein so schö­nes Rot als Blick­fän­ger be­nutzt hat­ten, muß jetzt zur Ab­wechs­lung mal was blau­es her. Und sie­he, nur vier Mi­nu­ten und we­ni­ge Dut­zend Schrit­te spä­ter kam mir schon was Schö­nes vor die Lin­se:

blauweißes Moped

An die­sem – ver­mut­lich gar nicht so al­ten – Mo­ped läßt sich ein­mal mehr das prag­ma­ti­sche Ver­hält­nis der Be­völ­ke­rung zu Ih­ren Werk­zeu­gen und Ve­hi­keln il­lu­strie­ren: Ge­pflegt wird nix (al­len­falls not­dürf­tig re­pa­riert, was sonst gar nicht mehr gin­ge), was ab­ge­wirt­schaf­tet ist, wird er­setzt. Die für prä­ven­ti­ve In­stand­hal­tung nicht in­ve­stier­te Zeit kann an­ders­wie sinn­voll ge­nutzt wer­den (z.B. zum Schrot­schie­ßen).

Aber jetzt will ich nicht län­ger nölen, ich bin ja schließ­lich selbst nicht kon­se­quent und lich­te ei­ner­seits knat­tern­de Stin­ker äs­the­ti­sie­rend ab, die ich dann an­de­rer­seits (mit­samt ih­ren Fah­rern) ver­wün­sche, so­bald sie be­stim­mungs­ge­mä­ßem Ge­brauch un­ter­zo­gen wer­den. Noch­mal acht Mi­nu­ten und ein paar Me­ter wei­ter fand ich zum gu­ten Schluß die­ses wer­ben­de Pad­del ei­nes Rei­se­ver­an­stal­ters vor:

Werbepaddel

Von der mitt­le­ren Trend­sport­art hat­te ich bis da­to noch nie et­was ge­hört, wie­wohl ich im Zi­vil- wie im Be­rufs­le­ben schon man­che Ge­le­gen­heit zum un­auf­fäl­li­gen Ab­sei­len er­grif­fen ha­be. Da muß­te ich mich tat­säch­lich in der Wi­ki­pe­dia rück­ver­si­chern, daß es das »Ab­sei­ling« tat­säch­lich als eta­blier­te Be­zeich­nung gibt. Ein deutsch-eng­li­sches Lehn­wort-Kon­strukt, wel­ches ich na­tür­lich un­ver­züg­lich mei­nem Wort­schatz ein­ver­leibt ha­be. Solch ein schö­nes Sou­ve­nir lo­be ich mir: ko­stet nix, macht nicht dick und fängt kei­nen Staub.

Aus dem­sel­ben ma­che ich mich aber jetzt und ver­trö­ste die ge­neig­te Le­ser­schaft auf den näch­sten Teil, der et­wa im Wo­chen­ab­stand fol­gen wird...

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Montag, 10. Juni 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (10)

Die In­sel Go­zo woll­ten wir uns pri­mär per pe­des er­wan­dern, da traf es sich gut, daß das Früh­stücks-Buf­ett im Grand Ho­tel zum Da­von­lau­fen war. Al­so ei­gent­lich nicht die dar­ge­bo­te­nen Spei­sen, son­dern viel­mehr die im­mer glei­che Mu­sik­be­rie­se­lung, die aus ei­nem schwer er­träg­li­chen Mit­tel­al­ter-Med­ley aus den 1970er Jah­ren be­stand: Ne­ben Ab­ba-Ever­greens (»Suuupaaaa Truuupaaa«) ero­dier­ten be­son­ders die Ja­mes-Last-Ar­ran­ge­ments deut­scher (!) Volks­lie­der un­se­re Hör­nerven. Das bri­ti­sche Pu­bli­kum in­des nahm die­se spä­te Ra­che des ehe­ma­li­gen Kriegs­geg­ners er­staun­lich gleich­mü­tig, ja nach­ge­ra­de sto­isch hin. Wo­mög­lich ha­ben die Eng­län­der die ea­sy-li­sten­ing-Va­ri­an­ten von »Muß i denn, muß i denn zum Städ­te­le hin­aus« und an­de­ren ger­ma­ni­schen Schen­kel­klop­fern aber auch gar nicht er­kannt...

Apro­pos ero­die­ren: Die Ero­si­on ist be­kann­ter­ma­ßen ein im­mer wie­der­keh­ren­des Mo­tiv auf dem mal­te­si­chen Ar­chi­pel, ich hat­te letz­tes Jahr schon dar­über ge­schrie­ben und wer­de auch dies­mal mehr­fach dar­auf re­kur­rie­ren. Weil den Mal­te­sern und Go­zi­ta­nern die Häu­ser von Wind und Wet­ter so­zu­sa­gen un­ter dem Hin­tern weg­pul­ve­ri­siert wer­den, herrscht ste­te Nach­fra­ge nach neu­en Sand­stei­nen, wie sie in zahl­rei­chen Stein­brü­chen im Wort­sin­ne aus dem Vol­len ge­sägt [1] wer­den:

Steinsäge in einem Steinbruch

Trotz sorg­fäl­ti­gen Sä­gens scheint es gleich­wohl je­de Men­ge Bruch zu ge­ben, denn die Stra­ßen, Fel­der und Äcker sind ge­säumt von Stei­nen, die aus ir­gend­wel­chen Grün­den nicht ver­baut wor­den sind. Mit­un­ter meint man, ein zor­ni­ges Rie­sen­ba­by ha­be sei­ne LE­GO-Ki­ste aus­ge­schüt­tet und den In­halt über die Land­schaft ver­streut...

Die un­ver­sehr­ten Stei­ne türmt man ger­ne auch him­mel­wärts zur Eh­re Got­tes auf, wie das Ex­em­pel der Pfarr­kir­che von Għa­jn­sie­lem zeigt:

Die Pfarrkirche von Għajnsielem

Doch auch mit Got­tes Se­gen wird sein Haus nicht so lan­ge hal­ten wie die bis heu­te er­hal­te­nen Tem­pel­an­la­gen aus der Jung­stein­zeit, denn der Zahn der Zeit nagt schnel­ler an dem wei­chen Ma­te­ri­al, als den je­wei­li­gen Be­sit­zern recht sein kann. Mit­un­ter sieht das Zer­stö­rungs­werk der Ele­men­te da­bei so­gar recht de­ko­ra­tiv aus:

stark verwitterte und erodierte Hausfassade

Kör­be- bzw. spei­cher­kar­ten­wei­se kön­ne ich hier Fo­tos von in­ter­es­san­ten Mau­ern aus­brei­ten, von neu­en und al­ten und sol­chen, bei de­nen die Da­tie­rung schwer­fällt: Was heu­te in Re­mi­nes­zenz an den geor­gia­ni­schen Stil er­baut wird und noch glei­ßend gelb in der Son­ne leuch­tet, sieht we­ni­ge Jah­re spä­ter oft schon aus wie aus dem 19. Jahr­hun­dert über­kom­men...

Nie­mand scheint sich in­des an dem ei­gent­lich zu wei­chen Bau­ma­te­ri­al zu stö­ren, es hält ja im­mer­hin auch die Bau­kon­junk­tur am Lau­fen, je­den­falls bis zur Er­schöp­fung der na­tür­li­chen La­ger­stät­ten. Hier noch ein net­tes Bei­spiel für das krea­ti­ve Spiel mit Sand­stein-Bau­klöt­zen:

zugemauerte Türöffnung

Doch vor­erst ge­nug er­zählt von des Men­schen Wir­ken, jetzt schau­en wir uns end­lich in der Na­tur um. Von un­se­rem ha­fen­na­hen Stand- und Wohn­ort aus mach­ten wir uns zu­nächst zu Fuß auf und er­kun­de­ten die Kü­sten­li­nie in der nä­he­ren Um­ge­bung. Aber auch da be­geg­net man na­tür­lich auf Schritt und Tritt der Ero­si­on:

erodierender Sandstein an der Küste Gozos

Wäh­rend sich da­heim in Deutsch­land ein rech­tes Früh­lings­wet­ter par­tout nicht ein­stel­len woll­te, ge­nos­sen wir in den er­sten Ta­gen un­se­res Ur­laubs auf den mal­te­si­schen In­seln reich­lich Son­nen­schein, wes­we­gen wir uns an al­len ex­po­nier­ten Haut­par­ti­en gut mit Son­nen­milch prä­pa­rier­ten und die Köp­fe mit Tü­chern ge­gen Hitz­schlag schütz­ten. Man holt sich sonst leicht ei­nen schwe­ren Son­nen­brand und be­merkt das erst­mal gar nicht, denn in Mee­res­nä­he weht ja fast im­mer ein küh­len­des Lüft­chen...

Wind und Son­ne ma­chen sich die Men­schen hier üb­ri­gens seit je­her zu­nut­ze, um dem Meer sein Salz ab­zu­trot­zen: Noch heu­te fin­den sich über­all gan­ze Net­ze an künst­lich an­ge­leg­ten Bas­sins, in die das Meer­was­ser zur Ver­dun­stung ge­lei­tet wur­de. Auch wenn heu­te vie­le An­la­gen aus wirt­schaft­li­chen Grün­den nicht mehr be­trie­ben wer­den, so sind sie im­mer noch gut er­hal­ten vor­han­den und schön an­zu­schau­en. Wir ha­ben ein Ki­lo fein­sten Meer­sal­zes sel­ber hän­disch schöp­fen und spä­ter als wohl­schmecken­des Sou­ve­nir mit nach Hau­se neh­men kön­nen:

Salzgewinnung in einer stillgelegten Verdunstungsanlage

Der Trick da­bei war, nicht nach dem trocke­nen, be­reits aus­kri­stal­li­sier­ten Salz zu schie­len (wel­ches man wohl müh­sam berg­män­nisch mit Ham­mer und Mei­ßel ab­bau­en müß­te), son­dern die noch feuch­te, ge­sät­tig­te So­le zu ber­gen, die sich sehr leicht auf­neh­men ließ und die nach dem Ab­trop­fen der noch flüs­si­gen Salz­lö­sung im Hand­um­dre­hen zu ei­ner Hand­voll rein­sten Meer­sal­zes wur­de. Na­tür­lich kann man sich so­was auch ab­ge­packt kau­fen, aber selbst­ge­fan­ge­nes Sa­li­nen­salz schmeckt noch­mal so gut!

So, nach­dem wir das Salz für die Sup­pe ein­ge­sam­melt und in ei­ner dich­ten Pla­stik­box si­cher ver­staut hat­ten, wand­ten wir uns ir­gend­wann land­ein­wärts und er­freu­ten uns an der üp­pi­gen Ve­ge­ta­ti­on des go­zi­ta­ni­schen Früh­lings:

bunter Frühling auf Gozo

So bunt und blü­ten­reich geht es hier frei­lich wirk­lich nur im Früh­ling zu: Im Som­mer brennt die Son­ne un­barm­her­zig auf die In­seln her­nie­der und läßt die stei­ni­ge Land­schaft um ei­ni­ges kar­ger er­schei­nen. Wer Mal­ta und Go­zo be­rei­sen und sich an der Flo­ra er­göt­zen will, tut das am be­sten von April bis Ju­ni, auch wenn die mit­tel­mee­ri­schen Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren dann noch nicht wirk­lich zum Ba­de la­den...

Aber auch oh­ne den Drang zum Ein­tau­chen in das noch et­was küh­le Naß zog es uns im­mer wie­der dort­hin, wo die Wel­len an die Ge­sta­de schla­gen, sich al­ler­lei Ge­tier be­ob­ach­ten läßt (und lei­der auch man­cher­lei men­schen­ge­mach­ter Müll). Sehr in­ter­es­sant sind über­dies die zahl­rei­chen wuch­ti­gen Be­ob­ach­tungs­tür­me, die schon vor Jahr­hun­der­ten – zur Blü­te­zeit des Mal­te­ser­or­dens – er­rich­tet wor­den sind, um et­wai­ge In­va­so­ren recht­zei­tig aus­ma­chen zu kön­nen:

Der Dwejra Tower

Der im Bild ge­zeig­te Dwe­j­ra Tower in der Nä­he des be­rühm­ten Azu­re Win­dow lohnt schon der gran­dio­sen Aus­sicht hal­ber die Be­stei­gung, vor­zugs­wei­se dann, wenn sich ge­ra­de kei­ne Schul­klas­se schnat­tern­der Mäd­chen durch das Ge­bäu­de ki­chert...

So­viel für heu­te; Fort­set­zung folgt !

 
[1] Recht ei­gent­lich müß­te man die­se Ab­bau­stät­ten eher als Stein­ge­sä­gen denn als Stein­brü­che be­zeich­nen, denn die Qua­der wer­den ja eben nicht aus dem gel­ben Ge­stein ge­bro­chen, son­dern ge­sägt. Man ver­glei­che da­zu mei­ne über­aus strin­gen­te Ar­gu­men­ta­ti­on in Sa­chen Zug/Schub.

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Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Ver­kehrs­in­sel (9)

Im letz­ten Teil der Rei­se­be­richt­erstat­tung von 2012 hat­te ich es schon an­ge­deu­tet, daß es wo­mög­lich auch heu­er wie­der nach Mal­ta ge­hen könn­te. Und so kam es dann tat­säch­lich: Zur glei­chen Jah­res­zeit wie im Vor­jahr be­rei­sten der zo­ne­batt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te von En­de April bis An­fang Mai für knapp drei Wo­chen den me­di­ter­ra­nen In­sel­staat. Um der fak­ti­schen Fort­set­zung des vor­aus­ge­gan­ge­nen Ur­laubs auch vir­tu­ell Rech­nung zu tra­gen, set­ze ich die Se­rie un­ter dem glei­chen Ti­tel naht­los fort und wer­de mir auch dies­mal (über ei­ni­ge Wo­chen ge­streckt) ins­ge­samt acht bunt be­bil­der­te Fol­gen ab­rin­gen, zur Be­wah­rung mei­ner ei­ge­nen Er­in­ne­run­gen und hof­fent­lich auch zur Er­bau­ung mei­ner ge­schätz­ten Le­ser­schaft...

Al­so dann los: Nach­dem sich ein durch­gän­gi­ger Wohn­ort (Slie­ma) beim er­sten Auf­ent­halt auf Mal­ta an­ge­sichts der zeit­rau­ben­den Bus­fah­re­rei als sub­op­ti­mal her­aus­kri­stal­li­siert hat­te, split­te­ten wir dies­mal den Ur­laub auf zwei weit aus­ein­an­der­lie­gen­de Stand­or­te auf: Erst ver­brach­ten wir zehn Ta­ge auf der be­schau­li­chen In­sel Go­zo, nach de­ren aus­gie­bi­gen Er­for­schung wir dann noch für ei­ne Wo­che auf die quir­li­ge Haupt­in­sel, na­ment­lich in die Haupt­stadt Val­let­ta über­sie­del­ten. Hier zu­nächst die tra­di­ti­ons­ge­mäß an­ge­fer­tig­te Über­blicks­kar­te mit un­se­ren vom stets mit­ge­führ­ten Vor­rats­da­ten­spei­cher fein­säu­ber­lich mit­pro­to­kol­lier­ten We­gen:

Übersichtskarte von Gozo und Malta mit den von uns zurückgelegten Wegen
Map da­ta: © Open­Street­Map con­tri­bu­tors, powe­red by Open­Rou­te­Ser­vice

Doch halt, wer­fen wir noch ei­nen kur­zen Blick zu­rück auf die dies­mal recht aben­teu­er­li­che An­rei­se: Wäh­rend wir in 2012 noch recht kom­mod von Nürn­berg aus di­rekt mit Air Ber­lin gen Mal­ta schwe­ben konn­ten, hat sich die von mei­nem Ex-Chef-Chef-Chef-Chef Hart­mut Meh­dorn ge­führ­te Air­line in­zwi­schen aus NUE weit­ge­hend ver­ab­schie­det, so daß wir dies­mal von MUC aus mit Air Mal­ta flie­gen muß­ten. Von Nürn­berg nach Mün­chen zu kom­men be­deu­tet nor­ma­ler­wei­se, ei­ne recht un­spek­ta­ku­lä­re gu­te Stun­de im ICE zu sit­zen. Dies­mal frei­lich stan­den wir dicht­ge­drängt im Zu­ge, denn auf­grund ei­ner Kupp­lungs­stö­rung in Köln ver­kehr­te un­se­re ble­cher­ne Weiß­wurst an un­se­rem An­rei­se­tag nicht als Dop­pel­zug, son­dern als sin­gu­lä­re Gar­ni­tur. Im­mer­hin, die Stim­mung in der prop­pen­vol­len Sar­di­nen­büch­se war des­we­gen nicht et­wa ge­dämpft, son­dern eher recht ent­spannt bis un­ver­dros­sen fröh­lich. Wa­ren of­fen­bar über­wie­gend Pro­firei­sen­de un­ter­wegs... [1]

Von Mün­chen Hbf aus ging es dann mit der S-Bahn zum Flug­ha­fen, von dort in ge­ra­de ein­mal zwei­ein­halb Stun­den über die Al­pen, über Ita­li­en, über Si­zi­li­en und ei­ne ab­schlie­ßen­de Hand­breit Mit­tel­meer nach Mal­ta. Dort er­war­te­te uns ein Trans­fer-Bus, der uns über Land an den Städ­ten vor­bei (als ein­zi­ge!) bis zum Fähr­ha­fen von Ċir­kew­wa brach­te. Da ging dann der Ur­laub für mich so rich­tig los... [2]

Ei­ne hal­be Stun­de dau­ert die Über­fahrt vom Nord­west­zip­fel Mal­tas am klei­nen Co­mi­no vor­bei nach Go­zo. Nur we­ni­ge hun­dert Me­ter ober­halb des Ha­fens von Mġarr be­zo­gen wir Quar­tier im dor­ti­gen Grand Ho­tel, von dem aus man das Kom­men und Ge­hen der Fäh­ren wun­der­bar be­ob­ach­ten kann:

Fährschiffe der Gozo Channel Line im Hafen von Mgarr

Bei dem im Bild deut­lich sicht­ba­ren Wach­turm han­delt es sich üb­ri­gens um den St Mary’s Tower auf Co­mi­no; rechts hin­ten im Bild ist dann schon die Haupt­in­sel des mal­te­si­schen Ar­chi­pels zu se­hen.

Mit ih­rem kom­pak­ten Ar­ran­ge­ment von Fähr­schif­fen, Fi­scher­boo­ten, Kir­chen, ei­ner al­ten Fe­stung und al­ler­lei pit­to­res­ken Kü­sten­ab­schnit­ten wirkt die Bucht von Mġarr ein we­nig wie ein auf Le­bens­grö­ße hoch­ska­lier­ter Ab­schnitt ei­ner fröh­lich bun­ten (wenn auch schie­nen­lo­sen) Mo­dell­bahn­land­schaft:

Bunte Boote im Hafen von Mgarr

Un­ser preis­wer­tes Zim­mer mit Land­blick er­wies sich als un­er­war­tet rie­sig und lu­xu­ri­ös, wenn­gleich sich ein paar Un­ter­tei­lun­gen im Schrank und/oder ei­ne schub­la­di­sier­te Kom­mo­de als sehr hilf­reich er­wie­sen hät­ten. Da­für gab es frei­es WLAN im gan­zen Haus und da­mit draht­lo­sen Kon­takt zu den Wei­ten der vir­tu­el­len Welt wie auch zur hei­mi­schen Sphä­re, ein Um­stand, den wir im Ge­gen­satz zu manch an­de­ren durch­aus zu schät­zen wis­sen.

Dem hei­mat­lich dau­er­haft trü­ben Wet­ter glück­lich ent­flo­hen, muß­ten sich die Au­gen und der Blick erst ein­mal an die knal­li­gen Far­ben und den wol­ken­los blau­en Him­mel ge­wöh­nen:

Und noch einmal bunte Boote aus anderer Perspektive...

Dank der (noch) nicht vor­han­de­nen Ver­bin­dung der In­seln via Brücke oder Tun­nel hat sich das land­wirt­schaft­lich ge­präg­te Go­zo bis heu­te ei­nen eher ru­hi­gen und be­schau­li­chen Cha­rak­ter be­wah­ren kön­nen. Weil ty­pi­sche Ur­lau­ber-At­trak­tio­nen eher auf der Haupt­in­sel zu fin­den sind, kom­men mit den er­sten Fäh­ren über­wie­gend Ta­ges-Tou­ri­sten nach Go­zo ge­schip­pert, die am spä­ten Nach­mit­tag dann auch wie­der weg­ge­schafft wer­den. Abends kehrt auf der klei­nen In­sel sehr schnell Ru­he ein, die al­len­falls durch das Knat­tern ei­gen­ar­ti­ger mo­to­ri­sier­ter Ge­fähr­te un­ter­bro­chen wird...

geringmotorisierter gozitanischer Landmann, die Kurve kratzend

Schon in den frü­hen Mor­gen­stun­den fin­det die Nacht­ru­he in­des ein jä­hes En­de, zu­mal im Früh­ling, wenn Jagd­sai­son ist und die go­zi­ta­ni­schen Män­ner aus Man­gel an sinn­stif­ten­den Zer­streu­un­gen auf al­les bal­lern, was Flü­gel hat und flat­tert. Ich hat­te auf die­sen bar­ba­ri­schen Blöd­sinn wei­land schon im er­sten Teil hin­ge­wie­sen, dies­mal er­leb­ten wir das ste­te Piff-Paff-Puff lei­der noch kras­ser. Über­all im Ge­län­de fin­det man pro­vi­so­ri­sche Un­ter­stän­de für Schrot­flin­ten­trä­ger und drum­her­um auf­ge­stell­te »Prä­sen­tier­tel­ler« aus Stein­plat­ten, auf de­nen sich arg­lo­se Piep­mät­ze zu ih­rer dann mut­maß­lich letz­ten Rast nie­der­las­sen sol­len. Man kann nur hof­fen, daß die­se Art von »Brauch­tum« ir­gend­wann ver­mit­tels ei­ner zu­neh­mend re­strik­ti­ve­ren EU-Ge­setz­ge­bung weit­ge­hend aus­ra­diert wer­den wird...

Un­ge­wohnt sind üb­ri­gens auch an­de­re Ge­bräu­che der an­son­sten durch­aus fried­li­chen und freund­li­chen In­su­la­ner; ins­be­son­de­re er­freu­en die al­ler­ort prä­sen­ten Bei­spie­le krea­ti­ver Lei­tungs­füh­rung das Herz des Fo­to­gra­fen:

künstlerisch wertvolle Abwasserleitungsführung

Spä­te­stens hier läuft der Chro­nist nun Ge­fahr, sich zu wie­der­ho­len, hat er doch in den er­sten acht Tei­len die­ser Se­rie schon viel er­zählt und ge­zeigt, was er auch in sei­nem dies­jäh­ri­gen Ur­laub ge­se­hen und fo­to­gra­fisch kon­ser­viert hat. Macht aber nix, Bei­spie­le für um­stands­lo­se Selbst­hil­fe und un­prä­ten­tiö­ses Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent kann man schließ­lich im­mer zei­gen, oh­ne sein Pu­bli­kum zu lang­wei­len:

ein Türschloß der ungewöhnlichen Art

Las­sen wir den er­sten Tag auf Go­zo aus­klin­gen mit ei­nem stim­mungs­vol­len Son­nen­un­ter­gang, den ich ge­ra­de noch recht­zei­tig mit am­bu­lant auf­ge­stütz­ter Ka­me­ra ein­fan­gen konn­te:

Kirche im letzten Abendlicht

Im fol­gen­den Teil wer­de ich dann von un­se­ren aus­ge­dehn­ten Wan­de­run­gen be­rich­ten, die uns vor al­lem ent­lang der ein­sa­men Kü­sten­li­nie Go­zos zahl­rei­che wun­der­schö­ne Aus­blicke – und auch man­chen Welt­schmerz – be­schert ha­ben.

 
[1] Ha­rald Schmidt hat sich zu die­sem The­ma mal de­zi­diert ge­äu­ßert, sie­he hier.

[2] Beim Über­set­zen nach Go­zo ge­lang mir gleich der er­ste schö­ne Schnapp­schuß...

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Sonntag, 8. Juli 2012

Die Ver­kehrs­in­sel (8)

In der ach­ten und – vor­erst – letz­ten Fol­ge mei­ner Mal­ta-Im­pres­sio­nen kom­me ich zu­nächst noch ein­mal auf das mensch­li­che Stre­ben nach Schutz und Ab­gren­zung zu spre­chen und wid­me dem Bau von Mau­ern ein paar Sät­ze und Bil­der. Ge­ra­de an den al­ten Fe­stungs­an­la­gen sind Ero­si­ons­er­schei­nun­gen evi­dent, und wenn nicht an den kri­tisch­sten Stel­len im­mer wie­der Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten statt­fin­den wür­den, wä­re die Na­tur mit ih­rem gna­den­lo­sen Rück­erobe­rungs­werk viel schnel­ler fer­tig, als die al­ten Bau­mei­ster sich das ge­dacht ha­ben mö­gen.

Der dro­hen­de Ver­fall hat frei­lich auch sei­ne äs­the­ti­sche Sei­te. Hier ei­ne De­tail­auf­nah­me ei­ner rie­si­gen al­ten Fe­stungs­mau­er aus dem ört­li­chen Kalk­sand­stein, an der Wind und Wet­ter schon flei­ßig ge­schlif­fen und ge­schmir­gelt ha­ben:

stark verwitterte Festungsmauer aus Kalksandstein

Frisch zu­ge­hau­en, wird man den Qua­dern aus Se­di­ment­ge­stein ih­re in­ne­re Schich­tung nicht un­be­dingt an­ge­se­hen ha­ben. Das per­ma­nen­te Be­bla­sen mit salz­hal­ti­ger Luft läßt die in­ne­re Struk­tur pla­stisch her­vor­tre­ten, und auch die vom Wind mit­ge­führ­ten Sand­kör­ner tra­gen das ih­re da­zu bei, die wei­che­ren Schich­ten der Blöcke im Wort­sin­ne zu pul­ve­ri­sie­ren (wäh­rend här­te­re Sek­tio­nen län­ger Wi­der­stand lei­sten). Und so schaut ir­gend­wann aus wie ein Schwamm, was einst­mals ein mas­si­ves Ge­fü­ge war.

Man er­lebt hier al­so im klei­nen Maß­stab, was an Or­ten wie dem Mo­nu­ment Val­ley und an­ders­wo im Süd­we­sten der USA seit -zig Jahr­tau­sen­den im Gro­ßen statt­fin­det. Prag­ma­tisch wie die Mal­te­ken nun mal sind, ak­zep­tie­ren sie den na­tür­li­chen Lauf der Din­ge und ma­chen sich da­her heut­zu­ta­ge nicht mehr mehr Mü­he beim Mau­er­bau als un­be­dingt nö­tig:

Nicht schön, aber auch nicht selten: arg provisorische Flickschusterei

»Des dud’s«, wie der Fran­ke sa­gen wür­de. Man be­ach­te üb­ri­gens die glat­ten Kan­ten der gel­ben Qua­der mit­samt den halb­kreis­för­mi­gen Sä­ge­spu­ren: von Hand ge­bro­chen und müh­sam auf Maß ge­hau­en wer­den die Stei­ne na­tür­lich schon län­ge­re Zeit nicht mehr...

Mal­te­si­sche Ge­witzt­heit und Bau­ern­schläue trei­ben manch­mal auch ku­rio­se Blü­ten. Hier sieht man ei­ne sehr krea­ti­ve Kom­bi­na­ti­on aus Grenz­be­fe­sti­gung und um­stands­lo­ser Müll­ent­sor­gung:

Feldmauer mit integriertem Herd

Da hat je­mand ganz of­fen­kun­dig die Be­zeich­nung »Ein­bau­herd« zu wört­lich ge­nom­men, wie mir schei­nen will. Na ja, we­nig­stens be­steht so ein al­tes Kü­chen­ge­rät im we­sent­li­chen aus Stahl und Ei­sen und da­mit aus wenn nicht kom­po­stier­ba­ren, so doch leid­lich un­schäd­lich ver­rot­ten­den Ma­te­ria­li­en.

Man fin­det aber lei­der auch al­ler­lei an­de­res in der Land­schaft her­um­lie­gen, was da de­fi­ni­tiv nicht hin­ge­hört: PET-Fla­schen son­der Zahl (Pfand wird dar­auf der­zeit noch nicht er­ho­ben), aber auch al­te Kunst­stoff-Ka­ni­ster und Blech­fässer, de­ren frü­he­rer In­halt nicht un­be­dingt für ei­ne wil­de Ent­sor­gung in der Na­tur sprach:

Warn-Aufkleber auf einer wild entsorgten Chemikalien-Tonne

Da feh­len ei­nem mit­un­ter die Wor­te. Lei­der man­gelt den Be­woh­nern klei­ne­rer In­seln ja oft am Ge­fühl für das Frev­le­ri­sche ih­res Tuns, denn was sie an Dreck in die Luft pu­sten, ins Erd­reich ver­bud­deln oder ins Was­ser kip­pen, be­ein­träch­tigt sie und ihr ei­ge­nes Wohl­be­fin­den meist nicht di­rekt und un­mit­tel­bar. Wind und Was­ser ver­dün­nen das schäd­li­che Zeugs und tra­gen es fort, aus den Au­gen, aus der Na­se, aus dem Sinn. Da ist es si­cher­lich nicht eben ein­fach, dem Nach­wuchs in der Schu­le was von Um­welt­schutz, Nach­hal­tig­keit oder Res­sour­cen­scho­nung zu er­zäh­len. Der Papst müß­te sei­ne Schäf­chen (nicht nur die mal­te­si­schen) nach­drück­lich zum Er­halt der Schöp­fung auf­for­dern, da­mit die­se sich die Er­de nicht im­mer nur oh­ne Rück­sicht auf Ver­lu­ste un­ter­tan ma­chen...

Aber ganz hoff­nungs­los scheint der Fall dann doch nicht zu sein: Auf un­se­ren Streif­zü­gen kreuz und quer durch Mal­ta be­geg­ne­ten uns hier und da Re­cy­cling-Con­tai­ner zum art­rei­nen Sam­meln al­ten Pla­stiks, Gla­ses, Me­talls und Pa­piers, von de­nen un­se­re et­wa zehn Jah­re al­ten Rei­se­füh­rer noch gar nichts wuß­ten. Der in jüng­ster Zeit zag­haft be­gon­ne­ne Ver­such von Müll­tren­nung und Wie­der­ver­wer­tung wird den Aber­witz des Ver­bren­nens jeg­li­chen Misch-Ab­falls hof­fent­lich ir­gend­wann be­en­den.

ambulanter Landungssteg

Mit ein paar ver­söhn­li­che­ren Fo­tos wie dem vom die­sem klei­nen Lan­dungs­steg im Abend­licht krat­zen wir nun die Kur­ve und stre­ben dem En­de des gut zwei- bzw. knapp drei­wö­chi­gen Ak­tiv-Ur­laubs ent­ge­gen, der – das sei hier ne­ben­her er­wähnt – mit knapp 500 EUR pro Na­se für Hin- und Rück­flug, Trans­fer und Ho­tel­zim­mer mit Früh­stück so­gar zu den au­ßer­or­dent­lich preis­wer­ten zu zäh­len war.

Be­schwö­ren wir ein letz­tes Mal die Gran­dez­za ver­gan­ge­ner Epo­chen her­auf mit dem Ab­bild ei­ner präch­ti­gen Vil­la in Attard, in de­ren Nach­bar­schaft sich der Re­gie­rungs­pa­last und di­ver­se aus­län­di­sche Bot­schaf­ten be­fin­den:

noble Villa in Attard

Pas­send zum Prunk der Ar­chi­tek­tur er­scheint der üp­pi­ge Wuchs der Pflan­zen drum­her­um, das pal­men­ar­ti­ge Ge­wächs in der Mit­te scheint ja ge­ra­de­wegs zu ex­plo­die­ren, wie ein flo­ra­les Feu­er­werk, so­zu­sa­gen.

Das die­se As­so­zia­ti­on nicht von un­ge­fähr kommt, sei mit dem letz­ten Bild be­legt, mit wel­chem ich nun mit ei­nem gro­ßen Knall die­sen Ar­ti­kel und da­mit die gan­ze Se­rie be­schlie­ßen will. En­de April/Anfang Mai lie­ßen es die Or­ga­ni­sa­to­ren des »Mal­ta In­ter­na­tio­nal Fire­works Fe­sti­val« nach al­len Re­geln der Kunst blit­zen und kra­chen:

prächtiges Feuerwerk über dem Grand Harbour von Valletta

Drei Aben­de hin­ter­ein­an­der gab es da im Grand Har­bour von Val­let­ta Spek­ta­ku­lä­res zu se­hen und zu hö­ren: Py­ro­tech­nik-Her­stel­ler aus al­ler Welt über­bo­ten sich mit ih­ren Dar­bie­tun­gen, und so­gar der al­te Zünd­ler zo­ne­batt­ler, der in den fünf De­ka­den sei­nes ir­di­schen Da­seins schon man­che Lun­te selbst ge­legt und an­ge­steckt hat, hat­te Ver­gleich­ba­res bis­lang noch nicht ge­se­hen...

Mit die­sem Feu­er­re­gen be­dan­ke ich mich bei mei­ner ge­schätz­ten Le­ser­schaft für das In­ter­es­se und klap­pe mein Ur­laub­sal­bum zu, nicht oh­ne die Ab­sicht zu be­kräf­ti­gen, der klei­ne­ren und et­was we­ni­ger tur­bu­len­ten In­sel Go­zo der­mal­einst ei­ne ei­ge­ne Ex­pe­di­ti­on zu wid­men. Viel­leicht schon im näch­sten Jahr, wer weiß?

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Sonntag, 1. Juli 2012

Die Ver­kehrs­in­sel (7)

Schau­en wir uns noch ein we­nig in Mal­tas Städ­ten um, die für un­se­re an frän­ki­sche Ge­ge­ben­hei­ten ge­wöhn­ten Au­gen im­mer wie­der Über­ra­schen­des be­reit­hal­ten. Die ex­trem ho­he Be­völ­ke­rungs­dich­te ist na­tür­lich vor al­lem an der Ar­chi­tek­tur ab­les­bar. Aus der Ent­fer­nung er­in­nern die mei­sten mensch­li­chen An­sied­lun­gen an Amei­sen­hau­fen:

Blick vom Schiff aus auf Valletta

Hier hat selbst­re­dend die per­spek­tiv­ver­dich­ten­de Wir­kung der Te­le-Brenn­wei­te nach­ge­hol­fen, zwi­schen den im Bild ge­zeig­ten Häu­ser­rei­hen gibt es na­tür­lich noch Stra­ßen und We­ge. Gleich­wohl ist es schon er­staun­lich, wie dicht ge­packt die Men­schen hier le­ben. Wenn Sie denn tat­säch­lich noch in der Stadt le­ben, der ho­he Pro­zent­satz an (ge­se­he­nem wie ge­fühl­tem) Leer­stand läßt da mit­un­ter Zwei­fel auf­kom­men.

Die die Kü­sten­li­nie und Strän­de säu­men­den Ho­tel­bau­ten fü­gen sich zwar farb­lich in das bau­li­che Um­feld be­stens ein (die grau­gel­be Far­be des hei­mi­schen Kalk­sand­steins do­mi­niert al­ler­or­ten die bau­li­che Sze­ne­rie), den­noch kommt man mit­un­ter in Ver­su­chung, die über­ho­hen Tou­ri­sten­bur­gen ein­fach weg­zu­knal­len. Werk­zeu­ge da­für wä­ren durch­aus vor­han­den:

alte Kanone am Yachthafen von Paceville

In­des, es hül­fe nichts: Aus den Trüm­mern wür­de das al­te Mal­ta nicht wie­der auf­er­ste­hen, man muß den Flä­chen­fraß und das Wu­chern in die Hö­he wohl hin­neh­men, im Grun­de ist es an­ders­wo (und fast über­all) ge­nau das Glei­che...

Aber es gibt ja im­mer noch ge­nug Al­tes zu se­hen, was Herz und Au­ge er­freut. Zum Bei­spiel die ty­pi­schen Er­ker (für die man das Holz wei­land tat­säch­lich aus dem fer­nen Eng­land her­an­schaf­fen muß­te):

Erker an der Straßenseite traditioneller maltesischer Häuser aus der Georgianischen Zeit

Auch da hat aber mitt­ler­wei­le schon manch zwei­fel­haf­ter »Fort­schritt« Ein­zug ge­hal­ten: Der Er­ker links vom hoch­kant ge­stell­ten Wer­be­schild des Schnei­ders bei­spiels­wei­se hat schon Fen­ster aus bron­ze­far­ben elo­xier­tem Alu­mi­ni­um, oben ist noch da­zu Rif­fel­glas oder -pla­stik drin. Das mag pfle­ge­leich­ter und bil­li­ger sein als die höl­zer­nen Fen­ster­rah­men von frü­her, schö­ner ist es kei­nes­falls. Auch un­ten­rum ist be­sag­ter Er­ker glatt und schmuck­los, sol­che aurabe­frei­ten Tei­le wird man ver­mut­lich zu­künf­tig lei­der im­mer häu­fi­ger vor­fin­den...

Ich hat­te schon er­wähnt, daß man ab­seits der tou­ri­sti­schen Tram­pel­pfa­de selbst in den Städ­ten ziem­lich schnell in Ge­fil­de fin­det, in de­nen man mit sich und den al­ten Ge­mäu­ern al­lein ist. Wäh­rend in den Haupt­stra­ßen em­si­ge Be­trieb­sam­keit herrscht, trifft man zwei, drei Fuß­mi­nu­ten ent­fernt mit­un­ter noch nicht ein­mal Ein­hei­mi­sche in den ru­hi­gen Gas­sen. Da muß ein Fo­to­graf prak­ti­scher­wei­se nicht lan­ge war­ten, um men­schen­lee­re An­sich­ten kom­po­nie­ren zu kön­nen:

Festungsmauer-Durchführung in Senglea

Möch­te na­tür­lich sein, daß die Mal­te­ken wäh­rend der Mit­tags­stun­den ein Nicker­chen hal­ten und ih­re Häu­ser nur ver­las­sen, wenn es sich nicht ver­mei­den läßt. Als Rei­sen­der ist man da­ge­gen eben auch dann un­ter­wegs, wenn die Son­ne (und das Ther­mo­me­ter) am höch­sten ste­hen...

Hin und wie­der kommt es aber selbst in den ent­le­gen­sten Win­keln vor, daß man ein paar neu­gie­ri­ge Au­gen auf sich ru­hen fühlt:

eingekerkerte Katze

Ob­zwar sie jeg­li­che Vö­gel un­ter Ein­satz von Feu­er­waf­fen vom Him­mel ho­len, schei­nen die In­su­la­ner ih­re Kat­zen zu lie­ben: An zahl­rei­chen Or­ten fan­den wir »Cat Ca­fés« vor, am­bu­lan­te Füt­te­rungs­sta­tio­nen für schnur­ren­de Vier­bei­ner, de­rer auch vie­le dort her­um­lun­gern. Kein Wun­der, ko­sten­lo­ses Es­sen wird im­mer gern ge­nom­men. Wo­mög­lich se­hen sich die Leu­te in ei­ner ge­wis­sens­be­ding­ten Bring­schuld, denn im­mer­hin las­sen sie ih­ren Vier­bei­nern ja kaum noch flie­gen­de Beu­te zum Sel­ber­ja­gen üb­rig!

Von den vier­bei­ni­gen Mie­zen ist der Bo­gen zu den zwei­bei­ni­gen sol­chen ele­gant zu schla­gen: Da an den Strand­pro­me­na­den rund um die Uhr fla­niert und in den na­hen Bars und Clubs ge­fei­ert wird, müs­sen sich die be­geh­rens­wer­ten Frau­en (und sol­che, die es wer­den wol­len), schon ein Stück­chen grö­ßer ma­chen, um aus dem Heer ih­rer Ge­schlechts­ge­nos­si­nen im Wort­sin­ne her­aus­zu­ra­gen. Die da­zu er­for­der­li­chen Vor­rich­tun­gen gibt es al­ler­or­ten in rei­cher Aus­wahl und in al­len Preis­la­gen zu kau­fen:

High Heels ohne Ende in einem Schuladen

Ja, da kann man(n) nur stau­nen. Und das tat der Be­richt­erstat­ter denn auch oft und aus­gie­big, oh­ne das hier im De­tail er­läu­tern zu wol­len. Je­den­falls bleibt fest­zu­hal­ten, daß die Ab­satz­hö­hen auf Mal­ta eu­ro­päi­sche Höchst­stän­de er­rei­chen. Frau­en zwi­schen 15 und 55 mit Trek­king-San­da­len an den Fü­ßen sind oh­ne je­de Not­wen­dig­keit zur wei­te­ren Be­weis­erhe­bung so­fort als deut­sche Tou­ri­stin­nen zu iden­ti­fi­zie­ren. Wo­bei sich nicht we­ni­ge von de­nen in den in­su­la­ren Schuh­ge­schäf­ten mit ho­hen Hacken ein­zu­decken schei­nen...

Wen­den wir zum Schluß der heu­ti­gen Fol­ge den Blick wie­der vom Bo­den ab und hoch hin­aus, um uns an ei­nem gra­fi­schen Spiel von Licht und Schat­ten zu er­freu­en. Auch so­was kann ja elek­tri­sie­rend wir­ken:

Hausfassade mit externer Stromleitungsführung

Ab­satz­ge­klacker hin, Ka­me­rage­klicke her: Die Viel­falt der Sin­nes­ein­drücke auf Mal­ta ist enorm, wes­we­gen ich ei­ne Ex­pe­di­ti­on dort­hin mei­nen Le­se­rin­nen und Le­sern nur wärm­stens emp­feh­len kann. In ei­ner wei­te­ren und letz­ten Fol­ge las­se ich es zum Ab­schluß mei­ner Rei­se-Re­pri­se dem­nächst noch ein­mal rich­tig kra­chen!

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Sonntag, 17. Juni 2012

Die Ver­kehrs­in­sel (6)

Im Mit­tel­punkt der heu­ti­gen Fol­ge der zo­ne­batt­ler­schen Rei­se­be­richt­erstat­tung steht der Mensch als sol­cher, und zwar so­wohl in sei­ner Aus­prä­gung als sta­tio­när wal­ten­der Ein­hei­mi­scher wie auch in sei­ner phä­no­ty­pi­schen Er­schei­nung als Frem­der und Tou­rist. Al­len Zwei­bei­nern ge­mein ist ein la­ten­ter Hang zur trot­zi­gen Un­ver­nunft im Ver­hal­ten, wel­cher wie­der­um bei Rei­sen­den – ver­mut­lich we­gen der feh­len­den So­zi­al­kon­trol­le des hei­mi­schen Ha­bi­tats so­wie der Nicht-All­täg­lich­keit der tem­po­rä­ren Le­bens­füh­rung – deut­lich stär­ker aus­ge­prägt ist.

Als il­lu­strie­ren­des Bei­spiel mö­ge die ex­zes­si­ve Son­nen­licht-Ex­po­si­ti­on der ei­ge­nen Schwar­te die­nen, die ja nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen nicht nur zur Be­wun­de­rung durch Art­ge­nos­sen, son­dern auch zum (durch­aus we­ni­ger an­ge­neh­men) Haut­krebs füh­ren kann. Da die mög­li­chen ge­sund­heit­li­chen Nach­tei­le des Son­nen­ba­dens seit lan­gem be­kannt sind, be­mü­hen sich die Men­schen in ih­rem hei­mi­schen Um­feld ge­mein­hin um »scho­nen­des« Gril­len:

Beim Sonnenbad: schlafende Frau und wacher Hund

Tou­ri­sten hin­ge­gen las­sen nicht sel­ten al­le Ra­tio in der Hei­mat zu­rück. Na­ment­lich die bri­ti­schen Pau­schal-Rei­sen­den nei­gen da­zu, am er­sten Tag ih­res Ur­laubs­auf­ent­halts kä­se­weiß bis krei­de­bleich zum Früh­stücks­buf­ett zu er­schei­nen, am zwei­ten Mor­gen je­doch be­reits in leuch­ten­dem Feu­er­rot nach Art frisch ge­koch­ter Hum­mer. Mög­li­cher­wei­se sind sie der Auf­fas­sung, daß Ver­bren­nun­gen zwei­ten Gra­des ein ge­rin­ger Preis für die ver­lockend er­schei­nen­de Aus­sicht sind, in ih­ren zwei Wo­chen auf der klei­nen In­sel mehr Son­ne »tan­ken« zu kön­nen als den Rest des Jah­res über da­heim auf dem gro­ßen Ei­land mit sei­ner sprich­wört­lich ne­bu­lö­sen Wit­te­rung...

Schwie­ri­ger noch als das Ein­hal­ten ei­ner to­la­ra­blen Be­strah­lungs­do­sis ist das Fin­den ei­ner kom­mu­ni­ka­ti­ven Ba­sis mit dem mit­rei­sen­den Part­ner. Nicht we­ni­ge Paa­re se­hen sich im lang er­sehn­ten Ur­laub mit der un­ver­hofft auf­tre­ten­den Si­tua­ti­on kon­fron­tiert, mehr als die werk­täg­lich üb­li­chen paar Mi­nu­ten mit­ein­an­der re­den zu kön­nen (oder gar zu müs­sen). Kein Wun­der, das ei­nem da mit­un­ter die Wor­te feh­len:

distanziertes Paar in der Bucht von Xlendi (Gozo)

Na, im­mer­hin ist das Hand­tuch zwi­schen den bei­den hier im Bild noch nicht zer­ris­sen. Fei­ner her­aus sind da je­ne, die Mal­ta oh­ne­hin nur an­steu­ern, um non-stop Par­ty zu fei­ern. Wer sol­ches tut, braucht sich im don­nern­den Ge­stamp­fe mehr oder we­ni­ger mu­si­ka­li­scher Rhyth­men oh­ne­hin nicht ver­bal zu äu­ßern, es ver­stün­de ihn eh kei­ner. Die zur hel­len Ta­ges­zeit da­von sicht­ba­ren Spu­ren im für der­lei Ex­zes­se zu­stän­di­gen Ort St. Julian’s ha­ben dem Be­richt­erstat­ter schon von fer­ne ge­zeigt, daß das sei­ne Welt nicht ist, wes­halb er sich da­zu auch nicht wei­ter aus­las­sen kann und mag.

Doch sche­ren wir uns nicht wei­ter um die zwi­schen­mensch­li­chen Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen ei­nes mit ho­hem Er­war­tungs­druck an­ge­tre­te­nen Er­ho­lungs­ur­laubs (!), wen­den wir uns viel­mehr wie­der der Be­trach­tung der mal­te­si­schen Be­völ­ke­rung zu. Hier be­trach­tet ih­rer­seits ei­ne männ­li­che Aus­wahl der­sel­ben die po­li­zei­amt­li­chen Kon­se­quen­zen ei­nes klei­ne­ren Ver­kehrs­un­falls mit min­de­ren Blech­schä­den:

Drei müßiggängerische Kibitze

Tja, den ge­mei­nen Mal­te­ken bringt so schnell nichts aus der Ru­he. Ist ja auch kein Wun­der bei der be­weg­ten Ge­schich­te: Wer so vie­le Be­sat­zer, Er­obe­rer, Re­gen­ten und Ver­wal­ter hat kom­men (und wie­der ge­hen) se­hen, der regt sich über Ba­ga­tel­len nicht mehr auf, son­dern freut sich al­len­falls über die klei­ne Ab­wechs­lung im an­son­sten un­spek­ta­ku­lä­ren Ta­ges­lauf.

Mög­li­cher­wei­se wirkt auch das Fi­schen und An­geln – ein auf In­seln aus na­he­lie­gen­den Grün­den weit­ver­brei­te­ter Zeit­ver­treib – be­ru­hi­gend auf das Ge­müt. Je­den­falls ge­ben die ru­ten­schwin­gen­den Män­ner rund um die Ha­fen­pro­me­na­den nicht nur pit­to­res­ke Gen­re-Mo­ti­ve, son­dern auch ein Bild der Ru­he ab:

Angler beim Angeln mit Angel

Wo­bei das mit der Ru­he so ei­ne Sa­che ist: Wie wir ja schon ge­hört ha­ben, han­tie­ren die männ­li­chen Mal­te­ken nicht nur mit der An­gel­ru­te her­um, son­dern auch ger­ne mit dem Schieß­ge­wehr, was der me­di­ta­ti­ven Kon­tem­pla­ti­on der Schüt­zen wo­mög­lich den Hö­he­punkt be­schert, dem arg­lo­sen Wan­de­rer in­des ei­nen jä­hen Schrecken.

Al­ler ka­tho­li­schen Fröm­mig­keit zum Trotz hat der Jagd­trieb der Mal­te­ken, der ab­so­lut nix mit tra­di­ti­ons­be­wuß­ter Wehr­haf­tig­keit zu tun hat (die Sing­vö­gel grei­fen die In­sel ja nicht an und feind­li­che Jagd­bom­ber wie­der­um wä­ren mit Blei­schrot schwer­lich zu be­ein­drucken), sei­nen Nie­der­schlag in der kol­lek­ti­ven Iko­no­gra­phie ge­fun­den. Hier sieht man ein­deu­tig, wo­her der Wind weht:

Wetterhahn bzw. Windfahne in Form eines Ballermanns

Ei­ne Fas­zi­na­ti­on für das Schie­ßen, ins­be­son­de­re mit weit grö­ße­ren Ka­li­bern, ist auch den bri­ti­schen Be­su­chern zu ei­gen (den männ­li­chen, ver­steht sich). Ger­ne be­su­chen sie da­her in Mann­schafts­stär­ke die Re­lik­te der krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in, auf und um Mal­ta. Der Chro­nist hat ei­nem fan­ta­sie­be­gab­ten Hob­by-Hi­sto­ri­ker die fi­xe Idee aus­re­den müs­sen, wo­nach es sich bei di­ver­sen auf­ge­ge­ben Ba­de­becken am Fel­sen­strand um Ge­schütz­stel­lun­gen (»gun em­pla­ce­ments«) aus dem zwei­ten Welt­krieg ge­han­delt ha­be. Die Ex­zen­tri­zi­tät der Eng­län­der mag auch beim Mi­li­tär die ei­ne oder an­de­re Ent­spre­chung ge­fun­den ha­ben, aber auch die Ka­no­nie­re Ih­rer Ma­je­stät schos­sen und schie­ßen ger­ne mit trocke­nen Fü­ßen und un­be­hel­ligt von Eb­be und Flut!

Ein im­mer­hin nett an­zu­schau­en­des Re­likt des mi­li­tä­ri­schen Er­bes aus der Ko­lo­ni­al­zeit ist die Wa­che vor dem Groß­mei­ster­pa­last in Val­let­ta. Schnei­di­ge Kerls in fe­schen Uni­for­men knal­len mit ih­ren ei­sen­be­schla­ge­nen Tre­tern auf den Bo­den, fuch­teln ri­tua­li­siert mit ih­ren sei­ten­ge­wehr­be­stück­ten Ka­ra­bi­nern her­um und wer­den an­schlie­ßend in ih­ren win­zi­gen Schil­d­er­häus­chen von den Tou­ri­sten – zo­ne­batt­ler in­klu­si­ve – als Ku­rio­si­tät ab­ge­lich­tet:

Wachhabender beim Wachen im Wachhäuschen

Mei­ner ei­ner hat mit Männ­lich­keits­ri­tua­len und Im­po­nier­ge­ha­be we­nig am Hut, aber ich bin ja auch nur ein ol­ler zo­ne­batt­ler und kein gan­zer Kerl.

Doch auch die Ker­le wa­ren mal Kin­der, und de­nen wol­len wir uns heu­te ab­schlie­ßend zu­wen­den. Auf den er­sten Blick schau­en die Jungs und Mä­dels auf Mal­ta ge­nau­so aus wie der früh­rei­fe Nach­wuchs al­ler­or­ten, man trifft sich drau­ßen, fin­det sich und sei­ne Freun­de cool und die an­de­ren doof (und vice ver­sa).

Knaben unter sich

Ein be­mer­kens­wer­ter Un­ter­schied zur hei­mi­schen Ju­gend ist uns al­ler­dings auf­ge­fal­len: Die Er­zie­hung zum so­zia­len We­sen scheint auf Mal­ta noch be­stens zu funk­tio­nie­ren! Jun­ge Leu­te ste­hen, ja sprin­gen un­auf­ge­for­dert in den rap­pel­vol­len Bus­sen auf, wenn äl­te­re Men­schen zu­stei­gen und ei­nen Sitz­platz ge­brau­chen könn­ten. Steht man als Aus­wär­ti­ger rat­los mit Land­kar­te oder Stadt­plan in der Hand am We­ges­rand her­um, kriegt man von alt und jung so­gleich Ori­en­tie­rungs­hil­fe an­ge­bo­ten. Ob das nun mit der star­ken Ver­wur­ze­lung im Chri­sten­tum rö­mi­scher Prä­gung zu tun hat, sei da­hin­ge­stellt. In je­dem Fall sind Höf­lich­keit und ge­gen­sei­ti­ge Rück­sicht­nah­me es­sen­ti­el­le so­zia­le Schmier­stof­fe in dicht­be­völ­ker­ten Le­bens­räu­men, und daß der­lei Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten an­dern­orts kei­ne mehr sind, ist mehr als nur scha­de.

Ins nä­he­re Ge­spräch sind wir mit Ju­gend­li­chen nicht ge­kom­men, was hät­ten wir ih­nen auch er­zäh­len kön­nen? Es war aber of­fen­sicht­lich, daß es ih­nen trotz der pe­ri­phe­ren In­sel­la­ge an nichts fehlt, was ih­re Al­ters­ge­nos­sen auf dem Fest­land für selbst­ver­ständ­lich hal­ten. Auch das In­ter­net wird sei­nen Teil da­zu bei­tra­gen, daß Iso­la­ti­ons­ge­füh­le gar nicht erst auf­kom­men. Zu kau­fen gibt es heut­zu­ta­ge so­wie­so al­les über­all. Üb­ri­gens muß man­cher­lei Spiel­zeug, wel­ches im Für­ther Um­land er­dacht wor­den ist, noch nicht ein­mal im­por­tiert wer­den: Sämt­li­che Play­mo­bil-Fi­gu­ren et­wa er­blicken schon lan­ge nicht mehr in Zirn­dorf das Licht der Welt, son­dern mit­ten in Mal­ta! Das gilt auch für die in der Für­ther Fuß­gän­ger­zo­ne ver­kauf­ten Ex­em­pla­re, wie de­ren Schach­tel­auf­drucke be­wei­sen...

noch eine Rotte junger Freunde

Das Zeit­fen­ster für die spie­le­ri­sche Be­schäf­ti­gung mit Pla­stik-Männ­chen scheint in­des im­mer kür­zer zu wer­den: Kaum muß man nicht mehr be­fürch­ten, daß das Klein­kind die Din­ger ver­schluckt, da ist es auch schon fast in der Pu­ber­tät an­ge­langt und be­ginnt sich für rich­ti­ge Männ­chen (oder Weib­chen) zu in­ter­es­sie­ren. Das ist auf Mal­ta nicht an­ders als in Deutsch­land und den an­de­ren west­li­chen Län­dern.

Wir sind nun auch an­ge­langt, und zwar am En­de der heu­ti­gen Fol­ge. Dem­nächst gibt es ei­ne wei­te­re mit neu­en fo­to­gra­fi­schen Im­pres­sio­nen aus dem klei­nen In­sel­staat zwi­schen Eu­ro­pa und Afri­ka.

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Sonntag, 10. Juni 2012

Die Ver­kehrs­in­sel (5)

An­sichts­kar­ten­wür­di­ge Auf­nah­men an der Kitsch­gren­ze ent­lang ha­be ich in der vor­her­ge­hen­den Fol­ge für dies­mal ver­spro­chen, und so ha­be ich mich hin­ge­setzt und ei­ne Aus­wahl Fo­tos her­aus­ge­sucht, in de­nen das Blau am blau­esten ist! Frü­her hat­te man für so­was ei­nen für sei­ne sat­ten Far­ben be­kann­ten Fu­ji Vel­via Di­al­film mit 50 ASA in der Ka­me­ra, im di­gi­ta­len Hier und Jetzt greift mei­ner ei­ner gern auf die I2E-Op­ti­mie­rung von Fix­Fo­to zu­rück, um die drau­ßen im pral­len Le­ben vor­han­de­ne Farb­in­ten­si­tät noch ein we­nig zu be­to­nen. Fan­gen wir mal an mit ei­nem Blick über die Klip­pen auf das ma­re nostrum hin­aus:

Des zonebattler's bessere Hälfte beim Blick über das weite Meer

Ja, da kann man schon den Blues krie­gen. Nicht min­der satt ist üb­ri­gens das Grün der üp­pi­gen Ve­ge­ta­ti­on, was den Früh­ling ganz klar zur be­sten Be­suchs­zeit macht: Im Som­mer ist es auf Mal­ta viel zu heiß, um sich auf aus­ge­dehn­te Wan­de­run­gen zu be­ge­ben; im Herbst wer­den die Tem­pe­ra­tu­ren zwar wie­der er­träglli­cher, aber dann ist von der fri­schen Flo­ra des Früh­lings nichts mehr zu se­hen und die Land­schaft ist so trocken und so gelb­grau wie die stei­ner­nen Städ­te.

Und weil wir da­mit schon wie­der den Bo­gen zu­rück in die Stadt ge­schla­gen ha­ben, schau­en wir uns bei be­stem Wan­der­wet­ter ei­nen Aus­schnitt aus den rund um Val­let­ta all­ge­gen­wär­ti­gen Fe­stungs­an­la­gen an:

Festungsmauer bei Valletta

Ku­rio­ser­wei­se ha­ben uns die Fe­stun­gen und Ba­stio­nen im­mer wie­der an die gleich­falls von ita­lie­ni­schen Bau­mei­stern er­rich­te­te Stadt­mau­er von Forch­heim (Ober­fr) er­in­nert, im deut­lich grö­ße­ren Maß­stab, ver­steht sich. Aber das Prin­zip der Ver­tei­di­gungs­wäl­le mit stern­för­mig ge­zack­ten Vor­sprün­gen, Rück­sprün­gen, Wach­türm­chen etc. ist hier wie da das glei­che. Der im­mense Auf­wand, der hier in frü­he­ren Epo­chen be­trie­ben wur­de, legt ein be­red­tes Zeug­nis ab von der stra­te­gi­schen Wich­tig­keit Mal­tas über Jahr­hun­der­te hin­weg.

Doch ver­las­sen wir die trut­zi­gen Re­lik­te krie­ge­ri­scher Zei­ten und wen­den wir uns wie­der der fried­li­chen Ge­gen­wart zu. Im im­mer noch recht idyl­li­schen Fi­scher­ort Mar­saxl­okk (das »x« wird zi­schend wie »sch« aus­ge­spro­chen) sind die bun­ten Boo­te der Fi­scher am frü­hen Nach­mit­tag schon längst wie­der ein­ge­lau­fen und im Ha­fen ver­täut:

Der Hafen von Marsaxlokk

Der dem Ver­zehr von Mee­res­früch­ten ge­mein­hin nicht zu­ge­neig­te Chro­nist hat sich den lo­ka­len Ge­ge­ben­hei­ten an­ge­paßt und di­rekt an der Mo­le in ei­nem der zahl­rei­chen Re­stau­rants ei­nen Fisch­tel­ler ver­speist (oh­ne den Tel­ler na­tür­lich) und fand die drei ver­schie­de­nen Fi­lets tat­säch­lich gar nicht mal so übel. Den Ver­zehr ten­ta­kel­be­haf­te­ter Kopf­füß­ler in­des lehnt er wei­ter­hin strin­gent ab, da­für mag er die in­tel­li­gen­ten und ver­spiel­ten Kra­ken und Tin­ten­fi­sche viel zu sehr lei­den. Freun­de ißt man nicht.

Zwei Ta­ge spä­ter ka­men wir er­neut nach Mar­saxl­okk, wel­ches dies­mal den End­punkt ei­ner in Mar­saska­la be­gin­nen­den Wan­de­rung dar­stell­te. Un­ter­wegs ka­men wir an gran­dio­sen Klip­pen vor­bei, die den be­kann­ten Krei­de­fel­sen auf Rü­gen nicht ganz un­ähn­lich se­hen:

Klippen bei Marsaskala am Ostzipfel Maltas

Klei­ner Ein­schub: Im Ver­gleich zu un­se­rem letz­ten In­sel-Ur­laub auf La Pal­ma wa­ren die Wan­de­run­gen auf Mal­ta ins­ge­samt we­ni­ger schlau­chend (schon auf­grund der deut­lich ge­rin­ge­ren Hö­hen­un­ter­schie­de und der Ab­we­sen­heit von un­ter dem Fuß weg­rut­schen­der Vul­kan­asche), we­ni­ger zi­vi­li­sa­ti­ons­fern und da­mit un­ter dem Strich ab­wechs­lungs­rei­cher. So ver­wun­dert es we­nig, daß ich aus 2,5 Wo­chen auf Mal­ta dop­pelt so­vie­le Fo­tos heim­ge­bracht ha­be als von drei Wo­chen auf La Pal­ma...

In Mar­saxl­okk an­ge­kom­men, zeig­te sich der Him­mel dies­mal nicht mehr so die­sig wie am Vor­vor­ta­ge, als das wei­ter oben ge­zeig­te Fo­to vom Boots­ge­wim­mel im Ha­fen­becken ent­stan­den war. Dies­mal war das sat­te Blau des Him­mels kaum noch zu stei­gern, und so er­gab sich end­lich die Ge­le­gen­heit, das ty­pi­sche Rei­se­füh­rer­mo­tiv schlecht­hin ein­zu­fan­gen und fest­zu­hal­ten:

traditionelles Fischerboot mit dem Horusauge

Ja, so ein pop­pi­ges Luz­zu macht schon was her, erst recht, wenn sein be­schüt­zen­des Ho­ru­s­au­ge so sorg­fäl­tig be­malt ist wie an dem ge­zeig­ten Ex­em­plar! Ein­mal mehr war der zo­ne­batt­ler froh, sich für Per­spek­ti­ven wie die­se dank des Schwenk­dis­plays sei­ner Ka­me­ra nicht zu aben­teu­er­li­chen akro­ba­ti­schen Ver­ren­kun­gen her­ab­las­sen zu müs­sen...

Kaum we­ni­ger pit­to­resk als die bun­ten Boo­te sind die elek­tri­schen In­stal­la­tio­nen auf Mal­ta, de­ren ober­ir­di­sche Lei­tungs­füh­rung eher prag­ma­ti­schen Er­wä­gun­gen zu fol­gen scheint als den deut­schen Si­cher­heits­vor­schrif­ten und den an­er­kann­ten Re­geln der Tech­nik: Wo ein­mal ein Ka­bel ge­spannt wor­den ist, kommt hier noch eins da­zu und da noch eins dran, und ob das al­les so wit­te­rungs­fest und auf Dau­er un­ge­fähr­lich ist wie es sein soll­te und müß­te, ist doch mehr als frag­lich. Egal, des Fo­to­gra­fen Au­ge er­freut das Spiel von Licht und Schat­ten je­den­falls:

Stromleitungen und Anzapfungen an einer Hausecke

Bei sol­chen und ähn­li­chen An­blicken (die Ab­was­ser­rohr­füh­run­gen an den Au­ßen­wän­den mu­ten mit­un­ter ähn­lich aben­teu­er­lich an) fra­ge ich mich zu­wei­len, ob die Süd­län­der nun zu lax oder wir Nord­län­der nur zu pe­ni­bel sind in der Be­ur­tei­lung und Hand­ha­bung in­fra­struk­tu­rel­ler An­ge­le­gen­hei­ten. Viel mehr Un­fäl­le als bei uns scheint es an­dern­orts ja auch nicht zu ge­ben, was durch­aus ge­gen ei­ne über­mä­ßi­ge Re­gle­men­tie­rung sprä­che. An­de­rer­seits muß das aus­häu­sig an­ge­brach­te Ma­te­ri­al in un­se­ren Brei­ten ge­mein­hin mehr aus­hal­ten, schließ­lich sind die Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen übers Jahr ge­se­hen grö­ßer. Wie dem auch sei, von Strom­un­fäl­len oder plötz­li­chen Was­ser­ein­brü­chen sind wir wäh­rend un­se­res Ur­laubs ver­schont ge­blie­ben...

So, nach­dem ich heu­te den blau­en Farb­topf auf­ge­macht ha­be, darf ein Schön­wet­ter­blick auf den Ha­fen von Val­let­ta von der Fe­stung ge­gen­über na­tür­lich nicht feh­len:

Wachturm am Grand Harbour von Valletta

Er­staun­lich üb­ri­gens, das man selbst an viel­ge­knip­sten und sehr be­lieb­ten Tou­ri­sten-High­lights wie die­sem Wach­türm­chen sel­ten ein Pro­blem da­mit hat, »men­schen­lee­re« An­sich­ten ab­zu­lich­ten: Die Men­ge ver­läuft sich (wohl auch in des Wor­tes mehr­fa­cher Be­deu­tung) in den Stra­ßen und Gas­sen, man fin­det we­ni­ge Schrit­te ab­seits der Zen­tren schnell in ru­hi­ge und be­schau­li­che Ecken...

Ein ab­schlie­ßen­der Sprung quer über die In­sel in den Nord­we­sten führt uns zu ei­nem präch­tig re­stau­rier­ten al­ten Pa­last, den ich hier gleich­falls vor des Him­mels tief­ster Bläue prä­sen­tie­ren möch­te:

Selmun Palace unweit der Stadt Mellieha

Dank ge­schick­ter Stand­ort­wahl des Fo­to­gra­fen ver­deckt der al­te Klotz in der Nä­he der Stadt Mel­lieħa das weit we­ni­ger schö­ne Lu­xus­ho­tel da­hin­ter, mit des­sen Lu­xus es aus­weis­lich di­ver­ser Be­wer­tungs­po­ra­le aber auch nicht mehr weit her sein soll. Nicht im­mer hal­ten die Zu­stän­de im In­ne­ren, was die Fas­sa­den ver­spre­chen, aber das ist ja nicht nur auf Mal­ta so.

Auch des zonebattler’s Ein­las­sun­gen ent­spre­chen nicht im­mer den selbst­auf­er­leg­ten Stan­dards, das krampf­haf­te Ent­lang­han­geln an der Far­be von Him­mel und Was­ser war ver­mut­lich nicht der Weis­heit letz­ter Schluß für ei­nen ei­ni­ger­ma­ßen le­ser­li­chen Rei­se­be­richt, aber ich trö­ste mich mit dem Ge­dan­ken, daß die mei­sten mei­ner ge­schätz­ten Le­se­rIn­nen oh­ne­hin lie­ber bun­te Bild­chen an­schau­en als el­len­lan­ge Tex­te am Bild­schirm stu­die­ren. Den­noch will ich na­tür­lich auch die wirk­lich Wiß­be­gie­ri­gen nicht ver­prel­len und ver­spre­che hier­mit leicht­hin, mich in der näch­sten Fol­ge wie­der et­was zu­sam­men­zu­rei­ßen und ge­halt­vol­le­re Sen­ten­zen ab­zu­son­dern.

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