Zum Inhalt springen


zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Knopf­spie­le­rei­en Ab­ge­schminkt »

Die Über­ra­schungs­in­sel (2)

An­fangs zog es uns gar nicht groß von dan­nen, zu in­ter­es­sant war es ja schon vor der ei­ge­nen Tür: Die er­sten Ur­laubs­ta­ge ver­brach­ten wir tat­säch­lich in und um Port de Sól­ler her­um und wa­ren da­bei nur zu Fuß un­ter­wegs. Ein schö­nes Wan­der­ziel gab der be­reits im er­sten Teil er­wähn­te Wehr- und Wach­turm Tor­re Pi­ca­da ab, der sich trut­zig über Bucht und Ha­fen er­hebt. Lei­der ist er eben­so stra­te­gisch gut pla­ziert wie mitt­ler­wei­le in Pri­vat­be­sitz und da­her fest ver­schlos­sen, der Be­su­cher kann al­so nur sehn­suchts­voll an sei­nen dicken Mau­ern em­por­blicken und muß auf die oben zwei­fels­frei vor­han­de­ne, fan­ta­sti­sche Rund­um­sicht lei­der ver­zich­ten...

Die Torre Picada von unten betrachtet

Na gut, un­ver­stell­ten Fern­blick auf das Meer wird man wohl an­ders­wo schon noch öf­ters ge­bo­ten krie­gen, dach­ten wir uns und wand­ten den Blich da­her wie­der zu Bo­den. Und sie­he da, auch im dich­ten Ge­strüpp gibt es Loh­nen­des zu se­hen. Zum Ex­em­pel die­se mal­lor­qui­ni­sche Zie­ge mit ih­ren merk­wür­di­gen, äh, zit­zen­ar­ti­gen »Schnie­pfeln« am Hal­se, de­ren evo­lu­tio­nä­ren Sinn und Zweck nä­her aus­zu­füh­ren ich zu­stän­di­ger­hal­ber den even­tu­ell hier mit­le­sen­den Bio­lo­gen über­las­se:

mallorquinische Ziege in freier Wildbahn

Ob die in der lieb­li­chen Land­schaft her­um­strol­chen­den Zie­gen samt Fa­mi­lie nun wil­de Ex­em­pla­re oder do­me­sti­zier­te sol­che wa­ren, ist schwer zu sa­gen. Je­den­falls be­weg­ten sie sich un­ge­rührt und fröh­lich – vor­ne kau­end, hin­ten kackend – über die In­sel, des Men­schen Nä­he nicht un­be­dingt su­chend, aber auch nicht wirk­lich ver­mei­dend.

Wei­te­res fell­tra­gen­des Ge­tier wer­den wir spä­ter noch zu se­hen krie­gen. Einst­wei­len tap­pen wir mal den Berg hin­un­ter und se­hen uns ei­ne ty­pi­sche klei­ne Bucht an der west­li­chen Kü­ste Mal­lor­cas an. Wie man sieht, tum­meln sich dort man­gels brei­ter Sand­strän­de kei­ne Tou­ri­sten­mas­sen, son­dern al­len­falls ein paar ein­zel­ne Wan­de­rer:

Bucht bei Llucalcari

Kennt man ei­ne, kennt man al­le: Ein paar blech­be­dach­te Hüt­ten hier, ein be­fe­stig­ter Slip­way ins Was­ser da, di­ver­se Fi­scher­boo­te in ver­schie­de­nen Sta­di­en des Ver­falls da­ne­ben, so schau­en die mei­sten der klei­nen, land­schaft­lich herr­lich ge­le­ge­nen Mee­res­zu­gän­ge aus. Mit­un­ter rä­keln sich dort auch hei­mi­sche Meer­jung­frau­en:

junge Frauen bei maritimen Zeitvertreib

Der Be­richt­erstat­ter ge­steht frei­mü­tig, den Ent­ste­hungs­ort sei­ner geo­getagg­ten Fo­tos von Bucht nebst Ni­xen so­eben noch­mals per Goog­le Earth »an­ge­flo­gen« zu ha­ben, um die ge­zeig­te Bucht bei Llu­cal­ca­ri (ei­nem Orts­teil von De­ià) kor­rekt ver­or­ten und be­nen­nen zu kön­nen: Im Nach­hin­ein ver­men­gen sich die ähn­li­chen Lo­ka­li­tä­ten in des zonebattler’s Syn­ap­sen­ge­spinst oh­ne­hin zu ei­nem ein­zi­gen, ide­al­ty­pi­schen Ort des sanft-sal­zi­gen Säu­selns...

Sprin­gen wir nun aber wie­der zu­rück in den »Hei­mat­ha­fen« Port de Sól­ler, an des­sen Ge­sta­den eher die deut­lich jün­ge­ren (oder er­heb­lich äl­te­ren) Mä­dels an­zu­tref­fen sind, er­ste­re mit noch spür­ba­rer Lust an be­we­gungs­rei­chem Sport & Spiel:

Kinder beim Sprung von der Promenadenmauer auf den Strand

Des Au­tors Abend­sport be­stand im We­sent­li­chen dar­in, zum Ein­fan­gen sol­cher Sze­nen sei­ne Ka­me­ra in Rich­tung Mo­tiv zu hal­ten und ab­zu­drücken. Dies al­ler­dings oh­ne schlech­tes Ge­wis­sen, denn sein Ta­ges­pen­sum an ka­lo­ri­en­ver­zeh­ren­der Be­we­gung hat­te er in Form aus­ge­dehn­ter Ta­ges­wan­de­run­gen dann ja meist schon er­bracht. Und als Stadt­be­woh­ner kann er sich in den Fe­ri­en eh nix Net­te­res vor­stel­len, als abends trä­ge auf ei­ner Bank an der Ufer­pro­me­na­de dem Son­nen­un­ter­gang ent­ge­gen­zu­dö­sen (und al­len­falls hier und da mal den Ver­schluß sei­ner Knip­se aus­zu­lö­sen)...

Für sei­ne nach bun­ten Bil­dern lech­zen­de Le­ser­schaft rafft sich der zo­ne­batt­ler aber noch­mals auf und schlen­dert in den Ha­fen rü­ber, wo man nach far­ben­fro­hen Gen­re-Mo­ti­ven nie lan­ge su­chen muß:

Fischernetz samt Zubehör in Port de Sóller

Ein, zwei mitt­lel­gro­ße Fisch­traw­ler schei­nen in Port de Sól­ler sta­tio­niert zu sein, das Gros der an der Mo­le an­ge­bun­de­nen klei­ne­ren Schiff­chen dient heut­zu­ta­ge wohl über­wie­gend Frei­zeit­zwecken oder al­len­falls der Ver­sor­gung der ei­ge­nen Fa­mi­lie mit fri­schen Fi­schen, Krab­ben oder an­de­ren ver­zehr­ba­ren Was­ser­be­woh­nern. Sei­te an Sei­te düm­peln sie da im Abend­licht fried­lich dem näch­sten Tag ent­ge­gen:

Abendstimmung im Hafen

Schaut man ge­nau­er hin, so fällt ei­nem auf, daß recht vie­le Boo­te – ins­be­son­de­re die rei­nen Hob­by­käh­ne – kaum mehr be­nutzt und ge­pflegt zu wer­den schei­nen. Ein Au­to kann man in die Ga­ra­ge stel­len; ein Boot am Lan­dungs­steg mag noch so schön und teu­er ge­we­sen sein, Son­ne, Salz und Feuch­tig­keit be­för­dern un­er­bitt­lich die schnell vor­an­schrei­ten­de Kor­ro­si­on. Wer sei­ne Jol­le nicht be­stän­dig pflegt oder in­stand­hal­ten läßt, dem gam­melt sie schnel­ler un­ter dem Hin­tern weg, als ei­nem lieb sein kann. Die lau­fen­den Un­ter­hal­tungs­ko­sten schei­nen längst nicht al­le be­dacht zu ha­ben, die sich »mal eben« ein kost­spie­li­ges Sta­tus­sym­bol ins Was­ser ge­setzt ha­ben...

Schif­fe sind dem wankel(un)mütigen Be­richt­erstat­ter aber oh­ne­hin eher su­spekt, zu­mal die klei­nen sol­chen, bei de­ren Ge­schau­ke­le sein Ver­dau­ungs­trakt ver­drieß­li­cher­wei­se schnell auf Schub­um­kehr schal­ten kann. Da­her wen­det er sich wie­der dem Land­ver­kehr zu, na­ment­lich dem spur­ge­bun­de­nem. Hier schnurrt ei­ner der letz­ten Tram­bahn­zü­ge des Ta­ges bei tief­ste­hen­der Abend­son­ne in Rich­tung Sól­ler da­von:

Straßenbahn an der Uferpromenade von Port de Sóller

Wie­wohl der En­des­un­ter­fer­tig­te im Zi­vil­be­ruf stol­zer Ei­sen­bah­ner ist, so sind ihm doch – im Ge­gen­satz zu sei­nen fer­ro­phi­len Kol­le­gen – Schie­nen­fahr­zeu­ge im Pri­vat­le­ben weit­ge­hend schnup­pe. Aber die­se höl­zer­nen Bim­melbähn­lein [1] – ein Teil des be­tag­ten Fuhr­parks stammt üb­ri­gens von der be­rühm­ten Lis­sa­bon­ner Stra­ßen­bahn – ha­ben doch was Put­zi­ges und rüh­ren sein seit je­her sen­ti­men­ta­les Herz...

Und da­mit ge­nug für heu­te: In der näch­sten Fol­ge ma­chen wir uns auf in die Ber­ge und kom­men da­nach auch ins na­he Städt­chen Sól­ler, wo sich ei­ne je­ner über­ra­schen­den Be­geg­nun­gen zu­trug, die die­ser klei­nen Rei­se-Re­pri­se ih­ren Na­men ge­ge­ben ha­ben. Bis da­hin!

 
[1] Recht ei­gent­lich müß­te es Tu­teb­ähn­lein hei­ßen, denn die Trieb­wa­gen­füh­rer ver­trei­ben le­ben­de Fahrt­hin­der­nis­se nicht mit Glocken- oder Schel­len-Ein­satz, son­dern ver­mit­tels preß­luft­ge­trie­be­ner Hu­pen von tie­fer Ton­la­ge. Was die gol­di­gen Ve­hi­kel noch put­zi­ger macht!

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag

Diskussion

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar-RSS: RSS-Feed für Kommentare nur zu diesem Beitrag

Eigenen Senf dazugeben: