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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Montag, 28. Dezember 2009

Halb­zeit

Ge­stern sprang ich als dy­na­mi­scher End­vier­zi­ger in mein Bett, heu­te bin dem­sel­ben ich als se­mi-sie­cher Se­ni­or ent­krab­belt und könn­te mich su­bi­to bei der Für­ther Volks­hoch­schu­le zum Kurs »Bet­ter-Age­ing mit viel Schwung – Fit ab 50« in­skri­bie­ren, wenn nicht, ja wenn nicht die trai­ning time slots (10:00 – 11:00 Uhr) mit mei­nen re­gu­lä­ren working hours (07:45 – 16:15 Uhr) kol­li­die­ren wür­den. Tja. Wird dann wohl nix wer­den mit dem bet­ter agen und ich muß auch in mei­ner zwei­ten Le­bens­hälf­te not­ge­drun­gen selbst für den Schwung sor­gen...

Montag, 17. November 2008

Rauch­zei­chen

Auch wenn es den zonebatt­ler ei­nen Teil der Ver­wand­schaft und viel­leicht ein Vier­tel sei­nes Freun­des­krei­ses ko­sten wür­de: Kä­me er am ro­ten Knopf vor­bei, der den ta­bak­rau­chen­den Teil der Mensch­heit su­bi­to ver­schwin­den lie­ße, so wür­de er ihn oh­ne lan­ges Nach­den­ken so­fort nie­der­drücken [1] und gleich noch ein zwei­tes und ein drit­tes Mal, um wirk­lich si­cher­zu­ge­hen...

Weit li­be­ra­ler ist da ‑so­zu­sa­gen von Amts we­gen- ein Be­rufs-Li­be­ra­ler aus N., mit dem sei­ne Schul­freun­din Bea­trix C. aus K. neu­lich ei­ne er­hel­len­de Kor­re­spon­denz hat­te. Zum Zwecke der po­li­ti­schen Mei­nungs­bil­dung do­ku­men­tiert er nach­fol­gend den Schrift­wech­sel ‑selbst­ver­ständ­lich mit dem Ein­ver­ständ­nis der Be­tei­lig­ten- in vol­lem Wort­laut [2]. Der op­ti­schen Ab­gren­zung und bes­se­ren Les­bar­keit hal­ber sind die Ein­las­sun­gen des Po­lit­pro­fis in den Far­ben sei­ner Ver­bin­dung hand­ko­lo­riert:

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
Wie sehr ha­be ich mich über die Ein­füh­rung des Rauch­ver­bots ge­freut! End­lich konn­te ich auch ich als Nicht­rau­che­rin ei­nen Abend in der Knei­pe oder Dis­co ver­brin­gen oh­ne die rauch­ge­schwän­ger­te Luft at­men zu müs­sen! End­lich ha­ben die Bröt­chen aus der Bäcke­rei mit Ca­fe nicht mehr schal ge­schmeckt! End­lich konn­te ich oh­ne Rauch­bei­mi­schung es­sen ge­hen!
 
Na­tür­lich stimmt es mich da ziem­lich trau­rig, dass es da­mit jetzt wie­der vor­bei sein soll.
 
Es ist al­so so, dass Men­schen, die süch­tig sind an­de­re be­lä­sti­gen und ge­fähr­den dür­fen. War­um? Wird da­mit so viel Geld ver­dient, Ist der Pro­test der Rau­cher so mas­siv weil sie eben rau­chen müs­sen und das am be­sten über­all oh­ne Ein­schrän­kung und Rück­sicht­nah­me?
 
Scha­de, scha­de, scha­de!
 
Mit em­pör­ten Grü­ßen,
Bea­trix C.

 

Sehr ge­ehr­ter Frau C.,
 
nie­mand wird ge­zwun­gen zu rau­chen. Wäh­len Sie ein­fach Lo­ka­le und Ge­schäf­te in den nicht ge­raucht wird. Im Fall der von Ih­nen an­ge­spro­chen Dis­ko soll­ten Sie um ei­nen Ge­hör­scha­den zu ver­mei­den un­be­dingt auch auf Zim­mer­laut­stär­ke be­stehen.
 
Mit li­be­ra­len Grü­ßen
A. K.
Kreis­vor­sit­zen­der FDP‑N.

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
soll­te mir die Laut­stär­ke in ei­ner Dis­ko­thek zu hoch sein, neh­me ich Oh­ren­stöp­sel und be­hel­li­ge da­mit nie­mand an­de­ren – ent­schei­de ich mich aber dort zu rau­chen zwin­ge ich al­le An­we­sen­den das auch zu tun.
Mer­ken Sie den Un­ter­schied?
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Bea­trix C.

 

Sehr ge­ehr­te Frau C.,
 
Dann neh­men Sie doch zu den Oh­ren­stöp­sel auch noch ei­ne Gas­mas­ke da­zu und ver­zich­ten Sie doch bit­te aus Pro­test auf al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke.
War­um ge­hen Sie ei­gent­lich über­haupt rein?
Zei­gen Sie dem Be­trei­ber doch Ih­re Em­pö­rung über sein An­ge­bot in dem Sie als Kun­de von Ih­rem Recht ge­brauch ma­chen dort nicht hin­zu­ge­hen.
 
Mit li­be­ra­len Grü­ßen
A. K.
Kreis­vor­sit­zen­der FDP‑N.

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
Sie ha­ben na­tür­lich völ­lig recht!
Vie­len Dank für Ih­re über­zeu­gen­den Ar­gu­men­te! Ich wer­de ein­fach zu Hau­se blei­ben nicht rau­chen und mei­nen Mund hal­ten.
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Bea­trix C.

 

Sehr ge­ehr­te Frau C.,
 
Sie wer­den sich nun wun­dern, aber im Grund­satz ge­be ich Ih­nen voll­kom­men Recht, dass wir in un­se­rer zu­neh­mend ge­bil­de­ten Ge­sell­schaft Me­cha­nis­men ein­rich­ten soll­ten, die den ver­schie­den ge­sund­heits­schäd­li­chen Ver­hal­ten und Süch­ten, das sind nicht nur Nikotin‑, Al­ko­hol- und Spiel­sucht, ent­ge­gen wir­ken.
 
Das Kern­pro­blem liegt dar­in, dass es bei al­len die­sen Ver­hal­ten auf die Do­sis an­kommt. Ver­bo­te brin­gen da nichts als Wi­der­stand.
 
In un­se­ren In­nen­städ­ten ha­ben wir we­gen des Fein­stau­bes ja auch kein Fahr­ver­bot son­dern ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Re­ge­lung.
 
Idea­les Bei­spie­le ist das rau­chen. Mein Vor­schlag wä­re hier, dass man in Ga­stro­no­mien ein »Ni­ko­tin-Ba­ro­me­ter« auf­hängt. So­bald ein per Ver­ord­nung fest­ge­leg­ter Grenz­wert er­reicht ist, müs­sen die Kip­pen aus­ge­macht wer­den.
 
Ent­we­der wer­den dann die Rau­cher sich die Qualm­pro­duk­ti­on ein­tei­len oder die Wir­te wer­den für ent­spre­chen­de Be­lüf­tung sor­gen.
 
Krea­ti­vi­tät ist ge­fragt – drauf­hau­en funk­tio­niert heu­te nicht mehr.
 
Im Fern­se­hen sah ich Vor­ge­stern ei­nen Spot – ich bin mir nicht 100 % si­cher, aber ich glau­be ge­se­hen zu ha­ben, dass der von »pro-rauch­frei« war. Auch das ist ein An­satz, der bei ent­spre­chen­der Se­rio­si­tät so­gar von ALLEN Par­tei­en – auch der FDP- un­ter­stützt wür­de.
 
Mit li­be­ra­len Grü­ßen
A. K.
Kreis­vor­sit­zen­der FDP‑N.

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
hät­ten Sie et­was da­ge­gen ein­zu­wen­den, wenn ich un­se­re klei­ne Kor­re­spon­denz an ei­nen blo­gen­den Freund wei­ter­lei­ten wür­de?
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Bea­trix C.

 

Sehr ge­ehr­te Frau C.,
 
ich ha­be Ih­nen den Ko­ali­ti­ons­ver­trag
[3] am Stück an­ge­hängt. Das The­ma »Nicht­rau­cher­schutz« fin­den Sie auf Sei­te 49 Lit. 4.
Das sagt si­cher­lich mehr aus, als Dis­kus­sio­nen um be­reits ge­fal­le­ne Ent­schei­dun­gen.
 
Mit li­be­ra­len Grü­ßen
A. K.
Kreis­vor­sit­zen­der FDP‑N.

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
vie­len Dank für die In­for­ma­ti­on. Aber sie ha­ben doch nichts ge­gen die Wei­ter­lei­tung auch wenn es schon Schnee von ge­stern ist?
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Bea­trix C.

 

Sehr ge­ehr­te Frau C.,
 
kein Pro­blem. Sie kön­nen mei­ne Aus­sa­gen aus un­se­rer Kom­mu­ni­ka­ti­on ins­ge­samt ru­hig wei­ter­lei­ten. Wich­tig ist mir, dass nichts aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen wird.
Sinn­voll wä­re es si­cher­lich, wenn Sie auch die dies­be­züg­lich Ver­ein­ba­rung aus dem Ko­ali­ti­ons­ver­trag mit wei­ter­ge­ben wür­den.
 
Mit li­be­ra­len Grü­ßen
A. K.
Kreis­vor­sit­zen­der FDP‑N.

 

Sehr ge­ehr­ter Herr K.,
 
ich wer­de die Ver­ein­ba­run­gen mit­sen­den. Dan­ke.
 
Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Bea­trix C.

 
Tja, da nen­ne noch ei­ner die FDP ei­ne »Spaß­par­tei«! Zum Spa­ßen ist in­des auch dem zonebatt­ler nicht zu­mu­te: Seit hier in Bay­ern strik­tes Rauch­ver­bot in den Lo­ka­len herrscht, hat er dort mehr Geld ge­las­sen als im Jahr­zehnt zu­vor. Ei­ner Locke­rung der be­stehen­den Be­stim­mun­gen steht er da­her ab­so­lut ab­leh­nend ge­gen­über!

 
[1] was ja ei­gent­lich auch im In­ter­es­se der schnell und spur­los Eli­mi­nier­ten lä­ge, da ich ih­nen da­mit wo­mög­lich spä­te­res Siech­tum er­spar­te...

[2] »vol­ler Wort­laut« = in­klu­si­ve et­wai­ger Recht­schreib- und Gram­ma­tik­feh­ler.

[3] Der er­wähn­te Ko­ali­ti­ons­ver­trag CSU/FDP (2008–2013) als PDF-Do­ku­ment. Die an­ge­führ­te Sei­te Nr. 49 der PDF-Da­tei trägt in der Fuß­zei­le die Nr. 47, da Ti­tel­blatt und In­halts­über­sicht un­num­me­riert sind.

Samstag, 13. September 2008

Le­ben & Tod

Wer da meint, Grund zur Kla­ge zu ha­ben über die de­so­la­ten Zu­stän­de in die­sem un­se­ren Lan­de, mö­ge sich die­sen Bei­trag der ge­schätz­ten Kol­le­gin nacht­schwe­ster zu Ge­mü­te füh­ren und sich dann noch ein­mal be­sin­nen...

Samstag, 14. Juni 2008

Buch­sta­ben­sup­pe

Und noch ein Dan­ke­schön in Rich­tung des Le­xi­ka­li­kers: Oh­ne sei­nen neue­sten Blog-Bei­trag hät­te ich den Rest mei­nes Le­bens be­stimmt nicht von der Exi­stenz des Wor­tes Pa­ras­ka­ve­de­kat­ria­pho­bie er­fah­ren! Das Phä­no­men als sol­ches ist mir na­tür­lich nicht un­be­kannt. Ich hin­ge­gen ha­be den Spieß um­ge­dreht, ge­stern be­wußt al­les auf ei­ne Kar­te ge­setzt und ... ... ... mit un­glaub­li­chem Du­sel ge­won­nen!!!

Sonntag, 8. Juni 2008

Kreis­lauf­wirt­schaft

Ge­stern Mit­tag mar­schier­ten wir zum gro­ßen Voll­sor­ti­men­ter-Su­per­markt ne­ben­an (den wir ob der un­nö­tig aus­ufern­den (Fertig)Produktpalette und sei­ner mar­ken­be­dingt ho­hen Prei­se ge­mein­hin mei­den), um ei­nen gro­ßen Schwung im Wort­sin­ne zu­ge­flo­ge­ner Pfand­fla­schen al­ler Art zu Geld zu ma­chen, die uns vom orts­an­säs­si­gen Pre­ka­ri­at in oder um un­se­ren Schre­ber­gar­ten her­um über den Zaun ge­wor­fen wor­den wa­ren. [1]

Wäh­rend der zonebatt­ler den ei­nen Teil der Be­hält­nis­se in den Pfandau­to­ma­ten schob und an­schlie­ßend den an­de­ren an der Kas­se ab­zu­ge­ben trach­te­te, in­spi­zier­te sei­ne bes­se­re Hälf­te das Le­bens­mit­tel-An­ge­bot und kam mit zwei Tü­ten vol­ler bio­lo­gisch an­ge­bau­ter Kür­bis­ker­ne gleich­falls mit ans Kas­sen-Fließ­band, frei­lich nicht, um die Wa­re zum Zwecke des Ver­zehrs zu er­wer­ben, son­dern viel­mehr um sie we­gen nen­nens­wer­ter Über­schrei­tung des Min­dest­halt­bar­keits­da­tums un­ver­züg­lich aus dem Ver­kehr zie­hen zu las­sen.

Der jun­ge Herr am Ban­de ‑aus­weis­lich sei­nes Na­mens­schil­des wohl ei­ner der In­ha­ber des Eta­blis­se­ments- zeig­te sich er­freut und dank­bar ob der Auf­merk­sam­keit der Kun­din, wähn­te sie dar­ob so­gar als in der glei­chen Bran­che ar­bei­tend. Ein net­tes klei­nes In­ter­mez­zo, über das wir noch auf dem Heim­weg an­ge­regt spra­chen, wäh­rend mir das er­hal­te­ne Pfand­geld aus al­len Ta­schen zu quel­len droh­te.

Am Nach­mit­tag dann, als der Un­ter­zeich­nen­de in sei­ner Ei­gen­schaft als sehr geehrte(r) Steuerpflichtige(r) über sei­ner EkSt-Erkl 2007 brü­te­te (und dar­über nach­sann, ob er den aus dem Fla­schen­pfand re­sul­tie­ren­den Reich­tum in der An­la­ge GSE zu de­kla­rie­ren ver­pflich­tet wä­re), ging sei­ne bes­se­re Hälf­te doch noch­mals kurz nach ne­ben­an zum La­den im Zei­chen des gro­ßen Vo­kals, um für frisch zu backen­de Bro­te ei­ne Packung je­ner Kür­bis­ker­ne zu kau­fen: Ein Ver­gleich mit un­se­rem be­nach­bar­ten Grund­sor­ti­ment-Haus­lie­fe­ran­ten hat­te näm­lich zwi­schen­zeit­lich er­ge­ben, daß die gern ver­ar­bei­te­ten Brot-In­gre­di­en­zi­en beim Mar­ken­ar­tik­ler wi­der Er­war­ten durch­aus gün­stig zu ha­ben wä­ren.

Man ahnt be­reits, was die Hü­te­rin un­se­rer Fut­ter-Vor­rä­te bei Ih­rer Rück­kunft zu be­rich­ten wuß­te: Ge­nau, die bei­den vor­her mo­nier­ten und zu­rück­ge­zo­gen ge­wähn­ten Tü­ten stan­den wie­der vor­ne in der Aus­la­ge! Ir­gend­ein Dum­mer wird’s schon nicht mer­ken und die du­bio­se Wa­re doch noch ge­gen gu­tes Geld mit­neh­men...

Nun sind wir die letz­ten, die in die­ser Hin­sicht un­fle­xi­ble Prin­zi­pi­en­rei­ter wä­ren: vie­ler­lei Le­bens­mit­tel sind auch noch lan­ge nach Ab­lauf des MHD un­ver­dor­ben und oh­ne wei­te­res zu ge­nie­ßen. [2] Es er­staunt frei­lich die ver­blüf­fen­de Non­cha­lance, mit der hier zu­nächst vor­der­grün­dig der Kun­de be­schwich­tigt und hin­ter­her ver­sucht wur­de, die als nicht mehr ver­kehrs­fä­hig er­kann­te Wa­re doch noch in Um­lauf zu brin­gen. Der kauf­män­ni­sche Ge­winn der zwei­fel­haf­ten Maß­nah­me ist kaum nen­nens­wert, der Image­ver­lust in un­se­ren Au­gen da­ge­gen de­sa­strös: In dem La­den kau­fen wir je­den­falls nichts mehr!

 
[1] Ein be­mer­kens­wer­tes Bei­spiel für die Um­ver­tei­lung von Reich­tum von un­ten nach oben üb­ri­gens, wel­ches tat­säch­lich nicht von »de­nen da oben«, son­dern von »je­nen da un­ten« se­hen­den (bzw. be­ne­belt gla­si­gen) Au­ges in Ei­gen­re­gie be­trie­ben wird. Wes­we­gen un­ser­eins sich auch nicht als Aus­beu­ter se­hen muß, son­dern sich gu­ten Ge­wis­sens als or­dent­lich be­zahl­ten Stra­ßen­rei­ni­ger be­trach­ten kann.

[2] Um­ge­kehrt gab es frei­lich schon man­chen Ma­den­be­fall im Ge­trei­de oder auch schim­meln­den Kä­se lan­ge vor Ab­lauf der zu­läs­si­gen La­ger­zeit zu be­kla­gen.

Samstag, 10. Mai 2008

Wild-Tö­ter

Es ist ein son­ni­ger Sep­tem­ber­tag, der lan­ge Som­mer neigt sich un­wei­ger­lich sei­nem En­de ent­ge­gen. Du bist dem Fei­er­abend­zug fe­dernd ent­sprun­gen und strebst zu Dei­ner Gar­ten­par­zel­le in­mit­ten der Stadt, ein­ge­zwängt zwi­schen Die­sel­tank und Prell­bock, flan­kiert von Stra­ße und Bahn­ge­lei­sen. Ein win­zi­ges Stück Na­tur in der Stein­wü­ste, ge­pach­tet nur und jäm­mer­lich, gleich­wohl ei­ne ge­lieb­te Oa­se. Die frü­he Kir­schen­ern­te war heu­er üp­pig wie nie zu­vor, Un­men­gen Äp­fel wer­den spä­ter den Kel­ler fül­len, auch sucht die ful­mi­nan­te Zwetsch­gen­aus­beu­te ih­res­glei­chen: Was das al­lein­ste­hen­de knor­ri­ge Bäum­chen her­ge­ge­ben hat, füllt jetzt in ge­lier­ter Form den statt­li­chen Glä­ser-Vor­rat und die­ser mo­men­tan den gan­zen Kü­chen­tisch. Und noch im­mer hän­gen über­rei­fe Pflau­men hoch dro­ben in der Baum­kro­ne, un­er­reich­bar für Dich, selbst beim An­stel­len ei­ner XXL-Klapp­lei­ter. Von dort oben hörst Du es lei­se Knus­pern. Knus­pern?

Knus­per, knus­per, kein Zwei­fel: da nagt je­mand em­sig mit schar­fen Zäh­nen an Pflau­men­ker­nen und läßt es sich gut­ge­hen. Doch wer? Vorn fährt ein Zug vor­bei, hin­ten zwei Au­tos, Du war­test die näch­ste Lärm­pau­se ab, um die Oh­ren er­neut zu spit­zen. Und wirk­lich, es knus­pert im­mer noch. Du trittst un­ter den Baum, legst den Kopf in den Nacken und kneifst die Au­gen zu­sam­men, um nach dem mut­maß­li­chen Mund­räu­ber Aus­schau zu hal­ten. Das Tan­zen der Blät­ter im Wind­hauch ir­ri­tiert Dich, doch plötz­lich siehst Du die bei­den schwar­zen Knopf­au­gen und den brau­nen Pelz. Die Grö­ße läßt kei­nen Zwei­fel zu: Da oben ves­pert ei­ne Rat­te! Klet­tern Rat­ten auf Bäu­me? Of­fen­bar. Noch wäh­rend Du Dich dar­über wun­derst, siehst Du das zwei­te Au­gen­paar, den zwei­ten Pelz. Die Herr­schaf­ten sind im Duo zu­gan­ge und ge­nie­ßen die sü­ßen Früch­te in luf­ti­ger Hö­he...

Grund­sätz­lich hät­test Du kein Pro­blem da­mit, die Ga­ben der Na­tur mit den klet­ter­freu­di­gen Vier­bei­nern zu tei­len, die ja letzt­lich auch nur ih­re Ar­beit ma­chen und Dir in zehn Me­tern Hö­he noch nicht ein­mal et­was weg­neh­men. Doch die Seu­chen­ge­fahr, die von Krank­heits­er­re­gern im Rat­ten­kot aus­geht, die willst Du na­tür­lich nicht in Dei­nen Bee­ten wis­sen. Und wenn die ver­meh­rungs­freu­di­gen Vie­cher sich erst ein­mal in den zahl­lo­sen Ka­bel­schäch­ten im Bahn­ge­län­de ein­ge­ni­stet ha­ben...

Es hilft nichts, die Tie­re müs­sen weg, und zwar oh­ne je­de Chan­ce auf Wie­der­kehr. Rat­ten­gift ist Dein näch­ster Ge­dan­ke, doch ist Dir der Ge­dan­ke an den quä­len­den Tod zu­wi­der. Ei­ne schnell­wir­ken­de, so­zu­sa­gen dia­bo­li­sche Blei­ver­gif­tung er­scheint Dir al­le­mal als die hu­ma­ne­re Voll­streckungs­art, zu­mal sich ein aus dem Blät­ter­dach ge­schos­se­nes Tier im Ge­gen­satz zum eben­erdig ver­folg­ten nicht mehr schwer ver­wun­det in ei­ne un­zu­gäng­li­che Ecke ver­krie­chen kann, um dort elen­dig­lich zu ver­en­den. Kla­re Sa­che, denkst Du Dir: Das Wild wird waid­män­nisch zur Strecke ge­bracht!

Laß es blei­ben, sou­fliert Dir da Dein ob­rig­keits­hö­ri­ges Be­am­ten-Ge­wis­sen, das ama­teur­haf­te Be­ja­gen von Wir­bel­tie­ren ist ver­bo­ten und das Her­um­bal­lern auf nicht voll­stän­dig um­frie­de­ten Grund­stücken so­wie­so: Du machst Dich dop­pelt straf­bar! Die Rat­ten mö­gen viel­leicht zü­gig in den Rat­ten­him­mel ein­zie­hen, Dich zerrt man ih­ret­we­gen vor den Ka­di! Du ringst mit Dir und Dei­ner Ge­set­zes­treue, der­wei­len es in der Baum­kro­ne fröh­lich wei­ter knus­pert. Dein Blick ver­fin­stert sich, der ar­chai­sche Jagd­trieb bricht sich Bahn: Du weißt jetzt, was Du zu tun hast...

Oh­ne noch ein­mal nach oben zu schau­en, läufst Du ge­ra­de­wegs aus der Par­zel­le und schnur­stracks heim zur Woh­nung, wo Du das Luft­ge­wehr un­ter dem So­fa her­vor­ziehst. Der Staub auf der Schach­tel ist zen­ti­me­ter­dick. Du wischt ihn ab, nimmst das Ge­wehr her­aus und schiebst acht blei­er­ne Tur­nier-Dia­bo­los in das Trom­mel­ma­ga­zin Dei­nes spa­ni­schen Re­peaters. Kur­ze Sicht­in­spek­ti­on des frei ver­käuf­li­chen Sport­ge­rä­tes: paßt. Al­les wie­der ein­ge­packt, ei­ne Decke zur Tar­nung dar­über­ge­wickelt und hur­tig da­mit zu­rück zum ver­kehrsum­to­sten Schre­ber­gärt­lein. Mit nun­mehr ge­üb­ten Blick ist der Geg­ner rasch er­späht, Knus­pern frei­lich ist von ihm nicht mehr zu hö­ren. Die Schach­tel hin­ge­legt und die Waf­fe ent­nom­men.

Du lehnst Dich und Dein Ge­wehr an die schä­bi­ge Gar­ten­hüt­te und peilst in die Hö­he. Hier geht es nicht um sport­li­che Hal­tungs­no­ten: Wenn Du schon tö­ten mußt, dann soll es schnell und schmerz­los ge­hen. Das Tier scheint die dro­hen­de Ge­fahr zu wit­tern und ver­harrt re­gungs­los. Die Tak­tik ist nicht schlecht, denn was sich nicht rührt, fällt auch nicht auf. Leich­ter Wind läßt die Blät­ter flir­ren und ver­schlei­ert das Ziel. Teu­fel auch! Du ver­suchst, den brau­nen Klecks im Blät­ter­grün, den Du für den pel­zi­gen Geg­ner hältst, auf Kim­me und Korn auf­sit­zen zu las­sen. Das Ge­sche­hen ge­winnt an Dy­na­mik, Dei­ne in­ne­re Er­re­gung steigt, jetzt gibt es kein Zu­rück mehr. Dein Zei­ge­fin­ger krümmt sich lang­sam um den Ab­zug...

Plang. Der Rück­stoß ist doch stär­ker als ge­dacht, aber wer den Schaft rich­tig zu hal­ten weiß, dem prellt es nicht das Schul­ter­blatt. In­des zeigt der Schuß kei­ne Wir­kung. Da­her flugs den Lauf ge­knickt und durch­ge­la­den, trotz nicht vor­han­de­ner Übung bist Du schon Se­kun­den spä­ter er­neut im An­schlag. Jeg­li­ches Zau­dern wä­re kon­tra­pro­duk­tiv.

Plang. Dies­mal tut sich et­was, es ra­schelt im Blatt­werk, und schon fällt ein dunk­ler Schat­ten aus der Baum­kro­ne. Hin­ab! Die Rat­te ist noch viel grö­ßer als ge­dacht, doch für Neu­gier ist jetzt nicht die Zeit. Klick-Klack macht der Lauf, und kaum ei­ne Se­kun­de nach dem Auf­prall des ge­trof­fe­nen Tie­res stehst Du auch schon da­ne­ben und setzt aus näch­ster Nä­he den Fang­schuß. Vor­bei. Der statt­li­che Na­ger mit dem enor­men Schwanz scheint fried­lich zu schlum­mern. Die win­zig klei­nen Blut­sprit­zer, die die Il­lu­si­on zer­stö­ren, sieht man erst auf den zwei­ten Blick.

Fünf Schuß sind noch im Trom­mel­ma­ga­zin, doch auch der zwei­te De­lin­quent soll nicht län­ger als nö­tig lei­den müs­sen. Drum si­cher­heits­hal­ber schnell wie­der voll­ge­la­den und Po­si­ti­on be­zo­gen. Brin­gen wir es hin­ter uns. Die zwei­te Rat­te ist klei­ner und nicht leicht aus­zu­ma­chen. Ob sie wohl ahnt, daß auch ihr die Ku­gel an­ge­tra­gen wer­den soll? Du bist in­zwi­schen ganz ru­hig, auch das Tö­ten ist letzt­lich ein Hand­werk, bei dem sich be­äng­sti­gend schnell Rou­ti­ne ein­stellt. Wie­der zielst Du mi­ni­mal tie­fer, um den Auf­wärts­ruck des Rück­sto­ßes aus­zu­glei­chen.

Plang. Du horchst ge­spannt, doch nichts deu­tet auf ei­nen Tref­fer hin. Klick-klack, das Durch­la­den geht Dir mitt­ler­wei­le be­reits der­ma­ßen rou­ti­niert von der Hand, als wä­rest Du dar­auf ge­drillt wor­den. Plang, schon geht der näch­ste Dia­bo­lo zwi­schen die Zwetsch­gen. Da ra­schelt es wie­der, und wäh­rend Du den Knick­lauf durch­drückst und die Fe­der spannst, fällt das zwei­te Tier vom Him­mel und lan­det kei­nen hal­ben Me­ter von sei­nem Vet­ter, Bru­der oder Va­ter ent­fernt im Gras. Plang, auch hier be­en­det ein fast auf­ge­setz­ter Fang­schuß even­tu­el­les Lei­den.

Du bist er­leich­tert, das grau­si­ge Werk ist voll­bracht. Kein ver­letz­tes Tier hat sich quä­len müs­sen, und an­ge­sichts der Schuß­rich­tung steil nach oben hast Du auch nichts und nie­man­den ge­fähr­det. Du ver­scharrst die Lei­chen hin­ter dem na­hen Prell­bock und packst Dein Ge­wehr sorg­fäl­tig wie­der ein. Die Vö­gel sin­gen, ein blen­dend wei­ßer ICE rauscht gen Nürn­berg. Knus­pern tut nie­mand mehr.

Wäh­rend Du un­ter der Du­sche stehst be­schleicht Dich ein ei­gen­ar­ti­ges Ge­fühl, als wür­dest Du Schuld von Dir zu wa­schen ver­su­chen. Wie schnell der nüch­ter­ne Ver­stand und die von Dir gern hoch­ge­hal­te­ne Hu­ma­ni­tät der ar­chai­schen Er­re­gung des Tö­tens wei­chen kann! Wie mag es erst sein, wenn die Waf­fen groß­ka­li­bri­ger und ge­gen­über fa­na­ti­sis­er­te Men­schen sind, die ih­rer­seits den Fin­ger am Ab­zug ha­ben? Da bist Du heil­froh, von der­lei Ge­scheh­nis­sen ganz, ganz fern zu sein...

Lei­se erst, doch im­mer lau­ter und kla­gen­der hörst Du Dei­ne Op­fer wim­mern. Hast Du let­zend­lich doch ge­pfuscht, die ar­men Tie­re nur ver­wun­det und in vor­über­ge­hen­de Schock­star­re ver­setzt? Kein Zei­fel, sie piep­sen an­kla­gend aus ih­rem fri­schen Gra­be. Doch wie mag das an­ge­hen? Du bist längst da­heim, die Fen­ster sind zu und bis zum Gar­ten sind es meh­re­re Dut­zend Me­ter hin? Wer fiept in Dir?

Knuff macht es in Dei­ner wei­chen Sei­te, der El­len­bo­gen Dei­ner bes­se­ren Hälf­te trifft Dich höchst un­ver­mit­telt. Du reißt ver­stört die Au­gen auf: Ne­ben Dir piepst kein waid­wun­des Na­ge­tier, son­dern der ner­vi­ge Funk­wecker. Aus der Traum, die Ar­beit ruft! Dein Welt­bild sta­bi­li­siert sich wie­der: Rat­ten auf dem Pflau­men­baum, das war Dir ja von An­fang an su­spekt er­schie­nen...

Freitag, 18. April 2008

Dicker Hals durch dicke Luft

Fol­gen­des schrub ich heu­te an das zu­stän­di­ge Bahn­hofs­ma­nage­ment in Nürn­berg:

Sehr ge­ehr­ter Herr xxx,
 
täg­lich muß ich be­ob­ach­ten, daß gleich meh­re­re Schwel­brän­de in der Bahn­steig-Un­ter­füh­rung des Bf Fürth (Bay) Hbf für ei­ne ex­trem lä­sti­ge und auch po­ten­ti­ell ge­sund­heits­ge­fähr­den­de Luft­ver­schmut­zung sor­gen. Ins­be­son­de­re zu den ver­kehrs­rei­chen Zei­ten am Mor­gen und am Nach­mit­tag ste­hen Rau­che­rIn­nen trau­ben­wei­se um die Rauch­ver­bots­schil­der (!) im Tun­nel­gang her­um und wer­fen ih­re noch glim­men­den Zi­ga­ret­ten­stum­mel in das, was sie irr­tüm­li­cher­wei­se für Aschen­be­cher hal­ten:
 
übriggebliebenes Montageprofil eines längst abmontierten Aschenkübels

 
Es han­delt sich bei Stahl­pro­fi­len wie dem bei­spiel­haft ab­ge­bil­de­ten je­doch mit­nich­ten um Aschen­be­cher, son­dern le­dig­lich um die noch an den Wän­den be­las­se­nen Auf­hän­ge­vor­rich­tun­gen für die längst ab­mon­tier­ten Aschen­kü­bel! Die De­mon­ta­ge der gro­ßen Aschei­mer hat al­so letzt­lich nichts be­wirkt: Die Rei­sen­den bzw. War­ten­den neh­men die Mon­ta­ge­ei­sen als schlan­ke Aschen­be­cher wahr, aus de­nen es nun stun­den­lang in un­er­träg­li­cher Wei­se qualmt und stinkt.
 
Ich bit­te Sie da­her zu­stän­dig­keits­hal­ber, auch die­se Mon­ta­ge­pro­fi­le bald­mög­lichst ab­mon­tie­ren zu las­sen: Wenn sich die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­set­zung des Rauch­ver­bots schon man­gels Per­so­nals als pro­ble­ma­tisch er­weist, so soll­ten zu­min­dest al­le Bau­tei­le aus dem öf­fent­li­chen Raum ver­schwin­den, die mit ei­ni­ger Phan­ta­sie für Aschen­be­cher ge­hal­ten wer­den kön­nen... Vie­len Dank!
 
Be­ste Grü­ße,
 
gez. Un­ter­schrift

So, mal se­hen, was nun da­bei ‑au­ßer du­bio­sen Rauch­zei­chen- her­aus­kommt...

Freitag, 1. Februar 2008

Schö­ne neue Welt?

Der Spie­gel ver­kün­det heu­te, daß der Volks­schau­spie­ler Ott­fried Fi­scher an der Parkinson’schen Krank­heit lei­det und führt da­zu u.a. aus:

Mor­bus-Par­kin­son ist ei­ne sich lang­sam ent­wickeln­de neu­ro­lo­gi­sche Er­kran­kung. Sie be­ginnt schlei­chend und schrei­tet zeit­le­bens fort. Laut Wi­ki­pe­dia gibt es heu­te noch kei­ne Mög­lich­keit die Krank­heit auf­zu­hal­ten oder zu Ver­hin­dern.

Das be­dau­er­li­che Schick­sal des Herrn Fi­scher soll hier nicht wei­ter dis­ku­tiert (und auch das feh­len­de Kom­ma aus­nahms­wei­se nicht mo­niert) wer­den, mir geht es hier bei die­sem von der DPA über­nom­me­nen Ar­ti­kel um die zi­tier­te Quel­le: Das gran­dio­se Ge­mein­schafts­werk Wi­ki­pe­dia in al­len Eh­ren, aber dort mal eben nach­zu­gucken (und das noch ex­pli­zit zu er­wäh­nen) ist eben nicht das, was un­ter jour­na­li­sti­scher Sorg­falts­pflicht und sau­be­rer Re­cher­che zu ver­ste­hen wä­re. Doch ver­mut­lich kann sich der klick­flin­ke Nach­wuchs der schrei­ben­den Zunft schon gar nix an­de­res mehr vor­stel­len, als sich am Bild­schirm bei den üb­li­chen Ver­däch­ti­gen (pseudo-)schlau zu ma­chen (und das noch nicht mal als un­pro­fes­sio­nell zu emp­fin­den). Das wird so wei­ter­ge­hen, und das wird noch (pseudo-)lustig wer­den. Denn wenn ei­ner nur noch vom an­de­ren ab­schreibt ab­ko­piert, wird schnell für ba­re Mün­ze ge­nom­men, was an vie­len Stel­len steht, auch wenn schon die ur­sprüng­li­che In­for­ma­ti­on nicht sau­ber re­cher­chiert oder ma­ni­pu­la­tiv ein­sei­tig for­mu­liert war...

Sonntag, 13. Januar 2008

Merk­wür­di­ger Bo­den­fund

In sei­nem ge­le­gent­li­chen un­ab­läs­si­gen Be­mü­hen, sich als nütz­li­ches und al­so durch­füt­terns­wer­tes Mit­glied der ei­ge­nen Haus­hal­tung zu pro­fi­lie­ren, hat sich der zonebatt­ler in sei­nen win­ter­star­ren Schre­ber­gar­ten be­ge­ben, um ei­nen vol­len Ei­mer or­ga­ni­scher Kü­chen­ab­fäl­le dort­selbst in den Kom­po­stie­rer zu über­füh­ren. Da­bei mach­te er fol­gen­den Über­ra­schungs­fund:

Holländische Joint-Verpackung

Ob­gleich der Au­tor die­ser Zei­len ob sei­nes oh­ne­hin schon grenz­wer­tig über­tak­te­ten Hirns zeit­le­bens vom Kon­sum ein­schlä­gi­ger Geist­be­flüg­ler Ab­stand ge­nom­men hat, konn­te er die Packung schon halb­wegs treff­si­cher als die ei­nes so­ge­nann­ten Joints iden­ti­fi­zie­ren. Was sich bei Um­dre­hen des un­ver­schäm­ter­wei­se von frem­der Hand über den Zaun ge­wor­fe­nen Bli­ster­kar­tons so­fort be­stä­tig­te:

Holländische Joint-Verpackung

Im­mer­hin weist der hol­län­di­sche Her­stel­ler ord­nungs­ge­mäß auf die mög­li­chen Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen hin: »Brengt de ge­zond­heit ern­sti­ge scha­de toe« steht da zu le­sen, des­wei­te­ren »Ro­ken ver­o­or­za­akt kan­ker«. Au­gen­krebs scheint der Kif­fer bzw. die Kif­fe­ret­te frei­lich schon ge­habt zu ha­ben, sonst hät­te er oder sie näm­lich nach den gleich­falls auf­ge­druck­ten Pic­to­gram­men ge­han­delt und die Ver­packung re­cy­celt oder min­de­stens dem näch­sten Müll­ei­mer über­ant­wor­tet. Aber wo­mög­lich ver­steht un­ser­eins un­ter Be­wußt­seins­er­wei­te­rung ein­fach nur was an­de­res als die ver­si­ff­ten Be­kiff­ten...

Freitag, 28. Dezember 2007

Ge­rutscht wie ge­flutscht

Die Gunst der Stun­de und ins­be­son­de­re des ko­sten­lo­sen Ein­tritts nut­zend, ver­füg­te sich der zonebatt­ler heu­te für gut sechs Stun­den in ein na­he­ge­le­ge­nes Schwimm‑, Wellen‑, Spaß- und Ther­mal­bad, um sich dort­selbst di­ver­sen nas­sen Freu­den hin­zu­ge­ben: Man kann ja mit Was­ser in sei­nen drei Ag­gre­gat­zu­stän­den vie­ler­lei net­te und/oder ge­sun­de Sa­chen an­stel­len!

Nach­dem er dem stau­nen­den Pu­bli­kum be­wie­sen hat­te, im­mer noch zu ele­gan­ten Turm­sprün­gen in Rie­fen­stahl­scher Op­tik fä­hig zu sein (wenn auch nur vom 1 m‑Brett aus), woll­te der zonebatt­ler na­tür­lich auch die an­geb­lich läng­ste Was­ser­rut­sche Eu­ro­pas aus­pro­bie­ren. Nach lan­ger War­te- und An­steh­zeit fast schon wie­der äu­ßer­lich ge­trock­net, wuch­te­te er sich end­lich beim Start­si­gnal nach Art der olym­pi­schen Schlit­ten­fah­rer Fü­ße vor­an in den Tun­nel­schlund und ge­wann rasch an Fahrt auf dem dün­nen Was­ser­pol­ster. Wie Schorsch Hackl zu sei­nen be­sten Zei­ten schoß er so­dann auf der Ide­al­li­nie durch die Kunst­stoff­röh­re, den Rausch der Ge­schwin­dig­keit ge­nie­ßend...

Doch ach, im un­te­ren Drit­tel war die Freu­de jäh zu En­de, als näm­lich ein Hin­der­nis in Form ei­ner hier nicht in das Licht der Öf­fent­lich­keit ge­zerr­ten Da­me auf­tauch­te: Die­se war schon beim Ab­sprung nicht so recht in Fahrt ge­kom­men und schlit­ter­te im­mer noch mehr stot­ternd die Röh­re hin­un­ter denn sie ord­nungs­ge­mäß in Win­des­ei­le und rei­bungs­los zu durch­sau­sen. Zum Aus­wei­chen war kein Platz: Des zonebattler’s not­ge­drun­ge­nes An­dock­ma­nö­ver von hin­ten be­schleu­nig­te bei­der Lei­ber nach Art kol­li­die­ren­der Bil­lard­ku­geln ei­ni­ger­ma­ßen sprung­haft, was dem Au­tor die­ser Zei­len dann tat­säch­lich kurz­fri­stig Über­blick und Ori­en­tie­rung nahm: Al­les dreh­te sich, al­les be­weg­te sich! Plötz­lich im Auf­fang­becken an­ge­kom­men, schien der Ho­ri­zont dann tat­säch­lich meh­re­re Se­kun­den lang al­les an­de­re als waag­recht zu sein!

Na je­den­falls ist die Sa­che glimpf­lich aus­ge­gan­gen, für ei­nen zwei­ten Ver­such war die War­te­zeit in­des­sen zu lang. Wie über­haupt der Ge­nuß der At­trak­tio­nen durch die gro­ße Zahl von Be­su­che­rIn­nen eher un­gün­stig be­ein­flußt wur­de. Aber man darf nicht meckern, für lau war der Tag al­les an­de­re als mau! Nun frei­lich sind die Kno­chen schwer und die Mus­keln recht­schaf­fen mü­de, da soll ei­ne Brot­zeit jetzt den Tag run­den. Was man beim Was­ser­sport in je­dem Fal­le da­von­trägt, ist ein or­dent­li­cher Hun­ger. Und dar­um ist jetzt hier ganz un­ver­mit­telt Schluß.

Montag, 10. Dezember 2007

Na­se voll

We­gen aku­ter Hirn- und Zin­ken­ver­schlei­mung stel­len wir un­se­ren Sen­de­be­trieb vor­über­ge­hend ein. Bit­te schal­ten Sie Ih­ren Com­pu­ter aus, schüt­zen Sie sich mit der ora­len Einah­me von reich­lich Vit­amin C vor An­steckung und schlüp­fen Sie am be­sten un­ter ei­ne war­me Ku­schel­decke. Wir ru­fen Sie von dort wie­der her­vor, so­bald wir nach der Zwangs­pau­se er­neut mit un­se­ren Aus­strah­lun­gen be­gin­nen...

Samstag, 27. Oktober 2007

Zei­ten­wen­de

Das Är­ger­li­che an der heu­te Nacht wie­der ein­mal fäl­li­gen Zeit­um­stel­lung ist für ei­nen Tag­men­schen wie den zonebatt­ler das quä­lend lan­ge Wach­blei­ben und War­ten auf den Uh­ren­um­stell­zeit­punkt: Wie ger­ne wür­de un­ser­eins doch se­lig die Nacht durch­schlum­mern! Aber Pflicht ist Pflicht und so harrt un­ser­eins er­ge­ben aus und hält sich mit ge­le­gent­lich ver­ab­folg­ten kal­ten Was­ser­güs­sen wach: Der­lei ka­tho­li­sche Ka­stei­ung lähmt nicht nur die Li­bi­do, son­dern sti­mu­liert im Ge­gen­zug den In­tel­lekt, wes­halb ich mir so­eben über­le­ge, ob es wohl mo­ra­lisch statt­haft und mit mei­ner Bür­ger­pflicht ver­ein­bar wä­re, die Ak­kus resp. Bat­te­rien klamm­heim­lich aus al­len nicht-funk-syn­chro­ni­sier­ten Zeit­mes­sern (Ka­me­ras, Mo­bil­te­le­fo­nen, Arm­band­uh­ren) zu neh­men und stoi­schen Netz­läu­fern (Vi­deo­re­cor­der, Herd) den Stecker oder gar die Si­che­rung zu zie­hen: Dann könn­ten mei­ne zahl­rei­chen auf das (über Frank­furt trans­mit­tier­te) Braun­schwei­ger DCF77-Si­gnal hö­ren­den Au­to­ma­tik-Ap­pa­ra­te den Stun­den­sprung oh­ne mei­ne wa­che An­we­sen­heit durch­füh­ren, wäh­rend bei al­len an­de­ren Ge­rä­ten erst nach dem Er­wa­chen aus der strom­lo­sen Schein­tot­star­re der Wunsch nach neu­er Zeit­jus­ta­ge auf­kommt. Und ich könn­te ja die Bat­te­rien, Netz­stecker und Si­che­run­gen ganz aus­ge­schla­fen­er­wei­se erst zur hel­len Mit­tags­stun­de wie­der rein­drücken! Ha, was bin ich doch für ein schlau­er Fuchs! Doch weil ich oben­drein ein barm­her­zi­ger Sa­ma­ri­ter bin, ge­be ich das trick­rei­che Re­zept ger­ne und oh­ne jeg­li­che Li­zenz­ge­büh­ren an mei­ne ge­schät­zen und schön­heits­schlaf-be­dürf­ti­gen Le­se­rIn­nen wei­ter...

We­ni­ger schlau schei­nen mir hin­ge­gen je­ne Ei­fe­rer zu sein, die heu­te in den Nach­rich­ten auf al­len Ka­nä­len ge­gen die Som­mer­zeit an sich wet­tern und zu Fel­de zie­hen, die uns doch zur war­men Jah­res­zeit das se­gens­rei­che Ver­gnü­gen län­ge­ren Ta­ges­lich­tes am Fei­er­abend be­schert: Der zwei­mal jähr­lich zwangs­ver­ord­ne­te Stun­den­sprung ver­ur­sa­che bei ih­nen Schlaf­lo­sig­keit und De­pres­sio­nen. Man soll­te Pe­ti­tons-Li­sten in den Ge­sund­heits­äm­tern auf­le­gen, da­mit all’ die Leu­te dort per Un­ter­schrift ge­gen die Som­mer­zeit ab­stim­men kön­nen, die sich durch den 60-mi­nü­ti­gen Zeit­ver­satz in Ih­rer Ge­sund­heit an­ge­grif­fen füh­len. Nach En­de der Ein­tra­gungs­frist wird aber mit­nich­ten die Som­mer­zeit ab­ge­schafft, son­dern den Pe­ti­ten­ten aus Grün­den der ge­sund­heit­li­chen Für­sor­ge un­ter­sagt, je­mals wie­der Flug­rei­sen in an­de­re Zeit­zo­nen zu un­ter­neh­men, da ja of­fen­bar aku­te Ge­fahr be­stün­de, daß sie ei­nen Trip nach New York oder Hong Kong auf­grund der viel­stün­di­gen Zeit­ver­schie­be­rei nicht über­le­ben wür­den. Was man da­mit an Ke­ro­sin und Ab­ga­sen ein­spa­ren könn­te! Und die gan­zen Schein­hei­li­gen­schei­ne be­sag­ter Kla­ge­füh­rer könn­te man auch aus­knip­sen...

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