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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Dienstag, 16. September 2014

Parallelwelt

Um der spätsommerlich-heftigen Heimwegs-Hitze heute hilfreiche Abkühlung durch chillende Gänsehaut entgegenzusetzen, habe ich mir zum Feierabend eine Dosis aus dem Wagnerschen Musik-Kosmos verordnet und mir ausgewählte Auszüge aus dem »Parsifal« aural verabfolgt.

Gurnemanz:

Dem Heiltum baute er das Heiligtum.
Die seinem Dienst ihr zugesindet
auf Pfaden, die kein Sünder findet,
ihr wißt, daß nur dem Reinen
vergönnt ist, sich zu einen
den Brüdern, die zu höchsten Rettungswerken
des Grales Wunderkräfte stärken.

Da mußte ich denn doch verhalten grinsen: Die Kerle vor mir sahen teilweise eher wie staubige Brüder aus und weniger wie solche, die »zu höchsten Rettungswerken des Grales Wunderkräfte stärken«. Aber mitunter irrt man sich ja in der Beurteilung von Äußerlichkeiten…

Sonntag, 14. September 2014

Pimmel-Pilz

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kurioser Pilz in des zonebattler's heimischen Jagdgründen
Freitag, 12. September 2014

Die Überraschungsinsel (3)

Nachdem uns Port de Sóller schon vor Reiseantritt als idealer Ausgangspunkt für wun­der­bare Wanderungen empfohlen ward, hatten wir einen Mietwagen nur für die letzte Urlaubswoche gebucht. Zunächst wollten wir uns per pedes im Tramuntana-Gebirge bewegen: Was soll man sich auch ein kostspieliges und platzgreifendes Vehikel an’s Bein binden, wenn’s in der Nahzone rund um den Ferienort schon so viel zu ent­decken gibt?

Also schnürten wir die Wanderstiefel und machten uns auf nach Sóller, dem eigent­lichen Ort zum Hafen. Schon nach ein paar hundert Metern landeinwärts stießen wir auf ein aufgelassenes und desolat vandalisiertes Hotel, in dessen gleichfalls depri­mie­rend vermüllten Pool ein Bild des Jammers sich dem Betrachter (und seinem Kamera­objektiv) darbot:

toter Plüsch-Pokemon in einem seit langem aufgelassenen Hotel-Pool

Der tote Plüsch-Pokemon Quaputzi mit den weit aufgerissenen Augen war un­zwei­fel­haft ermordet worden, in seinen Pupillen spiegelte sich namenloses Entsetzen. Frösche sonder Zahl quakten um ihm herum ein (eher dissonantes) Requiem. Hier kam offenkundig jede Hilfe zu spät. Traurig tappten wir weiter. [1]

In Sóller angekommen, begegneten wir zunächst einmal der putzigen Tram, die sich dort mit freundlich warnendem Getute ihren Weg ins Stadtzentrum bahnt:

Straßenbahn in Sóller

Wundersamerweise passieren dort kaum Unfälle: Markttreiben, Menschenmengen und schie­nen­ge­bun­dener Verkehr kommen im öffentlichen Raum ganz gut mit­ein­ander aus. Wobei so ein Straßenbähnlein natürlich auch nicht so lange Bremswege aufweist wie eine »richtige« Eisenbahn, mithin weit weniger gefährlich ist. Dennoch, gut auf­passen müssen die Fahrer allemal!

Zumal der arglos dahinflanierende Tourist ja oftmals nicht so recht auf seinen Weg achtet, sondern den Blick nach oben wendet, um die Sehenswürdigkeiten des süd­li­chen Stadtbildes zu erhaschen und zu genießen. Recht oft kommt einem dabei die mallorquinische Flagge vor die Linse, die insularen Spanier haben zweifellos ihren eigenen Stolz und zeigen den auch demonstrativ vor:

Flagge vom Mallorca

Ob sich die separatistischen Anwandlungen der Balearen-Bewohner wohl verstärken, falls sich die Schotten demnächst vom Vereinigten Königreich lossagen sollten? Für unsereinen ist schwer einzuschätzen, ob derlei Beflaggungen spezifischen Lokalstolz signalisieren, Überbleibsel vom letzten Volksfest sind oder schlichte Folklore, den baye­rischen Wappen und Wimpeln in heimischen Schrebergärten vergleichbar. Ob­wohl man auch da nicht immer weiß, wes Geistes Kind der Aufsteller ist…

Schlendern wir mal weiter ins Zentrum, woselbst sich an der Plaça Constitució die Kirche Sant Bartomeu erhebt. Die ist genauso originell-pittoresk wie ihre berühmte Namensvetterin im Oberbayerischen, aber im Gegensatz zu dieser von Oran­gen­bäumen umstellt und geziert, die in und um Sóller prächtig gedeihen und deren außer­ordentlich aromatische Früchte alleroten für kleines Geld feilgeboten werden:

Pfarrkirche Sant Bartomeu inmitten von Sóller

Die Stimmung dort am Platze vor der Kirche ist wirklich sehr erbaulich: Eilende und Weilende, entspannte Café-Besucher, gestikulierende Diskutanten, spielende Kinder, gurrende Tauben und bimmelnde (resp. tutende) Bähnchen, da ist es gut sitzen und vor-sich-hin-Blinzeln…

Wenn er sich an dem beschaulich dahinblubbernden Kleinstadtleben sattgesehen hat, hält der zonebattler gerne nach Kuriositäten Ausschau, für bizarre Details unterhält er ja auch eine eigene Abteilung in seinem virtuellen Schaukasten. Das hier ist ihm zum Exempel in Sóller als nachdenkens- und festhaltenswert aufgefallen:

Warnschild mit Strafandrohung

Auch ohne nennenswerte Spanisch-Kenntnisse vermochte unsereins mit seinem antiken La­tinum die Botschaft entziffern, wonach das Aufsammeln von Hundekacke obli­ga­to­risch sei und das Ignorieren dieser Anordnung mit einem Ordnungsgeld von 60 bis 300 EUR, mindestens jedoch 70 EUR belegt ist. Da fragt man sich schon, welcher Bürokrat diese eigenartige Rechnung angestellt hat. Aber egal, man muß nicht alles verstehen, zumal dann nicht, wenn man selbst kein Hundehalter ist…

Jetzt aber endlich zum Höhepunkt des Tages und der Erklärung, warum die dies­jäh­rige Urlaubsberichterstattung unter dem Titel »Überraschungsinsel« firmiert. Hier naht die nämliche Überraschung an Bord der längst gewohnten Straßenbahn, die der Berichtende schon routinemäßig fotografisch einzufangen trachtete:

ein weiterer Straßenmbahnzug in Sóller

»Was machst denn Du hier?!« tönte es unverhofft vom Triebwagen herab. »Was machst denn Du hier?!« rief auch der zonebattler fast simultan und lippen­synchron hinauf, denn er hatte zur gleichen Zeit ein bekanntes Gesicht erspäht. Man mag es kaum glauben, aber unser Fürther MietMichel stand (nebst ein paar auch uns be­kannten Kumpanen und einer Kumpeline) im Waggon und ratterte mit ihm in die End­hal­te­stelle ein.

Großes Hallo und ausgiebiges Umarmen, man hatte sich daheim trotz nach­bar­schaft­licher Nähe seit Monaten nicht gesehen, und hier, gut 1.200 km weit weg von da­heim, rennen sich die Fürther fast über den Haufen. Irre! Wobei das erst der Auf­takt der stochastischen Unwahrscheinlichkeiten war: Gut eine Woche später – als wir uns zum Zwecke der Abholung eines Mietwagens erstmals in die Hauptstadt Palma de Mallorca begaben – traten wir mittags nach stundenlangem Kunst­mu­se­ums­besuch auf den Vorplatz hinaus und trafen dort … den MietMichel samt Begleitung an! Und als hätten wir den Hattrick vorausgeahnt, sahen wir ihn später an seinem Rück­reisetag noch ein drittes Mal, als wir uns im innerstädtischen Straßengewirr Palmas ver­franz­ten und unverhofft am zentralen Bus-Terminal vorbeifuhren, wo die MietMichelei den Weg zum Flughafen zwecks Heimreise antrat. Daheim läuft man sich allenfalls ein bis zwei Mal im Jahr ungeplantermaßen über den Weg, und drunten auf Malle schafft man’s drei Mal hintereinander innert 14 Tagen! Und wer weiß, wieviele Fürther man während des Insel­aufent­hal­tes nur knapp verfehlt hat…

Tja, das staunte die mitgeführte bessere Hälfte als professionelle Statistikerin, und auch die stets auf Draht seienden Tauben reckten die Hälse und wunderten sich:

auf Draht seiende Tauben

Es wird ja gerne gefeixt, daß man der Balearen größtes Eiland als 17. Bundesland der Bundesrepublik ansehen könne. Nach derlei Begegnungen ist man geneigt, der sati­ri­schen Übertreibung ein Körnchen Wahrheit zu attestieren. Übrigens waren Miet­Michel & Co. sowie der zonebattler samt Halterin an jenem Tage erstmals im Städt­chen. Ebenso belustigt wie beglückt ging man dann wieder seiner unter­schiedlichen Wege…

Unsereins marschierte später wieder zurück ans Meer und fing zum guten Schluß noch ein paar promenierende Mädels im abendlichen Port de Sóller ein:

junge Mädchen beim Abend-Auslauf an der Strandpromenade von Port de Sóller

Obiges Bild ist als unverfängliches Stimmungsfoto zu verstehen, wer zu Studien­zwecken und aus staatsbürgerlichem Interesse heraus auf Details erpicht ist, sei hier auf meine Sammlung von Damenbeinen verwiesen.

Tja, so bringt man sich die Erinnerungen an einen frühlingswarmen Urlaubstag wie­der zurück ins Gedächtnis, derweilen draußen der Herbst mit grimmen Regen­wet­ter den Sommer endgültig zu verdrängen sich anschickt. Da ist das zeitliche Strecken der Urlaubs-Erzählung psychologisch durchaus nicht unpfiffig. Fünf wei­te­re Folgen habe ich noch vor­ge­sehen, aus Gründen der Selbstdisziplinierung ver­spreche ich aber jetzt schon der geneigten Leserschaft, spätestens bis Silvester damit fertig zu sein. In diesem Sinne: Bis demnächst!

 
[1] Wir kamen im Laufe der nächsten zweieinhalb Wochen noch mehrfach an dieser Stätte des Grauens vorbei, jedesmal porträtierte ich den Gemeuchelten, der leblos, jedoch mit eigenartiger Würde in dem betonierten Tümpel dümpelte. Freunde aus Nürnberg, die einige Wochen nach uns ihren Urlaub an gleicher Stelle verbrachten, berichteten uns später, daß sie das triste Wasserloch ohne den blauen Spiraliker vor­gefunden hatten. Wir werden sein Schicksal wohl nimmermehr ergründen können…

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Montag, 8. September 2014

Kontrastmittel

Des zonebattler’s homezoniges Rechenzentrum (Tower-PC, Monitor, 2 Brüllwürfel, Tastatur, Maus, Scanner und Drucker) war ursprünglich ganz in dezentem Beamten-Büro-Beige gehalten, viele werden sich noch an diese farblosen Zeiten erinnern. Heutzutage ist die pseudo-noble Farbkombination Silber/Schwarz en vogue, letzteres gerne in der staubanziehenden und überaus kratzempfindlichen »Klavierlackeffekt«-Abart. Auch bei mir wurden altersschwache und obsolete Gerätschaften nach und nach durch dunkle Nachfolger ersetzt. Zuletzt war nur noch meine treue Tastatur übrig (Cherry Modell RS 6000 M), die dank solider Mechanik, abriebfest eingelaserter Tastenbeschriftung und reinigungsfreundlichem Aufbau ewig zu halten versprach.

Leider hat der unlängst beschafte, quasi-neue Gebraucht-PC des Endesunterfertigten keine PS/2-Buchsen mehr zum Betrieb von Hackbrett und Nagetier. Da war die alte Tastatur nimmer anzuschließen, zumal auch ein rein mechanischer Adapter keine USB-Tauglichkeit mehr hätte herstellen können. Mit der dem Rechner beigegebenen Original-Tastatur konnte ich mich nicht anfreunden, das heute übliche »low contrast« Design (schwarze Tasten, dunkelgrau beschriftet) taugt einem nicht, wenn man das blinde Tippen nie gelernt hat und abends überdies gerne bei schummeriger Be­leuch­tung in die Tasten haut. Ich sann auf ebenso effiziente wie effektive Abhilfe…

Die simple und preiswerte Lösung bestand im Kauf einer gebrauchten USB-Variante der geliebten Cherry-Tastatur in schwarzer Ausführung via eBay. Für einen glatten Zehner (inklusive Porto) fischte ich ein elektrisch passendes USB-Hackbrett aus der Bucht, welches ich sofort nach Erhalt zerlegte und gründlich reinigte. Der eigentliche Clou aber bestand im anschließenden Verheiraten des schwarzen Tastatur-Unterbaus mit den hellgrauen Tasten des alten Exemplars:

umgebaute Tastatur Cherry RS 6000 M

Schaut schick, aus, nicht war? Paßt vorzüglich zum Rest der auf dem Schreibtisch herumlungernden PC-Peripherie, läßt sich aber nach wie vor auch bei Funzellicht bestens bedienen! Leider ist im Gehäuseboden die Aussparung für das gediegen­heits­meh­rende Ballast-Blech wegrationalisiert worden, aber mit dem Gewichtsverlust kann ich eher leben als mit unleserlicher Beschriftung.

Die nach der Bastelaktion übriggebliebenen Einzelteile habe ich selbstredend nicht etwa weggeworfen, sondern zu einer komplementär kolorierten Kuriosität zusammen­ge­setzt:

umgebaute Tastatur Cherry RS 6000 M

Schaut ja auch nicht ganz verkehrt aus (und erinnert mich an meine bunte Hand­staub­sauger-Spielerei), taugt aber aus meiner altersschwachen Sicht nur als Ersatz­teil­spender (falls ich z.B. mal die federnde Silikon-Matte oder das darunterliegende Kon­takt­folien-Sandwich austauschen müßte).

Schade nur, daß mir mitunter trotz gut sichtbarer Tasten die rechten Worte zum jeweiligen Anlaß nicht einfallen wollen: Wenn der Musenkuß ausbleibt, nützt das beste Werkzeug nix. Aber es schadet auch nicht, für den Fall des plötzlich her­nie­der­fahrenden Geistesblitzes gut gerüstet zu sein…

Sonntag, 7. September 2014

Ausgeknipst

Freund Lexikaliker hat sich – pragmatisch wie er nun mal ist – einen Schalter zur sofortigen Herstellung von Ruhe im Hirn eingebaut, sehr anschaulich und bebildert beschrieben im Beitrag »Kopfschmuck«. Die Erfindung sollte auch für aufmerk­sam­keits­defizitär und hyperaktivitätssyndromatisch geplagte Wirrköpfe wie den zone­batt­ler von großem therapeutischen Nutzen sein! Ich könnte mir allerdings vor­stel­len, daß die Einbauposition für einen Rückenschläfer latent ungünstig ist und kontra­produktiverweise gefährliche Schwing- und Aufschaukelzustände begünstigt…

Samstag, 6. September 2014

Frontalangriff

Baukran in der Fürther Winklerstraße
Freitag, 29. August 2014

Provinz-Postille?

Um die peinliche Nichtexistenz einer großstadtwürdigen Tageszeitung einigermaßen zu kaschieren, werden hierorts die »Fürther Nachrichten« als behelfsmäßiges Sub­sti­tut herausgegeben. Ortskundige wissen, daß man das Blatt nicht nach herkömm­li­chen journalistischen Maßstäben messen und bewerten darf. Wer es trotzdem tut, ge­langt unweigerlich zu falschen Schlußfolgerungen. Wie beispielsweise Boris Rosen­kranz auf der Website des bekannten Bloggers und (echten) Medienjournalisten Stefan Nigge­meier im Artikel »Abwarten und totsaufen«. Na, dann Prost!

Mittwoch, 20. August 2014

Baumsterben

Grundstück Ecke Amalienstraße/Karlstraße (ehemals 'Fürther Trottoir-Reinigungs-Institut')
 
05.04.2014, 11:04 Uhr
Grundstück Ecke Amalienstraße/Karlstraße (ehemals 'Fürther Trottoir-Reinigungs-Institut')
 
13.04.2014, 13:29 Uhr
Grundstück Ecke Amalienstraße/Karlstraße (ehemals 'Fürther Trottoir-Reinigungs-Institut')
 
20.08.2014, 16:48 Uhr
Kahlschlag Ecke Amalienstraße/Karlstraße (ehemals »Fürther Trottoir-Rei­ni­gungs-Institut«) zugunsten einer neuzubauenden Altenbewahranstalt
Samstag, 16. August 2014

Abgeschminkt

PC-Tastatur einer sich regelmäßig schminkenden Freundin
 
Abb. 1: PC-Tastatur einer sich regelmäßig schminkenden Freundin
Die gleiche Tastatur nach händischer Einzeltastenreinigung
 
Abb. 2: Die gleiche Tastatur nach händischer Einzeltastenreinigung
Die Fotos entstanden vor Jahresfrist (Anfang September 1013); im Lang­zeit­ex­pe­ri­ment hat sich herausgestellt, daß mit dem Einstellen des Schminkens auch die Sedimentbildung auf den Tastenkappen zum Erliegen gekommen ist: Der Verzicht auf kostspielige Gesichtspampe hat der Attraktivität besagter Freun­din nicht geschadet, die der Computerperipherie hingegen langfristig er­halten!
 
Da gibt es für den zonebattler so schnell nix mehr zu tun. Darum hat er sich heute hilfshalber wieder mal das eigene Hackbrett vorgenommen
Freitag, 15. August 2014

Die Überraschungsinsel (2)

Anfangs zog es uns gar nicht groß von dannen, zu interessant war es ja schon vor der eigenen Tür: Die ersten Urlaubstage verbrachten wir tatsächlich in und um Port de Sóller herum und waren dabei nur zu Fuß unterwegs. Ein schönes Wanderziel gab der bereits im ersten Teil erwähnte Wehr- und Wachturm Torre Picada ab, der sich trutzig über Bucht und Hafen erhebt. Leider ist er ebenso strategisch gut plaziert wie mittlerweile in Privatbesitz und daher fest verschlossen, der Besucher kann also nur sehnsuchts­voll an seinen dicken Mauern emporblicken und muß auf die oben zweifels­frei vorhandene, fantastische Rundumsicht leider verzichten…

Die Torre Picada von unten betrachtet

Na gut, unverstellten Fernblick auf das Meer wird man wohl anderswo schon noch öfters geboten kriegen, dachten wir uns und wandten den Blich daher wieder zu Boden. Und siehe da, auch im dichten Gestrüpp gibt es Lohnendes zu sehen. Zum Exempel diese mallorquinische Ziege mit ihren merkwürdigen, äh, zitzenartigen »Schniepfeln« am Halse, deren evolutionären Sinn und Zweck näher auszuführen ich zuständigerhalber den eventuell hier mitlesenden Biologen überlasse:

mallorquinische Ziege in freier Wildbahn

Ob die in der lieblichen Landschaft herumstrolchenden Ziegen samt Familie nun wilde Exemplare oder domestizierte solche waren, ist schwer zu sagen. Jedenfalls beweg­ten sie sich ungerührt und fröhlich – vorne kauend, hinten kackend – über die Insel, des Menschen Nähe nicht unbedingt suchend, aber auch nicht wirklich vermeidend.

Weiteres felltragendes Getier werden wir später noch zu sehen kriegen. Einstweilen tappen wir mal den Berg hinunter und sehen uns eine typische kleine Bucht an der westlichen Küste Mallorcas an. Wie man sieht, tummeln sich dort mangels breiter Sand­strände keine Touristenmassen, sondern allenfalls ein paar einzelne Wanderer:

Bucht bei Llucalcari

Kennt man eine, kennt man alle: Ein paar blechbedachte Hütten hier, ein befestigter Slipway ins Wasser da, diverse Fischerboote in verschiedenen Stadien des Verfalls daneben, so schauen die meisten der kleinen, landschaftlich herrlich gelegenen Meeres­zugänge aus. Mitunter räkeln sich dort auch heimische Meerjungfrauen:

junge Frauen bei maritimen Zeitvertreib

Der Berichterstatter gesteht freimütig, den Entstehungsort seiner geogetaggten Fotos von Bucht nebst Nixen soeben nochmals per Google Earth »angeflogen« zu haben, um die gezeigte Bucht bei Llucalcari (einem Ortsteil von Deià) korrekt ver­or­ten und benennen zu können: Im Nachhinein vermengen sich die ähnlichen Loka­li­tä­ten in des zonebattler’s Synapsen­gespinst ohnehin zu einem einzigen, idealtypischen Ort des sanft-salzigen Säuselns…

Springen wir nun aber wieder zurück in den »Heimathafen« Port de Sóller, an dessen Gestaden eher die deutlich jüngeren (oder erheblich älteren) Mädels an­zu­tref­fen sind, erstere mit noch spürbarer Lust an bewegungsreichem Sport & Spiel:

Kinder beim Sprung von der Promenadenmauer auf den Strand

Des Autors Abendsport bestand im Wesentlichen darin, zum Einfangen solcher Szenen seine Kamera in Richtung Motiv zu halten und abzudrücken. Dies allerdings ohne schlechtes Gewissen, denn sein Tagespensum an kalorienverzehrender Bewegung hatte er in Form ausgedehnter Tageswanderungen dann ja meist schon erbracht. Und als Stadtbewohner kann er sich in den Ferien eh nix Netteres vorstellen, als abends träge auf einer Bank an der Uferpromenade dem Sonnenuntergang ent­ge­gen­zu­dösen (und allenfalls hier und da mal den Verschluß seiner Knipse auszulösen)…

Für seine nach bunten Bildern lechzende Leserschaft rafft sich der zonebattler aber nochmals auf und schlendert in den Hafen rüber, wo man nach farbenfrohen Genre-Motiven nie lange suchen muß:

Fischernetz samt Zubehör in Port de Sóller

Ein, zwei mittlelgroße Fischtrawler scheinen in Port de Sóller stationiert zu sein, das Gros der an der Mole angebundenen kleineren Schiffchen dient heutzutage wohl über­wiegend Freizeitzwecken oder allenfalls der Versorgung der eigenen Familie mit frischen Fischen, Krabben oder anderen verzehrbaren Wasserbewohnern. Seite an Seite dümpeln sie da im Abendlicht friedlich dem nächsten Tag entgegen:

Abendstimmung im Hafen

Schaut man genauer hin, so fällt einem auf, daß recht viele Boote – insbesondere die reinen Hobbykähne – kaum mehr benutzt und gepflegt zu werden scheinen. Ein Auto kann man in die Garage stellen; ein Boot am Landungssteg mag noch so schön und teuer gewesen sein, Sonne, Salz und Feuchtigkeit befördern unerbittlich die schnell voranschreitende Korrosion. Wer seine Jolle nicht beständig pflegt oder instandhalten läßt, dem gammelt sie schneller unter dem Hintern weg, als einem lieb sein kann. Die laufenden Unterhaltungskosten scheinen längst nicht alle bedacht zu haben, die sich »mal eben« ein kostspieliges Statussymbol ins Wasser gesetzt haben…

Schiffe sind dem wankel(un)mütigen Berichterstatter aber ohnehin eher suspekt, zu­mal die kleinen solchen, bei deren Geschaukele sein Verdauungstrakt verdrießlicher­wei­se schnell auf Schubumkehr schalten kann. Daher wendet er sich wieder dem Land­verkehr zu, namentlich dem spurgebundenem. Hier schnurrt einer der letzten Tram­bahnzüge des Tages bei tiefstehender Abendsonne in Richtung Sóller davon:

Straßenbahn an der Uferpromenade von Port de Sóller

Wiewohl der Endesunterfertigte im Zivilberuf stolzer Eisenbahner ist, so sind ihm doch – im Gegen­satz zu seinen ferrophilen Kollegen – Schienen­fahrzeuge im Privat­leben weit­gehend schnuppe. Aber diese hölzernen Bimmelbähnlein [1] – ein Teil des betagten Fuhrparks stammt übrigens von der berühmten Lissabonner Straßenbahn – haben doch was Putziges und rühren sein seit jeher sentimentales Herz…

Und damit genug für heute: In der nächsten Folge machen wir uns auf in die Berge und kommen danach auch ins nahe Städtchen Sóller, wo sich eine jener über­ra­schen­den Begegnungen zutrug, die dieser kleinen Reise-Reprise ihren Namen gegeben haben. Bis dahin!

 
[1] Recht eigentlich müßte es Tutebähnlein heißen, denn die Triebwagenführer ver­treiben lebende Fahrthindernisse nicht mit Glocken- oder Schellen-Einsatz, sondern vermittels preßluftgetriebener Hupen von tiefer Tonlage. Was die goldigen Vehikel noch putziger macht!

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Sonntag, 10. August 2014

Knopfspielereien

buntes Knopfsortiment in einem Nürnberger Laden
Freitag, 8. August 2014

Frommer Wunsch

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

herzlich willkommen am Arbeitsplatz auf der Fahrt von Dienstbeginn bis Feierabend, mit Halt an den Unterwegsstationen zweites Frühstück, Kaffeepause, Mittagessen, zweite Kaffeepause. Wir wünschen einen angenehmen Tag und bleiben Sie schlank!

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