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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« In­va­si­on der Rie­sen­pil­ze »Wäi iich aamol aa­moll schbilln hob lo­an« »

Oh­ne Zwie­beln fehlt (mir) was...

Ich lie­be al­te Städ­te wie Re­gens­burg, Bam­berg oder Gör­litz, die we­der durch den Krieg noch durch die Bau­wut da­nach nach­hal­tig ihr Ge­sicht ver­lo­ren ha­ben. Fürth kann sich da oh­ne wei­te­res ein­rei­hen, wenn­gleich im Wort­sin­ne »her­aus­ra­gen­de« Be­ton­sün­den wie das Spar­kas­sen-Ge­bäu­de oder das Hoch­haus am Bahn­hof an recht bra­chia­le Bau­boom-Zei­ten er­in­nern, die gar nicht so lan­ge zu­rück­lie­gen...

Gan­ze Stra­ßen­zü­ge sind hier in Fürth noch in präch­tig­ster Grün­der­zeit-Neo-Re­nais­sance er­hal­ten, und das im war­men Gold­ton des frän­ki­schen Sand­steins. Ei­ne ein­ma­li­ge Ku­lis­se! Ins­be­son­de­re die Eck­häu­ser wa­ren zu den Kreu­zun­gen hin be­son­ders präch­tig ge­schmückt, oft mit ein­drucks­vol­len Zwie­bel­tür­men wie hier an der Ecke Karl­stra­ße / Ama­li­en­stra­ße:

Ecke Karlstraße / Amalienstraße einst

Lei­der sind vie­le die­ser rein der Äs­the­tik die­nen­den Zier-Auf­sät­ze heu­te spur­los ver­schwun­den, sei es durch Kriegs­scha­den, sei es durch Ver­wit­te­rung, Blitz­schlag oder (häu­fi­ger wohl) Ab­riß durch un­sen­si­ble Haus­be­sit­zer. So sieht das an­son­sten noch be­stens ge­pfleg­te Haus von der al­ten Post­kar­te heu­te aus:

Ecke Karlstraße / Amalienstraße jetzt

Wer’s nicht an­ders kennt, mag mit den Schul­tern zucken. Wer aber ei­nen Sinn für Schön­heit und Pro­por­tio­nen hat, wird den Un­ter­schied be­mer­ken (und den Ver­lust des ge­schin­del­ten Dach-Türm­leins als schmerz­lich emp­fin­den). Nach Stu­di­um des be­bil­der­ten Bei­spiels mö­gen die ge­neig­ten Le­se­rIn­nen spa­ßes­hal­ber mal er­ho­be­nen Haup­tes durch die Stadt lau­fen, um nach wei­te­ren Dä­chern Aus­schau zu hal­ten, de­nen »oben was fehlt«!

Ich wür­de mir je­den­falls wün­schen, daß Be­sit­zer und Be­woh­ner al­ter Häu­ser ih­re Im­mo­bi­li­en und Be­hau­sun­gen nicht nur un­ter rein prak­ti­schen As­pek­ten be­ur­teil­ten, son­dern auch de­ren Schön­heit be­wah­ren und ggf. wie­der­her­stel­len wür­den. Klar ko­stet das was, aber es be­rei­chert doch letzt­lich al­le. Wo müß­te man den He­bel al­so an­set­zen? Wie bei so vie­len Zeit­er­schei­nun­gen schon bei der ent­spre­chen­den Er­zie­hung des Nach­wuch­ses, den­ke ich. Da wer­den die Wei­chen ge­stellt, da fängt es an (oder eben auch nicht)...

P.S.: Wie die Für­ther Nach­rich­ten be­reits letz­ten Sams­tag an­kün­dig­ten, fin­det heu­te um 19.00 Uhr im hi­sto­ri­schen Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses ei­ne pro­mi­nent be­setz­te Po­di­ums­dis­kus­si­on zum The­ma Denk­mal statt. Hin­ge­hen!

P.P.S.: Wei­te­re Bil­der fin­den Sie in den Kom­men­ta­ren zu die­sem Bei­trag.

  1. Hermann  •  25. Nov. 2005, 15:39 Uhr

    Ich bin nicht si­cher, aber ich glau­be, dass das Haus sei­ne Zwie­bel­haue in ei­ner Bom­ben­nacht so um 1944 ver­lo­ren hat. Bei ei­nem nächt­li­chen An­griff auf Nürn­berg sind auch ei­ni­ge Bom­ben in Rich­tung Bahn­hof Fürth ge­fal­len, ha­ben aber haupt­säch­lich Ge­bäu­de in der Ama­li­en­stra­ße und mit ei­nem Blind­gän­ger die Türn­hal­le des TV 1860 ge­trof­fen. Es war da­mals so ei­ne Sen­sa­ti­on, dass mei­ne El­tern mit mir nach En­de des An­griffs in die Süd­stadt ge­lau­fen sind, auch um zu se­hen, ob das Haus in der Fich­ten­stra­ße, in dem mei­ne Groß­mutter leb­te, den An­griff heil über­stan­den hat­te. Den Blind­gän­ger in der Turn­hal­le fand man erst am näch­sten Mor­gen, als mein Groß­on­kel, der Haus­mei­ster war, im Kel­ler fast dar­über ge­stol­pert ist.

    #1 

  2. zonebattler  •  27. Nov. 2005, 5:50 Uhr

    Auf der Su­che...

    ...nach dem ver­lo­re­nen (Zwiebel-)Schatz: Das schö­ne Wet­ter zu ei­nem aus­gie­bi­gen Stadt- und Spa­zier­gang nut­zend (mit Son­nen­bril­le!), ha­be ich zwei wei­te­re Bei­spie­le »ent­haup­te­ter « Häu­ser fest­ge­hal­ten. Hier an der Ecke Ama­li­en­stra­ße / Turn­stra­ße:

    Ecke Amalienstraße / Turnstraße

    Gleich­falls an der Ama­li­en­stra­ße, und zwar an der Kreu­zung mit der Lud­wig­stra­ße, steht die­ses wirk­li­che präch­ti­ge Eck­haus:

    Ecke Amalienstraße / Ludwigstraße

    Die tief­ste­hen­de Son­ne il­lu­mi­niert deut­lich die schmuck­lo­se Ecke des ober­sten Ge­schos­ses, wel­ches ganz of­fen­sicht­lich nach ei­nem Kriegs­scha­den wie­der in­stand­ge­setzt wur­de. Im­mer­hin kein To­tal­ver­lust durch Brand­bom­ben, aber ei­nen krö­nen­den Ab­schluß mit ei­nem Türm­chen drauf gab es wei­land wohl auch hier...

    #2 

  3. zonebattler  •  11. Dez. 2005, 15:13 Uhr

    Schlaf­zim­mer­blick

    Das ein­gangs ge­zeig­te Haus von der al­ten Post­kar­te liegt mei­ner Heim­statt ge­gen­über. Aus mei­nem Schlaf­zim­mer sieht man den »ent­haup­te­ten« Turm so:

    Eckhaus Karlstraße/Amalienstraße

    Ziem­lich »kopf­los«, nicht wahr? Nur we­ni­ge Geh­mi­nu­ten wei­ter fin­det sich an der Ecke Ludwigstraße/Holzstraße ein Bei­spiel, wie man es bes­ser ma­chen kann: Vor Jah­res­frist mit fri­schem Kup­fer­blech neu be­schla­gen, er­scheint die­ser Turm­auf­satz als dau­er­haft für die Nach­welt ge­ret­tet:

    Eckhaus Ludwigstraße/Holzstraße

    Es geht al­so, wenn man denn will... Und ein Ge­winn für das Stadt­bild ist es al­le­mal!

    #3 

  4. zonebattler  •  28. Jan. 2006, 17:44 Uhr

    Noch ein Pracht­ex­em­plar...

    ...wird hier an der Kreu­zung Ja­ko­bi­nen­stra­ße / Lan­ge Stra­ße von der win­ter­li­chen Abend­son­ne be­schie­nen:

    Ecke Jakobinenstraße / Lange Straße

    An die­sem mu­ster­gül­tig ge­pfleg­ten Haus stört mich nur der grel­le Bäcker­la­den im Erd­ge­schoß, ins­be­son­de­re des­sen mo­der­ne Falt-Tür just am Fu­ße des Eck-Turms. Aber gut, ist ein ir­gend­wann mal re­pa­rier­ba­rer Lap­sus...

    #4 

  5. Gnu1742  •  5. Jan. 2009, 20:00 Uhr

    Manch­mal ist es ja in­ter­es­sant, in dei­nen Alt­la­sten zu gra­ben: Wä­re ich for­mu­la­to­risch be­gab, hät­te ich wo­mög­lich fast den glei­chen Text ge­schrie­ben: Ich ken­ne fast kei­ne an­de­ren Städ­te, in de­nen sich das hoch­gucken an bei­na­he je­der Ecke so sehr lohnt wie in die­ser char­man­ten klei­nen Groß­stadt. Ei­ne klei­ne Aus­wahl kann der ge­neig­te Le­ser hier an­schau­en.

    #5 

  6. zonebattler  •  5. Jan. 2009, 20:08 Uhr

    Wenn Du mit Fürth durch bist, dann fahr’ mal nach Gör­litz: Das­sel­be in Grün, nur groß­flä­chig ver­putzt statt ver­sand­steint!

    #6 

  7. Zeitsprünge » Fürther Freiheit  •  13. Mai. 2017, 12:00 Uhr

    […] darf die­ser Bei­trag frei­lich den­noch ver­stan­den wer­den: Wenn hier und da ein ver­lo­re­ner Zwie­bel­turm wie­der er­rich­tet wer­den wür­de oder in ver­ein­fach­ter Form re­kon­stru­ier­te Kriegs­ver­lu­ste wie­der […]

    #7 

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