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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Mo­ti­ve und Mo­ti­va­tio­nen

Ob­wohl ich mich für kei­nen gro­ßen Licht­bild­ner hal­te, son­dern eher für ei­nen ama­teur­haft di­let­tie­ren­den Knip­ser, scheint mei­ne Art des Fest­hal­tens op­ti­scher Ein­drücke zu­wei­len zu ge­fal­len: Ge­le­gent­lich fra­gen mich Le­se­rIn­nen per Mail, was ich denn für ei­ne tol­le Ka­me­ra hät­te. Ich ha­be die Fra­ge hier schon la­tent lau­nisch be­ant­wor­tet, aber der gro­ße Mei­ster An­dre­as Fe­i­nin­ger hat mit zeit­lo­sen Wor­ten [1] schon vor Jahr­zehn­ten auf den Punkt ge­bracht, wor­um es beim Fo­to­gra­fie­ren im Grun­de geht:

Die ei­nen, zu de­nen lei­der die mei­sten Ama­teu­re ge­hö­ren, sind ver­narrt in Prä­zi­si­ons­ka­me­ras, fun­keln­de Ob­jek­ti­ve, Fein­korn­ent­wick­ler usw. Sie ha­ben die be­ste Aus­rü­stung, das letz­te Ka­me­ra­mo­dell, die licht­stärk­sten Ob­jek­ti­ve und al­les nur er­denk­ba­re Zu­be­hör. Sie sind wand­len­de Le­xi­ka fo­to­tech­ni­schen Wis­sens und be­son­ders stolz dar­auf, aus ei­nem Klein­bild­ne­ga­tiv ei­ne »korn­freie« 40 x 50-Ver­grö­ße­rung her­aus­ho­len zu kön­nen. Au­ßer­dem sind sie ge­nau auf dem lau­fen­den über die Vor- und Nach­tei­le der ver­schie­de­nen »Sy­stem­ka­me­ras« und ge­ben ih­re ei­ge­ne Ka­me­ra re­gel­mä­ßig in Zah­lung für das je­weils neu­este Mo­dell (wo­bei sie den fi­nan­zi­el­len Ver­lust mit Wür­de tra­gen). Aber sie ha­ben oft kei­ne Ah­nung, was sie über­haupt fo­to­gra­fie­ren sol­len, und ma­chen sel­ten Auf­nah­men, die der Mü­he wert sind.
 
Die an­de­ren fo­to­gra­fie­ren um der Bil­der wil­len, ge­nau­er ge­sagt, der Mo­ti­ve we­gen, an de­nen sie in­ter­es­siert sind. Im Ge­gen­satz zu den Erst­ge­nann­ten, die nur von der Tech­no­lo­gie fa­zi­niert sind, gilt ihr In­ter­es­se be­stimm­ten Mo­ti­ven – Men­schen, Na­tur­ob­jek­ten, Land­schaf­ten, Stra­ßen­sze­nen, Bau­wer­ken, In­sek­ten, Vö­geln usw. Sol­che Mo­ti­ve be­gei­stern sie, sie möch­ten sie im Bild fest­hal­ten und da­mit be­sit­zen, nach Hau­se mit­neh­men, im­mer wie­der be­trach­ten und ih­re Freu­de dar­an mit an­de­ren Men­schen tei­len. Nur weil ih­nen an­de­re vi­su­el­le Ge­stal­tungs­mit­tel wie Ma­len oder Zeich­nen fremd sind oder nicht prak­ti­ka­bel er­schei­nen, ver­fal­len sie auf das Me­di­um der Fo­to­gra­fie. Und da sie ein­se­hen, daß tech­nisch ein­wand­freie Fo­tos das Mo­tiv ih­rer Wahl zwangs­läu­fig bes­ser wie­der­ge­ben als man­gel­haf­te Aus­füh­run­gen, las­sen sie sich auch auf die tech­ni­sche Sei­te der Fo­to­gra­fie ein. Trotz al­lem sind aber sie die bes­se­ren Fo­to­gra­fen, auch wenn sie kein tie­fe­res In­ter­es­se am Me­di­um der Fo­to­gra­fie äu­ßern, denn sie ver­ste­hen Auf­nah­men zu ma­chen, die den Be­trach­ter fes­seln.

Dem ist wohl nichts hin­zu­zu­fü­gen.

 
[1] An­dre­as Fe­i­nin­ger: Gro­ße Fo­to­leh­re, Hey­ne 1978.

  1. Etosha  •  19. Sep. 2006, 10:40 Uhr

    Oh, schön! :) Das ist ja Salz in mei­ne Wun­den, nein, Öl in mein Feu­er... auch nicht. But­ter auf mei­nem Kopf. Nein, nein.
    Geht run­ter wie Öl! DAS wars! ;)

    #1 

  2. zonebattler  •  19. Sep. 2006, 10:59 Uhr

    Ganz ru­hig...

    ...und nur nicht den Sand in den Kopf stecken: Das wird schon wie­der! ;-)

    #2 

  3. tim  •  14. Okt. 2006, 23:31 Uhr

    Ir­gend­wie be­ru­hi­gend, dass es schon vor der Ära der Di­gi­tal­ka­me­ras Men­schen gab, die mehr über Fo­to­gra­fie re­den kön­nen, als sel­ber zu fo­to­gra­fie­ren.

    #3 

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