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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Bon­jour tri­stesse (35) Schaf­fens­re­ste »

Ver­schenk­te Chan­cen

Ge­stern Abend ha­be ich mich wie­der ein­mal der Sich­tung und Auf­lö­sung mei­nes Be­ta­max-Ar­chi­ves ge­wid­met und ein vor Jahr­zehn­ten auf­ge­zeich­ne­tes Fern­seh­spiel von 1974 wie­der­ge­se­hen: »Cau­tio Cri­mi­na­lis« skiz­ziert das Le­ben und die Zwei­fel des jun­gen Je­sui­ten-Pa­ters Fried­rich Spee von Lan­gen­feld, der den Wahn der mör­de­ri­schen He­xen­ver­fol­gung zu be­zwei­feln, zu kri­ti­sie­ren und schließ­lich mit ei­nem an­onym pu­bli­zier­ten Buch zu be­kämp­fen be­ginnt...

Oh­ne jetzt das mit hoch­ka­rä­ti­gen deut­schen Schau­spie­lern be­setz­te TV-Stück im Ein­zel­nen re­zen­sie­ren zu wol­len: Ei­ne so über­aus stim­mi­ge und be­we­gen­de Mi­schung aus groß­ar­ti­ger Dar­stel­ler­kunst, span­nen­dem Dreh­buch (oh­ne plat­te Ac­tion-Sze­nen!) und un­spek­ta­ku­lä­ren, sti­li­sier­ten Stu­dio­ku­lis­sen, so et­was gibt es heut­zu­ta­ge schlicht nicht mehr. In den 1970er Jah­ren in­des­sen wa­ren Li­te­ra­tur­ver­fil­um­gen und an­spruchs­vol­le TV-Ad­ap­tio­nen hi­sto­ri­scher Stof­fe kei­nes­wegs die sel­te­nen High­lights, nach de­nen man in den Pro­gramm­zeit­schrif­ten lan­ge hät­te su­chen müs­sen. Doch das, was an der­lei Gemmen in den Ar­chi­ven schlum­mert, gilt heut­zu­ta­ge als bil­dungs­bür­ger­li­cher Quo­ten­kil­ler und wird al­len­falls an­läß­lich des Tod ei­nes be­tei­lig­ten Mi­men zu nacht­schla­fen­der Stun­de in ei­nem der drit­ten Pro­gram­me ge­zeigt.

Da­bei wä­re qua­li­ta­ti­ves und bil­den­des Fern­se­hen nicht nur die Do­mä­ne des öf­fent­li­chen recht­li­chen Fern­se­hens, es wä­re so­gar des­sen ur­ei­ge­ner und oben­drein ge­büh­ren­fi­nan­zier­ter Auf­trag! Frei­lich zieht man es in den halb­staat­li­chen Sen­de­an­stal­ten längst vor, mit den von den Zu­schau­ern be­zahl­ten Mil­lio­nen den un­säg­li­chen Plat­ti­tü­den des Pri­vat-Fern­se­hens so­zu­sa­gen »auf Au­gen­hö­he« Kon­kur­renz zu ma­chen und weit­ge­hend den­sel­ben Schund zu pro­du­zie­ren...

Ein sehr le­sens­wer­ter Es­say über den Ver­fall po­li­tisch-kul­tu­rel­ler In­for­ma­ti­on fin­det sich auf TELEPOLIS un­ter dem Ti­tel »Die In­du­stria­li­sie­rung des Den­kens«. Ich ha­be bei der Lek­tü­re mehr als ein­mal re­si­gniert seuf­zen müs­sen. Was mei­nen mei­ne ge­schätz­ten Le­se­rIn­nen zu die­sem The­ma?

  1. Ruppi 1979  •  24. Nov. 2007, 21:16 Uhr

    Das ist mit ein Grund war­um bei mir die Ki­ste aus bleibt, ge­le­gent­lich wird ei­ne gu­te Do­ku ge­schaut, mehr nicht. Dann lie­ber ei­ne Run­de Mo­no­po­ly mit gu­ten Freun­den....

    #1 

  2. Lexikaliker  •  26. Nov. 2007, 17:41 Uhr

    Ei­gent­lich ...

    ... dach­te ich, so­fort et­was zu die­sem The­ma sa­gen zu kön­nen, doch dann ha­be ich ge­merkt, wie weit ich mit mei­nem Fern­seh­kon­sum vom Durch­schnitt ent­fernt bin und – noch wich­ti­ger – wie un­be­deu­tend das Me­di­um in­zwi­schen für mich ist. Soll hei­ßen: Wenn ich mir mal et­was an­schaue, dann ist es ir­gend­was im Drit­ten oder in ei­nem der Spar­ten­ka­nä­le (3sat, ar­te usw.); vom Pri­vat­fern­se­hen ha­be ich mich be­reits vor vie­len Jah­ren ab­ge­wandt. Manch­mal zeich­ne ich mir auch mal et­was auf und stel­le nicht sel­ten fest, daß ich mir die­se Auf­zeich­nung spä­ter nicht mehr an­schaue, und so nut­ze ich mein Fern­seh­ge­rät in­zwi­schen fast aus­schließ­lich zum An­schau­en von DVDs.

    Mit mei­nem Hör­funk­kon­sum sieht es nicht viel bes­ser aus, auch wenn mei­ne Hoff­nung, dort noch et­was interessante(re)s zu fin­den, grö­ßer ist als beim Fern­se­hen. Auch hier ha­be ich die Ent­wick­lung über fast drei Jahr­zehn­te ver­folgt und in die­ser Zeit die Strei­chung zahl­rei­cher Spe­zi­al­sen­dun­gen mit­er­le­ben müs­sen. Zum Du­del­funk fehlt mir ge­nau­so der Zu­gang wie zum sog. »In­fo­tain­ment«, so daß Sen­dun­gen wie »Der Tag« in hr2 zu den letz­ten ge­hö­ren, die ich noch re­gel­mä­ßig ver­fol­ge. – Im üb­ri­gen brau­che ich kein Aku­stik­de­sign (was sich dann z. B. als »bomm-bomm« zwi­schen den Nach­rich­ten­blöcken aus­drückt), möch­te die Mu­sik nicht durch Op­ti­mod & Co. ge­drückt be­kom­men und kom­me auch oh­ne die »Sub­ber­hits der 80er und 90er« durch den Tag. Ei­nem Arzt, bei dem ich kürz­lich mehr­fach war, ha­be ich ge­be­ten, wäh­rend mei­ner Be­hand­lung die Zwangs­be­schal­lung ab­zu­stel­len oder mir ei­ne Voll­nar­ko­se zu ver­pas­sen.

    Es gibt je­doch noch gu­te Sen­dun­gen, so­wohl im Fern­se­hen als auch im Hör­funk, doch ih­re Zahl wird klei­ner (ich bin mir des Um­stands be­wußt, daß man sich mit dem Be­schwö­ren ei­nes all­ge­mei­nen Qua­li­täts­ver­falls nicht nur un­be­liebt macht, son­dern auch Ge­fahr läuft, als eli­tär hin­ge­stellt zu wer­den, doch die­ses Ri­si­ko ge­he ich ein). Ei­ne wich­ti­ge Rol­le beim sub­jek­ti­ven Emp­fin­den der Qua­li­tät spielt aber auch der Um­stand, daß die ei­ge­nen An­sprü­che mit der Zeit stei­gen und und so selbst kon­stant gu­te Sen­dun­gen nicht mehr so recht be­frie­di­gen kön­nen; hin­zu kom­men der sich frü­her oder spä­ter zwangs­läu­fig ein­stel­len­de Sät­ti­gungs­zu­stand und das (viel­leicht al­ters­be­ding­te) Be­dürf­nis nach Stil­le.

    #2 

  3. Lexikaliker  •  2. Dez. 2007, 8:58 Uhr

    Rü­di­ger Suchs­land, der Au­tor des oben er­wähn­ten Ar­ti­kels »Die In­du­stria­li­sie­rung des Den­kens«, hat mit »Die Ge­wöh­nung ans Schlech­te«, sei­ner Be­spre­chung von Hans Wein­gart­ners Film »Free Rai­ner – Dein Fern­se­her lügt«, noch et­was zum The­ma nach­ge­legt. – Ein In­ter­view mit dem Re­gis­seur des Films gibt es im St. Gal­ler Tag­blatt.

    #3 

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