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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Ein­mal Brigh­ton und zu­rück (4)

Der näch­ste Rei­se­tag be­gann mit ei­nem Ab­ste­cher nach Veur­ne, un­se­rem letz­ten Be­sich­ti­gungs­halt in Bel­gi­en. Da­nach zü­gig wei­ter­ge­fah­ren durch den Nord­zip­fel Frank­reichs bis nach Dün­kir­chen, ans Meer, ans Meer! Wind, Mö­wen, wei­ter Blick gen En­gel­land! Wir stell­ten das Au­to am En­de ei­ner Wohn­stra­ße di­rekt am Strand ab und be­streif­ten den­sel­ben bar­fuß bei Eb­be...

Beton-Bank am Strand von Dünkirchen

Am Was­ser konn­ten wir dann erst­mals die Ein­ge­bo­re­nen be­stau­nen und stu­die­ren: Die Fran­zo­sen sind ja be­rühmt-be­rüch­tig­te Lieb­ha­ber und die Fran­zö­sin­nen al­le­samt schon von Kin­des­bei­nen an ko­kett. Das hört selbst ein an­son­sten sprachun­kun­di­ger zo­ne­batt­ler so­fort aus de­ro me­lo­di­ös-ero­ti­schen Spra­che her­aus. Kaum halb­wüch­sig bis er­wach­sen, tur­teln sie al­lent­hal­ben her­um und scheu­en sich nicht, auch am hellich­ten Ta­ge und in al­ler Öf­fent­lich­keit un­ge­niert Kör­per­säf­te aus­zu­tau­schen...

Liebespaar am Strand von Dünkirchen

Wenn man Glück hat und Ro­bert Dois­ne­au heißt, wird man mit so­was be­rühmt, als da­her­ge­lau­fe­ner und en pas­sant drauf­hal­ten­der zo­ne­batt­ler na­tür­lich nicht. Aber sei’s drum, das ist wie­der ei­ne an­de­re Ge­schich­te...

Völ­lig über­schätzt wird doch da­ge­gen der Fran­zo­sen Fein­schmecker­tum! Un­ser­eins kann stolz auf ei­ne 48-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on im Frisch­milchtrin­ken zu­rück­blicken und ist in all’ den Jah­ren nie da­von ent­wöhnt wor­den. Völ­lig baff, ja nach­ge­ra­de ent­setzt stand ich da­her in den Su­per­märk­ten vor lee­ren Kühl­re­ga­len: Soll­ten sie in Frank­reich -wo doch auf je­der Wie­se her­den­wei­se Kü­he auf­ge­stellt sind- kei­ne Milch ha­ben? Doch, sie ha­ben, frei­lich so gut wie aus­schließ­lich in der für mei­nen ver­zär­tel­ten Ge­schmack fast un­ge­nieß­ba­ren H-Milch-Va­ri­an­te! Die wei­ßen Pla­stik­fla­schen tra­gen pa­stell­far­be­ne Eti­ket­ten, so daß der Rei­sen­de aus Deutsch­land zu­nächst glatt glaubt, hier vor ei­nem über­bor­den­dem Weich­spü­ler-An­ge­bot zu ste­hen:

Milch in einem französischen Supermarkt

Aber nein, Milch soll in den quietsch­bun­ten Fla­schen ent­hal­ten sein! Ei­ne pro­be­wei­se Ver­ko­stung be­stä­tig­te spä­ter die schlimm­sten Be­fürch­tun­gen: Pfui Dei­bel! Nach in­ten­si­ver Su­che in di­ver­sen Fein­kost­lä­den konn­te ich spä­ter tat­säch­lich rich­ti­ge Frisch­milch ent­decken, in ho­möo­pa­ti­schen Do­sen al­ler­dings und zu ex­or­bi­tan­ten, wenn nicht gar ex­tra­ter­re­stri­schen Prei­sen. Nee, schon des­we­gen könn­te ich dort nicht auf Dau­er le­ben...

Doch zu­rück von ku­li­na­ri­schen Fein­sin­nig­kei­ten zum un­mit­tel­ba­ren Ge­sche­hen: Wäh­rend un­se­res letzt­lich dann doch recht aus­ge­dehn­ten Spa­zier­mar­sches ent­lang der Ufer­pro­me­na­de ward un­ser treu­es Ve­hi­kel von Schur­ken­hand auf­ge­bro­chen und aus­ge­raubt! So­fort nach der Rück­kehr zum Wa­gen, schon beim Auf­sper­ren der Fah­rer­tür er­blick­te ich den un­ge­wohnt schief her­aus­ste­hen­den Ver­rie­ge­lungs­stift auf der Bei­fah­rer­sei­te und ahn­te Schlim­mes. Und in der Tat: Fach­kun­dig mit ei­nem wie auch im­mer ge­ar­te­ten Werk­zeug auf­ge­he­belt, war der Schloß­me­cha­nis­mus der Bei­fah­rer­tür of­fen­bar blitzz­schnell über­wun­den wor­den. Auf den er­sten Blick fehl­te al­ler­dings »nur« die Kar­ten­ta­sche, de­ren In­halt (At­lan­ten, Rei­se­füh­rer, selbst­ge­mal­te Rou­ten­plä­ne, In­ter­net-Aus­drucke) den Ein­bre­chern si­cher­lich kei­nen Nut­zen brach­te, uns aber um­so mehr fehl­te. [1]

Ein an sei­ner Ga­ra­ge wer­keln­der An­lie­ger, im Brot­be­ruf Po­li­zist (!), hat­te so­gar ein Au­to mit süd­fran­zö­si­schem Kenn­zei­chen und zwei du­bio­sen In­sas­sen be­ob­ach­tet, die sich wei­ter vorn in Rich­tung Strand an un­se­rem Mi­ni­bus auf­ge­hal­ten hat­ten. Un­ter­nom­men hat­te der Ge­set­zes­hü­ter frei­lich nichts wei­ter, da­für half er uns jetzt (eben­so um­sonst wie ver­ge­bens), im nä­he­ren Dü­nen­be­reich nach weg­ge­wor­fe­nem Beu­te­gut Aus­schau zu hal­ten... [2]

Ei­ne nun­mehr lo­se in den An­geln hän­gen­de Wa­gen­tür hät­te wohl zwangs­läu­fig zum Ab­bruch der Rei­se füh­ren müs­sen. Da sich die fach­män­nisch und oh­ne je­den Lack­scha­den auf­ge­bro­che­ne Tür jetzt aber von au­ßen gar nicht mehr, wohl aber noch (und nur) von in­nen öff­nen ließ, war zu­min­dest die Wei­ter­fahrt ge­si­chert. Den­noch: So ein bru­ta­ler Über­giff in die In­tim­sphä­re, der er­ste zu­mal im ei­ge­nen Er­le­ben, trau­ma­ti­siert und macht ei­nen zu­nächst glau­ben, daß Au­to gar nicht mehr aus den Au­gen las­sen zu dür­fen. Tat­säch­lich wa­ren der zo­ne­batt­ler und sei­ne bes­se­re Hälf­te heil­froh, sich am fol­gen­den Tag in Ca­lais ein­schif­fen und das Land der Au­to­knacker (vor­erst) ver­las­sen zu kön­nen. Im Ha­fen fiel die An­span­nung dann end­lich ein we­nig von uns ab, als wir uns auf Spur Nr. 14 in die Schlan­ge der auf die Fähr­ver­la­dung war­ten­den Au­tos ein­rei­hen durf­ten.

in der Warteschlange der Fährverladung in Calais

Nicht mehr lan­ge, dann wa­ren wir end­lich drü­ben im si­che­ren Schoß mei­nes er­klär­ten Lieb­lings-Rei­se­lan­des, durch­wegs be­völ­kert von ehr­li­chen Häu­ten, bie­de­ren Bräu­ten und ins­be­son­de­re vol­len Frisch­milch­re­ga­len. Bri­tan­nia, he­re we co­me!

 
[1] In Eng­land konn­ten (und muß­ten) wir dann Rei­se­füh­rer für Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich (die dicken von Dor­ling Kin­ders­ley) frisch er­wer­ben und die wei­te­re Rei­se­rou­te am­bu­lant fest­le­gen. Auch war die aus­ge­druck­te Bu­chungs­be­stä­ti­gung der Fähr­pas­sa­ge durch den drei­sten Dieb­stahl futsch und da­hin, doch hat­te ich den gleich­lau­ten­den Mail-Text samt Re­ser­vie­rungs­num­mer um­sich­ti­ger­wei­se in die Ka­len­der un­se­rer bei­den Palm-Or­ga­ni­zer ko­piert. Bei al­lem Är­ger ist es ein durch­aus er­he­ben­des Ge­fühl, wenn red­un­dan­te Si­cher­heits­vor­keh­run­gen sich ur­plötz­lich und un­ver­hoff­ter­wei­se doch mal aus­zah­len...

[2] Erst am Abend stell­ten wir noch ei­nen wei­te­ren Ver­lust fest, näm­lich den des Kul­tur­beu­tels: Zahn­bür­ste, Sei­fe und Dusch­gel wa­ren tags dar­auf leicht zu er­set­zen, nicht je­doch di­ver­se ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­te. Und über den ach so sinn­lo­sen Ver­lust sei­ner Knir­scher­schie­ne zeigt sich der Un­ter­zeich­nen­de noch heu­te ziem­lich zer­knirscht.

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