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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Es ist voll­bracht! Wun­der­ba­re Win­dows-Weich­wa­re (4) »

Fahrt ins Blaue

Heu­te hat der zo­ne­batt­ler ein­fach so blau ge­macht, sich kur­zer­hand in die nur mä­ßig fre­quen­tier­te Le­der­klas­se des ICE 21 ge­setzt und sich von Nürn­berg bis Pas­sau ver­wöh­nen las­sen, er­stens durch den freund­li­chen Zug­be­glei­ter, der Zei­tun­gen und fei­ne Scho­ko­la­den auf Ko­sten des rol­len­den Hau­ses of­fe­rier­te (die Wahl fiel auf die F.A.Z. so­wie auf Oran­ge-Sand­dorn-Ge­schmack), zwei­tens durch die schö­ne Aus­sicht, die ja schon ab Nürn­berg-Sand­reuth, erst recht ab Neu­markt (Oberpf), spä­te­stens ab Pars­berg und al­ler­spä­te­stens ab Re­gens­burg ein Quell rein­ster Freu­de ist:

ein Tagesausflug nach Passau

Wenn man sich da­zu über die gu­ten Ohr­stöp­sel Beet­ho­vens Sech­ste, die »Pa­sto­ra­le« mit­hin, au­ral ver­ab­folgt, wird das mu­si­ka­li­sche »Er­wa­chen hei­te­rer Emp­fin­dun­gen bei der An­kunft auf dem Lan­de« zum mul­ti­me­dia­len Breit­wand-Er­eig­nis. Da­nach noch ein we­nig in der Zei­tung ge­blät­tert, ein wei­te­res Scho­ko­läd­li auf der Zun­ge zer­ge­hen ge­las­sen (Sauer­kirsch dies­mal) und schwupp, schon ist man in der alt­ehr­wür­di­gen Drei­flüs­se­stadt und tritt aus der an­ge­nehm kli­ma­ti­sier­ten Blech­wurst hin­aus in die Schwü­le des son­ni­gen Som­mer­ta­ges. Mit we­ni­gen Schrit­ten ge­langt man in die na­he In­nen­stadt, wo ne­ben den üb­li­chen Al­ler­welts-Sou­ve­nirs auch re­gio­nal­ty­pi­sche Kopf­be­deckung in rei­cher Aus­wahl feil­ge­bo­ten wird:

ein Tagesausflug nach Passau

Mit ih­ren en­gen Gas­sen, den pit­to­res­ken Häu­sern und den al­ler­or­ten an­zu­tref­fen­den, ein­ge­k­ü­bel­ten Pal­men kann man der Alt­stadt süd­län­di­sches Flair nicht ab­spre­chen. Et­was ir­ri­tie­rend wirkt nur der ört­li­che Dia­lekt, der selbst den schön­sten Töch­tern der Re­gi­on an­haf­tet und der auf den Aus­wär­ti­gen ei­ni­ger­ma­ßen be­fremd­lich wir­ken kann. Doch ehe man lan­ge dar­über nach­ge­dacht hat, steht man auch schon an der schö­nen blau­en (bzw. eher blau­grü­nen) Do­nau...

ein Tagesausflug nach Passau

Rasch wird die Land­zun­ge schmal und schma­ler, und bald schon steht der stau­nen­de Be­trach­ter an de­ren Spit­ze, wo­selbst sich die dunk­len Flu­ten der Do­nau mit dem ra­ben­schwar­zen Was­ser der Ilz und bei­de sich mit der bräun­li­chen Pam­pe des Inns in­nig ver­quir­len und ver­men­gen. Ne­ben al­ler­lei stamp­fen­den Aus­flugs­schif­fen mit bei­gebe­ho­sten Rent­ner­ge­schwa­dern an Bord pad­deln auch ge­fie­der­te Leicht­ma­tro­sen un­ter el­ter­li­cher Auf­sicht in der Me­lan­ge her­um:

ein Tagesausflug nach Passau

Nach ei­ner län­ge­ren Denk­pau­se, wach­dö­send-blin­zelnd nach Art der Ei­dech­sen auf son­nen­be­schie­ne­ner Bank zu­ge­bracht, geht es im Zick­zack­kurs wie­der zu­rück in das La­by­rinth der Alt­stadt, in der es von ba­rocken Kir­chen nur so wim­melt. De­ren al­ler­präch­tig­ste ist der Dom, der -wie lei­der so vie­le über­kom­me­ne Zeug­nis­se sa­kral­ar­chi­tek­to­ni­scher Pracht- heut­zu­ta­ge von gan­zen Hor­den han­dy­hal­ten­der und kom­pakt­knip­sen­fuch­teln­der Idio­ten bei­der­lei Ge­schlechts be­völ­kert wird, die mit grel­lem Ge­blit­ze die Emp­find­lich­keit der Kunst miß­ach­ten und ih­re Un­fä­hig­keit zum ad­äqua­ten Um­gang mit Kul­tur­schät­zen wie auch den ei­ge­nen Ge­rät­schaf­ten weit­hin sicht­bar do­ku­men­tie­ren, oh­ne es selbst über­haupt zu be­mer­ken, ge­schwei­ge denn zu be­grei­fen...

ein Tagesausflug nach Passau

Drum al­so hur­tig wie­der nach drau­ßen ge­schrit­ten, wo sich die Igno­ran­ten und acht­lo­sen Dep­pen meist nicht auf den er­sten Blick als sol­che aus­wei­sen. In­zwi­schen frei­lich steht die Son­ne hoch im Ze­nit, und au­ßer­halb der en­gen, schat­ten­spen­den­den Gas­sen ist es hoch­som­mer­lich warm, ja nach­ge­ra­de brü­tend heiß ge­wor­den. Kein Wun­der, daß sich da kaum noch je­mand un­ge­schützt dem pral­len Son­nen­licht aus­set­zen mag:

ein Tagesausflug nach Passau

Doch Ab­küh­lung ist al­le paar Schrit­te zu ha­ben, sei es in flüs­si­ger, sei es in halb­fe­ster, in je­dem Fal­le ka­lo­ri­en­rei­cher Form. Und auch hier gibt es wel­che, die durch ih­re zi­vi­li­sa­ti­ons­mül­li­gen Hin­ter­las­sen­schaf­ten be­kun­den, daß ih­nen das ei­ge­ne Plai­sier al­les und die Äs­the­tik ih­res Um­fel­des rein gar nix be­deu­tet...

ein Tagesausflug nach Passau

Ir­gend­wann sind Bauch und Bir­ne voll, und so ta­pert man denn wie­der zu­rück zum Bahn­hof. Bis zum an­vi­sier­ten ICE gen Nürn­berg ist es zwar noch ei­ne Stun­de hin, aber die könn­te man ja im Schat­ten des Bahn­steig­da­ches mit der Lek­tü­re ei­nes an­ti­qua­risch er­wor­be­nen Bu­ches sinn­reich ver­brin­gen. In­des, die War­te­zeit fällt kür­zer aus als er­war­tet, denn der Vor­läu­fer-ICE aus Wien von ei­gent­lich zwei Stun­den vor­her läuft bald mit 80-mi­nü­ti­ger Ver­spä­tung ein, die, wie der Zug­chef spä­ter süf­fi­sant ver­kün­den wird, zu La­sten der ÖBB gin­gen und mit­hin kei­nen An­spruch auf Ver­spä­tungs­gut­schei­ne der DB be­grün­de­ten... Hät­te man als dem Ser­vice-Ge­dan­ken ver­pflich­te­ter Dienst­lei­ster viel­leicht et­was de­zen­ter aus­for­mu­lie­ren kön­nen, aber das sagt sich leicht, wenn man nicht sel­ber in der Si­tua­ti­on ist, mit dem viel­fäl­ti­gen Fol­ge­streß ei­ner der­ar­ti­gen Ver­spä­tung fer­tig­wer­den zu müs­sen.

ein Tagesausflug nach Passau

Mir kann’s näm­lich egal sein, ich muß ja nur zwei Sta­tio­nen wei­ter bis nach Nürn­berg und nicht auf an­de­re Fern­rei­se­zü­ge um­wech­seln. Auch rück­wärts ver­geht die Zeit im Zu­ge wie im Flu­ge, dies­mal zwar oh­ne Scho­ko­la­de, da­für aber mit der Süd­deut­schen Zei­tung und an­ge­neh­men Mit­rei­sen­den. Und schon hat mich die Hei­mat wie­der. Ge­müt­lich kurz nach 7:00 Uhr auf­ge­stan­den, vor 18:00 Uhr schon wie­der zu­rück, da­zwi­schen mehr Ein­drücke, als in Echt­zeit zu ver­ar­bei­ten wä­ren: Ein prall­vol­ler Tag!

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