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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Drei Län­der, zwölf Ta­ge und 1400 Ki­lo­me­ter (5)

Vor ein paar Jah­ren hat­te ich das be­ruf­li­che Glück (und per­sön­li­che Ver­gnü­gen), im Werk des größ­ten Ar­beit­ge­bers von Burg­hau­sen ein Wo­chense­mi­nar durch­füh­ren zu dür­fen. Fei­er­abends strolch­te ich dann durch die Stra­ßen und kam aus dem Stau­nen über den of­fen­sicht­li­chen Reich­tum der Kom­mu­ne gar nicht mehr hin­aus: Wäh­rend es in der hoch­ge­le­ge­nen Neu­stadt noch Un­men­gen in­ha­ber­ge­führ­ter Fach­ge­schäf­te (und kaum Han­dy-Lä­den und Ein-Eu­ro-Shops) zu ge­ben schien, war die tie­fer am Fluß ge­le­ge­ne Alt­stadt nicht nur bunt und präch­tig her­aus­ge­putzt, son­dern so­gar mit ei­ner zur ko­sten­frei­en Be­nut­zung of­fen­ste­hen­den Tief­ga­ra­ge groß­flä­chig un­ter­kel­lert. Aber hal­lo! Frü­her das Salz, heu­te die Che­mie, da­mit ließ und läßt sich wohl gu­tes Geld ver­die­nen...

Burg­hau­sen ver­fügt -no­men est omen- über die läng­ste Burg­an­la­ge Eu­ro­pas, die zu be­strei­fen man sich un­be­dingt aus­rei­chend Zeit neh­men soll­te. [1] Auch die Aus­sicht vom Burg­berg ins Um­land ist spek­ta­ku­lär; in Rich­tung Alt­stadt schafft es nur der Kirch­turm, die Rand­mau­er der Fe­stung zu über­ra­gen:

Blick über die Burghausener Burgmauer

Guckt man auf der ge­gen­über­lie­gen­den Sei­te nicht nur in die Fer­ne, son­dern auch hin­un­ter, so ver­schlägt es ei­nem schier die Spra­che: Da un­ten liegt das schön­ste Frei­bad, wel­ches dem Be­richt­erstat­ter in den knapp fünf De­ka­den An­we­sen­heit auf die­sem Pla­ne­ten je­mals un­ter die Au­gen ge­kom­men ist! Ei­ne ehe­mals mä­an­drie­ren­de Schlei­fe der Salz­ach ist es, die -längst durch be­gra­di­gen­den Durch­stich des Fluß­es vom die­sem ab­ge­zwickt und seit­her zum stil­len Alt­was­ser mu­tiert- dort drun­ten zum er­quicken­den Ba­de ein­lädt, von fri­schen Quel­len ge­speist, in herr­li­chem Sma­ragd­grün fun­kelnd...

Blick auf das Wöhrsee-Freibad von Burghausen

Frei­lich war es jetzt schon spä­ter Nach­mit­tag, und es woll­ten noch Burg und Stadt aus­gie­big in­spi­ziert so­wie an­schlie­ßend ein Stand­platz für die bald her­ein­bre­chen­de Nacht [2] ge­fun­den wer­den, dar­um muß­ten wir das ver­locken­de Ba­de­ver­gnü­gen auf den fol­gen­den Sonn­tag-Mor­gen ver­schie­ben.

Der Ein­gang zum Wöhr­see-Bad be­fin­det sich un­weit der Alt­stadt in der Nä­he des ehe­ma­li­gen Pul­ver­tur­mes der Burg, wo­selbst Se­nio­ren­hei­me in be­ster (=ru­hi­ger) La­ge ei­nen be­schau­li­chen Le­bens­abend ver­spre­chen. Um In­ter­es­sen­ten und spä­te­re Kun­den für die mut­maß­lich nicht ganz bil­li­gen Al­ten-An­stal­ten an­zu­locken, sind le­bens­ech­te Lock­vö­gel aus bunt be­mal­tem Kunst­stoff auf­ge­stellt (bzw. hin­ge­setzt):

Menschenplastiken aus Plastikmenschen

Die künst­li­che Oma lä­chelt zu­frie­den aus der red­un­dant be­schürz­ten Kit­tel­schür­ze, der al­te Herr da­ne­ben schaut in­des­sen ver­son­nen in die Fer­ne und spielt da­bei of­fen­bar ei­ne Run­de Ta­schen-Bil­lard. Kunst­stück oder Nar­re­tei? Egal, wir woll­ten ja ins Was­ser, schon weil ei­ne Wo­che des Her­um­zi­geu­nerns ab­seits al­ler Misch­bat­te­ri­en den Wunsch nach ei­ner or­dent­li­chen Du­sche im­mer drän­gen­der wer­den ließ...

Als lo­kal­pa­trio­ti­sche Für­ther er­in­ner­te uns je­nes Burg­hau­se­ner Na­tur­bad ganz au­ßer­or­dent­lich an die Fo­tos von den al­ten Für­ther Fluß­bä­dern. Der Ver­gleich hinkt na­tür­lich, der zum See ge­wor­de­ne Ex-Fluß­arm in Burg­hau­sen ist ja mit der wei­ter­hin flie­ßen­den hei­mi­schen Red­nitz nicht ver­gleich­bar, aber das En­sem­ble aus höl­zer­nen Um­klei­de­ka­bi­nen wirkt schon wie aus der Zeit ge­fal­len und über­aus nost­al­gisch:

Umkleidekabinen im Wöhrsee-Freibad

Mehr als ei­nen Ki­lo­me­ter kann man un­ter­halb der Burg­an­la­ge ge­ra­de­aus schwim­men, be­vor man das an­de­re Ufer er­reicht und not­ge­drun­gen wen­den muß. Wem un­ter­wegs Elan und En­er­gie aus­zu­ge­hen dro­hen, kann sich auf ei­ne der mit­ten­drin ver­an­ker­ten Son­nen­in­seln aus Holz wuch­ten und ei­ne Run­de (oder auch zwei) dö­sen. Was für ei­ne ele­men­ta­re Freu­de!

Wie neu­ge­bo­ren mach­ten wir uns nach dem Ba­de­ver­gnü­gen wie­der auf den Weg und die Pi­ste. Im­mer an der Salz­ach ent­lang han­gel­ten wir uns auf der öster­rei­chi­schen Sei­te nach Sü­den, bis wir bei Titt­mo­ning wie­der die Sei­te und das Land wech­sel­ten. Der klei­ne Ort und die ihn be­her­schen­de Burg sind ei­ne Be­sich­ti­gung al­le­mal wert. Sei­ne Ein­woh­ner schei­nen fröh­li­che Freun­de des Re­ben­saf­tes zu sein und über­dies krea­ti­ve Re­ste­ver­wer­ter:

Weinflaschen zu Blumenvasen!

So weit, so schön. Ei­gent­lich woll­te ich ja (wie vor­ei­li­ger­wei­se an­ge­kün­digt) in die­ser Fol­ge noch bis Salz­burg kom­men, aber es zeich­net sich ab, daß ich die ver­ehr­ten Le­se­rIn­nen et­was ver­trö­sten muß: In der heu­te auf­ge­schrie­be­nen Epi­so­de langt es näm­lich nur noch bis nach Lau­fen und das ge­gen­über­lie­gen­de Obern­dorf bei Salz­burg. Ei­ne präch­ti­ge Ju­gend­stil-Brücke mit al­ler­lei staats­tra­gen­der Or­na­men­tik ver­bin­det dort die in ei­ner Salz­ach-Schlei­fe ge­le­ge­ne baye­ri­sche Ge­mein­de mit dem öster­rei­chi­schen Ort jen­seits des Stro­mes.

Die Salzachbrücke zwischen Laufen und Oberndorf

Un­ser­eins ver­lor üb­ri­gens bei den häu­fi­gen Grenz­über­trit­ten auf der Fahrt mit­un­ter die Ori­en­tie­rung, in wel­chem Land er denn nun ge­ra­de war... [3]

Des zonebattler’s bes­se­re Hälf­te frön­te auch im Städt­chen Lau­fen wie­der ih­rer Lei­den­schaft, dem aus­gie­bi­gen In­spi­zie­ren von Kir­chen al­ler Kon­fes­sio­nen. Da­von kann sie ei­gen­ar­ti­ger­wei­se gar nicht ge­nug krie­gen, wo­von der Chro­nist ein Lied zu sin­gen weiß...

zurückgelassenes Notenblatt in der Laufener Stiftskirche

Ei­ne Be­geg­nung der be­son­de­ren Art gab es dann noch in ei­ner der ver­win­kel­ten Alt­stadt­gas­sen, wo wir mit zwei äl­te­ren Da­men ins Ge­spräch ka­men und spä­ter noch von ei­ner ihr ur­altes Haus (samt In­ven­tar) vom eben­ber­di­gen Ge­wöl­be bis zum Dach­bo­den aus­gie­big ge­zeigt und vor­ge­führt be­ka­men. Über­haupt gibt es in der Lau­fe­ner Alt­stadt (die wie so­vie­le Klein­städ­te heut­zu­ta­ge über­wie­gend von Al­ten be­völ­kert ist, denn die jun­gen Leu­te fin­den Ar­beit eher in den ent­fern­ten Städ­ten) vie­le ma­le­ri­sche Win­kel zu er­spech­ten, und wer der­lei semi­spitz­we­ges­ke Mo­ti­ve mag, könn­te knall­far­be­ne Post­kar­ten­bil­der am lau­fen­den Band pro­du­zie­ren:

abendliche Lichtstimmung in Laufen

Na ja, ge­nug da­von. Nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter wei­ter leg­ten wir uns zur Ru­he und ich mich jetzt hier und heu­te auch. In der dem­nächst fol­gen­den sech­sten Epi­so­de mei­ner aus­ufern­den Rei­se­re­por­ta­ge lan­den wir dann aber wirk­lich in Salz­burg!

 
[1] Der knips­freu­di­ge zo­ne­batt­ler emp­fiehlt fer­ner wärm­stens den Be­such im »Haus der Fo­to­gra­fie« (ali­as Dr.-Robert-Gerlich-Museum): Nicht nur Ap­pa­ra­te-Freaks und lo­kal­hi­sto­risch in­ter­es­sier­te Be­su­cher kom­men da auf ih­re (oh­ne­hin ge­rin­gen) Ko­sten, auch die künst­le­risch an­ge­hauch­ten Son­der­aus­stel­lun­gen sind von Rang und ho­hem Ni­veau!

[2] Ein sol­cher war nach ei­ni­gem Hin und Her in ei­nem Ge­wer­be­ge­biet hin­ter ei­ner ver­las­se­nen Fer­ti­gungs­hal­le ge­fun­den, um­ge­ben von Dis­count-Märk­ten, Tank­stel­len und In­du­strie­be­trie­ben. War zwar rein op­tisch nicht ver­gleich­bar mit den an­son­sten prä­fe­rier­ten Stand­or­ten in frei­er Na­tur, aber in fuß­läu­fi­ger Ci­ty-Nä­he und oben­drein mücken­frei. Und das war für uns ei­ne durch­aus will­kom­me­ne Ab­wechs­lung...

[3] Das galt selbst­re­dend nur für den Ver­fas­ser, sein zwei­bei­ni­ges Na­vi­ga­ti­ons­sy­stem auf dem Bei­fah­rer­sitz mit dem Au­to­at­las auf dem Schoß wuß­te auch oh­ne GPS-Tracker stets und zu je­der Zeit, wo­selbst wir uns ge­ra­de be­fan­den.

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