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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Dienstag, 21. Dezember 2021

Spar­zwang

Vom praktischen Wandkalender zum Schreibtisch-Gimmick: sic transit gloria mundi

Sonntag, 8. November 2020

La­den­schluß (3)

Ehemaliges Ladengeschäft(chen) in der Cadolzburger Straße

Sonntag, 1. Dezember 2019

Band of Bro­thers (Bä­ren­brü­der)

Hinterhofflohmärktig feilgebotene Werbe-Plüschbären

Sonntag, 26. Mai 2019

Schwe­di­scher Struk­tur­wan­del

Restaurierte Industriearchitektur in Norrköping / Südschweden

Donnerstag, 24. Januar 2019

Time Warp

Freigelegter gastronomischer Preisaushang in München

Montag, 24. Dezember 2018

Ak­ti­on mit Pfiff

Aufgelassenes Ladenlokal in Odenbach (Glan)

Mittwoch, 26. September 2018

Neue Kol­le­gen ge­sucht!

Der zonebatt­ler ist im Zi­vil­be­ruf ei­ner von knapp 1000 Mit­ar­bei­tern von DB Trai­ning, Lear­ning & Con­sul­ting, dem Bil­dungs­an­bie­ter im Deut­sche Bahn-Kon­zern. Wir sind »Voll­sor­ti­men­ter« und ma­chen al­les von Out­door-Päd­ago­gik für Azu­bis über Soft Skills für Füh­rungs­kräf­te bis hin zu »har­ten« Tech­nik-The­men für Blau­män­ner. Ich selbst sit­ze in un­se­rem Trai­nings­zen­trum Nürn­berg und pla­ne dort als Mit­ar­bei­ter der Bil­dungs­dis­po­si­ti­on (Be­reich Fahr­zeug­tech­nik) die In­stand­hal­ter­trai­nings für die ICE-Flot­te der DB. Da­zu or­che­strie­re ich per­so­nel­le und ding­li­che Res­sour­cen in Raum und Zeit und sor­ge u.a. da­für, daß Trai­ner, Teil­neh­mer, Un­ter­la­gen, Ta­blets etc. zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort zu­sam­men­fin­den.

Falls je­mand in mei­ner Le­ser­schaft ei­ne Aus­bil­dung und/oder Be­rufs­er­fah­rung im tech­ni­schen Be­reich hat (vor­zugs­wei­se als Elek­tro­tech­ni­ker oder ‑in­ge­nieur) und ei­ne neue Her­aus­for­de­rung als Ver­mitt­ler kom­ple­xer tech­ni­scher Zu­sam­men­hän­ge sucht, könn­te ich even­tu­ell wei­ter­hel­fen: Wir ha­ben stän­dig Be­darf an Fach­trai­nern, die ei­ner­seits tech­nisch ver­siert sind, an­de­rer­seits ei­ne Nei­gung zur päd­ago­gi­schen Sei­te des Jobs ha­ben. Ak­tu­ell ha­ben wir mehr al­ters­be­ding­te Ab­gän­ge (Ru­he­stand) als an neu­en Ge­sich­tern nach­kommt, was zu­se­hends zum Pro­blem wird, weil sich die Auf­trags­la­ge ge­gen­läu­fig ent­wickelt und schier durch die Decke schießt.

Tech­nisch (Stich­wort Di­gi­ta­li­sie­rung) sind wir ziem­lich vor­ne mit da­bei, ich ver­wei­se hier bei­spiel­haft auf un­se­ren »vir­tu­el­len Dach­gar­ten« des ICE 4, sie­he

Die Ver­mitt­lung hoch­spe­zia­li­sier­ten Wis­sens und Kön­nens im Schie­nen­fahr­zeug-Sek­tor ist frag­los in­ter­es­sant, for­dernd und ab­wechs­lungs­reich, man ist zu­dem weit­ge­hend sein ei­ge­ner Herr, aber man muß halt auch mit der an­de­ren Sei­te der Me­dail­le zu­recht­kom­men kön­nen, die da heißt Rei­se­tä­tig­keit. Die Trai­nings fin­den we­gen des Pra­xis­be­zu­ges an den Stand­or­ten der be­triebs­na­hen oder schwe­ren In­stand­hal­tung statt, und die sind – je nach Be­trei­ber der Fahr­zeu­ge und je nach Fa­kul­tät – über das Land ver­teilt und nicht un­be­dingt in der Nä­he des ei­ge­nen Wohn­or­tes. Be­deu­tet in mei­nem Me­tier (ICE) kon­kret Mün­chen, Frank­furt, Ber­lin, Ham­burg, Köln, ge­le­gent­lich auch Kre­feld, Dort­mund, Leip­zig oder Nürn­berg. Zwi­schen­drin gibt’s im­mer wie­der mal Zeit­räu­me für Pro­dukt­pfle­ge (Hand­bü­cher ak­tua­li­sie­ren, Lern­kon­zep­te an­pas­sen), die man auch da­heim zu­brin­gen bzw. frei ge­stal­ten kann.

In spe­zi­fi­schen Be­rei­chen (z.B. Käl­te­tech­nik, Zug­si­che­rungs- und Leit­tech­nik) ha­ben wir ehe­ma­li­ge Rund­funk- und Fern­seh­tech­ni­ker oder Elek­tri­ker an Bord, die sich auf ih­re Ni­schen­the­men spe­zia­li­siert ha­ben. Ar­beit gibt’s ge­nug, und als Hand­lungs­rei­sen­der in Sa­chen Bil­dung hat man Frei­heits­gra­de, die ein sta­tio­nä­rer Mit­ar­bei­ter mit Chef im Rücken eher nicht hat.

»Ge­setz­tes Al­ter« ist üb­ri­gens kein Pro­blem: Wir ha­ben ei­ni­ge In­ge­nieu­re und an­de­re Fach­leu­te im Team, die erst mit deut­lich jen­seits der 50 zu uns ge­fun­den ha­ben (und mit ih­rem Job zu­frie­den bis glück­lich sind). Pi mal Dau­men kann man sa­gen, daß es beid­sei­tig loh­nend ist, wenn ei­ner nach der Ein­ar­bei­tung (ca. ein Jahr) noch et­wa zehn Jah­re vor sich hat bis zum Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze.

Ei­ne of­fi­zi­el­le Stel­len­aus­schrei­bung fin­det sich im Kar­rie­re-Por­tal der DB. Die dort ge­for­der­te mehr­jäh­ri­ge Er­fah­rung in der In­stand­hal­tung von Trieb­fahr­zeu­gen ist kein K.O.-Kriterium!

Ach­tung: Wer sich be­wer­ben mag, mö­ge mich bit­te VORHER kon­tak­tie­ren, dann kann ich im Rah­men der Ak­ti­on »Mit­ar­bei­ter wer­ben Mit­ar­bei­ter« u. U. ei­ne »Kopf-Prä­mie« in Hö­he von 1.500 EUR kas­sie­ren, die ich im Er­folgs­fal­le selbst­ver­ständ­lich mit dem neu­en Kol­le­gen brü­der­lich tei­len wür­de... Hin­ter­her ist zu spät!

P.S.: Hier noch ein paar kei­ne Ein­blicke in die Welt des mo­bi­len Ge­raf­fels und des­sen In­stand­hal­tung:

Die dort bei der Ar­beit ge­zeig­ten Blau­män­ner zu schu­len ist die Auf­ga­be un­se­rer »Lern­be­glei­ter« von DB Trai­ning. In­ter­es­sen­ten mel­den sich bit­te bei mir.

P.S.: Auch wenn ich im­mer nur männ­li­che Be­zeich­nun­gen ver­wen­det ha­be: Neue Kol­le­gIN­NEN wä­ren uns selbst­ver­ständ­lich eben­so will­kom­men!

Samstag, 28. April 2018

Ge­schichts­ver­ges­sen­heit

Gleich ge­gen­über des zonebattler’s Schre­ber­gar­ten, auf der an­de­ren Sei­te des Gleis­fel­des, hat die­ser Ta­ge das hur­tig hin­ge­wor­fe­ne Ho­tel »niu Sadd­le« sei­ne Pfor­ten ge­öff­net. Der dep­per­te Na­me ist Pro­gramm, wie auf der Web­site er­läu­tert wird: »Sadd­le steht für die im Mit­tel­al­ter prä­sen­ten Le­der­sät­tel und ist ei­ne An­ek­do­te an die Rei­ter­ar­mee von Karl der Gro­ße in Fürth.« Das ist gram­ma­ti­ka­lisch gleich mul­ti­pel falsch und auch in­halt­li­cher Dumm­fug. Ei­nen Ab­satz wei­ter le­sen wir, was Fürth zu bie­ten hat, näm­lich ei­ne »idyl­li­sche, frän­ki­sche Alt­stadt vol­ler hi­sto­ri­scher Bau­denk­mä­ler aus dem Mit­tel­al­ter«. Mit­tel­al­ter, aha. Der/die Tex­te­rin ist ver­mut­lich ein(e) junge(r) Hipster(in) mit Klipp­schul-Ab­schluß, der/die das ei­ge­ne Mit­tel­al­ter noch weit vor sich hat...

Wie ich über­haupt da­zu kom­me, mich dort­hin vir­tu­ell zu ver­ir­ren? Weil ich von ei­ner Mar­ke­ting-Tan­te ei­ne »Ein­la­dung für Euch Blog­ger, In­sta­grammer und Mei­nungs­ma­cher in Fran­ken« er­hal­ten ha­be. Laut Agen­da des »au­ßer­ge­wöhn­li­chen Abends« will man »... das in­spi­rie­ren­de De­sign er­le­ben, das Haus er­kun­den, in der Li­ving Lob­by Cock­tails und Spei­sen ge­nie­ßen und uns in­ten­siv aus­tau­schen«. So so.

Ich hal­te mich nicht für ei­nen Mei­nungs­ma­cher, aber mei­ne Mei­nung da­zu steht schon fest: An­ge­sichts des zu Er­war­ten­den pro­ste ich doch lie­ber 100 Me­ter wei­ter süd­lich be­freun­de­ten Nach­barn mitt­le­ren Al­ters zu und tau­sche mich mit de­nen in­ten­siv über die Fra­ge aus, wo je­nes sa­gen­haf­te Fürth wohl lie­gen mag, wel­ches da be­schrie­ben steht!

Samstag, 5. August 2017

Fake Moon

Ge­stern abend, kurz vor Mit­ter­nacht: Der zonebatt­ler geht noch­mals raus auf den hin­te­ren Bal­kon, um das Wet­ter für die Nacht und den heu­ti­gen Tag zu pro­gno­sti­zie­ren. Der Him­mel wirkt ei­ni­ger­ma­ßen klar, nur der Mond fun­zelt et­was trü­be durch ei­nen Dunst­schlei­er hin­durch. Ei­ne dunk­le Wol­ke zieht über ihn hin­weg...

Aber Mo­ment mal: Be­wegt sich der Mond et­wa selbst? Der Be­richt­erstat­ter reibt sich die Au­gen und guckt noch­mal ge­nau­er hin: Tat­säch­lich, der Erd­tra­bant scheint zu pen­deln. Ist das Au­to­sug­ge­sti­on? Täu­schen die spo­ra­disch vor­bei­zie­hen­den Wol­ken ei­ne Be­we­gung nur vor? Die bes­se­re Hälf­te wird her­bei­ge­ru­fen, um das Phä­no­men mit ei­ge­nen Au­gen zu prü­fen und ggf. zu be­stä­ti­gen.

Und in der Tat, wir se­hen bei­de, daß der »Mond« ei­ne leich­te Pen­del­be­we­gung aus­führt. Der Blick durch das Fern­glas trägt nicht zur Auf­klä­rung bei, da­zu ist das klei­ne Ding nicht licht­stark ge­nug. Wir tip­pen schließ­lich bei­de auf ei­nen Bal­lon.

Nachts Gestirn, tagsüber Werbeträger: Der ALDI-Ballon

Heu­te mor­gen nun strahl­te die Son­ne zu­nächst der­ma­ßen stark aus der glei­chen Rich­tung, daß man sie mit der Hand be­schat­ten muß­te, um zu se­hen, ob da noch was ist. Und tat­säch­lich, der »Mond« war als schwar­ze Sil­hou­et­te gleich ne­ben der Son­ne zu er­ken­nen. Und auch ei­ne wei­te­re Ver­mu­tung trifft zu: Die »Wol­ken« wa­ren nichts an­de­res als auf­ge­druck­te AL­DI-Lo­gos, die durch die Ei­gen­ro­ta­ti­on der Bal­lon­hül­le schein­bar vor­über­ge­zo­gen wa­ren!

Da­mit ist al­les klar: Un­se­re na­he AL­DI-Fi­lia­le fei­ert nach er­folg­tem Um­bau ih­re Neu­eröff­nung im neu­en Look. Der Wer­be­bal­lon ist groß ge­nug, um als Mond durch­ge­hen zu kön­nen, rund ge­nug, um sich nicht un­ten durch ei­nen Schnie­pfel samt Seil zu ver­ra­ten, und re­flek­tie­rend ge­nug, um durch das Streu­licht der nächt­li­chen Stadt als gleich­mä­ßig il­lu­mi­niert zu er­schei­nen. Wie­vie­le An­ru­fe we­gen ei­ner ver­meint­li­chen UFO-Sich­tung heu­te nacht wohl bei der Po­li­zei ein­ge­gan­gen sind?

Montag, 27. März 2017

Po­sta­li­scher Zeit­be­trug

Als Vor­stands­mit­glied und Schatz­mei­ster von Für­thWi­ki e. V. leert der zonebatt­ler ein­mal wö­chent­lich das Post­fach des Ver­eins. Nach­dem er es in der letz­ten Wo­che aber aus al­ler­lei Grün­den nicht ge­schafft hat­te, die­sen eh­ren­amt­li­chen Dienst­gang zu un­ter­neh­men, ha­ste­te er am Sams­tag um 13 Uhr zur Für­ther Haupt­post, um der selbst­auf­er­leg­ten Pflicht noch recht­zei­tig nach­zu­kom­men.

Um fünf nach eins er­reich­te ich die Tür der Schließ­fa­che­ria und fand die­se be­reits ver­schlos­sen vor. Al­les Ruckeln am Tür­knauf half selbst­ver­ständ­lich nichts. Al­so raus aus dem Hof, vor­ne wie­der rein in den Schal­ter­raum und der nächst frei­en Chri­stel von der Post die Si­tu­ta­ti­on ge­schil­dert: Schließ­fach­an­la­ge am Sams­tag laut of­fi­zi­el­lem Aus­hang bis 13:30 Uhr ge­öff­net, Schließ­fach aber be­reits um 13:05 Uhr nicht er­reich­bar. Und was er­zählt mir dar­auf­hin die gel­be Kol­le­gin? Tja, da ha­be wohl je­mand schon die Schalt­uhr, wel­che die Tür au­to­ma­tisch ver- und ent­rie­ge­le, schon auf Som­mer­zeit um­ge­stellt. Sie be­dau­re, aber von ih­nen vor­ne am Tre­sen hät­te nie­mand ei­nen Schlüs­sel oder Zu­gang zur Schließ­fach­an­la­ge...

Da we­der das An­fau­chen noch das Auf­fres­sen der Be­dien­ste­ten die Si­tua­ti­on zum Po­si­ti­ven ge­wen­det hät­te, troll­te sich der vor un­ter­drück­ter Wut in­ner­lich ko­chen­de Be­schwer­de­füh­rer und muß dann halt heu­te nach­mit­tag er­neut zur Für­ther Haupt­post trot­ten in der Hoff­nung, nix Re­le­van­tes ver­säumt zu ha­ben. Wird schon nicht wie­der ein un­an­ge­neh­mer An­walts­brief drin sein, ver­mut­lich so­gar gar nix oder nur un­er­wünsch­te Re­kla­me. Gleich­wohl: ein in­ak­zep­ta­bles Un­ding bleibt der hemds­är­me­li­ge Um­gang mit der amt­li­chen Zeit al­le­mal!

Donnerstag, 4. August 2016

Kopf­lo­sig­keit

Auf Käufer wartende Schaufensterpuppen-Torsi
Sonntag, 31. Juli 2016

Land der Lu­pi­nen und La­krit­zen (2)

Schon am zwei­ten Ta­ge un­se­res Auf­ent­hal­tes mach­ten wir uns selb­dritt auf zu ei­ner klei­nen Städ­te­tour in das knapp 50 km süd­öst­lich ge­le­ge­ne Norr­köping.[1] Bis in die 1960er Jah­re hin­ein war die Stadt ein Zen­trum der Tex­til­in­du­strie, da­nach ging es wirt­schaft­lich steil berg­ab auf­grund sich wan­deln­der Kon­sum­ge­wohn­hei­ten und vor al­lem we­gen der star­ken Kon­kur­renz aus fern­öst­li­chen Bil­lig­lohn­län­dern. Das En­de der Ge­schich­te ken­nen wir aus ei­ge­ner An­schau­ung, die Baum­woll­in­du­strie Er­lan­gen-Bam­berg Ak­ti­en­ge­sell­schaft (ERBA) läßt grü­ßen...

Im­mer­hin ha­ben sich in Norr­köping trotz auch dort vor­ge­kom­me­ner Ab­riß­or­gi­en et­li­che an­sehn­li­che In­du­strie­bau­ten er­hal­ten, die heut­zu­ta­ge ver­schie­den­ste Nach­nut­zung durch Be­hör­den, Star­tups, In­sti­tu­te und kuk­tu­rel­le Ein­rich­tun­gen er­fah­ren:

saniertes Industriegebäude in Norrköping

Um dem Ver­lust von Ar­beits­plät­zen in der Tex­til­in­du­strie et­was ent­ge­gen­zu­set­zen, wur­den An­fang der 1970er Jah­re ei­ni­ge staat­li­che Be­hör­den aus der Haupt­stadt Stock­holm nach Norr­köping ver­la­gert. Der Ver­gleich mit Fürth, Grun­dig, Quel­le und dem Baye­ri­schen Lan­des­amt für Sta­ti­stik drängt sich da ge­ra­de­zu auf: Ähn­li­che Pro­ble­me wer­den halt al­ler­orts mit ähn­li­chen Me­tho­den be­kämpft...

Wo der Ab­riß­bag­ger in Norr­köping Al­tes ver­nich­tet hat, um Neu­em Platz zu schaf­fen, ist oft­mals ar­chi­tek­to­nisch durch­aus Vor­zeig­ba­res ent­stan­den. Der Kon­trast hat sei­ne äs­the­ti­schen Rei­ze, wenn­gleich sich frag­los nur ei­ne dün­ne Schicht Gut­ver­die­ner das Le­ben im üp­pig ver­gla­sten Stadt­loft lei­sten kann:

Neubau im Herzen Norrköpings, am Motala ström

Wir schlen­der­ten noch ein Weil­chen am Mo­ta­la ström ent­lang und durch die sonn­täg­lich ru­hi­ge In­nen­stadt und be­fan­den schluß­end­lich: Ja, hier lie­ße es sich wohl le­ben. Ins­be­son­de­re dann, wenn ei­nem das plat­te Land als zu ein­sam vor­kommt und die Me­tro­po­le Stock­holm als zu groß...

Aber mit der In­spi­zie­rung Norr­köpings war der Tag ja noch nicht an­nä­hernd ge­füllt: Hei­ter wei­ter ging es da­her in Rich­tung Ost­see­kü­ste, al­so er­neut nach Süd­osten. Da­bei ka­men wir durch ei­nen Ort mit dem denk­bar kür­ze­sten Na­men, der es al­lein des­halb schon ver­dient, hier fest­ge­hal­ten zu wer­den (Ku­rio­si­tä­ten sind ja ein gern ge­rit­te­nes Stecken­pferd des Be­richt­erstat­ters):

Ortschild von Å

Ja, der Ort heißt wirk­lich »Å«...[2] Ziel und Wen­de­punkt un­se­res Ta­ges­aus­flugs war in­des Ty­ris­löt, von wo aus man – am Ufer der Schä­ren­mee­res ste­hend – di­ver­se Schä­ren se­hen kann. Hun­der­te, nein Tau­sen­de In­seln säu­men die Kü­sten, bis zum of­fe­nen Meer wä­re man stun­den­lang un­ter­wegs. In­ter­es­sant ist die Er­kennt­nis, daß sich die nach Ab­schmel­zen der eis­zeit­li­chen Glet­scher im Wort­sin­ne »er­leich­ter­ten« Land­mas­sen auch heu­te noch – wenn auch lang­sam – he­ben (Stich­wort: post­gla­zia­le Land­he­bung), was da­zu führt, daß neue In­sel­chen en­ste­hen, be­reits vor­han­de­ne grö­ßer wer­den und frü­he­re Hä­fen ver­lan­den.

Lei­der war we­der Zeit noch Ge­le­gen­heit, mit ei­nem Post­boot durch das stei­ner­ne La­by­rinth zu schip­pern, aber das Ge­se­he­ne war schon ein­drucks­voll ge­nug. So mach­ten wir uns al­so auf den Rück­weg und steu­er­ten da­bei noch das pit­to­res­ke Städt­chen Söder­köping an. An des­sen Nord­rand liegt der Göta-Ka­nal, und in dem wie­der­um fah­ren nost­al­gisch-schö­ne Pas­sa­gier­schif­fe wie die hier ex­em­pla­risch fest­ge­hal­te­ne »Lin­dön« her­um:

Dampfer »Lindön« im Göta-Kanal bei Söderköping

Söder­köping gilt als ei­ne der best­erhal­te­nen mit­tel­al­ter­li­chen Städ­te Schwe­dens. Mei­ner ei­ner hät­te die vie­len Holz­häu­ser auf­grund ih­res ma­kel­lo­sen Er­hal­tungs­zu­stan­des nicht un­be­dingt bis zu­rück ins Mit­tel­al­ter da­tiert, aber ja, das Städt­chen hat Charme!

Über­haupt kam sich der Chro­nist stän­dig wie in ei­ner der aus Kin­der­ta­gen er­in­ner­li­chen Fern­seh­se­rie schwe­di­scher Pro­ve­ni­enz vor. Al­les so­zu­sa­gen ziem­lich put­zig-pip­pi­l­ang­strump­fig in die­sem in mul­ti­pler Hin­sicht mu­ster­gül­ti­gem Land...[3]

Holzhäuser in Söderköping

Als wir nach aus­gie­bi­ger Be­sich­ti­gung Söder­köpings den Ort ver­lie­ßen und die Heim­fahrt an­tra­ten, war es schon halb sie­ben Uhr abends. Ziem­lich ge­nau um 19 Uhr mach­ten wir dann noch bei Finspång in ei­nem Su­per­markt Sta­ti­on, um uns für die fol­gen­den Ta­ge zu ver­pro­vi­an­tie­ren und des Freun­des Spei­se­kam­mer zu fül­len.

Das sonn­täg­li­che (!) Ein­kaufs­er­leb­nis ver­dient ei­ne aus­führ­li­che Wür­di­gung. Zu­nächst ein­mal ist be­mer­kens- und fest­hal­tens­wert, daß auch an Sonn­ta­gen und bis in den spä­ten Abend ge­öff­ne­te Lä­den in Schwe­den nichts Be­son­de­res sind, son­dern ge­leb­te Nor­ma­li­tät. Kein Mensch kä­me hier auf die Idee, im an­geb­li­chen In­ter­es­se der Be­schäf­tig­ten ei­ne all­ge­mei­ne Sonn­tags­ru­he ein­zu­for­dern. Uns war es recht, wir schau­en uns in frem­den Lan­den im­mer ger­ne Su­per­märk­te von in­nen an, schon we­gen der un­ge­wohn­ten Pro­dukt­viel­falt und ‑ver­packun­gen. Die er­ste Über­ra­schung er­war­te­te uns aber be­reits im Ein­gangs­be­reich des Ein­kauf­zen­trums:

Batterie von Scannerpistolen

Tja, was sind das wohl für ei­gen­ar­ti­ge Ge­rät­schaf­ten, die da ih­rer Ent­nah­me durch den Kun­den har­ren? Ge­nau, Scan­ner­pi­sto­len! Mit die­sen Din­gern kann der Kun­de wäh­rend sei­nes Ein­kaufs­bum­mels selbst die ge­wähl­ten Pro­duk­te re­gi­strie­ren und ih­re Prei­se auf­ad­die­ren las­sen, bei au­to­ma­ti­scher Be­rück­sich­ti­gung al­ler ak­tu­el­len Ak­ti­ons­prei­se und Ra­bat­te, ver­steht sich. Aber hal­lo!

Un­ser Freund de­lek­tier­te sich an un­se­rer Ver­blüf­fung, zück­te läs­sig sei­ne Kun­den­kar­te, check­te da­mit am Au­to­ma­ten-Ter­mi­nal ein und be­kam ei­ne die­ser Scan­ner-Pi­sto­len zu­ge­wie­sen. Für die griff­be­rei­te Auf­wah­rung der per­sön­li­chen Re­gi­strier­kas­se ver­fügt je­der Ein­kaufs­wa­gen über ein ent­spre­chen­des Draht­körb­chen:

Scannerpistole in ihrer Halterung

Mit die­ser La­ser­ka­no­ne be­waff­net, macht sich der Kun­de no­lens vo­lens zum Kom­pli­zen der Be­triebs­wir­te, die ihm ei­nen Teil der per­so­nal­in­ten­si­ven Ar­beit zur Ei­gen­er­le­di­gung über­tra­gen. Die da­für ge­währ­ten Preis­nach­läs­se und son­sti­gen Vor­tei­le ma­chen si­cher­lich nur ei­nen Bruch­teil der Per­so­nal­ko­sten aus, die man mit der flä­chen­decken­den Ein­füh­rung sol­cher Ge­rät­schaf­ten ein­spa­ren kann. Von den Mög­lich­kei­ten der Aus- und Ver­wer­tung der von den Kun­den frei­wil­lig, ne­ben­bei und mas­sen­haft ge­lie­fer­ten Da­ten zum in­di­vi­du­el­len Kon­sum­ver­hal­ten gar nicht zu re­den!

Dis­kus­sio­nen über das Pro und Con­tra sind in­des mü­ßig, was wir in Schwe­den pro­to­ty­pisch be­ob­ach­ten konn­ten, wird bei uns auch so kom­men, und zwar eher über kurz als über lang. Funk­tio­niert hat das Ein­le­sen der Pro­dukt­da­ten selbst­ver­ständ­lich pro­blem­los, und auch das Stor­nie­ren be­reits re­gi­strier­ter Pro­duk­te bei spon­ta­ner Um­ent­schei­dung war kein The­ma. Ein wei­te­res Fas­zi­no­sum schwe­di­scher Su­per­märk­te und Dis­coun­ter (deutsch­stäm­mi­ger in­klu­si­ve) sind üb­ri­gens die aus­la­den­den An­ge­bots­wän­de für sü­ße und sal­zi­ge Schütt­gü­ter:

Lakritz undd Gummibären galore!

Im Nach­hin­ein war es wo­mög­lich ein Feh­ler, di­ver­se la­krit­zo­ide Lecker­lis zwar in gro­ßer Viel­falt pro­bier­hal­ber ein­zu­kau­fen, aber über­wie­gend erst nach der Heim­kehr nach Deutsch­land zu ver­ko­sten: Da wa­ren der­ma­ßen süch­tig ma­chen­de Ex­em­pla­re da­bei, die wir bei recht­zei­ti­gem Aus­pro­bie­ren vor Ort ki­lo­wei­se ge­bun­kert und bis zur Gren­ze des zu­läs­si­gen Ge­päck­ge­wich­tes in die Kof­fer ge­stopft hätten.[4]

Mit vol­lem Ein­kaufs­wa­gen ge­lang­ten wir schließ­lich im Kas­sen­be­reich an, den wir oh­ne zwi­schen­mensch­li­chen Kon­takt ver­lie­ßen, denn selbstedend braucht es we­der für (bar­geld­lo­se) Zah­lung, Pi­sto­len­ab­ga­be und Kas­sen­bon-Kon­trol­le das Zu­tun ir­gend­wel­cher Mitarbeiter(innen). Üb­ri­gens auch nicht zur Al­ters­kon­trol­le, denn Spi­ri­tuo­sen mit mehr als 3,5 % Al­ko­hol­ge­halt be­kommt man oh­ne­hin nur in staat­li­chen Lä­den (zu deut­lich re­strik­ti­ve­ren Öff­nungs­zei­ten) zu kau­fen. Im schwe­di­schen Su­per­markt gibt’s we­der rich­ti­ges Bier noch Wein noch Ei­er­li­kör (letz­te­res zum ar­gen Ver­druß des En­des­un­ter­fer­tig­ten). So, aber nun Kof­fe­raum­klap­pe zu und ge­nug für heu­te. Bis bald!

 
[1] Die End­sil­be -köping fin­det man bei schwe­di­schen Orts­na­men re­la­tiv oft. Die Aus­spra­che »-schöp­ping« deu­tet schon dar­auf hin, was da­mit be­zeich­net wird, näm­lich ei­ne Markt­ge­mein­de. So­was gib’s ja bei uns auch, sie­he Neu­markt.

[2] ...und ist da­mit so­zu­sa­gen das Ge­gen­teil der wa­li­si­schen Zun­gen­bre­cher-Ge­mein­de Ll­an­fairpwllgwyn­gyll­go­ge­rychwyrn­drobwlll­lan­ty­si­liogogo­goch.

[3] Am Ran­de sei ver­merkt, daß ich aus­ge­rech­net die Kin­der­se­rie »Pip­pi Lang­strumpf« als grau­en­voll und zum Fremd­schä­men pein­lich in Er­in­ne­rung be­hal­ten ha­be. Mei­ne nun­mehr durch­aus vor­han­de­ne Af­fi­ni­ät zu Schwe­den exi­stiert al­so nicht we­gen, son­dern trotz die­ser me­dia­len Kind­heits-Re­mi­nes­zen­zen...

[4] Schon das al­lein ist ein hin­rei­chen­der Grund, spä­te­stens im näch­sten Jahr wie­der Schwe­den an­zu­steu­ern. Die in den dort er­hält­li­chen La­kritz-De­li­ka­tes­sen er­laub­ter­wei­se vor­han­de­nen Kon­zen­tra­tio­nen von Süß­holz und Am­mo­ni­um­chlo­rid (aka Sal­mi­ak) gibt’s bei uns in Deutsch­land al­len­falls in als »Er­wach­se­nen-La­kritz« de­kla­rier­ter Im­port­wa­re.

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