Zum Inhalt springen


zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Fol­gen­ab­schät­zung Jetzt oder nie »

Die Schatz­in­sel (2)

Wo und wie al­so an­fan­gen? Viel­leicht am be­sten mit dem Hin­weis, daß La Pal­ma ein klei­nes Uni­ver­sum für sich ist: Trotz recht über­schau­ba­rer Ab­mes­sun­gen und ei­ner Flä­che von nur 708 Qua­drat­ki­lo­me­tern ist die In­sel im Osten ganz an­ders als im We­sten und im Sü­den nicht ver­gleich­bar mit dem Nor­den. Land­schaft und Ve­ge­ta­ti­on mu­ten im­mer wie­der ver­schie­den an, nicht ein­mal das Wet­ter ist al­ler­or­ten ähn­lich. Ein in Nord-Süd-Rich­tung ver­lau­fen­der Hö­hen­zug aus al­ten Vul­kan­kra­tern teilt die In­sel näm­lich in zwei kli­ma­tisch deut­lich un­ter­scheid­ba­re Hälf­ten: Da die feuch­ten Pas­sat­win­de von Osten kom­men und ih­re Wol­ken sich an den stei­len Hän­gen stau­en und ab­reg­nen, hat­ten wir schlau­er­wei­se auf der ge­ne­rell trocke­ne­ren und meist auch son­ni­ge­ren West­sei­te Quar­tier be­zo­gen. Doch wo im­mer man sich auf La Pal­ma nie­der­läßt, dem An­blick von Ba­na­nen-Plan­ta­gen ent­geht man fast nir­gends:

luftdurchlässige Mauer um eine Bananen-Plantage

Vie­le An­bau­flä­chen sind in gro­ßem Maß­stab mit ei­nem Wind- und Wet­ter­schutz aus Ge­we­be oder Fo­lie über­dacht, was zwar den Er­trag stei­gern mag, den Na­tur­lieb­ha­ber frei­lich als äs­the­ti­sche Sün­de er­sten Ran­ges be­frem­det. Über­haupt ist es mit dem bis­lang schwer sub­ven­tio­nier­ten Ba­na­nen­an­bau so ei­ne Sa­che, denn wie bei al­len Mo­no­kul­tu­ren wird auch hier ri­go­ros mit der che­mi­schen Keu­le ge­gen Schäd­lin­ge vor­ge­gan­gen. Man riecht es un­ten bei den Ba­na­nen, man merkt es wei­ter oben auch in den ter­ras­sier­ten Wein­bau­ge­bie­ten: Es wird ge­spritzt, was das Zeug hält, und ob das ver­wen­de­te Prä­pa­rat für den Men­schen wirk­lich un­schäd­lich und sei­ne Do­sie­rung im­mer sorg­fäl­tig ab­ge­mes­sen ist, kann man glau­ben oder nicht...

Erst­ma­lig hat­ten wir frei­lich Ge­le­gen­heit, Ba­na­nen nicht nur im Su­per­markt, son­dern so­zu­sa­gen »in frei­er Wild­bahn« und an der Stau­de zu se­hen. Ganz er­staun­lich sind die nach­ge­ra­de rie­si­gen Blü­ten­stän­de, die an den Bü­scheln dran­hän­gen (und die man als kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­scher Kon­su­ment ge­mein­hin nie zu Ge­sich­te be­kommt):

komplette Bananenstaude mit Blütenstand

Im rund ums Jahr mil­den Kli­ma ge­dei­hen in­des nicht nur exo­ti­sche Früch­te, es wirkt sich schein­bar auch äu­ßerst le­bens­ver­län­gernd auf al­te Au­to­mo­bi­le aus: Wie oft sieht man in Deutsch­land z.B. noch ei­nen Re­nault R4, ei­ne »En­te« oder gar ei­nen VW Prit­schen­wa­gen der er­sten Ge­nera­ti­on her­um­fah­ren? Auf La Pal­ma kom­men ei­nem der­lei Ve­hi­kel stän­dig ent­ge­gen! Die zahl­rei­chen of­fen­bar noch im täg­li­chen Ein­satz be­find­li­chen Land Ro­ver-Pick­ups der pal­me­ri­schen Bau­ern hat­ten es mir be­son­ders an­ge­tan, er­in­ner­ten sie mich doch an »Dak­ta­ri«, ei­ne mei­ner Lieb­lings-TV-Se­ri­en aus se­li­gen Kind­heits­ta­gen...

typischer Land Rover mit Pritschenaufbau

Die äl­te­sten und schön­sten Ex­em­pla­re die­ser ro­bu­sten Klein­la­ster (je­ne mit den eng zu­sam­men­ste­hen­den Schein­wer­fern links und rechts des Küh­ler­grills) ha­be ich lei­der nicht fo­to­gra­fie­ren kön­nen, die konn­te ich stets nur kurz in vol­ler Fahrt be­stau­nen, als sie uns auf kur­ven­rei­cher Stra­ße röh­rend ent­ge­gen­ka­men. Für das ge­zeig­te Fo­to stand da­her ein et­was neue­rer Typ Mo­dell, der aber ‑nach un­se­ren Maß­stä­ben- auch schon von ei­ner nost­al­gi­schen Au­ra um­ge­ben war.

Cla­rence (den schie­len­den Lö­wen aus je­ner Se­rie um den ame­ri­ka­ni­schen Tier­arzt in Afri­ka) ha­ben wir na­tür­lich nicht ge­se­hen, wohl aber sei­ne fe­li­ne Ver­wand­schaft: her­ren- bzw. frau­chen­lo­se Kat­zen schnur­ren und schnü­ren auf La Pal­ma über­all um ei­nen her­um. Nicht sel­ten ma­chen sie ei­nen er­bar­mungs­wür­di­gen Ein­druck...

verwilderte Hauskatze auf einem Müllcontainer

Auch Fe­der­vieh gibt es auf der In­sel reich­lich, was man sehr schnell merkt, wenn man bei of­fe­nem Fen­ster schläft: Spä­te­stens um vier Uhr in der Früh’ schrei­en sich die Häh­ne hier die Häl­se hei­ser. Und weil es Ih­rer vie­le sind, stei­gern sie sich auch ge­gen­sei­tig rein in ei­ne Gockel-Ka­ko­pho­nie, die das Wei­ter­schla­fen we­nig­stens bis zum Son­nen­auf­gang zur sport­li­chen Auf­ga­be macht. Da­ge­gen gibt es nur ein Re­zept, näm­lich aus­dau­ern­des und er­schöp­fen­des Wan­dern, wel­ches zu tie­fem und lan­gem Schlaf ver­hilft und mit dem wir dann in der näch­sten Fol­ge be­gin­nen wol­len!

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag

Diskussion

  1. Zappo  •  2. Jun. 2010, 15:49 Uhr

    Die Ka­te­rin oder der Kät­zer sieht aber dü­ster drein. Wirst sie/ihn/es doch wohl nicht ge­neckt ha­ben? Die Vor­stel­lung, 16 ge­schärf­te Kral­len aus al­ler­näch­ster Nä­he zu se­hen, ist kei­ne schwe­re wel­che...

    #1 

  2. zonebattler  •  2. Jun. 2010, 18:47 Uhr

    Ich är­ge­re kei­ne Mie­zen, ich bin ja schließ­lich mit Tie­ren groß­ge­wor­den. Aber wie schon de­zent an­ge­deu­tet ist es mit dem Tier­schutz in süd­li­chen Län­dern nicht im­mer weit her, nicht ein­mal bei fell­tra­gen­den Vier­bei­nern. Ka­strie­ren oder Ste­ri­li­sie­ren ko­stet nur Geld, lie­ber schmeißt man ei­nen un­ge­wünsch­ten Wurf Jung­tie­re in den Con­tai­ner, ins Meer oder in ei­ne der tie­fen Schluch­ten. Wer über­lebt, muß sich al­lei­ne durch­schla­gen, was bald mit an­ge­schla­ge­nem All­ge­mein­zu­stand, schlecht ver­hei­len­den Wun­den und Un­ge­zie­fer­be­fall ein­her­geht. Da braucht es wohl kein »Necken« durch dep­per­te Tou­ri­sten mehr, um dü­ster aus dem Pelz zu schau­en...

    Es gibt aber auch Ge­gen­bei­spie­le. In ei­nem Pri­vat­grund­stück ha­be ich ein gu­tes Dut­zend of­fen­bar bes­ser­ge­stell­ter Asy­lan­ten her­um­strei­chen se­hen, z.B. jene(n?):

    nur leicht zerzauste Katze, die augenscheinlich ein Zuhause hat...

    Licht und Schat­ten lie­gen na­he bei­ein­an­der, auf La Pal­ma au­gen­fäl­li­ger als bei uns.

    #2 

  3. zonebattler  •  3. Jun. 2010, 17:18 Uhr

    Und noch ein Fo­to möch­te ich hier er­läu­ternd nach­rei­chen, dies­mal zu der von mir oben be­haup­te­ten Land­schafts­ver­schan­de­lung durch ein­ge­hau­ste Ba­na­nen­plan­ta­gen:

    Bananen-Plantagen, soweit das Auge reicht

    So wie hier im We­sten bei Los Lla­nos sieht es an­dern­orts auch aus: Al­les Ba­na­ne!

    #3 

Kommentar-RSS: RSS-Feed für Kommentare nur zu diesem Beitrag

Eigenen Senf dazugeben: