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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Aus dem Sumpf ge­zo­gen

Als ich den Münch­hau­sen vor et­li­chen Jah­ren zum er­sten Mal im Fern­se­hen sah, war ich so­gleich fas­zi­nert von der Fi­gur des »Lü­gen­ba­rons«, vor al­lem aber vom gran­dio­sen Hans Al­bers, der die­se Rol­le ganz frag­los aus­fül­len und le­ben konn­te wie kein zwei­ter. Seit­her ha­be ich so gut wie je­de TV-Aus­strah­lung auf­ge­zeich­net und zwi­schen den ver­schie­de­nen Fas­sun­gen und Ko­pi­en so man­chen fei­nen Un­ter­schied be­merkt. Man sieht schon dar­an, wie sehr mich der mär­chen­haf­te Film nach­hal­tig in sei­nen Bann ge­schla­gen hat... Was na­tür­lich auch an der Fa­bu­lier­kunst des von den Na­zis ver­fem­ten Schrift­stel­lers Erich Käst­ner liegt, der un­ter dem Pseud­onym Bert­hold Bür­ger für das Dreh­buch ver­ant­wort­lich zeich­ne­te.

In­des­sen war ich da­mals viel zu jung, um die po­li­ti­sche Di­men­si­on des mit im­mensem Auf­wand mit­ten im Krieg ge­dreh­ten Ju­bi­lä­ums-Films der Ufa wahr­neh­men, ge­schwei­ge denn be­ur­tei­len zu kön­nen: Selbst­ver­ständ­lich ist auch (und ge­ra­de!) ein vor­der­grün­dig auf harm­lo­se Un­ter­hal­tung ge­trimm­ter Film ein Po­li­ti­kum, wenn er in ei­nem to­ta­li­tä­ren Füh­rer­staat mit Bil­li­gung, ja ak­ti­ver För­de­rung der Ob­rig­keit ent­steht: Für den NS-Pro­pa­gan­da­mi­ni­ster Go­eb­bels war der Strei­fen denn auch si­cher we­ni­ger ein ci­ne­asti­sches Mei­ster­werk, son­dern ein durch­aus wir­kungs­vol­les Mit­tel zur Be­ein­flus­sung, sprich Be­täu­bung der durch den schon meh­re­re Jah­re an­dau­ern­den Krieg zer­mürb­ten Be­völ­ke­rung.

Die Dis­kus­si­on harm­lo­ses Lü­gen­mär­chen oder ge­fähr­li­che Pro­pa­gan­da­lü­ge soll hier und heu­te frei­lich nicht mein The­ma sein, da­zu mö­ge man bei Mar­kus Hie­ber wei­ter­le­sen. Mir geht es um die Vor­der­sei­te der Me­dail­le: Mit sei­nen für die da­ma­li­ge Zeit un­er­hör­ten Trick­ef­fek­ten ist und bleibt die­ser frü­he Farb­film für mich eben auch ei­ne Mei­ster­lei­stung des Ki­nos und der Er­zähl­kunst, die jetzt end­lich auf DVD er­hält­lich ist!

Münchhausen

Der Fried­rich-Wil­helm-Murnau-Stif­tung ver­dan­ken wir ei­ne di­gi­tal re­stau­rier­te Film­fas­sung, die das Al­ter des Ori­gi­nals fast ver­ges­sen läßt, oh­ne die sanf­ten Tö­ne des Ag­fa­co­lor-Far­ben­film-Ver­fah­rens durch Über­trei­bung zu ih­rem Nach­teil zu ver­än­dern. Auch die Ton­spur ist be­hut­sam re­kon­stru­iert, wirkt aber kei­nes­wegs »di­gi­tal­ty­pisch« ste­ril: Man merkt, daß hier Ken­ner (und Kön­ner) am Wer­ke wa­ren!

Be­son­ders be­mer­kens­wert ist die opu­len­te Aus­stat­tung der Edi­ti­on: Im schö­nen Papp­schu­ber fin­den sich gleich zwei DVDs, da die zahl­rei­chen Ex­tras nicht mehr zu­sam­men mit dem Haupt­film auf ei­ner Schei­be un­ter­zu­brin­gen wa­ren. In der Tat ist es sehr er­freu­lich, was uns da auf der Bo­nus-Disc prä­sen­tiert wird: Ne­ben klei­nen Münch­hau­sen-Trick­fil­men, ei­ner Fo­to­ga­le­rie und zahl­rei­chen Bio­gra­fi­en ist es vor al­lem die span­nen­de Do­ku­men­ta­ti­on »Ein My­thos in Ag­fa­co­lor«, die mich mit ih­ren vie­len Film­aus­schnit­ten und Zeit­zeu­gen­be­rich­ten be­gei­stert hat! Zwar deu­tet das Do­ku-Fea­ture die po­li­ti­sche Bri­sanz der Film­kunst im »Drit­ten Reich« nur am Ran­de an und be­schäf­tigt sich mehr mit den tech­nik­hi­sto­ri­schen As­pek­ten, doch ver­mag das ih­ren Wert in mei­nen Au­gen kaum zu schmä­lern. Üb­ri­gens fehlt auch ein in­for­ma­ti­ves Book­let nicht: Al­les in al­lem ein wirk­lich fa­cet­ten­rei­ches und lie­be­voll zu­sam­men­stell­tes Zu­ga­ben-Feu­er­werk, wie man es bei vie­len an­de­ren Film­klas­si­ker-Edi­tio­nen oft schmerz­lich ver­mißt...

Film / In­halt 5 Sterne
Bild & Ton 4 Sterne
Ex­tras 5 Sterne
Auf­ma­chung 4 Sterne
Ge­samt­ur­teil 5 Sterne

Mit dem »Münch­hau­sen« hat die Fir­ma Tran­sit Film, die sich in vor­bild­li­cher Wei­se um die Prä­sen­ta­ti­on von Mei­len­stei­nen der deut­schen Film­ge­schich­te be­müht, ei­nen ech­ten Voll­tref­fer ge­lan­det. Und da der Preis im Ge­gen­satz zur schrä­gen Sto­ry kei­nes­wegs ab­ge­ho­ben ist, soll­ten Film­freun­de hier so­fort zu­schla­gen !

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