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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Rad ab

Wie­wohl der zo­ne­batt­ler (der­zeit noch) ein Au­to­mo­bil be­sitzt, tritt er für ei­ne grund­sätz­li­che In­fra­ge­stel­lung, wenn nicht gar all­ge­mei­ne Äch­tung des mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehrs ein. Gu­te Ar­gu­men­te da­für lie­fert ein le­sens­wer­tes Zeit-In­ter­view mit dem dem Ver­kehrs­wis­sen­schaft­ler Her­mann Kno­fla­cher: »Das Au­to macht uns to­tal ver­rückt«.

Diskussion

  1. Tobi B.  •  23. Sep. 2007, 18:18 Uhr

    Als Kind vom Lan­de...

    ...das zwar mitt­ler­wei­le die Vor­zü­ge der Groß­stadt ge­nießt, je­doch die er­sten zwan­zig Jah­re sei­nes Le­bens in ei­ner struk­tur­schwä­che­ren Ge­gend tief in der Ober­pfalz zu­ge­bracht hat, muss ich ein we­nig dif­fe­ren­zie­ren: So­wohl der zo­ne­batt­ler als auch Herr Kno­fla­cher se­hen mit den Au­gen des Stadt­men­schen auf den In­di­vi­du­al­ver­kehr. Das tue ich seit gut zwei Jah­ren auch und aus die­ser Per­spek­ti­ve ge­he ich auch ganz und gar kon­form mit der Aus­sa­ge im Bei­trag bzw. dem ver­link­ten In­ter­view. Für den Groß­stadt­be­woh­ner sind Au­tos, wenn man’s ge­nau nimmt, über­flüs­sig. Aber wenn man mal ein paar Ki­lo­me­ter aus der Groß­stadt raus­fährt, dann wan­delt sich das Bild: In den letz­ten 20 Jah­ren sind bspw. in der Ober­pfalz die klei­nen Dorf-Le­bens­mit­tel­lä­den, ‑Metz­ge­rei­en, ‑Bäcke­rei­en etc. durch Su­per­märk­te in den Un­ter­zen­tren ver­drängt wor­den – mit dem Er­geb­nis, dass man selbst we­gen ei­nes Beu­tels Milch oder ei­nes Laibs Brot, den man kau­fen will, schon 5–10 Ki­lo­me­ter in den näch­sten grö­ße­ren Ort fah­ren muss. Be­trach­tet man dann noch die „Qua­li­tät“ des ÖPNV da drau­ssen, dann kommt man gar nicht mehr um das Au­to her­um. Just my two cents...

    #1 

  2. suzomi  •  23. Sep. 2007, 22:49 Uhr

    Ur­sa­che und Wir­kung

    Auch mei­ner ei­ner kommt aus ei­nem struk­tur­schwa­chen Ge­biet. Ich kann mich noch er­in­nern, dass in mei­ner Kind­heit et­li­che noch kein Au­to hat­ten und selbst­ver­ständ­lich re­gel­mä­ßig den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr nutz­ten. Mit der Zu­nah­me des In­di­vi­du­al­ver­kehrs wur­den die Zü­ge im­mer lee­rer und schließ­lich die Strecke still­ge­legt. Gleich­zei­tig wuch­sen die Su­per­märk­te auf den Wie­sen vor der Klein­stadt und die klei­nen Lä­den in der In­nen­stadt muss­ten nach und nach schlie­ßen. Heu­te fah­ren nur noch spo­ra­disch Bus­se und die äl­te­ren Leu­te kla­gen, dass sie oh­ne Au­to kaum noch zum Ein­kau­fen oder zu Arzt­ter­mi­nen kom­men kön­nen...
    So führt die ver­meint­li­che Ver­bes­se­rung der Mo­bi­li­tät ein­zel­ner zu An­fang letzt­lich zu ei­ner Ver­schlech­te­rung der Le­bens­um­stän­de für al­le was Ver­sor­gung, Lärm und Luft­qua­li­tät an­geht.

    #2 

  3. Ruppi 1979  •  24. Sep. 2007, 0:19 Uhr

    Mei­ne Mei­nung.

    Mein Sohn schreibt bei Ih­nen ja öf­ters mal ei­nen Kom­men­tar rein, nun mel­det sich mal sein Va­ter. Im Grun­de hat der Herr Kno­fla­cher si­cher recht. Ich selbst war Bau­lei­ter bei ei­ner In­stal­la­ti­ons­fir­ma in Nürn­berg, die vie­len wech­sel­ten Bau­stel­len lie­ßen sich oh­ne Au­to nicht be­wäl­ti­gen und ich muß ehr­lich zu­ge­ben, nach manch­mal 10 Stun­den auf dem Bau hat man kei­ne Lust mehr ewig auf Bus oder Bahn zu war­ten. Hät­te ich ei­nen Ar­beits­platz ge­habt der im­mer am glei­chen Ort ge­we­sen wä­re, hät­te ich ger­ne die VAG be­nutzt, wir brau­chen nicht dar­über re­den, die bil­li­ge­re Al­ter­na­ti­ve sind die Öf­fent­li­chen. Ich sel­ber weiß noch als Kind, als man mit der Stra­ßen­bahn noch ewig nach Nürn­berg brauch­te und als die Au­tos dann er­schwing­lich wur­den, war das für mich ein Se­gen, denn von Bau­stel­le zu Bau­stel­le brauch­te ich im­mer ewig mit der Stra­ba. Auf mein Au­to möch­te ich nicht mehr ver­zich­ten, denn wenn man öko­no­misch und ver­ant­wor­tungs­voll da­mit um­geht spricht nichts da­ge­gen Au­to zu fah­ren. Das ist mei­ne Mei­nung.

    Noch ei­nen schö­nen Abend,

    Heinz Rupprecht

    #3 

  4. Lexikaliker  •  24. Sep. 2007, 6:35 Uhr

    Wä­re ich ...

    ... auf öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel an­ge­wie­sen, um mei­nen Ar­beit­platz zu err­rei­chen, so hät­te ich die drei­fa­che Fahrt­zeit, und so möch­te auch ich nicht ganz auf das Au­to ver­zich­ten. Aber wenn ich das In­ter­view rich­tig ver­stan­den ha­be, so steht nicht der Ver­zicht auf den In­di­vi­du­al­ver­kehr als Lö­sung im Mit­tel­punkt, son­dern die Rol­le des Au­tos in un­se­rer Ge­sell­schaft.

    Kno­fla­cher sagt: Das Au­to ist wie ein Vi­rus, das sich im Ge­hirn fest­setzt und Ver­hal­tens­ko­dex, Wer­te­sy­stem und Wahr­neh­mung to­tal um­kehrt, und da­mit hat er si­cher recht. Auch wenn mei­ne au­to­freie Kind­heit nicht im­mer ganz prak­tisch war, so hat­te sie sich doch im nach­hin­ein auch Vor­tei­le – für mich ist ein Au­to im­mer noch (und nur) ein Hilfs­mit­tel zur Fort­be­we­gung. Be­gei­ster­ten Dis­kus­sio­nen über neue Au­to­mo­del­le kann ich nichts ab­ge­win­nen, und zum all­täg­li­chen Wahn­sinn auf den Au­to­bah­nen fehlt mir erst recht je­der Zu­gang.

    Da ich mich mit der­ar­ti­gen un­po­pu­lä­ren An­sich­ten in ei­ner Ge­sell­schaft, in der das Au­to ei­ne hei­li­ge Kuh ist, oh­ne­hin schon ins Ab­seits be­ge­be, le­ge ich ger­ne noch et­was nach: Die Ver­eh­rung des Au­tos so­wie das Ak­zep­tie­ren der Schä­den und erst recht der Un­fall­op­fer sind ei­ner Zi­vi­li­sa­ti­on un­wür­dig.

    #4 

  5. zonebattler  •  24. Sep. 2007, 18:17 Uhr

    Mut zur Vi­si­on

    Ich will doch gar nicht in Ab­re­de stel­len, daß bei den heu­ti­gen Ge­ge­ben­hei­ten längst nicht je­der auf ei­nen mo­to­ri­sier­ten Un­ter­satz ver­zich­ten könn­te. Gar kei­ne Fra­ge, die Hin­wei­se auf die Si­tua­ti­on auf dem plat­ten Land oder auf die Zwän­ge vie­ler Be­rufs­tä­ti­ger sind ernst­zu­neh­men und si­cher be­rech­tigt. Aber das ist ja auch nicht wirk­lich der Kern der De­bat­te, um die es hier geht: Wie der le­xi­ka­li­ker sehr rich­tig re­pe­tiert und re­flek­tiert, geht es im ver­link­ten Ar­ti­kel und in der von mir da­mit auch hier los­ge­tre­te­nen Dis­kus­si­on doch pri­mär um den ein­schnei­den­den und all­um­fas­sen­den Wer­te­wan­del, den uns das Au­to be­schert hat und der von den mei­sten Men­schen und Mit­bür­gern gar nicht wei­ter hin­ter­fragt wird: Tag­täg­lich se­he ich auf dem Marsch zum Bahn­hof Leu­te, die an der Stra­ßen­kreu­zung ste­hen­blei­ben, ob­wohl sie den Geh­steig der Vor­fahrt­stra­ße ent­lang­lau­fen und da­her Vor­rang vor que­ren­den Kraft­fahr­zeu­gen ge­nie­ßen. Ei­gent­lich. Aber der Mensch ord­net sich re­flex­haft dem Au­to un­ter, und das wie selbst­ver­ständ­lich, weil er of­fen­bar auch um­ge­kehrt die Un­ter­wer­fung der Pas­san­ten er­war­tet und vor­aus­setzt, so­bald er sich selbst hin­ter das Steu­er setzt! Muß das zwangs­läu­fig so sein?

    Ziem­lich ket­ze­risch den­ke ich, daß ziem­lich vie­le PKW-Fahr­ten gänz­lich un­nütz sind und von selbst un­ter­blie­ben, wenn die Men­schen mit ih­rer ur­ba­nen Wohn­si­tua­ti­on der­ma­ßen zu­frie­den wä­ren, daß sie froh wä­ren, da­heim sein zu kön­nen, statt sich auf der Su­che nach dem schnel­len (doch vor­über­ge­hen­den) Glücks­ge­fühl sonst­wo­hin zu ver­schaf­fen. Denn das ist des Pu­dels (und der pro­fes­so­ra­len Aus­sa­ge) Kern: Die Leu­te wol­len da­hin, wo’s bes­ser, lu­sti­ger, schö­ner etc. zu sein ver­spricht als da, wo sie ge­ra­de sind. Und da stellt sich dann durch­aus die Fra­ge, ob ei­ne grü­ne, men­schen­ge­mä­ße und au­to­freie In­nen­stadt mit al­len denk­ba­ren An­nehm­lich­kei­ten in fuß­läu­fi­ger Reich­wei­te nicht die at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve ist zu den grau­en Stra­ßen­schluch­ten der au­to­ge­rech­ten Me­tro­po­le: Da wür­den dann ziem­lich vie­le wie­der in Rich­tung Stadt zie­hen wol­len, na­he an den Ar­beits­platz, na­he zu den Freun­den... Wo­mit ich bit­te­schön nichts ge­gen das Land­le­ben ge­sagt ha­ben will, ich hal­te nur die täg­li­che Mas­sen­pend­le­rei im ei­ge­nen Bür­ger­kä­fig für ei­ne ha­ne­bü­che­ne Fehl­ent­wick­lung.

    Kurz­um: Das Au­to hat in un­se­rer Ge­sell­schaft bei wei­tem nicht nur den ihn zu­kom­men­den Sta­tus ei­nes Trans­port­mit­tels, son­dern den ei­nes Göt­zen und ei­nes Fe­ti­sches [1]. Wer dies in Fra­ge stellt und SUVs und über­züch­te­te Sport­wa­gen als Sym­pto­me ei­ner un­ver­ant­wort­li­chen Fehl­ent­wick­lung de­kla­riert, be­kommt erst So­zi­al­neid un­ter­stellt und dann das om­ni­prä­sen­te Kil­ler-Ar­gu­ment der Ar­beits­platz-Er­hal­tung an den Kopf ge­wor­fen. Und das war’s dann wie­der...

     
    [1] Wer’s nicht glau­ben mag, blät­te­re in den Ga­zet­ten nach Be­rich­ten von der IAA!

    #5 

  6. Ruppi 1979  •  26. Sep. 2007, 23:34 Uhr

    Ein hei­ßes The­ma...

    ist das! Vor­al­lem im au­to­ver­lieb­ten Deutsch­land.

    Für mich ist mei­ne Kar­re ein Ge­brauchs­ge­gen­stand und nix wei­ter. Sie bringt mich von A nach B. Wenn ich das Au­to zwei­mal im Jahr wa­sche ist es schon viel. Ich fah­re eh fast nur in die Ar­beit da­mit, weil die Bus­ver­bin­dung am Abend schlecht ist. Wä­ren die Bus­ver­bin­dun­gen gut, könn­te ich auf die Kar­re auch ver­zich­ten... aber aweng ver­miß­en wür­de ich sie schon, es ist halt so be­quem mit ei­nem Au­to.

    #6 

  7. Tobi B.  •  4. Okt. 2007, 19:22 Uhr

    Ge­ra­de bei der taz ge­le­sen...

    ... oder: „Nicht re­den, ma­chen«:

    www.taz.de/index.php?id=start&art=5574&id=umwelt-artikelrc=TE&cHash=f8c30e4e4a

    #7 

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