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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Ein Hel­den­le­ben Farb­tup­fer »

Rad­ler­pech, Rad­ler­glück

Die er­ste klei­ne Rund­fahrt auf dem frisch aus­ge­kel­ler­ten Stra­ßen-Tret­boot ge­riet mir am letz­ten Sonn­tag zur Bei­na­he-Ka­ta­stro­phe: Un­weit des At­zen­ho­fer Müll­bergs So­lar­bergs ließ ich ei­nen sich an mei­nem fah­ren­den Un­ter­satz in­ter­es­siert zei­gen­den Rad­ler-Ge­nos­sen und Lie­ge­rad-Aspi­ran­ten ein paar Me­ter pro­be­fah­ren. Ich fuhr der­weil auf des­sen ziem­lich ho­hen High­Tech-Ve­lo mit schma­lem Renn­sat­tel vor­ne­weg. 100 Me­ter spä­ter wa­ren er­stens mei­ne Weich­tei­le ge­quetscht und zwei­tens an mei­nem Peer Gy­nt ei­ne Hin­ter­rad­spei­che hin­über...

Der dar­aus re­sul­tie­ren­de »Ach­ter« war enorm: Zwar hat­te ich vor­her schon ei­nen leich­ten »Hau« im Hin­ter­rad ge­habt, aber jetzt ge­riet die Fel­ge nach je­der Um­dre­hung der­ma­ßen mit der lin­ken Backe der Ma­gu­ra-Hy­drau­lik­brem­se in Kon­takt, daß das Rad kom­plett blockiert wur­de. Ich brach den Aus­flug not­ge­drun­gen so­fort ab und hop­pel­te mit witsch-witsch-wit­schen­den Brems­ge­räu­schen eben­so lang- wie müh­sam über die Va­cher Stra­ße wie­der heim­wärts. Von Leicht­lauf konn­te selbst berg­ab kei­ne Re­de mehr sein, ich kam mir vor wie auf ei­nem Home­trai­ner auf ma­xi­ma­ler Rei­bungs­stu­fe.

Ge­stern Abend brach ich mit dem aus­ge­bau­ten Hin­ter­rad zum Fahr­rad­dok­tor auf: Die Her­ren Gnu1742 und Gra­ben­ken­ner hat­ten mir schon vor län­ge­rer Zeit den Herrn H. emp­foh­len, der im Kel­ler sei­nes Hau­ses in der Süd­stadt ei­ne klei­ne Re­pa­ra­tur­werk­statt be­treibt. Zwar kann der net­te Zwei­rad­spe­zia­list im (Un-)Ruhestand we­der Tan­dems noch Lie­ge­rä­der war­ten (weil er die durchs en­ge Trep­pen­haus nicht in sei­ne Ka­ta­kom­ben hin­un­ter­be­kä­me), aber mit mei­nem be­reits de­mon­tier­ten Hin­ter­rad wähn­te ich mich den­noch an der rich­ti­gen Adres­se.

Und so war es auch: Herr H. mein­te, die Re­pa­ra­tur des Rad­rei­fens wä­re un­wirt­schaft­lich, da ein Neu­ein­spei­chen recht ar­beits­in­ten­siv sei. Zu­dem sei es frag­lich, ob man die vor­han­de­ne Fel­ge wie­der voll­stän­dig ent­ei­ern kön­ne. Er ra­te da­her zum Kom­plett­wech­sel des Ra­des. Glück­li­cher­wei­se hat­te er ein pas­sen­des auf La­ger (was an­ge­sichts der Viel­zahl der mög­li­chen Va­ri­an­ten aus Ma­te­ri­al, Durch­mes­ser und Rit­zel­pa­ket-Ab­mes­sun­gen ja auch kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist).

Nach kur­zer Über­le­gung stimm­te ich dem Vor­schlag zu, und we­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter hat­te mir Herr H. das 7‑­fach-Shi­ma­no-Rit­zel­pa­ket vom al­ten Rad ab und an das neue dran­mon­tiert. Für das Rad be­rech­ne­te er mir EUR 45, für den Fel­gen­gum­mi EUR 1, für die Ar­beits­zeit nix. Dank­bar über die schnel­le und un­bü­ro­kra­ti­sche Hil­fe run­de­te ich den Be­trag auf und zog nach ei­nem Plausch über die Ex­zes­se der heu­ti­gen Kon­sum­welt be­glückt von hin­nen...

Im hei­mi­schen Ho­fe ward das neue Hin­ter­rad hur­tig ein­ge­baut, und das dank zahn­ärzt­li­cher Ein­mal­hand­schu­he oh­ne öli­ge Fin­ger. Freu­dig nutz­te ich die Gunst der Stun­de und der gut­nach­bar­schaft­li­chen La­tex-Spen­de, um die ge­sam­mel­ten Öl-und-Dreck-Ver­kru­stun­gen von Ket­ten­blät­tern und Schal­tungs­tei­len ab­zu­krat­zen, oh­ne mit dem gan­zen Schmod­der leib­haf­tig in Be­rüh­rung zu kom­men. Die Idee mit den »ge­fühls­ech­ten« Hand­schu­hen ist der­ma­ßen ge­ni­al, daß ich mich glatt wun­de­re, noch nicht frü­her dar­auf ver­fal­len zu sein: Ich wer­de mir ei­ne Spen­der­packung da­von zu­le­gen, um mir die schwe­re In­stand­hal­tung an mei­ner Fahr­zeug­flot­te wei­ter­hin so hand­freund­lich wie mög­lich zu ge­stal­ten.

Die an­schlie­ßen­de Werk­statt­fahrt führ­te mich die Ama­li­en­stra­ße hin­ab, un­ter der Sie­ben­bo­gen­brücke hin­durch, die Ufer­pro­me­na­de ent­lang und die Kö­nig­stra­ße hin­auf bis zum Text­haus, wo ich der om­ni­prä­sen­ten Che­fin noch ei­ne von mir um­ge­rü­ste­te En­er­gie­spar­bir­ne vor­bei­brach­te zwecks stil­ech­ter Schau­fen­ste­r­il­lu­mi­na­ti­on. Das Rad lief und läuft wie­der wun­der­bar! In den näch­sten Ta­gen wer­de ich das ab­ge­wirt­schaf­te­te Hin­ter-Ei kom­plett zer­le­gen und des­sen al­te Shi­ma­no-Na­be (die mitt­ler­wei­le Old­ti­mer-Kult­sta­tus ge­nie­ßen dürf­te) in mei­nen Auk­tio­nen feil­bie­ten und wort­reich be­sin­gen: Mit et­was Glück er­lö­se ich da­für am En­de noch den Preis des neu­en Hin­terra­des... ;-)

Diskussion

  1. Zappo  •  5. Apr. 2011, 12:32 Uhr

    Ein De­tail fehlt dem neu­gie­ri­gen Le­ser aber in der Ge­schich­te: wie kam es zum De­fekt des Hin­terra­des? Hat es der »Lie­ge­rad-Aspi­rant« mit her­ku­les­glei­chem Tritt und Dreh­mo­ment ge­schafft, die Spei­chen zu über­la­sten, oder war es das Ge­wicht (des Rad­lers), oder ei­ne eher zu­fäl­li­ge chro­no­lo­gi­sche Auf­ein­an­der­fol­ge von Tausch und De­fekt, oh­ne (nach­weis­li­chen) kau­sa­lem Zu­sam­men­hang?

    #1 

  2. zonebattler  •  5. Apr. 2011, 13:11 Uhr

    Gu­te Fra­ge, näch­ste Fra­ge! Der frem­de Rei­ter wog nach ei­ge­nem Be­kun­den 100 kg und da­mit 25 mehr als ich, aber das müß­te das Rad un­ter nor­ma­len Um­stän­den al­le­mal aus­hal­ten. Ei­nen leich­ten (aber von mir noch to­le­rier­ten) Wel­len­schlag in der Fel­ge hat­te ich im Vor­jahr schon be­mor­ken, das Hin­ter­rad war frei­lich seit dem Kauf des Lan­glie­gers im Ju­ni 1993 un­ver­än­dert drin und dran. Gut mög­lich al­so, daß sich der spon­ta­ne Er­mü­dungs­riß der ei­nen Spei­che frü­her oder spä­ter so­wie­so er­eig­net hät­te, und das viel­leicht bei Nacht und Ne­bel und wei­ter weg von da­heim. Von da­her ist es für mich schon OK, daß ich den mut­maß­li­chen Ver­ur­sa­cher oh­ne wei­te­res zie­hen ließ...

    #2 

  3. Gnu1742  •  5. Apr. 2011, 18:11 Uhr

    Ich freue mich im­mer, wenn sich ei­ne po­si­ti­ve Er­fah­rung mit ei­nem schnick­schnack­lo­sen, aber um­so sach­kun­di­ge­ren lo­ka­len Dienst­lei­ster nicht als punk­tu­el­ler Aus­rei­ßer nach oben, son­dern als durch­weg zu­tref­fend er­weist.

    #3 

  4. Grabenkenner  •  8. Apr. 2011, 14:45 Uhr

    Na da hat­te der Gra­ben­ken­ner et­was mehr Glück im Un­glück. Mit ei­nem aus­ge­lie­he­nen Pe­del­ec (über Sinn und Un­sinn ei­nes sol­chen Ge­fährts möch­te ich mich hier nicht aus­las­sen, aber man muss es pro­biert ha­ben um mit­re­den zu kön­nen) hat­te er letz­tens ei­nen ka­pi­ta­le­ren Scha­den auf dem Weg nach Zirn­dorf. Nach mehr­ma­li­ger, zü­gi­ger Berg­fahrt lö­ste sich die kom­plet­te Hin­ter­ach­se aus ih­rer Ver­an­ke­rung – da war nix mehr mit Schie­ben und man­gels Werk­zeug auch kei­ne Vor-Ort-In­stand­set­zung mög­lich. Zum Glück fand sich je­mand mit aus­rei­chend gro­ßem Ge­fährt um das Häuf­lein Schrott samt Fah­rer aus dem Wie­sen­grund zu ber­gen...

    #4 

  5. Andrea  •  10. Apr. 2011, 12:29 Uhr

    Vie­len Dank noch mal für die Er­leuch­tung mei­nes Schau­fen­ster in­klu­si­ve per­fek­ter Lam­pen-Re­ani­ma­ti­on! Die Lam­pe und ich tei­len jetzt das an­ge­neh­me Schick­sal der ro­sa­far­be­nen Om­ni­prä­senz. Und das auch noch en­er­gie­spa­rend! :-)

    #5 

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