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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Wun­der­ba­re wei­che Wa­re Da­bei sein ist al­les »

Lo­kal-Hi­sto­rie

Als vor dem Krieg der be­schau­li­che Lud­wig-Main-Do­nau-Ka­nal noch dort exi­stier­te, wo heu­te der brül­lend lau­te »Fran­ken­schnell­weg« Nürn­berg, Fürth und Er­lan­gen ver­bin­det, da war der Für­ther Vor­ort Kro­nach ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel: Scha­ren von Nürn­ber­gern und Für­thern fuh­ren am Wo­chen­en­de mit ei­nem der wei­ßen »Schlag­rahm­damp­fer« dort hin­aus, um sich im Gast­haus We­igel den Bauch voll­zu­schla­gen und im Üb­ri­gen den lie­ben Gott ei­nen gu­ten Mann sein zu las­sen. Je­ner aber hat­te längst ei­nen über­aus schlech­ten Mann her­nie­der ge­schickt, der mit sei­ner Pro­phe­zei­hung »Ihr wer­det Deutsch­land nicht wie­der­erken­nen« we­nig spä­ter auf fa­ta­le Art und Wei­se recht be­hal­ten soll­te...

Aber zu­rück zur Spu­ren­su­che im Klei­nen. Der von hei­mat­kund­li­chem For­scher­drang be­seel­te zonebatt­ler hat Kro­nach die­ser Ta­ge vi­si­tiert und den Gast­hof We­igel der­ge­stalt vor­ge­fun­den:

Gasthof Weigel in Kronach bei Fürth, Juli 2007

Das schaut zwar halb­wegs alt­frän­kisch aus, doch weist drin­nen ein Will­kom­mens­gruß der der­zeit dienst­ha­ben­den Ge­nera­ti­on der alt­ein­ge­ses­se­nen Be­trei­ber­fa­mi­lie ehr­li­cher­wei­se dar­auf hin, daß man von der al­ten Sub­stanz nicht all­zu­viel ha­be er­hal­ten kön­nen. Die­se sieht auf ei­ner schon im Jah­re 1930 ge­lau­fe­nen Post­kar­te ei­ni­ger­ma­ßen spek­ta­ku­lär aus:

Gasthof Weigel nebst Biergarten, ca. 1930

Wirkt das nicht un­ge­mein mo­dern? Rein­ster Bau­haus­stil, möch­te man mei­nen. Und das mit­ten im al­les an­de­re als avant­gar­di­sti­schen Für­ther Um­land!

Wenn man heut­zu­ta­ge den Kom­plex um­run­det, sieht man auf des­sen Hin­ter­sei­te in ei­nem Kon­glo­me­rat aus Schup­pen, An­bau­ten und ge­sta­pel­ten Gü­tern die­sen Saal­bau ste­hen, der sehr wohl das über­kom­me­ne Re­likt je­ner auf Klar­heit und Sach­lich­keit be­dach­ten Ar­chi­tek­tur­epo­che sein könn­te:

Gasthof Weigel in Kronach bei Fürth (Hinterseite), Juli 2007

Ir­gend­wie scheint mir das aber hin­sicht­lich der Ori­en­tie­rung zu Ka­nal (da­mals) bzw. Au­to­bahn (heu­te) nicht ganz plau­si­bel über­ein­zu­stim­men. Ist das nun der glei­che Bau­kör­per, der auch auf der al­ten An­sichts­kar­te zu se­hen ist? Die Ähn­lich­keit ist un­ver­kenn­bar, aber zu­min­dest die La­ge der Fen­ster an der Stirn­sei­te wür­de nicht mehr dem Ori­gi­nal­zu­stand ent­spre­chen. Ich wä­re wirk­lich sehr dank­bar, wenn ein(e) Kundige(r) aus der Le­ser­schaft hier in ei­nem er­gän­zen­den Kom­men­tar Er­hel­len­des da­zu bei­tra­gen könn­te...

Diskussion

  1. zonebattler  •  20. Jul. 2007, 14:09 Uhr

    Ad­ler­blick

    Mei­ne bes­se­re Hälf­te hat­te die ent­schei­den­de Idee: Ein Luft­bild klärt die Si­tua­ti­on schnell und schlüs­sig! Der mo­der­ni­sti­sche wei­ße Bau ist bzw. war wohl tat­säch­lich der­je­ni­ge, der auf der al­ten Post­kar­te zu se­hen ist. Hier der Blick von oben mit der von mir ein­ge­zeich­ne­ten, mut­maß­li­chen Be­gren­zung des Bier­gar­tens um 1930:

    Gasthof Weigel in Kronach bei Fürth aus der Vogelperspektive

    Für die hier vorgesehene(n) Abbildung(en) konn­ten nicht al­le even­tu­ell tan­gier­ten Li­zenz- und/oder Ur­he­ber­rechts­fra­gen mit letz­ter Ge­wiß­heit ge­klärt wer­den, wes­halb auf ei­ne kennt­li­che Dar­stel­lung lei­der ver­zich­tet wer­den muß.

    Nor­den (Rich­tung Er­lan­gen al­so) ist links im Bild. Un­ten ist die A73 (al­so der Fran­ken­schnell­weg) zu se­hen. Da­mals be­fand sich an die­ser Stel­le noch der Ka­nal.

    #1 

  2. zonebattler  •  16. Sep. 2007, 7:41 Uhr

    Zeit­rei­se

    Zur Ab­run­dung und Er­gän­zung des Bei­tra­ges hier noch ein An­blick vom Gar­ten her:

    Gasthof Weigel in Kronach bei Fürth, August 2007

    Auf­ge­nom­men An­fang Au­gust die­sen Jah­res, zeigt das Bild un­ver­kenn­bar den schma­len Fen­ster­schlitz des ar­chi­tek­to­nisch küh­nen Saal­baus (in der Ab­bil­dung auf der al­ten Post­kar­te oben links).

    Bei der Ge­le­gen­heit kam ein in­ter­es­san­tes Ge­spräch zu­stan­de: Herr We­igel se­ni­or (der die Wirt­schaft längst an Drit­te ver­pach­tet hat und selbst sei­nen Ru­he­stand ge­nießt) sah den zonebatt­ler mit sei­ner Ka­me­ra her­um­fuch­teln, kam dar­auf­hin zu ei­nem Schwatz an den Zaun und er­zähl­te schluß­end­lich die hoch­gra­dig span­nen­de Ge­schich­te des be­kann­ten Aus­flugs­lo­ka­les: Wie sein Va­ter wei­land nach Wien ge­reist war, um die dor­ti­gen Kaf­fee­haus-Ge­bräu­che zu stu­die­ren zwecks Trans­plan­ta­ti­on und Ein­füh­rung der­sel­ben im hei­mi­schen Für­ther Um­land [1], wie man vor dem Krieg den Sonn­tags-Gä­sten zwecks Kun­den­bin­dung ei­nen ko­sten­lo­sen Hin­fahr­schein für ei­nen Werk­tag [2] für die haus­ei­ge­ne »Schlagrahmdampfer«-Flotte auf den Tel­ler leg­te, wie er selbst knapp vor Kriegs­en­de noch als Min­der­jäh­ri­ger ein­ge­zo­gen wur­de, aber glück­lich da­von­kam und aus der (kur­zen) Kriegs­ge­fan­gen­schaft vom All­gäu her heim­lief (das letz­te Stück im­mer am Ka­nal ent­lang), wie die Ame­ri­ka­ner erst das An­we­sen re­qui­riert und die Fa­mi­lie in ei­ne al­te Scheu­ne ein­ge­wie­sen hat­ten, wie nach die­ser Epi­so­de sein Bru­der und er (Metz­ger und Kon­di­tor) sich die Ar­beit beim Wie­der­auf­bau des Be­trie­bes teil­ten, wie an schö­nen Wo­chen­en­den an die 20 Kell­ner flitz­ten und hun­der­te Li­ter fri­scher Sah­ne zu Schlag­rahm ver­ar­bei­tet wur­den und wie die an­ge­streb­te Wie­der­auf­nah­me der Schiff­fahrt mit neu­en Boo­ten nach dem Krie­ge lei­der am durch Bom­ben­tref­fer leck­ge­schla­ge­nen Ka­nal schei­ter­te...

    Und wie man es letz­lich doch durch al­le Un­bil­den der Zei­ten zu ei­nem ge­wis­sen Wohl­stand brach­te, ist der Chro­nist ver­sucht zu er­gän­zen. Denn im­mer­hin, so sei­ne hier im Ex­kurs an­ge­führ­te Pri­vat­mei­nung, ist man dort drü­ben im länd­li­chen Kro­nach ver­gleichs­wei­se glimpf­lich durch je­ne dunk­len zwölf Jah­re ge­kom­men, die 1000 hät­ten wer­den sol­len: Zahl­lo­se an­de­re hat­ten (auch in Fürth) weit we­ni­ger Glück und ka­men nicht durch An- und Über­grif­fe der Kriegs­geg­ner zu Scha­den, son­dern fie­len schon viel frü­her dem Ter­ror der ei­ge­nen Lands­leu­te zum Op­fer. Bei­spiels­wei­se.

    Das En­de der Ge­schich­te ist be­kannt: Die staat­lich ver­ord­ne­te Ab­tre­tung der nö­ti­gen Län­de­rei­en zum Bau der A73 spül­te den An­lie­gern zu­nächst or­dent­lich Geld in die Scha­tul­le und spä­ter den pau­sen­lo­sen Ver­kehrs­lärm nebst da­zu­ge­hö­ri­gen Ab­ga­sen in die Bu­de. Frei­luft-Ro­man­tik fin­det dort heut­zu­ta­ge nur­mehr der, der fan­ta­sie­be­gabt ist und ei­ni­ger­ma­ßen weg­hö­ren (und weg­rie­chen) kann...

     
    [1] »Best Prac­ti­ce« wür­den die smar­ten BWL-Schlip­se so­was heut­zu­ta­ge nen­nen.

    [2] Auch für der­lei schlaue Schach­zü­ge kennt die mo­der­ne Be­triebs­wirt­schaft si­cher ei­nen (eng­li­schen) Fach-Ter­mi­nus. Ir­gend­was in Rich­tung Cu­sto­mer Ca­re Con­cept, wür­de ich mal ver­mu­ten.

    #2 

  3. zonebattler  •  12. Dez. 2012, 20:06 Uhr

    Pres­se­spie­gel: »Neue Päch­ter für al­ten Damp­fer« (FN)

    #3 

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