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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


« Waf­fen­gleich­heit Fröh­li­che Kaf­fee­pau­se (2) »

Land der Lu­pi­nen und La­krit­zen (5)

An­fangs hat­ten wir uns ja nai­ver­wei­se ge­dacht, daß man je­den der tau­send Tei­che und Tüm­pel in der Um­ge­bung frisch und fröh­lich wür­de um­wan­dern kön­nen. Das hät­te We­ge oder zu­min­dest Tram­pel­pfa­de ums je­wei­li­ge Ge­wäs­ser vor­aus­ge­setzt, die es aber durch­aus nicht im­mer gibt: In der Re­gel sind die Ufer­zo­nen näm­lich sump­fi­ges Marsch­land und des­halb nur müh­sam bis gar nicht zu­gäng­lich. Stich­stra­ßen oder ‑we­ge gibt es in­des zu­min­dest zu den grö­ße­ren Se­en, da lie­gen dann auch im­mer ein paar Boo­te kiel­oben her­um und har­ren ih­rer an­gel­freu­di­gen Be­sit­zer.

Wenn es der wacke­re Wan­ders­mann und die wun­der­ba­re Wan­de­rin dann doch ir­gend­wie und ir­gend­wo mal bis zu ei­nem Ufer schaf­fen, wer­den sie in der Re­gel mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Aus­blick be­lohnt:

typisch schwedischer Seeblick

Lei­der kön­nen selbst Auf­nah­men wie die­se nur ei­nen klit­ze­klei­nen Aus­schnitt je­nes mul­ti­sen­sua­len Glücks­er­leb­nis­ses an­deu­tungs­hal­ber be­wah­ren, wel­ches ei­nen an sol­chen Or­ten über­kommt: Man blin­zelt ins Son­nen­licht, sieht Li­bel­len schwir­ren, hört Vö­gel zwit­schern, Wel­len gluck­sen, fühlt ei­ne sanf­te Bri­se auf der Haut und riecht nur Na­tur­fri­sches und nix Künst­li­ches. Ein Traum!

Ei­ne der er­wähn­ten Li­bel­len – ein rie­sen­gro­ßes Pracht­ex­em­plar – hat­te sich wohl beim Ja­gen dicht über der Was­ser­ober­flä­che ver­schätzt, war ins Nas­se ge­ra­ten und dann aus ei­ge­ner Kraft nicht mehr hin­aus­ge­kom­men. Der zo­ne­batt­ler sprang eil­fer­tig her­bei, reich­te dem ver­zwei­felt stram­peln­den In­sekt ei­nen Ast zum Fest­hal­ten zu und zog das fi­li­gra­ne We­sen aus dem Ele­ment, wel­ches nicht das sei­ne war, um es zum Trock­nen auf ein Holz­scheit zu set­zen:

gerettete Libelle beim kontrollierten Wiederaufrüsten

Das an die Luft ver­brach­te Tier be­gann un­ver­züg­lich mit der gründ­li­chen Trag­werk-In­spek­ti­on, warf zu die­sem Be­hu­fe bald wie­der sei­nen Flü­gel-An­trieb an und ver­trieb mit sanf­tem Leer­lauf-Sur­ren zu­nächst ein­mal sämt­li­che Re­ste von Feuch­tig­keit, be­vor es dann wie­der ful­ly ope­ra­tio­nal ab­hob und von hin­nen schwirr­te. Zu­min­dest ei­nes der x‑tausend la­tent töd­li­chen Dra­men in der Na­tur ging durch die­se mensch­li­che In­ter­ven­ti­on glück­li­cher­wei­se glimpf­lich aus...

Durch die gu­te Tat des Ta­ges be­schwingt, schwang sich der Be­rich­ter wie­der in sei­nen wei­ßen Wa­gen und kurv­te die mä­an­drie­ren­den Land­stra­ßen ent­lang. Dank der für deut­sche Ver­hält­nis­se sehr strik­ten Ge­schwin­dig­keits­be­schrän­kun­gen und der schö­nen Land­schaft sind au­to­mo­bi­le Aus­fahr­ten im ge­pfleg­ten Old­ti­mer ein schwe­di­scher Brei­ten­sport. Die Lie­be der Nord­män­ner zu gum­mi­be­reif­ten An­ti­qui­tä­ten er­streckt sich kei­nes­wegs nur auf die schon er­wähn­ten dicken Amischlit­ten, es geht durch­aus auch gern ein paar Num­mern klei­ner:

tadellos restaurierter Oldtimer

Wenn man schon nicht ra­sen darf und soll­te, dann macht man aus der lang­sa­men Tucke­rei über Land we­nig­stens ein ge­müt­li­ches Ge­nuß­er­leb­nis. Ei­ne sehr schö­ne und nach­ah­mens­wer­te Ein­stel­lung!

Im­mer wie­der zog es uns ans Was­ser, im­mer wie­der zück­te mei­ner ei­ner die Ka­me­ra. Im Nach­hin­ein bin ich selbst ver­wun­dert, daß ich trotz mit­ge­führ­ter Ba­de­ho­se kein ein­zi­ges Mal ir­gend­wo hin­ein­ge­stie­gen bin. [1] Na ja, im Al­ter wird man um­ständ­li­cher und be­que­mer (und friert eher bzw. bil­det es sich ein)...

Holzsteg am See-Ufer mit privater Sitzgelegenheit

Ganz un­ge­plan­ter­wei­se ge­rät mir die­se letz­te Epi­so­de mei­ner Rei­se-Re­por­ta­ge zu ei­nem kon­zen­trier­ten Kon­den­sat der prä­gen­den Ein­drücke und An­sich­ten. Wäl­der und Was­ser, Was­ser und Wäl­der, im­mer und im­mer wie­der. Und das ganz oh­ne die vor­her be­fürch­te­te Mücken­pla­ge!

Den ti­tel­ge­ben­den Schmet­ter­lings­blüt­ler will ich hier auch noch­mal ins stim­mi­ge Abend­licht rücken, die bun­te Blü­ten­pracht hat uns fast durch die gan­ze Zeit un­se­res Auf­ent­halts be­glei­tet:

Lupinen am Abend, leuchtend und labend!

Un­ser Freund be­stä­tig­te die­ser Ta­ge per Über­mitt­lung ei­nes Fo­tos sei­nes Vor­gar­tens, daß die von uns müh­sam ir­gend­wo aus­ge­bud­del­ten und bei ihm vor dem Haus wie­der aus­ge­wil­der­ten Lu­pi­nen zu­min­dest teil­wei­se Wur­zel ge­schla­gen und ih­re Trans­plan­ta­ti­on über­lebt ha­ben. Viel­leicht er­gibt sich für uns ja die Ge­le­gen­heit, sie schon im näch­sten Jahr vor Ort ei­gen­äu­gig blü­hen zu se­hen?

Da wür­den wir dann frag­los auch man­chen aus­la­den­den Abend­spa­zier­gang rund um Gryt­g­öl wie­der­ho­len wol­len, um uns an Land und Leu­ten auf’s Neue zu er­freu­en. Ist ja man­ches er­fri­schend an­ders als in der ei­ge­nen Hei­mat! Was dem Deut­schen sein Gar­ten­zwerg, ist dem Schwe­den zum Bei­spiel sei­ne Son­nen­uhr im Gar­ten und sei­ne ri­tu­el­le Milch­kan­ne an der Stra­ße:

nur noch Dekozwecken dienende Milchkannen

Wenn ich über­le­ge, was mir am be­sten ge­fal­len hat in je­nen knapp drei Wo­chen in Süd­schwe­den, so müß­te ich nicht lan­ge über­le­gen: Er­stens das Zu­sam­men­sein mit ei­nem Freund, zu dem man an­son­sten ja meist nur elek­tro­ni­schen Kon­takt auf Di­stanz hal­ten kann, zwei­tens der Auf­ent­halt in der Na­tur bzw. dem, was ei­nem in men­schen­be­sie­del­ter Ge­gend als na­tur­be­las­sen er­scheint.

Ein letz­tes Mal be­ge­ben wir uns zum na­he­ge­le­ge­nen »Haus­see« von Gryt­g­öl, um das abend­li­che Spiel von Licht und Schat­ten in uns auf­zu­neh­men:

Abendstimmung am »Haussee« von Grytgöl

An­dern­tags ging es nach dem ge­mein­sa­men Früh­stück und ei­nem recht emo­tio­na­len Ab­schied mit dem ge­lie­he­nen Vol­vo­mo­bil wie­der zu­rück nach Lin­kö­ping. Die Stun­den bis zum Ein­checken in den dor­ti­gen Mi­ni-Flug­ha­fen nut­zen wir zum Be­such des hoch­in­ter­es­san­ten Flyg­va­pen­mu­se­ums, über das bei spä­te­rer Ge­le­gen­heit noch se­pa­rat zu bild­be­rich­ten sein wird.

Für heu­te und dies­mal be­schlie­ßen wir die Be­richt­erstat­tung über ei­ne ganz be­son­ders in­ten­siv emp­fun­de­ne Rei­se mit ei­nem Blick aus je­nem Flie­ger, der uns nach dem ob­li­ga­ten Zwi­schen­stopp in Am­ster­dam von dort zu­rück nach Nürn­berg brach­te:

Regenbogen über den Wolken

Der An­blick ei­nes Re­gen­bo­gens war uns so hoch in der Luft vor­her auch noch nicht ver­gönnt ge­we­sen, er er­schien uns als pas­sen­der Ab­schluß ei­ner an vie­len No­vi­tä­ten rei­chen Rei­se. Ge­mein­hin pfle­gen wir das Ur­laubs-Fee­ling ja durch un­mit­tel­bar vor der Heim­rei­se ein­ge­kauf­te Käse‑, Wurst- und Ge­bäck-Spe­zia­li­tä­ten noch für ei­ne Wei­le in den All­tag hin­über­zu­ret­ten, dies­mal hat­ten wir das ir­gend­wie ver­ges­sen und nur ein paar un­ter­wegs mit­ge­nom­me­ne La­kritz-Va­ria­tio­nen ein­ge­packt. Die­ser Hand­vor­rat ist mitt­ler­wei­le ver­siegt resp. längst ver­tilgt. Schon das al­lein wä­re ein Grund zur bal­di­gen Rück­kehr ins Land der zä­hen schwar­zen De­li­ka­tes­sen...

 
[1] Dies ver­blüfft um­so mehr, als der zo­ne­batt­ler in jun­gen Jah­ren ei­ne aus­ge­wie­se­ne Was­ser­rat­te war und den na­hen Ba­de­wei­her in den Som­mer­mo­na­ten abends re­gel­mä­ßig erst ver­ließ, als sei­ne Lip­pen blau an­ge­lau­fen wa­ren und er vor Aus­küh­lung schlot­ter­te.

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Diskussion

  1. bubo  •  26. Sep. 2016, 10:25 Uhr

    Und wenn es noch so schön ist, in die­ses Land schaf­fe ich es ein­fach nicht.

    #1 

  2. zonebattler  •  26. Sep. 2016, 10:37 Uhr

    Wo ge­nau liegt Dein Pro­blem? Zeit­man­gel? Lust­lo­sig­keit? La­kritz-All­er­gie?

    #2 

  3. bubo  •  26. Sep. 2016, 17:03 Uhr

    Zeit­man­gel wenn man so will.
    In die an­de­re (Hiimmels-)Richtung geht es ein­fach leich­ter.
    Mein Nach­bar fährt ja 2 Mal/Jahr für je 3 Wo­chen da­hin, zu ma­chen ist es wohl.
    An La­kritz ha­be ich gar kein In­ter­es­se.

    #3 

  4. zonebattler  •  26. Sep. 2016, 17:25 Uhr

    Tja, dann kann ich lei­der auch nicht hel­fen, au­ßer viel­leicht mit ei­nem Hin­weis auf mei­ne Re­por­ta­gen aus süd­lich ge­le­ge­nen De­sti­na­tio­nen, die rechts in der Sei­ten­lei­ste die­ses Blogs un­ter der Über­schrift »Ah, jetzt, ja, ei­ne In­sel« ver­linkt sind...

    #4 

  5. zonebattler  •  7. Jun. 2019, 10:35 Uhr

    Drei Jah­re spä­ter wa­ren wir jetzt wie­der in Schwe­den, da­her geht die bun­te Bild­be­richt­erstat­tung wei­ter.

    #5 

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