Zum Inhalt springen


zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Montag, 10. September 2018

Sommer in Siebenbürgen (1)

Ich hatte ja schon unlängst unter dem reißerischen Titel »Schaurige Schönheiten« ein paar schwarzgeweißte Fotos aus dem heurigen Urlaub als Appetitanreger gezeigt. Heute nun soll endlich etwas Farbe in die Erinnerungen an eine wunderbare Reise gebracht werden. Gleich vorneweg: Auch wenn in Transsilvanien alias Siebenbürgen mancherorts mit abstrusen Dracula-Le­gen­den versucht wird, den Tourismus zu be­feu­ern [1], die Realität ist eher bunt als düster und Blutsauger gibt’s dort wie hier wohl primär im Finanzgewerbe. Dennoch muß erneut zugegeben werden, daß wir Ru­mä­nien ohne die Anregung durch unsere be­freun­de­te und bilinguale Nachbarin Almut S. wohl niemals ernsthaft als Reiseziel er­wo­gen hätten: Ein paar unverifizierte Vor­ur­tei­le hat man halt doch irgendwie im Hin­ter­kopf gehabt…

Besagte Nachbarin war nun schon eine gute Woche vor uns im Auto mit Mann, zwei Töchtern, einem Hund und allerlei Hausrat losgefahren, der zonebattler und seine bessere Hälfte flogen später mit nur einem einzigen Koffer beladen hinterher. [2] Am Flughafen von Sibiu (Hermannstadt) [3] vereinigte sich die Fürther Nachbarschaft und steuerte das etwa 80 km entfernte Richiș (Reichesdorf) an:

Richiș (Reichesdorf) im Kreis Sibiu (Hermannstadt) / Gemeinde Biertan (Birthälm)

Unsere Nachbarn waren dort nicht zum ersten Mal (wir jetzt vermutlich auch nicht letzt­mals) und führten uns in die örtlichen Gegebenheiten ein. Wobei sich das Dorf­le­ben sehr übersichtlich darstellte und der Aufenthalt dort entsprechend entspannend und entschleunigend. Zur Geschichte Sie­ben­bür­gens ist zusammenfassend zu sagen, daß dort mehr als 850 Jahre lang Rumänen, Un­garn, Zigeuner, Juden und deutsche Ein­wan­de­rer friedlich ne­ben­ein­an­der her lebten – zwar in weitgehend geschlossenen Pa­ral­lel­ge­sell­schaf­ten, aber eben mit Respekt vor den jeweils anderen und sich nicht ge­gen­sei­tig an die Gurgel gehend. Insofern kann die Gegend als leuchtendes Beispiel für die prinzipielle Möglichkeit einer weitgehend friedlichen Koexistenz ver­schie­dener Volks­grup­pen, Ethnien und Religionen dienen. [4]

Heute sind die Spuren der deutschen Be­sied­lung der Gegend noch unübersehbar, die Siebenbürger Sachsen selbst allerdings nur noch in homöopathischer Dosierung an­säs­sig: In zwei großen Auswanderungswellen in den 1970ern und nach 1990 sind die von großem Zusammengehörigkeitsgefühl ge­präg­ten Rumäniendeutschen aus Sie­ben­bür­gen nach Deutschland geschwappt und kommen heute überwiegend nur als »Som­mer­sach­sen« im Urlaub wieder für ein paar Wochen zurück ins Land ihrer Väter und der eigenen Vergangenheit. Natürlich auch nach Richiș, wo wir erstaunlich viele Autos mit deutschen Kennzeichen aus unserer Region sahen (FÜ, N, ER, SC, AN, …). So sieht es in diesem typischen Straßendorf aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

An der wechselnden Fassadenfarbe erkennt man sofort den immer wiederkehrenden Rhythmus aus Hofeinfahrt und Wohnhaus, der das straßenseitige Erscheinungsbild der Siebenbürgisch-Sächsischen Anwesen bestimmt. [5] Nach hinten gehen die Grund­stücke sehr in die Tiefe und oft noch den Hang hinauf, so daß bei relativ schmaler Straßenfront viel Platz für Scheunen, Wirt­schafts­ge­bäu­de, Ställe und Nutzgärten war. Inteessierte LeserInnen mögen sich das mal vermittels Google Earth aus der Luft an­schau­en, die hand­tuch­schmal erscheinenden Grundstücke fallen auf den ersten Blick ins Auge.

Was man leider auch sehr schnell registriert, sind die Spuren der Vernachlässigung, ja auch des Verfalls, dem die alten Häuser und Einrichtungen seit dem Auszug ihrer letzten deutschstämmigen Besitzer ausgesetzt sind: Auch wenn sich zwischendrin einige schöne Beispiele von behutsamer Instandsetzung und Renovierung finden (na­ment­lich in Richiș haben sich großstadtmüde Menschen aus den Niederlanden, Bel­gi­en, Frankreich, Eng­land, Deutschland und sonstwoher recht preiswert ein­ge­kauft), so sind doch leider vielerorts etliche Anwesen leerstehend und in be­kla­gens­wer­tem Zu­stand. [6] Immerhin, in Richiș sieht es auf der Hauptstraße auch in der anderen Rich­tung noch (oder wieder) ganz gediegen aus:

Typische Häuser der Siebenbürger Sachsen

Daß auf den beiden vorangegangenen Fotos nur ein Auto und ein Motorroller zu sehen sind, hat nichts mit beschaulichem Wo­chen­en­de oder verkehrsarmen Ta­ges­rand­zei­ten zu tun: Der motorisierte Individualverkehr ist auf dem Lande noch sehr überschaubar, hölzerne Fuhrwerke mit einer einzigen Pfer­de­stär­ke vorne dran sieht man dort öfter als bereifte Bür­ger­kä­fi­ge aus Blech. Auch das ein Grund, warum uns die Som­mer­fri­sche in Siebenbürgen sehr gefallen hat.

Ein weiterer Grund waren die Begegnungen mit entspannten Menschen, seien es alte Sachsen, seien es junge Rumänen. Während wir mit den erstgenannten gut auf Deutsch über die früheren Zeiten plaudern konnten, konnten wir uns bei den zweit­ge­nann­ten mit Englisch behelfen. Allerdings kann die völ­ker­ver­stän­di­gen­de Eisbrecher-Rolle unserer »Dolmetscherin« Almut nicht stark genug betont werden, ohne deren Sprach­kennt­nis­se uns manche Tür verschlossen und man­ches Erlebnis verwehrt ge­blie­ben wäre. Weitgehend wortloses Einvernehmen zum beiderseitigen Plaisir bestand (wie allerorts) zwischen dem zonebattler und seinen vier­bei­ni­gen Freunden. Hier sehen wir Ent­span­nungs­übun­gen von Herrn Paulchen, der uns während unseres Auf­ent­hal­tes ans Herz gewachsen ist und den wir nur unter Seufzen zurückgelassen (und einer ungewissen Zu­kunft überantwortet) haben:

Paulchen freut sich seines Lebens

Das kleine Paulchen wußte sich sehr an­stän­dig zu benehmen und sich damit den tem­po­rä­ren Gästen im Ort nachdrücklich zu em­pfeh­len. Sein charmantes Wesen brachte ihm viele Sympathien und sicherlich auch den einen oder anderen Lecker­bis­sen ein. Anderen Hunden im Ort ging es weniger gut, denn man muß leider kon­sta­tie­ren, daß die Be­hand­lung und Verwendung von Haus- und Nutztieren in Rumänien (wie fraglos auch in vielen anderen Ländern an Europas Pe­ri­phe­rie) eher nicht den uns vertrauten Ge­pflo­gen­hei­ten entspricht…

Hunde, Katzen, Hühner, Pferde, Kühe: In Siebenbürgens Dörfern läuft eine Menge Ge­tier frei herum und weckte in unsereinem Erinnerungen an eine ferne Kindheit, als solche – aus Kindersicht paradiesischen – Verhältnisse auch in deutschen Landen All­tag waren. Überhaupt wurden in des Be­richt­er­stat­ters Gedächtnis allerlei ver­schüt­te­te Erinnerungen aufgequirlt, als ihm typische Gerüche aus unbeschwerten Ju­gend­ta­gen in die Nase stiegen, sei es das süßliche Aroma vergorener Trauben in ei­nem be­helfs­mä­ßi­gen Weinkeller, sei es der üppige Geruchs­cock­tail einer frisch ge­mäh­ten Wiese mit großem Artenreichtum an Pflanzen. Un­ver­mu­te­te Flashbacks wie diese rührten den ollen zonebattler tatsächlich zu Tränen: Erstaunlich, was so alles ir­gend­wo im Hin­ter­kopf schlummern und nach einem halben Jahrhundert durch ein paar ol­fak­to­ri­sche Schlüs­sel­rei­ze wieder aktiviert werden kann!

Abendstimmung in Richiș

Richiș alias Reichesdorf war also unser zeit­wei­li­ges Zuhause, von dort aus un­ter­nahmen wir Wanderungen und kleine Expeditionen, per pedes, per Rad, per Pfer­de­fuhr­werk oder per PKW. [7] Wobei es schon im Ort selbst und in dessen un­mit­tel­ba­rer Nachbarschaft viel zu entdecken gab für jemanden, der naturnahen Urlaub liebt und dem Trubel des städtischen Lebens zeitweise gerne entflieht.

Was einem sogleich auffällt außer dem typischen Erscheinungsbild der Häuser ist die Liebe der Rumänen (und wohl auch der im Lande verbliebenen Deutschen) zu Blu­men. Allerorten leuchten bunte Blüten, nicht nur draußen am Wegesrand und in den Wie­sen, auch innerorts an den Straßen, in den Höfen, vor den Häusern und nicht zu­letzt auch an deren Fenstern:

Üppiger Blumenschmuck ist allerorten anzutreffen

Auch damit hatten wir nicht gerechnet: Unsere Reisen in südlichere Gefilde hatten wir immer im Frühling unternommen, um auf La Palma, Malta, Mallorca oder Teneriffa in den Genuß bunter Blütenpracht zu kom­men. Im Spätsommer noch ir­gend­wo üp­pi­ges Grün und farbenfrohe Blumen flä­chen­deckend vorzufinden hätten wir nicht zu hoffen gewagt, zumal nicht nach diesem Dürre-Sommer in Deutschland. Ein weiterer Pluspunkt für unser neu entdecktes Rei­se­land Rumänien!

Nicht weniger üppig, wenn auch deutlich weniger schön wuchern überall die vom Men­schen gelegten Adern des technischen Fortschritts: Strom-, Telefon- und Internet-Kabel liegen nicht im Boden, sondern hängen in der Luft zwischen groben Be­ton­ma­sten im weiland kommunistischen Brutalo-Design. Auch im Detail herrscht offenbar die Maxime »function first«, weshalb die Verstrickungen der Verstrippungen so aus­se­hen, wie sie halt nun mal ausschauen:

Kabelverhau vor historischem Bau

Schön ist natürlich was anderes, aber ein gewisser Pragmatismus ist dem Landvolk ja über­all auf der Welt zu eigen, ebenso wie eine souveräne Laxheit in ästhetischen Fra­gen. Nicht einmal der postmoderne Franke könnte sich hier guten Gewissens über­le­gen fühlen, kommt ihm doch allzuoft selbst ein schnodderiges »des dudd’s« über die Lippen…

Mit so einer Haltung kann man nicht nur ertragen, was feinsinnigen Geistern und kon­troll­be­dürf­ti­gen Charakteren ein Greuel ist, nein, man kann sogar mit dem un­ge­plan­ten Wer­den und Vergehen um einen herum seinen Frieden machen. Und vielleicht sogar zu der Erkenntnis gelangen, daß die Natur nicht des Menschen Werk in zer­stö­re­ri­scher Absicht zu überwuchern angetreten ist, sondern ihm vielmehr ein Stück Schön­heit zurückbringt in seine von ihm selbst ent-schönte kleine Welt:

In jeder Ritze regt sich Leben

Der westliche Wahn des Ausrottens allen Wildwuchses hat auf den (mä­ßig) wilden Osten glücklicherweise noch nicht über­ge­grif­fen, und unter anderem das macht den Charme Siebenbürgens aus. Der Exodus der Siebenbürger Sachsen (korrekterweise müßte man sie als rumänische Staatsbürger deutscher Nationalität titulieren) hat zwar vieles dem Niedergang überantwortet (von den Häusern über die berühmten Kir­chen­bur­gen bis hin zu den Weinbergen), indes wirkt der schleichende Fall auf den Besucher eher pittoresk und charmant sowie in der Regel nicht de­pri­mie­rend. Wer Venedig kennt und dessen morbide Aura liebt, mag das nachvollziehen können. Übrigens sieht man von der real existierenden Armut in Ru­mä­ni­en selbst in den Städten deutlich weniger als in den urbanen Zentren im »reichen« We­sten…

Als wahrlich reich anzusehen sind indes die Menschen, die zwar in bescheidenen, aber doch wür­di­gen Verhältnissen zufrieden le­ben. Wie zum Beispiel jene Siebenbürger Sachsen, die wei­land dem Herdentrieb wi­der­stan­den haben und in der an­ge­stamm­ten Heimat zurück­ge­blie­ben sind. Wir dur­ften solche kennenlernen. Aus Gründen der Dis­kre­tion zeige ich zur Illustration nur einen äußerlich Eindruck vom kleinen Pa­ra­dies der bo­den­stän­di­gen Leute:

Nicht ganz klein, und immer noch fein: Der Hausgarten von Frau und Herrn Schaas

So, das war es dann für heute. Seitenlang über Siebenbürgen geplappert und nicht eine einzige Kirchenburg gezeigt! Macht aber nix, denn erstens bin ich ja schon in Vor­lei­stung gegangen und zweitens macht(e) der Robert von nebenan ohnehin die besseren Bilder. Dafür ist der zonebattler zweifelsfrei die größere Plappertasche, so ergänzen wir beide uns prächtig. Im zweiten Teil geht es hier demnächst weiter mit bunten Ansichten und weiteren Schach­tel­sät­zen aus dem Zen­trum Rumäniens!

 
[1] Eine Strategie, die offenbar einigen Erfolg zeitigt. Immerhin hat das Anlocken un­be­darf­ter Pauschal-Touristen mit depperten Dra­cu­lan­tien den Vorteil, daß diese dann zumeist in den ohnehin überlaufenen und tou­ri­sti­fi­zier­ten Städten verbleiben und sich eher selten ins noch weitgehend ur­sprüng­li­che Umland verirren…

[2] Von Nürnberg nach Sibiu (Hermannstadt) braucht ein Airbus der ungarischen Wizz Air noch nicht einmal zwei Stunden.

[3] In dieser Reiseberichterstattung werden Ortsnamen in offizieller rumänischer Schreib­wei­se notiert, bei erstmaliger Nen­nung gefolgt vom deutschen Namen in Klam­mern.

[4] Diese vereinfachende Darstellung ist natürlich im Detail durchaus kritisch zu se­hen. Beispielsweise hat sich in Deutschlands tausendjährigem Jahrzwölft der kol­lek­ti­ve Rassenwahn auch unter den fernab des braunen Reiches lebenden Sie­ben­bür­ger Sachsen breitgemacht. Dies näher aus­zu­füh­ren ist aber nicht das Thema dieser Ur­laubs-Reprise.

[5] Was uns übrigens vor dem Urlaub nicht bekannt war: Die ursprünglichen »Sie­ben­bür­ger Sachsen« kamen als willkommene Siedler aus dem Luxemburgischen, dem Rhein­land und von der Mosel. Zu »Sachsen« machte sie der Weg über Mit­tel­deutsch­land, mit den »richtigen« Sachsen hatten und haben sie nichts zu tun. Ähnlich verhält es sich übri­gens mit den »Banater Schwaben«, denen dieses mißweisende Etikett aufgeklebt wur­de, weil die Auswanderer ihre Schiffs­reise auf der Donau weiland in Ulm be­gan­nen…

[6] Landflucht ist natürlich auch in Rumänien ein Thema: Junge Leute zieht es in die Städte, wo es mehr Abwechslung und auch at­trak­ti­ve­re Arbeit gibt (sprich besser be­zahl­te, zeit­lich weniger ausufernde und nicht so kör­per­lich anstrengende wie in der Land­wirt­schaft draußen)…

[7] Unsere Nachbarsfamilie aus Fürth hatte ja alles dabei (bis auf das Pfer­de­fuhr­werk).

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Mittwoch, 22. August 2018

Schaurige Schönheiten

Einen ihrer best Urlaube ever verbrachten der zonebattler und seine bessere Hälfte soeben in Siebenbürgen. Ohne die befreundete Nachbarin Almut S., die aufgrund Ihrer Herkunft doppelte Muttersprachlerin ist, hätte unsereins Rumänien vermutlich nie als mögliches Reiseziel ins Auge gefaßt. So aber hatten wir das Glück, eine mit der Gegend, den Menschen und ihrer Sprache vertraute Türöffnerin an unserer Seite zu wissen, was unsere Sommerfrische zu einem ganz be­son­de­ren (und nachhaltig wir­ken­den) Erlebnis werden ließ. Dazu wird später mehr zu er­zäh­len sein, wenn die rei­che Bild-Ausbeute der Reise gesichtet und gewichtet ist. Einst­wei­len mache ich mei­ner Le­ser­In­nen­schaft Mund und Augen wässrig mit einer kleinen, künstlich ent­färb­ten und leicht verdüsterten Vorschau…

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Impressionen aus Siebenbürgen

Für den zur Me­lan­cho­lie und Wehmut nei­gen­den Endesunterfertigten geriet die Ex­pe­di­tion unverhoffter- und ungeplanterweise auch zum Flashback in die eigene Kind­heit, was ihn durchaus kalt erwischte. Auch da­rü­ber demnächst mehr in diesem vir­tu­el­len Mini-Theater!

Montag, 30. Juli 2018

Heiße Musik am heißen Sommertag

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des  »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

Alle Jahre wieder: Konzertbesuch in Schloß Weißenstein zu Pommersfelden im Rahmen der Internationalen Sommerakademie des »Collegium Musicum«

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Samstag, 7. Juli 2018

Lila Pause

Blühende Prachtscharten auf des zonebattler's Zugbeobachtungsbalkon

Sonntag, 17. Juni 2018

Inklusion

Gefiederter Nachwuchs in friedlicher Koexistenz

Freitag, 20. April 2018

Durst

Schwer und entbehrungsreich ist das Leben in der Mauerritze

Samstag, 5. August 2017

Fake Moon

Gestern abend, kurz vor Mitternacht: Der zonebattler geht nochmals raus auf den hin­te­ren Balkon, um das Wetter für die Nacht und den heutigen Tag zu pro­gno­sti­zie­ren. Der Himmel wirkt einigermaßen klar, nur der Mond funzelt etwas trübe durch einen Dunstschleier hindurch. Eine dunkle Wolke zieht über ihn hinweg…

Aber Moment mal: Bewegt sich der Mond etwa selbst? Der Berichterstatter reibt sich die Augen und guckt nochmal genauer hin: Tatsächlich, der Erdtrabant scheint zu pen­deln. Ist das Autosuggestion? Täuschen die sporadisch vorbeiziehenden Wolken ei­ne Bewegung nur vor? Die bessere Hälfte wird herbeigerufen, um das Phänomen mit eigenen Augen zu prüfen und ggf. zu bestätigen.

Und in der Tat, wir sehen beide, daß der »Mond« eine leichte Pendelbewegung aus­führt. Der Blick durch das Fernglas trägt nicht zur Aufklärung bei, dazu ist das kleine Ding nicht lichtstark genug. Wir tippen schließlich beide auf einen Ballon.

Nachts Gestirn, tagsüber Werbeträger: Der ALDI-Ballon

Heute morgen nun strahlte die Sonne zunächst dermaßen stark aus der gleichen Rich­tung, daß man sie mit der Hand beschatten mußte, um zu sehen, ob da noch was ist. Und tatsächlich, der »Mond« war als schwarze Silhouette gleich neben der Sonne zu erkennen. Und auch eine weitere Vermutung trifft zu: Die »Wolken« waren nichts anderes als aufgedruckte ALDI-Logos, die durch die Eigenrotation der Ballonhülle schein­bar vorübergezogen waren!

Damit ist alles klar: Unsere nahe ALDI-Filiale feiert nach erfolgtem Umbau ihre Neu­er­öff­nung im neuen Look. Der Werbeballon ist groß genug, um als Mond durch­ge­hen zu können, rund genug, um sich nicht unten durch einen Schniepfel samt Seil zu ver­ra­ten, und reflektierend genug, um durch das Streulicht der nächtlichen Stadt als gleichmäßig illuminiert zu erscheinen. Wieviele Anrufe wegen einer ver­meint­li­chen UFO-Sichtung heute nacht wohl bei der Polizei eingegangen sind?

Dienstag, 18. Juli 2017

Ohne Moos nix los

mysteriöse Moos-Insel am Rande des Golfplatzes von Fürth-Atzenhof
Donnerstag, 6. Juli 2017

La Biennale (3)

Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
Impressionen aus Venedig und der Kunst-Biennale 2017
 
vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Sonntag, 14. August 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (4)

Zu ihrer Geschichte und dem Bewahren historischer Zeugnisse haben die Schweden ein unverkrampftes Verhältnis. Da sie schon seit längerem keine kriegsbedingten Ver­hee­run­gen im eigenen Land zu beklagen haben und infolgedessen keine zerbombten Städte wiederaufzubauen waren, mußten sie in den 1960er Jahren und später schon die sprichwörtliche Abrißbirne schwingen, um in ihren alten Stadtkernen großflächig Platz für Neues zu schaffen. Im Rückblick mögen viele das bedauern, denn was dann an Beton-Brutalo-Architektur nachfolgte, erscheint sensibleren Gemütern oft als böse Bausünde, das ist in Schweden nicht anders als in Deutschland.

Immerhin haben die Schweden vieles durch Translozierung gerettet, beispielhafte Alt­bau­ten also zu Museumsdörfern zusammengefaßt. Auch sowas kennt man aus hiesigen Landen, aber in Schweden gibt’s das deutlich öfters. Zum Beispiel in Gamla Linköping, wo man die Essenz des alten Ortskernes von Linköping in einer Zeitblase bewahrt hat:

Szenerie in Gamla Linköping

Die in alten Läden und Kontoren untergebrachten Geschäfte, Werkstätten und Be­trie­be sind natürlich schon auf Touristen und Feriengäste abgestimmt und aus­ge­rich­tet, dennoch hat man nie den Eindruck, in einer künstlichen Disney-Land-Kulisse herum­zu­lau­fen: Das Gebotene hat Bezug zur Region, die Anlage ist gut geplant und die meisten Häuser sind von »richtigen« Einwohnern dauerhaft bewohnt. Zudem liegen Museumsdörfer wie Gamla Linköping nicht irgendwo ganz weit draußen, sondern an der Peripherie der Innenstadt, uneingezäunt und mit mehreren offenen Zugängen.

Wagen wir mal einen größeren Sprung (in der virtuellen Retrospektive kann man ja umstandlos machen, was in realiter eine Tagesreise bedeutet) nach Eskilstuna, der Partnerstadt Erlangens. Von der jahrhundertealten Tradition der Metall­ver­ar­bei­tung und Kanonenherstellung sieht und hört man dort heutzutage nicht mehr viel:

Blumenmeer in Eskilstuna

Einmal mehr begeisterte uns in diesem schmucken Städtchen (wie schon Tage zuvor in Norrköping) das Flanieren am Fluß entlang (hier Eskilstunaån geheißen). Wenig Autos, viel Grün, reichlich Kultur und Kreativwirtschaft in alten Backsteinfabriken, da ist ein halber Tag rum wie nix und man hat noch immer längst nicht alles gesehen, was einen interessieren könnte: Hier eine Kirche, da eine Promenade, dort ein Kunst­museum…

Apropos Museum: in meinem Stockholmer Bilderbogen habe ich ja schon vor einiger Zeit die konservierte Vasa gezeigt, jene berühmte königliche Galeone, die auf ihrer Jungfernfahrt im Jahre 1628 schon nach etwa 1300 Metern Fahrstrecke kenterte und absoff. Nach mehr als 330 Jahren unter Wasser hat man das bestens erhaltene Schiff 1961 gehoben und geborgen und in ein nahes Trockendock geschleppt. An Ort und Stel­le hat man dem wunderbaren Wrack später sozusagen das Vasa-Museum über­ge­stülpt und zeigt dort heute anhand von vielfältigen Exponaten rund um das originale Schiff dessen ebenso tragische wie faszinierende Geschichte:

Querschnitt durch die »Vasa« (Modell)

Der Besuch im Vasa-Museum ist fraglos ein »Muß« für jeden Stockholm-Besucher: Die Aura des echten Schiffes ist beeindruckend, die didaktische Konzeption der um das gigantische Gefährt herum errichteten Ausstellung beispielhaft. Ein Glücksfall, daß der Schiffsbohrwurm in dem landnahen Brackwasser keine Über­le­bens­chance hatte: Der lokalen Abwesenheit dieses ansonsten weitverbreiteten Holzfressers verdankt die Menschheit die Überlieferung des weitgehend kompletten Schiffes als aussagestarke »Zeitkapsel«!

Nicht ganz so alt, aber gleichwohl nett anzuschauen sind andere historische Fahr­zeu­ge, die man auf Stockholms Straßen im Einsatz sieht. Neben automobilen Oldtimern sind das zum Beispiel historische Straßenbahnen wie dieses fast fabrikfrisch wirkende Exemplar:

Straßenbahn in Stockholm

Ich hatte ja schon in der ersten Folge meines Reise-Rapports erwähnt, daß in Schwe­den vergleichsweise wenig Menschen auf vergleichsweise viel Fläche leben. Ent­spre­chend leer sind die Straßen, entsprechend groß sind die Autos. Logisch, daß einem ausgewiesene Kleinwagen eher selten begegnen. Sogar in der Metropole Stockholm habe ich nur einen einzigen Smart gesehen, und der kam ausweislich seines Kenn­zei­chens aus … Coburg!

An dieser Stelle meiner Remineszenzen tropft mir nun unversehens der Sabber von der Unterlippe auf die Tastatur, hervorgerufen durch alliterationsinduzierte (Coburg -> Cor­net­to) Triggerung multisensorischer Erinnerungen an das ach so göttliche Lakritz-Eis:

Lakritz-Cornetto

Neben dieser in deutschen Landen unbekannten Eishörnchen-Variante gab es natürlich im Supermarkt auch ordentliche »Anstaltspackungen« zu kaufen, mit denen wir den Gefrierschrank unseres gastgebenden Freundes vollgeschlichtet haben zwecks kuli­na­ri­scher Abrundung der langen Abende. Je mehr fränkischen Freunden und Bekannten ich davon erzähle, desto mehr muß ich freilich einsehen, daß Lakritze ein sehr polarisierendes Genußmittel ist: Den einen läuft – gleich mir – sogleich das Wasser im Munde zusammen, die anderen schütteln sich heftig ob der bloßen Vorstellung, so­was in den Mund zu nehmen. Zwischendrin scheint’s nix zu geben…

Aber egal. Wenn wir nun schon mal in Stockholm sind, machen wir noch einen Aus­flug in die/den Skansen, ein weiteres, in diesem Fall weithin bekanntes und be­rühm­tes Museumsdorf. Das existiert schon seit 1891 und bewahrt im Wortsinn groß­flä­chig die schwedische Volkskultur:

altes Schwedenhaus im Skansen

Auch diese Attraktion ist ein für jeden Hauptstadt-Besucher obligatorischer Pro­gramm­punkt, für den man sich (mindestens) einen halben Tag Zeit nehmen sollte. Wir waren übrigens sehr positiv überrascht von der fachlichen Qualifikation der in historische Kostüme gekleideten »Bewohnerschaft« des Museumsdorfes. Das profunde Wissen der Handwerker, Bäuerinnen und Mägde ging weit über das hinaus, was von »typischen« Besucherfamilien gemeinhin nachgefragt wird. Auch in komplexen hi­sto­ri­schen und wirtschaftlichen Zusammenhängen erwiesen sich die Damen und Herren als überaus beschlagen und sattelfest, wir gingen letztlich erheblich klüger wieder heraus, als wir hineingegangen waren. So soll es sein!

Den bis hierher gefolgten Leserinnen und Lesern gegenüber sei nunmehr ein­ge­stan­den, daß des zonebattler’s höchst sprunghafte Erzähldramaturgie kein bewußt gewähltes Stilmittel ist, sondern doch nur Ausdruck von Planlosigkeit und Faulheit: Tatsächlich hat sich der Blubber-Blogger im Voraus 5 x 8 seiner schönsten Urlaubs-Fotos nach rein ästhetischen Kriterien herausgesucht und versucht diese im Nachgang einigermaßen stimmig verbal zu verbinden. Dank dieses entwaffnenden Bekenntnisses braucht es jetzt für ein weiteres »See-Stück« wohl keine weiteren Verrenkungen:

Rettung ist nahe!

»Sweden in a nutshell« würde ich dieses prototypische Motiv wohl benennen, wenn ich denn für ein englischsprachiges Publikum schrübe: Wasser, Wald, Wolken, Ro­man­tik sowie allgegenwärtige Umsicht, Vorkehr und Sicherheit, all das und mehr findet sich hier in einem einzigen Ausschnitt kompakt zusammengefaßt wieder.

Wasser und Sicherheit sind auch die idealen Stichworte für etwas, was ich bislang weder erwähnt noch gezeigt hatte: Burgen und Schlösser nämlich, die landestypisch gern etwas gedrungener gebaut werden resp. wurden als wir relativen Südländer das so gewohnt sind. Das hier ist Örebro slott in Örebro, man beachte den eigens ins­ze­nier­ten Kontrast zu den neuzeitlichen Sitzgelegenheiten im Vordergrund:

Örebro slott

Auch diese sehenswerte Stadt »eroberten« wir uns übrigens im Rahmen eines Ta­ges­aus­flu­ges. Im Vergleich zu unseren herkömmlichen Rundreisen erwies sich der sta­tio­nä­re Aufenthalt an einem Ort – eben Grytgöl – als planerische Herausforderung: Ei­ner­seits wollten wir natürlich möglichst viele Facetten des uns bislang unbekannten Landes kennenlernen, andererseits mochten wir nicht einen Gutteil des Tages im Auto verbringen, nur um stundenlang streng tempolimitiert durch immerwährende Wald­schnei­sen zu gleiten…

Na ja, es fanden sich in den knapp drei Wochen unseres Urlaubes genügend Ziele im 100-Kilometer-Radius, die des Ausrückens wert waren. Manches ließ sich auch ganz gut miteinander verbinden. Den einen oder anderen Tag blieben die Räder unseres weißen Volvos sogar gänzlich unbewegt und wir daheim bzw. in fußläufiger Nähe, was durchaus zur gründlichen Erholung und Entschleunigung beitrug. Der Effekt ist erfreulicherweise dermaßen nachhaltig, daß mit der fünften und letzten Folge dieser Reise-Reprise auch erst wieder in einer Woche zu rechnen ist!

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Samstag, 6. August 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (3)

Nach einigen Tagen des erholsamen Aufenthalts kristallisierten sich für uns ein paar offenbar spezifische Merkmale des Schwedentums heraus. Der Schwede als solcher ist zunächst einmal noch ein richtiger Mann, von dem die paarungswilligen Weibchen zu Recht erwarten, daß er alle anfallenden Arbeiten am und rund ums Haus beherrscht und selbst leisten kann. Für die Errichtung und Instandhaltung der eigenen vier Wände wird externe Hilfe nur dann in Anspruch genommen, wenn’s gar nicht anders geht. Ansonsten greift der Schwede beherzt eigenhändig zu Säge, Axt und Hammer: Große Volvo-Kombis und riesige Baumärkte sind landauf, landab gang und gäbe und belegen des Schweden Hang und Drang zur Autarkie.

Traditionellerweise streicht der Schwede sein hölzernes Heim nach Fertigstellung in rostrot an; diese Tradition hat nicht nur ästhetische, sondern primär konservierende Wirkung gegen die Unbilden von Wind und Wetter, wie wir uns sagen ließen. Was immer in der Farbe an chemischen Keulen (weiland Abfallprodukte des Berg- und Hüt­ten­wesens) versteckt sein mag, vorzeigbar ist das Ergebnis jedenfalls allemal:

typisches Schwedenhaus der größeren Sorte

Vom Herrn des Hauses wird ferner erwartet, daß er den Rasen rundherum kurz und gepflegt hält, weshalb es mit der idyllischen Ruhe auf dem Land eine relative Sache ist: Irgendeiner knattert immer mit (oder gar auf) seinem Benzin-Rasenmäher um seine Datsche herum, was bei den landesüblichen Parzellengrößen schon eine gute Weile dauern kann…

Große Grundstücke, große Abstände zum Nachbarn: Die splendid isolation bringt eine gewisse Zersiedelung der Landschaft mit sich. Damit die Postbotin nicht in bis zum Ende jeder Schotterstraße preschen muß, um ein Brieflein oder eine Gazette zu­zu­stel­len, geht sie mit ihrem rechtsgelenkten gelben Postauto an einer Batterie von Brief­kä­sten lässig längsseits, um dann – ohne ihr Vehikel verlassen zu müssen – vom Lie­bes­brief bis zur amtlichen Vorladung alles in die schlüssellos aufzuklappenden Brief­boxen zu stopfen:

Briefkästen in Reih' und Glied

Ja, postzustelltechnisch herrschen im Schwedenland Usuancen wie in den US of A. Die Briefkästen stehen weit vor der eigenen Haustür irgendwo an der nächsten Straßen­ab­zwei­gung oder -kreuzung. Böse Buben mit sinistren Absichten scheint es auf dem wei­ten Land kaum zu geben. Vermutlich gäb’s eh nix Wertvolles zu stibitzen, Pakete wer­den ja wohl doch bis zum Empfänger gefahren oder beim Nachbarn abgegeben…

Was aber macht der gemeine Schwede, wenn die Post gelesen, der Rasen gemäht und die Frau – sofern vorhanden – unleidlich ist? Genau, er wirft Angel und Köder in den Kofferraum seines (Volvo-)Kombis und macht sich auf zum Wasser, genau gesagt zu jenem Gewässer, an welchem er sein Boot liegen hat. Dieses macht er mit wenigen Handgriffen seeklar und sticht in denselben, um die Seele und die hakenbeschwerte Angelschnur baumeln zu lassen. Der Korrespondent und seine bessere Hälfte waren eines Abends teilnehmende Beobachter einer solchen Veranstaltung:

abendliche Angel-Kreuzfahrt

Des Freundes Nußschale aus GFK bot Platz für uns drei, das angeltechnische Zu­be­hör und natürlich auch für die beiden mitgeschleppten Blei-Akkus im Autobatterien-Format, die dem elektrischen Außenborder die nötige Energie zum lautlosen Gleiten über die abendliche Glitzeroberfläche des still ruhenden Sees lieferten. Glück­li­cher­wei­se »fingen« wir letztlich nur ein paar Felsen und Schlingpflanzen, so daß sich die Frage zum ordnungsgemäßen Umgang mit lebendem Beutegut gar nicht erst stellte.

Wir springen wieder an Land und weiter zum nächsten Thema. Unser Freund und Gast­ge­ber ist nicht nur zum Vergnügen in Schweden ansässig, er ist tatsächlich aus beruflichen Gründen dorthin gezogen.[1] Nachdem er vorher drei Jahre für seinen in Erlangen beheimateten Arbeitgeber in Shanghai und sonstwo auf der anderen Seite der Erdkugel tätig war, hat ihn das darauf folgende Engagement vom brodelnden Hexen­kes­sel der asiatischen Großstadt ins so­zu­sa­gen skandinavische Gegenteil ver­schla­gen. Immerhin unterhält die SIEMENS AG in Finspång das einzige konzerneigene Schloß:

Schloß Finspång

Die vor dem Gemäuer sorgsam in Stellung gebrachten Kanonen sollen die Firma wohl eher nicht vor einer feindlichen Übernahme bewahren, sie müssen als Remineszenz an die Produktpalette der Finspång’schen Eisen-Industrie vergangener Jahrzehnte und Jahr­hun­der­te gelten. Wobei: In diesen turbulenten Zeiten von »Industrie 4.0« kann es nicht schaden, ein paar nicht-virtualisierte, handfeste Argumente mit Knalleffekt in der Hinterhand zu haben…

Herstellen tun sie heutzutage in dem großen, vor ein paar Jahren von ALSTOM über­nom­me­nen SIEMENS-Werk keine Knallbüchsen mehr, sondern Gasturbinen mittleren Kalibers. Selbstredend herrscht im von uns ausgiebigst besichtigten Pro­duk­tions­be­reich strengstes Fotografierverbot, aber immerhin darf ich hier auf eine offizielle Animation verweisen, die sehr schön zeigt, was Sache ist. Statt mit einem Fotos aus der Turbinenbau-Werkstatt kann ich selbst nur mit der (nicht minder repräsentativen) Kehrseite des siemensianischens Schlößleins dienen:

Schloß Finspång von hinten

Das SIEMENS-Werk grenzt unmittelbar an den Schloßpark und ist überhaupt sehr un­auf­fäl­lig in die Landschaft eingebettet. Der zonebattler bekennt freimütig, derlei vorher noch nie gesehen zu haben: Schwerindustrie findet gemeinhin in trister bis desolater Umgebung statt. In Finspång sieht es eher nach Freizeitpark aus als nach dem Sitz eines Weltmarktführers im Anlagenbau. Der uns dort zuteilgewordene Blick hin­ter die Kulissen und das Erleben von cutting edge technology war für uns fraglos einer der Höhepunkte dieser Reise!

Zurück zur Natur: Zu gerne hätte ich ja mal einen mürrisch dreinblickenden Elch mit ausladendem Schaufelgeweih vor meine Linse bekommen, aber derlei Foto­gra­fen­glück ist mir leider nicht zuteil geworden. Wie schon mal erwähnt, sind die offiziell als tagaktive Einzelgänger geltenden Paarhufer in der Praxis eher in der Dämmerung unterwegs, und da lag der zonebattler halt noch (oder schon wieder) im Bett res­pek­ti­ve auf dem Sofa. Dafür gab es allerorten den höchst agilen Nachwuchs von Enten oder Schwä­nen zu sehen und zu knipsen:

Schwanenmama mit Nachwuchs

Ein Dutzend Fotos habe ich allein von dieser Schwanenmama und ihrer sechsköpfigen Kinderschar geschossen, die munter paddelnd gemeinsam im Hafenbecken vor dem Schloß von Vadstena unterwegs waren. Mensch und Tier gehen hier und andernorts geschäftig, aber stets unaufgeregt ihrer Arbeit nach. Man kann sich sehr schnell an den beschaulichen Lebensstil gewöhnen…

Überhaupt scheint ganz Schweden – oder zumindest der Teil der Landes, den wir be­reist haben – eine einzige Idylle zu sein. In der von üppigem Grün geprägten Gegend nehmen sich sogar latente Umwelt-Freveleien lieblich aus, wie der in Folge 1 ge­zeig­te Traktor und dieser vor sich hin sedimentierende PKW demonstrieren:

abgestellter und eingewachsener PKW

Man beachte, daß nicht etwa die abgestellte Karre Gegenstand von und Anlaß zu so­zia­ler Ächtung des Besitzers ist. Nein, verwerflich wäre es, den Rasen nicht or­dent­lich kurz zu halten, weswegen fein säuberlich um den Blechhaufen herum gemäht wird. Dies mutwillig zu unterlassen wäre hierorts wohl die eigentliche Schande…

Wiesen, Wälder, Wasser: Dem natürlich überall erreichbaren World Wide Web steht in Schweden gleichfalls flächendeckend ein wunderbares »WWW« im Realen gegenüber, an dem man sich nicht sattsehen kann. Zum Abschluß der heutigen Episode seien diese drei Elemente in einem Bild vereint gezeigt, sogar noch ergänzt um ein viertes »W« wie »Wolken»:

Bucht am Campingplatz Fiskeboda

Wie gestrandete Delphine liegen sie da, die umgekippten Boote, und wirken an­ge­sichts ihrer elegant-schnittigen Form keineswegs wie Fremdkörper in der ansonsten unberührt erscheinenden Landschaft. Szenen wie diese finden sich an jedem größeren Gewässer, und da die allgegenwärtigen Kajaks und Kähne geduldige Modelle dar­stel­len und durchaus länger als nur 1/125 Sekunde stillhalten, kann man sie auch gut in Ruhe malen statt sie nur en passant abzulichten…[2]

Das war es dann auch schon wieder für heute. Demnächst mehr!

 
[1] Mit dem Betreiben eines Bootes, eines Rasenmähers von Husqvarna, dem Hissen schwedischer Fähnchen am Haus sowie dem zügigen Erlernen der Sprache muß unser fränkischer Freund in Östergötland als mustergültig integrationswillig, ja geradezu als Assimilant gelten. Leider trifft das nur auf eine Minderheit von Expats zu: Die meisten von ihren Firmen ins Ausland entsandten Fachkräfte lassen sich von den Sitten und Gebräuchen ihres Gastlandes nur wenig benetzen und bleiben überwiegend unter sich. Selbst schuld!

[2} Was ich beispielhaft auch getan habe bzw. habe tun lassen, siehe dazu den ersten Kommentar unter diesem Beitrag.

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Sonntag, 31. Juli 2016

Land der Lupinen und Lakritzen (2)

Schon am zweiten Tage unseres Aufenthaltes machten wir uns selbdritt auf zu einer kleinen Städtetour in das knapp 50 km südöstlich gelegene Norrköping.[1] Bis in die 1960er Jahre hinein war die Stadt ein Zentrum der Textilindustrie, danach ging es wirt­schaft­lich steil bergab aufgrund sich wandelnder Konsumgewohnheiten und vor allem wegen der starken Konkurrenz aus fernöstlichen Billiglohnländern. Das Ende der Geschichte kennen wir aus eigener Anschauung, die Baumwollindustrie Erlangen-Bamberg Aktiengesellschaft (ERBA) läßt grüßen…

Immerhin haben sich in Norrköping trotz auch dort vorgekommener Abrißorgien et­li­che ansehnliche Industriebauten erhalten, die heutzutage verschiedenste Nachnutzung durch Behörden, Startups, Institute und kukturelle Einrichtungen erfahren:

saniertes Industriegebäude in Norrköping

Um dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie etwas entgegenzusetzen, wur­den Anfang der 1970er Jahre einige staatliche Behörden aus der Hauptstadt Stock­holm nach Norrköping verlagert. Der Vergleich mit Fürth, Grundig, Quelle und dem Bayerischen Landesamt für Statistik drängt sich da geradezu auf: Ähnliche Probleme werden halt allerorts mit ähnlichen Methoden bekämpft…

Wo der Abrißbagger in Norrköping Altes vernichtet hat, um Neuem Platz zu schaffen, ist oftmals architektonisch durchaus Vorzeigbares entstanden. Der Kontrast hat seine ästhetischen Reize, wenngleich sich fraglos nur eine dünne Schicht Gutverdiener das Leben im üppig verglasten Stadtloft leisten kann:

Neubau im Herzen Norrköpings, am Motala ström

Wir schlenderten noch ein Weilchen am Motala ström entlang und durch die sonn­täg­lich ruhige Innenstadt und befanden schlußendlich: Ja, hier ließe es sich wohl leben. Insbesondere dann, wenn einem das platte Land als zu einsam vorkommt und die Me­tro­pole Stockholm als zu groß…

Aber mit der Inspizierung Norrköpings war der Tag ja noch nicht annähernd gefüllt: Heiter weiter ging es daher in Richtung Ostseeküste, also erneut nach Südosten. Da­bei kamen wir durch einen Ort mit dem denkbar kürzesten Namen, der es allein deshalb schon verdient, hier festgehalten zu werden (Kuriositäten sind ja ein gern gerittenes Steckenpferd des Berichterstatters):

Ortschild von Å

Ja, der Ort heißt wirklich »Å«…[2] Ziel und Wendepunkt unseres Tagesausflugs war indes Tyrislöt, von wo aus man – am Ufer der Schärenmeeres stehend – diverse Schären sehen kann. Hunderte, nein Tausende Inseln säumen die Küsten, bis zum offenen Meer wäre man stundenlang unterwegs. Interessant ist die Erkenntnis, daß sich die nach Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher im Wortsinne »erleichterten« Landmassen auch heute noch – wenn auch langsam – heben (Stichwort: postglaziale Landhebung), was dazu führt, daß neue Inselchen enstehen, bereits vorhandene größer werden und frühere Häfen verlanden.

Leider war weder Zeit noch Gelegenheit, mit einem Postboot durch das steinerne Labyrinth zu schippern, aber das Gesehene war schon eindrucksvoll genug. So machten wir uns also auf den Rückweg und steuerten dabei noch das pittoreske Städtchen Söderköping an. An dessen Nordrand liegt der Göta-Kanal, und in dem wiederum fahren nostalgisch-schöne Passagierschiffe wie die hier exemplarisch fest­ge­hal­tene »Lindön« herum:

Dampfer »Lindön« im Göta-Kanal bei Söderköping

Söderköping gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte Schwedens. Meiner einer hätte die vielen Holzhäuser aufgrund ihres makellosen Er­hal­tungs­zu­stan­des nicht unbedingt bis zurück ins Mittelalter datiert, aber ja, das Städtchen hat Charme!

Überhaupt kam sich der Chronist ständig wie in einer der aus Kindertagen er­in­ner­li­chen Fernsehserie schwedischer Provenienz vor. Alles sozusagen ziemlich putzig-pippi­lang­strumpfig in diesem in multipler Hinsicht mustergültigem Land…[3]

Holzhäuser in Söderköping

Als wir nach ausgiebiger Besichtigung Söderköpings den Ort verließen und die Heim­fahrt antraten, war es schon halb sieben Uhr abends. Ziemlich genau um 19 Uhr machten wir dann noch bei Finspång in einem Supermarkt Station, um uns für die folgenden Tage zu verproviantieren und des Freundes Speisekammer zu füllen.

Das sonntägliche (!) Einkaufserlebnis verdient eine ausführliche Würdigung. Zu­nächst einmal ist bemerkens- und festhaltenswert, daß auch an Sonntagen und bis in den späten Abend geöffnete Läden in Schweden nichts Besonderes sind, sondern gelebte Normalität. Kein Mensch käme hier auf die Idee, im angeblichen Interesse der Be­schäf­tig­ten eine allgemeine Sonntagsruhe einzufordern. Uns war es recht, wir schau­en uns in fremden Landen immer gerne Supermärkte von innen an, schon wegen der ungewohnten Produktvielfalt und -verpackungen. Die erste Überraschung erwartete uns aber bereits im Eingangsbereich des Einkaufzentrums:

Batterie von Scannerpistolen

Tja, was sind das wohl für eigenartige Gerätschaften, die da ihrer Entnahme durch den Kunden harren? Genau, Scannerpistolen! Mit diesen Dingern kann der Kunde während seines Einkaufsbummels selbst die gewählten Produkte registrieren und ihre Preise aufaddieren lassen, bei automatischer Berücksichtigung aller aktuellen Ak­tions­prei­se und Rabatte, versteht sich. Aber hallo!

Unser Freund delektierte sich an unserer Verblüffung, zückte lässig seine Kun­den­kar­te, checkte damit am Automaten-Terminal ein und bekam eine dieser Scanner-Pistolen zugewiesen. Für die griffbereite Aufwahrung der persönlichen Re­gi­strier­kas­se verfügt jeder Einkaufswagen über ein entsprechendes Drahtkörbchen:

Scannerpistole in ihrer Halterung

Mit dieser Laserkanone bewaffnet, macht sich der Kunde nolens volens zum Kom­pli­zen der Betriebswirte, die ihm einen Teil der personalintensiven Arbeit zur Ei­gen­er­le­di­gung übertragen. Die dafür gewährten Preisnachlässe und sonstigen Vorteile ma­chen sicherlich nur einen Bruchteil der Personalkosten aus, die man mit der flä­chen­decken­den Einführung solcher Gerätschaften einsparen kann. Von den Möglichkeiten der Aus- und Verwertung der von den Kunden freiwillig, nebenbei und massenhaft gelieferten Daten zum individuellen Konsumverhalten gar nicht zu reden!

Diskussionen über das Pro und Contra sind indes müßig, was wir in Schweden pro­to­ty­pisch beobachten konnten, wird bei uns auch so kommen, und zwar eher über kurz als über lang. Funktioniert hat das Einlesen der Produktdaten selbstverständlich pro­blem­los, und auch das Stornieren bereits registrierter Produkte bei spontaner Um­ent­schei­dung war kein Thema. Ein weiteres Faszinosum schwedischer Supermärkte und Dis­coun­ter (deutschstämmiger inklusive) sind übrigens die ausladenden Angebotswände für süße und salzige Schüttgüter:

Lakritz undd Gummibären galore!

Im Nachhinein war es womöglich ein Fehler, diverse lakritzoide Leckerlis zwar in großer Vielfalt probierhalber einzukaufen, aber überwiegend erst nach der Heimkehr nach Deutschland zu verkosten: Da waren dermaßen süchtig machende Exemplare dabei, die wir bei rechtzeitigem Ausprobieren vor Ort kiloweise gebunkert und bis zur Grenze des zulässigen Gepäckgewichtes in die Koffer gestopft hätten.[4]

Mit vollem Einkaufswagen gelangten wir schließlich im Kassenbereich an, den wir ohne zwischenmenschlichen Kontakt verließen, denn selbstedend braucht es weder für (bargeldlose) Zahlung, Pistolenabgabe und Kassenbon-Kontrolle das Zutun ir­gend­wel­cher Mitarbeiter(innen). Übrigens auch nicht zur Alterskontrolle, denn Spirituosen mit mehr als 3,5 % Alkoholgehalt bekommt man ohnehin nur in staatlichen Läden (zu deutlich restriktiveren Öffnungszeiten) zu kaufen. Im schwedischen Supermarkt gibt’s weder richtiges Bier noch Wein noch Eierlikör (letzteres zum argen Verdruß des Endesunterfertigten). So, aber nun Kofferaumklappe zu und genug für heute. Bis bald!

 
[1] Die Endsilbe -köping findet man bei schwedischen Ortsnamen relativ oft. Die Aussprache »-schöpping« deutet schon darauf hin, was damit bezeichnet wird, näm­lich eine Marktgemeinde. Sowas gib’s ja bei uns auch, siehe Neumarkt.

[2] …und ist damit sozusagen das Gegenteil der walisischen Zungenbrecher-Gemeinde Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.

[3] Am Rande sei vermerkt, daß ich ausgerechnet die Kinderserie »Pippi Lang­strumpf« als grauenvoll und zum Fremdschämen peinlich in Erinnerung behalten habe. Meine nunmehr durchaus vorhandene Affiniät zu Schweden existiert also nicht wegen, sondern trotz dieser medialen Kindheits-Remineszenzen…

[4] Schon das allein ist ein hinreichender Grund, spätestens im nächsten Jahr wieder Schweden anzusteuern. Die in den dort erhältlichen Lakritz-Delikatessen er­laub­ter­wei­se vorhandenen Konzentrationen von Süßholz und Ammoniumchlorid (aka Salmiak) gibt’s bei uns in Deutschland allenfalls in als »Erwachsenen-Lakritz« de­kla­rier­ter Importware.

vorheriger Beitrag    Übersicht    nächster Beitrag
Nächste Seite »