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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


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Sat­ter Sams­tag

Nun schon im drit­ten Jahr in Fol­ge be­such­ten wir ge­stern ein gro­ßes Or­che­ster-Kon­zert des Col­le­gi­um Mu­si­cum im Pom­mers­fel­de­ner Schloß Wei­ßen­stein, dies­mal in Be­glei­tung des Burg­blick­fräu­leins und von Herrn To­bi B.. Um für den zu er­war­ten­den Kul­tur­ge­nuß ei­ne so­li­de Grund­la­ge zu schaf­fen, schlich­te­ten wir uns zu­nächst auf der Ter­ras­se des nur ei­nen Kat­zen­wurf vom Schloß ent­fern­ten Al­lee-Ca­fés die Wän­ste mit Ku­chen, Tor­te und Kaf­fee­va­ria­tio­nen voll und lie­ßen uns den fau­len Pelz von der Son­ne be­schei­nen. Let­ze­res ist ja doch bei­lei­be kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit in die­sem recht wech­sel­war­men Som­mer.

An­schlie­ßend stimm­ten wir uns ver­mit­tels ei­nes Rund­gangs durch den gro­ßen eng­li­schen Land­schafts­gar­ten hin­ter dem Schloß auf das Le­ben in der wei­land Fürst­bi­schof­lich Schönborn’schen Som­mer­re­si­denz ein und run­de­ten die Lek­ti­on mit ei­ner Schloß­füh­rung ab. Dann aber war es end­lich so­weit, wir nah­men im gro­ßen Prunk­saal un­se­re Plät­ze ein und war­te­ten ge­spannt auf das, was uns die vie­len jun­gen Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker zu bie­ten hat­ten...

ein sättigender Samstag in Pommersfelden

Und das war ei­ne gan­ze Men­ge: Schon das er­ste Stück, das Kon­zert für Kon­tra­baß und Or­che­ster Nr. 2 E-Dur von Carl Dit­ters von Dit­ters­dorf wuß­te in mehr­fa­cher Hin­sicht zu ge­fal­len. Der (den Da­men be­son­ders ge­fal­len­de) So­list ver­moch­te sei­nem wuch­ti­gen In­stru­ment schier un­glaub­li­che Tö­ne zu ent­locken, stel­len­wei­se schien in den fu­rio­sen So­lo­par­ti­en die Kom­po­si­ti­on ih­rer Zeit weit vor­aus zu sein. Ein fei­ner Auf­takt, vom Pu­bli­kum zu Recht ge­fei­ert!

ein sättigender Samstag in Pommersfelden

Nach kur­zer Um­bau­pau­se, in der die bis da­to kam­mer­kon­zert­li­che Strei­cher-In­stru­men­tie­rung mit Blä­ser-For­ma­tio­nen zu sym­pho­nie­ge­rech­ter Grö­ße auf­ge­stockt wur­de, ging es wei­ter mit Vor­spiel und Lie­bes­tod aus Ri­chard Wag­ners »Tri­stan und Isol­de«. Im di­rek­ten Ver­gleich zum vor­her ge­spiel­ten Werk wur­de of­fen­bar, was für ein Ma­gi­er der Or­che­strie­rung der ol­le Ri­chard doch war. Auch wenn un­ser­ei­ner mehr den ro­man­ti­schen Früh­wer­ken des Mei­sters zu­neigt, hier riß es mich schier vom Hocker: An­ge­sichts der wun­der­ba­ren In­ter­pre­ta­ti­on moch­te man kaum glau­ben, daß es sich hier um ein En­sem­ble aus jun­gen Mu­si­kern (über­wie­gend Mu­si­kerin­nen üb­ri­gens) am An­fang ih­rer Lauf­bahn han­del­te!

ein sättigender Samstag in Pommersfelden

Nach der Pau­se schließ­lich folg­te das vom Chro­ni­sten sehn­süch­tig er­war­te­te Haupt­werk des Nach­mit­tags, die Sym­pho­nie Nr. 4 Es-Dur sei­nes Leib- und Ma­gen-Kom­po­ni­sten An­ton Bruck­ner in der gern ge­spiel­ten Fas­sung von 1878/80. Und was wir da zu hö­ren be­ka­men, war ab­so­lut be­gei­sternd! Zwar hät­te ich mir den »er­lö­sen­den« Pau­ken­schlag ge­gen En­de des zwei­ten Sat­zes hör­bar lau­ter und die Ein­sät­ze man­cher Blech­blä­ser et­was prä­zi­ser ge­wünscht, aber wer woll­te dar­über rich­ten bei ei­ner ins­ge­samt her­vor­ra­gen­den In­ter­pre­ta­ti­on vom au­ßer­or­dent­lich trans­pa­ren­ter Durch­hör­bar­keit? Nein, das Pu­bli­kum war zu Recht be­gei­stert und der zo­ne­batt­ler schier aus dem Häus­chen. Bra­vo!

Lei­der gab es kei­ne Zu­ga­ben, aber was hät­te nach die­ser Stei­ge­rung von Stück zu Stück ernst­haft noch kom­men kön­nen? Au­ßer­dem be­gan­nen un­se­re Mä­gen be­reits ih­re ei­ge­nen Me­lo­di­en zu knur­ren, die mit­täg­li­che Tor­ten­schlacht lag ja nun schon et­li­che Stun­den zu­rück. Drum al­so flugs in die Renn­gur­ke ge­sprun­gen und ins na­he Höchstadt ge­tuckert, um dort im nächst­mög­li­chen Re­stau­rant den Abend zu be­schlie­ßen. Wir lan­de­ten letzt­lich bei freund­li­chen Asia­ten. Und nach­dem sich auch dies als glück­li­che Wahl ent­pupp­te, wird uns die­ser Sams­tag als ein be­son­ders und rund­um ge­lun­ge­ner sol­cher in Er­in­ne­rung blei­ben...

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Diskussion

  1. Tobi B.  •  26. Jul. 2009, 23:55 Uhr

    Mei­nen Dank an den Haus­herrn, der sei­ne Mehr­fach-Rol­le als Or­ga­ni­sa­tor, Rei­se­lei­ter, Bus­fah­rer und zu­letzt Chro­nist per­fekt er­füllt hat. Die Chro­ni­sten­pflicht hät­te ich Dir zwar ger­ne ab­ge­nom­men, al­ler­dings war das Wo­chen­en­de auch nach un­se­rer ge­mein­sa­men Tour so an­ge­füllt mit al­ler­lei Tun und Trei­ben, dass ich erst jetzt Mu­ße und Ru­he ha­be, mich an den PC zu set­zen.

    Der Bruck­ner war für mich trotz der ge­schil­der­ten klei­nen Ma­kel das High­light des Abends. Das sin­fo­ni­sche Schaf­fen die­ses Kom­po­ni­sten ha­be ich bis­lang sträf­lich ver­nach­läs­sigt; da­mit sich das än­dert, bin ich ge­stern abend gleich mal auf Ein­kaufs­tour ge­gan­gen ;-)

    Fa­zit: Ein schö­ner Tag in gu­ter Ge­sell­schaft, ge­krönt von gu­tem Es­sen und aus­ge­zeich­ne­ter Mu­sik. Was will man mehr?

    #1 

  2. zonebattler  •  27. Jul. 2009, 6:58 Uhr

    Freut mich, wenn’s ge­fal­len hat! Her­bert von Ka­ra­jans al­ler­letz­te Stu­dio­pro­duk­ti­on war ei­ne sehr äthe­ri­sche Ein­spie­lung von Bruck­ners Sieb­ter, die als ein wür­di­ges Ver­mächt­nis sei­nes Kön­nens gilt. Du soll­test Dir aber den­noch ei­ne zwei­te Mei­nung ein­ho­len, die von Eu­gen Jo­chum näm­lich, eben­falls äu­ßerst preis­wert zu ha­ben. An­son­sten gel­ten Ber­nard Hai­tink und ins­be­son­de­re Gün­ter Wand als Bruck­ner-Spe­zia­li­sten, und ich ge­be ger­ne zu, daß die von mir fa­vo­ri­sier­ten In­ter­pre­ta­ti­on von den bei­den letzt­ge­nann­ten Di­ri­gen­ten stam­men...

    #2 

  3. Burgblickfräulein  •  27. Jul. 2009, 22:11 Uhr

    Oh... da se­he ich mich na­tür­lich jetzt auch ver­pflich­tet, dem Rei­se­ver­an­stal­ter hier noch­mals mein größ­tes Lob aus­zu­spre­chen für die­sen rund­um ge­lun­ge­nen Tag... ;-)

    An­son­sten schlie­ße ich mich mei­nen Vor-Schrei­bern an und hof­fe, dass sich wei­te­re Ge­le­gen­hei­ten für der­art gran­dio­se Kul­tur­trips mit Zon­batt­ler Tours er­ge­ben wer­den!

    #3 

  4. zonebattler  •  27. Jul. 2009, 23:54 Uhr

    Dank auch Dir, ver­ehr­tes Burg­blick­fräu­lein! Ich den­ke, wir soll­ten uns den in­spi­rie­ren­den Aus­flug für­der­hin je­des Jahr gön­nen, pro­gramm­sei­tig wer­den wir uns si­cher auch zu viert ei­nig wer­den. Üb­ri­gens hat der To­bi ali­as Up­per­Pa­la­ti­ne bei sich da­heim ein ei­ge­nes Fa­zit ge­zo­gen. Sein ein­lei­ten­des Fo­to vom Schloß ge­fällt mir aus­neh­mend gut ob der leicht un­ter­kühl­ten Far­ben und ich möch­te fast wet­ten, daß er auch die Per­spek­ti­ve der wuch­ti­gen Ar­chi­tek­tur zu­lie­be ins Lot ge­zupft hat: Cha­peau!

    #4 

  5. Tobi B.  •  28. Jul. 2009, 7:36 Uhr

    Dan­ke für das Kom­pli­ment. Das Fo­to ha­be ich be­wusst ent­sät­tigt, um das Au­gen­merk des Be­trach­ters auf die Ar­chi­tek­tur zu len­ken. Auch die Per­spek­ti­ve wur­de hän­disch kor­ri­giert. Ich bin ja sei­ner­zeit über die Wi­ki­pe­dia zur Fo­to­gra­fie ge­kom­men und ha­be dort ge­lernt, dass stür­zen­de Li­ni­en ein no-go sind und der zo­ne­batt­ler ist ja be­kannt­lich eben­falls kein Fan der­sel­ben.

    #5 

  6. zonebattler  •  28. Jul. 2009, 8:13 Uhr

    Ja, so ist das: Mit­un­ter muß man bei der Knip­se­rei ei­ni­ge Mü­he und Ar­beit dar­auf ver­wen­den, um das Er­geb­nis »na­tür­lich« aus­se­hen zu las­sen. Und das »ent­sät­ti­gen« ge­fällt mir gut, ist ja auch ein pas­sen­der Aus­gleich zu un­se­rer ei­ge­nen, ge­gen­tei­li­gen Tä­tig­keit... ;-)

    #6 

  7. Tobi B,  •  31. Jul. 2009, 17:35 Uhr

    Dan­ke noch ein­mal für den Tipp bzgl. der ver­schie­de­nen Bruck­ner-Ein­spie­lun­gen. Die Jochum’sche Ver­si­on ha­be ich heu­te beim zwei­tau­send­eins-La­den zu ei­nem ge­ring­fü­gigst hö­he­ren Preis als bei Ama­zon ge­se­hen und Dei­ner Emp­feh­lung fol­gend so­fort zu­ge­schla­gen ;-)

    Nun hof­fe ich auf die ei­ne oder an­de­re ru­hi­ge Stun­de (dürf­te wohl erst am Sonn­tag so­weit sein), in der ich mich den Auf­nah­men wid­men kann.

    #7 

  8. zonebattler  •  31. Jul. 2009, 18:31 Uhr

    Mei­ne Jo­chum-Box mit dem Bruck­ner-Zy­klus stammt gleich­falls von zwei­tau­send­eins, und ich hät­te Dir den La­den glatt als im Wort­sin­ne na­he­lie­gen­de Quel­le emp­foh­len, wenn nicht bei de­nen iso­lier­te Pro­dukt­links er­heb­lich dif­fi­zi­ler zu ba­steln wä­ren als bei amazon.de... ;-)

    #8 

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