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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Samstag, 4. Juli 2015

Eine Notwasserung …

… wäre dieser Tage dringend anzuraten angesichts der rekordverdächtigen Tem­pe­ra­tu­ren, die des zonebattler’s Badethermometer schon auf dem trockenen Teppich der guten (und schattigen!) Stube anzeigt:

Badethermometer in Form einer Apollo-Kapsel

Abkühlung tut not! Immerhin konnte im Gefrierfach unseres gefundenen Kühl­schran­kes endlich Platz geschaffen werden für eine Eiswürfelbereiterschale. Prosit!

Donnerstag, 2. Juli 2015

Aufgemischt (2)

Spätabends im Stadtpark am Froschtümpel vorbeispaziert. Absolute Stille, alle Amphi­bi­en schon im Feierabend. zonebattler und bessere Hälfte quaken selber rum, bis die unsichtbare Schar der echten Quaker (Quäker?) erwacht und immer lauter ins Kon­zert einstimmt. Nach Stiftung des kettenreaktionären Unfriedens zufrieden von dan­nen gezogen… In diesem Sinne: eine geruhsame Nacht!

Dienstag, 30. Juni 2015

Bürostunk

Wachsblumen-Blüten in des zonebattler's Büro
Montag, 29. Juni 2015

Fremdgegangen

Zur Zeit bin ich deutlich öfter und länger auf meinen anderen Online-Baustellen zu­gan­ge als hier im eigenen Heim: Ich kümmere mich verstärkt um mein Bürger-Blog »Fürther Freiheit«, pflege das Produktions-Blog der »Medien PRAXIS« und schreibe allerlei Artikel für die Seite von »FürthWiki e.V.«, dem Förderverein hinter unserer lokalen Online-Enzyklopädie.

In der Seitenleiste rechts habe ich soeben ziemlich weit unten drei neue Abschnitte auf­ge­macht, in denen ich auf meine eigenen Elaborate auf den genannten Web-Prä­sen­zen verlinke. Damit die geneigte Leserschaft sieht, daß ich doch nicht ganz so faul bin, wie es hierorts vielleicht den Anschein haben mag… ;-)

Sonntag, 28. Juni 2015

Baumhaus

Schatten eines Straßenbaumes in der Fürther Simonstraße
Freitag, 26. Juni 2015

Die Lärminsel (7)

Nach eines langen Wandertages Anstrengung machen sich der zonebattler und seine bessere Hälfte gerne lang, räkeln sich auf ihrem Hotelbett und gucken durch das Tatsch-Fenster ihrer Brettchen-Computer in die weite Welt, gerne auch in Richtung Heimat, um die dortigen Affairen und Begebnisse mitzukriegen, so unwichtig und pro­vin­ziell die einem aus der Distanz mitunter auch erscheinen mögen. Vor­aus­set­zung dafür ist das Vorhandensein eines (idealerweise kostenlosen) WLANs, doch just in dieser Hinsicht hat die Betreiberfamilie des »Monopol« die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt: Wi-Fi gibt es nur gegen Aufpreis, für lau kommt man dort pro Tag nur für 30 schnell verronnene Minuten ins Netz. [1]

Nun meinen ja viele, daß im Urlaub betriebenes Internet-Surfen, Mailen und sonstige virtuelle Aktivitäten schädlich und dem angestrebten Erholungserfolg unbedingte ab­träg­lich wären. Ich kann diese unreflektierte Meinung in keiner Weise teilen: Erstens empfände ich es als erheblich stressiger, nach der Heimkehr aus der Sommer- resp. Frühlingsfrische 150 ungelesene private Mails im Postfach zu finden (zusätzlich zu den 300 dienstlichen am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub), zweitens sehe ich im elek­trisch gehaltenen Kontakt zu den Freunden und Bekannten daheim ein Stück Le­bens­qua­li­tät, drittens meine ich, daß die digitalen Windows zur Welt per se wert­neu­tra­le Werkzeuge sind. Oder, um es plakativ auszudrücken: Das Internet macht die Schlauen schlauer und die Dummen dümmer! Wie übrigens auch der Fernseher, den wir im Urlaub gemeinhin gar nicht [2] und daheim nur sehr selten anschalten.

Na jedenfalls wäre es für unsereins keine Option, die digitale Technik daheim zu las­sen und in der Ferne den halben Tag ins analoge Meer zu starren in der Hoffnung, daß einer anbeißt:

Fischerin bei Garachico

Womit ich nix gegen die abgebildete Anglerin gesagt haben möchte, vielleicht wohnt dem (in letzter Konsequenz grausamen) Tun ja eine meditative Komponente inne, zu die meiner einer keinen Zugang findet. Egal: Die einen fischen halt in den Tiefen des virtuellen Ozeans nach Erkenntnissen, die anderen hängen ihren Haken ins richtige Meer in der Hoffnung auf ein Abendessen. Suum cuique.

Unsere von abendlicher Passivität geprägten Aktivurlaube haben unter dem Strich re­gel­mä­ßig eine Verbesserung der eigenen Fitness zur Folge, die ich durch kon­se­quen­te Aufzugs- und Rolltreppenverweigerung noch eine Weile ins Alltagsleben hi­nü­ber­zu­ret­ten vermag. Was ich freilich nimmermehr ereichen werde und nur neidisch be­staun­en kann, ist die Gelenkigkeit mancher rund ums Jahr dienstbefreiten Vier­beiner:

reinliche Katze

Wobei das Leben auf den Inseln des ewigen Frühlings selbst für Katzen weder Zucker­hof noch Ponyschlecken ist: Die hier bei der Körperpflege abgelichtete Mieze war von einigen Verwundungen und Bißspuren gezeichnet und wohl eher zu bedauern als zu be­nei­den.

Bedauerlich ist auch der Spanier unbekümmerter Umgang mit den irdischen Res­sour­cen, wie ich schon mehrmals angemerkt habe. Ein weiteres Exempel baulicher Fehl­pla­nung ist der von uns am letzten Wandertag verrammelt und verlassen vor­ge­fun­de­ne Mirador El Mazapé:

im Mirador El Mazapé

Das oberhalb des Barranco de Ruiz auf ein Bergplateau gestellte, aufwendig aus­ge­stat­tete Restaurant mit Aussicht ist seines technischen Innenlebens weitgehend be­raubt, die noch vorhandenen Einbauten und das Mobiliar eingestaubt, die Luft im Inneren muffig und abgestanden. Einer bebilderten Tafel mit der Historie des Eta­blis­se­ments konnte man entnehmen, daß der fraglos teure Bau nur wenige Jahre in Be­nutzung gewesen war (und dabei meiner Meinung nach nie und nimmer seine Bau­kosten eingespielt hat). Inzwischen ist die Zufahrt verschlossen, der große Parkplatz ver­waist, die Ve­ge­ta­tion rundum ins Kraut schießend, eine Wiederaufnahme des Be­trie­bes mehr als nur fraglich erscheinend.

Was unsereinen nicht im Geringsten verwundert: Der spektakulär gelegene Aus­sichts­punkt ist von motorisisierten Besuchern nicht so leicht zu erreichen, Busse müßten sich mühsam über landwirtschaftliche Straßen kleineren Kalibers hochquälen, Wan­de­rer sich Aussicht und Einkehr entweder durch das Erklimmen des steilen Barrancos oder durch einen langen Aufstieg von San Juan de la Rambla her verdienen. Kurzum: Ein Lokal an dieser Stelle – unzureichend erschlossen und abseits leidlich freq­uen­tier­ter Verkehrsadern – kann gar nicht funktionieren, schon seine Errichtung muß mehr von Wunschdenken als von nüchterner Kalkulation geprägt gewesen sein. Aber wer weiß, wer im Hintergrund dennoch ordentlich an dem zum Scheitern verurteilten Pro­jekt verdient hat…

Meine bis hierher durchgehalten habenden Leserinnen und Leser freilich haben was Besseres verdient als des zonebattler’s trübsinnige Gedanken, daher seien sie nun mit üppigem Wachstum am Wegesrand beglückt. Die Flora der Kanaren bringt immer wieder Erstaunliches hervor und davon reichlich:

Riesenhauswurz galore!

Ähnliches sieht man zugegebenermaßen hin und wieder auch auf fränkischen Gar­ten­mäuerchen, aber die insularen Riesenhauswurze sprengen in Anzahl und Größe unser zentraleuropäisch geprägtes Vorstellungsvermögen. Schade, daß ein klamm­heim­li­ches Mit- und Einschleppen ins fränkische Fürth keine Aussichten auf dauerhaft neues Wur­zel­schla­gen im klimatisch wechselhafteren Exil eröffnen kann…

Immer wieder nett anzuschauen – da nostalgisch an Italo-Western der 1960er Jahre erinnernd – sind kleine Kirchen mit vergleichsweise winzigen Glocken in rudimentären Türmchen, die eher schüchtern »Bim Bim« machen als mit mächtigem »Dong Dong« einen dreikilometrigen Radius zu beschallen:

Kirchlein mit Glöcklein

Wir hörten zu unserem Erstaunen von diversen Gästen des Hotels »Monopol«, die sich über das Läuten der Glocken der unmittelbar benachbarten Kirche Nuestra Señora de la Peña de Francia beschwert hatten, ein Gotteshaus, welches erst ab sieben Uhr morgens die Zeit akustisch zu verkünden beginnt und das durchaus dezent. Derlei ungläubige und/oder depperte Beschwerdeführer sollten mal nach Fürth kommen, in meinem Bettchen schlafen und des Morgens die Glocken von St. Paul dröhnen hören. Das hat Schmackes, aber hallo! Dagegen ist das Bimmelbammel in Puerto de la Cruz ein nachgerade lächerliches Läutewerk!

Wobei die Spanier es sehr wohl auch krachen lassen können, daß einem Hören und Sehen vergeht. Gegen Ende unserer Reise hatten wir beispielsweise in San Juan de la Rambla noch eine eingermaßen bizarre Begegnung mit einem mutmaßlich kom­mu­ni­sti­schen kommunalen Verkündigungs-Mobil, welches – sozusagen als akustisches Amts­blatt – die Gassen auf und nieder fuhr und aus zwei riesigen Hornlautsprechern merk­würdige Reden und eigenartige Musik absonderte. Alles nicht im Min­de­sten high-fidel, sondern blechern scheppernd und von einer Lautstärke, die zum Erwecken von Toten geeignet erschien (was ja vielleicht auch die Absicht war). Wer betagt genug ist, um sich an die alten Don-Camillo-Filme zu erinnern, wird sich wie ich an die Propaganda-Lautsprecherwagen der Roten erinnert fühlen. Leider kam hier auf Te­ne­rif­fa kein erboster Gottesmann herbeigelaufen, umd dem gottlosen Geplärre Ein­halt zu gebieten. Falscher Film, sozusagen…

Megaphon-Mobil in San Juan de la Rambla

Glocken hier, übersteuerte Flüstertüten da: Die »Lärminsel« bietet in akustischer Hinsicht das volle Programm! Vor den Restaurants und den Hotels (natürlich auch dem vor unserem) stehen ab dem Nachmittag bis in den späten Abend allerlei Musikanten diverser Güteklassen und beschallen die Gemeinde mit wehmütigen Weisen, die Pas­san­ten und sitzende Gäste zum generösen Zücken der Geldbörse animieren sollen. Der permanent ausgelegte Musikteppich ist nicht wirklich nervig (wenn man sich nicht gerade in der Mitte zwischen zwei semifolkloristischen Schmacht­fetzen-Barden auf­hält und beide gleichzeitig erdulden muß), aber hin und wieder wäre eine no­ten­lo­se Generalpause auch nicht verkehrt. Immerhin: Noch deutlich vor Mitternacht kehrt gemeinhin Ruhe ein in Puerto de la Cruz.

An einem unserer letzten Abende als temporäre Insulaner ging es sogar im Inneren unseres Hotels so laut zu, daß wir neugierig vor die Zimmertür traten, um nach­zu­se­hen, was da wohl abgeht. Und was wir sahen und hörten, war mitreißend und alle Aufmerksamkeit wert: Vier feuerige Spanierinnen präsentierten unten in der zen­tra­len Palmenhalle ein Potpourri aus traditionell angehauchter, wiewohl modern ar­ran­gier­ter Musik und klapperten dabei anmutig mit den Absätzen unten und ihren Kasta­gnet­ten oben. Hui, war das ein Stampfen, ein Wirbeln, ein Fließen und eine Orgie von Farben, die von unserer Galerie aus näherungsweise einzufangen der zappelige zonebattler alle Mühe hatte:

bunt gewandete Tänzerinnen

So ein hausinternes Unterhaltungsprogramm hatten wir auf früheren Reisen auch noch nicht geboten bekommen. Chapeau! Einmal mehr waren wir sehr positiv angetan von unserer Bleibe: Was dort auch dem budgetbewußten Sparfuchs geboten wird, ist schon sehr bemerkenswert. Auch die Fernsicht von der Dachterrasse in den letzten Son­nen­un­ter­gang vor dem Heimflug kann selbst im teuersten Luxus-Ressort kaum schö­ner sein:

Sonnenuntergang am letzzten Abend auf Teneriffa

Würden wir also wieder hinfahren, am Ende sogar mehr als ein Dutzend mal wie unserer Buffet-Bekannter aus Wales? Ich denke nicht. Eher reisen wir ihm hinterher nach Wales, wo wir ja überhaupt noch nicht und niemals weilten. Denn so einladend unser Hotel diesmal auch war (und ist), so sehr reizt uns natürlich auch das Neue und das Andere. Es wäre vermessen zu behaupten, in zwei Wochen (minus vier Krank­heits­ta­gen) Teneriffa auch nur annähernd erforscht zu haben. Gleichwohl hat man dann das Wesentliche gesehen und ein Gefühl für den Charakter des Eilands be­kom­men.

Vielleicht fahren wir nächstes Jahr der Abwechslung halber an ein Binnengewässer? Eine Freundin hat unlängst eine Woche am Gardasee verbracht und den als »um­ge­kehr­te Insel« bezeichnet, also mit dem Wasser innen und der Küste außen herum. Das wäre doch auch mal was, zumal mir dafür schon ein griffiger Reportage-Titel ein­ge­fal­len ist: »Die Wendeinsel«. Na dann, schauen wir mal, ob und was aus aus dieser Idee noch wird…

 
[1] Das an sich wäre ja noch einigermaßen zu handhaben, aber dummerweise ist der nächs­te freie Login erst exakt 24 Stunden nach dem Aufbrauchen der Freiminuten des Vortags möglich, womit sich das nächste freie »Startfenster« Tag für Tag um min­de­stens eine halbe Stunde nach hinten verschiebt. Mit meinen eigenen drei Ge­rät­schaf­ten (Uralt-iPad, Kindle-Veteran und Smartphone) konnte ich mir zwar 3x 30 Minuten Netzzeit hinter­ein­anderweg erschnorren, mußte mir aber sehr bald Auf­schrei­bun­gen machen und mir die jeweiligen Online-Zeiten notieren, weil ich die tags drauf ga­ran­tiert schon wieder vergessen gehabt hätte…

[2] Diesmal gab es die Ausnahme von der Regel, denn für die streckenweise bett­lägerige bessere Hälfte galt es, durch multimediale Beblubberung die langweilige Rekonvaleszenzzeit etwas zu verkürzen. Verständlich (was die Sprache angeht) war für uns nur der (recht verrauschte) Empfang der ARD, unverständlich dagegen, für welchen Krampf man seine öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe zu bezahlen hat. Würde man für intelligent gemachte Bildungsprogramme sogar gerne tun, aber nicht für den Bodensatz der sich am Privatsender-Niveau orientierenden Serien und Shows. So haben wir in der Fremde unsere Ansicht bestätigt gefunden, daß sich auch daheim das Einschalten der Glotze nur selten lohnt.

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Montag, 22. Juni 2015

Geisterzug

An unserem Schrebergarten fahren neuerdings seltsame Fahrzeugkolonnen dem Son­nen­un­ter­gang entgegen:

Güterzug voller Neuwagen mit weißen Schutzhauben

Weiße Laken waren zu meinen Jugendzeiten das gängige Faschingskostüm für ju­ve­ni­le Gespenster-Darsteller, und so ähnlich schauen diese »geisterhaften« Automobile in ihrer eigenartigen Uniformiertheit ebenfalls aus:

Güterzug voller Neuwagen mit weißen Schutzhauben

Die weißen Hussen dienen natürlich dem Schutz und der Schonung von Lack und An­bau­teilen dieser mutmaßlich ziemlich teuren Gefährte, aber etwas merkwürdig ist ei­nem schon zumute beim Durchrumpeln der extrem langen Züge, zumal die geladenen Autos nicht eben freundlich dreinschauen. Na ja, solange es nur quietscht und nicht »Buuuuuhuuuu« macht, soll es mir recht sein…

Freitag, 19. Juni 2015

Die Lärminsel (6)

Schon im ersten Teil meines Erinnerungs-Protokolles hatte ich ja über das Hotel Mono­pol geschwärmt und über die Aufmerksamkeit, die dort dem Gast ent­ge­gen­ge­bracht wird. Ein weiteres nettes Detail war die schriftliche Einladung zum mon­täg­li­chen Sangria-Umtrunk in der Palmenhalle, der den Rahmen bildete für eine kleine Rede des Hoteliers, in der dieser kurz die Historie des Hauses skizzierte und an­schlie­ßend »altgediente« Gäste mit Blumensträußen oder einer Flasche Wein für Ihre Treue ehrte. Den Rekord hielt ein älterer Herr aus dem großen Britannien, der tatsächlich schon zum 15. Male (!) im Monopol logierte.

Diesen Herrn sprach ich anderntags am Frühstücksbuffet an, gratulierte ihn mei­ner­seits zum unangefochtenen Stammgasttum und ließ mir von ihm meine Vermutung bestätigen, daß er nicht etwa seit 15 Jahren ununterbrochen in Puerto de la Cruz urlaubt, sondern zwei Mal im Jahr (frühlings wie herbstens) nach Teneriffa reist. Wir kamen rasch ins Plaudern, und der gebildete, aus Wales stammende Gentleman (ein pen­sio­nier­ter Geologe) erwies sich als überaus interessanter Gesprächspartner. Un­ser gemeinsames Faible für die Insel Malta sorgte für ein besonders witziges Er­leb­nis: Er zeigte mir auf seinem Tablet-Computer einen Schnappschuß vom dortigen Selmun Palace, ich zückte mein Smartphone und legte es fünf Sekunden später mit dem glei­chen Motiv auf dem Display (siehe hier, unterstes Foto) neben sein Gerät: zwei­mal die identische Perspektive, nur mit unterschiedlicher Lichtsituation (bedeckter Him­mel bei ihm, strahlende Bläue bei mir)…

Na jedenfalls hatten wir genug gemeinsame Themen für ausgedehnte Frühstücke. An meinem nun zweiten Tag mit individueller Motorisierung besprachen wir unsere je­wei­li­gen Tagespläne, und weil unser Gesprächspartner Teneriffa bestens kennt (was bei 15 Aufenthalten auf der Insel ja nun nicht weiter verwunderlich ist), haben wir ihm spontan angeboten, ihn kurzerhand mitzunehmen in Richtung Teide, wo man mit dem Bus nicht wirklich kommod hinkommt (es fährt nur einer am Tag dort hinauf, der nach stundenlanger Pause am Endpunkt der Route dann auch als einziger in der Gegenrichtung abends wieder herunterbrummelt). Selbdritt starteten wir also mit dem VW Polo in den Tag, schlängelten uns die TF-24 wieder hinauf und machten einen ersten Stopp bei der berühmten Lavarosette Piedra de la Rosa:

Piedra de la Rosa

Ist es nicht faszinierend, wie sich hier die Lava beim Abkühlen radial ausrichtet? Man könnte meinen, einen versteinerten Bohrwurm gigantischen Ausmaßes vor sich zu ha­ben…

Zurück ins Auto, zurück auf die Straße. Unser walisischer Tourenbegleiter schlug als nächstes Etappenziel das Besucherzentrum El Portillo vor, in welchem die vul­ka­ni­sche Geologie Teneriffas sehr anschaulich aufbereitet ist und multimedial präsentiert wird. Die modern gestaltete und aufwendig ausgestattete Anlage lohnt eine Visite, zumal sie selten übervölkert ist (unser kundiger Kumpan wußte zu berichten, daß die Ausflugsbusse hier mangels kommerzieller Angebote – Tinnef hier, Kaffee dort – nicht hal­ten, weil niemand da ist, der dem Reiseleiter und dem Fahrer Bakschisch zu­stecken könnte für eine abgesetzte Busladung konsumfreudiger Touristen).

Drumherum gibt es einen kleinen botanischen Garten, in dem sich zwischen den Pflan­zen auch allerlei Getier tummelt. Hier macht gerade ein ledrig-schuppiger Ka­me­rad blau:

schön gezeichnete Eidechse beim Besucherzentrum El Portillo

Wie sein von mir weiland auf La Palma abgelichteter Vetter wird der Kollege wohl der Art der Kanareneidechsen zugehörig sein. Dennoch bestehen Unterschiede, und die Bewohner La Palmas (Gallotia galloti palmae) erschienen mit in der Erinnerung als schneidiger und pfiffiger als die nahen Verwandten auf Teneriffa (Gallotia galloti galloti). [1]

Ja, hin und wieder möchte unsereiner auch ein behäbiges Reptil sein und den Tag weitgehend regungslos verdösen. War aber nicht drin, als wißbegierige Reisende weilten wir ja schließlich nicht zum Vergnügen hier! Also weiter im Text und in der Dramaturgie: Wir überspringen ein paar weitere Foto-Stopps und setzen ein mit bzw. an zu einer Wanderung rund um den Volcán de la Botija, einem kleineren Lava-Spucker westlich vom großen Teide (um den wir uns letztlich herumgedrückt haben, da wir uns weder für teuer Geld mit anderen Touristen in die Seilbahn-Gondel pfer­chen lassen wollten noch konditionsmäßig zum eigenfüßigen Aufstieg in der Lage sahen). Schon am Ausgangspunkt hatten wir einen wunderbaren Blick nach Westen auf das unter uns wabernde Wolkenmeer:

grandiose Aussicht von Montaña Samara aus

So, dann aber den Blick gen Osten gerichtet und losmarschiert. Des zonebattler’s bes­sere Hälfte und der links außerhalb des nächsten Bildes hinterherhinkende Wan­der­freund aus Wales bedienten sich dazu zweier zusätzlicher Extremitäten aus Metall, derweilen meiner einer in gebührendem Abstand hinterhertappte, um nicht allzuviel vom auf­ge­wir­bel­ten Feinstaub seiner beiden Vorgänger auf Leib und Linse gepudert zu be­kom­men:

Rundweg um den Vulkankrater

Sehen die Bäume nicht putzig und modellbahnmäßig aus? Da werden Erinnerungen an die Märklin-Bahn aus Kindertagen wach, auf der die Faller-Tannen-Bäumchen in ähn­li­chem Arrangement herumstanden und in vergleichbar künstlicher Anmutung! Ist aber dennoch alles echt hier in den Höhenlagen Teneriffas, selbst wenn der schwar­ze Aschen-Untergrund aus Vulkankotze einen ungewohnt außerirdischen Ein­druck hin­ter­läßt und die Einfassung der Pfade mit Lavabrocken genauso ausschaut wie die wei­land mit Ponal auf die Grasmatte geklebten Kalksteinsplitter…

Wenn man von hier aus auf die westliche Flanke des Teide blickt, kann man sogar in der zweiten Aprilhälfte noch ein paar kleinere Schneebretter erspähen:

Blick auf den Teide

Wie überlebt man hier in dieser wunderschönen, jedoch nachts empfindlich kalten und mittags mitunter recht heißen Wüstenei? Man spezialisiert sich: Eher un­be­weg­li­che Kreaturen wie die kanarische Kiefer »melken« die Wolken, indem sie mit ihren langen Nadeln die Feuchtigkeit aus dem Nebel auskämmen und sich damit sozusagen oberirdisch aus der Luft holen, was es unterirdisch nicht immer in ausreichender Men­ge gibt. Bewegliche Geschöpfe wie die Eidechsen sind das auch geistig und gucken gerne mal keck nach, ob die vorbeiwandernden Touristen einen Happen für sie übrig haben. Auf diese Art kam ein schuppiger Vierbeiner am Scheitelpunkt un­se­rer kleinen Vulkan-Rundwanderung zu einem Stück Reiswaffel, das ihm au­gen­schein­lich gut ge­mun­det hat. Frechheit siegt!

Nach erfolgreich absolvierter Rundwanderung waren wir allesamt einigermaßen er­schöpft und fuhren in weit ausholender Route über den Nordwesten der Insel wieder öst­lich rüber nach Puerto de la Cruz. Viel Auswahl hat man bei der an Höhenmetern reichen Topographie und den wenigen sie durchmessenden Straßen ohnehin nicht. Aber auch keine Langeweile, denn es gibt ja immer was Interessantes zu sehen.

So auch am dritten und letzten Tag mit dem Volkswagen, an welchem wir – nunmehr wieder nur zu zweit – gen Westen aufbrachen, um den gebirgigen Norwestzipfel Tene­rif­fas zu erkunden. Mit der genauen Schilderung der Route will ich die geneigte Leserschaft nicht langweilen, zumal es von der extremen Serpentinen-Kurbelei durch die Masca-Schlucht keine Fotos gibt: Erstens braucht man beide Hände (und die volle Konzentration) zum Fahren, zweitens können auch der beste Fotograf und die tollste Kamera nicht einfangen, was man dort mit allen Sinnen erlebt. Ich beschränke mich daher auf das Zeigen einiger graphisch und gestalterisch leidlich gelungener Auf­nah­men, die später an jenem Tag entstanden sind:

Detailansicht der Kirche von Santiago del Teide

Nein, das ist keine griechische Kapelle, das ist ein Detail der Kirche von Santiago del Teide, die in dem verlinkten Wikipedia-Artikel zur Gänze bewundert werden kann. Als wir nachmittags um vier dort angekommen waren, hatten wir schon etliche Auto- und einige Wander-Kilometer absolviert.

Später in Richtung Heimat weiterzuckelnd, machten wir nochmals Halt und Pause im beschaulichen Städtchen Icod de los Vinos, um der dortigen Berühmtheit, einem an die 400 Jahre alten Drachenbaum, unseren Besuch abzustatten. Ja, er ist imposant, aber nein, so wahnsinnig anders als die andernorts wachsenden Exemplare ist er nun auch wieder nicht. Mir gefielen eher die Durch- und Fernblicke, die sich beim Pas­sie­ren mancher Gassen unverhofft auftaten:

Eine Gasse in Icod

Zugegeben, die ambulante Verkabelung ist nicht unbedingt der ästhetischen Weisheit letzter Schluß, der elektrischen auch nicht, aber irgendwie gehört derlei letztlich doch zum südländischen Lokalkolorit mit dazu.

Vielleicht tendiert der Mensch als solcher ja schon faul­heits­hal­ber zur gestalterischen (Nach-)Lässigkeit, wenn die umgebende Natur in eigener Regie umso üppiger um op­ti­sche Opulenz bem­üht ist:

üppiger Mauerbewuchs

Welche Farbenpracht, was für Kontraste! So ging auch unser dritter Tag mit dem ausgeborgten Vehikel gut gelaunt zu Ende. Das Fahrzeug ward ohne große For­ma­li­tä­ten wieder abgegeben, man ist verblüfft ob der hemdsärmeligen Art, mit dem derlei dort erledigt wird: Ein argwöhnischer Teutonen-Dienstleister hätte zumindest den Tankfüllstand kontrolliert und die Karre auf offensichtlich Beschädigungen unter­sucht; in Spanien sieht man das entspannter und scheint trotzdem nicht schlecht damit zu fahren. [2]

Wir waren nunmehr also wieder unbereift und tappten ausrüstungsbehängt zurück zum Hotel. Der Urlaub näherte sich seinem Ende. In der siebten und letzten Folge lasse ich es in einer Woche aber noch einmal so richtig krachen auf der »Lärminsel«!

 
[1] An dieser Stelle muß ich bestürzt einräumen, was lange schon als unbequemer Verdacht in mir herumgeisterte: Meine Urlaubsfotos der letzten Jahre sind sich oftmals zum Verwechseln ähnlich! Zumindest könnte ich problemlos ein Memory-Spiel damit bebildern: Hier ein Paar blauhalsiger Eidechsen (La Palma dort, Teneriffa da), ein Paar Palmen, zwei Kärtchen mit Fischerbooten aus Malta und Mallorca, und, und, und. Ich sollte wirklich zwischen den Insel-Urlauben mal eine gänzlich anders ge­ar­te­te Destination ansteuern, um wieder auf andere Gedanken (und zu neuen Motiven) zu kommen…

[2] Wer wie wir gerne wandert, dem sei unsere praxisbewährte Vorgehensweise zur Nachahmung empfohlen: Man buche im Vorfeld nur Flug, Hotel und Transfer. Die Start- und Zielpunkte vieler Wanderungen sind mit dem Bus schnell und preiswert zu erreichen, man braucht dafür kein eigenes Fahreug. Für ausgedehnte Insel-Touren oder zum Erreichen entlegener Orte kann man sich für ein paar Tage problemlos kurzfristig vor Ort einen Mietwagen nehmen und sich dabei auch nach dem Wetter richten. Würde man schon von daheim aus ein Auto bestellen, ist man terminlich schon festgelegt und kommt vermutlich kaum günstiger weg!

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Sonntag, 14. Juni 2015

»Die Zeit ist kaputt«

So sprach einst Hans Albers als Baron Münchhausen im grandiosen UfA-Jubiläums­film von 1943, und es muß im Nachhinein Wunders nehmen, daß im späten Nazi­reich ein so anspielungsreicher Satz unbeanstandet durch die Zensur kam. Seit ein paar Tagen ist auch in Fürth die Zeit kaputt, jedenfalls für mich, der ich werktags außer Sa (nicht 24.12., 31.12.) des Morgens zum Hauptbahnhof haste und beizeiten nach der großen Uhr im südseitigen Giebel des Empfangsgebäudes schiele, um zu sehen, ob ich noch einen Zahn zulegen muß, um meinen Zug zuverlässig zu erreichen:

ausgeweidete Bahnhofsuhr in Fürth (Bay) Hbf

Es gibt aber neuerdings nichts mehr zu sehen, zumindest keine Uhrzeit mehr. So einen dreisten »Zeitdiebstahl« habe ich zwar schon vor zwei Jahren in der Zitadelle von Victoria auf der Insel Gozo bemerkt, aber da war immerhin noch das Zifferblatt vorhanden und nur die Zeiger verschwunden. Hier in der Heimat schmückt jetzt nur noch ein nebulöses Rund die Fassade:

ausgeweidete Bahnhofsuhr in Fürth (Bay) Hbf

O tempora, o mores! Was soll das werden? Hat DB Station&Service den maroden Me­ch­a­nis­mus zu Reparatur- und Wartungszwecken ausbauen lassen, auf daß uns in Kür­ze wieder zuverlässig Stunde und Minute gewiesen werden können? Oder hat man die kaputte Uhr verschrottet, weil man lieber gar keine Zeit anzeigt als eine falsche? Rückbau also als kostengünstige Problemlösung? Wäre einerseits verständlich in Zeiten, wo fast jede(r) ein Smartphone mit präziser Zeitanzeige in Händen hält, ande­rer­seits aber ein trauriges Symbol für die allenthalben erodierende Infrastruktur.

Und es wäre nicht des erste Mal: Sowas kennen wir leider bereits in Sachen elektro­nische Abfahrtstafel, deren süd­städti­sche Ausgabe auch erst kaputt, dann repariert, dann erneut defekt und schließlich ersatzlos verschwunden war. Bleibt zu hoffen, daß die DB die Zeichen der Zeit (und die Wichtigkeit dieser elementaren Dienstleistung) er­kennt und uns Südstädtern bald wieder mitteilt, was die Stunde geschlagen hat…

Freitag, 12. Juni 2015

Die Lärminsel (5)

Ein neuer Morgen, eine neue Buslinie: Noch einmal wollten wir einen Tagesausflug eher bedächtig angehen und uns noch nicht wieder an die Grenzen der infektbedingt schwäch­eln­den eigenen Kondition herantasten. La Orotava hieß das Ziel der Wahl, welches von diversen Freunden und Bekannten uns als herrlicher Sehnsuchtsort ge­schil­dert worden war. Also ab in den Bus und kurvenreich den Hang hinter Puerto de la Cruz hinaufgetuckert…

Und es ist ja wahr: Hat man sich von der prosaischen Busstation erst einmal in den historischen Stadtkern durchgehangelt, findet man ein weitgehend intaktes Altstadt-Ensemble von hoher architektonischer Qualität vor. Der Blick streift über Dächer, Bal­ko­ne, Türmchen und Innenhöfe, die eine ruhige Würde und eine angenehm de­zen­te Unaufgeregtheit ausstrahlen. Doch, hier kann man es aushalten!

Über den Dächern von La Orotava

Stundenlang haben wir die Gassen und Sträßchen kreuz und quer und rauf und runter bestreift, haben Kirchen und Parkanlagen besichtigt, Mühlenrelikte und Innenhöfe inspiziert, da die Nase an die Scheibe gepreßt und dort den Blick durch ein Gittertor genossen. All das läßt sich in der Rückschau (auch gefühls- und geruchmäßig) genau rekonstruieren, wenn ich meine per Vorratsdatenspeicher gesammelten GPS-Tracks in Google Earth lade und aus der Vogelperspektive den Streifzug nachvollziehe.

Hier präsentierte sich ein besonders schönes Exemplar einer traditionell verzierten Fas­sade, mit sorgfältig gepflegtem Blumenschmuck an den hölzernen Balkonen (die frei­lich ihrer­seits etwas konservierende Zuwendung vertragen könnten):

Die Casa de Los Balcones

Der Ausschnitt zeigt die Casa de Los Balcones, eine der bekannteren Se­hens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Das Haus an sich ist auch durchaus sehens- und bewundernswert, die im Erdgeschoß angebotenen Mitbringsel der Kategorie »traditionelles Handwerk« vermögen indes primär hochbetagte Gäste zu begeistern und von ihrem Geld zu tren­nen. Der noch nicht ganz in diese Altersklasse fallende zonebattler freute sich da­ge­gen über das ebenso ballaststofffreie wie kostenlose WLAN in angenehm schattiger Nische…

Hinter dem nicht minder eindrucksvollen Liceo de Taoro hat meiner einer nicht nur zu seiner großen Erleichterung eine sehr ordentliche Stoffwechselstube gefunden, son­dern auch badende Bäumchen, sozusagen ein Naturschauspiel der ungewöhnlichen Art:

zweckentfremdete Badewanne hinter dem Liceo de Taoro

Ein Foto wie dieses ist schon genug künstlerischer Ertrag für einen ganzen Urlaub, wie ich finde. Da gab und galt es nix zu inszenieren, nur draufzuhalten und ab­zu­drücken. In einem kleinen Ex­kurs sei hier mal darüber reflektiert, wie meine Urlaube diesbezüglich vor einem Vierteljahrhundert – in einem früheren Leben – so abliefen: 10-15 Döschen mit Dia-Filmen drin möglichst an den Röntgengeräten der Flughafen-Security vorbeigeschleust, der hohen Kosten von ca. 50 Pfennigen pro Auslösung we­gen eher weniger experimentiert, Mehrfachversuche zur Erfassung der besten Per­spek­tive oder des schönsten Momentes nur in Ausnahmefällen unternommen, her­nach zu Hause tagelang auf das Entwickeln gewartet und dann wochenlang geschnippelt, gerahmt und in Magazine einsortiert. Danach ein bis zwei­mal angeschaut und später nimmermehr. Wobei ich dennoch (oder gerade deswegen) derzeit dabei bin, die analogen Erinnerungen (sprich: die Dias) zu digitalisieren, denn am Monitor, auf dem Smartphone-Display oder via Tablet schaut man sich halt doch eher alte Elaborate an, wohingegen man Projektor und Leinwand schon aus Gründen der Faulheit eher selten herauskramt und aufbaut… Heute leiste ich mir folgekostenlos weit mehr Versuche und komme nicht mit mit 300 Fotos heim, son­dern mit der vierfachen Menge (von denen hinterher freilich 2/3 wieder der [Entf]-Taste zum Opfer fallen). Unter dem Strich bin trotz der gestiegenen Versuchung zur Nachlässigkeit wohl dennoch ein besserer Knipser geworden, die Übung macht’s…

Aber genug der Abschweifung, wir sind ja hier in einer Reise-Reportage und weder in einem Fotokurs noch in einem Bildbearbeitungs-Seminar. Am nächsten Morgen fühlten wir uns beide wieder fit genug für größere Unternehmungen und nahmen uns für drei Tage einen Leihwagen, um unseren Aktionsradius zu erweitern und dahin zu fahren, wo die dicken Busse selten oder gar nie hinkommen. [1] Wir zuckelten auf kleinen Straßen (und mitunter dank desorientierter elektrischer Lady in der smart­pho­ni­schen Navi-App über Stock und Stein) in das wunderbare Anaga-Gebirge im Nord­osten der Insel. Grandiose Perspektiven taten sich dort auf:

Im Anaga-Gebirge

Der helle Streifen zwischen den dunklen Bergen unten und den düsteren Wolken oben ist übrigens das Meer… In jenem Gebirge ist es gerne neblig und feucht, weswegen es dort üppige Lorbeerwälder gibt. Dieser Abwechslungsreichtum macht den großen Reiz Teneriffas aus: Zwischen heißer Wüste und feuchtkaltem Dschungel liegen ja re­gel­mäßig nur ein paar Dutzend Kilometer!

Wir kurvten hakenschlagend bis zu einem Weiler namens Chamorga, da hört die Welt zumindest für die Automobilisten auf. Auf Schusters Rappen ging es dann weiter bis (fast) zum Roque Bermejo am Nordostzipfel Teneriffas. Erst läuft man noch über ein paar wegen Unterspülung und Hangrutschen nicht mehr befahrbare Betonstreifen, dann geht es nur noch über Trampelpfade weiter durch die üppige Vegetation:

Auf dem Weg zum Roque Bermejo

Südlich und unterhalb des Leuchtturmes Faro de Anaga machten wir dann erstens Rast und zweitens kehrt: Der weitere Abstieg bis zum unter uns schwappenden Atlantik hätte bestimmt weitere 45 Minuten (pro Richtung!) gedauert und unsere Kräfte allzusehr beansprucht: Die brauchten wir ja noch für den weiten Rückweg bis zum in Chamorga abgestellten Wagen. Die Entscheidung erwies sich als richtig: Als wir schließlich wieder an unserem Volkswagen angelangt waren, waren wir ei­ni­ger­maßen groggy. Aber auch glücklich über das Gesehene und Geleistete! Lästigen Lärm gab es an dieser entlegenen Ecke des besiedelten Landes übrigens durchaus auch, und zwar in Form von Hunden, die ihr Revier schon auf Distanz bellend zu verteidigen trachteten. Tja, »Lärminsel« kommt wirklich nicht von ungefähr!

Der Tag war noch längst nicht verstrichen, und wir wollten ja den fahrbaren Un­ter­satz bestmöglich ausnutzen. Also erstmal wieder zurück auf der Berge Rücken bis nach El Bailadero, dort die uns schon bekannte Route gen Süden verlassen und in San Andrés Station gemacht. Von da aus an der Küste entlang nach Santa Cruz hi­nein­gefahren. Von dort aus wollten wir uns zur berühmten Panorama-Straße TF-24 zum Teide hochschlängeln. Zu diesem Zwecke gab ich als Zwischenziel das Städtchen La Esperanza ins Smartphone-Navi meiner besseren Hälfte ein und ließ mich einmal mehr von der elektrischen Tante (ver)führen. Die erwies sich einmal mehr als gna­den­los zielstrebig und abkürzungsfixiert und ließ mich über Feldwege und Geröll­pisten rangieren, deren Anblick jeden Autoverleiher furchige Falten (oder faltige Furchen?) auf die Stirn getrieben hätte. Letztlich ging alles gut und glatt, und ich kann mir al­tem Sonntagsfahrer noch einiges an fahrerischem Können und einem neuzeitlichen VW Polo recht respektable Geländewagen-Qualitäten attestieren…

Schließlich erreichten wir doch noch die TF-24 (der getreulich mitgetrackerte Kurs nimmt sich auf Google Earth gar nicht so verwegen aus wie er sich unten auf der realen Erde anfühlte) und fuhren zügig (und mit richtigem Asphalt unter den Reifen) nach Südwesten in Richtung des majestätischen Vulkans. Dabei kamen wir von unten in die Wolken, und das ist nun wirklich eine ganz besondere Erfahrung:

In wolkengetränkten Wäldern

Windig ist es da und atmosphärisch einigermaßen gruselig, ziemlich feucht natürlich sowieso. Darum also nach dem Knipsen gleich wieder ins Auto gehechtet und weiter gefahren, immer weiter, immer höher durch kilometerlang sich hinziehende Wälder.

Irgendwann kommt man ebenso unvermittelt oben aus der Wolkendecke heraus, wie man unten in sie hineingefahren ist. Und da steht er dann in seiner vollen Pracht, der höchste Berg in spanisch bewirtschafteten Landen: El Teide !

Blick auf den Teide

Die grandiose Szenerie ist mit fotografischen Mitteln natürlich nicht annähernd ein­zu­fan­gen: Der strahlend blaue Himmel, die schneeweiße Wolkenschicht, die frische, klare Luft, der sanft über die Haut streichende Wind, die weitgehende Abwesenheit anderer Menschen, all das macht den Aufenthalt an so einem Aussichtspunkt zu einem sehr intensiven Erlebnis. Als etwas störend empfand ich die – auf dem klein­ge­rech­ne­ten Foto gnädigerweise nicht mehr erkennbare – Seilbahn an der linken Flanke des Vulkankegels: Dem Giganten dermaßen auf die Pelle zu rücken erschien mir als irgendwie entwürdigende Anmaßung. Na ja, der moderne Mensch neigt gemeinhin ohnehin nicht zur Demut. Der Teide wird sich schon mit heißem Atem zu wehren wissen, wenn’s ihm zuviel wird…

Als Verheißungsort besonderer Güte kam mir diese futuristische »Sternen-Stadt« vor, die nachgerade aussieht wie ein typisches Science-Fiction-Roman-Cover aus den 1970er Jahren: Erhabenheit, Aufbruchstimmung, Erforschung des Unbekannten, das alles und mehr irrlichterte durch des zonebattler’s Synapsen, als er der Ob­ser­va­to­ri­en gewahr wurde. Die sind da oben dem Himmel so nah wie möglich und erfreuen sich dank geringer Luft- und Lichtverschmutzung bester Aussicht ins All. Großartig!

Observatorien in der Nachbarschaft des Teide

Sowohl die Kuppeln der Sterngucker als auch die unten wabernden Wolken waren uns schon in ähnlicher Form und Anmutung vor fünf Jahren auf La Palma unter die Augen (und vor die Linse) gekommen. Ich muß gestehen, daß ich seinerzeit nicht nur be­gei­stert, sondern nachgerade überwältigt war. Aber in der Wiederholung nutzt sich halt doch alles ein wenig ab…

Gleich nach den Observatorien ließen wir dann den Teide vorerst links liegen und bogen nach rechts auf die TF-24 ab, die Sonne stand ja schon tief, es war inzwischen Abend geworden und der zonebattler des Fahrens müde. Und obwohl es Luftlinie gar nicht so weit bis nach Hause war, ging es natürlich zicke-zacke kurvenreich und entsprechend langsam bergab. Bis wir endlich im Hotel anlangten, war es schon fast duster. Ein erfüllter Tag lag hinter, zwei weitere mit selbstgesteuertem Gefährt noch vor uns. In der nächsten Folge fahren wir die TF-24 wieder hoch und machen seiner Majestät dem großen Vulkan und seinem Hofstaat drumherum endlich unsere Auf­war­tung.

 
[1] 60 EUR kostete der Spaß in Form eines VW Polo (zzgl. Sprit in der verfahrenen Menge), da kann man nicht maulen. Wie immer war die Bedienung ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, des Autors eigene Rennsemmel hat ja insgesamt weniger Moleküle als so ein modernes Auto Schalter und Lichter. Überdies wähne ich mein eigenes Volant und die Pedale nach dem Urlaub als schwergängig oder eingerostet, weil es meinem Vehikel an neuzeitlichen Assistenzsystemen mangelt, aber der Mensch ist ja flexibel und kann sich an fast alles adaptieren (meiner einer sogar in der Richtung vom Luxus zum Spar­ta­ni­schen)…

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Donnerstag, 11. Juni 2015

Dornenkrone

blühende Distel an des zonebattler's Schrebergarten
Freitag, 5. Juni 2015

Die Lärminsel (4)

Nachdem wir von Freunden schon im Vorfeld unserer Reise über das gut funk­tio­nie­ren­de Busnetz auf Teneriffa informiert worden waren, hatten wir uns vor­ge­nom­men, den überwiegenden Teil des Urlaubs ohne eigenen Mietwagen zu verbringen und uns von öffentlichen Verkehrsmitteln herumkutschieren zu lassen. Das klappte auch ganz gut, und unsere erste Fahrt im dröhnenden und vibrierenden Diesel-Bus brachte uns zum Nordostzipfel der Insel, in deren Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife.

Unweit des dortigen Busbahnhofes gibt es ein spektakuläres Stück moderner Ar­chi­tek­tur zu besichtigen, die Konzerthalle Auditorio de Tenerife:

Das Auditorio de Tenerife

Das verwegen gestaltete Gebäude ist gerade mal ein Dutzend Jahre in Betrieb, da zeigen sich schon die ersten Schäden in der Außenhülle: Feine Mosaiksteinchen fallen ab, Wasser sucht sich seinen Weg, Stahlarmierungen beginnen zu rosten. Wie schein­bar überall in spanischen Gefilden scheinen Instandhaltung und präventive Pflege unbekannte Fremdwörter zu sein, man klotzt was hin und ranzt es runter, schließlich reißt man es ab und baut was Neues hin (oder auch nicht). Alles nicht sehr nachhaltig und ressourcenschonend, aber konsequent nach dem (vormals ostzonalen) Motto: »Wir bauen auf und reißen nieder, so haben wir Arbeit, immer wieder«. Andere machen’s freilich auch nicht besser, den gleichen Spruch habe ich ja schon über Malta vom Stapel gelassen… Innen im Foyer des verwegen geschwungenen Musen­tem­pels ist es unglaublich laut, das Geplapper und Geklacker der Besucher potenziert sich in dem Schall­trich­ter aus Beton zu einer lärmenden Symphonie. Aber wenigstens konn­te ich dort drinnen diverse nette Damenbeine einfangen… [1]

Laut und quirlig ging es auch in der belebten Innenstadt von Santa Cruz zu, wiewohl es ein »ruhiger« Sonntag war und die meisten Geschäfte geschlossen hatten. Aber die Spanier feiern ja recht gerne und Anlässe dazu finden sich rund ums Jahr und immer wieder. Uns steht ja auch hin und wieder der Sinn nach Geselligkeit, aber im Urlaub suchen wir doch eher das Ruhige und Erhabene. [2] Darum sind wir tags drauf ins nahe­ge­le­ge­ne Orotava-Tal getuckert und haben dort eine Höhenwanderung unter­nom­men, die uns tatsächlich in ganz unerwartete Höhen führte:

Blick auf den Teide

Wir verpaßten aufgrund ungenügender Wegbeschreibung im Reiseführer den vor­ge­se­he­nen (aber wegen frischen Erdrutsches gesperrten Abzweig) und stiegen höher und höher, ohne zu bemerken, daß wir schon längst über den angepeilten »Höhenweg« auf­ge­stie­gen waren. Tatsächlich »machten« wir knapp 1000 Meter in der Vertikalen und kamen letztlich bei der Straße durch den Teide-Nationalpark heraus, wodurch wir unseres schweißtreibenden Irrtums endlich gewahr wurden. Immerhin konnten wir beim Abstieg drei weiteren deutschen Paaren, die mit dem gleichen Wanderführer ei­nes renommierten Erlanger Verlages bewaffnet waren, ein ähnliches Schicksal er­spa­ren…

Immerhin war die Anstrengung nicht vergebens, wir wurden mit Sonnenschein und wunderbarer Fernsicht belohnt. An den Folgetagen waren Wälder und Wipfel wolken- und nebelverhangen, und auch der Teide war nicht auszumachen. Schon am nächsten Morgen – wir waren bei warmer Witterung kurzbehost und -beärmelt mit dem Bus nach La Laguna aufgebrochen – tappten wir stundenlang leicht bibbernd durch die hi­sto­ri­sche (und regennasse) Innenstadt und beneideten jene, die mit passenderer Klei­dung und Ausrüstung unterwegs waren:

Drei gut beschirmte Damen in La Laguna

Na ja, wir hangelten uns im Nieselregen von Dach zu Dach, Unterstand zu Unterstand, Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und beschlossen den Halbtag mit Kaffee, Kuchen und Knservierungsstoffen. Kann man mal machen. So richtig grandios fanden wir es dort nicht, aber das war vielleicht der Erwartungshaltung einerseits und dem unverhofft naßkühlen Wetter andererseits geschuldet…

Tags drauf kam die unverhoffte, große Zäsur: Während der zonebattler die Reise zwar angekränkelt, aber immerhin schon auf dem Wege der Besserung angetreten hatte, war seine bessere Hälfte gesund in den Flieger gestiegen, hatte sich aber von bazillen-befallenen Mitreisenden die Krätze eingefangen und mußte des Abends mit im bedrohlichem Tempo ansteigenden Fieber zu einem »Centro Medico« verbracht werden. Ist auch eine interessante Urlaubserfahrung, wenn eine resolute Doctora, die des Deutschen nicht mächtig ist, nur ihre dolmetschende Sprechstundenhilfe an­schaut und nicht die vor ihr stehende Patientin. Immerhin waren die Wartezeiten kurz und die Antibiotika billig zu haben. Muß sich trotzdem nicht so bald wie­der­ho­len…

Vier Tage Bettruhe für die Gefährtin bedeuteten vier Tage freien Herumlungerns für den Berichterstatter, der sich nur zu gerne nun selbst etwas schonte und mit der Kamera bewaffnet in der näheren Umgebung des Hotels herumstrich.

Fassadenkunst in Puerto de la Cruz

Die Innenstadt von Puerto de la Cruz ist zwar in wenigen Gehminuten durchmessen, aber man findet doch recht interessante und auch abwechslungsreiche Ecken und Ansichten, die aufznehmen sich lohnt. Leider war ich aber doch recht träge und nicht so recht motiviert, mich auf fotografische Pirsch zu begeben. Darum habe ich nur den einen oder anderen Schnappschuß gemacht und mich nicht weiter angestrengt.

Manche Motive indes sind so augenfällig, daß man sie auch reflexhaft und ohne große Mühen einfangen kann. Wie z.B. dieses Exempel von genrehafter Street Photography:

Straßenszene am Vormittag

Zugegeben, der alte Herr mit Rollator war recht langsam unterwegs, da konnte ich mir mit dem Komponieren des Bildes Zeit lassen. Überhaupt schien die gemächliche Unaufgeregtheit unseres Urlaubsortes auf mich abzufärben, und ich weiß bis heute nicht, ob es wirklich an der Atmosphäre lag oder an meinem nur langsam ab­flau­en­den grippalen Infekt, an dem ich ja schon seit längerem laborierte.

Egal, warum auch immer ich etwas langsamer reagierte als sonst, solange die Motive vor mir sich noch weniger bewegen und mir nicht davonlaufen, kriege ich sich immer noch problemlos eingefangen, wie zum Exempel diesen Angler, der auf der Kaimauer sitzend sein Glück versuchte:

Mann mit Hut, sitzend und angelnd

Die Passion des Angelns gehört zugegebenermaßen zu jenen finsteren Lei­den­schaf­ten, deren Reiz und Mirakel sich mir zeitlebens nicht erschließen werden, und das hat nicht nur damit zu tun, daß unsereiner kein großer Fischesser ist. Na ja, jedem das Seine, und solange der schweigsame Rutenschwinger seinem Hobby nachgeht, ist er wenigstens weg von der Straße und kommt nicht auf noch dümmere Gedanken…

Jetzt aber hurtig etliche Stunden vorgespult und die weitgehend ereignisfreien Re­kon­va­les­zenz-Tage der besseren Hälfte übersprungen. Nach leidlicher Genesung (meiner einer war dann selbst aller importierten Schnupfen-Reste ledig) fingen wir wieder an mit der Erforschung unserer Umwelt. Ein Bus brachte uns in küstennah mä­an­drie­ren­der Fahrt ins westlich gelegene Garachico.

eingerahmter Meeresblick in Garachico

Ein befreundetes Galeristen-Ehepaar hatte dort wenige Wochen zuvor den eigenen Urlaub verbracht und war des Lobes voll über diesen beschaulichen Ort. Wir selbst glauben, seine (durchaus vorhandenen) Reize in den paar Stunden unseres Aufent­hal­tes weitgehend vollständig wahrgenommen und gewürdigt zu haben. Ja, es ist nett dort, aber nein, wenn man nicht gerade Kunstmaler ist oder in Ruhe seinen neuen Roman fertigstellen möchte, ist man dort nicht unbedingt am rechten Platze.

Sehr lebhaft vom Tag in Garachico in Erinnerung geblieben ist mir aber erstens die Begegnung mit einem jungen Hundchen (welches sich nur zu gerne kraulen und necken ließ und davon schier außer sich geriet vor purer Lebensfreude), sowie die mit einer Strelitzie, welche sich naturgemäß weniger spielfreudig und be­gei­ste­rungs­fähig zeigte, sich dafür aber in wunderbar leuchtenden Farben präsentierte:

prächtige Strelitzie

Tatsächlich sind dem zonebattler auf Teneriffa dermaßen viele dieser Pa­ra­dies­vo­gel­blu­men unter die Augen gekommen, daß er einen vage erwogenen Urlaub auf der »Blu­men­in­sel« Madeira nunmehr zu verwerfen bereit ist und damit auch um etliche nur äußerst schweißtreibend zu bewältigende Höhenmeter elegant herumkäme…

Soviel für heute. In einer Woche geht es weiter.

 
[1] Gegen Ende des Urlaubs sind ganz in der Nähe zwei Grazien vor der Nase meines Mietwagens über die Kreuzung gestakst, beide mit knallengen Jeans und leuchtend roten Pumps von schwindelerregender Absatzhöhe angetan. Das wäre ein Foto ge­we­sen! Aber was will man machen, wenn die Ampel kurz vor dem Umspringen ist, beide Hände am Lenkrad liegen und die Kamera irgendwo auf dem Rücksitz liegt? Die fahr­läs­si­ge Unvorbereitetseiung verfluchen!

[2] Wir halten es da eher mit Johann Nestroy (oder war es doch Karl Valentin?), der die Menschen liebte, aber die Leute nicht mochte und daher mied…

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