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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Dienstag, 28. Oktober 2014

Feierabendzug

zonebattler's LEGO-Lok aus Kindertagen, nunmehr in seinem Büro auf- und ausgestellt
Montag, 27. Oktober 2014

Pole Position

vor der Kirche von Iphofen abgestellte Rollatoren
Freitag, 24. Oktober 2014

Die Überraschungsinsel (6)

So, mit einem gemieteten Automobil erschließen sich dem Wanderer auch die etwas entlegeneren Gegenden, wenngleich mit dem systembedingten Nachteil, daß man am Schluß der Tagestour wieder zum Standort des Fahrzeuges und damit zum Aus­gangs­punkt zurückkommen muß. Aber gut, ist halt so. Das Herumfahren im eigenen Wa­gen ist im Tramuntana-Gebirge mit einiger Lenkrad-Kurbelei verbunden, die Straßen sind schmal und mäandrieren fröhlich am Hang entlang. Unsere flache Flunder der Marke Opel verfügte im Gegensatz zum eigenen LowTech-Minibus über allerlei ma­schi­nel­le Bedienungshilfen, und so geriet das ständige Drehen des Volants nicht wirklich zur muskulösen Anstrengung. Wohl aber zur mentalen, denn trotz (oder wegen) der beachtlichen Steigungen hier und der Gefälle dort sind die Straßen voller Masochisten, die sich auf Rennrädern oder Mountainbikes die Hügel hochquälen und es runterwärts munter laufen lassen, bis die nächste Kurve ein Abbremsen und ein Verlassen der Ideallinie erzwingt. Da fühlte sich der zonebattler schon recht heraus­gefordert, zumal das Leihauto im Gegensatz zum nasenlosen Glaskasten daheim über eine lange und unübersichtliche Frontpartie verfügte. Dennoch ging der Urlaub letzt­lich – soviel sei hier beruhigend vorweggenommen – völlig kollisionsfrei vonstatten.

Also auf geht’s, die Wanderstiefel in den Kofferraum geworfen und hakenschlagend und serpentinenfahrend durch die grandiose Berglandschaft nach Sa Calobra auf­ge­bro­chen, wo es einen kleinen Strand gibt und die Einmündung des Torrent de Pareis, eines Sturzbaches, in dessen grandiose, natürlich nicht ständig wasserführende Schlucht wir uns einige hundert Meter weit vorgewagt haben:

im Torrent de Pareis

Man beachte die beiden winzigen Wanderer im Hintergrund, an derer Größe resp. Kleine die Dimensionen der steilen Schlucht deutlich wird. Erstaunlich, was einem da so alles entgegenkam, vom bestens ausgerüsteten Trekking-Experten bis hin zum san­da­len­tragenden Schulkind. Ganz wollten wir den Torrent nicht hinaufsteigen, das hätte uns zuviel Zeit gekostet, die uns später an anderer Stelle gefehlt hätte…

Also machten wir irgendwann kehrt und kraxelten wieder zurück bis ans flach aus­laufende Ende der Schlucht, tappten nochmals bis ans Meer und erfreuten uns dort des Anblicks der von des Ortes unermeßlichen Schönheit niedergestreckten Tou­ri­sten:

in der südlichen Sonne Bratende

Ja, so kann man’s natürlich auch machen, wenngleich unsereiner der Meinung ist, daß man im April sogar daheim in der Sonne schmoren kann, mit mutmaßlich ge­rin­ge­rem Sonnenbrand-Risiko, vom Hautkrebs gar nicht zu reden. Aber den kon­ser­vie­ren­den Pökel-Effekt der gischtbeförderten, salzhaltigen Luft hat man natürlich nur am Meeresstrand und nicht im fernen Binnenland…

Wir schlichen an den Liegenden vorbei zu unserer schnittigen Karosse zurück, fanden diese unversehrt und unbestrafzettelt am Eingang zur Bucht vor und machten uns auf den Rückweg, den wir hier und da zwecks Aussichtsgenuß unterbrachen. Hier sehen wir unseren modisch kaffeebraun-metallic eingefärbten OPEL Astra am höchsten Punkt der serpentinenreichen Straße zur Bucht Cala Tuent:

kantige Berge, gerundete Karosse: Pinkelpause mit Ausblick

Angesichts unübersehbarer Horden von Radlern (die einen von links hoch und nach rechts runter, die anderen von rechts hoch kommend und nach links runter wollend) haben wir uns die Cala Tuent geschenkt und sind wieder in Richtung Port de Sollér gefahren, nicht ohne noch einen ausgedehnten Spaziergang rund um den schönen Cúber-Stausee zu unternehmen. An dessen sanft sich im Winde kräuselnden Ge­sta­den sich allerlei farbenfrohes Getier am Grase labt:

grasendes Schaf am Cúber-Stausee

Vermutlich ist die Colorierung seines dichten Pelzes weniger dem Modebewußtsein des Schafes als vielmehr der Gewitztheit seines Besitzers zu verdanken, der seine Herde per Spraydose mit einem weithin zu sehenden Eigentumsmerkmal versehen wollte. Wandelnde Farbkleckse findet man zudem im Gebirge zwischen all den hell­gelben Steinen viel schneller wieder, und freundlicher als ein brutal einge­schmortes Brandzeichen ist buntes »Haarspray« doch auch allemal!

Den Cúber-Stausee per pedes zu umrunden ist ein unbeschwertes Vergnügen, welches man Mallorca-Besuchern nur wärmstens ans Herz legen kann: Der Weg am Ufer verläuft naturgemäß eben und verleiht der Wanderung Spaziergang-Charakter, aber die Aussicht ist grandios und das in alle Richtungen. Der zonebattler hätte vor dieser Reise nicht für möglich ge­halten, daß man auf der Hauptinsel der Balearen Fotos wie dieses hier machen kann:

Das Refugio de Cúber vor dramatischer Kulisse

Wenn man nicht gerade Geologe ist, könnte man das doch glatt für ein alpen­län­di­sches Panorama halten, nicht wahr? Aber nein, mitten im Mittelmeer gibt es steinere Auffältelungen zu bestaunen. Bei dem Gebäude handelt es sich übrigens um eine staat­liche (wenngleich nicht stattliche) Wanderhütte, das Refugio de Cúber. Leider hatte das Refugium wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber nachdem wir dort ohnehin weder essen noch übernachten wollten, machte uns das nichts aus. Auch geöffnete Refugios kann man übrigens nicht einfach so aufsuchen in der Hoffnung auf Kost und Logis: Beides muß lange im Voraus bestellt und reserviert werden, sonst hat man das Nachsehen und muß unter freien Himmel frierend und hungernd den neuen Tag erwarten…

Nach erfolgter See-Umrundung (für die man etwa 1,5 Stunden braucht) machten wir auf dem Heimweg nochmal in Sollér Station (Straßenbahnen gucken und Orangen-Eis goutieren), bevor wir dann wieder zurück in unser Hafenstädtchen fuhren und den Tag rotstichig und kitschgefährdet an der Steilküste oberhalb der Bucht ausklingen ließen:

Sonnenuntergang bei ruhiger See

So gegen 20:30 Uhr plumpst Ende April die Sonne ins mallorquininsche Meer, und der Anblick ist immer wieder sehr erbaulich. Danach kann man noch bei relativ an­ge­neh­men Temperaturen draußen sitzen bleiben oder sich ins Hotelbett fallen lassen, um dort noch ein wenig durch das digitale Fenster in die weite Welt zu schauen, eine verführerische Option, die wir in der Regel präferierten…

Bevor wir für heute das Licht ausknipsen, gehen wir noch der Frage nach, was man denn als Gast auf Mallorca sinnvollerweise kaufen kann. Die erste Antwort liegt auf der Hand: Orangen!

beutelweise Niedrigpreise: Orangen-Angebot in Valldemossa

Das Bildbeispiel stammt aus dem schönen Städtchen Valldemossa und illustriert den augenfälligen Vorteil der überall auf der Insel erhältlichen Südfrüchte: sie sind dort konkurrenzlos (oder vielmehr konkurrenzbedingt) billigst zu haben. Das zweite Allein­stel­lungs­merkmal kann nur aus speichelflußtreibender Erinnerung beschwörend be­kräf­tigt werden: Die mallorquinischen Orangen sind wunderbar wohlschmeckend, saf­tig und aromatisch. Frischer kriegt man sie sowieso nirgends. Wer auf Mallorca die prallen Früchte des Landes links liegen läßt, verpaßt einen der göttlichsten Genüsse, die das Land und das Leben zu bieten haben!

Ansonsten halten sich die Touristen gerne an Klamotten, Kunststück, im Urlaub hat man Zeit und Muße zum Shoppen und das Geld sitzt lockerer als in des heimischen Alltags repetitiven Trott. Davon profitieren nicht nur die schicken Boutiquen und omnipräsenten Filialisten in Palma und den anderen Städten, sondern auch die klei­nen Anbieter in den ruhigeren Winkeln des Eilands. In Valldemossa brauchte ich den Kamerablick nur von den Orangenbeuteln ein wenig zur Seite zu schwenken, um ein paar ambulant angebotene, fesch-feminine Kittel zu erhaschen:

ambulante Auslage an einem Haus in Valldemossa

Noch ein paar Meter weiter fand sich ein Laden voller entsetzlich kitschiger Mit­bring­sel aus überwiegend fernöstlicher Produktion, fabrikneuer Müll, bei dem man sich wirklich fragen muß, wer sich sowas antut und dafür auch noch Geld hinlegt. The horror! Den abartigen Schund abzulichten hätte sich des zonebattler’s motiv­ver­wöhnte Kamera fraglos geweigert. Doch jedem das Seine: Der Autor und seine bes­sere Hälfte neigen dazu, Souvenirs mitzunehmen, die einserseits nichts kosten, andererseits aber unermeßlich wertvoll sind: Wurzeln, Steine, Muschelschalen und andere Leichen­teile, die noch viele Jahre später als Erinnerungsanker taugen…

Fortsetzung folgt: Demnächst gibt’s ein paar Vierbeiner sowie ein paar Zweibeiner von hinten zu sehen. Und auch – nun ja – ein ganzes Regal voller einzelner Beine ohne den Rest ihrer ehemaligen Besitzer. Bleiben Sie dran!

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Mittwoch, 22. Oktober 2014

Hahnenk(r)ampf

Neulich habe ich im Rahmen einer Wanderung im oberpfälzischen Kastl das seltene Glück gehabt, dem Balzverhalten einer gemeinen Wasserpumpe beiwohnen zu kön­nen. Mit geschwollenen Schwengel umgarnte der grobe Kerl ein zierliches Wasser­hühn­chen, welches von der brachialen Männlichkeit des Pumphahnes angezogen zu sein schien, sich aber dennoch noch etwas unentschlossen gab – darin den turtelnden Tauben auch menschlicher Abstammung nicht unähnlich. Leider hatte der Bericht­erstat­ter nur sein Handy zur Hand und konnte daher den Vorgang nur in minderer Qualität dokumentieren, aber nach seinem eigenen Predigen ist ja die beste Kamera stets die, die man gerade dabei hat:

Wasserhahn und Wasserhenne beim Liebesspiel

Den eigentlichen Liebesakt konnte der zonebattler leider nicht mehr dokumentieren, denn er hinkte seiner Wandergruppe hinterher und die beiden abgelichteten Prot­ago­nisten waren recht statisch und träge in ihrem rituellen Balzverhalten. Na ja, viel­leicht komme ich da irgendwann noch mal hin und kann dann eine ganze Familie eiserner Wasserspender mit meiner richtigen Kamera ablichten…

Dienstag, 21. Oktober 2014

Aralbendrot

Abendrot über der Fürther Südstadt
Sonntag, 12. Oktober 2014

Eigenleben

Tausendfüßler aus Gießkannen von Frank Dimitri Etienne

Tausendfüßler aus Gießkannen von Frank Dimitri Etienne, gesehen in der aktuellen Ausstellung »urban mining« des BBK Nürnberg. Hingehen, anschauen, staunen!

Freitag, 10. Oktober 2014

Die Überraschungsinsel (5)

Die letzte Folge mit einem spannungssteigernden Ausblick auf ein scheinbar schönes Schiff beendet habend, wenden wir uns heute zum Einstieg eben jenem »Segler« näher zu und betrachten ihn von einer näher gelegenen Klippe am nordwestlichen Zipfel von Port de Sóller aus. Und was sehen wir da Merkwürdiges? Genau, am Heck einen dicken, mutmaßlich Antennen beherbergenden Riesen-Bovisten und am zweiten Mast von vorn einen senkrechten Stahl-Stummel mit riesigen Auspuffrohren dran, der den Windjammer letztlich als schnödes, wenngleich natürlich hypermodernes Motor­fahr­zeug entlarvt:

»Wind Spirit« oder »Wind Star« im Einsatz vor Port de Sóller

Abends konnte ich herausgoogeln, daß es sich bei diesem offenkundigen Luxus-Ve­hi­kel entweder um die »Wind Spirit« oder um deren Schwesterschiff »Wind Star« handeln mußte. Die Reederei Windstar Cruises kann ihre beiden Retro-Pötte offen­bar selbst nicht wirklich unterscheiden, die beiden verlinkten Schiffs-Seiten und die dort gezeigten Fotos sind jedenfalls bis auf den jeweiligen Namen identisch!

Klar ist, daß derlei Nobel-Gefährte einsatzmäßig rund ums Jahr verplant sein müssen, um ihre exorbitanten Kosten wieder einzuspielen. Da kann man sich nicht auf die Zu­fäll­ig­kei­ten des Wetters und der Winde verlassen, im Zweifels- bzw. Flautenfall muß eine starke Motor­anlage dafür sorgen, daß der Kahn pünktlich an der nächsten fahrplanmäßig vorgesehenen Mole zu liegen kommt.

Na ja, wer’s mag. Meiner einer würde keinen um Zehnerpotenzen kost­spie­li­ge­ren Urlaub antreten, auf dem es mehr Meer als Land zu sehen gibt und in dessen Ver­lauf die von den Wellen geschwenkten und geschüttelten Innereien womöglich zu rebel­lie­ren beginnen. Und so machen wir uns daher mit dem (zugegeben streckenweise auch recht schaukelnden) Omnibus auf in die gar nicht so ferne Hauptstadt Palma de Mallorca, um uns für die letzte Urlaubswoche mit einem Mietwagen zu versorgen und zu mobilisieren. Den frisch übernommenen Flitzer lassen wir aber erstmal vor dem Europcar-Büro stehen und begeben uns zu Fuß auf eine kleine Stadtbesichtigung…

Palacio Real de La Almudaina

Den innerstädtischen Rummel mit Touristenströmen, Gauklern und Taschenspielern, Boutiquen und Nippesläden spare ich hier bewußt aus, und auch das in einer teuren Pseudokunst-Galerie live miterlebte Verkaufsgespräch, in dem eine aufgebrezelte Blubberphrasendrescherin ohne jede Sachkunde einem nicht minder ahnungslosen (aber immerhin wohlhabenden) Kundenpaar teuren Edelkitsch aufzuschwatzen trach­tete, ist glücklicherweise schon so tief im Sumpf des zonebattler’schen Synapsen­rauschens versunken, daß er die Details gar nimmer herausziehen kann und mag. Viel lieber lenkt er den Blick und die Aufmerksamkeit seines verehrten Publikums auf würdevolle alte Architektur-Details, wie beispielsweise die über diesem Absatz ab­ge­bildeten Zinnen des alten Königspalastes »Palacio Real de La Almudaina«.

Gemeinhin ist ja die Mittagszeit nicht eben ideal zum Knipsen, da grell die Details überstrahlend und ungünstige Schattenwürfe bedingend. Den wuchtigen Palastmauern gereichte der Höchststand des beleuchtenden Gestirns indes eher zum Vorteil. Nicht ganz so kontrastreich geriet mir die Aufnahme einer alten Windmühle in Hafennähe, die – im Gegensatz zu vielen anderen gesehen Exemplaren – nicht weitgehend ver­fal­len, sondern recht ansehnlich restauriert worden war:

traditionelle Windmühle in Palma de Mallorca

Heutzutage wird natürlich allenthalben mit Strom gemahlen statt mit unzuverlässiger Windenergie, aber wer weiß, vielleicht erlebt die Windkraftnutzung auch auf den Balearen eine Renaissance. Die Sonne scheint auch häufiger als bei uns daheim im Norden, da könnten die Inseln doch glatt auch in Sachen Solarenergienutzung eine Vorreiterrolle spielen…

Doch zurück zu bodenständigen Betrachtungen. Palmen gibt es ja reichlich in und um Palma, nomen es omen. Aber welche Bäume wachsen in Ufernähe in dichten Wäldern und haben einen weißen Stamm? Nein, keine Birken. Es sind vielmehr die Masten der Segelboote, die dort sonder Zahl vor sich hindümpeln und überwiegend der Wieder­kehr ihrer absenten Herrschaft harren:

Boote, Boote, Boote im Hafen von Palma de Mallorca

Wir guckten uns die angeketteten Nußschalen und auch die größeren Boote gerne an, sowas sieht man im heimischen Binnenland ja nicht alle Tage. Immer wieder er­staun­lich, was Leute in ein schnittiges Schiffchen zu investieren bereit sind, dessen Alltagsnutzen vermutlich deutlich unter dem repräsentativen Nutzen rangiert. Aber das gilt ja für monströs aufgeladene Autos an Land genauso. Wir wenden uns jetzt vom Repräsentationsbedürfnis des Geldadels ab und dem früherer Kirchenfürsten zu, deren Drang zu Höherem, Größeren, Weiteren zumindest vorgeblich der Ehre Gottes diente. Hier sehen wir die gothische Kathedrale der Heiligen Maria (»La Seu«) aus ungewohnter Perspektive:

Kathedrale La Seu im Süden der Altstadt von Palma

Das Foto schoß ich tatsächlich aus einigen hundert Metern Entfernung vom Dach des »Es Baluard« aus, einem wunderbaren Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, dessen gelungene Architektur sich hervorragend in eine Eckbastion der alten Renaissance-Stadtmauer einfügt. Einen Besuch in diesem Musentempel kann man kul­tu­rell interessierten Palma-Besuchern nur wärmstens ans Herz legen, Bau und In­halt haben internationales Format! Wir haben mehrere Stunden staunend drinnen verbracht, hernach auf dem Vorplatz erneut unverhofft den MietMichel getroffen (wir erinnern uns an die Folge 3) und uns dann einen Besuch in der Kirche geschenkt, da uns der als in jeder Hinsicht zu kostspielig erschien (vom Eintrittsgeld her betrachtet ebenso wie betreffs der an- bzw. abzustehenden Wartezeit).

Aber man muß ja auch nicht alles und jedes sehen, zumal die unbekannteren Ecken oft mehr Über­raschungen bereithalten als die offiziellen »Sehenswürdigkeiten«. Hier hält sich zum Exempel eine pittoreske Touristengruppe direkt unterhalb der Ka­the­dra­le einander fest die Treue (und sich gegenseitig beim Wickel resp. am Kittel):

Touristen beim gegenseitigen Haltsuchen

Ob die mir unbekannten Herr- und Damenschaften nun haltsuchend von der Pracht der Kathedrale über ihnen überwältigt oder nach kollektivem Genuß von alkoholischer Eimerware ins Wanken gekommen waren oder schlicht versuchten, zwecks Erstellung eines gemeinsamen Selfies kompakt zusammenzurücken – wer weiß? In jedem Fall gaben sie ein schönes Motiv für den Berichterstatter ab, der sich einmal mehr darüber freute, aufgrund der späteren Unindentifizierbarkeit der Gezeigten nie­man­den um Publikationsgenehmigung fragend angehen zu müssen…

Nur wenige Meter weiter ergab sich die nächste Gelegenheit zur lichtbildnerischen Betätigung. Im Schatten des großen Gotteshauses – vielleicht schon zum Parc de La Mar gehörig – gibt es eine Art Freilicht-Theater, welches mit einem Dach aus rauten­förmigen Elementen überspannt ist. Die Schattenspiele dieses ein bißchen an das Bayerische Staatswappen erinnernden Waffelmusters sind wahrlich spektakulär an­zu­schauen:

Schattenspiele unter einem Sonnendach aus rautenförmigen Segmenten

Es gibt also auch abseits des quirligen Lebens im Stadtzentrum einiges zu sehen in Palma de Mallorca, und wer Ruhe sucht, der findet sie auch. Klar, ein Gang durch die Ladenstraßen gehört ebenso dazu wie die Einkehr in einem der zahllosen kleinen Lokale, aber der zonebattler und seine bessere Hälfte finden Steinmassen ge­mein­hin attraktiver (und weniger schwatzhaft) als Menschenmassen…

So, zum Abschluß gehen wir ein paar hundert Meter weiter nordöstlich vor dem Heiligen Franziskus auf die Knie, um die hinter ihm im Abendlicht gülden strahlende Basilica de San Francesco noch angemessen einzufangen:

Basilica de San Francesco im Palma de Mallorca

Es ist Abend geworden, schnell kriechen die Schatten höher an des Heiligen Kutte und darüber hinaus. Wir machen uns daher auf und schlängeln uns zielstrebig wieder süd­west­wärts durch das Labyrint der Altstadt, um an der Uferpromenade zurück zum Stell­platz unseres bis dahin noch keinen Meter bewegten Wagens zu gelangen.

Diesen in Betrieb zu nehmen war gar nicht so einfach: Statt des gebuchten und er­be­te­nen Kleinwagens waren wir mangels Verfügbarkeit eines solchen zur nächst­hö­he­ren Klasse upgegradet worden, und der zonebattler mußte zunächst einmal konstatieren, daß so ein moderner Mittelklassewagen mehr Hebel, Knöpfe und Lämpchen hat als seine spartanische Rennsemmel Moleküle. Schließlich gelang es ihm aber doch, den Wagen zu starten, den rechten Gang zu finden und den Flitzer unfallfrei durch die Stadt zu manövrieren sowie nach Port de Sóller zu überführen. In der nächsten Folge starten wir mit der schnittigen Karre dann von dort aus zu ersten Ausflügen in die weitere Umgebung unseres Domizils…

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Freitag, 3. Oktober 2014

Traumaschleuder

ungewöhnliches Kettenkarussell auf der heute eröffneten Fürther Michaelis-Kirchweih
Sonntag, 28. September 2014

Klimawandel

Bananenstaude in einer Plantage auf La Palma (Kanaren)
 
Abb. 1: Bananenstaude in einer Plantage auf La Palma (Kanaren)
Bananenstaude im Stadtpark von Fürth (Bayern)
 
Abb. 2: Bananenstaude im Stadtpark von Fürth (Bayern)
Als ich vor gut 15 Jahren nach Fürth gezogen bin, war ich sehr angetan vom Under­state­ment einer kleinen Großstadt, die – eingeklemmt zwischen den un­ein­hol­bar reichen Stief­schwestern Erlangen und Nürnberg – ihren eigenen, ehr­li­chen und bodenständigen Weg zu suchen schien.
 
Heute blicke ich enttäuscht und ernüchtert auf eine provinzielle Kommune, die ihr »Tafelsilber« – namentlich ihr architektonisches Erbe – verschleudert, und in der längst nicht mehr die gewählten Politiker, sondern Bauträger, In­ve­sto­ren und andere Vertreter von Partikularinteressen die Marschrichtung zu be­stim­men scheinen.
 
Kein Wunder, daß in solchen Verhältnissen längst auch die Bananen gedeihen…
Freitag, 26. September 2014

Die Überraschungsinsel (4)

Neuer Tag, neues Glück: Erstaunlich, wie schnell man sich doch in fremden Gefilden einleben und eingewöhnen kann! Spätestens am dritten Tag weiß man die Idealkurve um’s suboptimal aufgebaute Frühstücks-Buffet zu nehmen, den bizarren Toaster zu bedienen, die genießbaren von den eher unverdaulichen Darreichungen zu un­ter­schei­den. Manch’ spanische Spezialität bleibt einem dennoch auf Dauer verschlossen, warum die Restaurant-Chefin beispielsweise die aus der Spülküche geholten, frischen Tassen und Gläser stets einzeln vom vollen auf das leere Tablett umschichtet, statt das leere kurzer­hand mitzunehmen und das volle an dessen Platz zu stellen. Derlei Optimierung würde unsereiner schon aus Gründen der Faulheit betreiben, aber wo­mög­lich ist dies schon wieder zu teutonisch gedacht und die mediterran-meditativen Aspekte des Be­cher-Umschlichtens igorant übersehend…

Na egal, wir sind ja zum Genießen da und nicht als unbestellte Prozeßoptimierer und Unternehmensberater in der Pflicht. Darum lieber ein wenig zickzack gelaufen und die verstreuten Zutaten zusammengesammelt, als das Personal mit Vorschlägen zur besseren Plazierung von Speisen, Getränken und Werkzeugen unnötig verwirrt und befremdet. Und in Eile ist man ja im Urlaub gemeinhin auch nicht.

So, gefüllten Bauches und mit kompletten Marschgepäck versehen, tappen wir heute wieder einmal nach Sóller hinüber. Hatte ich übrigens schon erwähnt, daß es zwi­schen Stadt und Hafen ein historisches Straßenbähnchen gibt? Sehr pittoresk! Das Oran­gen­pflücken während der Fahrt scheint nicht verboten zu sein:

Straßenbahn in Sóller auf eng gefaßter Trasse zwischen zwei Garten-Grundstücken

Diesmal wollen wir uns jedoch nicht im Städtchen verlieren, sondern es strammen Schrittes durchmessen, um es am anderen Ende alsbald wieder zu verlassen. Auch in stark vom Tourismus befallenen Gegenden ist man gemeinhin sehr bald allein mit sich und der Natur, wenn man erstmal die von Bahnen, Bussen, Taxis und Autos ausgespuckten Menschenmassen hinter sich gelassen hat. So auch hier:

Auf dem Weg durch Felder und Olivenhaine

Das Wandern entlang der Olivenhaine wird nie langweilig, so vielfältig zeigt sich der Wuchs der gedrungenen Bäume in ihrer krusen Knorzigkeit: Wer schon als Kind mär­chenhaft-unheimliche TV-Erlebnisse mit lebenden Bäumen in Disney-Trickfilmen hat­te, dessen Phantasie sieht Gestalten ohne Ende in den teilweise grotesk ver­dreh­ten Formen der Olivenbäume.

Sehr individuell präsentieren sich auch die menschlichen Behausungen auf dem Land, das ist natürlich nicht nur auf Mallorca so: Verbaut wird, was gerade zur Hand ist, und je nach Bedarf wird hier mal was weggerissen und da mal was drangestückelt. Daß das Resultat immer noch ästhetische Qualitäten aufweist, ja nachgerade von ei­ner gewissen Grandezza [1] sein kann, ist merkwürdigerweise dann aber doch eine süd­ländische Spezialität:

Landhaus zwischen Sóller und Port de Sóller

Speaking of südländisch: An dieser Stelle beglückwünscht sich der zonebattler auf’s Neue zu seinem Grundsatz, Inseln im mare nostrum stets zu Frühlingszeiten auf- und heimzusuchen: Vom prallen Grün der üppig sprießenden Vegetation ist später im trockenen und heißen Hochsommer nämlich nicht mehr viel übrig, von den dann ob­waltenden Temperaturen nicht zu reden! Darum aufgemerkt, verehrte(r) Leser(in): Wer im April nach Malta oder Malle reist, wird reich belohnt durch bunte Blüten (und günstige Vorsaison-Preise)…

Für wackere Wandersleute wichtig ist die eindeutige Beschilderung der vorgesehenen Wege und Stege, und in dieser Hinsicht geht es im Tramuntana-Gebirge recht kom­mod zu. Immer wieder findet man – zumindest auf den populärsten Routen – hölzerne Strecken-Mar­kie­rer wie diesen hier vor:

Wanderweg-Markierungspfahl

Als weniger hilfreich bis komplett unbrauchbar haben sich dagegen die von der lo­ka­len Tourismus-Behörde herausgegebenen, kostenlosen Wanderkarten erwiesen, da ist man mit einschlägigen Wanderführern aus den bekannten Verlagen besser bedient.

Geschlaucht von einigen ganztägigen Wanderungen mit etlichen Höhenmetern rauf und runter, schalteten wir gelegentlich mal einen Gang zurück und füllten den Tag mit eher gemütlicheren »Spaziergängen« rund um die »Hausberge« von Port de Sóller. Hier kommen wir gerade vom Leuchtturm östlich der Hafenbucht herunter und genießen den weiten Blick auf dieselbe:

Blick auf Port de Sóller

Man beachte das Mädel am rechten Bildrand, die den Blick auf ihr Betatsch-Telefon allemal interessanter findet als den in die analoge Welt. Die Digitalitis hat natürlich längst die ganze Menschheit befallen, und der Autor dieser Zeilen ist ja selbst auch mit allerlei aufmerksamkeitsabsorbierenden Gerätschaften unterwegs. Dennoch: Die Natur hat immer noch eine bessere Pixeldichte und höhere Farbtiefe zu bieten als jedes Smartphone, von den sonstigen Sinnesreizungen nicht zu reden!

Doch gehen wir weiter die Straße hinunter und nähern wir uns dem Heimathafen von oben her. Friedlich dümpelt eine Handvoll Boote in der Bucht, flanieren allerlei Menschen die Promenade entlang, segeln ein paar Möven über die Szenerie hinweg. Einmal mehr sei hier Port de Sóller jenen Urlaubern empfohlen, die eine lauschige Landpartie einer rauschigen Strandparty vorziehen…

im Anmarsch auf Port de Sóller

Unten angekommen geht es dann noch auf der Strandpromenade an all den Restau­rants und Hotels vorbei zum eigenen Heim am anderen Ende des Buchtbogens, und was steht da vor unserem Haus und an der Endhaltestelle umkehrend? Genau, die putzige Straßenbahn. Ich hatte ja schon in der ersten Episode erwähnt, daß die ein­fache Fahrt 5,00 EUR pro Nase kostet, weswegen ich aus Geiz und Rache die Fahrt nur einmal leibhaftig genossen, ansonsten aber das nostalgietriefende Rollmaterial eben­so fleißig wie kostenfrei abgelichtet habe:

abfahrbereite Trambahngarnitur

Des zonebattler’s irrationale Affinität zu tutenden Trambahnzügen mag mit seinem Hang zu schmalspurigen Feldbahnen zusammenhängen, der wiederum auf früh­kind­liche Prägung zurückzuführen ist. Immerhin ist er inzwischen erwachsen genug, um daraus weder ein neues Hobby noch eine weitere Sammlung zu machen…

Zum Abschluß der heutigen Folge läßt der Berichterstatter stolz den kunst­ge­schicht­lich Halbgebildeten raushängen und präsentiert eine Hommage an Caspar David Friedrich und dessen berühmte »Rückenfiguren«:

Wandererpaar beim Picknick mit Meeresblick

Beim – gänzlich uninszenierten – Festhalten derartiger Anblicke ist unsereiner immer ziemlich nervös: Die zufällig gesehene Szene kann von einer Sekunde zur anderen un­wie­der­bring­lich dahin sein, und Arrangieren läßt sich ja nix mit arglosen Akteuren, die von ihrer ad-hoc-Verwendung als motivbereichernde, wenngleich anonyme Staf­fage gar nichts wissen (sollen). Darum hurtig aus der Hüfte geschossen und gleich ein paar mal hintereinander auf den Auslöser gedrückt in der Hoffnung, dabei nicht nur Ausschuß produziert zu haben. Wenn sich sodann beim überlegten Komponieren das Motiv vor einem unversehens auflöst, hat man zumindest die Chance, beim späteren Analysieren der Ausbeute doch noch ein leidlich passables Foto vorzufinden…

Den bewußt in der Bildmitte plazierten Segler erkläre ich hiermit kurzerhand zum Cliff­hanger, um in der Leserschaft Neugier auf die nächste Folge zu schüren: Dort werde ich den weißen Viermaster seiner Eigenschaft als Projektionsfläche für archa­ische Fernweh- und Weltfluchtträume jäh berauben und ihm sozusagen die mondäne Maske vom Gesicht reißen. Bis demnächst!

 
[1] Falls jetzt hier ein Spitzfindikus mäkelnd einwerfen mag, daß man den Terminus Grandezza als Synonym für »würdevolles Benehmen« nur auf Menschen anwenden kann, so sei dem konternd erwidert, daß auch Gebäuden durchaus eine Persönlichkeit und Seele innewohnen kann.

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Sonntag, 21. September 2014

Abendspaziergang

feliner Freigänger auf dem der zonebattler'schen homezone gegenüberliegenden Haus
Dienstag, 16. September 2014

Parallelwelt

Um der spätsommerlich-heftigen Heimwegs-Hitze heute hilfreiche Abkühlung durch chillende Gänsehaut entgegenzusetzen, habe ich mir zum Feierabend eine Dosis aus dem Wagnerschen Musik-Kosmos verordnet und mir ausgewählte Auszüge aus dem »Parsifal« aural verabfolgt.

Gurnemanz:

Dem Heiltum baute er das Heiligtum.
Die seinem Dienst ihr zugesindet
auf Pfaden, die kein Sünder findet,
ihr wißt, daß nur dem Reinen
vergönnt ist, sich zu einen
den Brüdern, die zu höchsten Rettungswerken
des Grales Wunderkräfte stärken.

Da mußte ich denn doch verhalten grinsen: Die Kerle vor mir sahen teilweise eher wie staubige Brüder aus und weniger wie solche, die »zu höchsten Rettungswerken des Grales Wunderkräfte stärken«. Aber mitunter irrt man sich ja in der Beurteilung von Äußerlichkeiten…

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