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zonebattler's homezone 2.1 - Merkwürdiges aus Fürth und der Welt


Montag, 22. Juni 2015

Geisterzug

An unserem Schrebergarten fahren neuerdings seltsame Fahrzeugkolonnen dem Son­nen­un­ter­gang entgegen:

Güterzug voller Neuwagen mit weißen Schutzhauben

Weiße Laken waren zu meinen Jugendzeiten das gängige Faschingskostüm für ju­ve­ni­le Gespenster-Darsteller, und so ähnlich schauen diese »geisterhaften« Automobile in ihrer eigenartigen Uniformiertheit ebenfalls aus:

Güterzug voller Neuwagen mit weißen Schutzhauben

Die weißen Hussen dienen natürlich dem Schutz und der Schonung von Lack und An­bau­teilen dieser mutmaßlich ziemlich teuren Gefährte, aber etwas merkwürdig ist ei­nem schon zumute beim Durchrumpeln der extrem langen Züge, zumal die geladenen Autos nicht eben freundlich dreinschauen. Na ja, solange es nur quietscht und nicht »Buuuuuhuuuu« macht, soll es mir recht sein…

Freitag, 19. Juni 2015

Die Lärminsel (6)

Schon im ersten Teil meines Erinnerungs-Protokolles hatte ich ja über das Hotel Mono­pol geschwärmt und über die Aufmerksamkeit, die dort dem Gast ent­ge­gen­ge­bracht wird. Ein weiteres nettes Detail war die schriftliche Einladung zum mon­täg­li­chen Sangria-Umtrunk in der Palmenhalle, der den Rahmen bildete für eine kleine Rede des Hoteliers, in der dieser kurz die Historie des Hauses skizzierte und an­schlie­ßend »altgediente« Gäste mit Blumensträußen oder einer Flasche Wein für Ihre Treue ehrte. Den Rekord hielt ein älterer Herr aus dem großen Britannien, der tatsächlich schon zum 15. Male (!) im Monopol logierte.

Diesen Herrn sprach ich anderntags am Frühstücksbuffet an, gratulierte ihn mei­ner­seits zum unangefochtenen Stammgasttum und ließ mir von ihm meine Vermutung bestätigen, daß er nicht etwa seit 15 Jahren ununterbrochen in Puerto de la Cruz urlaubt, sondern zwei Mal im Jahr (frühlings wie herbstens) nach Teneriffa reist. Wir kamen rasch ins Plaudern, und der gebildete, aus Wales stammende Gentleman (ein pen­sio­nier­ter Geologe) erwies sich als überaus interessanter Gesprächspartner. Un­ser gemeinsames Faible für die Insel Malta sorgte für ein besonders witziges Er­leb­nis: Er zeigte mir auf seinem Tablet-Computer einen Schnappschuß vom dortigen Selmun Palace, ich zückte mein Smartphone und legte es fünf Sekunden später mit dem glei­chen Motiv auf dem Display (siehe hier, unterstes Foto) neben sein Gerät: zwei­mal die identische Perspektive, nur mit unterschiedlicher Lichtsituation (bedeckter Him­mel bei ihm, strahlende Bläue bei mir)…

Na jedenfalls hatten wir genug gemeinsame Themen für ausgedehnte Frühstücke. An meinem nun zweiten Tag mit individueller Motorisierung besprachen wir unsere je­wei­li­gen Tagespläne, und weil unser Gesprächspartner Teneriffa bestens kennt (was bei 15 Aufenthalten auf der Insel ja nun nicht weiter verwunderlich ist), haben wir ihm spontan angeboten, ihn kurzerhand mitzunehmen in Richtung Teide, wo man mit dem Bus nicht wirklich kommod hinkommt (es fährt nur einer am Tag dort hinauf, der nach stundenlanger Pause am Endpunkt der Route dann auch als einziger in der Gegenrichtung abends wieder herunterbrummelt). Selbdritt starteten wir also mit dem VW Polo in den Tag, schlängelten uns die TF-24 wieder hinauf und machten einen ersten Stopp bei der berühmten Lavarosette Piedra de la Rosa:

Piedra de la Rosa

Ist es nicht faszinierend, wie sich hier die Lava beim Abkühlen radial ausrichtet? Man könnte meinen, einen versteinerten Bohrwurm gigantischen Ausmaßes vor sich zu ha­ben…

Zurück ins Auto, zurück auf die Straße. Unser walisischer Tourenbegleiter schlug als nächstes Etappenziel das Besucherzentrum El Portillo vor, in welchem die vul­ka­ni­sche Geologie Teneriffas sehr anschaulich aufbereitet ist und multimedial präsentiert wird. Die modern gestaltete und aufwendig ausgestattete Anlage lohnt eine Visite, zumal sie selten übervölkert ist (unser kundiger Kumpan wußte zu berichten, daß die Ausflugsbusse hier mangels kommerzieller Angebote – Tinnef hier, Kaffee dort – nicht hal­ten, weil niemand da ist, der dem Reiseleiter und dem Fahrer Bakschisch zu­stecken könnte für eine abgesetzte Busladung konsumfreudiger Touristen).

Drumherum gibt es einen kleinen botanischen Garten, in dem sich zwischen den Pflan­zen auch allerlei Getier tummelt. Hier macht gerade ein ledrig-schuppiger Ka­me­rad blau:

schön gezeichnete Eidechse beim Besucherzentrum El Portillo

Wie sein von mir weiland auf La Palma abgelichteter Vetter wird der Kollege wohl der Art der Kanareneidechsen zugehörig sein. Dennoch bestehen Unterschiede, und die Bewohner La Palmas (Gallotia galloti palmae) erschienen mit in der Erinnerung als schneidiger und pfiffiger als die nahen Verwandten auf Teneriffa (Gallotia galloti galloti). [1]

Ja, hin und wieder möchte unsereiner auch ein behäbiges Reptil sein und den Tag weitgehend regungslos verdösen. War aber nicht drin, als wißbegierige Reisende weilten wir ja schließlich nicht zum Vergnügen hier! Also weiter im Text und in der Dramaturgie: Wir überspringen ein paar weitere Foto-Stopps und setzen ein mit bzw. an zu einer Wanderung rund um den Volcán de la Botija, einem kleineren Lava-Spucker westlich vom großen Teide (um den wir uns letztlich herumgedrückt haben, da wir uns weder für teuer Geld mit anderen Touristen in die Seilbahn-Gondel pfer­chen lassen wollten noch konditionsmäßig zum eigenfüßigen Aufstieg in der Lage sahen). Schon am Ausgangspunkt hatten wir einen wunderbaren Blick nach Westen auf das unter uns wabernde Wolkenmeer:

grandiose Aussicht von Montaña Samara aus

So, dann aber den Blick gen Osten gerichtet und losmarschiert. Des zonebattler’s bes­sere Hälfte und der links außerhalb des nächsten Bildes hinterherhinkende Wan­der­freund aus Wales bedienten sich dazu zweier zusätzlicher Extremitäten aus Metall, derweilen meiner einer in gebührendem Abstand hinterhertappte, um nicht allzuviel vom auf­ge­wir­bel­ten Feinstaub seiner beiden Vorgänger auf Leib und Linse gepudert zu be­kom­men:

Rundweg um den Vulkankrater

Sehen die Bäume nicht putzig und modellbahnmäßig aus? Da werden Erinnerungen an die Märklin-Bahn aus Kindertagen wach, auf der die Faller-Tannen-Bäumchen in ähn­li­chem Arrangement herumstanden und in vergleichbar künstlicher Anmutung! Ist aber dennoch alles echt hier in den Höhenlagen Teneriffas, selbst wenn der schwar­ze Aschen-Untergrund aus Vulkankotze einen ungewohnt außerirdischen Ein­druck hin­ter­läßt und die Einfassung der Pfade mit Lavabrocken genauso ausschaut wie die wei­land mit Ponal auf die Grasmatte geklebten Kalksteinsplitter…

Wenn man von hier aus auf die westliche Flanke des Teide blickt, kann man sogar in der zweiten Aprilhälfte noch ein paar kleinere Schneebretter erspähen:

Blick auf den Teide

Wie überlebt man hier in dieser wunderschönen, jedoch nachts empfindlich kalten und mittags mitunter recht heißen Wüstenei? Man spezialisiert sich: Eher un­be­weg­li­che Kreaturen wie die kanarische Kiefer »melken« die Wolken, indem sie mit ihren langen Nadeln die Feuchtigkeit aus dem Nebel auskämmen und sich damit sozusagen oberirdisch aus der Luft holen, was es unterirdisch nicht immer in ausreichender Men­ge gibt. Bewegliche Geschöpfe wie die Eidechsen sind das auch geistig und gucken gerne mal keck nach, ob die vorbeiwandernden Touristen einen Happen für sie übrig haben. Auf diese Art kam ein schuppiger Vierbeiner am Scheitelpunkt un­se­rer kleinen Vulkan-Rundwanderung zu einem Stück Reiswaffel, das ihm au­gen­schein­lich gut ge­mun­det hat. Frechheit siegt!

Nach erfolgreich absolvierter Rundwanderung waren wir allesamt einigermaßen er­schöpft und fuhren in weit ausholender Route über den Nordwesten der Insel wieder öst­lich rüber nach Puerto de la Cruz. Viel Auswahl hat man bei der an Höhenmetern reichen Topographie und den wenigen sie durchmessenden Straßen ohnehin nicht. Aber auch keine Langeweile, denn es gibt ja immer was Interessantes zu sehen.

So auch am dritten und letzten Tag mit dem Volkswagen, an welchem wir – nunmehr wieder nur zu zweit – gen Westen aufbrachen, um den gebirgigen Norwestzipfel Tene­rif­fas zu erkunden. Mit der genauen Schilderung der Route will ich die geneigte Leserschaft nicht langweilen, zumal es von der extremen Serpentinen-Kurbelei durch die Masca-Schlucht keine Fotos gibt: Erstens braucht man beide Hände (und die volle Konzentration) zum Fahren, zweitens können auch der beste Fotograf und die tollste Kamera nicht einfangen, was man dort mit allen Sinnen erlebt. Ich beschränke mich daher auf das Zeigen einiger graphisch und gestalterisch leidlich gelungener Auf­nah­men, die später an jenem Tag entstanden sind:

Detailansicht der Kirche von Santiago del Teide

Nein, das ist keine griechische Kapelle, das ist ein Detail der Kirche von Santiago del Teide, die in dem verlinkten Wikipedia-Artikel zur Gänze bewundert werden kann. Als wir nachmittags um vier dort angekommen waren, hatten wir schon etliche Auto- und einige Wander-Kilometer absolviert.

Später in Richtung Heimat weiterzuckelnd, machten wir nochmals Halt und Pause im beschaulichen Städtchen Icod de los Vinos, um der dortigen Berühmtheit, einem an die 400 Jahre alten Drachenbaum, unseren Besuch abzustatten. Ja, er ist imposant, aber nein, so wahnsinnig anders als die andernorts wachsenden Exemplare ist er nun auch wieder nicht. Mir gefielen eher die Durch- und Fernblicke, die sich beim Pas­sie­ren mancher Gassen unverhofft auftaten:

Eine Gasse in Icod

Zugegeben, die ambulante Verkabelung ist nicht unbedingt der ästhetischen Weisheit letzter Schluß, der elektrischen auch nicht, aber irgendwie gehört derlei letztlich doch zum südländischen Lokalkolorit mit dazu.

Vielleicht tendiert der Mensch als solcher ja schon faul­heits­hal­ber zur gestalterischen (Nach-)Lässigkeit, wenn die umgebende Natur in eigener Regie umso üppiger um op­ti­sche Opulenz bem­üht ist:

üppiger Mauerbewuchs

Welche Farbenpracht, was für Kontraste! So ging auch unser dritter Tag mit dem ausgeborgten Vehikel gut gelaunt zu Ende. Das Fahrzeug ward ohne große For­ma­li­tä­ten wieder abgegeben, man ist verblüfft ob der hemdsärmeligen Art, mit dem derlei dort erledigt wird: Ein argwöhnischer Teutonen-Dienstleister hätte zumindest den Tankfüllstand kontrolliert und die Karre auf offensichtlich Beschädigungen unter­sucht; in Spanien sieht man das entspannter und scheint trotzdem nicht schlecht damit zu fahren. [2]

Wir waren nunmehr also wieder unbereift und tappten ausrüstungsbehängt zurück zum Hotel. Der Urlaub näherte sich seinem Ende. In der siebten und letzten Folge lasse ich es in einer Woche aber noch einmal so richtig krachen auf der »Lärminsel«!

 
[1] An dieser Stelle muß ich bestürzt einräumen, was lange schon als unbequemer Verdacht in mir herumgeisterte: Meine Urlaubsfotos der letzten Jahre sind sich oftmals zum Verwechseln ähnlich! Zumindest könnte ich problemlos ein Memory-Spiel damit bebildern: Hier ein Paar blauhalsiger Eidechsen (La Palma dort, Teneriffa da), ein Paar Palmen, zwei Kärtchen mit Fischerbooten aus Malta und Mallorca, und, und, und. Ich sollte wirklich zwischen den Insel-Urlauben mal eine gänzlich anders ge­ar­te­te Destination ansteuern, um wieder auf andere Gedanken (und zu neuen Motiven) zu kommen…

[2] Wer wie wir gerne wandert, dem sei unsere praxisbewährte Vorgehensweise zur Nachahmung empfohlen: Man buche im Vorfeld nur Flug, Hotel und Transfer. Die Start- und Zielpunkte vieler Wanderungen sind mit dem Bus schnell und preiswert zu erreichen, man braucht dafür kein eigenes Fahreug. Für ausgedehnte Insel-Touren oder zum Erreichen entlegener Orte kann man sich für ein paar Tage problemlos kurzfristig vor Ort einen Mietwagen nehmen und sich dabei auch nach dem Wetter richten. Würde man schon von daheim aus ein Auto bestellen, ist man terminlich schon festgelegt und kommt vermutlich kaum günstiger weg!

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Sonntag, 14. Juni 2015

»Die Zeit ist kaputt«

So sprach einst Hans Albers als Baron Münchhausen im grandiosen UfA-Jubiläums­film von 1943, und es muß im Nachhinein Wunders nehmen, daß im späten Nazi­reich ein so anspielungsreicher Satz unbeanstandet durch die Zensur kam. Seit ein paar Tagen ist auch in Fürth die Zeit kaputt, jedenfalls für mich, der ich werktags außer Sa (nicht 24.12., 31.12.) des Morgens zum Hauptbahnhof haste und beizeiten nach der großen Uhr im südseitigen Giebel des Empfangsgebäudes schiele, um zu sehen, ob ich noch einen Zahn zulegen muß, um meinen Zug zuverlässig zu erreichen:

ausgeweidete Bahnhofsuhr in Fürth (Bay) Hbf

Es gibt aber neuerdings nichts mehr zu sehen, zumindest keine Uhrzeit mehr. So einen dreisten »Zeitdiebstahl« habe ich zwar schon vor zwei Jahren in der Zitadelle von Victoria auf der Insel Gozo bemerkt, aber da war immerhin noch das Zifferblatt vorhanden und nur die Zeiger verschwunden. Hier in der Heimat schmückt jetzt nur noch ein nebulöses Rund die Fassade:

ausgeweidete Bahnhofsuhr in Fürth (Bay) Hbf

O tempora, o mores! Was soll das werden? Hat DB Station&Service den maroden Me­ch­a­nis­mus zu Reparatur- und Wartungszwecken ausbauen lassen, auf daß uns in Kür­ze wieder zuverlässig Stunde und Minute gewiesen werden können? Oder hat man die kaputte Uhr verschrottet, weil man lieber gar keine Zeit anzeigt als eine falsche? Rückbau also als kostengünstige Problemlösung? Wäre einerseits verständlich in Zeiten, wo fast jede(r) ein Smartphone mit präziser Zeitanzeige in Händen hält, ande­rer­seits aber ein trauriges Symbol für die allenthalben erodierende Infrastruktur.

Und es wäre nicht des erste Mal: Sowas kennen wir leider bereits in Sachen elektro­nische Abfahrtstafel, deren süd­städti­sche Ausgabe auch erst kaputt, dann repariert, dann erneut defekt und schließlich ersatzlos verschwunden war. Bleibt zu hoffen, daß die DB die Zeichen der Zeit (und die Wichtigkeit dieser elementaren Dienstleistung) er­kennt und uns Südstädtern bald wieder mitteilt, was die Stunde geschlagen hat…

Freitag, 12. Juni 2015

Die Lärminsel (5)

Ein neuer Morgen, eine neue Buslinie: Noch einmal wollten wir einen Tagesausflug eher bedächtig angehen und uns noch nicht wieder an die Grenzen der infektbedingt schwäch­eln­den eigenen Kondition herantasten. La Orotava hieß das Ziel der Wahl, welches von diversen Freunden und Bekannten uns als herrlicher Sehnsuchtsort ge­schil­dert worden war. Also ab in den Bus und kurvenreich den Hang hinter Puerto de la Cruz hinaufgetuckert…

Und es ist ja wahr: Hat man sich von der prosaischen Busstation erst einmal in den historischen Stadtkern durchgehangelt, findet man ein weitgehend intaktes Altstadt-Ensemble von hoher architektonischer Qualität vor. Der Blick streift über Dächer, Bal­ko­ne, Türmchen und Innenhöfe, die eine ruhige Würde und eine angenehm de­zen­te Unaufgeregtheit ausstrahlen. Doch, hier kann man es aushalten!

Über den Dächern von La Orotava

Stundenlang haben wir die Gassen und Sträßchen kreuz und quer und rauf und runter bestreift, haben Kirchen und Parkanlagen besichtigt, Mühlenrelikte und Innenhöfe inspiziert, da die Nase an die Scheibe gepreßt und dort den Blick durch ein Gittertor genossen. All das läßt sich in der Rückschau (auch gefühls- und geruchmäßig) genau rekonstruieren, wenn ich meine per Vorratsdatenspeicher gesammelten GPS-Tracks in Google Earth lade und aus der Vogelperspektive den Streifzug nachvollziehe.

Hier präsentierte sich ein besonders schönes Exemplar einer traditionell verzierten Fas­sade, mit sorgfältig gepflegtem Blumenschmuck an den hölzernen Balkonen (die frei­lich ihrer­seits etwas konservierende Zuwendung vertragen könnten):

Die Casa de Los Balcones

Der Ausschnitt zeigt die Casa de Los Balcones, eine der bekannteren Se­hens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Das Haus an sich ist auch durchaus sehens- und bewundernswert, die im Erdgeschoß angebotenen Mitbringsel der Kategorie »traditionelles Handwerk« vermögen indes primär hochbetagte Gäste zu begeistern und von ihrem Geld zu tren­nen. Der noch nicht ganz in diese Altersklasse fallende zonebattler freute sich da­ge­gen über das ebenso ballaststofffreie wie kostenlose WLAN in angenehm schattiger Nische…

Hinter dem nicht minder eindrucksvollen Liceo de Taoro hat meiner einer nicht nur zu seiner großen Erleichterung eine sehr ordentliche Stoffwechselstube gefunden, son­dern auch badende Bäumchen, sozusagen ein Naturschauspiel der ungewöhnlichen Art:

zweckentfremdete Badewanne hinter dem Liceo de Taoro

Ein Foto wie dieses ist schon genug künstlerischer Ertrag für einen ganzen Urlaub, wie ich finde. Da gab und galt es nix zu inszenieren, nur draufzuhalten und ab­zu­drücken. In einem kleinen Ex­kurs sei hier mal darüber reflektiert, wie meine Urlaube diesbezüglich vor einem Vierteljahrhundert – in einem früheren Leben – so abliefen: 10-15 Döschen mit Dia-Filmen drin möglichst an den Röntgengeräten der Flughafen-Security vorbeigeschleust, der hohen Kosten von ca. 50 Pfennigen pro Auslösung we­gen eher weniger experimentiert, Mehrfachversuche zur Erfassung der besten Per­spek­tive oder des schönsten Momentes nur in Ausnahmefällen unternommen, her­nach zu Hause tagelang auf das Entwickeln gewartet und dann wochenlang geschnippelt, gerahmt und in Magazine einsortiert. Danach ein bis zwei­mal angeschaut und später nimmermehr. Wobei ich dennoch (oder gerade deswegen) derzeit dabei bin, die analogen Erinnerungen (sprich: die Dias) zu digitalisieren, denn am Monitor, auf dem Smartphone-Display oder via Tablet schaut man sich halt doch eher alte Elaborate an, wohingegen man Projektor und Leinwand schon aus Gründen der Faulheit eher selten herauskramt und aufbaut… Heute leiste ich mir folgekostenlos weit mehr Versuche und komme nicht mit mit 300 Fotos heim, son­dern mit der vierfachen Menge (von denen hinterher freilich 2/3 wieder der [Entf]-Taste zum Opfer fallen). Unter dem Strich bin trotz der gestiegenen Versuchung zur Nachlässigkeit wohl dennoch ein besserer Knipser geworden, die Übung macht’s…

Aber genug der Abschweifung, wir sind ja hier in einer Reise-Reportage und weder in einem Fotokurs noch in einem Bildbearbeitungs-Seminar. Am nächsten Morgen fühlten wir uns beide wieder fit genug für größere Unternehmungen und nahmen uns für drei Tage einen Leihwagen, um unseren Aktionsradius zu erweitern und dahin zu fahren, wo die dicken Busse selten oder gar nie hinkommen. [1] Wir zuckelten auf kleinen Straßen (und mitunter dank desorientierter elektrischer Lady in der smart­pho­ni­schen Navi-App über Stock und Stein) in das wunderbare Anaga-Gebirge im Nord­osten der Insel. Grandiose Perspektiven taten sich dort auf:

Im Anaga-Gebirge

Der helle Streifen zwischen den dunklen Bergen unten und den düsteren Wolken oben ist übrigens das Meer… In jenem Gebirge ist es gerne neblig und feucht, weswegen es dort üppige Lorbeerwälder gibt. Dieser Abwechslungsreichtum macht den großen Reiz Teneriffas aus: Zwischen heißer Wüste und feuchtkaltem Dschungel liegen ja re­gel­mäßig nur ein paar Dutzend Kilometer!

Wir kurvten hakenschlagend bis zu einem Weiler namens Chamorga, da hört die Welt zumindest für die Automobilisten auf. Auf Schusters Rappen ging es dann weiter bis (fast) zum Roque Bermejo am Nordostzipfel Teneriffas. Erst läuft man noch über ein paar wegen Unterspülung und Hangrutschen nicht mehr befahrbare Betonstreifen, dann geht es nur noch über Trampelpfade weiter durch die üppige Vegetation:

Auf dem Weg zum Roque Bermejo

Südlich und unterhalb des Leuchtturmes Faro de Anaga machten wir dann erstens Rast und zweitens kehrt: Der weitere Abstieg bis zum unter uns schwappenden Atlantik hätte bestimmt weitere 45 Minuten (pro Richtung!) gedauert und unsere Kräfte allzusehr beansprucht: Die brauchten wir ja noch für den weiten Rückweg bis zum in Chamorga abgestellten Wagen. Die Entscheidung erwies sich als richtig: Als wir schließlich wieder an unserem Volkswagen angelangt waren, waren wir ei­ni­ger­maßen groggy. Aber auch glücklich über das Gesehene und Geleistete! Lästigen Lärm gab es an dieser entlegenen Ecke des besiedelten Landes übrigens durchaus auch, und zwar in Form von Hunden, die ihr Revier schon auf Distanz bellend zu verteidigen trachteten. Tja, »Lärminsel« kommt wirklich nicht von ungefähr!

Der Tag war noch längst nicht verstrichen, und wir wollten ja den fahrbaren Un­ter­satz bestmöglich ausnutzen. Also erstmal wieder zurück auf der Berge Rücken bis nach El Bailadero, dort die uns schon bekannte Route gen Süden verlassen und in San Andrés Station gemacht. Von da aus an der Küste entlang nach Santa Cruz hi­nein­gefahren. Von dort aus wollten wir uns zur berühmten Panorama-Straße TF-24 zum Teide hochschlängeln. Zu diesem Zwecke gab ich als Zwischenziel das Städtchen La Esperanza ins Smartphone-Navi meiner besseren Hälfte ein und ließ mich einmal mehr von der elektrischen Tante (ver)führen. Die erwies sich einmal mehr als gna­den­los zielstrebig und abkürzungsfixiert und ließ mich über Feldwege und Geröll­pisten rangieren, deren Anblick jeden Autoverleiher furchige Falten (oder faltige Furchen?) auf die Stirn getrieben hätte. Letztlich ging alles gut und glatt, und ich kann mir al­tem Sonntagsfahrer noch einiges an fahrerischem Können und einem neuzeitlichen VW Polo recht respektable Geländewagen-Qualitäten attestieren…

Schließlich erreichten wir doch noch die TF-24 (der getreulich mitgetrackerte Kurs nimmt sich auf Google Earth gar nicht so verwegen aus wie er sich unten auf der realen Erde anfühlte) und fuhren zügig (und mit richtigem Asphalt unter den Reifen) nach Südwesten in Richtung des majestätischen Vulkans. Dabei kamen wir von unten in die Wolken, und das ist nun wirklich eine ganz besondere Erfahrung:

In wolkengetränkten Wäldern

Windig ist es da und atmosphärisch einigermaßen gruselig, ziemlich feucht natürlich sowieso. Darum also nach dem Knipsen gleich wieder ins Auto gehechtet und weiter gefahren, immer weiter, immer höher durch kilometerlang sich hinziehende Wälder.

Irgendwann kommt man ebenso unvermittelt oben aus der Wolkendecke heraus, wie man unten in sie hineingefahren ist. Und da steht er dann in seiner vollen Pracht, der höchste Berg in spanisch bewirtschafteten Landen: El Teide !

Blick auf den Teide

Die grandiose Szenerie ist mit fotografischen Mitteln natürlich nicht annähernd ein­zu­fan­gen: Der strahlend blaue Himmel, die schneeweiße Wolkenschicht, die frische, klare Luft, der sanft über die Haut streichende Wind, die weitgehende Abwesenheit anderer Menschen, all das macht den Aufenthalt an so einem Aussichtspunkt zu einem sehr intensiven Erlebnis. Als etwas störend empfand ich die – auf dem klein­ge­rech­ne­ten Foto gnädigerweise nicht mehr erkennbare – Seilbahn an der linken Flanke des Vulkankegels: Dem Giganten dermaßen auf die Pelle zu rücken erschien mir als irgendwie entwürdigende Anmaßung. Na ja, der moderne Mensch neigt gemeinhin ohnehin nicht zur Demut. Der Teide wird sich schon mit heißem Atem zu wehren wissen, wenn’s ihm zuviel wird…

Als Verheißungsort besonderer Güte kam mir diese futuristische »Sternen-Stadt« vor, die nachgerade aussieht wie ein typisches Science-Fiction-Roman-Cover aus den 1970er Jahren: Erhabenheit, Aufbruchstimmung, Erforschung des Unbekannten, das alles und mehr irrlichterte durch des zonebattler’s Synapsen, als er der Ob­ser­va­to­ri­en gewahr wurde. Die sind da oben dem Himmel so nah wie möglich und erfreuen sich dank geringer Luft- und Lichtverschmutzung bester Aussicht ins All. Großartig!

Observatorien in der Nachbarschaft des Teide

Sowohl die Kuppeln der Sterngucker als auch die unten wabernden Wolken waren uns schon in ähnlicher Form und Anmutung vor fünf Jahren auf La Palma unter die Augen (und vor die Linse) gekommen. Ich muß gestehen, daß ich seinerzeit nicht nur be­gei­stert, sondern nachgerade überwältigt war. Aber in der Wiederholung nutzt sich halt doch alles ein wenig ab…

Gleich nach den Observatorien ließen wir dann den Teide vorerst links liegen und bogen nach rechts auf die TF-24 ab, die Sonne stand ja schon tief, es war inzwischen Abend geworden und der zonebattler des Fahrens müde. Und obwohl es Luftlinie gar nicht so weit bis nach Hause war, ging es natürlich zicke-zacke kurvenreich und entsprechend langsam bergab. Bis wir endlich im Hotel anlangten, war es schon fast duster. Ein erfüllter Tag lag hinter, zwei weitere mit selbstgesteuertem Gefährt noch vor uns. In der nächsten Folge fahren wir die TF-24 wieder hoch und machen seiner Majestät dem großen Vulkan und seinem Hofstaat drumherum endlich unsere Auf­war­tung.

 
[1] 60 EUR kostete der Spaß in Form eines VW Polo (zzgl. Sprit in der verfahrenen Menge), da kann man nicht maulen. Wie immer war die Bedienung ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, des Autors eigene Rennsemmel hat ja insgesamt weniger Moleküle als so ein modernes Auto Schalter und Lichter. Überdies wähne ich mein eigenes Volant und die Pedale nach dem Urlaub als schwergängig oder eingerostet, weil es meinem Vehikel an neuzeitlichen Assistenzsystemen mangelt, aber der Mensch ist ja flexibel und kann sich an fast alles adaptieren (meiner einer sogar in der Richtung vom Luxus zum Spar­ta­ni­schen)…

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Donnerstag, 11. Juni 2015

Dornenkrone

blühende Distel an des zonebattler's Schrebergarten
Freitag, 5. Juni 2015

Die Lärminsel (4)

Nachdem wir von Freunden schon im Vorfeld unserer Reise über das gut funk­tio­nie­ren­de Busnetz auf Teneriffa informiert worden waren, hatten wir uns vor­ge­nom­men, den überwiegenden Teil des Urlaubs ohne eigenen Mietwagen zu verbringen und uns von öffentlichen Verkehrsmitteln herumkutschieren zu lassen. Das klappte auch ganz gut, und unsere erste Fahrt im dröhnenden und vibrierenden Diesel-Bus brachte uns zum Nordostzipfel der Insel, in deren Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife.

Unweit des dortigen Busbahnhofes gibt es ein spektakuläres Stück moderner Ar­chi­tek­tur zu besichtigen, die Konzerthalle Auditorio de Tenerife:

Das Auditorio de Tenerife

Das verwegen gestaltete Gebäude ist gerade mal ein Dutzend Jahre in Betrieb, da zeigen sich schon die ersten Schäden in der Außenhülle: Feine Mosaiksteinchen fallen ab, Wasser sucht sich seinen Weg, Stahlarmierungen beginnen zu rosten. Wie schein­bar überall in spanischen Gefilden scheinen Instandhaltung und präventive Pflege unbekannte Fremdwörter zu sein, man klotzt was hin und ranzt es runter, schließlich reißt man es ab und baut was Neues hin (oder auch nicht). Alles nicht sehr nachhaltig und ressourcenschonend, aber konsequent nach dem (vormals ostzonalen) Motto: »Wir bauen auf und reißen nieder, so haben wir Arbeit, immer wieder«. Andere machen’s freilich auch nicht besser, den gleichen Spruch habe ich ja schon über Malta vom Stapel gelassen… Innen im Foyer des verwegen geschwungenen Musen­tem­pels ist es unglaublich laut, das Geplapper und Geklacker der Besucher potenziert sich in dem Schall­trich­ter aus Beton zu einer lärmenden Symphonie. Aber wenigstens konn­te ich dort drinnen diverse nette Damenbeine einfangen… [1]

Laut und quirlig ging es auch in der belebten Innenstadt von Santa Cruz zu, wiewohl es ein »ruhiger« Sonntag war und die meisten Geschäfte geschlossen hatten. Aber die Spanier feiern ja recht gerne und Anlässe dazu finden sich rund ums Jahr und immer wieder. Uns steht ja auch hin und wieder der Sinn nach Geselligkeit, aber im Urlaub suchen wir doch eher das Ruhige und Erhabene. [2] Darum sind wir tags drauf ins nahe­ge­le­ge­ne Orotava-Tal getuckert und haben dort eine Höhenwanderung unter­nom­men, die uns tatsächlich in ganz unerwartete Höhen führte:

Blick auf den Teide

Wir verpaßten aufgrund ungenügender Wegbeschreibung im Reiseführer den vor­ge­se­he­nen (aber wegen frischen Erdrutsches gesperrten Abzweig) und stiegen höher und höher, ohne zu bemerken, daß wir schon längst über den angepeilten »Höhenweg« auf­ge­stie­gen waren. Tatsächlich »machten« wir knapp 1000 Meter in der Vertikalen und kamen letztlich bei der Straße durch den Teide-Nationalpark heraus, wodurch wir unseres schweißtreibenden Irrtums endlich gewahr wurden. Immerhin konnten wir beim Abstieg drei weiteren deutschen Paaren, die mit dem gleichen Wanderführer ei­nes renommierten Erlanger Verlages bewaffnet waren, ein ähnliches Schicksal er­spa­ren…

Immerhin war die Anstrengung nicht vergebens, wir wurden mit Sonnenschein und wunderbarer Fernsicht belohnt. An den Folgetagen waren Wälder und Wipfel wolken- und nebelverhangen, und auch der Teide war nicht auszumachen. Schon am nächsten Morgen – wir waren bei warmer Witterung kurzbehost und -beärmelt mit dem Bus nach La Laguna aufgebrochen – tappten wir stundenlang leicht bibbernd durch die hi­sto­ri­sche (und regennasse) Innenstadt und beneideten jene, die mit passenderer Klei­dung und Ausrüstung unterwegs waren:

Drei gut beschirmte Damen in La Laguna

Na ja, wir hangelten uns im Nieselregen von Dach zu Dach, Unterstand zu Unterstand, Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und beschlossen den Halbtag mit Kaffee, Kuchen und Knservierungsstoffen. Kann man mal machen. So richtig grandios fanden wir es dort nicht, aber das war vielleicht der Erwartungshaltung einerseits und dem unverhofft naßkühlen Wetter andererseits geschuldet…

Tags drauf kam die unverhoffte, große Zäsur: Während der zonebattler die Reise zwar angekränkelt, aber immerhin schon auf dem Wege der Besserung angetreten hatte, war seine bessere Hälfte gesund in den Flieger gestiegen, hatte sich aber von bazillen-befallenen Mitreisenden die Krätze eingefangen und mußte des Abends mit im bedrohlichem Tempo ansteigenden Fieber zu einem »Centro Medico« verbracht werden. Ist auch eine interessante Urlaubserfahrung, wenn eine resolute Doctora, die des Deutschen nicht mächtig ist, nur ihre dolmetschende Sprechstundenhilfe an­schaut und nicht die vor ihr stehende Patientin. Immerhin waren die Wartezeiten kurz und die Antibiotika billig zu haben. Muß sich trotzdem nicht so bald wie­der­ho­len…

Vier Tage Bettruhe für die Gefährtin bedeuteten vier Tage freien Herumlungerns für den Berichterstatter, der sich nur zu gerne nun selbst etwas schonte und mit der Kamera bewaffnet in der näheren Umgebung des Hotels herumstrich.

Fassadenkunst in Puerto de la Cruz

Die Innenstadt von Puerto de la Cruz ist zwar in wenigen Gehminuten durchmessen, aber man findet doch recht interessante und auch abwechslungsreiche Ecken und Ansichten, die aufznehmen sich lohnt. Leider war ich aber doch recht träge und nicht so recht motiviert, mich auf fotografische Pirsch zu begeben. Darum habe ich nur den einen oder anderen Schnappschuß gemacht und mich nicht weiter angestrengt.

Manche Motive indes sind so augenfällig, daß man sie auch reflexhaft und ohne große Mühen einfangen kann. Wie z.B. dieses Exempel von genrehafter Street Photography:

Straßenszene am Vormittag

Zugegeben, der alte Herr mit Rollator war recht langsam unterwegs, da konnte ich mir mit dem Komponieren des Bildes Zeit lassen. Überhaupt schien die gemächliche Unaufgeregtheit unseres Urlaubsortes auf mich abzufärben, und ich weiß bis heute nicht, ob es wirklich an der Atmosphäre lag oder an meinem nur langsam ab­flau­en­den grippalen Infekt, an dem ich ja schon seit längerem laborierte.

Egal, warum auch immer ich etwas langsamer reagierte als sonst, solange die Motive vor mir sich noch weniger bewegen und mir nicht davonlaufen, kriege ich sich immer noch problemlos eingefangen, wie zum Exempel diesen Angler, der auf der Kaimauer sitzend sein Glück versuchte:

Mann mit Hut, sitzend und angelnd

Die Passion des Angelns gehört zugegebenermaßen zu jenen finsteren Lei­den­schaf­ten, deren Reiz und Mirakel sich mir zeitlebens nicht erschließen werden, und das hat nicht nur damit zu tun, daß unsereiner kein großer Fischesser ist. Na ja, jedem das Seine, und solange der schweigsame Rutenschwinger seinem Hobby nachgeht, ist er wenigstens weg von der Straße und kommt nicht auf noch dümmere Gedanken…

Jetzt aber hurtig etliche Stunden vorgespult und die weitgehend ereignisfreien Re­kon­va­les­zenz-Tage der besseren Hälfte übersprungen. Nach leidlicher Genesung (meiner einer war dann selbst aller importierten Schnupfen-Reste ledig) fingen wir wieder an mit der Erforschung unserer Umwelt. Ein Bus brachte uns in küstennah mä­an­drie­ren­der Fahrt ins westlich gelegene Garachico.

eingerahmter Meeresblick in Garachico

Ein befreundetes Galeristen-Ehepaar hatte dort wenige Wochen zuvor den eigenen Urlaub verbracht und war des Lobes voll über diesen beschaulichen Ort. Wir selbst glauben, seine (durchaus vorhandenen) Reize in den paar Stunden unseres Aufent­hal­tes weitgehend vollständig wahrgenommen und gewürdigt zu haben. Ja, es ist nett dort, aber nein, wenn man nicht gerade Kunstmaler ist oder in Ruhe seinen neuen Roman fertigstellen möchte, ist man dort nicht unbedingt am rechten Platze.

Sehr lebhaft vom Tag in Garachico in Erinnerung geblieben ist mir aber erstens die Begegnung mit einem jungen Hundchen (welches sich nur zu gerne kraulen und necken ließ und davon schier außer sich geriet vor purer Lebensfreude), sowie die mit einer Strelitzie, welche sich naturgemäß weniger spielfreudig und be­gei­ste­rungs­fähig zeigte, sich dafür aber in wunderbar leuchtenden Farben präsentierte:

prächtige Strelitzie

Tatsächlich sind dem zonebattler auf Teneriffa dermaßen viele dieser Pa­ra­dies­vo­gel­blu­men unter die Augen gekommen, daß er einen vage erwogenen Urlaub auf der »Blu­men­in­sel« Madeira nunmehr zu verwerfen bereit ist und damit auch um etliche nur äußerst schweißtreibend zu bewältigende Höhenmeter elegant herumkäme…

Soviel für heute. In einer Woche geht es weiter.

 
[1] Gegen Ende des Urlaubs sind ganz in der Nähe zwei Grazien vor der Nase meines Mietwagens über die Kreuzung gestakst, beide mit knallengen Jeans und leuchtend roten Pumps von schwindelerregender Absatzhöhe angetan. Das wäre ein Foto ge­we­sen! Aber was will man machen, wenn die Ampel kurz vor dem Umspringen ist, beide Hände am Lenkrad liegen und die Kamera irgendwo auf dem Rücksitz liegt? Die fahr­läs­si­ge Unvorbereitetseiung verfluchen!

[2] Wir halten es da eher mit Johann Nestroy (oder war es doch Karl Valentin?), der die Menschen liebte, aber die Leute nicht mochte und daher mied…

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Dienstag, 2. Juni 2015

Malerisches Intermezzo (2)

Was neulich erst formidabel funktioniert hat mit meinen Malta-Mitbringseln, klappt tatsächlich nicht minder grusig eindrucksvoll mit aus meinen unlängst gezeigten Paris-Fotos hergeleiteten Aquarell-Attrappen: Kaum hat man die Lichtbilder oben in den Trichter des Dynamic Auto Painters gestopft und zügig an der Kurbel gedreht, kommt unten kühne Kaufhaus-Kunst heraus, neben der der »röhrende Hirsch« oder die »rassige Zigeunerin« aus den 1960er bis 1970er Jahren vor Neid (v)erblassen wür­den, und sei deren Ölfarbe auch noch so echt und manuell aufgetragen:

Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden
 
Pariser Plattitüden

Mit derlei bunten Bildern kann man sich ja eine Zeit lang elegant über die eigene Schreib­faul­heit hinüberretten, aber ich gelobe feierlich, es damit nicht zu über­trei­ben. Schon deshalb nicht, weil ich gar nicht so viele Fotos in meinem Archiv wähne, die sich zu dieser Art der pseudokünstlerischen Verwurstung eignen…

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Freitag, 29. Mai 2015

Die Lärminsel (3)

Also gut, genug gerastet, laufen wir weiter der Küste entlang in Richtung Westen. Immer wieder erstaunlich finde ich den üppigen Wuchs der Palmen, derer es auf den ka­na­ri­schen Inseln zuhauf gibt. Mitunter wird man ja Zeuge, wie muntere Männer mit Macheten den Höhenwuchs der Bäume befördern, indem sie die jeweils unteren Blät­ter ab­hacken. Manchmal sieht man verwahrloste Exemplare (von Palmen, nicht von Män­nern), deren wegstehende Teile vertrocknet und verschrumpelt sind, zu­wei­len aber trifft man in freier Wildbahn auf prächtige Gewächse, bei denen man sich verblüfft fragt, ob deren regelmäßiger Wuchs wirklich ohne jegliches Dazutun klin­gen­schwin­gen­der Baumbehauer zustande kam:

Zwei himmelwärts strebende Palmen

Vermutlich gibt es verschiedene Spezies mit unterschiedlichem Gebaren, unsereins ist da nicht kompetent und schon froh, wenn er in der heimischen Flora Löwenzahn und Gänseblümchen zuverlässig und reproduzierbar auseinanderhalten kann…

Doch wenden wir im Weitergehen den himmelwärts gerichteten Blick wieder auf den Boden und schauen wir dem Spiel der Wellen resp. der Gischt zu, die hier an at­lan­ti­schen Gestaden doch mit einigem Wuppdich die Küste modelliert:

Spannender als jedes Fernsehprogramm: Die Trennlinie zwischen Meer und Land

Das Geräusch habe ich heute noch in den Ohren, auch seinetwegen habe ich das Eiland als »Lärminsel« tituliert: Die Wellen rollen nicht nur heran, sie rollen auch die längst davon rundgeschliffenen Lava-Steine hin und her und auf und nieder, was mit einiger Geräuschentwicklung einhergeht. Ein durchaus nicht unangenehmes oder gar bedrohlich wirkendes Rumpeln, aber eben eines von erstaunlicher Lautstärke. Einmal mehr wird einem bewußt, daß man hier am »richtigen« Meer steht und nicht an einem größeren See…

Vom Rauschen berauscht (das einem nach ausgiebigem Genuß noch lange weiter in der Birne herum herummäandert, selbst wenn man sich schon wieder ein Stück weit von der Wasserkante entfernt hat), hat der Knipser gleich wieder eine elementare Grenze diagonal ins Bild gesetzt, diesmal nicht die zwischen Wasser und Land, sondern eine zwischen Himmel und Haus:

markant gestrichenes Haus

Ich schrieb ja schon neulich, daß die Spanier einen Hang zu knalligen Farben haben, vermutlich, weil sie dem intensiven Blau des Himmels, dem satten Grün der Ve­ge­ta­tion und der Schwärze der erstarrten Lava Paroli bieten und einen Kontrapunkt entgegensetzen wollen. Egal, mitunter paßt es ja wirklich stimmig oder kom­ple­men­tär­kon­tra­stig zusammen und liefert aufhebenswerte Ansichten.

Der Rest der Wanderung bot weniger Bewahrenswertes, auch deshalb, weil wir mit einem anderen alemannischen Paar ins Gespräch kamen und von ihm einen Gutteil des Rückwegs im (Miet-)Wagen mitgenommen wurden. Schwupps, waren wir wieder daheim und ein im Wortsinne eindrucksvoller Tag im Wesentlichen gelaufen…

Anderntags machten wir uns in die entgegengesetzte Rich­tung auf, also gen Osten in Richtung Santa Ursula. Dafür muß man bereits innerorts etliche Höhenmeter er­klim­men, genießt dafür aber einen wunderbaren Panoramablick auf des Meeres schier un­end­liche Weite. Wenn man nicht gerade ins Wisch-o-fon guckt, dessen eher winzige Glas­scheibe gleichwohl einen Blick in ein noch viel größeres, wenn auch virtuelles Universum er­mög­licht:

Smartphone-Surferin mit Meeresblick

Ja, so ist das heutzutage, das virtuelle Netzwerk lockt immer und überall, und auch der zonebattler ist dagegen nicht völlig immun, wenngleich er sich in der Regel zu beherrschen weiß, namentlich dann, wenn das analoge Umfeld nicht minder span­nend und reich an Sinnesreizen ist.

Ob nun die peripher gelegenen Hotelburgen von Puerto Santa Cruz sonderlich reizvoll sind, sei mal dahingestellt. Hier sollen sie gleichwohl nach stundenlangem Marsch im Rückblick dokumentiert werden, auf die Ferne kann man sie ja doch einigermaßen ertragen, zumal bei schmeichelhafter Beleuchtung:

Blick zurück auf Puerto de la Cruz

Man ahnt beim Anblick der zackigen Gestade, daß man sich beim Herumkraxeln in der scharfkantigen Ergußmasse vorsehen muß: Die erstarrte Lava schlitzt einem ungerührt Hose und Haut auf, wenn man nicht umsichtig (und unablässig) auf Tritt­sicher­heit bedacht ist. Aber genau das ist es ja, was den gemeinen Schreib­tisch­täter im Urlaub herausfordert…

Hin und wieder gibt es zwischen all dem vulkanischen Gerölle und Gewölle dann doch wieder feinsandige Abschnitte, die zum Bade laden. Die aber sind offenkundig nur den Einheimischen bekannt, die den nur zu Fuß errreichbaren, schwarzen Strand da­her nur selten mit Fremdlingen teilen müssen:

Erholungssuchende an einsamen Strande

Die streckenweise doch recht herausfordernde Küstenwanderung nach Osten brachte uns bis zu einer einst sehr luxuriösen, mittlerweile jedoch aufgegebenen Finca unter­halb von La Puntilla, die wir ebenso neugierig wie minimal invasiv inspizierten. Vor­zeig­ba­re Bilder davon gibt es nicht, man muß ja auch nicht alles knipsen, zumal unsereinem die damaligen Eindrücke noch Jahre später wieder aus den hintersten Sy­nap­sen hervorsteigen, wenn man den automatisch mitgetrackerten Wanderweg noch­mals auf dem virtuellen Google-Globus nachvollzieht.

Die Kamera gezückt habe ich erst wieder Stunden später, als wir rückwärts eine etwas andere Route nahmen und unterhalb der großen Hotels wieder in Puerto de la Cruz einliefen:

Hotelfassade mit eingerückten Mini-Balkons

Eine einzige ältere Dame stand recht verloren auf einem der gezeigten Mini-Balkone herum und schaute sinnierend aufs Meer hinaus. Die perfekte Visualisierung der Ein­sam­keit des Individuums inmitten namenloser Massen! Ich zeige hier trotzdem ein anderes Foto ohne menschlichen Besatz vor, ich kann und will ja nicht un­er­laub­ter­weise identifizierbare Personen ins virtuelle Rampenlicht zerren…

Als moralisch wie juristisch unproblematisch erweisen sich ja Rückenfiguren, die ich bei entsprechendem Pegelstand meiner eigenen Hybris zuweilen als Hommage an Caspar David Friedrich zu verkaufen pflege:

Zwei Männer in Betrachtung der Küstenlandschaft

Ja, da gucken sie etwas ratlos über den Zaun, die beiden Herren, derweilen die da­zu­ge­hö­ri­gen Damen mutmaßlich durch die umgebenden Boutiquen mit ver­jün­gen­den Klamottagen und/oder durch die Shops mit schönen Nutzloserabilien streifen, um die Koffer voll und die Urlaubskasse leer zu kriegen. Anderntags stehen andere da und das Spiel perpetuiert sich, bis der tief drunten noch rumorende Vulkan zu rülpsen ge­ruht und das Inselleben resettet. Bis dahin kann es aber noch eine ziemliche Weile dau­ern, mit einiger Wahrscheinlichkeit länger als bis zum Erscheinen der nächsten Folge!

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Dienstag, 26. Mai 2015

Malerisches Intermezzo (1)

Mitten in meiner diesjährigen Reiseberichterstattung (die ich gerade mal zu 2/7 fertiggestellt habe), verliere ich mich im Blättern durch die visuellen Erträge früherer Expeditionen. Noch sind die Eindrücke von Teneriffa frisch, aber irgendwie habe ich gerade Sehnsucht nach Malta! Hier ein paar Impressionen aus dem Jahr 2012:

Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta
 
Memories of Malta

Ja, doch, die Bilder sind von mir. Aber nein, der zonebattler kann mit Pinsel und Aquarellfarben nicht wirklich umgehen. Ich habe ein paar einer Urlaubs-Schnapp­schüs­se von einem schon vor Jahren vorgestellten Malermeister verfremden las­sen. Nein, das ist keine Kunst, und ja, es ist Kitsch, aber ein schöner solcher und mir als »Betthupferl« heute gerade recht. Hat was von Bob Ross. Schade, daß das Pro­gramm nicht wie jener beim Malen vor sich hinbrabbelt. Wäre vielleicht ein Feature für die nächste Version?

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Montag, 25. Mai 2015

Den Euro umgedreht (7):
schottisch-schwäbisches Sendungsbewußtsein

Wer wie der Autor dieser Zeilen hin und wieder Pakete zu verschicken hat, wird sich gleich ihm über die letzte Preiserhöhung beim gelben Riesen DHL gewaltig geärgert haben: Da die 15 kg-Klasse ersatzlos weggefallen ist, kostet das Versenden eines auch nur knapp über 10 kg wiegenden Kartons jetzt gleich stolze EUR 13,99! Da trö­stet es wenig, daß man dafür die Schachtel mit Ballast-Blei bis knapp unter 30 kg auf­fül­len dürfte: So schwere Dinge hat unsereiner höchst selten zu expedieren, aber über die zehn Kilo kommt man halt doch öfters, zumal wenn man sein Versandgut ordentlich zu verpacken pflegt…

Wer nicht auf alternative Dienstleister ausweichen kann oder mag, weil er/sie bei­spiels­wei­se die nächste Postfiliale um die Ecke hat oder mit der Qualität anderer Paket­schub­ser nicht zur Wiederholung einladende Erfahrungen gemacht hat, möge sich das auf den ersten Blick kaum glaubhafte Angebot von Homewash Germany anschauen: Für schlappe EUR 5,45 kann man dort einen regulären DHL-Versandschein für Pakete bis 30 kg Gewicht erwerben! Was als Methode für junge Leute zum Heim­schicken schmutziger Wäsche zu Muttern vermarktet wird (weshalb es auch eine Hin- und Rücksende-Variante für EUR 10,90 gibt), taugt natürlich auch für jegliches an­de­re Versandgut, z.B. für via eBay versteigerte Altlasten aus längst vergangen Sam­mler­ta­gen.

Das Geschäftsmodell des Betreibers basiert offensichtlich auf Großkunden-Rabatten, die weitgehend an die Endkunden weitergegeben werden. Schlaue Sache! Solche Ini­tia­ti­ven gilt es zu fördern, und was fiele einem leichter, wenn man dabei selbst spür­bar sparen kann?

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Freitag, 22. Mai 2015

Die Lärminsel (2)

Auch wenn Puerto de la Cruz eine »echte« Stadt mit »echten« Bewohnern ist – eine vom Tourismus geprägte Gemeinde ist sie natürlich dennoch. Das merkt man an den unzähligen Bars und Restaurants, das sieht man auch an den (Lebens-)Künstlern aller Art, die an der Uferpromenade ihre mehr oder weniger originellen Dienste und Dinge anbieten.

Wie neulich in Paris fielen dem rapportierenden Beobachter die Heerscharen flie­gen­der Maler und Zeichner auf, die nicht nur Politiker(innen) und dem glamourlosen zonebattler gemeinhin völlig unbekannte »Celebrities« auf pointiert überzeichnete Weise auf’s Blatt bringen, sondern auch die vorbeiflanierende Kundschaft. Letztere gegen Entgelt, wie sich von selbst versteht…

ambulanter Portrait-Maler an der Uferpromenade von Puerto de la Cruz

Der Berichterstatter, der um die Durchschnittlichkeit seiner Erscheinung weiß, macht um Offerten dieser Art regelmäßig einen weiten Bogen. Und was sollte er mit der fer­ti­gen Karikatur seiner selbst dann anfangen? Über sich lachen kann er schließ­lich auch ohne derlei Hilfsmittel!

Schlußendlich fertigt er selber Bilder an, freilich nicht mit Stift oder Pinsel, sondern mit seiner mittlerweile von vielen Urlaubsreisen patinierten Kompakt-Kamera. [1] Meist geht es ihm dabei bekanntermaßen nicht um getreuliche Dokumentation, son­dern eher um graphische Abstraktion:

o.T.

Zugegeben, man muß nicht unbedingt nach Teneriffa fahren, um minimalistische Fo­tos zu machen, aber hier wie fast überall gilt, daß die vom Menschen geformte Welt desto banaler und häßlicher ausschaut, je mehr man von ihr mit auf’s Bild bannt…

Aber da man eine Reise-Reprise ja schwerlich nur mit künstlerisch ambitionierten Detail-Heraus­lösungen bestreiten kann, soll der Blick jetzt erstmal wieder weiter schweifen. Hier freuen sich ein paar Jungs auf strandnaher Sitzgelegenheit ihres Lebens und betrachten dabei die sich ausbreitende Bebauung westlich von Puerto:

Drei Jünglinge

Die gut gebräunten Kerls waren vermutlich Einheimische, jedenfalls keine Briten: Die von der großen Insel sind gemeinhin zweifelsfrei zu bestimmen, da sie typi­scher­weise käseweiß auf die spanischen Eilande kommen und spätestens am dritten Tag ihres Aufenthaltes krebsrot gesonnenbrandet umherlaufen…

Freudige Zerstreuung sucht der Mensch indes nicht nur zu Lande und am (bzw. im) Wasser, sogar der Luftraum ist längst von adrenalinsüchtigen Reisenden auf der Suche nach dem besonderen Kick bevölkert: Oben bei der Hochstraße zum Teide sprin­gen bei schönem Wetter Gleitschirmflieger im Doppelpack ab, wir hatten Ge­le­gen­heit, sowohl einige Starts in ca. 1000 m Höhe als auch mehrere Landungen unten auf Meeres-Niveau zu beobachten:

Gleitschirm-Tandemspringer beim Landeanflug

Der lautlose Segelflug kann bis zur einer halben Stunde dauern, wir haben nach müh­sa­mer Hochkrabbelung auf den Bergrücken den schönen Schirmen bei ihrer lautlosen Reise nach drunten lange nachgeschaut. Merkwürdigerweise haben wir aber nirgends einschlägige Offerten gesehen, obwohl man sonst allerorten auf ausgelegte Flyer von Wander-Veranstaltern und anderen Freizeit-Verbringungs-Helfern stößt. Offenbar ist die Hanggleiterei unter dem Seidendach doch (noch) etwas eher Elitäres…

Springen wir wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Während man im Süden der Insel tatsächlich frachterweise Sahara-Sand über den Strand gekippt hat, um den bewegungsscheuen Faulenzer-Touristen Südsee-Feeling zu bescheren, sind die Strand­ab­schnit­te im Norden Teneriffas noch so, wie sie seit jeher waren und recht ei­gent­lich auch sein müssen, nämlich schwarz. Klar, daß sich der dunkle vulkanische Aus­wurf im prallen Sonnenlicht weit stärker aufheizt als helles Schüttgut aus Afrika, aber wenn man nicht unbedingt barfuß unterwegs sein muß, hält man das gut aus, wie die­ser musikkonservenbeaufschlagte Strandläufer hier souverän demonstriert:

musikalischer Strandläufer

Wohin der Herr mit zeitgeistgemäßer Ideal-Figur so beschwingt eilte, ist nicht über­lie­fert. Wir folgten ihm ein Stück Weges, denn wir wollten an diesem unseren zwei­ten Urlaubstag an der Küste entlang nach Westen wandern bis zum Mirador de San Pedro.

Nur ein paar Minuten nach der Begegnung mit jenem hurtig ausschreitenden Mann am schwarzen Strande kam mir dieser Hotelklotz vor die Linse, der uns bei späteren Ausflügen ins Gebirge als im Wortsinne hervorstechende Landmarke die Iden­ti­fi­zie­rung der auf die Entfernung doch recht ähnlichen aussehenden Ansiedlungen er­leich­ter­te:

Hotel Maritim bei Punta Brava

Zweifelsfrei kriegt man in so einer himmelstürmenden Origami-Faltschachtel aus Be­ton wie diesem »Maritim« mehr Leute unter als in so einem antiquiertem Hotel wie dem »Metropol«, aber für uns persönlich wäre sowas keine ernstzunehmende Be­her­ber­gungs-Alternative. Gerne hätten wir im Rahmen einer ambulanten soziologischen Studie he­raus­gefunden, was für Leute wohl in solchen Bewahranstalten absteigen, allein, wir haben keine gesehen. Offenbar werden die Insassen nur zu bestimmten Zeiten ebenso busladungsweise herangekarrt wie abgefahren, wir sahen im weiten Umkreis um den Klotz jedenfalls kaum eine lebene Seele…

Weiter im Text, weiter auf unserem Weg gen Westen. Was zu gefallen weiß, sind ein­zel­ne Häuser in der nach unserem Maßstäben einigermaßen »zersiedelt« zu nen­nen­den Landschaft, in der offenbar jeder seine Finca dahin stellen kann, wo es ihm gerade paßt. Manchmal geht das sogar mit ästhetischem Feingefühl vonstatten, und das Ergebnis sind großartige Kontraste von blauem Meer (und Himmel), roten Dächern und schneeweißen Wänden:

mein Himmel, mein Haus, meine Mauer...

Man beachte die Oberkanten der hübsch verzierten Ziersteinmauer: Ja, das sind ein­ze­men­tier­te Glassplitter, die weniger der Dekoration als vielmehr der Abwehr un­er­wünsch­ter Übersteiger dienen sollen (und das fraglos auch erfolgreich tun). Nicht einmal Teneriffa scheint ein Paradies der Ehrlichen und Neidlosen zu sein…

Wandern wir noch ein Stück weiter, so erspähen wir bald eine pittoreske Ruine, deren Abbild in keinem Reiseführer fehlt und die wirklich ganz außerordentlich anziehend wirkt, trotz (oder wegen) ihres ziemlich beklagenswerten Zustandes:

Casa Hamilton bei Los Realejos

Bei der »Casa Hamilton« handelt es sich nicht um ein altes Kloster, wie uns manche Hobby-Knipser auf Google Earth weismachen wollen, sondern um eine ehemalige Quellwasser-Pumpstation, mit deren Hilfe die umliegenden Felder und Plantagen bewässert wurden. Die immer noch würdevolle Ruine ist an sich nicht zugänglich, übt aber natürlich auch deshalb einen großen Reiz auf kamerabewehrte urban explorer aus. Hier zeigt ein solcher eindrucksvolle Fotos des gründerzeitlichen Industrie-Re­lik­tes; leider hat der Kollege es sich allerdings nicht verkneifen können, bei der Be­ar­bei­tung seiner HDR-Bilder die Stellschrauben sämtlicher Parameter viel zu weit auf­zu­dre­hen. Die resultierende Künstlichkeit am Rande des Erträglichen hätte nicht sein müssen, die gewählten Ausschnitte und Perspektiven lohnen aber dennoch die nähere Begutachtung.

Und damit genug für heute, wir legen jetzt eine (etwas ausgedehnte) Picknick-Pause ein und wandern in einer Woche frisch gestärkt weiter

 
[1] Leider altern moderne Digital-Dinger aus sprühlackiertem Plastik typischerweise nicht annähernd so würdevoll und auratisch wie alte Apparate aus der Analog-Ära. Da waren bzw. sind meine zehn alten Minoltas doch von ganz anderem Schrot und Korn. Immerhin muß man sich heutzutage mit Leichtbau-Knipsen weniger abschleppen, und das hat ja auch sein Gutes…

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Freitag, 15. Mai 2015

Die Lärminsel (1)

Ein neuer Frühling, eine neue Insel: Nachdem der zonebattler und seine bessere Hälfte in den letzten Jahren schon allerlei Eilande bereist haben (namentlich La Palma, Malta samt Gozo sowie Mallorca), ward heuer wieder einmal eine Kana­ren­insel zum Ziel auserkoren: Teneriffa sollte es sein und damit eine Destination, welche man von der weiland Freien und Reichsstadt Nürnberg aus noch ohne lästiges und zeitraubendes Um­stei­gen erfliegen kann. Man wird ja bequem im Alter…

Der Ferienbomber startete nicht wie geplant und gebucht um 6:00 Uhr in der Früh’, son­dern hob schon des Nachts um 3:40 Uhr in Frankens Metropole ab. Immerhin konn­ten wir dank dieser Terminverschiebung die letzte U-Bahn des Vortages nehmen und mußten für den Transfer zum Flughafen weder auf Nachbarschaftshilfe noch auf ein Taxi zurückgreifen. Von daher hatte die kurze (und weitgehend schlaflose Nacht) auch ihr Gutes.

Nach knapp fünfstündigem Flug (mit kostenpflichtiger Verpflegung, dafür aber mit Gratis-Bazillen-Beaufschlagung durch Hundertschaften hustender Mitreisender) lan­de­ten wir auf dem internationalen Flughafen im heißen Süden Teneriffas. Ein Großteil der einschwärmenden Touristen bleibt dann auch dort in der Gegend, wird für die Dau­er des Ur­lau­bes in zu diesem Zwecke gebauten Großanlagen verstaut, mit Sonne und Mahl­zei­ten all inclusive versorgt und ver­stellt den an Land und Leuten inter­es­sier­ten Reisenden nicht den Ausblick auf das Wesentliche. Wir indes wurden mit einer Handvoll anderer Neuankömmlinge per Klein­bus in den Norden gefahren, zu unserer temporären Heim­statt in Puerto de la Cruz. Bevor wir aber in die Details einsteigen, sei zunächst – wie immer bei des zonebattler’s Reiseberichten – ein Luftbild von Google Earth mit den eingearbeiteten GPS-Tracks der während des Aufenthaltes zurück­ge­leg­ten Wege eingebaut und vorgezeigt (Puerto de la Cruz liegt oberhalb der Beschriftung »La Orotava« direkt an der Küste):

Google Earth-Übersichtskarte von Teneriffa mit den eingearbeiteten GPS-Tracks der zurückgelegten Wege
 
Großfassung 1000 x 865 Pixel

Zugegeben, aus großer Höhe betrachtet schaut das nach nicht sonderlich viel aus für zwei Wochen des Wandelns und Wanderns. Es geht aber erstens recht gebirgig zu auf Vulkaninseln und zweitens sieht man die ganzen kleinräumigen Mäandrierungen der schweißtreibend zurückgelegten (Höhen-)Meter erst beim Hineinzoomen. Drittens mußten wir leider auch ein paar Tage krankheitshalber pausieren. Dazu später mehr.

Nach einer guten Stunde Kleinbusfahrt kamen wir – immer noch recht früh am Tage – in Puerto an und bezogen Quartier im Hotel »Monopol«, über das ich mich hier und heute lobend auslassen möchte. [1] Da das uns zugedachte Zimmer zur vor­mit­täg­li­chen Stunde noch nicht wieder bezugsfertig gemacht worden war, lud uns der am Empfangstresen persönlich präsente Chef umstandslos zum Frühstück ein (»Sie haben doch heute bestimmt noch nichts gegessen?)« und schickte uns nach dem Abstellen des Reise­ge­päcks zur Stärkung hinunter ins hauseigene Restaurant. Aber hallo! Der unverhoffte Service setzte nahtlos fort, worauf uns die blumige Dekoration an der Schwelle des altehrwürdigen Hauses (gebaut im 18. Jahrhundert, seit mehr als 75 Jahren im Fa­mi­li­en­be­sitz des heutigen, deutschstämmigen Betreibers) schon sehr ver­heißungsvoll ein­ge­stimmt hatte…

Blütendekoration am Eingang des Hotel Monopol

Weder als erstklassiger Dienstreisender noch als budgetzimmerbeziehender Privat­mann ist der zonebattler derlei Umsicht und Generosität gewöhnt, es macht halt offenbar doch einen Unterschied, wenn sich in inhabergeführten Etablissements die Besitzer und Betreiber höchstselbst um den Gast bemühen. Chapeau!

Der größte Aktivposten des Hotels aber – und deswegen breite ich mich auch so opu­lent darüber aus – ist die wunderbare Palmenhalle, ein überdachter Innnenhof, über dessen holzgefaßte Galerien auf drei Etagen die umliegenden Zimmer er­schlos­sen werden. So sieht es aus, wenn man sich unten in der Halle auf einer Sitz­gar­ni­tur niederläßt und den Blick gen Himmel richtet:

Die Palmenhalle des Hotel Monopol

Welch eine Pracht, was ein Raumerlebnis, was für eine »Aufenthaltsqualität«, um einen neumodischen Begriff aus dem Blubberbottich des Investorenvokabulars zu ge­brau­chen! Jede(r) meiner Fürther Leser(innen) wird nachvollziehen können, daß wir uns da sofort an den Festsaal des ehem. Parkhotels daheim erinnert fühlten, einen noch viel größeren baulichen Schatz, den nach langem Dornröschenschlaf leichthin dem Kommerz geopfert zu haben ich unserem *piep* Oberbürgermeister und sei­nem *pieeeeeeeeeep* Stadtbaurat bis an mein eigenes Ende nimmermehr verzeihen werde. Ja, hier im fernen Puerto de la Cruz wurde uns unversehens im klei­nen Maß­stab vor Augen geführt, was für ein architektonisches Kleinod wir da hatten, ver­kannt von den Politikern, ver­leumdet gegenüber der Öffentlichkeit, ver­raten von der Gier der Investoren. Aus, vorbei, auf immer dahin…

Bezaubert vom großzügigen Raumeindruck einerseits, betrübt durch den sich auf­drän­gen­den Vergleich mit fürtherischer Ignoranz andererseits, stellten wir die Koffer in unserer nunmehr freigegebenen Stube ab und schauten uns zunächt einmal die Dach­ter­ras­se an, von der aus man wunderbare Panoramablicke auf das nahe Meer und auf das eindrucksvolle vulkanische Gebirge im Hinterland werfen kann. Da der Autor freilich nur ungern ablichtet, was in jedem Ansichtskartenständer dutzendfach wohl­feil ist, muß sich die geschätzte Leserschaft einmal mehr mit einem nach assoziativ-ästhetischen Kriterien ausgewählten Realitäts-Ausschnitt begnügen:

Plastiksessel auf einer der Dachterrassen des Hotel Monopol

Mit der eigenen Kemenate konnten wir mehr als nur zufrieden sein: Solides Bett, geschmackvolles Mobiliar, ein frisch renoviertes Bad. Das Fehlen eines Balkons – das offenbar einzige »Manko« gegenüber den höherpreisigen Zimmern – wird von uns Frisch­luft-Fanatikern regelmäßig nicht als Nachteil empfunden, wir pflegen ja unseren Ur­laub primär in der Landschaft zu verbringen und nicht in der Herberge. Damit vor­erst genug des Lobes über unser traditionsreiches Hotel; ein paar weitere Be­mer­kens­wer­tig­keiten gedenke ich bei passender Gelegenheit in späteren Folgen meiner Be­richt­er­stat­tung einzustreuen…

Jetzt aber erstmal ein kleines Nickerchen gemacht (im Flieger war man nicht so recht zum Dösen gekommen wegen steten Herumhustens erkälteter Passagiere einerseits und ambulanter Verkaufsveranstaltungen des Bordpersonals andererseits) und dann das Hotel erstmals zur Erkundung der näheren Umgebung verlassen. In Ermangelung feinsandiger Strände gibt es in Puerto keinen überbordenden Badebetrieb zu be­ob­ach­ten, aber wer die Sonne sucht, die Seeluft schätzt und das Rauschen der Wellen liebt, der findet schon ein genußreiches Plätzchen zum Entspannen, beispielsweise auf ei­ner gediegenen Befestigungsmauer unweit des kleinen Hafens:

Sonnenanbeter in mediativer Pose

Unter »Hafen« darf man sich übrigens auf den Kanaren nicht das Gleiche vorstellen wie auf mediterranen Inseln: Hier liegen keine Hundertschaften kleiner Segelboote und Fischerkähne Seite an Seite, hier hat nicht jede(r) ein eigenes Schifflein an der Leine baumeln: Hier ist man im Atlantik und nicht im mare nostrum, der »richtige« Ozean ist kein Tummelplatz für Freizeit-Kapitäne. Der zonebattler durfte am ei­ge­nen Leibe erfahren, daß des Atlantiks Wellen einiges Überraschungspotential bieten und den arglosen Küstenwanderer sehr plötzlich und sozusagen aus dem Stegreif durchnässen können, und das mit einiger Verve: Zosch!

Unter diesen Umständen mag es verständlich erscheinen, daß manche Urlauber dem un­be­rech­en­bar­en Ozean den Rücken kehren und im lieber Schutze der aus schwarzem Tuffstein gebauten Trutzmauern im Trockenen sitzen und landeinwärts sinnieren:

Urlauberpaar am Hafenbecken von Puerto de la Cruz

Worüber die Herrschaften wohl nachgedacht haben mögen? Vielleicht über etwas Ab­wechs­lung in der Tagesgestaltung, die für Fußfaule oder altersbedingt nurmehr ein­ge­schränkt mobile Leute typischerweise aus Essen, Einkaufen, Bummeln, Zeitungs­lesen und Dösen besteht (in leicht varierenden Abfolgen und Szenenbildern). In der Tat vermag die pittoreske Altstadt von Puerto de la Cruz nur für ein paar Tage Neues zu bieten, dann dürfte man – sofern man planlos in den Tag hineinlebt – der Mischung aus Läden, Restaurants und ambulanten Gewerben überdrüssig werden. Wobei zur Eh­ren­ret­tung der Stadt doch betont werden muß, daß sie im Inneren noch authen­tisch und mehr von Einheimischen als von Touristen bevölkert ist. In den riesigen Hotel­burgen drumherum sieht das natürlich anders aus…

Aber die lassen wir zunächst einmal beiseite und schlendern stattdessen in der Alt­stadt herum. Schnell wird deutlich, daß die Spanier es bunt und farbenfroh mögen. Gerne wird die eigene Finca stark kontrastierend von der benachbarten Behausung abgesetzt:

bunte Häuserzeile in der Altstadt von Puerto de la Cruz

Mitunter fallen die flächig-plakativen Farbkontraste dermaßen schrill-schreiend aus, daß man die visuelle Plärrerei kaum auszuhalten vermag. Wer bis hierher geduldig mitgelesen und sich dabei längst gefragt hat, warum ich denn den Miniatur-Kontinent Teneriffa ausgerechnet als »Lärminsel« zu titulieren mir herausnehme, findet in dieser Beobachtung einen ersten Hinweis auf das namensgebend Kreischende, wel­ches sich beileibe nicht nur akustisch äußert, sondern eben auch optisch und ol­fak­to­risch und da nicht weniger nervtötend penetrant. Im weiteren Verlauf meiner auf sieben Teile angelegten Serie wird es dazu noch einiges zu sagen bzw. zu schreiben geben…

Bleiben wir noch etwas in Puerto de la Cruz, schauen wir uns ein wenig am Rande der Altstadt um, wo das wohlproportionierte Erscheinungsbild der erkennbar von städte­pla­ne­ri­scher Weitsicht vergangener Jahrhunderte geprägten Straßen, Gassen und Plät­ze auszufransen beginnt, wo renditeoptimierte Wolkenkratzer in die Höhe sprießen, die einen als Hotel konzipiert, die anderen als Konglomerat von Ei­gen­tums­woh­nun­gen resp. -Apartments wie beispielsweise dieser Klotz hier in der Nähe der (seit Jahren wegen Baufälligkeit geschlossenen und ruinös dahinbröckelnden) Busstation [2]:

gesichtlos-grusige Balkonfront eines überdimensionalen Apartment-Hochbunkers

Nee, sowas wollte sich der Verfasser dieser Zeilen nicht als »Wertanlage« an die Backe binden. Wozu auch für allenfalls drei Wochen im Jahr in eigenen vier Wänden hausen (bei ganzjährig laufenden Kosten), wo es doch so einladende Gast-Stätten wie das »Monopol« gibt?

Soviel für heute, soviel zu unseren ersten Eindrücken von der größten Insel des kanarischen Archipels. In der nächsten Folge gucken wir uns dann nochmals in der näheren Umgebung unseres mit Bedacht gewählten Urlaubs-Hauptquartieres um, bevor wir uns dann zu ersten Wanderungen ins Umland aufmachen…

 
[1] Der Endesunterfertigte legt Wert auf die Feststellung, daß er weder aktiv be­stochen worden ist noch seinerseits proaktiv um Vergünstigungen nachgesucht hat mit Hinweis auf die publizistische Heraushebung des spendablen Unternehmers. Wenn unsereiner Empfehlungen abgibt, dann ausschließlich aufgrund positiver Er­leb­nis­se als regulärer Reisender. Zudem wäre es die schiere Hybris, seinem eigenen, letzt­lich banalen Befindlichkeits-Blog irgendeine werbewirksame Relevanz zu­schrei­ben zu wollen!

[2] Das mit der omnipräsenten Ruinen-Romantik ist auch so eine eigenartige Sache: Immer wieder stößt man auf relativ junge Gebäude, Anlagen und Einrichtungen, die nach ihrer (teilweise mit EU-Geldern geförderten) Errichtung und Inbetriebnahme offenkundig nicht weiter instandgehalten und gepflegt werden: Aus kleinen Schäden werden dann schnell große, und irgendwann wird das marode Objekt dann auf­ge­ge­ben, günstigstenfalls abgerissen und durch etwas Neues ersetzt. Die öko­no­misch wie ökologisch hanebüchene Mentalität dahinter wird sich unsereinem nie erschließen…

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