Sonntag, 25. Juli 2010
Warf ich doch vorhin eine leere Pappkiste vom heimischen Freisitz hinunter in den Hof, zum Zwecke der späteren fach- und sachgerechten Entsorgung des ausgedienten Behältnisses in die drei Stockwerke unter mir harrende blaue Tonne. Ich wollte den zugegeben arg staubigen Karton nicht unbedingt durch das Treppenhaus nach unten expedieren. Als ich nach dem Genuß eines Heißgetränkes nebst Schokokeks soeben über des Balkones Brüstung hinabguckte, bot sich mir folgendes Bild des Schreckens:
Hatte ich die Amsel vorhin übersehen bzw. hatte diese meinen ordnungsgemäß abgegebenen Warnruf überhört? Kann eine leere Box aus Wellpappe überhaupt einen Vogel erschlagen? Wir starren selbzweit ungläubig nach drunten: Kein Zweifel, das Tier ist tot, es liegt regungslos und starr. Ich hole die Kamera zur Beweissicherung, spähe hinab, drücke aufs Knöpfchen. Zoome hinein, und was sehe ich im Display:
Guckt mich der Piepmatz doch quicklebendig an! Und auf einmal berappelt sich die Amsel da drunten, putzt sich hier, kratzt sich da, hüpft ein wenig hin und her und stellt sich schon wieder in reichlich scheppser Haltung in die Nachmittagssonne:
Offenbar schätzen die gefiederten Freunde gelegentliche Sonnenbäder und schrecken dabei auch vor bizarren Verrenkungen nicht zurück. Wenn ich das jetzt nicht fotografiert hätte, ich würde mir die Augen reiben und es im Nachhinein für eine Halluzination halten. Das toppt ja noch die Geschichte mit dem Greifvogel !
Samstag, 3. Juli 2010

abendlicher Dösebetrieb in einem Hinterhof am Marktplatz |
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Freitag, 18. Juni 2010
Das Meer! Der weite, weite Ozean und seine rauschende Brandung, sein unablässig forderndes Lecken am Land, seine am Ufer oft spielerischen, mitunter aber heillos verheerenden Demonstrationen einer kollossalen Macht faszinieren die Menschen seit jeher. Insbesondere natürlich den gemeinen Binnenländler, der jene gewaltigen und schier endlos erscheinenden Wassermassen nicht tagtäglich vor Augen hat, sondern dem diese Begegnung nur urlaubshalber und in größeren Zeitabständen vergönnt ist.
Der zonebattler ist in der ordnungsgemäß abgewickelten ersten Hälfte seines auf 100 Jahre angelegten irdischen Daseines schon diverse Male an des salzigen Wassers Kante gestanden, an der Nordsee, an der Ostsee, im Mittelmeer, am Atlantik und tatsächlich auch am Pazifik. Schwarze Strände aus fein zerkrümelter Lava waren ihm freilich bis dato noch nicht untergekommen:
Wie neulich bereits ausgeführt, ist die Küste La Palmas überwiegend zerklüftet und unwegsam, regelrechte Badestrände gibt es nur wenige und diese sind noch dazu von überschaubarer Ausdehnung. Doch selbst dort geht es nicht eben überlaufen zu, was unsereinem zugegeben sehr gelegen kam, der ich zwar die Menschen mag, die Leute aber mitunter nicht ausstehen kann... Über die Gründe des Touristen-Mangels zu spekulieren ist hier nicht der rechte Ort, jedenfalls herrscht im »Wonnemonat« Mai sogar in unmittelbarer Nähe größerer Hotelanlagen unübersehbare Belegungsflaute:
Von der trüb-traurigen Tristesse der überdimensionierten Bettenburgen und der darin stattfindenden Zwangsbespaßung träger Touristen will ich in einer späteren Folge noch berichten, hier wollen wir es bei dem Hinweis belassen, daß das Meer dort am schönsten ist, wo man es weitgehend für sich alleine hat. Wie zum Beispiel rund um die sogenannte »Piratenbucht« unterhalb von El Pueblo an der Westküste:
Der keineswegs knieschonende Abstieg dorthin fand nicht nur in prallem Sonnenlichte statt, sondern im späteren Verlauf auch abseits der offiziellen Wege. Über Stunden kam sich der zonebattler wieder wie im Film vor, ein einsamer Schiffbrüchiger abseits aller bewohnten Gefilde. Das mühsame Vorankommen, Schritt für Schritt und Meter für Meter entlang ebenso ungesicherter wie steiler Abbruchkanten sorgte für selten zuvor erlebten Adrenalinausstoß. Doch wie wollte man je seine eigenen Grenzen ausloten, wenn man sich Ihnen nicht hin und wieder auf Sicht- (bzw. Tritt-)weite näherte? Eben. Der spätere, gleichfalls mehrstündige Aufstieg in der gleißenden Sonne schattenloser Glut reduzierte den Berichterstatter auf ein hechelndes, jappsendes, keuchendes und auch weitgehend würdeloses Etwas. Eine läuternde Erfahrung, ich wollte sie niemals mehr missen.
Nicht minder bewegend war für den Autor ein körperlich eher wenig anstrengender Nachmittag an den semi-natürlichen Planschbecken unweit von Hoyo Grande, nördlich von San Andrés an der Ostküste La Palmas gelegen: Ziemlich genau 19 Jahre nach seinem letzten Tauchgang zog er sich seine (in all den Jahren nur leicht gelblich verfärbte) Profi-Taucherbrille über, steckte sich den Schnorchel in den Schlund und sah fortan fasziniert dem flimmernden Treiben unterhalb der Wasseroberfläche zu...
Flossen und Blei waren aus Platz- und Gewichtsgründen daheim geblieben; indes es geht auch ohne, wenngleich man es dann nicht viel tiefer als drei oder vier Meter schafft, bevor einen der im Salzwasser ohnehin erhöhte Auftrieb wieder an die Oberfläche zurückdrückt. Egal, viel tiefer sind die in die Lavaküste gebaggerten Becken ohnehin nicht. Dennoch waren sie ein spannendes Revier, denn immer wieder schwappte der anbrandende Ozean über die seeseitige Kante und spülte neues Getier herein, kleine Fische, größere Fische, gut getarnte ebenso wie in auffälligen Faben leuchtende. Oh, wie schön ist es dort unten, wo alle lungenatmenden Zweibeiner die Klappe halten und sich in Demut üben müssen...
Nach einer Stunde einsamen Genusses erhielten der zonebattler und seine bessere Hälfte unverhofft Gesellschaft in Form eines zweiten Pärchens, welches sich zunächst auf italienisch unterhielt. Man kam rasch ins Gespräch, man schaltete auf Deutsch um, denn wiewohl der junge Mann italienischer Abstammung war und seine Freundin polnischer, so kamen sie doch beide aus... nein, nicht aus Fürth, aber immerhin aus Nürnberg-Gostenhof! Der Zufall wollte es ferner, daß wir eine Woche später nicht nur allesamt im gleichen Flieger gen Heimat saßen, sondern dann auch noch die gleiche U‑Bahn nahmen, Umsteigen am Plärrer inklusive! So klein ist die Welt. Den beiden sei hiermit nochmals herzlich zugewunken!
Nun, damit sind wir schon wieder am Ende einer Episode angekommen und können mittlerweile absehen, daß es insgesamt wohl derer zehn geben wird. Ein Dutzend stimmungsvoller Schnappschüsse habe ich noch vorbereitet auf Halde liegen, vier Stück davon schauen wir uns in der nächsten Folge an...
Sonntag, 6. Juni 2010
Zahlreiche Tier- und so an die 1.500 Pflanzenarten sind auf La Palma endemisch, kommen also nur dort (und nirgendwo anders) vor. Wie alle anderen Kanareninseln auch ist La Palma vulkanischen Ursprungs und einst einsam dem Meer entstiegen, war also nie durch Landbrücken mit dem benachbarten Kontinent verbunden: Was immer folglich an irdischem Leben dorthin verschlagen wurde, hat sich isoliert von den früheren Artgenossen vermehren und weiterentwickeln können. Zwei Millionen Jahre sind geologisch betrachtet nicht viel, aber in Sachen genetischer Mutation, Vererbung und natürlicher Auslese kann diesem Zeitraum schon einiges passieren...
Der zonebattler ist ein Freund von Reptilien, jedenfalls dann, wenn er nicht in deren Beuteschema paßt: Der beschauliche Lebensstil der Echsen (dösen, essen, sonnen, dösen, essen, entspannen, ...) erscheint ihm als souveräner und zur Nachahmung wärmstens zu empfehlender Existenz-Entwurf. Kein Wunder daher, daß er die allerorten herumwuselnden Westkanareneidechsen schnell ins Herz geschlossen hat:
Trotz nicht vorhandener Großhirnrinde sind die geschmeidigen Gesellen übrigens keineswegs dumm: Da, wo es was Eßbares zu holen geben könnte (bei rastenden Wanderern zum Exempel), kommen sie gerne aus der Deckung und näher heran an die mutmaßlichen Gönner. Wirft man ihnen einen Crackerkrümel hin, sausen sie wieselflink herbei und stellen den Happen sicher, den unsereins zwischen all den Lavakrümeln kaum je wiederfinden würde. Respekt!
Fast noch erstaunlicher in ihrer Vielfalt präsentiert sich die Flora auf La Palma: Was auf deutschen Fensterbänken als Exot mit Hingabe im Blumentopf gepäppelt und stolz vorgezeigt wird, wuchert hier wie Unkraut und erreicht im ganzjährig milden Klima beachtliche Dimensionen. Wie zum Beispiel der (nicht endemische, sondern vor gut 200 Jahren eingeführte) Feigenkaktus:
Im Mai ist auf der Insel so ziemlich alles am Blühen: An manchen Bäumen fanden sich Früchte und Blüten gleichzeitig! Der immerwährende Frühling scheint die Pflanzen zu verwirren und den aus nördlicheren Gefilden bekannten Rhythmus der Jahreszeiten zumindest teilweise außer Kraft zu setzen. Irre.
Eigenartigerweise ist der zonebattler auch ein Krabbenfreund, d.h. er verspeist sie nicht (wie andere Leute), sondern stellt ihnen mit der Kamera nach, um ihr Verhalten zu studieren. So zahlreich wie an den Gestaden des Mittelmeeres scheinen die gepanzerten Genossen in kanarischen Gewässern nicht zu sein, jedenfalls war am flachen Strand kein Krebstier auszumachen. Nur an schroffen, gischtumtosten Ufern konnte ich Krabben behende auf den nassen Lavabrocken herumturnen sehen:
Erstaunlich ist das Sehvermögen jener meist seitwärts schreitenden Zehnfußkrebse: Gemeinhin sitzen sie allesamt regungslos auf den Felsen, sobald man sich aber auf ein paar Meter nähert, beginnt ein Massenexodus und es wuselt und kreucht an allen Ecken und Enden. Bemerkenswert erscheint ferner, wie souverän die Tiere der brachialen Gewalt der Brandung trotzen: Ein Mensch, der sich von See her näherte, würde den Versuch, abseits der flachen Strände an Land zu gehen, kaum überleben.
Wenden wir uns jetzt wieder der Pflanzenwelt La Palmas zu und schauen wir uns einen der eigenartigen »Drachenbäume« an:
Den Namen jenes Gewächses habe ich bewußt in Anführungszeichen gesetzt, denn wie uns der einschlägige Wikipedia-Artikel belehrt, handelt es sich dabei nicht wirklich um einen Baum im wissenschaftlichen Sinne; dem schattensuchenden Wanderer sind derlei akademische Spitzfindigkeiten natürlich einerlei. Meist stehen diese schönen Pflanzen einzeln, wir haben auf unseren Wanderungen jedoch auch ein paar kleinere Haine bewundern können.
À propos Wanderungen: Wundersame Begegungen hatten wir mit den palmerischen Hunden, die sich ‑im Gegensatz zu ihren Vettern im fernen Deutschland- allerorten durch große Lässigkeit und eine entspannte Auffassung hinsichtlich der Ausübung ihres Wachdienstes auszeichnen. Man kennt sich dort, man kennt sein Revier, man weiß um die Harmlosigkeit der selbst zur mittäglichen Siesta-Zeit idiotischerweise durch die Landschaft keuchenden Touristen. Was sollte man sich da mit sinnlosem Gebell selbst verausgaben?
Im Grunde kommt man mit einer kraftsparend relaxten Haltung ohnehin am besten durch den Tag, denn die Mittagszeit beginnt gleich nach dem Frühstück und endet erst kurz vor dem Abendessen. Jedenfalls kommt es einem so vor: Die schon erwähnte südliche Lage fernab von Kontinental-Europa sorgt dafür, daß die Sonne fast immer im Zenit ihrer täglichen Laufbahn zu stehen scheint. Wann immer man eine Palme sieht, deren Schatten ist von früh bis spät direkt unter dem Blätterdach anzutreffen:
Springen wir vom Strand bei Puerto Naos übergangslos auf gut 2.400 Meter Höhe: In der Nähe der zahlreichen Sternwarten am Nordrand der Caldera sitzt so mancher finsterer Geselle und wartet auf Beute: Selbst die großen Raben sind sich nicht zu stolz, Touristen um Entrichtung verdaubaren Wegezolls anzugehen! Der nachfolgend gezeigte Frechdachs ließ sich beispielsweise munter und unverdrossen auf dem Außenspiegel des nächsten Mietwagens nieder, um dessen Besatzung zur teilweisen Herausgabe ihrer Brotzeit zu animieren...
Es ist übrigens nicht ganz einfach, so einen ausgewachsenen Raben halbwegs fotogen abzulichten: Die kecken Kerle sind tatsächlich in jeder Hinsicht rabenschwarz! Augen, Federn, Füße, Schnabel, was immer den Vogel ausmacht, ist von der gleichen Farbe und allenfalls von unterschiedlichem Glanzgrad. Eine echte Herausforderung für jeden Belichtungsmesser! Aber man kann sich immerhin reichlich Zeit mit der Knipserei lassen: Die bettelnden Kameraden sind nicht nur gefräßig, sondern auch eitel, sie präsentieren sich daher gerne und ausdauernd. Jedenfalls so lange, wie ihnen das Werben um Fütterung erfolgversprechend erscheint...
Wenn wir schon beim Futtern sind: Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß Bananen die Hauptexportartikel La Palmas sind? Unter dem gütigen Patronat diverser Heiliger gedeihen im ewigen Frühling allerorten Bananen, Bananen und nochmals Bananen:
Wir haben natürlich Bananen aus örtlicher Produktion verkostet (aus ökologischem, mutmaßlich und hoffentlich ungespritztem Anbau): Die kleinen Dinger schmecken dort anders, sprich intensiver und durchaus besser als das, was man hier in Nordeuropa kaufen kann. Das liegt in der Natur der Sache, denn wer die Stauden in Griffweite vor der Haustür hängen hat, kann die Früchte im reifen Zustand ernten und zeitnah auf dem lokalen Markt anbieten. Was hingegen in deutsche Läden kommen soll und bis dorthin tagelang unterwegs ist, muß ja schon weit vor dem Erreichen der optimalen Reife zum Versand gebracht werden, um nicht in bereits angefaultem Zustand anzukommen...
Angekommen sind auch wir, und zwar am Ende der heutigen Folge. Im nächsten Teil verlassen wir den Pfad der sachlichen Berichterstattung und wenden uns dem atmosphärischen zu. Dann verrate ich endlich auch, wie ich auf den Serientitel »Die Schatzinsel« verfallen bin!
Samstag, 5. Juni 2010
Sowas gibt’s wohl nur in New York. Hat jemand ’ne Idee für eine Fürther Aktion? Ich wäre dabei!
Mittwoch, 2. Juni 2010
Wo und wie also anfangen? Vielleicht am besten mit dem Hinweis, daß La Palma ein kleines Universum für sich ist: Trotz recht überschaubarer Abmessungen und einer Fläche von nur 708 Quadratkilometern ist die Insel im Osten ganz anders als im Westen und im Süden nicht vergleichbar mit dem Norden. Landschaft und Vegetation muten immer wieder verschieden an, nicht einmal das Wetter ist allerorten ähnlich. Ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender Höhenzug aus alten Vulkankratern teilt die Insel nämlich in zwei klimatisch deutlich unterscheidbare Hälften: Da die feuchten Passatwinde von Osten kommen und ihre Wolken sich an den steilen Hängen stauen und abregnen, hatten wir schlauerweise auf der generell trockeneren und meist auch sonnigeren Westseite Quartier bezogen. Doch wo immer man sich auf La Palma niederläßt, dem Anblick von Bananen-Plantagen entgeht man fast nirgends:
Viele Anbauflächen sind in großem Maßstab mit einem Wind- und Wetterschutz aus Gewebe oder Folie überdacht, was zwar den Ertrag steigern mag, den Naturliebhaber freilich als ästhetische Sünde ersten Ranges befremdet. Überhaupt ist es mit dem bislang schwer subventionierten Bananenanbau so eine Sache, denn wie bei allen Monokulturen wird auch hier rigoros mit der chemischen Keule gegen Schädlinge vorgegangen. Man riecht es unten bei den Bananen, man merkt es weiter oben auch in den terrassierten Weinbaugebieten: Es wird gespritzt, was das Zeug hält, und ob das verwendete Präparat für den Menschen wirklich unschädlich und seine Dosierung immer sorgfältig abgemessen ist, kann man glauben oder nicht...
Erstmalig hatten wir freilich Gelegenheit, Bananen nicht nur im Supermarkt, sondern sozusagen »in freier Wildbahn« und an der Staude zu sehen. Ganz erstaunlich sind die nachgerade riesigen Blütenstände, die an den Büscheln dranhängen (und die man als kontinentaleuropäischer Konsument gemeinhin nie zu Gesichte bekommt):
Im rund ums Jahr milden Klima gedeihen indes nicht nur exotische Früchte, es wirkt sich scheinbar auch äußerst lebensverlängernd auf alte Automobile aus: Wie oft sieht man in Deutschland z.B. noch einen Renault R4, eine »Ente« oder gar einen VW Pritschenwagen der ersten Generation herumfahren? Auf La Palma kommen einem derlei Vehikel ständig entgegen! Die zahlreichen offenbar noch im täglichen Einsatz befindlichen Land Rover-Pickups der palmerischen Bauern hatten es mir besonders angetan, erinnerten sie mich doch an »Daktari«, eine meiner Lieblings-TV-Serien aus seligen Kindheitstagen...
Die ältesten und schönsten Exemplare dieser robusten Kleinlaster (jene mit den eng zusammenstehenden Scheinwerfern links und rechts des Kühlergrills) habe ich leider nicht fotografieren können, die konnte ich stets nur kurz in voller Fahrt bestaunen, als sie uns auf kurvenreicher Straße röhrend entgegenkamen. Für das gezeigte Foto stand daher ein etwas neuerer Typ Modell, der aber ‑nach unseren Maßstäben- auch schon von einer nostalgischen Aura umgeben war.
Clarence (den schielenden Löwen aus jener Serie um den amerikanischen Tierarzt in Afrika) haben wir natürlich nicht gesehen, wohl aber seine feline Verwandschaft: herren- bzw. frauchenlose Katzen schnurren und schnüren auf La Palma überall um einen herum. Nicht selten machen sie einen erbarmungswürdigen Eindruck...
Auch Federvieh gibt es auf der Insel reichlich, was man sehr schnell merkt, wenn man bei offenem Fenster schläft: Spätestens um vier Uhr in der Früh’ schreien sich die Hähne hier die Hälse heiser. Und weil es Ihrer viele sind, steigern sie sich auch gegenseitig rein in eine Gockel-Kakophonie, die das Weiterschlafen wenigstens bis zum Sonnenaufgang zur sportlichen Aufgabe macht. Dagegen gibt es nur ein Rezept, nämlich ausdauerndes und erschöpfendes Wandern, welches zu tiefem und langem Schlaf verhilft und mit dem wir dann in der nächsten Folge beginnen wollen!
Mittwoch, 10. März 2010
Donnerstag, 28. Januar 2010
Montag, 7. Dezember 2009
Sonntag, 30. August 2009
Nach zwei am Bad Reichenhaller Friedhofs-Parkplatz ‑mithin in ruhiger Gesellschaft- verbrachten Nächten ging die Reise jetzt zügig weiter in Richtung Westen. Nur von einem kurzen Abstecher nach Inzell unterbrochen, fuhren wir durch bis Reit im Winkl und von dort aus hoch bis an den Chiemsee. Bald nach dem Aufbrechen hielt ich irgendwo unterwegs [1] kurz an, um die wundersam-nebelfeuchte Morgenstimmung in den dichtbewaldeten Gebirgsausläufern in einer HDR-Aufnahme festzuhalten:
Nach einer beschaulichen Pause am See ging es zügig wieder nach Süden, wobei wir einzig in Aschau im Chiemgau kurz verweilten. Ansonsten durchschnitten wir noch einen letzten Zipfel Österreichs, bevor das Auto dann endgültig von den großen Bergen weg in Richtung Tegernsee rollte. En passant nutzte ich eine der letzten Möglichkeiten, eine selbstzufriedene Bergwiesenbewohnerin abzulichten...
Am späten Nachmittag erreichten wir den Tegernsee bei Gmund und unternahmen dort sogleich eine ausgedehnte Wanderung an dessen beschaulichen Gestaden. Am Anblick des flirrenden Abendlichtes auf den sanft sich kräuselnden Wassern erfreuten sich Jung und Alt sowie natürlich der Autor und seine stets gezückte Kamera:
Es war Mittwoch und der Andrang gering, ja nachgerade nicht existent. Hin und wieder konnte man freilich erahnen, daß am Wochenende erheblich mehr los ist, wenn die Münchner nämlich meinen, sich hier naherholen zu müssen statt daheim in ihrer Stadt zu bleiben und Ruhe zu geben...
Mitten in der Woche freilich war von Streß und Stau und Gezerre und Geplärre nichts zu sehen und nichts zu hören, und so konnte ich abends um sechs einen absolut friedlichen Tegernsee auf den Film Chip bannen [2]:
Die Nacht verschliefen wir höchst kommod auf einem öffentlichen Parkplatz Gmunds, der sogar über ein Toilettenhäuschen mit Steckdosen und fließend warmem Wasser verfügte, ein eindeutiges Indiz für überbordenden kommunalen Reichtum.
Anderntags brachen wir früh am Morgen auf, faßten frische Milch für das Frühstück in der Stadt Tegernsee, verzehrten dasselbe genüßlich am Ufer von Rottach-Egern und vollendeten im Uhrzeigersinn über Bad Wiessee die Tour um den Teich. Die nächste Station war dann erst wieder Bad Tölz, welches wir ausgiebig zu Fuß erkundeten und erforschten. Über Benediktbeuern tuckerten wir dann schließlich bis an den Kochelsee, wo wir am Maschinenhaus des Walchensee-Kraftwerkes Posto bezogen, um nämliches am folgenden Morgen zu besichtigen... [3]
Mit dem Freitag brach der letzte Tag der Reise an. Nach ausgiebiger Inspektion des recht informativen Besucherzentrums [4] und anschließendem Besuch des Franz Marc Museums im nahen Kochel sausten wir über Penzberg [5] schnurstracks hoch bis an den Starnberger See, wohin es den zonebattler geradezu magnetisch zog: In Bernried wollte er unbedingt das »Museum der Phantasie« mit den Sammlungen von Lothar-Günther Buchheim besuchen, und dafür drohte die Zeit langsam knapp zu werden. Es reichte aber noch für ein mehrstündiges Eintauchen in das Reich des 2007 verstorbenen, streitbaren Multi-Talents; der geneigten Leserschaft sei ein Besuch im auch architektonisch faszinierenden Museum wärmstens anempfohlen...
Erschöpft und mit Eindrücken voll töffelten wir nach freundlicher Starthilfe durch andere Buchheim-Jünger [6] weiter bis nach Andechs, um mit einer zünftigen Brotzeit im dortigen Kloster-Biergarten die Reise gemütlich ausklingen zu lassen. Der Andrang hielt sich auch dort in überschaubaren Grenzen, das Essen schmeckte gut, die dunkle Radlerhalbe ausgesprochen lecker. Seine Wirkung auf die Sinne war indes zu spüren, und der zonebattler war froh, sich nur einen halben und keinen ganzen Liter des süffigen Trunkes hinter die nicht vorhandene Binde gekippt zu haben. Gleichwohl sah er unten am Parkplatz manches nicht doppelt oder dreifach, sondern gleich im Dutzend:
Ein Auto dieses Typs war ihm zeitlebens nicht untergekommen, geschweige denn deren zwölf nebeneinander! Wie wir später daheim ergoogelten, waren wir Zeuge eines höchst außergewöhnlichen »Cosmonauten-Treffens« geworden, über das sowohl der SPIEGEL als auch die Süddeutsche Zeitung ausführlich berichteten. Die mit Kurzzeit-Kennzeichen zugelassenen, markant-schnittigen Sportwagen jenes nie in Deutschland angebotenen Mazda-Modells waren für dieses exklusive Event doch tatsächlich per Schiff aus Japan herbeigeschafft worden!
Mit diesem Schmankerl zum Schluß soll es genug sein. Ein letzter Schnappschuß vom Andechser Maibaum und dem sich darüber ausbreitenden Abendhimmel ‑beides in den leuchtenden Landesfarben Bayerns gehalten- möge diese lange Reise-Reportage nunmehr beschließen. Zu sehen gab es danach auch nichts Nennenswertes mehr, und eine Schilderung der spätabendlichen Marschfahrt nach München und weiter über die Autobahn nach Fürth wäre so einschläfernd wie diese selbst.
Für die knapp zwei Wochen Rundreise hat der Herr des virtuellen Hauses hier glatt nochmal soviel gebraucht, um sie zur eigenen Erinnerung und zur Gemütsergötzung seines Publikums medial aufzubereiten. Ob er sich das beim nächsten Mal wieder antun mag, dessen ist er sich im Moment noch keineswegs sicher.
Gut. Nach einer kleinen Sendepause dreht es sich hier in diesem virtuellen Theater demnächst wieder um Fürth und seine nähere Umgebung!
[1] Ich könnte den Aufnahmeort ja jederzeit genau lokalisieren, aber jetzt gegen Ende der Expedition schenke ich mir derlei enervierende Extravaganzen...
[2] Jawohl, mein lieber Wiisen, auch das ist natürlich wieder ein aus fünf Einzelfotos zusammengemixtes HDR-Bild ! ;-)
[3] Seine bessere Hälfte wollte unbedingt noch das obere Ende der gigantischen Röhren inspizieren und trieb den zonebattler (und dieser seine Renngurke) die Serpentinen hoch bis fast nach Urfeld. Bei einer kurzen Pause oben ‑bei der der Berichtende noch auf ein Paar offenbar vergessener Wanderstiefel deutete und anschließend erhobenen Zeigefingers auf den guten Brauch des doppelten Blicks zurück verwies- vergaß die Beifahrerin ihren erleichterungshalber kurz abgeschnallten Bauchgurt, der ‑als Vorsichtsmaßnahme gegen Schurken und Lumpenpack- vom Bar- über Kartengeld bis hin zu Schlüsseln und Ausweisen alles enthielt, was wichtig ist und schwer wiederzubeschaffen wäre. Erst Stunden später (nach dem Abendessen und dem Umbau des Einsatzwagens zum Nachtlager) fiel ihr das Fehlen des Handys auf: In rekordverdächtiger Zeit ward der grüne Blechkamerad wieder in fahrfähigen Zustand versetzt und durch stockdunkle Nacht erneut die Serpentinen hochgeprügelt. Der Lohn des bangen Wartens: Das wertsachenbeladene Wimmerl fand sich an gemutmaßter Stelle glücklich wieder, prall gefüllt mit allen erwarteten Ingredienzien. Ein viertes Mal und letztes Mal ging es nun auf die zickezacke Bergstraße. Fazit: 4 x 30 min Fahrertraining plus diverse Adrenalinschübe, ohne oben irgendwas von den Kraftwerksanlagen gesehen zu haben...
[4] welches übrigens ein recht repräsentatives Exempel dafür abgibt, daß für die Errichtung spektakulärer Bauten und mondäner Präsentationen oft aberwitzige Geldbeträge flüssig gemacht werden können, es aber hinterher an allen Ecken und Enden fehlt, um selbst banalste Instandhaltungsarbeiten zeitnah durchzuführen (durchgebrannte Lampen, Computerhänger, verschlissene Kleinteile etc.).
[5] woselbst wir ‑zur eigenen Verblüffung- an einer außerordentlich ästhetischen Moschee vorbeibrummelten!
[6] Das nach längerer Fahrt durch Waldschneisen versehentlich nicht ausgeschaltete Fahrlicht hatte unterdessen die eher klein dimensionierte, unter dem Fahrersitz eingebaute Batterie leergelutscht, aber ein Satz dicker Überbrückungskabel gehört glücklicherweise zur Standardbestückung des Expeditionsmobils.
Samstag, 29. August 2009
Die Alpen! Als dramatisch veranlagter Mensch mit Hang zum Bombastischen und Pompösen unterlegt der zonebattler überwältigende Anblicke gern mit der passenden Musik. Zwar ist er Besitzer keines Autoradios, aber er hat die praktische Fähigkeit, einmal gehörte Melodien und Rhythmen umstands- und apparatelos aus den Tiefen seines Gedächtnisses abzurufen und sich direkt ins Hirn einzuspielen, in highfidelem Stereo, ohne jedes Rauschen und mit nicht nachweisbarem Klirrfaktor. Und das, obwohl er noch nicht einmal richtig Noten lesen kann! Angesichts der grandiosen Kulisse von stolzen Steinzacken ertönte die Alpensymphonie von Richard Strauss [1] aber ganz von selbst in des Berichterstatters Birne, und er konnte beliebig laut aufdrehen, ohne die Beifahrerin zu nerven...
Mit klingendem Spiel im Schädel und Blick in Richtung Watzmannmassiv brummte der Chronist also frohgemut nach Bad Reichenhall. Der hurtig fortschreitende Klimawandel ist wohl die Ursache dafür, daß der allseits beliebte Ferienort inzwischen schon weitgehend unter den grünen Blättern exotischer Pflanzen verborgen liegt:
Verborgen sind dort am Morgen auch die Kurgäste, die offenbar erst einmal alle ihre kauf- und saufrausch-induzierten Brummschädel vom Vorabend schlafend auskurieren müssen: Die ganzen salzsoleverspritzenden Kuranlagen rund um das Gradierwerk waren jedenfalls weitgehend verwaist. Außer uns war um halb neun (!) einzig ein amtlich bestallter Liegestuhlabwischer und ‑zurechtrücker schon auf den Beinen...
Nach diesen letztlich müßigen Betrachtungen wollte der wehmütige und zuweilen zur Melancholie neigende Verfasser dann aber endlich weiter via Berchtesgaden an den Königssee, den er vor schier unendlich langer Zeit als kleiner Bub samt Mutter und Großmutter schon einmal staunend befahren hatte. Staunen konnte der unterdessen ergraute erkahlende zonebattler auch bei seiner beherzt angetretenen Schiffsreise in die Vergangenheit, diesmal über die nach 30 Jahren just diesen Sommer fällige Erneuerung des Schindeldaches [2] der Wallfahrtskapelle von St. Bartholomä:
Indes wechselten wir dort zunächst nur das Boot, um schnurstracks durchzusummen [3] bis ans hintere Ufer des fjordartigen Alpensees. Von dort aus ging es in eineinhalbstündiger Wanderung weiter bis an den idyllisch gelegenen Obersee. Während der zonebattler und seine bessere Hälfte den nicht ganz einfachen Hindernislauf über Stock und Stein mit soliden Wanderstiefeln absolvierten, gingen zierliche Japanerinnen mit Badeschläppchen und die eine oder andere germanische Maid mit Stöckelpumps an den Start. Zu unserer Verblüffung schlugen sie sich damit gar nicht schlecht und kamen ziemlich zeitgleich mit uns bei der Fischunkelalm an...
In der den Sommer über bewirtschafteten Almhütte werden allerlei ortsübliche Brotzeiten verkauft, und als die Reisebegleiterin nach dem Verzehr einer solchen noch weiter in Richtung Röthbachfall am hinteren Ende des Talkessels gazellierte, zog es unsereiner vor, sich seitlich an der Hütte auf einer grob behauenen Bank niederzulassen und den zu staatsbürgerlichen Bildungszwecken mitgeführten Spiegel ausgiebig zu studieren. [4]
Der Rückmarsch gestaltete sich dann als einigermaßen unspektakulär, und so waren wir weitere eineinhalb Stunden später wieder am Bootsanleger, um der Rückfahrt in Richtung St. Bartholomä zu harren...
Das Wasser beider Seen ist von kristallklarer Transparenz und Trinkwasserqualität. Sein naturgemäß hoher Kalkanteil führt zu der durch Lichtbrechung entstehenden, smaragdgrünen Anmutung. Besonders interessant ist es, die dort dümpelnden und gründelnden Enten bei der Abwicklung ihres Tagesgeschäftes zu beobachten: Während das Federvieh anderswo ja meist im Wortsinne im Trüben fischt, scheinen sie im Königsee schier in der Luft zu schweben, weshalb man kann ihre Paddel- und Tauchmanöver in allen Einzelheiten beobachten kann:
In St. Bartholomä angelandet, inspizierten wir die Verköstigungsmöglichkeiten (anständig) und die Pilgerkapelle (feucht muffelig). Im einsetzenden Nieselregen das Seeufer und den durch länger zurückliegende Lawinen-Druckwellen teils flachgelegten Urwald erforscht. Die bessere Hälfte wollte anschließend unbedingt noch bis zur »Eiskapelle« an der Watzmannflanke flitzen [5]; der unter der Last seiner Jahre Ausrüstungsgegenstände schon etwas ermattete zonebattler blieb einmal mehr zurück, döste ein bißchen auf einer Bank nach Art der Leguane, schnürte anschließend ein wenig um die Buden mit Touristen-Zubehör herum und wurde schlagartig in seine Kindheit zurückgeworfen, als er dort eines Mustersortimentes ausgeblichener (ausgebleichter?) Stocknägel ansichtig wurde:
Jene Wanderandenken aus buntem Blech hatte er sich als kecker Knabe stets gerne an sein Stöckchen genagelt, wobei es ihm ehedem wohl einigermaßen egal war, ob die wohlfeilen Trophäen rechtschaffen erlaufen oder einfach nur erkauft worden waren. Wo mag der weiland plakettenübersäte Stock wohl abgeblieben sein? Kitsch hin, Sentimentalität her: Es hat etwas Anrührendes, wen derlei Tand nach vier Dezennien noch unverändert zu haben ist...
Während der um seine Fassung bemühte Berichterstatter also in seine unschuldige Kindheit zurückblickte, schaute so mancher Mitpassagier munter durch die Röhre: Man fragt sich unwillkürlich, ob es wirklich ein Fortschritt ist, heutzutage für wenig Geld Videos in Sendequalität aufnehmen zu können: Kaum einer macht sich doch schon bei Fotos die Mühe der Auswahl und zielgruppengerechten Aufbereitung, noch viel geringer dürfte der Anteil jener sein, die aus ihren alle zehn Meter gefilmten Panoramaschwenks verdaubare Zusammenfassungen für die Daheimgebliebenen schneiden. Wer aber soll das meist lieblose Draufgehalte jemals anschauen? Als die Welt noch schwarzweiß war und die Kleinbildfilme teuer, da sorgten schon Aufwand und Materialpreis dafür, daß Halter(innen) eines ordentlichen Knips-Apparates diesen halbwegs selektiv einsetzten. Aber diese Zeiten sind auf immer vorbei...
Vorbei ist nunmehr auch die siebte und vorletzte Episode meines mittlerweile arg ausufernden Reise-Rapports. Morgen folgt der definitiv letzte Teil, der manche Überraschung birgt und uns abschließend wieder heim ins schöne Fürth bringt.
[1] Erinnert und in Auszügen nachvollzogen wurde die wunderbare Einspielung mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir Georg Solti aus dem Jahre 1979. Diese habe ich als LP schon seit Jahrzehnten im Plattenschrank stehen. Als ich später anno 1983 als early adopter einen der ersten CD-Spieler erwarb, gab es unter den gerade mal zwei Handvoll zum Systemstart erhältlichen Silberscheiben tatsächlich auch eine Aufnahme der »Alpensymphonie« unter Herbert von Karajan. Die stellte zwar rein technisch alle bisherigen Tonträger in den Schatten und verfügte zudem über ein schönes Cover-Foto mit dem Matterhorn drauf, war aber ansonsten in meinen Ohren wegen der zäh gedehnten Tempi eine eher fade Enttäuschung. Groß war daher die Freude, als ich in 1986 meine geliebte Solti-Interpretation auch als CD erwerben und damit ordentlich Rabatz machen konnte!
[2] Wir hatten Stunden später noch Gelegenheit, uns die Arbeiten aus der Nähe anzuschauen: Mit gasbrennerbeheizten Biegeformen werden die vorher befeuchteten Schindeln in die gewünschte Krümmung gebracht, ein schweißtreibender Job für den jungen Mann, der die ganzen Vorrichtungen im gleichbleibendem Takt manuell und mit einiger Kraftanstrengung zu bedienen hatte.
[3] In diesem Jahr gibt es ein bemerkensweres Jubiläum zu feiern: Seit exakt 100 Jahren fährt die Königssee-Flotte mit akkubetriebenen Elektroschiffen und damit äußerst umweltfreundlich! Mit Verbrennungsmotoren (Außenbordern) sind nur einige wenige Schiffe von Förstern und Fischern ausgerüstet.
[4] Das reicht mir aber auch wieder für ein paar Jahre: Was einstmal eine Instanz als das deutsche Nachrichtenmagazin war, ist heute über weite Strecken nur noch buntes Trallala. Immerhin kann man das Hefterl im Gegensatz zur F.A.Z. auch in eng bestuhlten Verkehrsmitteln lesen, ohne die Gesichter der Sitznachbarn zu beschatten (und damit deren Gemüt zu verdunkeln)...
[5] eine im gegebenen Zeitrahmen (bis zur Abfahrt des letzten Bootes) beachtliche Tour-de-force, eindrucksvoll dokumentiert durch den mitgeführten Tracker.
Mittwoch, 19. August 2009
Wenn man keinen Zug und keinen Flieger erreichen muß, trödelt man gerne etwas vor sich hin, läßt sich mit dem Beladen des Autos Zeit und tut noch dieses oder jenes. Blumenkästen wollen schlußendlich auch noch von den Balkonen in den Hof hinunter getragen werden, auf daß es der Nachbar mit dem vertretungshalbernen Gießen leichter haben möge. Zwischendrin sind kleine Verschnaufpausen angenehm, und überdies ist man ja im Urlaub und nicht auf der Flucht. Na gut, so gegen 14 Uhr tuckerten wir dann endlich los gen Osten. Nach noch nicht einmal eineinhalb Stunden Fahrt machten wir im malerischen Kastl bereits eine erste Wanderpause, es gibt schließlich überall was zu sehen in unserem schönen Bayernlande. Auf der Weiterfahrt über Schmidmühlen und Rieden nach Theuern hatten wir zwei interessante Begegungen. Die erste war recht dynamischer Art:
Gleichzeitig zu marschieren, dumm zu gucken, zu kauen und zu kacken ist schon eine reife Leistung, unsereins schafft allenfalls drei von diesen vier Tätigkeiten simultan!
Eine knappe Stunde später gab es schon das nächste unverhoffte Zusammentreffen, welches fotografisch zu dokumentieren ich mir nicht verkneifen konnte:
Der rechterhand stehende Vetter meiner Renngurke stand unabgesperrt in einer pittoresken Gasse von Schmidmühlen. Sein Herrchen (oder Frauchen) haben wir leider nicht zu Gesichte bekommen. Wäre sicher auch interessant gewesen, aber man kann nicht alles haben und es war langsam an der Zeit, sich einen Schlafplatz zu suchen. Gerade am Anfang einer Reise ist man noch nicht so fit im Erspähen geeigneter Orte, der Blick dafür will wieder auf’s Neue geschult und geschärft sein...
Am nächsten Morgen standen wir nach ambulantem Frühstück kurz nach neun am Hammerherrenschloß in Theuern, in welchem das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern untergebracht ist. Für Spurensucher wie uns sind industriegeschichtliche Artefakte stets von besonderem Interesse, und wenn der zappelige zonebattler alte Feldbahnen und neue Kunst auf einem Fleck vorfindet, dann ist er hemmungslos begeistert und ganz in seinem Element:
Man merkt dem Museum an, daß seinerzeit viel Geld und Mühe hineingesteckt worden sind, es lag ja im förderungswürdigen Grenzland und der »Eiserne Vorhang« war nicht allzu weit weg. Doch während die Dokumentationen und Sonderschauen zu historisch abgeschlossenen Themen (Bergbau in der Region, Industrialisierung) auch heute noch vor dem kritischen Auge bestehen können, wirken manche Abteilungen zu »modernen« Gebieten (z.B. Halbleiterproduktion) mittlerweile reichlich angestaubt, weil nach der (sicher ziemlich aufwendigen) Errichtung halt keine Fortschreibung und Aktualisierung mehr erfolgte. Heutzutage wird der schmale Etat vermutlich allenfalls für das Putzpersonal reichen und nicht für wissenschaftliche Mitarbeiter, und mit der Spendierfreude der Sponsoren aus der Wirtschaft wird es in der tiefen Provinz auch nicht mehr allzuweit weit her sein...
Aber ich will nicht maulen, der Eintrittspreis ist kaum der Rede wert und die Fülle des Gezeigten bietet für jeden etwas. An diesem ruhigen Ferientag hatten wir das Haus fast ganz für uns alleine, keine Schulklassen auf Pflichtbesuch lärmten durch das alte Gemäuer. Übrigens gehören zum Museum noch weitere Gebäude in fußläufiger Entfernung, beispielsweise ein eindrucksvolles altes Glasschleif- und Polierwerk. Das früher zum Polieren verwendete Eisenoxid (Polierrot) sorgte dort dermaleinst für ein eher monochromes Dasein (und heutzutage für reizvolle Stillleben):
Zwischendrin plauderten wir ein wenig mit einer weißgekleideten Mutter von vier braven und wohlerzogenen Kindern, doch blieb die Unterhaltung etwas einseitig (und einsilbig), was vermutlich auf das dortige Idiom zurückzuführen ist: Wer versteht schon waschechte Oberpfälzer? [1]
Über leere Landstraßen zuckelten wir weiter ostwärts und inspizierten ausgiebig die Stadtkerne von Schwandorf und Neunburg vorm Wald. Die historische Innenstadt von Neunburg ist übrigens unbedingt sehenswert, wenngleich sie dem Fremden manches Rätsel aufgibt:
In unmittelbarer Nähe der deutschen Ostgrenze bezogen wir schließllich bei Hammer in der Nähe von Waldmünchen unser nächstes Nachtquartier am Rande eines schützenden Maisfeldes. In der nächsten Folge werden wir dann endlich Tschechien erreichen, das Land der herrlichen Städtchen und der schönen Frauen. [2]
[1] Der Herr UpperPalatine möge mir die verallgemeinernde Aussage verzeihen: Ich betrachte ihn als regelbestätigende Ausnahme!
[2] Aus Gründen des Selbsterhaltungstriebes werde ich den zweiten Aspekt nicht detaillierter ausführen können, wofür ich jetzt schon um Verständnis bitte...